Erstes Matt
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SezngSprels:
Lierlehährlich 1,80 Mk., monatlich 60 M., für au$. toortige Abonnenten mit dem betreffenden Postausschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
EmrüLuttgsgeLühr
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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des Streit, ev. ,
Waisenhauses in Hanau. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. ^"^E Rü<ckteur. G. schreckn m Hanau.
Nt. 10 3 Fernsprechanschluß Nr. 605. TikNeLaa VkN 3» Mai FeruspreLanschluß Nr. 605. 1904
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Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 graues Anhängetäschchen mit einem weißen Taschentuch ohne Zeichen, 1 Herrenschirm, 2 Schlüssel an einem Scharnier.
Verloren: 1 schwarzer Kleiderkragen, 1 Hundemaulkorb, 1 Visitenkartentäschchen mit Taschentuch, 1 Brosche (3 Schweizer- münzen), auf der Straße Wilhelmsbad—MUtelbuchen 1 oxidierte Damenuhr.
Zugeflogen: 1 weiße Pfauenlaube.
Hanau den 3. Mai 1904.
Bus Stadt und Cand.
Hanau, 3. Mai.
* Historische Gedenktage.
3. Mai 1565 starb Johann Lening, Pfarrer zu Melsungen, ein Vertrauter der Margaretha von der Sal, dessen Tod ««$ diesem Grunde von den fürstlichen Brüdern, den Söbnen Philipps des Großmütigen, sehr willkommen geheißen wurde. Der Ausdruck des Unmutes über die Doppelehe des Landgrafen und über den, der bei dem Zustandekommen derselben tätig gewesen war, geht aus dem vielfach wiederholten Wort im Volksmunde hervor: „Wenn jemand beim Teufel etwas zu bestellen gehabt hätte, so bätie er nur den Lening beauftragen müssen."
3, Mai 1733 starb der geistliche Jnivektsr und Rekior des Gmnnastums zu Hersfeld, Dr. Konrad Mel, fast 67 A°hre alt, gebürtig aus Gudensberg und früher Professor der Theologie zu Königsberg in Preußen, bekannt durch seinen frommen Sinn und die aus demselben geflossenen weit verbreiteten und noch heute nicht ganz außer Gebrauch gekommenen Erbauungsbücher (das „Melenbuch" bei den Bauern genannt). Er war Stifter des Waisenhauses zu Hersfeld.
Aus dem Gerichtslaal.
Sitzung der Strafkammer I vom 3. Mai.
Der Körbedieb.
Wie wir s. At. berichteten, wurden zu Ende des vorigen und zu Anfang d. I. vielfach die von auswärts nach hier zu Markt fahrenden Fuhrwerke sowie auch andere Wagen be- stohlen, indem ein gewandter Langfinger von hinten die auf dem Wagen stehenden Körbe so geschickt herunter holte, daß die Bestohlenen das Fehlen erst merkten, wenn der Dieb längst aus dem Staube war. Insbesondere wurden die aus der bayerischen Gegend kommenden Wagen der Bauersleute mehrfach auf die'e freche Weise geplündert. Der Dieb wurde endlich in der Person des Fahrburschen Paul Linke hier ermittelt, ^-cr Angeklagte, ein 30jähriger, vielfach vorbestrafter Mensch, wurve neulich erst vor der Strafkammer wegen gewerbsmäßigen Wrlderns zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Heute wird ihm zur Last gelegt, am 23. Januar, sowie am 18. und 24. Februar mehrere Wagen auf die oben angedeutete Art ge- plundert zu haben. Am 14. Januar morgens gegen 6 Uhr fuhr der Landwirt Gregor Giron von Mömbris mit seinem Fuhrwerk hierher zu Markt. Am Wasserwerk der Pulverfabrik überzeugte sich der Mann, der im November v. I. an der- lktven Stelle bestohlen worden war, daß noch alles auf dem toagen war, als er am Eisenbahnübergang bei der Pulver- savrn wieder nachsah, bemerkte er, daß ein Dieb ihn aber- ma!^ bestohlen hatte. Es fehlten auf dem Wagen 2 Körbe / bezw. 10 Pfund Butter, eine Schachtel mit Wäsche, wtv. ""d ein paar Schuhe. Das Seil, womit die Sachen "ar einfach abgeschnii-en worden. UM 18. Februar dieses Jahres wurde einem Rollfuhr- ^eEnnsn^ D®n Jtinem Wagen ein Schließkorb mit Kleidungsstücken im Werte von 136 Mk., der einem Dienst- * y Qe^orte, g°stohlen, und am 24. Februar wurde wieder »2L2™ mit Kleidungsstücken und Nahrungsmitteln von einem Wagen genommen. Von den gestohlenen Sachen wnr- oen nackher bei einer Haussuchung bei dem Linke der von
n^tfm herstammende Schließkorb, einige von dem Diebstahl am 23. Januar herrührende, gezeichnete Taschen- lucher und emige von dem letzten Diebstahl herrührende Geaen- stande gefunden. Den letzten Diebstahl gibt der Angeklagte zu, die anderen bestreitet er und will die davon herrührenden Sachen von dem „großen Unbekannten" gekauft haben. Der tngeklagie wird durch die Beweisaufnahme der drei ihm tur W gelegten Diebstähle überführt und unter Berücksichtigung l iner Vorstrafen zu einer Gesamtzuchihausstrafe von 4 Jahren und einen Monat, 5 Jahren Ehrverlust und Stellung^ unter Polizeiaufsicht verurtellt.
Vertagt.
Ebenfalls in ausgiebigem Maße operiert der Schlosser Vogel von Gießen mit dem „großen Unbekannten". Er will auch die vielen bei ihm gefundenen Sachen, die von den hier vorgekommenen Mansardendiebstählen herrühren, vom „großen Unbekannten" in einer Wirtschaft in Frankfurt gekauft haben. Die Sache, die heute zum Termin stand und schon einmal das langen und breiten verhandelt war, mußte abermals vertagt werden, weil der Angeklagte noch alle möglichen Zeugen benannt hat, um den Handel mit dem „großen Unbekannten" plausibel zu machen.
Verschiedenes.
, Der Landwirt L. von Dörnigheim hatte sich bei einer land- gräflichen Treibjagd in der Gemarkung Dörnigheim beim Stationsgebäude einen Hasen angeeignet. Das Schöffengericht verurteilte ihn zu 5 Mk. Geldstrafe, gegen die geringe Strafe legte aber der Amtsanwalt Berufung ein. Die Strafkammer ist auch der Ansicht, daß der Hase zu billig ist und erhöht die Strafe auf 20 Mk. — Der Metzgergehilfe Karl Geuß von Schottenstein ist, trotzdem er kaum 18 Lenze zählt, bereits wegen mehrfacher Diebstähle und Betrügereien vorbestraft. Als ihn im Januar d. I. der Landwirt S. von Langendiebach auf einige Wochen ausgenommen hatte, stahl er in einem günstigen Augenblick das Portemonnaie aus der Tischschublade mit 14 Mark Inhalt und verschwand. Nachdem kehrte er mehrfach heimlich nachts zurück, stieg in den Keller und labte sich an den darin liegenden Aepfeln und Brot und nächtigte auf dem Heuboden. In einer Wirtschaft zechte der jugendliche Taugenichts und verschwand heim- !>ch ohne Bezahlung, Er erhält 8 Monate Gefängnis und 14 Tage Haft, außerdem erwartet ihn noch die Strafkammer in Fulda, wo er sich auf einen gefällchten Schein 300 Mark erschwindelte. — Der als Wehrpflichtiger ohne Erlaubnis der Militärbehörde ausgewanderte Friedrich Wilhelm W. von Ostheim wird in Abwesenheit zu der üblichen Geldstrafe von 160 Mk. verurteilt.
* PostdienMichos. Bei dem bedeutenden Umfange, den der Briefverkehr in Berlin angenommen hat, und der Schnelligkeit, mit der die Verteilung der von auswärts in Berlin eingehenden Briessendungen auf die einzelnen Bestell- ämter statt finden muß, liegt es im Interesse des Absenders, den Empfänger der Sendungen so genau zu bezeichnen, daß über die Postanstalt, von der aus sie dem Adressaten übermittelt werden, kein Zweifel b-stehen kann. Zu diesem Zwecke ist es dringend erforderlich, daß bei den Briefsendungen nach Berlin außer Straße, Hausnummer, Gebäudeteil und Stockwerk auch der Postbezirk und die Nummer des Postamts angegeben wird, von dem die Sendung bestellt oder abgeholt wird. Die beiden letzten Angaben sind auch bei Briefsendungen an Behörden notwendig. Die Adressen würden hiernach folgenden Mustern zu entsprechen haben:
a) bei einer Behörde, die ihre Briefe vom Postamt ab- holen läßt:
An das Reichs-Postamt in
Berlin W. 66
b) bei einer Behörde, die sich die Briefe bestellen läßt: An das Reich s-Justizamt in
c) bei Privatpersonen:
Berlin W. 9
Voßftr. Nr. 4
Au Herrn Kaufmann Karl Müller in
Berlin W. 6
Albrechtstraße Nr. 7, Hinterhaus 3 Tr.
* Kreistag. Gestern nachmittag hielt der Kreistag des Landkreises Hanau hier eine Sitzung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung beglückwünschte der Vorsitzende des Kreisaus- schusses Herr Landrat v. Beckerath den Kreisdeputierten Herrn Direktor Dr. Hoffmann-Mainkur aus Anlaß dessen 25jährigen Geschästsjubiläums. In die Tagesordnung ! tr "elend, wurden zunächst als Mitglieder des Kommunallandtags gewählt die Herren Landrat v. B e ck e r a t h- Hanau Amts, richter Dr. L u c a s - Langenselbold und Bürgermeister Strob- Marköbel. Der Etat der SnmmelwasenmLsterei wurde nach dem Vorschläge des Krelsausschu, es in Einnahme und Ausgabe mit Mk. 10060 festgestellt. Der Umgeme nduna v r^
Endstücke der Gemarkung Hanau' 5 ?X Mut Oberförster« Hanau und verschiedener Grundstücke des letzteren in den Stadtbezirk Hanau wurde Zustimmung erteilt.
» Misstons-Vortrag. Ein sehr zeitgemäßes Thema wurde gestern abend von Herrn Metropolitan Reich aus
Hochstadt im Eoang. Vereinshause behandelt. Der Aufstand der Herero in Südwestafrika, der nun schon so viele Millionen gekostet hat und bei dem schon so viel Blut vergossen worden ist, ist gewiß ein sehr beklagenswertes Ereignis in der Geschichte unserer Kolonien. Die Frage nach der Ursache des Aufstandes ist auch in der Presse und im Reichstag schon oft erörtert worden. Leider hat es auch hierbei nicht an Angriffen auf die Mission gefehlt, die so manchen Europäern daheim und draußen ein Dorn im Auge ist. Seit 60 Jahren arbeiten rh einische Missionare mit unsäglicher Geduld und Ausdauer unter dem wilden grausamen Volk der Herero und haben auch nach langer vergeblicher Arbeit einige Christengemeinden gesammelt. Diese Missionare werden nun in gewissenloser Weise beschuldigt, direkt oder indirekt den Aufstand begünstigt zu haben. Wie eS vor drei Jahren bei den Unruhen in China geschehen ist, soll auch hierdurch wieder die Arbeit der Evangelischen Mission verdächtigt werden. Herr Metropolitan Reich wies nun all diese Verdächtigungen eingehend und schlagend zurück, wie solches auch schon von der Missionsleitung in Barmen geschoben ist. Er zeigte, wie die Ursache des Aufstandes in dem Charakter der Hereros, aber auch in dem rücksichtslosen Vorgehen deutscher Händler und in einzelnen schwer zu beklagenden Vorkommnissen (Prinz Arenberg) zu suchen fei. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß die deutschen Truppen bald wieder über die Aufständischen Herr werden möchten und daß dann auch die Missionsarbeit wieder ungestört fortgesetzt werden könne. Alle Freunde der Mission haben aber gerade jetzt um so mehr Ursache, für diese Arbeit einzutroten und gerade auch die schwer heimzesuchte rheinische Mission durch Gebet und Wort und Tat zu unterstützen.
I GemeLndevorstandswakl in Wachen- buchen ist vom Kreisausschusse für ungültig erklärt worden.
* Der Jmpftermin für Gronau, Ober- und N i e d e r d o r f e l d e n, der auf den 21. d. Mts. festgesetzt worden war, ist infolge epidemischen Auftretens des Keuchhustens in Niederdorfelden bis auf weiteres aufgehoben worden.
* Eirteignungsversahren. Zum Zwecke des Eisenbahnbaues ist in K i l i a n st ä d t e n für eine größere Anzahl Grundstücke das Enteignungsverfahren eingeleitet worden.
* Landwirtschaftlicher Kreisverein Hanart. Samstag Nachmittag hielt der landwirtschaftliche Kreisverein Hanau im Gasthaus „zum goldnen Löwen" eine Sitzung ab. Unter geschäftlichen Mitteilungen wurde die Maikäferplage besprochen und dabei mitgeteilt, daß die Kreisbehörde alsbald entsprechende Maßregeln zur Vertilgung der Maikäfer anordnen werde. Weiter war zu begutachten, ob sich die Errichtung weiterer Freibänke an Orten, in denen öffentliche Schlacht- bäuser nicht bestehen, empfehle. Die Versammlung sprach sich für die Vermehrung der Freibänke aus, jedoch gegen die Zusammenlegung von Ortschaften zu Freibankbezirken. Es folgte darauf ein Vortrag des Kornhausverwalters Herrn Möller- Hanau über „Bildung von Genossenschaften zum Bezüge von Saatartikeln rc.". Der Referent berührte einleitend die Tatsache, daß, als in den 90er Jahren die Landwirtschaft immer mehr zurückging, die An- und Verkaufsgenossenschaften entstanden, welche sich segensreich bewährten und einen steten Fortgang nahmen. Auf das Näherliegende, das hiesige Kornhaus, eingehend, führte Referent die Umiatzziffern dieses genossenschaftlichen Instituts sowohl im Waaren- wie im Getreide- verkehr vor Augen und wies auf die namentlich in dem letzten Jahre sich vollzogene sehr starke Verkebrssteigerung hin. DaS Kornhaus Hanau kann alS für die Genossenschaft gesichert bezeichnet werden, da, wie zu erwarten steht, die eingeleiteten An- kaufsverhandlungen Erfolg haben dürften. Der Vortrag gipfelte in dem Wunsche, daß sich die der Genossenschaft noch Fernstehenden anichließen möchten, event, sich eine An- und Verkaufsgenossenschaft bilden möge. Die Anregung wird praktischen Erfolg haben, da das hierzu Erforderliche der Vorsitzende in die Hand nehmen wird. — Ueber den Ausfall der von der LandwirtschaftSkammer angeordnetm Düngungsversuche im Jahre 1903 referierte in eingehender sachkundiger Weise Herr Bürgermeister Kümmel-Niederisstgheim. Den Beschluß bildete ein instruktiver Vortrag des Herrn Domänenpächters Kimmel-Rusigheimerhof über „Kartoffelbau". Der Vorsitzende dankte den Referenten für die gemachten Ausführungen und gab seiner Freude Ausdruck, daß es sich habe ermögliche» lassen, drei von eigenen Mitgliedern verfaßte Vorträge zu hören. — Vielen Beifall fand eine Anregung, im Laufe deS Sommers, gemeinsame Besuche der größere» G u t S h ö f e vorzunehmen, da sich hierbei sicherlich für den mittleren und kleineren Landwirt Nutzbringendes ergeben werde. Eine erstmalige Besichtigung, die jedenfalls den Kinzigheimer. und Baiersröderhof in sich schließen wird, geht am Sountaa den 29. d. M. vor sich. *