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Drittes Blatt.

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Waisenhauses m Hanau. Erscheint täglich mit Ansnahme der Sonn-mird Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Mr. 34

Fernfprechanschluß Nr. 605,

Mittwoch den 10. Februar

Fenrs-reLauschluß Nr. 605

1904

Die Steuerbeamten im neuen Etat.

Der Etat für 1904 bringt für die Verwaltung der Zölle und indirekten Steuern recht erhebliche Aenderungen, die durch­weg darauf abzielen, diese Verwaltung so auszugestalten, daß sie sich den schwierigen Aufgaben, die der Ausschwung unseres wirtschaftlichen Lebens und die Einführung des neuen Zolltarifs mit sich bringen, gewachsen zeigt. Diese Aenderungen bestehen hauptsächlich in einer Vermehrung der Beamtenstellen, in einer zweckmäßigeren Einteilung der Beamten und in be­sonderen Einrichtungen zur besseren technischen Ausbildung der Beamten. Die in einer dem Etat beigefügten Denkschrift ein- gehend erläuterten Neuerungen haben aber auch die Gelegen­heit geboten, einen großen Teil der Wünsche zu erfüllen, die die Steuerbeamten hinsichtlich der Verbesserung ihrer Lage ge­hegt haben. Wir wollen hier nicht näher auf die Aenderungen eingehen, die, wie die Wahl entsprechender Titel mehr ideeller Natur sind; wir wollen nur die Neuerungen hervorheben, die eine Verbesserung der wirtschaftlichen Lage der Beamten herbei- Mren werden. Hierhin gehört zunächst die Bemessung des Gehalts für die neugeschaffenen Beamtenklassen der Zoll- und Steuersekretäre und der Oberzoll- und Steuerassistenten und -Zoll- und Steuereinnehmer auf 1500 bis 2700 Mk. Die zuletzt genannten Beamten werden hiermit den mit ihnen im gleichen Range stehenden Beamten anderer Verwaltungen, wie den Bureauassiftenten der Eisenbahnverwaltung und den Gerichts­schreibergehilfen und Assistenten gleichgestellt. Das Gehalt der Sekretäre und Obereinnehmer unterscheidet sich zwar nicht wesentlich von dem Gehalte der Hauptamtsassistenten und Ein­nehmer L Klasse, aus denen sie hervorgehen werden; immer­hin wird aber die Festsetzung des Endgehalts auf 3800 Mk. non vielen Beamten mit Freuden begrüßt werden. Wenn der öfters zum Ausdruck gebrachte Wunsch dieser Beamten um Be- meffung ihres Anfangsgehalts auf 1800 Mk. keine Berück­sichtigung gefunden hat, so dürfen wir dies wohl darauf zurück­führen, daß bei der Feststellung der Gehälter für die neuen Beamtenklassen zur Vermeidung weittragender Berufungen die Grenzen nicht überschritten werden durften, die nach dem Ab­schluß der Gehaltsaufbesserungen für die gleichstehenden Be- amtenklassen bei anderen Verwaltungen gezogen worden sind. Zugleich fällt doch auch in das Gewicht, daß die zweite und die dritte Gehaltsstufe für diese Beamten auf 1900 und 2300 Mk., anstatt, wie bisher, auf 1800 und 2100 Mk. be­messen worden ist, was auch eine alsbaldige Aufbesserung der Besoldungen. der bereits auf höheren Gehaltsstufen befindlichen Zoll- und «steuersekretäre und Obereinnehmer um 1 bis 200 Mk. bedeutet.

Es ist noch darauf hinzuweisen, daß durch die Umwand­lung von 41 Stellen von Revisionsinspektoren mit einem Ge-

Feuilleton

Slovellette von M. Prigge-Brook.

(Nachdruck verboten.)

Die weißen Vorhänge in den beiden Vorderstuben waren frisch aufgesteckt, die Fensterscheiben blitzten im Sonnenschein, man konnte sich darin spiegeln. Und wie sie von außen so sauber und festesfroh anzusehen, so zeigte die Keine Wohnung auch innen ein überaus freundliches Gesicht, alles strahlte und blinkte, ein neuer Glanz lag über den alten Sachen.

Er lag auch auf dem Antlitz der blassen, verhärmten Frau, beten Platz am Fenster jetzt meistens leer blieb. Sie, die sonst nicht den kleinsten Schritt tat, ohne zu klagen und zu stöhnen über mancherlei Schmerzen. Sie lief jetzt geschäftig hin und her von ihrem Wohnstübchen in die Küche, von dort in ihrer Tochter winziges Kämmerlein, um wieder zurückzukehren zur größten und schönsten Stube, die das Louischen dem Fritz hergerichtet.

Die Kanzleirätin erwartete ihren Fritz. Zehn Jahre hatte sie ihn nicht wieder gesehen, war er nicht heimgekehrt seit jenem Tage, da sie ihn schweren Herzens von sich ließ. Ihr Mann war kurz vorher gestorben, das Louischen ein unwillkommener Spätling, noch klein, da hatte der Bub sich aufgerappelt und trat eines Tages vor die schwache, kränkliche Frau, die es nicht hatte fassen können, daß ihr der Ernährer entrissen worden.

Mutter, ich habe dem Ohm geschrieben, er hat geant­wortet und nun gehe ich zu ihm", hatte er kurz gesagt.

Sie war noch einen Schein bleicher geworden und klam­merte sich an ihn an.Geh nicht, mein Fritz, geh nicht, ich sterbe, wenn Du auch von mir gehst."

Er hatte sie sanft getröstet und gemeint, so dürfe sie nicht reden, denn das Konischen sei auch noch da, wenn eins, so habe das arme achtjährige Ding Anrecht an ihre Pflege.

halte von 2700 bis 4200 Mk. in Stellen von Oberrevisoren mit 30005000 Mk. Gehalt, ferner durch die Einstellung von neuen Stellen für 12 Oberrevisoren, 8 Oberkontrolleure und 32 Sekretäre und Einnehmer in den Etat, endlich durch die noch weiter bevorstehende Vermehrung der Beamtenstellen infolge der Einführung des neuen Zolltarifs die Beförderungs- verhältnisse besonders der aus dem Supernumerariate hervor­gegangenen Beamten sich ganz erheblich bessern werden.

Kulturhistorische Skizze von Dr. S. Habermarm.

(Nachdruck verboten.)

... Die schöne Frau schlug ihrm Fächer auf und feilte ihn mit langsamen, regelmäßigen Schlägen in Bewegung. Er umschwebte sie, wie etwas Lebendiges, wie der Schmeitcr- ling die Rose. Sein leises Rauschen schien ein Gesang, schien eine Sprache zu sein. Wer sie verstehen könnte, diese Sprache! Wollte der Fächer uns seine Memoiren erzählen, sie würben wohl interessanter sein, als irgend welche Memoiren, die bisher geschrieben wurden. Denn er ist älter, als Methusalem, weiter gereift als Sindbad, er hat mehr Erfahrung von den Frauen, als Don Juan, er hat Feste und Kriege miigemacht, den Wandel der Zeiten überdauert und kann sich der allervor- nehmsten Bekanntschaften an Höfen so gut, wie in den Kreisen der Kunst und Wissenschaft nähmen. Seine Erinnerungen sind ein prächtiges rmd buntes Bilderbuch der menschlichen Kulturgeschichte, in dem man wohl gern einmal an einem molligen Winterabende andes Herd's gesell'ger Flamme" oder im Schatten alter Bäume an einem Sommertage blättern mag. Versuchen wir, ob wir einigen Bildern daraus ein wenig Form und Farbe geben können.

Der Fächer ist ein Sonnenkind. In seinen Reiseerinne- rungen fehlen ihm nur die arktischen Gegenden, und es scheint, daß ihm die Herrlichkeiten des Nord- und des Südpols wirklich verschlossen bleiben sollen, da die Herren Nansen, von Drygalski und Genossen ihn bei ihrer Ausrüstung nnbilligerweise stets vergessen. Aber da irgendwo unter den Tropen, wo die Blume Mensch sich zuerst entfaltet hat, da brach vor ungezählten Jahrtausenden ein Menschenweibchen oder Menschenmännchen zum erstenmale ein Palmblatt ab, um sich gegen dir allzu tätige Sonne zu schützen; und der Fächer war geboren. Nein, nicht geboren, sondern erst vorgebildet. Als ein selbständiges Geschöpf tritt unser Freund erst in die Geschichte ein, wenn Menschenhand ihn freilich nach den Anweisungen der gütigen Allmutter Natur zrveckvoll gestaltet. Das Palm- blatt, das in der Urgeschichte des Fächers bei manchen eine so große Rolle spielt, ist in der Tat für den geschichtlichen Fächer von keiner großen Bedeutung, schon deshalb nicht, weil

Er aber wolle der Mutter ihr Los erleichtern, drum triebe es ihn fort. Hier komme er doch zu nichts. Kann er auch dem Vater recht dankbar sein für die höhere Schulbildung, jetzt habe er das Einjährige und nun sei es genug. Zum Studium lange es doch nicht, selbst wenn der Vater am Leben geblieben sei, und so habe er sich's lang schon vorgenommen, er wolle nach Brasilien!

Seine Mutter hatte mit tief gesenktem Köpfe zugehört, was der erst Siebzehnjährige ihr erzählte. Ihr Herz zog sich zusammen in bitterem Weh. Eine Träne fiel langsam auf ihre schmale Hand, da hatte das Keine Mädchen sich scheu und zärtlich zu ihr gewandt:Weine nicht, Mütterchen."

O, Du" unsanft löste sie die feinen Kinderfinger wenn Du nicht wärst."

Sie hatte es nur gemurmelt, aber das Kind verstand es. Es lernte früh verstehen, daß es überflüssig war. Der Fritz, der war der Eltern Abgott, ihr Auf und Nieder; für ihn sparten und darbten sie,daß er's mal besser hat, wie sein Vater", pflegte der Kanzleirat zu sagen. Er. hatte nur einen Traum geträumt, den, feinen Buben dereinst als Rat zu sehen, bei der Steuer, der Eisenbahn oder der Post. Da kam das Kleine und der Traum zerrann! Die Mutter blieb schwach und zart, brauchte gute Kost und Hilfe, sodaß das Sparen aufhören mußte. Ja, es hätte schlimmer werden können, hätte der Kanzleirat nicht einen Bruder gehabt, der als 18jähriger Tu­nichtgut hinübergegangen. Dem hatte der fremde Wind da draußen wohlgetan, er rappelte sich auf, wurde ein Mann und erwarb Gelb die Menge, wenn man ihm glauben durfte. Er hatte sogar dem Bruder angeboten, zu ibm zu kommen mit Weib und Kind, der aber hatte davon nichts wissen wollen. Die Sendungen, die der Ohm zuweilen schickte, retteten den Haushalt vor dem Verfall, an dem nach Meinung der Eltern nur das Kleine Schuld trug. Jetzt sollte nun die »erlassene Witwe auch noch das Letzte geben, wa§ sie besaß, ihren Fritz? Sie konnte und konnte nicht.

Der Bub aber ließ nicht locker; er bewies ihr sonnenklar,

das getrocknete Palmblatt nur eine geringe Festigkeit besitzt. Der Palmblattfächer ist also immer nur ein Augenblicks-, Not- und Naturfächer gewesen; den ältesten Ahnen der weit­verzweigten Familie Fächer haben wir vielmehr wohl in dem Flechtfächer gu sehen, der sich bei den verschiedensten Natur­völkern in einer ganz erstaunlichen Fülle von Formen uudoft in überaus schöner Ausführung vorfindet. Insoweit das Palmblatt zur Herstellung des Fächers benutzt wird, wirb es erst, wie z. B. in Indien oder bei den Fidschi-Insulaner», einer kunstgerechten technischen Bearbeitung unterzogen.

Wie alt der Fächer eigentlich ist, das läßt sich nicht be­rechnen. Er wird wohl mrgefähr so alt wie die Menschheit sein. Er findet sich auf den ältesten Dokumenten menschlicher Kultur, die wir bislang kennen, auf jenen babylonischen Siegelzylmbern, die ungefähr aus der Zeit des Hammurabi, also beiläufig 2200 v. Chr. stammen." Die Gestalt, in der er hier auftritt, ist die deS Fahnenfächers. Dieser Zweig der Familie Fächer, ein Abkömmling des urchrwürdigen Blatt- fächers, ist heut aus der Kulturwelt so ziemlich verschwunden, aber er hat eine schöne mtb glänzende Geschichte hinter sich. Er hat seine Blütezeit in der belln Venezia gehabt in jenen Tagen, als Tizian der Schönheit der Benezianerisnm ein unsterbliches Denkmal setzte. Dieser Meister hat den Fahnerl- fächer auf seinen Frauenbildniffen verewigt. Er scheint da­mals besonders in Venedig und der Terra &nna mode ge­wesen zu sein, während die Italienerinnen der Rrnaiffan« sonst den Federfächer bevorzugten. In keuschem Weiß wurde er der Braut alS Hochzeitslächer ubwreicht, in kostbarer Aus­stattung gehörte er zum Luxus der vollkommenen Weltdame.

Bei uns, wie gesagt, weiß man vom Fahnerrsächer kaum noch etwas; er wurde durch seinen glücklicherm Vetter, den Faltfächer, verdrängt. Dieser siegreiche Rivale stammt aber aus Ostasien. Es hat eine Zeit gegeben, wo in Europa ein richtiger Kampf zwischen dem biS dahin beliebten Fächer aus Straußenfedern und dem neu einbringenben Faltfächer gefährd wurde. Die Waffen dieses KampfrS waren Geschmack, Kunst und Erfindung. Rubens hat in ihm für den Federfächer Partei genommen, den er bei seinen Porträts bevorzugte; allein nach der Mitte des 17. Jahrhunderts ist das Schwand« entschieden, der Faltfächer hat gesiegt, und keine vornehme' Dame läßt sich jetzt anders, als mit ihm porträtieren. Ru­bens vertritt den Federfächer, sein Schüler van Dyck repräsen­tiert die neue Periode des Faltfächers.

Um nun aber diesen in feine .Heimat zu verfolgen, so ist er eine Erfindung der Japaner. Er soll unter dem Kaiser Tenji (668672) erfunden worden sein; nach China scheirü' er erst beiläufig 800 Jahre später gekommen zu sein und irr diesem konservativen Lande war er anfangs als rmgehörige Neuerung verpönt und ehrbare fronen durften ihn nicht

daß sie mit der Keinen Pension und der Beihilfe, die ihr der Schwager versprochen, reichen könne für sich und das Kind, er aber müsse verdienen.

Und bin ich erst so weit, Mutter, daß 7^*5 zw »atz ge­bracht habe, so komme ich und Hole Euch, das wird dass ein Leben fein. Und nun läßt Du mich, gelt?"

Sie hatte ihn lassen müssen, aber feitbem Hatts^sirnuemaud mehr lachen sehen, und gepmb wurde sie auch nicht mehr. Dem Louischen aber ging an dem Tage, da Bruder Fritz von ihr schied, der Ernst des Lebens auf. Es wußte plötzlich, was Tod und Trennung heißen, und klammerte sich mg an seine Mutter an. Die hatte keimn Blick für das Kind.Geh' schlafen, ich muß allein sein," hieß es.

Und so hatte es oft geheißen seitdem. Louischen wuchs Hera», ein braves, fleißiges Kind, daS nur für die Mutter lebte; doch die bemerkte das kaum. Die Jahre kamen und gingen; aus dem Knaben machten sie einen Mann, der hielt, was er versprochen! Die Mutter darbte nicht, sie lebte mr Gegenteil sorgloser denn je, dank den reichlichen Spenden, die Fritz ihr schickte, der bei dem Onkel eingetreten war. Nur in

langen wollen, später die Zeit, bis 10 Jahre Mrgarrgeu. ®ff hielt es die Kanzleirätin nicht mehr. Ihre Anest wMd« dringender, die Bitte lauter:Wenn Du nicht bald kom»», findest Du mich nicht mehr," schrieb sie. _.

Darauf antwortete Fritz, er komme, der Ohm mmge lich ein, ihn auf kurze Zeit zu entbehren.

Der Jubel, der in der Keinen Wohnung h-Mchte, war unbeschreiblich. Die KränKichkeit der Kanzleirätin schien ww fortgeblasen, sie dachte kaum noch daran. ^Jmmer^rvwder uef sie hinter Louischen her, die all ihre kleinen Schätze zum Schumcke des Zimmers hergegeben, in dem der Bruder Waten füllte. Blumen blühten am Fenster, Blumen standen in der kleinen Schale auf dem Tische, denn nun mußte er ksimu«, sein letzter Brief datierte aus Newyork.