90. Mai.
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stehenden Wahlen ist völlige Klarheit darüber besonders erwünscht, und so wollen wir denn hier wieder einmal eine kleine Blnmlknlese von Aeußerungen folgen lassen, die das innerste Wesen der Sozialdemokratie zu enthüllen geeignet sind. Der sozialdemokratische Führer Bebel, mit dem seine Gefolgschaft, wie dies noch jüngst wieder bei der letzten Maifeier zu Tage trat, förmlichen Kult treibt und dessen Ansichten sie blindlings beipflichtet, hat seiner Zeit ein Buch geschrieben, das betitelt ist: „Unsere Ziele." Darin bemerkt er zunächst, die Bestrebungen der Sozialdemokratie wären nicht so ganz einfach durchzuführen, itnb erörtert alsdann die Mittel ihrer Durchführung. Hierbei heißt es Mk Seite 16: „Mit Besprengung von Rosenwasser wird die Frage freilich auf keinen Fall gelöst werden." Der Sinn dieser verhüllten Aeußerung wird dann weiterhin völlig klar. Bcbel stellt zwei Wege, den sozialdemokratischen Staat ins Leben zu rufen, als möglich hin. Der erste bestehe darin, daß die bürgerliche Gesellschaft einfach freiwillig sich dem unterwerfe, was die Sozialdemokratie verlangt. Dann aber heißt eS: //Der andere, entschieden kürzere, aber gewalttätigere Weg wirke die Expropriation, die Beseitigung der Privatunternehmer mit einem Schlage, einerlei, mit welchen Mitteln. Läßt die bürgerliche Gesellschaft es auf physische Gewalt ankommen — auf welche Seite bei den entgegenstehenden physischen Kräften der Sieg fallen wird, darüber ist wohl kein Zweifel." Sehr wahrscheinlich wird dieses freiwillige Nachgeben nicht eintreten, dann empfiehlt also Bebel mit voller Klarheit den zweiten Weg als den allein möglichen, und das ist die Anwendung , der physischen Gewalt. Wie sehr dieser Weg den Anschauungen des Verfassers entspricht, geht auch ans einer weiteren Stelle der betreffenden Schrift hervor, wo es heißt: „Man entsetze sich doch nicht über diese mögliche Anwendung der Gewalt; die Geschichte lehrt, daß zu allen Zeiten die neuen Ideen in der Regel erst durch gewaltsame Kämpfe zur Geltung gelangen." Genau die gleichen Anschauungen aber vertritt auch der verstorbene Sozialdemokrat Liebknecht, dessen Aussprüche in seiner Partei ebenfalls unerschütterliches Ansehen genießen. In seiner Schrift „lieber die politische Stellung der Sozialdemokratie" äußert sich derselbe folgendermaßen: „Und wenn das Volk, die Arbeiterbataillone, gerüstet an den Toren des Parlaments stehen, dann kann vielleicht ein von der Tribüne geschleudertes Wort, zündend wie ein elektrischer Funke, das Signal zur befreienden Tat werden." Mit dieser „befreienden Tat" ist doch nicht das Schreiben einer Broschüre gemeint. Damit kein Zweifel übrig bleibt, wird auf einer folgenden Seite in fettem Druck hinzugefügt: „Revolutionen werden freilich nicht mit hoher obrigkeitlicher Erlaubnis gemacht; die sozialistische Idee kann Nicht innerhalb des deutschen Staates verwirklicht werden, sie muß ihn stürzen, um ins Leben treten zu können; keinen Frieden mit dem heutigen Staat!" Endlich ruft Liebknecht auf Seite 7 derselben Broschüre den nicht sozialistischen Parteien des Reichstages zu: Ihnen und den im Reichstage fast ausschließlich herrschenden Klaffen gegenüber ist der Sozialismus keine Frage der Theorie, sondern einfach eine Machtfrage, die in keinem Parlamente, die nur auf der Straße, auf dem Schlachtfelde zu lösen ist. Solche Aeußerungen kennzeichnen deutlich das innerste Wesen und Streben der Sozialdemokratie. Sie ist und bleibt die auf gewaltsamen Umsturz lossteuernde Todfeindin des bestehenden Staates und der geltenden Ordnung und muß daher von allen Anhängern dieses Staates und dieser Ordnung mit vereinten Kräften bekämpft werden.
Hua aller Mell.
Aufsuchung der Novdenskjöldschen Expedition. In der französischen Kammer brachte Deloncle einen Antrag ein auf Bewilligung von 10 000 Francs für die Expedition, welche Dr. Jean Charcot für die Aufsuchung der Nordens- kjöldschen Expedition auszurüsten beabsichtigt.
Grofifener. In der Goldleistenfabrik von Karl Könnemann in der Wißmannstraße zu Ehrenfeld brach gestern nachmittag Feuer aus, das auch viele gegenüberliegende Häuser ergriff. Diese wurden ebenso wie die Fabrik eingeäschert. Auch das obere Stockwerk der evangelischen Schule ist ausgebrannt.
Randel, Gewerbe und Verkehr*
Marktbericht.
Hanau, 30. Mai. (Lebensmittelpreise.) Geflügel: Tauben, das Pärchen 70 Pfg. bis 1 Mk.; ein alter Hahn 1,20—1,80 Mk.; ein Huhn 1,20—1,50 Mk.; eine Ente 2—2,20 Mk.; eine Gans 3—3,50 Mk.; Fische: gewöhnliche Sorte 35 Pfg., bessere Sorte 40 Pfg., Aal 1—1,20 Mk., Bresem 50—60 Pfg., Barben 50—60 Pfg., = '/, kg; Gemüse: Meerrettich die Stange 10-20 Pfg., Spargel das Pfund 30—50 Pfg., Blumenkohl das Stück 30—60 Pfg., Kopfsalat das Stück 8—15 Pfg., Rettich das Stück 8—10 Pfg., Ober-Kohlrabi sdas Stück 18-20 Pfg., Sellerie
das Stück 15-20 Pfg., Gurken daS Stück 30-60 Pfg., ! gelbe Rüben das Bund 15 Pfg., Neue Erbsen das Pfund s 25 Pfa., Neue Bohnen das Piund 50 Pfg., Spinat die Portion 10—20 Pfg., Kartoffeln das Doppelliter 15 Pfg.; Obst t Kirschen das '/, kg 50 Pfg.; Aepfel das Pfund 30—40 Pfg.; Citronen das Stück ö—8 Pfg.; Apfelsinen das Stück 8—10 Pfg.; Paradiesäpfel daS Stück 5—8 Pfg.; Verschiedenes : Butter das Pfund 1,20-1,35 Mk., Käst das Stück 5-7 Pfg., Eier das Stück 4-7 Pfg., Zwiebeln das Pfund 12 Pfg., Radieschen das Bündel 2-5 Pfg., Weizenmehl 1. Sorte 20 Pfg., 2. Sorte 18 Pfg., 3. Sorte 16 Pfg., 4. Sorte 14 Pfg. = V, kg.
Drahtnachrichten.
Die Reise des Prinzen Heinrich.
Vigo, 29. Mai. Prinz Heinrich von Preußen ist hier wieder eingetroffen und auf dem Bahnhöfe von den Behörden, dem deutschen Konsul und den Offizieren des deutschen Geschwaders empfangen worden. Die Bevölkerung bereitete dem Prinzen sympathische Kundgebungen.
Die Balkanwirren.
Konstantinopel, 29. Mai. (Wiener Korr.-Bur.) Nach Meldungen aus Adrianopel überfielen in den letzten Tagen zwei bulgarische Banden in einer Stärke von 40 Mann bei Tirnovadschik östlich vom Kirk-Kilosee ein Truppenderachechent. Dieses verlor fünf Mann, während die Bande zwei Tote zurückließ und flüchtete.
Konstantinopel, 24. Mai. Der Sultan empfing nach dem Selamlit den russischen Botschafter Sinowjew und den englischen Botschafter O'Conor vor deren Abreise. Der Sultan erklärte Sinowjew, er sei mit dem bisherigen Ergebnis des Vorgehens gegen die aufständischen Albanesen zufrieden; selbst die Dibrioten hätten sich unterworfen und die militärische Dienstpflicht angenommen.
Gegen Chamberlain.
Londen, 30. Mai. In einer in Oxford gehaltenen Rede erklärte Sir Edroar Grey, die Vorschläge Chamberlains würden einen Zusammenbruch der Wohlfahrt Englands und den Untergang des Reiches bedeuten.
Aus Südamerika.
Buenos Aires, 29. Mai. Die chilenische Abordnung unternahm einen Ausflug Uach Tigre und Zarate. Die Bevölkerung empfing die chilenischen Gäste aufT herzlichste. Abends fand im Jockey-Klub ein Bankett statt. Die offiziöse „Tribüna" sagt, die Festlichkeiten bedeutest eiste Bekräftigung des Friedens, kein Bündnis.
Ansstandsvewrgung.
Bremen, 29. Mai. Der Verein Bremischer Baugewerks - meister, welche das gesamte Bremische Baugewerke vertritt, traf heute abend mit der ausständigen Klempnervereinigung eine Vereinbarung, der zufolge den Klempnern kleine Lohnerhöhungen gewährt werden, wogegen diese die übrigen Forderungen fallen lassen. Die Vereinbarung bleibt bis 1906 ist Kraft. Sämtliche in Bremen ausgesperrten Arbeiter nahmen am Dienstag die Arbeit wieder auf.
Beendeter Streik.
Berlin, 30. Mai. Der „Lok. Anz." meldet aus Görlitz: Der Streik der Glasschleifer im böhmischen Erzgebirge
ist beendigt.
Mufikf-st.
Prag, 30. Mai. Gestern abend trafen 280 Sängerinnen und Sänger aus Leipzig hier ein, die bei dem vom Deutschen Theater veranstalteten großen Musikfeste mitwirkten. Am Bahnhof hatte sich eine zahlreiche Menge zur Begrüßung â- gefunden, darunter die Obmänner des deutschen Gesangvereins und andere Vereine, der Intendant des Deutschen Theaters, Eppinger, und Direktor Angelo Neumann.
Neue vulkanische Erscheinungen.
Fort de France. 29. Mai. Der Mont Pelee zeigt von neuem eine zunehmende Tätigkeit. Der Generalrat verlangt, daß der nördliche Teil der Insel völlig geräumt werde.
Verstorben.
Berlin, 30. Mai. Die Morgenblätter melden: Gestern starb die Witwe des Komikers Helmerding.
Erdbeben?
Wien, 30. Mai. Die Seebebenwarte in Pola meldet von Freitag vormittag lO'/i Uhr ein sehr starkes Erdbeben, ebenso die Erdbebenwarte in Laibach. Das Erdbeben dürfte in der Gegend von Sofia erfolgt sein.
In die See gestürzt.
Genf, 30. Mai. Eine schwermütige Engländerin stürzte sich auf dem Vierwaldstättersee von einem Dampfer ins Wasser. Sie wurde vom Schiffsrade sofort yetötet.
Verhaftungen.
Petersburg, 30. Mai. Hier fanden in der vorigen Nacht zahlreiche Verhaftungen und Hinrichtungen statt. Die Regierung glaubt den Mördern des Gouverneurs von Ufa aus der Spur zu sein.
Grotzfeuer.
Luzern, 30. Mai. Die Erziehungsanstalt Raihausen bei Luzern steht in Flammen. Alle Jnstitutsgeâäude sind niedergebrannt.
Familien-Drama.
Pilsen, 30. Mai. Der 60jâhrige Wirtschaftsbesitzer Stepanek in Dielitz wurde von seiner Frau, Tochter und seinem Sohne ermordet.
Ueberschwemmungen.
New Uork, 29. Mai. In Kansas, Iowa und Oklahoma traten schwere Ueberschwemmungen ein. Der entstandene Schaden beläuft sich auf Millionen Dollars. Auf einem weiten Gebiet sind die Saaten weggeschwemmt. In bett tiefliegenden Gegenden bei Desmoines wird der Verlust allein auf eine halbe Million Dollars geschätzt. Der Bahnverkehr ist gestört. Die Chicago-Rock Island-Pacific-, die Union- Pacific- und die Atchison Topeka and Santa Fe-Bahu sind besonders betroffen.
Berlin, 29. Mai. Der Kaiser hat dem „B. £.* zufolge anläßlich des Abkommens über die drahtlose Telegraphie an die Allgemeine Elektrizitäts-Gesellschaft, sowie an Siemens und Halske ein in sehr freundlichen Worten gehaltenes Glück- wunschtelearamm gerichtet.
Potsdam, 29. Mai. Die Prinzen August, Wilhelm und Oskar sind heute abend hier eingetroffen.
Wien, 29. Mai. Prinz Heinrich der Niederlande ist heute nachmittag hier eingetroffen und vom Kaiser am Bahnhöfe empfangen worden.
London, 29. sMai. Beim deutschen Botschafter fand ein Frühstück zu Ehren des Herzogs Johann Albrecht von Mecklenburg statt.
Petersburg, 29. Mai. Im Winterpalais sand in Gegenwart des Kaisers eine feierliche Nagelung der Fahnen statt, welche vier Infanterie-Regimentern aus Anlaß des hundertjährigen Bestehens verliehen wurden. Aus Anlaß des Stadtjubiläums wurde heute abend im Stadthause eine Festsitzung abgehalten. Nach der Sitzung wurden Abordnungen der Armee, der Universität der gelehrten Gesellschaften imd der Stadt Moskau empfangen, dann Vertreter auswärtiger Städte, an der Spitze Oberbürgermeister Kirschner-Berlin und der Präsident des Pariser Gemeinderats de Ville, sowie Vertreter der übrigen Städte Rußlands.
Nokohama, 29. Mai. Mehrere Parteien des japanischen Parlaments beschlossen, die Regierung gemeinsam zu bekämpfen und die Einführung der Verantwortlichkeit der Minister zu fordern. Das Vorgehen hängt mit Vorkommnissen in den Beamtenkreisen zusammen.
Schiffs --Nachrichten.
Der Hamburger Dampfer „Georgia" ist am 25. Mai wohlbehalten in New-Kork eingetroffen.
Hamburg, 26. Mai. Der Dampfer „Hispania" von der Hamburg-Amerika-Linie ist gestern in Vera-Cruz eingetroffen.
Bremen, 27. Mai. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Großer Kurfürst" ist gestern in New Dork und der Dampfer „Main" vorgestern in Colombo eingetroffen.
n Bremen, 28. Mai. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Dresden" ist gestern in Baltimore eingeiroffen.
Hamburg, 27. Mai. Der Dampfer „Bosnia" von der Hamburg-Amerika-Linie ist gestern in Baltimore und der Dampfer „Canadia" vorgestern in Havana eingetroffen.
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