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Erstes Blatt

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Sierteljährlich 1,80 W., monatlich 60 Pfg., für aus. wärtige Abonnenten mit dem betreffenden PogWfjchlaz. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Peützeil« oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg.,

Gedruckt und $erlegt in derBuchdruckerei des verein, er. Waisenhauses in Hanau.

, Amtlicher Organ fir Liadt- uni Milleis Hanan.

im RellameutheU die geile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

_ ~ , ....... Verantwort!. Redakteur: G. SHrecker in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, Mit belletrislischer Beilage.

Nr. 133 Fernsprechanschluß Nr. 605. Donnerstag den 9. Juni

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Ferusprechanschluß Nr. 605. 1904

Amtliches.

Landkreis Danau.

BelmmtmatlM-'en des Wniql. Landratsamtes.

Der Taglöbver Philipp Zeller von Hüttengesäß ist zum 2. WelÄhüter der Gemeinde H ü 1 t e n g e s ä ß bestellt und verpflichtet worden.

Hanau den 4. Juni 1904.

Der Königliche Landrat.

V 3892 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Handelsregister.

Firma Wilhelm Ruth in H a nau: Unter dieser Firma betreibt der Kaufmann Wilhelm Ruth in Hanau ein Handelsgeschäft als Einzelkaufmann.

Hanau den 4. Juni 1904.

" Köngliches Amtsgericht 5. 10654

Bus Stadt und Cand.

Hanait, den 9. Juni.

Historische Gedenktage.

9. Juni 4.37.3. Erboerbrüderung zwischen Hessen und Thüringen.

9. 3»mi 1598 ereignete sich zu Nenlershausen eine von den wilden Totschlagszenen, welche unter dem Landadel damals häufig vorkamen, und zwar häufiger als im sogenannten Mittelalter, wo der Landadel weniger roh und rauMsliz war, als seit dem 14. Jahrhundert: aus einem freund­schaftlichen Zusammensein mehrerer Edelleute auf dem Baumbach'schen Hofe zu Nenlershausen entwickelte sich ein Zank, der alsbald in einen Kampf mit Dolchen, Rappie- ren und Büchsen ausschlug und damit endete, daß Hein­rich von Baumbach von Friedrich Trott zu Solz er­schossen wurde. Dergleichen Stücklein wüßte der Chronist noch viele zu berichten, aber dieses eine mag Beleg genug sein für jene Zustände.

* Erledigte Pfarrstelle. Berwerber um die infolge Ablebens ihres seitherigen Inhabers erledigte erste Pfarrstelle an der Johanniskirche in Hanau können ihre Meldungs­gesuche durch Vermittelung ihres zuständigen Superintendenten binnen 4 Wochen an Königl. Konsistorium in Gaffel ein« reichen.

* Fernsprechverkehr. Der hiesige Sprechverkehr ist auf Halberstadt ausgedehnt worden (vorerst jedoch nur in der verkehrsschwachen Zeit.

Feuilleton.

Das Schmkcl-Rch.

Jagd-Humoreske von August Gotthard.

(Nachdruck verboten.)

I.

Heinrich, der junge Forstgehülfe, ein schmucker, kerniger Bursche, hatte eine herzige Liebe zu Marie, der schönen Tochter des alten.sters, welcher mitten im Wald wohnte.

Um das Forsthaus erhoben uralte Buchen ihre vom Herbst goldig gefärbten Häupter, und wenn die Sonne durch die Bäume in die niedrigen Stuben strahlte, und Heinrich in feinem Zimmer, die Schießwaffen sorgfältig putzend, dem mun­teren Gesänge lauschte, der aus der ebenerdigen Küche kam, dann ging es wie ein Schimmer von seligem Glück über die hübschen Züge seines wettergebraunten Antlitzes; denn Marie war es, die unten in der Küche die lieben Lieder sang, die im Volke gang und gäbe sind.

Und Heinrich dachte daran, daß auch Marie ihm nicht ab­geneigt zu sein schien; schon oftmals hatte sie ihn doch mit eigentlich recht verliebten Augen angeblickt, wie er bemerkt zu haben glaubte. Ooer war es nur Irrtum von ihm? Denn richtete er einige Worte an das hübsche Mädchen, dann suchte sie wie ein schüchternes Vöglein sich aus seiner Nähe zu ent­fernen, was unsern Heinrich jedesmal recht verdroß.

_ .Kam aber der Sonntagsjäger, der Sohn des reichen Sp-elwarenfabrikanten Kurzer, aus der nähten Stadt, mit seinem Kneifergesicht und den spindeldürren Wade«, die in rotlederne« Schaststiefeln stechen, dann strahlte Marie förmlich vor Freude. Sie konnte gar nicht genug den albernen Erzählungen zuhören, die der Roilederne mit großem Selbstbewußtsein zum Besten gab, wenn er, wie es meist der Fall war, zu kurzer Rast bei einem Jagdausflug inS Forst­haus einkehrte.

* Postausweiskarten. Um dem Publikum den Aus­weis beim Empfange von Postsendungen zu erleichtern, sind die Postämter versuchsweise ermächtigt worden, vom 1. Juni ab für den inneren deutschen Verkehr Postausweiskarten aus- zugeben, die als vollgültiger Ausweis nicht nur an den Post­schaltern, sondern auch gegenüber dem Postbestellpersonal dienen sollen. Bei der Abtragung von Postanweisungen sowie von Wert- und Einschreibsendungen an einen dein bestellenden Boten unbekannten Empfänger, der sich durch Vorlegung einer Postausweiskarte ausweisen kann, bedarf es daher der sonst vorgeschriebenen Bürgschaftsleistung durch den Gastwirt oder eine andere bekannte Person nicht. Die Postausweiskarten haben eine Photographie, eine kurze Personalbeschreibung und die eigenhändige Unterschrift des Inhabers zu ent­halten. Für ihre Ausstellung ist eine Lchreibgebühr von 50 Pfg. zu entrichten. Anträge finb au diejenige Pöst- anstalt, welcher die Wohnung deS Antragstellers zugeieilt ist, persönlich unter Vorlegung einer ««aufgezogenen, nichts zu dunklen Photographiein Disitformat, zu richten. Der Psstanstalt uubekanule Personen haben sich durch eine andere Person oder in sonst zuverlässiger Art «üszuwsiiew Postsusweiskarten sind ein Jahr, vom Tage der Ausstellung ab gerechnet, gültig. Post« ausweiskarten, während bereit Gültigkeitsdauer im Aussehen des Inhabers solche Aenderungen einireten, daß die Photo­graphie oder die Personalbeschreibung nicht mehr zutreffen, müssen schon vor Ablauf der Frist erneuert werben. Der Jn- 5aber einer Pssiausweiskane ist für alle Nachteile verantwort­lich, die aus dem Verlust oder der mißbräuchlichen Benutzung der Karte entstehen.

* ZagSkale^rer. Im Monat Juni dürfen nur Reh- becfe geiSoOen werden; alles anscie Wild hat Schonzeit.

* Schüler-Art sstirge. Die Lehrer und Schüler des Königl. Gymnasiums unternehmen heute Ausflüge. Die oberen Klassen haben ihr Ziel nach dem Taunus, die mittleren Klassen nach dem Odenwald und die unteren Klassen nach dem Spessart gerichtet.

* Regiment 83. Alle Kameraden, welche ge-onnen sind, an her Enthüllung des Denkmals für die im Feldzug 1870/71 gefallenen Kameraden teilzunehmen, werden ersucht, sich bei Herrn Landkrankenhaus-Inspektor Schäfer dshier entweder schriftlich oder mündlich, spätestens bis zum 25. d. M. zu melden. Hierbei ist anzugeben, ob die Teilnehmer in Bärgerquartieren oder in Gasthäusern untergebracht zu werden wünschen. In der zweiten Hälfte des Monats Juli findet außerdem noch eine Berfammlnng der Kameraden statt, worin noch alle näher getroffenen Bestimmungen bekannt gemacht werden. Fahrpreisermäßigung findet bestimmt fielt.

* GolkshitSUNgstag. Der Rhein-Mainische Verband für Volksvorlcsunükn und verwandte Bestrebung» bält seine

Heinrich lachte, wenn er baren dachte, daß der Spiel- mareftfabrifant eigentlich noch niemals elwss anderes ge­schossen hatte als Löcher in die Luft. Aber riesig verdroß es unsern Forstgehilfen, daß Marie diescri rsiledernen Schaftstiefelträzer so beoorzugte. Vergebens sann Heinrich darüber nach, wie er ivohl den Rivalen unschädlich machen könnte.--

Als Heinrich in den nächsten Tagen zufällig auf dem Boden des Forsthau es zu tun halte und dort ein alles Schaukelpferd sah, kam ihm jedoch plötzlich der erlösende Gedanke.

Still vergnügt erkundigte sich dcr junge Jäger beim Föister, ob der Roilederne zur nächsten Treibjagd komme, und lustig pfiff der schmucke Bursche vor sich hin, wenn ihn von nun an der Weg, wie es oft der Fall war, zu einer Jagdkanzel in der Stäbe sührle.

II.

Der Tag der Treibjagd war gekommen.

Der Roilederne war mit verschiedenen Freunden im Forst­hause erschienen und beeiferle sich, Marie, des Försierstochter, den Hof zu machen, was deren Mienen sichtlich ausheiterie. Infolge dessen blickie Heinrich finster vor sich hin, nur ab und zu erhellte ein Strahl geheimer Freude fein betrübtes Antlitz. Glücklicherweise brach der Roilederne bald mit feinen Freunden auf.

Die Hunde bellte«.

Es ist die reinste Gigerljagd !" meinte Heinrich zum allen Förster, welcher in den meisten Bart lachie.

Draußen blies der Diener deS Roilederne« einen Jagd- ruf durch ein funkelnagelneues Horn in den Wald hinein. Dann gingen die Jäger ins Gebüsch zu ihren Jagdkanzeln, zu denen die Treiber das Wild hinscheuchen sollten.

III.

Einsam aus seiner Jagdkanzel stand der Sohn dc§ reichen Spielwarenfabrikante« Kurzer. Schon war eine gute Zeit ver­strichen; rechts von ihm hatten berei's die Büchsen Qtfnallt,

diesjährige Hauptversammlung Sonntag den 26. Juni, vor­mittags 11 Uhr, im Hörsrale der Dr. Senckenbergischen Bibliothek in Franksurt a. M. (am Eschenheimer Tor) unter dem Vorsitze des Herrn Dr. Kobelt-Schwanheim ab. Die Herren Prof. Dr. Staudinger aus Darmstadt und Stadtrat Dr. Flesch aus Frankfurt werden über Aufgaben und Organi­sation der heutigen Volksbildungsbestrebungen sprechen; Herr Dr. Ph. Stein aus Frankfurt wird sich über den Zusammen­schluß zielverwandter Körperschaften auf dem Gebiete des Volksbildnngswesens verbreiten, und der Verbandsgeschafis- sührer Volk wird über die praktische Tätigkeit des Rhein- Maini'chen Verbandes in seinen verschiedenen Arbeiisver- zweigungen (Dorlragswesen, Volksbjbliotheken, künstlerische Darbietungen und Volksunterhaltung) referieren. Zu dieser Versammlung, die zugleich als allgemeiner Volksbildungstag für das Rhrin-Maingebiet gedacht ist, sind alle Freunde der Bolkswohlfahrt, insbesondere aber alle diejenigen höflichst ein- geladen, die der Volksbildnngssache durch Gründung von -Vereinen, Bibliocheken ec. zu dienen beabsichtigen. Näheres über den Rhein-Mainischen Volksvorlesungs-Verband ist durch den Geschäftsführer, Lehrer G. Volk in Offenbach a. M., zu erfahren.

* Berschönerungsverein. In Ergänzung unserer gestrigen Notiz tragen wir heute noch nach, daß amKohl- brunnen" der Verschönerungsverein Hanau ganz bedeutende Reparaturen hat vornehmen lassen. Das zum großen Teil eingefallene Brunnengewölbe wurde neu aufgemauert und mit Rasen bedeckt, der Ablaufgraben ein großes Stück zementiert und damit dem Wasser der Quelle guter Ablauf ge; eien. Fer­ner sind zwei Treppchen gemauert, um bequem zum Brunnen gelangen zu können, dessen Boden mit grobem Kies bedeckt wurde. Zur Rast für ermüdete Spaziergänger sind drei Bänke aufgestellt, desgleichen auch ein Tisch, und kann allen Freunden einer ausgezeichneten Waldluft ein Gang nach dem Herrlichan Plätzchen bestens empfohlen werde«. Man versäume nicht, einen Trinkbecher mitzunehmen,

)( Rene Tänze. Wie aus dem Programm der Hoch­schule desBrindes deutscher Tanzlehrer", welche vom 2. bis

10. Juli in Karlsruhe stattfindet, ersichtlich, kommen daselbst u. a. salzende Kostümtänze zur Einstudierung:Schäffler- ianz",Kinderballei",Roman-Quadrille",Tarantella" und Nixentanz". Der letztgenannte Tanz, von 16 Damen ge« tanzt, wurde bereits im letzten Winter bei Gelegenheit des Balles der hiesigen Rudergesellschast durch Herrn Tanzlehrer Fr. K i s s e I st e i n hier einstudiert und ist Herrn Kisselstein auch für die Karlsruher Gelegenheit das Lehramt übertragen worden. Mßer den vorgenannten Tänzen umfasst das Karls­ruher Programm noch Schultauzen und neue gesellschaftliche Figur-münze,

aber ihm war noch nichts vor die Mündung gekommen. Die Sache begann langweilig zu werden. Blickte er aber auf sein schönes Jagdkostüin, so erfüllte ihn hoher Stolz.

Doch was ist das? Ein Ionisiern wird hörbar! Ein Rascheln im Gebüsch! Hub siehe, dort ein Reh, welches schüchtern den Kopf durch das Buschwerk steckt. Hub jetzt guckt es wieder, und jetzt «och einmal!

Die Büchse an die Wanze reißen, lsidrücke«, war für den jungen Nimrod eins.

Dann blickte er hinüber.Ach," teufte er,das Reh lebt noch!" Wieder streckte es den Kopf durch das Ge­büsch. Noch einen Schuß! Donnernd hallte er durch den Wald. Und Kurzer schaute wieder hinüber. Das Reh nickte immer noch!

Donnerwetter! Das Vieh steht ja verdammt fest im Feuer!" fluchte er vor sich hin.Warte, dir blase ich das LebiNslicht heute doch noch ans!"

Mit diesen Worten eröffnete er ein furchtbares Schnell­feuer auf das Reh.--

Und der Wald erdröhnte von bem rasenden Geknalle. Der Hund Kurzer» aber verkroch sich ängstlich.

Don allen Seiten liefen jetzt die staunenden Jagdgenossen- unb die lachenden Treiber herbei. Auch Heinrich und der alte Förster tarnen. Der Diener blies ins neue Jagdhorn and Freude, daß die Jagd, wie er meinte, heute ein so glän­zendes Resultat hätte, denn soviel sei doch noch nie geschossen worden.

Keiner von den Jägern hatte zwar etwas getroffen, aber Kurzer zeigte, bebend und wortlos vor Aufregung aus die Stelle im Gebüsch, auf welche er sein Jagdichnellfeuer ge­richtet hatte.

Die Hunde heulten.

Alles eilte aus den bezeichneten Busch, große Spannung lag in den Miene». Und was war hinter dem Busch: Ein nnoersehries Schaukelpferd, dem man ein Rehgehörn mit ein paar Nägeln auf dem Kopf befestigt hatte.