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Frankfurt-Ost 10 Uhr 50 Min. abends, an Hanau-West 11 Uhr 12 Min. (Diese Züge halten nur in Mainkur). _ Äm 3. Juni ein Sonderzug 1.—4. Klasse ab Frankfurt - Olt 11 Uh? 15 Min. abends, an Hanau-West 11 Uhr 46 Min. (hatt auf allen Zwischenstationen und wird nur bis Hanan-West gesahren)?am 3., 6. und 7. Juni Perionenzug 395 (1.—4. Klasse) ab Frankfurt-Ost 11 Uhr 30 Min., an Hanau-West 12 Uhr (hält auf allen Zwischenstationen).
* Kreistag. In der vorgestrigen Sitzung des Kreistages wurde die Neuwahl der bürgerlichen Mitglieder der Ersatz-Kommission und deren Stellvertreter, sowie die Wahl dreier Mitglieder und Stellvertreter in die Einkommensteuer- Veranlagungs-Kommission vorgenommen. Sodann erteilte der Kreistag der Veräußerung des Kreishauses „Vorstadt 31" zum Preise von 60 000 Mk. an den Oberamtmann Herrn Schwarz seine Zustimmung.
* Zentralstelle für Obstverwertung in Frankfurt a. M. Die Zeit der Reife verschiedener Obstsorten, wie Erd-, Johannis- und Stachelbeeren, Heidel- und Himbeeren, Kirschen, Aprokosen, Mirabellen, Pfirsiche, Pflaumen rc. ist da oder steht nahe bevor und wir wollen daher alle Produzenten und Kaufliebhaber wieder auf die Zentralstelle für Obst- verwertung in Frankfurt a. M., Gneiscnaustraße15, aufmerksam machen, die es den Verkäufern und Käufern so leicht macht, die Obsternte an den Mann zu bringen, bezw. den Bedarf an Obst zu decken. Die Interessenten haben nur das zur Verfügung stehende Quantum oder die benötigte Menge der Zentralstelle anzugeben, um sofort von dieser, und zwar ohne daß irgend eine Vergütung für die Vermittelung zu zahlen wäre, mit irgend einer größeren Zahl vor Produzenten und Kaufliebhabern in Verbindung gesetzt zu werden. Bedingung ist nur, daß das abgesetzte oder erworbene Quantum immer sofort der Zentralstelle mitgeteilt wird. Es wird natürlich erwartet, daß stets nur gutes Obst geliefert wird; die Käufer sind gebeten, von nicht befriedigenden Lieferungen dem Komitee Mitteilung zu machen. Gut ist es, wenn mit den Anmeldungen nicht zu lange gezögert wird, sondern schon vor der Reife von dem erwarteten Ertrage bezw. der benötigten Menge der Zentralstelle Mitteilung gemacht wird, danstt die Vorverhandlungen vor der Reifezeit erledigt werden können und seinerzeit auf Grund der geschehenen Abschlüsse sofort« mit dem Versand begonnen werden kann, denn manche Obstsoile verträgt ja kein langes Lagern. Es werden auch für Lpäiobst, insbesondere Aepfel und Birnen, jetzt schon Anmeldungen angenommen.
* Lamboyfest. Im 3. Blatt der heutigen Ausgabe unseres Blattes befinden sich die auf das Lamboyfest bezüglichen amtlichen Bekanntmachungen, worauf wir Interessenten aufmerksam machen.
* Die älteste ^rnH in Hanait, Frau Hillmar, Schnurstraße 15, feiert am Montag, 2. Pfingstfeiertag, ihren 95. Geburtstag bei vollständiger körperlicher und geistiger Frische im Kreise ihrer zahlreichen Enkel und Urenkel. Auch wir bringen dem hochbetagten Geburtstagskinde unsere besten Glückwünsche dar.
Ö HânaHer Gefchichtsvereitt. Morgen, am 1. Pfingstfeiertage, ist das Museum des Hanauer Gelchichts- vereins dem Publikum geöffnet: vormittags 11—12'/, Uhr, Altstâbter Markt N? 6. 1. Obergeschoß: Römisch- germanische Sammlung. 2. Obergeschoß: Moderne Sammlung. — Im Schaukasten des Sitzungszimmers im 1. Stock befinden sich einige neu erworbme Stücke Fayence aus der Hanauer sogen. Porzellan-Fabrik. Die wichtigsten Stücke sind 2 Platten mit dem Zeichen H3. Dieselben sind in der Zeit zwischen 1680 und 1688 hergestellt, da Hans Bally aus Delft die Fabrik auf eigene Rechnung betrieb. Eine schöne Butterdose hat die Zeichen V u. A verschlungen und MI; dieselben bedeuten: van Alplien, Neu-Hanau. Das Stück ist demnach unter Hieronymus van Alphen, der die Fabrik 1740—75 leitete, gefertigt. — Uebermorgen, am 2. Pfingstfeiertage, bleibt das Museum geschlossen.
* Futzballsport. Wie wir vernehmen, tritt der „I. Hanauer Fußballklub 1893" am zweiten Pfingstfeiertage wieder mit einem Wettspiel gegen den Mannheimer Sportklub „Germania" hervor, nachdem er längere Zeit seiner Platz- verhältniffe wegen vom Arrangement solcher Wettspiele hatte absehen müffen. Die Mannheimer Mannschaft wird uns als eine der besten ihrer Vaterstadt geschildert. Es wird also ein interessantes Spiel zu erwarten sein, denn der „Hanauer F.-Kl. 93" steht, wie seines überlegener Sieg über den Frankfurter Fußballklub 1899 „Kickers" am 17. Mai mit 9:1 Goal genugsam beweist, z. Zt. auf der vollen Höhe seines Könnens. Der Beginn des Spiels ist der hohen Temperatur wegen auf 4 Uhr festgesetzt. Wir können allen Freunden und Freundinnen eines schönen Fußballspiels, denn ein solches werden wir unzweifelhaft zu sehen bekommen, den Besuch des Sportplatzes des I. Hanauer Fußballklubs an der „Schönen Aussicht" nur empfehlen.
* Wettspiel. Das am vergangenen Sonntag angesagte Wettspiel der 1. Mannschaft des Hanauer Fußballklubs „Wacker" gegen die gleiche Mannschaft des Offenbacher Fußballklubs ", Teutonia" konnte nicht stattfinden, da letzterer nicht erschienen war. — Am zweiten Pfingstfeiertag findet auf dem hiesigen Exerzierplatz ein Wettspiel der 1. Mannschaft des Hanauer Fußballklubs „Wacker" gegen die 1. Mannschaft des Frankfurter Fußballklubs „Allemania" statt.
* Es soll der Sänger in Pantoffeln geh'n — hat in kleiner Variation des Dichterwortes ein Frankfurter Schuhhändler gedacht und hat für die Sänger des Gesangswettstreits 7000 Pantoffeln gestiftet, die in den Hotels und Quartieren während des Sängerfestes zum Gebrauch hingestellt werden. Sie sind zwar freilich nur aus Papier, aber hübsch und dauerhaft gemacht und werden schon über die Festtage halten. In jedem Pantöffelchen liegt eine Empfehlungskarte des findigen Schuhhändlers.
* zyahrraddiebstahl. Gestern nachmittag wurde aus dem offenen Eingangstor des Hauses Französische Allee Nr. 4 ein Panther-Fahrrad im Werte von 100 Mk. gestohlen. Das gestohlene Fahrrad trägt die Fabriknummer 2324.
Samstag
* In Hast genommen wurde gestern abend ein angeblicher Dienstknecht Konr. Weber, aus Ostheim stammend, der vorher in der Franz. Allee logiert katte und sich gestern in verdächnger Weise dort umher ir'eb. Als er der Schutzleute ansichtig wurde, entfloh er nach dem Wallweg zu. Später konnte er zur vorläufigen Haft gebracht werden.
* Silberne Hochzeit. Am 2. Pfingstfeiertag feiern Herr Spenglermeisier Heinrich Boß sen. nebst Gemahlin das Fest der silbernen Hochzeit.
* Wiener Spitze. Die am vergangenen Sonntag sehr beifällig aufgenommene Mainzer Varièlögesellschaft Grünewald wird auch während der Feiertage mit einem neuen, abwechslungsreichen und gut gewählten Programm ankwarten, so daß es an erheiternder Unterhaltung sicherlich nicht fehlen wird. Erwähnt sei noch, daß Herrn Bender die einzige ständige Variètè Konzession am hiesigen Platze übertragen ist.
* Sommertheater auf Becks Felsenkeller. Die vor einiger Zeit angekündigten Theatervorstellungen auf Becks Felsenkeller unter der Direktion des Herrn Matthäus Henß (früher in Hanau) nehmen während der Pfingstfeiertage ihren Anfang. Das im heutigen Inseratenteil aufgesührte, für die drei Feiertage vorgesehene Repertoir weist durchweg nur wirklich gediegene Nummern auf, bei denen gesunder Humor und stimmungsvoller Ernst zu einem harmonischen Ganzen vereinigt ist, die mitwirkenden Künstler sind, dem Vernehmen nach, sämtlich verzügliche Kräfte, sodaß neben gründlicher Erheiterung und ausgezeichneter Unterhaltung auch ein nicht zu unterschätzender Kunstgenuß in Aussicht steht. Zieht man nun noch die durch die Luftigkeit, staubfreie Lage und eine kühle Temperatur garantierende Beschaffenheit der Halle erzeugte Annehmlichkeit des Aufenthaltes in Betracht, so dürften diese Vorstellungen wohl zu den empfehlenswertesten Veranstaltungen gerechnet werden, zumal der Eintrittspreis verhältnismäßig niedrig bemessen ist. Das winterliche Theaterpublikum findet hier höchstwahrscheinlich einen vollwertigen Ersatz, denn Herr Henß hat sich durch die Leitung verschiedener Stadttheater einen geachteten Namen in Künstlerkreisen erworben. Die Vorstellungen beginnen abends 8 Uhr, am 2. Feiertag findet außerdem eine große Volks- und Kindervorstellung statt. (Näheres siehe Inserat.)
* Konzert im Kaiserhof. Morgen nachmittag von 4 Uhr und abends von 7^2 Uhr ab veranstaitet die Kapelle des Feld-Artillerie-Negts. Nr. 27 im Garten des Kaiierhofes zwei Konzerte, zu denen hübsche und gut gewählte Programme in Aussicht genommen sind. An genügender Unterhaltung wird cs demnach nicht fehlen, und da auch seitens der Witterung kaum der bekannte Strich durch die Rechnung zu be-' fürchten ist, so dürften den Besuchern wirklich angenehme Stunden in Aussicht stehen, zumal der Aufenthalt in diesem schönen schattigen Garten bei den gegenwärtig manchmal allzuheißen Liebkosungen der Licht- und Wärmespenderin schon an sich eine Labsal ist.
* Konzertgarten „Bürgerbräu". Nachdem nun un'ere einhelmischen Nestaurationsgärten alle eröffnet sind, wollen wir nicht unterlassen, auf den schönen staubfreien, schattigen Garten tm „Burgerbran" aufmerksam zu machen. Unter blühenden Kastanien, in friicher gesunder Luft, gute Bewirtung seitens des Inhabers, dies sind drei Faklore, welche wohl manchen veranlassen werden, obigem Etablissement während der Feiertage einen Besuch abzustatlen.
* Kurort Wilhelmsbad. Am 1., 2. und 3. Pfingstfeiertage, nachmittags von 4 Uhr ab, außerdem am 1. Feiertag morgens von 7 Uhr ab Konzert der Anfanterie-Kapelle Nr. 166.
* Sehenswürdigkeiten. „Museum der Wetteraui- schen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Feiertagen vormittags von 11 bis Vil Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Eintritt nicht gestattet.
* Das Hahnenkammhaus ist täglich geöffnet. * *
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2 Fechenheim, 30. Mai. (Freib ad.) Wiederum hat die hiesige Gemeindeverwaltung in dankenswerter Weise ihr Interesse für die gedeihliche Entwickelung unserer Schuljugend bekundet, indem seitens derselben die Gewährung von Freibädern in der hiesigen Gemeindebadeanstalt unter Aufsicht eines Lehrers angeregt und beantragt wurde. In ihrer letzten Sitzung hat die hiesige Gemeindevertretung dem Antrag stattgegeben und die Kosten hierfür einstimmig kemilligt.
K Bruchköbel, 29. Mai. (Ga rtenfest.) Der hiesige Gesangverein veranstaltet am 2. Feiertag ein Gartenfest, verbunden mit Tanz. Die Musik wird ausgeführt von der Hanauer Stadtkapelle. Zur Verherrlichung des Festes werben einige Chöre zum Vortrage kommen. Auch von Seiten des Wirtes wird alles aufgeboten, um die Gäste nach jeder Richtung hin zufrieden zu stellen.
):( Roffvorf, 29. Mai. (Maser n.) Hier grassieren unter den Kindern die Masern in umfangreichem Maße. Fast die gesamten die Schule befutbenben Kinder (nahezu 100) sind davon betroffen worden, sodaß in den letzten Tagen kein Unterricht abgehalten werden konnte.
Hananrr Vereins- «. Uergnngnngsnnchrichten
für Samstag den 80. Mai.
Kunstverein : .In der Aula der Königl. Zeichenakademie: Ausstellung von Gemälden rc.
Kirchenchor der Johanniskirche: Abends präzis 8 Uhr: Hauptprobe in der Kirche.
Turngesellschaft: Abends von 7—9 Uhr: Vorturnerstunde.
Turngemeinde: Von 6'/.-7'/, Uhr: Turnen der Damenabteiluna; von 7'/'—3 Uhr: Turnen der Jugendabteilung.
Stang. Männer- u. Jüng'ingSverem: Unterhaltung kEv. Vereinshaus). Evangelischer Arbeiterverein: VereinSabend und Mitgliederaufnahme im Vereinslokale zur „Brauerei WeiSmantel".
Vergnügunas-Verein „Germania": Vereinsabend im „schwarz.Bären". Geiangderein „Sumsir": VereinSabend in der „Stadt Bremen". Gesangverein „Tonblüthe": VereinSabend in der „Stadt Bremen". Gesangverein „Germania": Vereinsabend im „Löwengäitchm". Gesangverein „Melomania": Vereinsabend in der „Karthaune". Klub „Saxonia": Klublokal „Frankfurter Bau".
Klub .Eameratia": Klubabend im „Großen Kurfürsten". Vergnügunasaesellfchaft „Fidelio": Vereinsabend „zum Teich". Gesellige Verbindung .Melitta'": Vereinsabend „zur Karthaunc".
________________________________30. Mai '
Kastno „Eintracht" (VcreinSlokal „zum Braustüb'."): Veretnsaveno. Verein „©niofeit"' Beecinsabend 1: der „groben Stone". Verein . Frohsinn 1903": Vereinsabend im Elephanten". Athletenklub „Germania" ■ N^-inSot'end (Restauration Manen.'acht. .Hanauer FiißlnPeiellschalt 1S99 ': Ve einsabeud in der „Allemania". Fußballklub „Viktoria": VereinSabend m her .Brauerei Weismantel". Radfahrer-Verein 1898: VereinSabend auf Beck's Felsenkell r. Radsport Aolcr" VereinSabend im „Nürnderacrhof". Stammtisch „Bürgerbrâu": Jeden Samstag Abend: Uebung Kegel-Klub „D. H. B." „nir guten Quelle"; Anfang 9 Uhr Rauch- und VergnügunaS-Gesellschack „Sechs Bund" zum senchien Eck: Zusammenkunft am runden Tisch in der „goldnen Feder".
für Sonntag den ?1 Mai.
Vormittag,, von 11—1 Uhr: Uebnnasstuude her Tbchgeiellichasten im .Nürnberger Hof" und auf Beck's Felsenkeller.
Nachmittags h Uhr: Ucbungsspiele auf dem Er^rüervlab : Fußballklub „Viktoria", „Hanauer Fußballgelellschalt 1899", Hanauer Fußballklub „Wacker" und Hanauer Fußballklub „Hanovia", Erster Hanauer Fußballklub 1893: Nachmittag n Mir: UeaunMp^l aus seinem Sportplatz an der .Schönen Aussicht".
Feuchtes-Eck: Gasthaus „zur guten Quelle".
Uerffeigerungs- etc. Kalender für Dienstag den 2. Juni.
Annebotc betr. Uebernahme der Liefeuing auf Fleisch- und Wurstwaren für die Garnison Hanau auf die Zeit vom 1, Juli bis 31. Dczemler 1903 sind bis vormittags 9 Uhr an das Königs. Proviantamt in Hanau einzureichen (f. Nr. 111 .Han. Anz.").
Die städtische Bibliothek
Backgertstraße 2, erster Stock, ist Soilutags, Mittwochs und Samstags von 11 bis 1 Uhr zur kostenfreien Benutzung für das Publikitm geöffnet.
Gesamtkataloge sind zu 1.20 Mk., die neuesten Nachträge Nr. 15 und 16 zu je 20 Pfg. in der Bibliothek zu haben.
Zur Wlihlbclvegmig.
)( Httnntt, 30. Mai. Bemerkenswert wir eine Auslassung des sozialdemokratischen Abgeordneten v. V o l l in a r in der gestern hier abgehaltenen Wähleroersammlung hinsichtlich der Stellung der Sozialdemokratie zu den Wehrvorlagen. Nicht allein um die Verringerung der Ausgaben für Heer und Flotte drehe es sich bei dem Vorgehen der Sozialdemokratie, sondern auch darum, zu verhindern, daß bei etwaigen Ereignissen das Militär gegen das Volk die Waffen ergreife. Mit anderen Worten: man will das Heer schwächen, um für die Revolution freiere Hand zu haben.
0 Ostheim, 28. Mai. Heute fand hier eine Wahlversammlung statt, in der der Kandidat der konservativen und nationalliberalen Partei, Herr Amtsrichter Dr. Lucas, sich den Wählern vorstellte« Herr Domänenrenimeister Reinhard eröffnete die Versammlung mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf Se. Majestät den Kaiser. Herr Dr. Lucas entwickelte darauf sein Programm, in dem er es als eine Hauptaufgabe des neuen Reichstages erklärte, den bäuerlichen Mittelstand zu unterstützen. Die anschließende sehr angeregte Diskussion beschäftigte sich hauptsächlich mit den Fehlern, welche bei der vor etwa 20 Jahren durchgeführten Verköppelitng von Ostheim gemacht worden sind. Es ist damals eine Fläche von beinah 300 Morgen, welche bis dahin in Einzelparzellen verpachtet worden war, der Domäne Vaiersröder Hof zuge- schlagen worden. Herr Dr. Lucas erklärte, er stehe nicht an, die damalige Maßregel als einen schweren Mißgriff zu bezeichnen, weil dadurch die Interessen des Kleinbauernstandes schwer geschädigt worden seien. Leider sei die Maßregel nicht ungeschehen zu machen, er bäte aber zn bedenken, daß es sich um eine Angelegenheit handle, auf die der Reichstag keinen Einfluß habe, und ermahnte die Anwesenden, den alten Groll bei dieser Wahl zu vergessen und durch starke Beteiligung an der Wahl dafür zu sorgen, daß die Sozialdemokratie, die der ertitterste Feind des Bauernstandes sei, aus dem Wahlkreis verdrängt werde. Von allen zum Wort gekommenen Einwohnern von Ostheim wurde das Verfahren des Domânen- siskus scharf verurteilt, dabei aber betont, daß trotzdem die Ostheimer von jeher treu zu Kaiser und Reich gestanden hätten. Mit kernigen Worten nahm zum Schluffe Herr Lehrer Schumann-Bruchköbel die maßgebenden Beamten von damals in Schutz, er führte aus, daß der damalige Landwirtschaftsminister von Heyden die Vergrößerung der Domänenhöfe für nötig gehalten habe, um, wie er selbst gegenüber einem Ak« gesandten der Bruchköbeler Landwirte betonte, Musterwirtschaften zu gründen, nach welcher die Landwirte ihre eigenen Felder bestellen sollten. Das sei die Ansicht eines höheren Beamten gewesen, der sich gewiß, wenn er die nötige Aufklärung von Seiten der betroffenen Landwirte bekommen hätte, von diesem Standpunkt hätte bekehren lassen. Redner für seine Person glaubt, daß eine solche Musterwirtschaft im Kreise Hanau nicht nölig gewesen sei, denn die landwirtschaftlichen Betriebe unseres Kreises, klein wie groß, slä den mustergiltig da, und daß die Ansicht des Herrn Ministers wohl nur für andere Gegenden gut angebracht gewesen sei. Am Ende ermahnte Redner nochmals die Anwesenden, den alten Groll fallen zu lassen und am 16. Juni zu zeigen, daß die Ostheimer immer treu zu Kaiser und Reich stehen, bann werbe sich manches bessern, denn ein Entgegenkommen sei dann des andern wert. Jedenfalls sei ^es sehr gut, daß die Sache zur Sprache gebracht worden wäre, damit die anwesenden Herren, die der Regierung nahe standen, sich ein Bild von der Erbitterung machen könnten, die in Ostheim herrscht. Ein nicht endenwollendes Bravo lohnte den Redner für seine aus der Seele der Anwesenden gesprochenen Worte. — Herr Rentmeister Reinhard schloß hierauf die Versammlung und forderte die Versammelten auf, recht kräftig mit in das Lied einzustimmen „Deutschland, Deutschland, über alles", welcher Aufforderung alle Folge leisteten.
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Das Wesen der Sozialdemokralie.
Immer wieder und ®wieber behaupten die sozialdemokrali- schen Führer und Agitatoren, die Sozialdemokratie sei eine rein geistige Bewegung, welche lediglich mit gesetzlichen Waffen kämpfen wolle. Wie es mit der Wahrheit dieser Behauptung steht, ist aus den Schriften der bedeutendsten deutschen Sozialdemokraten leicht zu ersehen. Namentlich angesichts der bevor-