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Erstes Blatt

anauer

Bezugspreis:

vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postausschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckers: des verein, er. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für StA- und Landkreis Kanau

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Anzeiger

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf* gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

DcrantwaM. Redakteur: G. Schrecker in Hanau '

Nr. 176

Fernsprechanschluß Nr. 605»

Freitag den 31. Juli

Fernsprechanschlnß Nr. 605»

1903

Amtliches.

Candhrds Kanau. Bekanntmachungen des König!. Landratsamtes.

Nach Mitteilung des Großherzoglichen Kreisamtes zu Friedberg ist die Schweinepest in den Gemeinden V i l b e l, Wölfersheim, Nieder-Wöllstadt, Steinfurth und Ober-Wöllstadt erloschen.

Hanau den 30. Juli 1903.

Der Königliche Landrat.

V 6241 I. V.: Conrad, Kreissekretär.

Hue Stadt und Land.

Hanau, 31. Juli.

* Landesversicherungs-Anstalt. Nach dem Rech­nungsabschluß der Landesversicherungs - Anstalt Hessen-Nassau für 1902 beträgt die Einnahme 6 982 664.27 Mk., die Aus­gabe 6156 515.22 Mk. Die Vermögensübersicht meist an Aktiven 34182 950.14 Mk. auf. Passiva sind nicht vor­handen. Der Vermögensbestand beläuft sich auf 34182 950.14 Mark, darunter Gemeinvermögen 996 970.32 Mk.

* Neue Polizeèverordnuug. ImAmtsblatt" der Königs. Regierung zu Cassel wird eine für den Umfang der Provinz Hessen-Nassau giltige Polizeiverordnung betr. den Ver­kehr mit Mineralölen veröffentlicht. Dieselbe findet Anwendung auf Rohpetroleum und dessen Destillationsprodukte (leichtsiedende Oele, Leuchtöle und leichte Schmieröle), aus Braunkshlenteer oder Steinkohlenteer, bereitete flüssige Kohlenwasserstoffe (Photo­gen^ Solaröl, Benzol it. s. w.) und Schieferöle. Die neue Polizeiverordnung tritt am 1. Oktober d. J. in Kraft.

* Der Ackerwert in unserer Provinz. Das Königliche statistische Bureau in Berlin hat Ermittelungen über den ländlichen Bodenwert angestellt, um authentisches, national- ökonomisch verwertbares Material beizuschaffen. Die Basis der Enquete bildet der Grundsteuerreinertrag; ein anderer sicherer Anhalt zur Schätzung des Bodenwertes stand nicht zur Verfügung. Der Grundsteurrreinertrag stellt sich in Preußen durchschnittlich auf 18.18 Mk. auf den Hektar Ackerland; die niedrigste Ziffer der Provinzen zeigt Ostpreußen mit 9.40, die höchste Sachfen mit 31.33 Mk. Mit 23.04 Mk. Reinertrag pro Hektar steht unsere Provinz Hessen-Nassau etwas über der Mitte. Bei der Vergleichung der 36 preußischen Regierungs­bezirke wird der Unterschied noch augenfälliger, denn hier schwanken die Reinerträge zwischen 8.22 Mark (Gumbinnen) und 39.56 Mk. (Köln). Noch ungleicher aber sind die Ziffern der einzelnen Kreise, denn sie bewegen sich zwischen 3.31 Mk. (Johannisburg) und 83.82 Mk. (Magdeburg-Stadt). Der WgSE^^TTCTm^^ .......II, I in...... Mi

Feuilleton.

1 Gcschichts -Kalender.

31. Juli.

480 v. Chr. Heldentod des Leonidas und seiner 300 Spar­taner bei den Thermopplen.

1552. Friede zu Passau, in dem volle Religionssreiheit von Kaiser Karl V. zugestanden wird.

1760. Die Franzosen werden bei Marburg besiegt, besetzen jedoch zu gleicher Zeit Cassel.

1800. In Eschersheim Friedrich Wöhler geboren, Chemiker, Entdecker des Aluminiums.

1818. 'Hrch. Kiepert, Geograph und Kartograph geboren.

1828. Der Maler Oskar Begas in Berlin geboren.

1849. Die Ungarn unter Bem werden von den Russen unter Lüders bei Schäßburg geschlagen; der ungarische Dichter Petösi fällt.

1^66. Revue der ersten Armee durch König Wilhelm vor Wien. Die Preußen rücken in Nürnberg ein.

<0. König Wilhelm I. begibt sich auf den Kriegsschauplatz. Aufruf:An mein Volk!" Der Kronprinz übernimmt das Kommando der dritten Armee.

Ein Beitrag zur Geschichte der Kessclftadtcr Kirche.

(^kiginalaufsatz für den Hanauer Anzeiger.)

Von Pfarrer C. Henst - Windccken,

.... ^.m nächsten Sonntag am 2. August, soll der Grundstein m zu erbauende evgl. Kirche in Kesselstadt gelegt werden. .?!Lr?Gelegenheit dürfte der nachstehende Beitrag zu der Geschichte jenes alten Gotteshauses, an dessen Stelle sich das

Durchschnittsreinertrag für den Regierungsbezirk Wiesbaden stellt sich auf 25.92 Mk., während derjenige des Regierungs­bezirks Cassel nur 21.51 Mk. beträgt.

* Der Sprechverkehr von Hanau ist vom 1. August auf Eßlingen nebst Ortsbereich (Berkheim O.-A. Eßlingen, Nellingen O.-A. Eßlingen, Ober-Eßlingen und Wildbad ausgedehnt worden.

* Der Zoologische Garten zu Frankfurt a. M. feiert am 8. August seinen 45. Geburtstag, denn es war am 8. August 1858, als der Garten an der Bockenheimer Land­straße eröffnet wurde. Die Verwaltung bereitet für den Tag ein Abendfest vor, bei dem alle Vorteile, die durch die schöne Anlage geboten werden, zu dekorativen und musikalischen Dar­bietungen ausgenutzt werden sollen. Bengalische und Lampions­beleuchtung, Tanzboden im Freien, Konzert an verschiedenen Stellen, Bierschânke am Bärenzwinger und anderes steht auf dem Programm, für dessen Durchführung der Direktion noch einige Herren vom Verwaltungsrat und Aufsichtsrat helfend zur Seite getreten sind. Hoffentlich hat der Garten mit diesem Fest so viel Glück, wie am vergangenen Sonntag mit der Luftballon-Auffahrt, die ihm, unterstützt von dem Eisbären mit dem Stehkragen und dem sehr amüsanten neuen Orang - Ulan, die stattliche Zahl von rund 10000 zahlenden Besuchern brachte.

* Preisgekrönt. Bei dem am Sonntag den 26. d. Mts. in Bürgel abgehaltenen 1. Bundesfeste des Humoristischen Verbandes des Main- und Taunusgaues errang bei dem Wettstreit der Humoristische MusikvereinGermania"«Hanau den 2. Preis im Gesamtspiel und den 4. Preis im Einzel­spiel. Genannter Verein ist schon im Besitze zahlreicher Preise und hat sich auch diesmal wieder als einziger leistungsfähiger Verein aus Hanau gezeigt.

* Konzert des Berliner Tonkünstler-Orchesters. Wir verweisen auch an dieser Stelle nochmals auf das- heute abend imDeutschen Haus" statifindende einmalige Konzert des Berliner Tonkünstler-Orchesters (Dirigent: Franz v. B l o n). Das auf einer Konzert-Tournee befindliche weltbekannte Orchester hat überall großen Beifall errungen. Der Dirigent ist bereits weiteren Kreisen bekannt geworden durch seine gefälligen Kompositionen, wieBlumengeslüster" u. s. w. Jedenfalls wird das Konzert einige recht genuß­reiche Stunden bereiten.

* Das Hanauer Sängerquartett, das unter der Leitung des Herrn Musiklehrers I. B r o d t von hier steht, stattete am Samstag, auf einer Vergnügungstour, dem mehr­fach preisgekrönten Silbersdorf'schen Männerquartett in Mainz einen Besuch ab. Ueber diesen Besuch wird aus Mainz geschrieben: Das Hanauer Soloquartett traf am Samstag abend hier ein und wurde von dem Silbersdorf'schen Wmbmmmmm"wiimi'mim mit neue erheben soll, einem allgemeineren Interesse begegnen, als dies sonst wohl der Fall sein würde. Es. ist zwar schon vor 22 Jahren hierüber ein Schriftchen des früheren Pfarrers von Kesselstadt, Dr.theol. I. Rullmann, erschienen, das den Titel trägt: Versuch einer Geschichte des Pfarrdorfes Kesselstadt." Das Ma­terial dazu ist wesentlich dem dortigen Pfarrarchiv und schon ver- öffentlichtenSchriftenzurHanauer Landeskundeentnommen. Vieles Interessante und geschichtlich Wertvolle ist aber dem Verfasser un­bekannt geblieben. Er hat auch nicht die Absicht gehabt, eine Geschichte seines Pfarrdorses zu schreiben. Wie er sich der Unzulänglichkeit seines Materials bewußt war, geht daraus her­vor, daß er seine Arbeit ausdrücklich nur als einen Versuch bezeichnete. Namentlich besaß Rullmann wenig oder gar nichts über die Einführung der Kirchenoerbesserung in seiner Gemeinde, weshalb er sich S. 3840mit einigen Nachrichten über die Reformation in der Grafschaft Hanau" behalf. Sein Enkel ist hierin besser daran, und es ist mir eine besondere Freude, ge­rade hier einige Ergänzungen zu der Arbeit meines Großvaters bringen zu können. Zugleich i)t das Nachstehende ein Gruß von mir an die Gemeinde, in der ich neun Jahre lang während meiner ganzen Hanauer Gymnasialzeit, von 1873 bis 1882, gewohnt habe, und ein Wort.der Erinnerung an die alte Kirche, in der ich von meinem Großvater konfirmiert worden bin und in der es mir auch einmal gegeben war, in Vertretung meines ver­ehrten Freundes, des Herrn Pfarrers Hufnagel, zu predigen.

Die Kksselstädter Kirchengeschichte ist älter als die Geschichte der Kesselstädter Kirche, die zum ersten Male 1275 erwähnt wird. Wenn auch die ursprüngliche Kirche, die früher an Stelle der jetzt abgebrochenen gestanden haben «muß, sehr alt gewesen sein wird, so reichte sie sicher doch nicht in jene Zeit zurück, in der das Christentum in unserer Gegend eingesührt worden ist. Man hat die Stelle, wo die Kirche sich erhob, als eine uralte germanische Kultusstätte ausgebm und den Namen des Dorfes davon ableiten wollen. Metropolitan Calaminus spricht in seinen handschriftlich vorhandenen Notizen und Ab­handlungen zur Hanauer Geschichte die Vermutung aus, der

Männerquariett, sowie den Vereinen Guienberg-Quartett, Froh­sinn, Zahlbacher Quartett h. mit Musik empfangen und in das Brauhaus zum goldenen Pflug geleitet, woselbst zu Ehren der Hanauer Gäste ein Kommers stattfand, welcher von etwa 350 Personen besucht war. Nach einer Begrüßung seitens des Präsidenten des Silbersdorf'schen Quartetts folgten Ge­sangsvorträge der obigen Vereine. Auch das Hanauer Quartett brachte mehrere seiner besten Chöre zu Gehör und erzielte tosenden Beifall. Seitens des Silbersdorf'schen Quartetts wurde demselben ein prachtvoller Krug mit Widmung über­reicht. Der Krug wird auf einige Zeit in Königs Buch­handlung ausgestellt sein.

* Eine Ferienreise. Der Lehrer S. von Ober- Seemen hat vor einigen Tagen eine Ferienreise auf einem selbst konstruierten Boote unternommen, die glücklich von statten gegangen ist. S. ließ das Fahrzeug auf einem Wagen von Ober-Seemen nach Hanau bringen und bestieg es mit, einem Schulknaben. Die Reise ging den Main abwärts in den Rhein bis Ruhrort, von wo aus die Rückreise per Bahn an- getreten wurde.

* Gartenfest. In dem Garten des Restaurantzur Stadt Bremen" hält der homöopathische Verein am Sonntag den 2. August ein Gartenfest bei freiem Eintritt ab und hat für diesen Tag ein abwechslungsvolles Programm festgesetzt. Wie immer, ist auch diesmal durch allerhand Kurzweil für jung und alt gesorgt und verspricht einen gemütlichen Verlauf zu nehmen, zumal die ausgedehnten Räume Schutz gegen eventuelle Ungunst der Witterung bieten.

* Sommerfest. Der GesangvereinSumser" hält nächsten Sonntag im EtablissementKaiserhof" ein S o m m e r- f e st, welches, gute Witterung vorausgesetzt, einen schönen Ver­lauf und beste Unterhaltung verspricht. Im übrigen verweisen wir auf das heutige Inserat.

* Eisenbahnunfall. Unweit des Ostbahnhofes trug sich gestern abend lOVs Uhr ein Eisenbahnunfall zu. Als ein aus der Richtung Eberbach kommender Güterzug in der Ein­fahrt zum Ostbahnhof begriffen war, entgleiste die Maschine mit den nachfolgenden drei Wagen. Die Maschine bohrte sich tief in den Grund ein, sodaß mit den Aufräumungsarbeiten bis heute vormittag noch zu tun war. Verkehrsstörungen traten nicht ein, da der Zug bei Eintritt der Entgleisung sich bereits im Bereiche des mehrgleisigen Ostbahnhofs befand. Der Materialschaden jedoch dürfte als ein beträchtlicher anzu- schen sein.

* Malheur eines Radfahrers. Als gestern nach­mittag ein sich durch die Sternstraße bewegender Leichenzug die Paradeplatz-Ecke passiert hatte, glaubte ein an der gelben Mauer fahrender Radler, Wagen würden nicht folgen, sodaß er quer über die Straße fahren wollte. Er hatte jedoch falsch

Name des Ortes komme vielleicht von dem Kessel her, in dem die alten Deutschen das Fleisch ihrer Opfertiere gekocht hätten: zu einer Opferstätte hatte sich die erhabene Lage des OrteS dicht am Main wohl geeignet. Diese Ableitung läßt sich na­türlich noch viel weniger halten als die andere, die den Namen des Dorfes mit dem früher dort bestandenen, großen römischen Kastell in Verbindung bringt eine Erklärung, die mich nie befriedigt hat und die anderen Deutungsversuchungen schließ­lich wird weichen müssen. Wann das erste Kirchlein in Kessel­stadt gebqut worden ist, wissen wir nicht; doch muß dies sowie die Einbeziehung desselben mit der dazu gehörigen Gemeinde in die gesamte kirchliche Organisation unserer Gegend einer Zeit angehören, in der noch keine Territorialheeren aufgekommen waren und der Besitz und die Macht des Reiches noch nicht durch Verleihungen an die kleinen Dynasten geschmälert^ waren. Seit unvordenklichen Zeiten übte das Stift Limburg über bie Kesselstädter Kirche die Patronatsbefugnisse auS, die es vom Reich vor dem Emporkommen der Grundherrn erhalten haben muß und bis zum Jahre 1561 behauptete. Vor der im Früh­ling und Sommer dieses Jahres abgebrochenen Kirche hat an ihrer Stelle eine ältere gestanden. Wir wissen wenig.von ihr: außer ihrer Erwähnung und der vereinzelten Namhaftmachung von Geistlichen ist uns nur eine ausführlichere Nachricht aus ihrer Geschichte erhallen, die uns in lebendiger Weise in schlimme Zeiten versetzte, die über das Kirchlein und seine Priester kamen. Von 1386 bis 1389 führten in unserer Gegend die Städte und der Adel einen erbitterten Kampf mit einander, aus dem die Herren als Sieger hervor­gingen. Frankfurt insbesondere erlitt am 14. Mai 1^89 m der Cronberger Schlacht eine vernichtende Niederlage, zu v Ulrich von Hanau wesentlich beigetragen hatte und von -er es sich nur schwer im Laufe der Zeit wieder erholte. jenem Kriege waren viele Hauauische Mörser von ^auhurt Söldner schwer gebranschatzt worden, darunter auch .te)] - stabt. Infolge des Friedensschlusses mußte Frankfurt hohe Kriegskosten und Entschädigungen zahlen. Das nachstehende,