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Erstes Blatt.

Bezugspreis:

Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postauffchlaz, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg. '

Einrückuugsgcdnhr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamenthcil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein. ev.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ fit Stadt- und Landkreis Kanan.

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. D-ranuvorrl. .' : G. Schrecker m Hanau,

-Nr. 175

Fernsprechanschluß Nr. 605

Donnerstag den 30. Juli

Fernsprechanschlnß Nr. 605

1903

Amtliches

Stadt- und Landkreis Hanau

Am 14. Juli 1903 ist bei Schwanheim die Leiche eines etwa 4050 Jahre alten Mannes gelandet worden.

Die Leiche war 1,80 m groß, zeigte kräftigen Körperbau, rundes dickes Gesicht mit rötlichem Schnurrbart und Vollbart, die Haupthaare waren blond. Der stopf wies eine große Klatze auf.

Bekleidet war die Leiche mit dunklem Sackrock, Hose und Weste, grauer Unterhose, gestricktem wollenem Wams, grauge- streistem Hemde.

Die Füße waren nackt. In den Taschen fand sich ein grünes Taschentuch mit Einfassung vor.

Es wird um Mitteilung über die Persönlichkeit der Leiche zu den Aklett I. J. 203/03 ersucht.

Wiesbaden den 20. Juli 1903.

Der Erste Staatsanwalt.

Wird veröffentlicht.

Hanau den 29. Juli 1903.

Der Königliche Landrat und Polizeidirektor.

P. 6262. J. V.r Lehfeldt._______________

Gefundene »nd verlorene Gegenstände re.

Zugelaufen: 1 grauschwarzer Hund, männl. Geschl.

Empfangnahme bei Anselm Katz in Ostheim.

Hanau den 30. Juli 1903.

H Stadt und £andt

Hanau, 30. Juli.

Veamtenpersonal-Nachrtchten.

Ernannt : der Pfarrer Herwig zu Oedelsheim zum Me­tropolitan der Klasse Gottsbüren, der Maler Wittig zum etatsmäßigen Lehrer an der Königlichen Kunstgewerbe- und gewerblichen Zeichenschule zu Cassel, die Rechtskandidaten Wiegand, von Trott zu Solz, Vial und Esch mann zu Referendaren, der Hilfsförster Schmidt zu Rosenthal, Oberförsterei Rosenthal, zum Förster unter Uebertragung der Försterstelle zu Neuenstein, Oberförsterei Neuenstein, vom 1. August d. J. ab.

Uebertragen: dem Strafanstaltssekretär und Rendanten der Strafanstalt in Sagan, K r e m i n, die Sekretär- und Ren­dantenstelle bei der Königlichen Erziehungsanstalt in Wabern.

Pensioniert: der Ober-Telegraphensekretär Rother in Cassel unter Verleihung des CharaktersRechnungsrat", der Postsekretär Münster in Hofgeismar, der Kanzlist Meister

Feuilleton.

Bor neunzig Jahren.

9. Die Völkerschlacht bei Leipzig.

Der 16. und 17. Oktober.

Napoleon verfügte am 15. Oktober bei Leipzig über 178 000 Mann. Er beschloß, am 16. Oktober die Haupt- Armee der Verbündeten anzugreifen, indem er annahni, detß die schlesische und die Nord-Armee noch zu weit entfernt seien, um in das Gefecht eingreifen zu können. Allerdings war die Nord-Armee noch nicht zur Stelle, wohl aber Blücher mit der schlesischen Armee.

Am Morgen des 16. Oktober stand Napoleon mit 108 000 Mann südlich, Nep mit 57 000 Mann nördlich von Leipzig; die Stadt selbst war ebenfalls von den Franzosen besetzt, die im ganzen an Kavallerie 24 000 Reiter und an Artillerie 700 Geschütze zur Verfügung hatten.

Die Haupt-Armee der Verbündeten zählte am 16. Oktober 140 000 Mann mit 580 Geschützen, die schlesische Armee 60 000 Mann mit 310 Geschützen, die Nord-Armee 55 000 Mann mit 255 Geschützen, endlich die russische Reserve-Armee 50 000 Mann mit 185 Geschützen, im ganzen 305 000 Mann, wobei 65 000 Reiter und 1330 Geschütze.

Die bedeutende Ueberlegenheit der Verbündeten konnte am ersten Schlachttage nicht zur Geltung kommen, da die Nord- Armee fehlte.

Napoleon stand mit seinen Hauptkräften in der Linie MarkkleebergWachauLiebertwolkwitz, Ney bei Möckern.

Der Oberfeldherr der Verbündeten, Fürst Schwarzenberg, hatte einen recht unglücklichen Schlachtplan entworfen. Statt, wie Gneisenau angeraten hatte, das Eintreffen der Nord- Armee abzuwarten und daun mit den drei Heeren von allen Seiten auf Leipzig vorzudringen, ließ er auf seinem linken

in Caffel unter Verleihung des TitelsKanzleisekretär", der Generalkommissionskanzlist, Kanzleisekretär Fenner.

* *

*

* Erledigte Pfarrstelle. Die Pfarrstelle zu Allen­dorf a. d. Landsburg, Klasse Treysa, kommt infolge Pensio­nierung ihres seitherigen Inhabers mit dem 1. Oktober d. I. zur Erledigung. Bewerber haben ihre Meldungsgesuche an Königl. Konststorium in Cassel einzureichen.

* Pilzkunde in der Schule. Belehrungen der Kin­der über eßbare und giftige Pilze sollen auf Anregung des Kultusministeriums in den Schulen stattfinden. Verschiedene Schulinspektionen haben bereits die folgende Weisung bekannt gegeben:Im Hinblick darauf, daß die Pilzkunde noch weit davon entfernt ist, Gemeingut des Volkes zu sein, ließe sich in dieser Beziehung vieles durch den Schulunterricht erreichen. Die Lehrer würden sehr viel zur Pilzkunde beitragen, wenn sie ihre Zöglinge wenigstens mit den wichtigsten eßbaren Pilzen, möglichst an Ort und Stelle, mindestens aber durch Vorführung lebender Exemplare bekannt machen wollten. An diesen lasten sich die hauptsächlichsten Erkennungsmale deutlich zeigen, wobei die Möglichkeit gegeben ist, gleichzeitig auf etwaige Ver­wechselungen mit giftigen oder doch ungenießbaren Pilzen durch Vergleichung hinzuweisen.

7si Katholische Gemeinde. Nachdem bereits am Montag ein feierliches Seelenamt mit Gedächtnisrede für den Hochseligen Papst Leo XIII. abgehalten worden war, sand heute dieselbe Trauerfeier für die katholische Garnisongemeinde unter Mitwirkung der Jnfanteriekapelle statt. Beide Gottes­dienste waren außerordentlich stark besucht und nahmen einen tiefergreifenden und erhebenden Verlauf. ' - "

* Dom deutschen Turnfest. Der finanzielle Ueber- schuß des Unternehmens soll 25,000 Mk. betragen.

* Ehemalige 83er. Die ehemaligen Angehörigen des Regiments 83 werden zu der am 9. August d. Js., nach­mittags 3 Uhr, in der Centralhalle staitsindenden Jahresver­sammlung kingeladen. Auf der Tagesordnung steht neben anderen wichtigen Punkten auch die Denkmalsfrage und wer- den daher die Kameraden zu vollzähligem Erscheinen aufge­fordert. Die Kameraden wollen beachten, daß die Versamm- lung nicht, wie voriges Jahr beschlossen, in Hochstadt, sondern wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung in Hanaustaltfindet.

* Benefiz. Im Sommertheater auf Becks Felsenkeller wird morgen abend der vieraktige SchwankDie Frauen des 20. Jahrhunderts, oder: Sie weiß etwas" gegeben. Die Vor­stellung findet statt zum Benefiz für Lola H e n ß, der be­liebten Darstellerin unserer Sommerbühne. Sicherlich wird der Abend einen zahlreichen Besuch erbringen, da die Benesiz^ntin durch ihr vortreffliches, abgerundetes Spiel schon manche gk- Flügel die Oesterreicher durch unwegsames, von Bruch und Sumpf durchsetztes Gelände vorgehen,, um zu versuchen, sich bei Connewitz den Uebergang über die Pleiße zu erzwingen. So fanden am 16. Oktober drei gesonderte Gefechte statt, bei Lindenau, bei Wachau und bei Möckern.

Bei Lindenau fanden die Oestcrreicher so entschlossenen Widerstand, daß sie trotz ihrer wiederholten Angriffe keinen nachhaltigen Erfolg zu erringen vermochten. Bei Wachau entbrannte der Kampf gegen die von Napoleon selbst be­fehligten starken französischen Streitkräfte. Die Preußen unter Kleist erstürmten Markkleeberg; doch zum Brennpunkt der Schlacht wurde das heiß umstrittene Wachau. Eugens Russen gehen gegen Wachau vor und nehmen das Dorf. Doch zwischen Wachau und Liebertwolkwitz eröffnen jetzt an hundert französische Geschütze ein furchtbares, sinnverwirrendes Feuer- auf Wachau, das wieder verloren geht. Vereint mit den Russen stürmen nun auch Kleists Preußen in das Dorf hinein; aber immer wieder müssen sie in dem verheerenden Feuer zurück. Auch bei Liebertwolkwitz wogt der Kampf, die Verbündeten sind in langsamem Vordringen.. ,

Auf einem Hügel südlich Güldengossa halten die drei ver­bündeten Herrscher. Da sieht man, wie auf den Höhen nörd­lich von Wachau und Liebertwolkwitz feindliche Masten anrücken. Murant stürmt an mit seinen Reitergeschwadern, sie reiten russische Bataillone nieder, erobern Batterien. Schon müssen die Monarchen an ihre Sicherung denken, da stürzen sich Garde-Kosaken und zwei preußische Neitek-Regimenter der französischen Kavallerie entgegen und jagen sie zurück. Doch neue französische Infanterie-Kolonnen rücken an, Liebertmolk- witz geht verloren, doch Markkleeberg wird von den Preußen, Dölitz von den Oesterreichern, Güldengossa von den Russen behauptet. Nach dem Erfolge von Murats Kavallerie hatte Napoleon einen Kurier nach Leipzig entsandt, um glänzenden Sieg zu verkünden; nun war der Kampf zum Stehen ge­kommen, und von einem französischen Siege konnte keine Rede mehr sein.

nußreiche Stunde bereitet hat. Wir empfehlen den Besuch der morgigen Benefizvorstellung deshalb auf das angelegentlichste.

* Bergnügungs - VereinGermania". Wie schon bekannt sein dürfte, unternimmt am Sonntag den 2. August d. J. der Vergnügungs-VereinGermania" einen Ausflug nach Kesselstadt in das Gasthauszum Schwanen". Auch diesmal wird der genannte Verein alles, was in seinen Kräften steht, aufbieten, um seinen Gästen einige vergnügte Stunden zu bereiten. Neben Tanz, Kouplets und sonstigen Vorträgen wird auch die allgemein beliebteSaalpost" in Kraft treten und wünschen wir deshalb dem jungen Verein zu seinem Unternehmen ein volles Haus.

* Schlecht belohntes Vertrauen. Als der Müller­geselle K. zu Fechenheim im Juli d. I. hier in Hanau eine Haftstrafe antreten mußte, übergab er sein Sparkassenbuch, auf dem 240 Mk. bei der Fechenheimer Sparkasse standen, seinem Schlafkollegen, dem Fabrikarbeiter Karl P. von Beringen zur Aufbewahrung. P. benutzte die Gelegenheit, hob mit einer gefälschten Quittung das Geld ab und machte dafür einen kleinen Abstecher nach Paris. Gestern stand er vor der Straf­kammer. Die Erholungspause für diese Pariser Reise wurde vom Gericht auf 6 Monate festgesetzt.

* Unfall. Dem Spenglergesellen U. fiel gestern bei Ausübung seiner Berufstätigkeit ein Stein so unglücklich auf den Fuß, daß er sich in das Landkrankenhaus aufnehmen lasten mußte.

F. Kriegsgericht der 21. Division. Der Musketier Heinrich V. von der 4. Komp. 166. Infanterieregiments wandert wegen Verwuchs der Unterschlagung auf 4 Wochen in den Mittelarrest und verliert außerdem die Kokarde. Er war Ordonnanz im Hanauer Garnisonslazarett und hatte die Briefe für die Lazaretlinsassen abzuholen. Eines Tages brachte er einem derselben einen besonders dicken Brief aus der Heimat mit dem Bemerken, daß er 10 Pf. Strafporto koste. Nanu, sagte der Andere,Soldatenbriese sind doch frei," und besah sich den Brief genauer. Da fand er denn, daß dieser in Hanau auf- gegebcn war, statt in seinem Heimatsort, und Stadibriefe gehen bekanntlich auch für die Soldaten nicht frei. Im weiteren ergab sich dann, daß V. den Brief geöffnet hatte, weil er Geld darin vermutete. Er hatte hierauf ein anderes Couvert genommen und den Brief in Hanau zur Post gegeben. Auch in des Königs Rock kann der Musketier August E. von der 2. Komp. 166. Infanterieregiments (Hanau), schon 3 mal wegen Fahrraddiebstahls vorbestraft, seine Vorliebe für fremde Fahrräder nicht unterdrücken. Am 5. Juli entwendete er am hellen Tage ein Zw.'irad aus dem Hofe einer Hanauer Wirt­schaft, setzte sich darauf und radelte auf Kestelstadt los. Aber er satte Pech und kam nicht weit, indem der Gummireif platzte. Ec wurde zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt und in

Die beste und erfolgreichste Arbeit aber leisteten am 16. Oktober Blücher und Dock bei Möckern. Zunächst unter­nahm Blücher mit seiner Kavallerie eine große Erkundung, um die Franzosen zur Entwicklung zu zwingen: Dork sollte mit der Infanterie einstweilen bei Schkeuditz zurückbleiben. Wer heute abend nicht tot oder wonnetrunken ist, der hat sich geschlagen wie ein imfamer Hundsfott!" lautete Blüchers Anrede vor dem Kampf. Pork sitzt mit seinem Adjutanten beim Frühstück, da donnert Blüchers reitende Artillerie ihren Morgengruß zu ihm hinüber, und alsbald kommt für ihn der Befehl zuni Vorrücken.Anfang, Mitte, Ende, Herr Gott, zum Besten wende!" spricht Aork, und klar und scharf gibt er seine Befehle zum Angriff.Möckern ist der Schlüsselpunkt," erklärt Park,wir müssen es ausschließen, um alle Riegel der Tore von Leipzig zu durchbrechen".Herzog Karl vor­wärts auf Möckern, Hünerbein und Horn in die linke Flanke, Katzelec den Angriff eröffnen!"

M Dertolle Platen" haut sich bis zu den feindlichen Re­serven durch, die Infanterie kämpft in wütendem Handgemenge um Möckern. Da eilt Marschall Ney mit frischen Truppen den Verteidigern zu Hilfe, und die Preußen stutzen und wanken beim Anblick dieser neuen Scharen.Keinen Schritt zurück!" ruft ?)orf,auch linser Untergang wird für das Vaterland ein Sieg sein, drauf, ihr seid Preußen!" Wie ergrimmte Tiger stürzen sich die Preußen auf den neuen Feind.Drauf!" ruft Major Leslie, zum Tode verwundet, drauf!" Major v. Krosigk, indem er einen Flügelmann von der Kolonne der alten Garde zu Boden reißt und selbst um­sinkt, von Bajonetten durchbohrt;drauf!" schallt es tausend­stimmig wieder, und endlich, endlich frâni, der Sieg die fast übermenschlichen Anstrengungen; der Feind flieht in der Richtung auf Pfaffendorf, läßt einen Adler, zwei Fahnen und 53 Geschütze in Jorks Händen, und abends auf dem Schlacht- felde stimmen die Preußen das Lied an:Nun danket alle Goit," wie einst Friedrichs Streiter nach dem Siege von Lenchen. 3000 Mann aber hatten die Porkschen eingebüßt,