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Freitag
Mai
werden. Und ein Heer haben wir nötig trotz des fortwäbren- den Rufens der Sozialisten nach Abschaffung des stehenden Heeres. Die Franzosen dächten am allerwenigsten daran, und ein Milizheer sei wohl geeignet für die durch die Natur geschützte Schweiz, nicht aber für uns mit der ausgedehnten offenen Grenze, außerdem auch viel teurer. Redner gab noch eine Vergleichung der Kosten für das stehende Heer in den einzelnen Großstaaten pro Kopf der Bevölkerung, wonach Deutschland mit 17 M. pro Kopf mit die geringsten Ausgaben für seine Landesverteidigung habe, während England, das ja bekanntlich ein Milizheer hat, ca. 50 M. pro Kopf bezahlt. Auch kam er darauf zu sprechen, daß auch unter den Sozialdemokraten sich solche befinden, die nicht für den absoluten Freihandel sind, indem er einige Aeußerungen sozialistilcker Führer zitierte, so das Wort Schippels aus dem Jahre 1889: „Nicht da acht es dem Arbeiter am besten, wo die Lebensmittel am billigsten sind, sondern da, wo die Löhne am höchsten sind." In Frankreich, der vielgepriesenen Republik, in welcher die Sozialisten augenblicklich Oberwasser haben, könne inan auch sehen, daß diese nicht immer für Freihandel zu haben seien. Denn der Antrag Berry, daß der Getreidezoll nur für kurze Zeit auf 5 Francs herabgesetzt werde, ist gestern mit 422 gegen 131 Stimmen abgelehnt worden. Die sozialistischen Schlagwärter, wie z. B. das vielgehörte „Brotwucher" können nicht mehr verfangen; denn höhere Kornzölle verteuern nicht ohne weiteres das Brot, das tue vor allem der Zwischenhandel. Endlich übertreibe die Sozialdemokratie bei Berechnung der indirekten Steuern (da Luxitssteuern zum mindesten bei einer solchen Berechnung ausgeschloffen werden müßten). Auch schon deshalb darf kein deutscher Mann die Sozialdemokraten unterstützen, weil sie gegen Thron und Altar sind. Wir wollen nicht heute von einem Singer, und übers Jahr von einem Bebel oder Hoch regiert sein, wir freuen uns, daß wir einen mächtigen, einsichtigen und weitblickenden Herrscher an der Spitze unseres Staatswesens haben. Er wolle auch dm sozialistischen Satz: „Religion ist Privatsache" in Treu und Glauben hinnehmen, aber schon dieser Satz sei genügend, die staatsver- derbende Moral dieser Partei erkennen zu lassen. Drum, unterstützen Sie nicht die Sozialdemokraten, auch nicht dadurch, daß Sie sich am 16. Juni der Stimme enthalten, sondern jeder Wähler wähle königstreu zum Wohl und Heil des Vaterlandes. Die Anwesenden folgten mit großer Aufmerksamkeit den mit Ueberzeugung und Begeisterung vorgetragenen Ausführungen und zollten dem Redner lebhaften Beifall. Jeder hatte wohl den Eindruck gewonnen, daß Herr Dr. Lucas ein offenes Auge habe für die Not der Landbevölkerung und daß er willens sei, für den Schutz der Landwirtschaft einzutreten. Bei der sich anschließenden Debatte wies Herr Oberamtmann Schwarz-Kinzigheimerhof noch darauf hin, daß durch die für die Landwirtschaft günstigen Zolloeriräge auch der Arbeiter Vorreil habe, wenigstens soweit er auf dem Lande ansässig sei. Herr Wilhelm Stro H-Marköbel und Herr Domänenrat Reinhardt-Hanau forderten auf, daß jeder zur Wahlurne treten und Freunde und Bekannte veranlassen müsse, seiner Wahlpflicht zu genügen. Die Stimmen werden nicht gewogen, sie werden gezählt! Da sonst niemand das Wort verlangt, wurde gegen ^10 Uhr die Versammlung mit dem Gesang des Liedes: „Deutschland, Deutschland über alles" geschloffen. Während des gemütlichen Teiles ließ sich der Herr Kandidat mit einzelnen Gruppen der versammelten Wähler in ein Gespräch ein; diese kurzen Ansprachen werden gewiß noch manchen für ihn günstig gestimmt haben.
* Wallonische Kirche. Die Vorbereitung zum heil. Abendmahle findet morgen Samstag, nachmittags 5 Uhr, statt.
® Pfarrerkonfereuz. Die Frühjahrskonserenz der evang. Geistlichen des Hanauer Landes wird am 9. Juni von 11 Uhr vormittags ab im „Deutschen Haus" zu Gelnhausen stattfinden. Pfarrer L a m b e r t-Hanau wird die Andacht halten und Pfarrer Hufnagel-Langenselbold über „die katechetische Fortbildung der Geistlichen" sprechen. Außer-
Am Dienstag den 2. Juni, um3Uhr nachmiliags, ist H a u p t p r o b e für das Begrüßungskonzert in der Festhalle. Die Plätze dazu sind ausverkauft. Von 5 Uhr ab konzertieren die Kapellen des Husaren-Regiments König Humbert von Italien Nr. 13, des Feldartillerie-Regimenis Nr. 63 und des obengenannten Württemberg. Jnfanterie-Negts. Nr. 120. Eintritt: 1 Mk.
Am Mittwo ch den 3. Juni konzertieren nach dem Begrüßungskonzert die Kapellen des Großh. heff. Jnfanterie- Regts. Nr. 116, des Württemberg. Jnf.-Negts. Nr. 120 und des Husaren-Regts. Nr. 13.
Am Donnerstag den 4. Juni konzertieren die Kapellen des Hessischen Infanterie-Regiments Nr. 116, des Württemberg. Jnfanterie-Regts. Nr. 120 und des Artillerie- Regiments Nr. 63.
Am Freitag den 5. Juni konzertieren die Kapellen der 1. Matrosen-Division in Kiel, des württemb. Infanterie- Regiments Nr. 120 und des Thüringischen Ulanen-Regiments Nr. 6.
Am Samstag den 6. Juni konzertieren die Kapellen der 1. Matrosen-Division in Kiel, des 9. Bayer. Jnf.-Regts. Fürst Wrede und das Tromveterkorps der 13er Husaren, ferner in der Festhalle während des Kommerses die Kapelle des Infanterie-Regiments Nr. 81.
Am 3., 4., 5. und 6. Juni beträgt der Eintritt auf dem Festplatz 1 Mk.
Am Sonntag den 7. Juni findet nachmittags von 4 bis 6 Uhr in der großen Festhalle ein Monstre- konzert statt, ausgeführl gleichzeitig von den Kapellen der 1. Matrosen-Division, des 9. Bayer. Infanterie-Regiments, des Infanterie-Regiments Nr. 81 und des Husaren-Regiments Nr. 13. Zu diesem Konzert kostet ein Saal- oder Balkonsitz inkl. Eintrittsgeld auf den Festplatz 1 Mark, ein Logenplatz inkl. Eintrittsgeld auf den Festplatz 2 Mk., der Eintritt auf den Festplatz allein 50 Pfg. Abends von 7 bis 11 Uhr ist Konzert in der Festhalle von der Kapelle der 1. Matrosen- Divifion, auf dem Festplatz von den übrigen drei Kapellen.
dem sind Besprechungen wichtiger kirchlicher Tagesfragen in Aussicht genommen.
* Goldene Hochzeit. Wie schon erwähnt, stierte gestern der Ehrenbürger und frühere Bizebürgermeiftkr un'erer Stadt, Herr Wilhelm Heraeus sen. nebst Gemahlin das seltene Fest der goldenen Hochzeit. Zur Beglückwünschung waren bei dem Jubelpaar u. A. Vertreter des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung sowie des vaterländischen Frauenvereins erschienen. Im Namen der Stadt wurde ihnen ein in den städtischen Farben geschmückter Blumenkorb, vom vaterländischen Frauenverein eine prachtvoll ziselierte Gedenktafel überreicht.
* Ausgestellt. Im Schaufenster der Hosbuchhandlung des Herrn Altmannsperger ist von heute mittag ab auf kurze Zeit eine wohlgelungene Photographie, darstellend das Hanauer Kunstfahrer-Q'mrlett, ausgestellt.
* Ein unheimlicher Elsenbahnzug passierte am Dienstag nachmittag unsere Station; er entbot 20 Wagen mit Pulver, die von Schwetzingen nach Kiel bestimmt waren.
* Verunglückt ist heute morgeu in der Heraeus'schen Platinschmelze ein Albeiter dadurch, daß ihm findendes Pech in das Gesicht, an den Hals und an die Brust spritzte. Der Arbeiter wurde mittels Krankentransportwagens in das Landkrankenhaus gebracht.
* Aus dem Frankfurter Zoologischen Garten. Im Zoologischen Garten herrscht gegenwärtig ein sehr leb- bafter Betrieb. Nicht nur die Besucher, die bei dem prächtigen Wetter sich ergehen, bringen Leben in den Garten, sondern ganz besonders rege ist der Wechsel der Tiere. Zahlreiche im Garten geborene Junge verschiedener Art werden nach Amerika und an deutsche Gär'en und Liebhaber verkauft, um nur den beständig eintreffenden Neuerwerbungen Platz zu machen. Allein während des Mai betrug die Zahl der ange- kausten Tiere 128, also durchschnittlich vier neue Tiere an jedem Tage, bei denen die Zugänge im Aquarium nicht miteingerechnet sind. Nur durch eine schnelle Vermehrung und Erweiterung der Tierhäuser ist es möglich, dem ständigen Zuwachs Unterkunft zu schaffen. So wurde in 5 Wochen das neue Seelöwenbassin mit Grotlenbau fertiggestellt. Die Renovierung des Elefantenhau es in maurischem Stil ist fast vollendet. Auf der Ruine erhebt sich bereits das neue Rep- tilienhaus, das gleichfalls noch in diesem Sommer dem Gebrauch übergeben werden soll. Die Anerkennung des Publikums zeigt 'sich ganz besonders in der schnellen Zunahme der Abonnements, die bereits im April die Gesamtsumme des ganzen Vorjahres weit überflügelt halten.
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-- Keffelftadt, 28. Mai. (Amtliche Schulkon- f e r e n z.) Am 18. Juni wird unter Leitung des Königl. Kreisschulinlp.nors Pfarrer Hufnagel hier die diesjährige amtliche Schulkonferenz des Bezirks Bergen im hiesigen Schulyause abgehaiten werden. Auf der Tagesordnung sind vorgesehen: 1) Praktische Behandlung eines Gedichtes mit Kl. II hiesiger Schule, Lehrer Zeh-Enkheim, 2) Vortrag des Rektors in Bergen, Herrn Di e ne m a n n über „Die Notwendigkeit der Fortbildungsschule und die Gestaltung ihrer Einrichtung", 3) Mitteilungen aus dem Schulleben des Bezirkes Bergen. Nach Schluß der Konferenz versammeln sich ihre Teilnehmer zu einem gemeinsamen Mittagessen im Gast- Hause „zum Schwan" hier.
Hanauer Vereins- n. Vergnügungsnachrichten
für Freitag den 29. Mai.
Ev. Männer- u. IünglingSvereinr UnterbMümaSabend (Ev. VereinSh.). Erster Hanauer Kellnerverein: VereinSabend im „Falken". Hanauer Kellnerverrst BernnSabend in der Restauration Uljamer. Turn- H Fecktlmö : Von '/,9—10 Uhr: Fechten uns Turnen. Beteln st Homöopatbp '. RaturLestlun^' • VereinSabend (Stadt Bremen.) Klub „Amicitia*: Verein labend im Gasthaus ^um Stephanien". Klub der „harmlosen": Gemistt. Zulsmmenkunit im Frankfurter Bau". Klub „Schlaraffia": VereinSabeno in oer Restauration .Allemania". Klub „Fraternität": Klubabend in den „8 Schwanen" (Kirchstraße). Sänge:-Quartett: Vereinsab-nd in 1 ? Brauerei Orschler. Bicylekstrâ „Hanovia" - Kdrbabeu^ I ' der „Restauration Carlsberg". Blcycle-Klub 1896: Klubabend im . Kaiser Friedrich".
Gesellschaft „Scharfes Eck": Vereinsabend.
Athletenklub „Germania": Rtegeastcmmm und Ringen der 1., Lund 9 Klasse (Restanratior: Wageubach, Paradeplatzi.
Merkes'scher Stenoarovheu . Verein: FortdiwungskursuS „zur Sonne" Kexe.klub .Neuntöter": abends 9 Uhr- Gasthaus „zur guten Quelle". Stemm- u. Ning-Klub „Eiche": Abends von 9—10 Uhr: EhrenprerS- stemmen, von 10—11 Ringen (Restauration „Wiener Spitze*.
Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.
Telegramm aus Hamburg vom 29. Mat, 9 Uhr 40 Min.
Ein Maximum von 767 mm lagert an der mittleren norwegischen Küste, eine Depression unter 755 mm über Südwesteuropa. In Deutschland ist die Witterung warm, heiter, meist trocken, im Nordwesten fanden Gewitter statt.
Prognose für den 30. Mai: Gewitter wahrscheinlich, sonst Fortdauer der herrschenden Witterung.
Hue pbb und fern.
— Fulda, 29. Mai. Von den 114 Landgemeinden des Kreises waren 79 gezwungen, im Steuerjahr 1. April 1902/03 zur Deckung ihres Finanzbedarfes Gemeindeumlagen in Höhe von mehr als 100 % der staatlich veranlagten Steuern (Einkommensteuer, Grund-, Gebäude-, Gewerbe- und Betriebssteuer) zu erh-ben. Jossa und Romerz erheben 300 °/», Schweben 275 °/o, Eichenau 270 ’/o u. s. f. Zwei Gemeinden erheben keine direkten Gemeindeabgaben: Büchenberg und Rothemann. Sie haben Waldungen, aus deren Wirtschaftsbetrieb der erzielte Ueberschuß der Gemeindekaffe zu gute kommt.
Fulda, 27. Mai. Die gestrige Verhandlung vor dem hiesigen Schöffengericht gegen die Ehefrau Heydte und Tochter wegen Diebstahls nahm eine unerwartete Wendung, nachdem zweimal die Oeffentlichkeit ausgeschlossen war. Nachts Vail Uhr wurde die Verhandlung vertagt und der Hauplbelastungs-
Zeuge Kaufmann Joseph Edelmut von hier, unter dem dringenden Verdacht deS Meineids und der schweren Urknndcnsäl- schnng auf der Stelle verhaftet. Noch in der 9ta$t wurde in Seinem Laden eine Haussuchung durch das Gericht vorgenommen.
Eschtvege, 27. Mai. Zwischen Niedehone und Albun- gen hatte eine zahlreiche Zigeuncrqescll>chafl ihr Lager aufge- schlaqcn. Ein junger Radler aus Eschwege pulsierte in der neunten Abendstunde diese Stelle; er wurde von den Zigeunern anykhalien und um Gcld angebrochen. Da der 9hbkr ruhig weiter fuhr, warf sich ein Zigeuner aufs Pferd und verfolgte den Radfahrer. Dieser warf eine Düte voll Zigarren hinter sich, welche der Wegelagerer aufhob. Durch diese List erhielt der Verfolgte einen Vorsprung und konnte sich in Sicherheit bringen. Der Bedrohte bat Anzeige erstattet.
0 Klein-Steinheim, 28. Mai. Eine Fahnenweihe verbunden mit Sängerfest, veranstaltet während der drei Pfingst- fciertagen der hiesige Gesangverein „Germania". Als Festplatz dient die schöre Liegenschaft des Restaurants Kuschke vormals Rousselle. Das uns vorgelegene Programm ist besonders sorgfältig gewählt und bietet abwechselungsreiche Unterhaltung. Hoffen wir, daß die Bemühungen des Festkomitees, sowie des Vereins durch günstige Witterung und kräftige Unterstützung entlohnt werden.
O Offenbach a. M., 29. Mai. In der Nacht vom 25. zum 26. d. M. wurden dahier verschiedene Einbruchsdiebstähle verübt, die in der gleichen Weise wie die kürzlich in Hanau vorgekommenen Einbrüche durchgesührt wurden. Die ungebetenen Gäste öffneten in zwei Fabriklokalen und einen Laven die Türen mittels Nachschlüffels, schwerere Schlösser wurden mit Maurerklammern geöffnet. Es war offenbar nur auf Geld abgesehen, doch war die Ausbeute nur geringe.
Ilbeshausen, 25. Mai. Der Kroate, welcher vor einigen Monaten einen Landsmann hier in der Nähe ermordete, beraubte und dann in seine Heimat entfloh, ist ermittelt. Vier Zeugen aus Ilbeshausen waren in Kroatien und erkannten ihn mit Sicherheit wieder. Der Raubmörder wurde zum Tode verurteilt.
FC. Friedberg (Hessen), 28. Mai. In Ober-Hörgern fiel der 5 Jahre alte Sohn des Polizeidieners Seipp in einen im Dorfe befindlichen Wasserbehälter, der nur mit einer niedrigen Mauer umq°ben ist, und ertrank.
'T* Seligenstadt, 28. Mai. Die am 9. Mai cr. vollzogene Bürgermeister-Stichwahl, bei welcher Herr Rendant Singer mit 7 Stimmen Majorität den Gegenkandidaten Herrn Beigeordneten BöreS besiegte, wurde gestern vom Kreisaus- schuffe^ zu Offenbach wegen eines schon beim ersten Wahlgange am 25. April unterlaufenen Formfehlers kassiert. Damit wurde euch der erste Wahlakt, bei welchem drei Kandidaten um die Siegespalme rangen, für ungilttg erklärt. Die Wählerschaft steht also wiederum vor einer vollständig neuen Wahlkampagne.
^ Mainflingen, 28. Mai. Herr Jagdaufseher Steinborn aus Zellhausen erlegte gestern am Main eine Fischotter, welche das stattliche Gewicht von 17 Pfund aufweift. Die Fischotierpelze werden gegenwärtig mit 15 bis 20 Mk. pro Stück bezahlt. Dazu kommt noch die Fangprämie im Betrage von 6 Mk.
Drahtnachrichtetl.
Stapellauf.
Berlin, 28. Mai. Der Kaiser setzte den 6. Juni als Tag des Stapellaufs des Kanonenbootes „B" auf der Vulkanwerft fest.
Prinz Heinrich in Madrid.
Madrid, 28. Mai. Heute früh 7 Uhr begaben sich Prinz Heinrich von Preußen, König Alfons und der Prinz von Asturien mit glänzendem Gefolge nach dem Truppenübungsplatz bei Carabauchel, wo sie die Parade über die Truppen abnahmen.
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Wien, 28. Mai. Eine erschütternde Tragödie wird aus Pest milgeteilt. Der Oberleutnant des in Zombor garniso- nierenden Husaren-Regiments Vecsey schoß sich heute früh 7 Uhr in der Wohnung der todkranken Schauspielerin Marie Csongory eine Kugel in die Schläfe und wurde, dem Tod nahe, in das Garnisonlazarett gebracht. Fräulein Esongory hatte im Winter in Zombor gastiert, wo sich Vecsey in sie verliebte. Die Schauspielerin erkrankte aber und wurde, als ihr Leiden sich verschlimmerte, nach Pest gebracht. Vecsey nahm zwei Wochen Urlaub und pflegte Frl. Csongory Tag und Nacht, doch wurde der Zustand der Patientin immer gefährlicher. Gestern erklärten die Aerzte, daß keine Hoffnung mehr vorhanden sei, und heute früh berief die Kranke einen Priester des Servitenklosters zu sich, um die letzte Oelung zu empfangen. Als der Priester erschien, begab sich Vecsey in ein Nebenzimmer und griff zum Revolver. Der unglückliche Offizier dürfte den heutigen Tag nicht überleben. Er hinterließ ein Schreiben an seinen Regimentskommandeur, worin er erklärt, daß er ohne Fräulein Csongory nicht weiterleben könne.