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Waisenhauses in Hanau. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Verantwort!. Redakteur: G. Schrecke? in Hanau,

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Nr. 6, £&9H&^

Fernsprechanschlnß Nr. 605.

Gesnndeue und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 Herren-Ring mit rotem Stein, 1 An­hänger (Medaille).

Zugelaufen: 1 langhaariger schwarzer mittelgroßer Hund (Bastard), 1 gelber schottischer Schäferhund mit Hals­band, beide m. Geschl.

Hanau den 8. Januar 1904.

Aus Stadt und £and.

Hanau, 8. Jannar.

OeffsntlichZ Schirm der Stadtverordneten- Versammlung

vom 7. Januar 1904.

Anwesend die Herren Canthal, Vorsteher; Küstner, Stell­vertreter; Aukamm, Bmlly. Brüning, Craß, Eberhard, Glaser, Dr. Heraens, Hoch, Jost jr., Kehl jr., Kreuter, Loßberger, Lucht, Müller, Reis, Schroeter, Steinheuer, Spatz, Schwabe, Stübing, Treuich, Voltz und Dr. Wagner.

Vom Magistrat: die Herren Oberbürgermeister Dr. Gebe- schus, Zweiter Beigeordneter Dr. Elsenach und Sladtbaurat Schmidt.

Nach Genehmigung des Protokolls der letzten Sitzung er­stattet der Vorsteher Herr Frttz Canthal den

Jahresbericht, aus führend:

Als ersten Punkt unserer Tagesordnung wollte ich mir gestatten, in üblicher Weise in einigen Worten Ihnen über die Tätigkeit dieser Korporation im verflossenen Jahre zu be­richten. Meine Herren! Wir haben zwar recht lange Sitzungen gehabt, aber die Zahl dieser Sitzungen hat diejenige des Vor­jahres nur um eine überschritten. Es haben im ganzen 22 öffentliche und 7 geheime Sitzungen stattgefunden, in welchen 388 Beratungsgegenstände bewältigt wurden; vorbereitet wurden diese in 38 Aus'chußfitzungen, von welchen 21 auf den Finanzausschuß entfielen.

In der Zusammensetzung der Korporation sind im Laufe des Jahres einige Veränderungen zu verzeichnen gewesen, teils durch Todesfall, teils durch Au?scheiden oder Mandatsnieder- legung einzelner unserer Mitglieder: Herr Friedrich Koch ist leider verschieden, die Mandate sind niedergelegt morgen von den Herren Friedrich Jung, Dr. F n e s und W ö r n e r. Auch hatten wir das Ausscheiden zweier Mitglieder des Ma­gistrats durch den Tod zu beklagen. Anstelle der verstorbenen Herren Ferdinand Koch und Dr. Bulle sind in einer der letzten Sitzungen die Herren Brack er und Gau ff als neue Magistratsmitglieder von uns gewählt worden.

An den Vertretungen nach außen war die Korporation vertreten in Dresden beim deutschen Städtetag durch mich, in Orb beim hessischen Städtetaae durch Herrn H o f f m a n n und in Wiesbaden beim Sparkaffentage durch Herrn Treusch.

W e gewöhnlich haben auch in dieser Periode die Ange­legenheiten der Bauabteilung unserer Verwaltung einen großen Teil unserer Beratungen in Anspruch genommen und Stoff zu unseren Beschlüssen ergeben.

Was den Hochbau anbelangt, so kann ich darauf Hinweisen, daß auf Grün» früherer Beschlüsse der Bau der neuen Mittel­schule derart gefördert worden ist, daß wir die Freude haben konnten, im Laufe dieses Sommers der Eröffnung derselben beiwohnen zu können und Zeuge der Ucbergabe dieses schönen Gebäudes für seinen Zweck zu sein. Wir haben dabei gewiß den Eindruck gewonnen, daß mit diesem Neubau die bauliche Ausgestaltung unseres Schulwesens eine außerordentliche Auf­besserung erfahren hat und daß wir mit diesem Neubau na­mentlich den mittleren Schichten der Bevölkerung einen großen Dienst erwiesen haben; einen Dienst, dessen Bedeutung sich bereits dadurch zu erkennen gibt, daß die Frequenzziffer der Mittelschule ganz außerordentlich zugenommen hat, dies beweist am besten, wie notwendig dieser Neubau war, wie lehr seine Nützlichkeit von unserer Bevölkerung anerkannt wird. Weiter ist'serliggcstellt worden, wenn auch noch nicht seinem Zweck übergeben, das Gebäude für die Kleinkinderschule. Die Ue'ergebe dieses Gebäudes für den Betrieb soll im April statlftndcn, während wohl eine Besichtigung des fertiggestellten Baues in den nächsten Tagen wird stattfinden können. Weitere Beschlüsse, den Hochbau betreffend, haben stattgefunden im Sep­tember v. Js. und zwar in Bezug auf den Bau von Arbeiter- Wohnhäusern. Es ist von uns beschlossen worden wie die Herren sich erinnern werden die Niederlezung der Rhein- !?kn Häuser am Bangert. Diese Angelegenheit ist so weit ge- wrdert, nachdem die Pläne genehmigt find, daß der Abbruch der alten Gebäude noch im nächsten Monat stattfinden kann, lo° gleich darauf im Frühjabr an deren Stelle ein Neubau wird erstehen können. Des Weiteren waren wir beschäftigt

^reitaa dw 8. Januar

mit der Fraae des zweckmäßigen Aulbaues eines SiechenhauseS. Sie werden sich erinnern, daß eine Kommission zu diesem Be­hufe gewählt worden ist, die auch nach außen tätig war, um derartige Einrichtungen zu besichtigen. Die Bearbeitung des Projektes ruht noch in den Händen desBauamtes und ist mir gesagt worden, daß wir wohl im Laufe des Winters die entsprechende Vorlage zu erwarten haben werden. Auch auf dem Gebiete des Plan-(Straßen-)Baues war eine nicht unwesentliche Be- tätigung der Korporation zu verzeichnen. Ich erinnere an den Ankauf des Hauses in der Leimenstraß- zu dem Zweck, einen Verbindungsweg herzustellen von der Salzstraße nach dem neuen Schulgebäude. Es haben ferner Straßenausbauten stattgefunden in der Gegend des neuen Schulgebäudes, um dasselbe in bessere Verbindung zu setzen mit unserer Stadt und zwar sind hier zu nennen der Ausbau der Garten- und Waldstraße, ferner derjenige des Mühltorweges und wird noch die Vorlage kommen (oder ist sie schon da), welche uns beschäftigen wird mit der Feriigstellung des Sandeldammes, ebenso mit der Verbindungsstraße zwischen Mübltor und Grüner Weg, am Landkrankenhause entlang. Es sind weiter zur Er­ledigung gebracht worden eine ganze Reihe von Fluchtlinien- plänen, die im wesentlick-n geschaffen sind zur Sicherung des Wasserwerks II und Aufschließuna des Terrains zwischen Leipziger Straße und Kirschenallee. Wenn auch nicht unmittel­bar mit der Bautätigkeit zusammenhängend, so doch in innigem Anschluß an dieselbe ist zu registrieren der Erwerb von Ge­lände. Wir haben Terrain erworben an der Bruchkobler Landstraße zum Teil in Verbindung mit dem Projekt zur Er­richtung des Siechenhauses. Einen größeren Komplex haben wir ferner erworben (lerder nicht soviel als erwünscht war) am Lehrhof; diese Angelegenheit ist wohl formell noch nickt ganz erledig«, aber doch soweit, daß sie als tatsächlich perfekt angeie^n werden kann, ebenso die Ueherlasfung dieses Terrains an die Dunlop Tyre Comp. zum Zwecke der Erhaltung dieses B-triebes in unserer Stadt. Es wird ferner wohl heute noch beschlossen werden der Ankauf eines Terrains in unmittelbarer Nähe des Wasserwerks II.

Nächst den Bauiachen sind stets die Angelegenheiten, welche sich mit dem Schulwesen befassen, die wichtigsten und viel­gestaltigsten gewesen. Erwähnen möchte ich, daß gleich zu An­fang des jetzigen Etatsjahres gelegentlich der Etatsbera ungen gewisse Veränderungen in der Erhebung des Schulgeldes beschlossen wurden, derart, daß das Schulgeld für die Ober­realschule eine kleine Erhöhung erfahren hat, eine nicht un­erhebliche Veränderung aber das Schulgeld für ausw ärti ge Kin der. Dadurch ist der Gesamtbetrag des Aufkommens an Schuldgeld um ca. 10,000 Mk. erhöht worden. Wir haben uns beschäftigt mit der weiteren Ausgestaltung der Hilfsschule für Schwachbefähigte und mit der Frage, ob eine zwangsweise Einreibung der jungen Damen, welche sich dem kaufmännischen Beritte widmen wollen, in die Fortbildungsschule erwünscht sei, was auf Grund eingehender Ermittelungen zu verneinen war. Ferner haben wir uns in eingehender Weise beschäftigt mit dem Ausbau und der Ausgestaltung der gewerbl. Fort­bildungsschule, eine Angelegenheit, die zu wiederholten Er­örterungen auch in der betr. Kommission geführt hat. In aller Kürze wird deswegen eine abschließende Vorlage zu er­warten sein. Die Berichte aus den Kommissionen sind Ihnen bereits zugegangen.

Was die industriellen Betriebe anbetrifft, so ist leider zu verzeichnen, daß der Abschluß des R.-J. 1902 ein Minus von rund 52,000 Mk. erbracht bat (Gas- Waffer­und Elektr.-Werk zusammengenommen), infolge dessen bereits für den laufenden Etat wesentlich geringere Summen als Er­trägnis veranschlagt worden sind. Diese letzteren Summen, sind durch die bisherigen Ergebnisse der Betriebe im laufen­den Jahre überschritten worden, wie uns von dem Herrn Oberbürgermeister in voriger Sitzung bereits mitgeeilt worden ist. Die weitere Erhöhung wwd im neuen Jahre aller Vor­aussicht nach dadurch eintreten. daß inzwischen alle Bahnhöfe an die elektrische Leitung an^eichlossen worden fr d, und da­durch, daß eine Verbesserung der Fabrikation des Leuchtgases von uns beschlossen wurde durch Herstellung von Wassergas.

Auf sozialem Gebiet darf ich wobl vor allem erwähnen die erfreuliche Zuwendung, bie' uns geworden ist von dem Komitee, das sich damit befaßt hatte, die 600jäbrige Wieder­kehr deS Tages zu feiern, an welchem der alten Stadt Hanau die Sta direchte verliehen wurden. Aus Sammlungen und Veranstaltungen, die gelegentlich dieser Jubelfeier statlfanden, wurden uns 6000 Mark übernuesen mit der Bestimmung, drß ein Fonds damit begründet werde, aus welchem die Kosten für Kinder, w lche die Ferienzeit in Erholungsstätten verbringen sollen, besinnen werden können. Diesem Fonds haben w r ferner das Reinerträgnis zufüren können aus der Sparkassenverwaltung in Höhe von 4000 Mk. und des weiteren haben wir für diesen Zweck eine Zuwendung

Fernsprechauschluß Nr. 605. 1904

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in Höhe von ca. 2000 Mk. zu verzeichnen, welche nnS von einem Komitee geworden ist, das sich zu dem Zwecke zu- sammengeschlossen hatte, durch Aufführung des ^Freischütz" eine gemeinnützige Sammlung zu veranstalten. Schließlich, meine Herren, ist als einer der wichtigsten Beschlüsse in diesen Angelegenheiten zu verzeichnen die Festlegung, wstche in der letzten Sitzung stattgefunden bat bezüglich der Verbältnisse der städtischen Arbeiter. Eine Reihe von Initiativ'Anträgen hat uns beschäftigt, von welchen ich nur erwähnen möchte ver­schiedene Anträge, welche die Regelung von Wahlangelegen- besten bezweckten, ferner eine Abänderung der EinquartierungS- Ordnung, Einführung von Schulärzten, Zentralstation der Verwaltung, schließlich eines Beschluffes bezüglich der Auf­hebung der Fleischsteuer. Wir nehmen ferner Stellung zu einer handelspolitischen Frage, dadurch, daß wir gemeinschaft­lich mit dem Magistrat eine Eingabe an die Bundesbehörden zur Befürwortung der Interessen Hanaus beim Abschluß von Handelsverträgen richteten. Als rückständig aus den vorher­gehenden Jahren ist zu erwähnen die Angelegenheit betr. die Zulassung der Fäkalieneinführung in unser Siel-System. Meines Wissens hat sich die Erwartung, daß in der aige- larfenen Periode eine günstige diesbezügliche Entscheidung ein­treffen werde, noch nicht erfüllt; doch haben die Verhand­lungen deswegen nicht geruht, im Gegenteil wird in aller Kürze eine definitive Entscheidung der vorgesetzten Behörde zu erwarten sein. Eine weitere wichtige Frage ist auch noch nicht zur Erledigung gekommen. Es ist dies die Frage der Errich­tung einer elektrischen Straßenbahn. Ich habe mich beim Herrn Oberbürgermeister über die Lage dieser Angelegenheit informiert und ist mir mitgeteilt worden, daß der Begutachter sich sehr ungünstig über die Rentabilität des Projekts ausgesprochen habe, sodaß wohl davon Abstand genommen werden wird, sich an dem Projekt zu beteiligen. Dusbezügliche Mitteilungen werden uns wohl noch von feiten der Verwaltung zugehen. Was die finanziellen Verhältnisse anbetrifft, so darf ich er­wähnen die Aufnahme einer Anleihe von 2*/e Millionen Mk., von welcher Summe 1^/, Millionen zur Tilgung und Rückzahlung bestehender Anleihen verwendet werden sollen, ferner 500000 M. zum Erwerb von Grund und Boden und der Rest zur Erledigung sonstiger Bewilligungen. Die Eiatsverhältniffe sind im laufenden Etatsjahre nach den Mitteilungen des Herrn Oberbürgermeisters in letzter Sitzung erfreulicher zu nennen insofern, als wir aus der schlimmen Zeit des Desittts herauskommen werden. Leider ist zu beklagen, daß wir erstmals nach einer langen Reihe von Jahren im R.-J. 1901 ein Defizit von 14000 Mk. und im R -I. 1902 ein solches von 36 000 Mk. zu verzeichnen hatten. Für R.-J. 1903 ist von der Verwaltung die beruhigende Der- siwerung gegeben worden, daß, soweit sich die Verhältnisse über­blicken lassen, die Rechnung nicht nur balanzieren, sondern daß man voraussichtlich noch einen kleinen Ucberschuß erzielen wird. Dagegen hat der Herr Oberbürgermeister ein Bild der Zukunft entrollt bezüglich der Steuerleistung, welche wir von unseren Mitbürgern pro 1904 zu verlangen haben, das nicht rosiger Natur war. Es wird mir wohl gestattet sein, von meiner Kenntnis der diesbezüglichen Beratungen im Magistrat hier kurze Mitteilnnz zu geben. Nach dem, was ich erfahren habe, hat der Magstirat sich inzwischen mit der Feststellung des Etats in wiederholten Sitzungen beschäftigt und scheint eS gelungen zu sein (über die Einrelheiten bin ich nicht ganz ge­nau orientiert), sei es durch Aburiche, sei es durch Verschiebung einzelner Arbeiten, den Etat jetzt so zu gestalten, daß voraus- sihllich von einer Steuererhöhung abgesehen werden kann; mindestens wird dietelbe keine sehr erhebliche sein und keines­falls die Ziffer von 142 pCt. erreichen. Ich möchte darauf hinweisen, daß im Vorjahre der Zuschlag zur Einkommensteuer 125 pCt. betragen hat und daß außerdem noch eine Extraer- Hebung von 5 pCt. stattgefunden hat znm Zwecke der Deckung der Leistungen für die Einyuartierung, sodaß die tatsächliche Leistung sich auf 130 pCt. der Eink.-Steuer belaufen hat und darf ich sack Prüfung des Etats und nach den mtr ^gegangenen Mit­teilungen der Hoffnung Raum zu geben, daß im neuen Eiats- jahre diese Ziffer von 130 pCt. wohl ausreichen werde, um auch für das kommende Jahr den Etat zu balanzieren. Nun zur piöce de resistance, dem Hauptpunkt, welcher unS im «^gelaufenen Jahre beschäftigt hat und welcher uns gleich im neuen Jahre beschäftigen wird, zum Hafenbau. Die Herren werden sich erinnern, daß wir uns zuletzt in der ge­heimen Sitzung am 8. Oktober mit dieser Frage^ beschättigt haben und daß Ihnen sowohl vom Herrn Oberbürgermeister wie von mir ausführlicher Bericht erstattet wurde über den damaligen Stand der Angelegenheit. Jnzwiichen hat die Verwaltung selbstoerständlich nicht geruht; die Verhandlungen und Prüfungen der Angelegenheit sind andauernd gefördert worden. Es haben Konferenzen stattgefunden mit dem Herrn Regierungspräsidenten, der zu diesem Z wecke hierhergekommen war, ultd mit dem Prästdentm der Eisenbahn-Direktion Fraick-