Erstes Matt
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Verantwort!. Redakteur: ®. Schrecker in Han«,
DÄmckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
Nr. 279, Fems-rechanschluß Nr. 605.
Montaq den 30. November
Fernsprechanschluß Nr. 605
1903
Amtliches.
Candhrew Öanau.
Bekanntmachungen des Königl. Landratsamtes.
Bei einem geschlachteten Schweine des Konrad Wilh. N o ß in Ravolzhausen ist der Hautrotlaitf (Lack- fieinblaitern) festgestellt worden.
Ueber das Gebö t des Genannten wurde die Sperre verhängt.
Hanau den 27. November 1903.
Der Königliche Landrat.
V 9144 v. Be ckerath.
Nach Mitteilung des Könialichen Polizei-Präsidenten zu Frankfurt a. M. ist die Schweineseuche in der Gemarkung G i n n h e i m erloschen.
Die Sperrmaßregeln sind aufgehoben worden.
Hanau den 28. November 1903.
Der Königliche Landrat.
V 92^8 v. Beckerath.
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Hue Stadt und Cand.
Kontrolle der Bmiallssiihrmigcn zum Schutze der Arbeiter.
.Hanan, 30. November.
Gemäß den Besâlüssen der beiden Körperschaften vom 1. b°zw. 9. Sept. 1902 wurden die Bauausführungen im Stadtbezirk seit dem 1. Oft. desl. J. einer außerterminlichen Ueberwackung im Interesse des Schutzes der Bauarbeiter unterzogen und die Ausübung der Kontrolle dem Bau-Polizei- amt übertragen.
Die Neubauten und größeren Umbauten wurden wöchentlich 1 bis 2 Mal kontrolliert, die Gerüste zu kleineren Umbau- arbeiten und zur Herstellung von Fassadenanstrichen kurz nach der Aufstellung einer Rev sion unterzogen und dieselben je nach der Arbeitsdauer in angemessenen Zeitabschnitten wiederholt revidiert, und zwar auf Grund der Baupolizei-Ordnung vom 23. Nov. 1900 und der hierfür bestchendenrUnfallver- Hütungs-Bor'chriften der Baugewerls-Bcrufszcnossemchaft.
Eine Revision der Bauausführungen in regelmäßigen Zeitab chnitten konnte wegen Mangel an Zeit nicht erfolgen.
In der Zeit vom 1. Okt. v. J. bis zum 1. August d. I., — 304 Tagen, fanden durch den Unterzeichneten insgesamt 1191 Reviuonen statt.
In diese Zeit fallen rd. 50 Sonn- und Feiertage, ferner wurde an ca. 24 Tagen wegen Frostwetter nicht gearbeitet, sodaß nach Abzug dieser, 230 Arbeitstage verbleiben. Es ent
fallen demnach auf 1 Arbeitstag im Durchschnitt 1191/23o — rd. 5 Reviuonen.
Die Ueberwachungen haben gezeigt, daß im allgemeinen erhebliche Verstöße gegen die bestehenden Vorschriften nicht zu verzeichnen waren und daß die Unternehmer darauf hinwirkten, das Erforderliche zum SÄutze der Arbeiter zu veranlassen, sodaß in letzter Zeit meistens nur geringe Unterlassungen fest- gestellt werden konnten, die aber hauptsächlich der Nachlässigkeit und Bequemlichkeit der Arbeiter selbst zuzuschreiben waren. Überhaupt möchte ich darauf hinweisen, daß es in den meisten Fällen nicht die Unternehmer, sondern die Arbeiter selbst waren und sind, die den gegebenen Vorschriften zuwidergehandelt haben und handeln, trotzdem dieselben von ihren Arbeitgebern zur strickten Einhaltung der Vorschriften angehalten werden.
Durch die Überwachung der Bauausführungen haben die Gkschäfle des Bau-Polizeiamt eine ganz erhebliche Mehrbelastung erfahren. Denn die Revisionen — (es entfallen, w e bereits vorher erwähnt, auf jeden Tag im Durchschnitt 5) — erfordern bei dem ausgedehnten Bebauungsgebiet der Stadt einen nicht unerheblichen Aufwand an Zeit.
Die umfangreichen baupolizeilichen Geschäfte, sowie die dem Unterzeichneten noch nebenher übertragenen Schätzungen von Grund- und Gebäudewerten, Reviuonen der Unterpfänder :c. rc., welche einer ruhigen und besonnenen Bearbeitung bedürfen, nehmen eine Arbeitskraft voll und ganz in Anspruch. Nur dadurch, daß die Bautätigkeit im allgemeinen im vorigen und in diesem Jahre eine nicht so rege war und ist, war es dem Unterzeichneten einigermaßen möglich, die Kontrolle, wie erwähnt, zu handhaben.
Wird aber eine schärfere Kontrolle gewünscht, so wird es dem Unterz-ichnkten nicht möglich sein, dieselben fernerhin neben seiner Hauptbeschäftigung ausüben und bewältigen zu können.
Im ganzen haben sich 141 Beanstandungen ergeben und zwar wegen:
1. mangelhafter, ungenügender Abdeckung der Balkenlagen,
2. desgleichen der Gerüste,
3 Fehlen der Rückstangen bezw. Rücklehnen und der 30 cm hohen Vorwand bei Gerüsten,
4. mangelhafte Beschaffenheit der Leitern,
5. ungenügender Breite der Laufgänge auf ausgeschalten Balkenlagen, bezw. gänzliches Fehlen derselben,
6. Richtvorhandensein der Geländerleisten bei den Notireppen und den Laufgängen rc.,
7. desgleichen von Schutzvorrichtungen an Oeffnungen für Treppen, Auszüge, Lichtschachten u. s. w. in den Balkenlagen und Gewölbedecken, Kalk ruben ». f. w.
8. Fehlen bezw. ungenügender Beschaffenheit von Schutz- gerüüen zur Herstellung von Dackdeckerarbeilen rc.
9. Nichtanbinden des Sicherheitsgürtels bei den vorerwähnten Arbeiten.
10. Fehlen der Unfallverhütungsvorschriften, sowie Anleitung für erste Hilfeleistung bei Unfällen, desgleichen des Der« bandspâckchens.
Unfälle sind, soviel mir bekannt ist, keine vorgeksminen. Unfälle gelangen mir auch nicht zur Kenntnis, (es sei denn durch Zufall), da dieselben nur der Krl. Polizei-Direktion und dem Vertraucnsmann der Baugewerks-Berufsgenofsenschaft am Anzeigen sind.
Es wurden: 39 Neubauten:
28 größere,
55 kleinere An- und Umbauten ausgesührt, sowie 161 Gerüste für Fafsadenanstriche und Entwässerungsgräben zwecks Anschluß an das Straßensiel aufgej stellt bezw. hergestellt, welche sämtlich kontrolliert wurden.
K r o e g e l.
Die Prämie der Preußischen Klassenlotterie. • In der Eamswgs-Nachmitiagsziehuna der 5. Klaffe der Preußischen Lotterie wurde Nr. 102 968 mit 1000 Mk. und der Prämie von 300 000 Mk. g-zogen.
* Landesversicherungs-Anrialt. In Verfolg einer kürzlich Derßffentli^en No'iz werden w r gebeten, darauf aufmerksam zu machen, daß die LaudeSversikerungsanstalt Dar« l hen nur an Kr-ise, Städte und Gemeinden, nicht aber an Privatpersonen gewährt.
* Landwirtschaftlicher KreiSpereln. Unter ge- schâfllickeu Mitteilungen brachte in der Samstagssitzung der Herr Vorsitzende zunächst in Erinnerung, daß jedes Mitglied satzungsremäß auch zum Bezüge bezw. der Annahme des „Amtsblattes" der Landwirischastskammer verpachtet sei. Nach der Beratung einiger weiteren internen Angeleqenhenen hielt Herr Amtsrat Vaupel einen zeitgemäßen Vortrag über „Viehzucht", dabei vor allem die Verhältniffe unseres Hanauer Landes berücksichtigend. Zuletzt referierte er noch über die Verhältnisse der Abmelkewirtschaften. Durch den Dortrag war Jein Thema angeschnitten worden, das schon seit Jahrzehnten unsere Land- mirtfiaft befähigt, nämlich die Angelegenheit der Bildung einer Zuchtgenossensckaft. Nach eingehender Debatte über diesen Punkt stellte der Vorsitzmde Herr Landrat v. Beckerath den Antrag, eine Kommission zu bilden, die im Verein mit der Kör« kommission die Frage zu prüfen hätte, ob wir zu einer einheitlichen Zuchtri«btung gelangen könnten und Mittel und Wege anzugeben über das Zwl, das zur Bildung einer Zuchtgenossenschaft führen würde. Der Antrag wurde später dahin modifiziert, daß an die Körkommission das Ersuchen gestellt werden soll, ein Gutachten über die Bildung
einer Zuckigeuossmsckaft abzug-ben. An der Bereisung
Feuilleton.
Stadtthcatcr in Hanau.
— Hanau, 28. November.
Als jüngste Novität hat unsere Theaterleitung am letzten Freitag ein Werk ans der Feder des bekannten Münchener Humoristen Ludwig Tkoma, betitelt „Die Lokalbahn", herausgebracht, das infolge seiner Eigenart wohl Interesse verdient, aber für die Bühne keinen reckten Erfolg bedeuten konnte. Das ^ange ist eine recht lustige Satire auf kleinstâdt ste Verhältnisse, es eeißelt die Engherzigkeit des Spießbürgertums, seine ewigen Nörgeleien und die Rücksichten, die es zu nehmen gezwungen ist, das zu lesen ja großes Vergnügen bereiten mag, aber auf die Bühne gebracht durch das fortwährende Herumreiten auf dem einen Gedanken drei Akte hindurch in seiner Wirkung bedenklich abgesckwäckt wird. Der Verfasser ist ja in seiner Tätigkeit aus dem Münchener Simplicisstmus dem Publikum gewiß kein Fremder. Das reiche Leben gibt selner Spottlaune vollauf Gelegenheit zu satirischen Ausfällen, m i en Bannkreis seines Humors zieht er schonungslos cUe komischen Züge und Lächerlichkeiten, wo er sie nur zu fi d n vermog. In seiner Komödie ist es, wie bemerkt, nur d 8 Kleinstädtertum, auf die sein Humor die köstlich zugesp'tzun Psnie absendet und die ihr Ziel auch nicht verfehlen. Das Sluck hatte eine ganz hübsche Wiedergabe gefunden, wenn auch manche Darsteller etwas grelle Possenlöne in das Ganze hinein- zulegen sich bemüht zeigten. Recht gut war HerrßKnauth als Bürgermeister, Frl. Jirsak als Frau Anna, Fri. Ra- nucci war eine recht liebliche Susanne und für den korrekten Amièrickler trat Herr Merker mit Erfolg ein. Für die scharfe Zunge der Frau Pilgermaier war Frau Wehn eine gute Vertreterin und den Karl Rehbein, den Major a. D . z b Herr Römer zufriedenstellend. Die Bürger Dornsteins wur-
dm mit krästiger Charakteristik barqemUt durch die Herren Gehrmann, Krug, Nauendorf,Neruda, Treiber, Heinemann und Müller.
Eine ganz vorzügliche Wiedergabe der Alpenlzene „Das Versprechen hin<erm Herd" vervollständigte den Abend. Eine recht fesche Almerin war Frl. Wehn als N-ndl, sie fang und spielte mit frischer Natürlichkeit. Eine höchst gelungene Verkörperung ward dem Berliner von Stritzow durch Herrn Nauendorf. Herr Knauth war ein prächtiger Michel Quan in r und such Herr Neruda als Loisl fügte sich in das gute Ensemble au's beste ein.
Der gestrige Theaterabend brachte Gustav v. MoserS erfolgreiches Lustspiel „Der Deilchenfresser". Den liebenswürdigen Lustspieldichter haben sie vor kurzer Zeit zur letzten Ruhe gebettet, aber an dem frischen und natürlichen Humor seiner Musenkwder wird sich die Nachwelt noch lange erfreuen. Zwar war es Mostr nicht gegeben, große G.danken und Wes heil in ein humoristisches Gewand zu kleiden, aber das Publikum Ikitt und ge âllig zu unierhilten, diese Gabe besaß er in reichem Maße, den deutschen Offizier in seinen liebenswürdigsten und ritterlichsten Eigenschaften zu schildern, daS war seine besondere Freude, und alle die Lust piele, die er mit dieser seiner LiebiingSsigur aus!«atten konnte, zählen zu den beliebtesten Reperloirßücken der deutschen Bühnen. Wir waren gestern nickt in der Sage, dem ganzen Verlauf der Aufführung folgen zu können und müssen deshalb von einer Besprechung der einzelnen Leistungen abstehen.
Frankfurter Theater - Spielplan.
Opernhaus. Dienstag, 1. Dezbr., abends 7 Uhr: „Der Bajazzo". Hierauf: „Cavalleria rusticana“. Gew. Preise. — Mittwoch, 2., abends 7 Uhr:. 3. Abonnements- Konzert. Dirigent: Herr Gustav Mahler. Konzert-Preise. — DonnerStag, 3., abends 7 Uhr: „Oberon". Große Preise. — Freitag, 4., abends 7 Uhr: Vorstellung bei ermäßigten Preisen: „Die Puppe". — Samstag, 5., abends 7 Uhr:
„Der Troubedour". Gew. Preise. — Sonntag, 6., nach- mi tags 3’/* Uhr: Vorstellung bei ermäßigten Preisen: „Zar und Zimmermann". Abends 7 Ubr: „Sam'on und Dalila". Große Preise. — Montag, 7., abends 7 Uhr: Konzert der Herrn Jan Kubelik, unter Mitwirkung deS Frâul. Eva Leßmann. Große Preise.
Schauspielhaus. Dienstag, 1. Dezember, abends 7 Uhr: „Das Glück im Winkel". Gew. Preise. —Mittwoch, 2., abends 7 Uhr: „Zapfenstreich". Gew. Preise. — Donnerstag, 3., abends 7 Uhr: „Die Jungfrau von Orleans". Gew. Preise. — Freitag, 4., abends 7 Uhr: „Zapfenstreich". Gew. Preise. — Samstag. 5., abends 7 Uhr: Zum ersten Male: „Das große Geheimnis". Gew. Preise. — Sonntag, 6., nachmittags 3V» Uhr: Vorstellung bei Nei- nen Preisen: „Alt-Frankiurt". Abends 7 Uhr: „Das große Geheimnis". Gew. Preise. — Montag, 7., abends 7 Uhr: „Zapfenstreich". Gew. Preise.
Albumblätter.
Denn erquickend und qualvoll Aus Staub und aus Sternlicht, Aus Himmel und Hölle Ist Minne gemischt.
So geizen die Götter mit ihren Gaben .
Und versagen der Sehnsucht die SeligkeitSfulle. Wer sein Glück verspielt hat, dem weisen Ne IpMW In den Schoß das Geschenk aus Schaden reude Und gewähren den Wunsch, wann er wAS «W
Wilhelm Jordan (Slgsrtdsage.>
Nur daS, was Du bist, kann Dich dauernd beselige«; W*8 Du besitzest, kann ein Zufall Dir raube«.