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MerteljShrliH' 1,80 mt, monatlich 60 Pfg., pr aur- «artige Wonnenten mit dem Letressenden Poßaufjchlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt uns verlegt in der Buchdrucker ei des verein, ev, Waisenhauses in Hanau.

Genersk-Bszeiger

Amtliches Organ fit Mt- und Kndlrreis Km«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrücknugsgebühr

Mr Stadt- und Landkreis Hanau 40 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärtsl^M., im Reklamentheil die Zelle 25 Pfg^" für Auswärts 35 Pfg.

Derantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,

Mr. 207

555 W'^TWiiliiiw

Fernsprechanschluß Nr. 6^5»

Montag ue- 5. September

Ferusprechanschluß Nr. 605,

1904

uwauiMg

Ärztliches.

Candkreie öanau.

BeküünLmachungell des Königl. Landratsalü^

Die Herren Minister des Innern und der öffentlichen Ar­beiten haben zur Bezeichnung der Kraftfahrzeuge im Regierungs­bezirk Potsdam die weiteren Erkennungsnummern E 2500 bis 3499 überwiesen.

, Hanau den 2. September 1904»

Der Königliche Landrat, V 5795 v. Beckerath.

Gefundene und titriert« Gegenstände rc.

Gefunden: 1 ev. Gesangbuch auf der Vorderseite die Buchstaben, M. K. und die Jahreszahl 1860, 1 Peitsche, 1 Portemonnaie mit 17 Pfg. Inhalt, 1 kleine Milchkanne, 1 Pfandschein Nr. 12350.

Ein gefangen: 1 junger rötlicher Hahn.

Zugelaufen: 1 kleiner schwarzer Dachshund.

entlaufen: 1 schwarzer Rattenpinscher mit weißer Brust m. Geschl., 1 schwarzer Affenpinscher mit weißer Brust und weißen Vorderpfoten, 1 junger rehbrauner Hund mit Halsband, 1 großer Hofhund (Rücken schwarz, Brust und Pfoten gelb).

Hanau den 5. September 1904.

) Hue Danau Stadt und £and,

HtMtM den 5. September.

Die Grundsteinlegung zur Bismarcksäule.

Als vor einigen Jahren (1899) der Aufruf unserer akademischen Jugend erging, für unseren dahingeschiedenen Altreichskanzler bleibende, würdige, volkstümliche Wahrzeichen vaterländischen Dankes aufzurichten, da regte sich's mächtig in deutschen Landen.Wie vor Zeiten die alten Sachsen und Normalien, so hieß es in dem Aufrufe, über den Gräbern ihrer Necken schmucklose Felsensäulen auftürmten, deren Spitzen Feuerfanale trugen, so wollen wir unserem Bismarck zu Ehren auf allen Höhen unserer Heimat, von wo der Blick über die herrlichen deutschen Lande schweift, gewaltige granitene Feuer- träger errichten. Ueberall soll, ein Sinnbild der Einheit Deutschlands, das gleiche Zeichen erstehen, in ragender Größe, aber einfach und prunklos, auf massivein Unterbau, eine schlichte Säule, . nur mit dem Wappen und dem Wahlspruch des eisernen Kanzlers geschmückt. Keinen Namen soll der gewaltige Stein tragen, aber jedes Kind wirb ihn dem Fremden deuten können:Eine Bismarcksäule."

Auch hier in Hanau wurde die Anregung freudig begrüßt und schon im Januar 1900 faßte der nationalliberale Verein den prinzipiellen Beschluß, eine gleiche Ehrung vorzubereiten. Einige Monate später bildete sich bann ein Ausschuß, der sich die Aufgabe setzte, gemeinsam mit dem Landkreise Hanau eine Bismarcksäule zu errichten, ein Werk erstehen zu lassen, das dazu bestimmt sein möge, Zeugnis abzulegen von dem Geist der Einheit imb der opferfreudigen Vaterlandsliebe, wie er dein deutschen Volke eingepflanzt wurde durch die gewaltsam Taten des großen Mannnes, dem diese Ehrung gilt. Freudig wurde in Stadt und Land die patriotische Idee der Errichtung einer Bismarcksäule ausgenommen, viele Vereine beteiligten sich durch Sammlungen an dem Zustandekommen der eigen­artigen Ehrung des Mannes, der das neue deutsche Reich zielbewußt mit starker Hand uns schuf, und als eine Einigung über die höchst schwierige Platzfrage zu stande gekommen, auch der Kreis'sche Entwurf akzeptiert warben war, konnte nunmehr die Inangriffnahme des Werkes vor sich gehen und als Tag für die Grundsteinlegung der 4. September bestimmt werden.

Trüb schaute wohl gestern anfänglich der Himmel her­nieder, als aber am Nachmittag Tausende aus Stadt und Land die Richtung nach Wilhelmsbad einschlugen, als unsere Jugend in froher Erwartung mit der Lehrerschaft der Fest­stätte zustrebte, brach auch die Sonne siegreich durch und be- scheerte ein herrliches Festwetter. In der Nähe des Bahn­hofes Wilhelmsbad erfolgte die Aufstellung des Zuges. An der Spitze marschierten der Oberbürgermeister unserer Stadt, Herr Dr. Gebeschus, Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, sowie die Mitglieder desAus- schusses für Errichtung der Bismarcksäule, dann folgten die sämtlichen Schulen unserer Stadt, viele Kriegervereine der Nachbarschaft, der Kriegerverein Hanau, der Veteranenverein, der Gardeverein, der ev. Arbeiterverein, die akad. Verbin­dungCellini" u. s. f. An der Feststätte, auf der sich die Säule erheben wirb, angekommen, trug ein von Herrn Lehrer

Milb a ch basier dirigierter Knabenchor von etwa 400Köpfen die Mortetie vor:Der Herr ist unsere Zuversicht und Stärke, unsre Hülf' in aller Not, die uns betroffen hat", worauf der Vorsitzende des Ausschusses für Errichtung der Bismarck- säule, Herr Fabrikant Dr. Wilh. Heraeus-Hanau, die

Festrede

hielt, die folgenden Wortlaut hatte:

Hochansehnliche Versammlung!

Am 30. Juli sind es 6 Jahre gewesen, seit der große Mann die Augen für immer geschlossen, zu dessen Andenken wir uns heute hier zusammengefunden haben. Sechs Jahre sind dahingegangen, seitdem Bismarck, dessen Worten Jahr­zehnte lang der ganze Erdenrund gelauscht, in der stillen Gruft droben im Sachsenwalde liegt.

Und doch kaum eines Andern Namen wird auch heute noch in unserem deutschen Vaterlande mehr genannt als der Bismarcks, denn wieder und wieder will die Liebe und die Dankbarkeit und die Verehrung für . ihn zum Ausdruck kom­men, die tiefe Wurzeln in dem Herzen unseres Volkes ge­schlagen hat. An gar vielen Orten sind ihm, bem Begründer des Reiches, prunkvolle Denkmäler errichtet, schon von gar manchen Höhen schauen mächtige Säulen weitaus in die Lande und rufen dem Wanderer unten im Tal eindringlich zu Gedenke in Liebe unseres Bismarck" und an Hunderten von Orten erheben sich im stillen Waldesgrund stolz aufstrebende Eichen, die seinen Namen tragen und dem, der an ihnen vorüberzicht, von dem Manne erzählen, welcher der Deutscheste von allen Deutschen und zugleich der Beste war, den in Jahr­hunderten unser Vaterland hervorgebracht hat.

Nicht aber zurückflehen wollen wir, wenn es gilt, in solcher Weise patriotischen Sinn, in solcher Weise die Liebe für Bismarck zu bezeugen.

Gerade wir, die wir die südliche Ecke des ehemaligen Kurhessenlandes bewohnen, wo hart drei deutsche Staaten zusammenstoßen, an dem Fluß, der als die Grenze zivischen Süd- und Norddeutschland gilt, gerade wir haben doppelten Anlaß uns dessen zu freuen, daß es in Wirklichkeit eine solche Grenze nicht mehr gibt, sondern daß die Staaten im Süden und im Norden vom Main nun ein einiges deutsches Reich bilden und daß die Miseren der Kleinstaaterei, die wir mehr wie andere gekostet huben, endgültig beseitigt sind.

Kaum faßbar wirb es heute der jüngeren Generation sein, wie es vor einigen Jahren noch in unserem Vaterlande aus- geschen hat, als es noch keinen deutschen Kaiser, keinen Reichs­tag, kein deutsches Heer und deutsches Recht gab, sondern einige 30 Staaten, die sich saunt ihrer Zusammengehörigkeit bewußt waren, die nur gar zu häufig uneingedenk ihrer ge- meinsamen Abstammung, sich gegenseitig befehdeten und selbst nicht davor zurückscheuten, Bündnisse mit dem * Erbfeind deS deutschen Reichs den Franzosen, gegen ihre eignen Stamm­genossen zu schließen.,

Ein Riesenwerk ist es gewesen, diesen traurigen Zuständen in Deutschlands Marken ein Ende zu machen und ein Bismarck, der wie ein Riese alle seine Zeitgenossen weit überragte, war nötig, um alle die gewaltigen Hindernisse, die der Einigung der deutschen Stämme cntgcgcnstanden, aus dem Wege zu räumen.

Wäre dieses der einzige Erfolg seines Lebens gewesen, er würde vollkommen ausgereicht haben, den Namen Bismarck für alle Zeiten unsterblich zu machen und doch ist, die Begründung des Reichs nur ein Teil, wenn auch der wichtigste seines großen Lebenswerkes gewesen. Aber höher noch haben die Wogen der Begeisterung in dein Herzen unseres Volkes ' und nicht zum Wenigsten in denen unserer Jugend geschlagen, als diese Zeit der großen äußeren Erfolge schon weit zurücklag, um ihren Höhepunkt in den Jahren zu finben, da er aller seiner Aemter entkleidet den Rest seines Lebens in unfreiwilliger Ruhe auf seinen Fürstenfitz in Friedrichsruhe verbrachte.

Es ist hier nicht der Ort und ich würde mich auch nicht für berufen halten, eine ausführlichere Schilderung dieses taten reichen Lebens zu geben, nur flüchtig wollen wir unseren Blick über die Ereignisse dahingleiten lassen, die Bismarck zu dem geliebten und begeistert verehrten Nationalhelden gemacht haben, als der im hohen Alter von 83 Jahren aus dem Leben ge- schieden ist.

Wir wollen uns erinnern, daß er mehr als zweieinhalb Jahrzehnte der treue Diener und Berater des preußischen Königs und nachmaligen ersten deutschen Kaisers Wilhelm I. gewesen ist, der mit klarem Blick früher als weitaus die meisten seiner Zeitgenossen, die hohe staatsmännische Be­deutung Bismarcks erkannt hatte und ihm sein uneingeschränk­tes Vertrauen schenkte auch in den Zeiten, da die Wege, welche Bismarck einschlug, von fast allen Politikern als im höchsten Grad verderblich bezeichnet würben und das gesamte

liberale Bürgertum, darunter viele der besten der Nation, den verhaßten preußischen Junker aufs erbitterte befehdeten.

Nur durch dieses feste Vertrauen, das ihm sein König entgegenbrachte, ist es Bismarck möglich gewesen, die Ereig­nisse herbeizuführen, welche sich bald, nachdem er Minister­präsident in Preußen geworden war, Schlag auf Schlag ein­ander folgten. Erst der gemeinsame Krieg Preußens und Oesterreichs gegen Dänemark, zwei Jahre darauf der Krieg Preußens gegen Oesterreich und die süddeutschen Staaten und wieder nur 4 Jahre später der gemeinsame Krieg aller deutschen Staaten unter der Neutralität Oesterreichs gegen Frankreich, jener letzte glorreiche Krieg, in welchen! auf blutigen Schlachtfeldern die deutschen Staaten wieber zu einigem deutschen Reich zusammengeschmiedet wurden und vor den Toren von Paris im Schloß von Versailles.der damals schon fast 74jährige Preußenkönig aus den Händen der deutschen Fürsten die Kaiserkrone entgegennahm. Es war der Abschluß einer kriegerischen Zeit, der Abschluß aber auch eines gewaltigen geschichtlichen Dramas, wie es die Geschichte Deutschlands nicht ein zweites Mal aufzuweisen hat. Mußten auch viele glückliche llmftänbe zusammenkommen, welche diese über alles glänzenden Erfolge ermöglichten, so vor allem daß ein mit allen Herrschertugenden reich gesegneter König den Thron innehatte, daß Männer wie Roon und Moltke auf den Schlachifeldern die hochfliegenden Pläne zur Ausführung brachten, so konnte doch kein Zweifel darüber bestehen, daß der, welcher alle diese Ereignisse vorbereitet hatte und den Vorbereitungen zu richtiger Zeit die Tat folgen ließ, der Mann war, der nun als erster deutscher Kanzler aus dem Kriege gegen Frankreich heimkehrte, Otto von Bismarck.

War ; seine Täligkeit als Leitender Staatsmann- in -den ersten 9 Jahren fast ausschließlich der äußeren Politik ge­widmet und hatte diese Tätigkeit mit der Begründung des deutschen Reiches einen vorläufigen glänzenden Abschluß ge­funden, so tritt in den folgenden 2 Dezennien die innere Politik des Reiches erheblich in den Vordergrund und wir haben zu sehen, wie ihn auch hier sein Genie und seine mächtig imponierende Persönlichkeit von einem Erfolg zum arideren führten, mögen ihm auch im einzelnen noch so viele erbitterte Gegner in den Parlamenten erstanden sein.

In den Verhandlungen des Reichstags während dieser beiden Jahrzehnte, einfacher noch in BismarLs Parlaments-Redeu, die seit Langem im Buchhandel erschienen sind und 12 statt­liche Bände füllen, läßt die ungemein fruchtbare gesetzgeberische Tätigkeit Bismarcks, welche dem inneren Ausbau des neuen Reichs gewidmet war, verfolgen und wer einigermaßen einen Begriff von dein Eindruck, den die meisten seiner Reden hcr- vorgerufen. haben, bekommen. will, wer es verstehen will, warum es ihm so häufig auch unter den schwierigsten Ver­

hältnissen gelang, schließlich eine Mehrheit der Volksvertretung für seine Pläne zu gewinnen, der tut am Besten, wenn er ein solches Buch mit den Bismarck'schen Reden zur Hand nimmt und Bismarcks eigene Worte auf sich eiuwirkeu läßt.

Das Wort von dem Zick-Zack-Kurs, den das Staatsschiff einhalte, welches unter seinen Nachfolgern geprägt wurde, har seine Entstehung gerabebern schroffen Gegensatz ), in ^weichem die Nach-Bismarck'sche Zeit zu ber Zeit da Bismarck das Steuer führte, zu verdanken.

Gewiß wäre es verkehrt, den späteren Kanzlern einen Vor- wurf daraus zu machen, daß sie so wenig in den Füßtapfen des Meisters wandelten; denn gewiß konnte Niemand erwarten, daß dem großen Bismarck ein ebenbürtiger Nachfolger be- schieden sein werbe, aber es kommt uns ja auch nur daran- an festzüsteMi, daß zur Zeit Bismarcks eben immer nur der

Kurs eingehalten wurde, den er für den richtigen hielt. Kaum eine der großen Aufgaben, die durch ihn dem Reichstag ge­stellt wurden, ist ungelöst geblieben oder hat eine feinen Wünschen m derspreazende Lösung gefunden. Zu genau wußte er in der Regel im Voraus, wie weit er gehen dürfe wo die Grenze des Erreichbaren lag. Mit umso größerer Macht der Ueberzeugung wurde dann aber auch das für richtig und

notwendig Erkannte im Parlament vertreten und mochten noch so Viele sich zunächst nüdersetzen schließlich wurde doch der Sieg svelmgen.

So war es, um nur einige wenige Beispiele.- anzuführen, in den Kämpfen, die um die Vermehrung von Heer und Floue wiederholt im Reichstag geführt wurden, so als in der Wirtschaftspolitik der Kurs geändert und ~

Schutzzoll übergegangen werben sollte, so Gesetzes-Vorlagen, die er zur Besfemng : den Klassen au den Reichstag brächte, land, wie nachgerade selbst von der S, sannt wirb, mit seinen Leistungen auf dem

vom Frei auch bei l

Unfall- und Jnvallden-Vers auch dieser Ruhm der In Klugheit Bismarcks zu dan

U befreist, so ist staatsmännische«

er ist aber auch ein Beweis