anauer
Bezugspreis:
Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Psg., für ans- »ârtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Psg.
Gluckt und verlegt in der Ruchdruckerei deS verein, tu.
1
Waisenhauses in Hanau.
Nr. 301
Erstes Blatt
General-Anzeiger.
Amtliches ®r|ii für Stadt- and Zaadineis Haim
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrückungsgebühr:
Für Sradi- und Landkreis Hanau 10 Psg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Psg., im Neklamentheil die Zeile 25 Psg., für Auswärts 35 Psg.
Derantwortl. Redakteur: H. Schrecker in H-NW,
■ Uernspechatlschluß Nr. 605
Montag den 28. Dezember
Fernsprechanschluß Nr. 605
1903
■—[
Amtliches.
Stadtkreis ßanau. Bekanntmachungen des Oberbnrgmneistermntes.
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 19. bis 25. Dezember 1903:
1 HauSbursche,
1 Weißbinder.
Hanau den 28. Dezember 1903.
Städtisches Arbeitsamt
22809
i Gefundene und verlorene Gegenstände rc.
Gefunden: 1 evangelisches Gesangbuch (auf der Rückseite die Buchstaben E. V. 1903), 1 Portemonnaie mit 19 Pfennigen Inhalt, 1 großer neuer Hundemaulkorb, 2 Schlüssel- ‘ ringe mit je 4 Schlüsseln, 1 kalh. Gebetbuch für Johanna Möller.
Verloren: 1 schwarzes Ledertäschchen mit einem weißen Taschentuch, 1 Portemonnaie mit 2 Mark und einem kleinen Schlüssel.
Zugelaufen: 1 junger brauner Jagdhund m. Geschl.
1 blaue dänische Dogge m. Geschl.
Hanau dm 28. Dezember 1903.
Candwirtlcbaftlichee
Wochenbericht der Berliner ProduiktWMâ I Die Stimmung an den Getreidewârkten Amerikas ist auch in der am 23. Dezember beendigten Berichtswoche fest geblieben, die Preise haben eine weitere Steigerung erfahren, welche aller- ; dings am letzten Tage nicht voll aufrecht erhalten werden konnte. Die Verhältnisse in New-Asrk und Chicago entwickeln , sich jedoch zur Zeit ziemlich unabhängig von dem übrigen Welthandel und werden lediglich bestimmt durch den Bedarf . des Innern und den, wie es immer deutlicher erkennbar wird, ungenügenden Ertrag der letztjâhrigen Ernte. Unter diesen Umständen vermochte die außerordentlich hohe Schätzung der australischen Ernte im Welthandel keinen besonders nachhaltigen ; Einfluß auszuüben. Man glaubt, daß im wesentlichen nach Auffüllung der eigenen erschöpften Lager der für den Weltmarkt verfügbar bleibende Ueberschuß gerade die Verminderung der Ausfuhrfähigkeit Nordamerikas wettmachen werde. Die Angebote aus Argentinien sind angeblich -infolge von Regen fällen in der jetzigen Erntezeit während der Woche etwas vorsichtiger gewesen, scheinen jf^t aber wieder mehr Nachgiebigkeit
Feuilleton
„Stille Nacht, Heilige Nacht".
W-nn am Weihnachtsabend der Weihnachtsbaum im Hellen Lichterglanze erstrahlt, dann erklingt wohl auch das einfache, ansprechende und herzige Weihnachtslied: „Stille Nackt, heilige Nacht". Es dürfte daher von allgemeinem Jntenssè fein, Einiges zu erfahren über die Entstehung, über Dichter und Komponisten und über die allmähliche Verbreitung dieses schlichten Volksliedes, an dem wir so recht den Zauber unserer ^Dolkspoesie erkennen können. Ueber vorstehende Punkte gibt , un8 der bekannte, tüchtige Musikichriftsteller Wilhelm Tappert in der „Neuen Zeitschrift für Musik, Nr. öl" in einem : längeren Aufsatz Ausschluß, dem wir folgendes im Auszug entnehmen:
' Die Entstehung des Liedes war lange Zeit in Dunkel gehüllt. Der Dichter war unbekannt; die Melodie schrieb man bald Joseph Haydn, bald Michael Haydn, bald Aiblinger zu. i Es ist das große Verdienst Ludtvig Erks, das Richtige nach und nach getroffen zu haben.
Den Tcxt (ursprünglich 6 Strophen) dichtete der Hilfs- Geistliche Joseph Mohr, geb. in Salzburg am 1t. Dczbr. 1792. Er wurde Sângerkuabe im dortigen bischöflichen^ Kapellhause, wählte später den geistlichen Beruf, erlangte 1815 die Priester- 1 würbe, kam als Koadjutor nach Oberndorf bei Laufen. £ter entstand das bekannte Weihnachtslied im Jahr 1818. Gestorben ist Mohr als Vikar zu Wagrain im Pongau am 4, Dezbr. 1848. ,
' Der Komponist von „Stille Nacht" heißt Franz Gruber, der zu Hochburg im Innviertel im Jahre 178« als armer ! Webersohn geboren wurde. Bis zu seinem 18. Lebensrahre war 'er ebenfalls am Webstudl tätig. Große Neigung nnd Begabung .führten den jungen Menschen der Musik zu. Den Unterricht
anzunehmen. Jedenfalls hat in der Berichtszeit trotz der hohen, bisher noch nicht erreichten Ernte Australiens und Argentiniens der Weltmarkt keineswegs eine so entschiedene Ermattung gezeigt, um in dieser Richtung ausschlaggebend die europäischen Märkte zu beeinflussen. Zum Teil mag die Befürchtung kriegerischer Verwicklungen in Ostasien stützend auf die Preise eingewirkt haben. Rußland hält auf feste Preise, die dortigen Saaten sollen vielfach der schützenden Schneedecke ermangeln. Die gute Haltung Amerikas blieb in Berlin nicht unbeachtet und bildete neben der befriedigenden Absatzgelegen- heit die Veranlassung zu einer Besserung der Preise namentlich für Weizen. Hamburg zieht noch immer reichliche Mengen von dieser Frucht an sich. In Rückwirkung der festen Stimmung Amerikas für Weizen hob sich auch Roggen bei guter Aufnahmefähigkeit des Marktes etwas im Preise trotz der fortdauernd starken Zufuhr aus dem Jnlande und verminderten Begehrs Hamburgs und Stettins. Das Hafer- geschäft entbehrte jeder Lebhaftigkeit, die auf Lieserungsver- pflichtungen per Dezember angestellte Ware wurde glatt abgenommen. Mais besserte sich etwas im Preise, da die Zufuhren in den letzten Tagen etwas abgenommen haben. Für Mai-Lieferung wurden schließlich nachstehende Preise ermittelt: Weizen 166,00 Mk., Roggen' 135,50 Mk., Hafer 128,75 Mk., Mais 107,50 Mk.
Preise des städtischen Schlachtvieh-Marktes. I. Ochsen: a) vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwerts, höchstens 7 I. alt 70-74 Mk., b) junge, fleischige, nicht ausgemästete und ältere ausgem stete 63—69 Mk., c) mäßig genährte junge und gut genährte ältere 60—62 Mk., d) gering genährte jeden Alters 56—59 Mk. II. Bullen: a) vollfleischige, höchsten Schlachtwerts 69—72 Mk., b) mäßig genährte jüngere uns gut genährte Were ^^^^, e) .gering genährte 56-62 Mk. III. Kühe: a) vollfleisâiqe auS- gemästete Kühe höchsten Schlachtwertes, höchstens 7 Jahre alt 60—62 Mk., b) ältere ausgemästete Kühe und weniger gut entwickelte jüngere Kühe 57—58 Mk., c) mäßig genährte Kühe 53—56 Mk., d) gering genährte Kühe 48-52 Mk. IV. Kälber: a) feinste Mastkälber und beste Saugkälber 81 bis 85 Mk., b) mittlere Mastkälber und gute Saugkälber 72—75 Mk., c) geringe Saugkälber 58—64 Mk., d) ältere gering genährte Kâlver 54—60 Mk. V. Schafe: a) Mastlämmer und jüngere Masthammel 72—74 Mk., b) ältere Masthammel 65 bis 68 Mk., c) mäßig genährte Hammel und Schafe 56 bis 62 Mk. VI. Schweine: a) vollfleischige kernige Schweine feinerer Raffen und deren Kreuzungen von höchstens l1/* Jahren 47-48 Mk., b) fleischige 45-46 Mk., c) gering entwickelte 42—44 Mk., d) Sauen 42—43 Mk.
genoß er bei einem tüchtigen Organisten, der ihn ins Klavier- spiel und in den Generalbaß einführte. Er widmete sich hierauf dem Schulfache, wurde als Lehrer in Arnsdorf angestellt und versah noch den Organisteudienst in dem benachbarten Oberndorf, woselbst sein Freund Joseph Mohr ay Geistlicher tätig war.
Gestorben ist Gruber am 7. Juni 1863 in Hallum: dort wirkte er höchstverdienstlich als Chordirigent.
Komponiert wurde „Stille Nacht, heilige Nacht" am 24. Dezember 1818 und an demselben Tage Mn ersten Male in der Oberndorfer Kirche zweistimmig vom Dichter (Tenor) und Komponisten (Baß) gesungen, wobei Mohr auf einer Guitarre begleitete, weil die Orgel reparaturbedürftig war. Ein in der Eile zusammengestellter Frauenchor wiederholte nach dem Gehör die letzten beiden Abschnitte der Melodie als Resrain. Der zweistimmige Gesang nebst Begleitung steht in BöhmeS „Volkstümlichen Liedern", 1895. Lanye Zeit kam dieses Lied über die heimatlichen Grenzen nicht hinaus, weil weder Mohr noch Gruber daran dachten, ihr Weihnachtslied zu veröffentlichen. In die weite Welt trugen es zunächst die vier Geschwister Straffer aus dem Zillertale. Im Jahre 1833 trugen sie es kurz vor Weihnachten dem katholischen Kantor Ascher in Leipzig vor und wiederholten es dann in der Christmette. Nicht lange danach ließ der Verleger A. R. Friese (Leipzig und Dresden) „Vier echte Tyroler Lieder" aus dem Liederschätze der Geschwister Straffer für eine Singstimme mit Klavierbegleitung drucken, darunter befand sich: „Stille Nacht, heilige Nacht." ' In demselben Jahre (1834) nahm eS Dr. Gebhardt iu seinen „Musikalischen Jugendfreund" auf. Erk veröffentlichte 1851 eine fünfstimmige Bearbeitung im „Sängerhain." Schon vorher hat es der Berliner Domchor gesungen, wie auS einer Erklärung seines Dirigenten Reichardt hervorgeht. Eine besondere Vorliebe für „Stille Nacht, heilige Nacht" zeigte Friedrich Wilhelm IV., dem es der Domchor allfährlich zu Weihnachten vorsingen mußte.
So ist dieses herrliche Volkslied nach und nach Gemeingut
Hus Stadt und Cand.
Hanau, 28. Dezbr.
* Die Lanvwirtschastäkammer hält ihre 10. Vollversammlung am 14. und 15. Jawmr ab.
* Weihnachten in ben Vereinen. Am Heiligen Abend hatte die Kauflust aller derer, die der schönen Sitte, den Lieben ein Christkindlein zu besseren, huldigen, den höchsten Grad erreicht. In den offenen Geschäften herrschte ein Gedränge, daß man aus dem sehr zusammengeschrumpften Lager das in Aussicht genommene „Christkindchen" oder auch vielleicht den erst im letzten Moment entdeckten eigenen kleinen Feier- iagsbedarf noch auswählen konnte. In manchen Gaffen staute sich förmlich die Menge der geschäftig hin- und Hereilendev, mit Paketen beladenen Käufer und fast schien eS, als ob auch der Himmel in das Festgeläute der Glocken ein schönes Stimmungsbild geben und Mutter Erde mit einer weißen Decke versehen wnllte. Aber damit war es nichts. Zwar tanzten eine Weile die Flocken vom bleigrauen Firmament herab, jedoch hielt das Schneewetter nicht lange an und als der erste Feiertag hereinbrach, zeigte die Welt, wenigstevS so weit sie unserm Horizont sich darbietet, das gewohnte graue Einerlei. Immerhin waren es trockene, schöne Festtage und deshalb dürfen wir auch in dieser Hinsicht mit dem Verlauf des diesjährigen Weihnachtsfrstes zufrieden sein. Selbstverständlich waren auch die Vereine bestrebt, ihren Mitgliedern eine so schöne und angenehme Weihnachtsfeier wie nur möglich zu bereiten und es haben diese Veranstaltungen, soweit uns ein Bericht darüber geworden ist, alle einen schönen Verlauf genommen. Die Turn gemeinde sah wieder am 2. Feiertag ihre große Familie unterm strahlenden Weih- »rachtshaum versammelt und das Mr Eckchen der Turnhalle mußte ausgenutzt werden, um für die zahlreichen Teilnehmer Raum zu schaffen. Um die Ausgestaltung des Programms, das diesmal als ein mit besonders glücklicher Hand zusammengestelltes bezeichnet werden darf, hatten sich gar viele verdient gemacht und es würde zu weit führen, wenn wir sie alle hier namentlich aufzählen wollten, obwohl mancher es reichlich verdient hätte. Die üblichen Bearüßungsworle Md damit verbunden einen kleinen Ueberblick über die hauptsächlichsten Begebenheiten im Verein gab Herr Schatt. Er konnte wiederum zwei besonders erfreuliche Umstände feststellen, nämlich günstige Kaffenverhältnisse und eine gesteigerte Mitgliederzahl, unter welchen wieder drei Jubilare zu verzeichnen waren, und zwar die Herren Jakob Bier, Jean Kern und Christian Prescher, die ihr 25jähriges Jubiläum als Mitglieder feierten. In der Konzertsänaerin Fräulein Mathilde Auffahrt aus Frankfurt hatte das Komitee wieder eint sehr glückliche Requisition gemacht, indem ihre Liedervortrâge (Sopran) der ganzen christlichen Welt geworden, das wohl in der Reihe der volkstümlichen Gesänge durch seine Einfachheit, Schlichtheit und tiefe Wirkung einen Ehrenvlatz beansprucht. W. Br.
StnMflicntcr in Hanau.
= Hanau, 28. Dezember.
Tie Weihnachtsfeiertage brachten uns zwei Novitäten, und zwar das Lustspiel „Der blinde Passagier" von Blumenthal und Kadelburg am 2. Feiertage, Halbe's Drama „Der Strom" am gestrigen Abend. Wir wenden uns für heuie der gestrigen Aufführung zu, um gleich von vornherein zu konstatieren, daß dem Drama auch hier wie in anderen Orten, in denen es zur Aufführung gelangte, eine beinahe begeisterte Aufnahme zuteil wurde. Die Handlung, straff nnd leiât übersicktlich aufgebant, packt von Anfang an und hält uns mit stetig wachsender Spannung bis zum Schlaffe gefesselt. Wir sehen, daß Halbe das uralte Leidenschaftsmotiv, die feindlichen Brüder, von neuem aufgegriffen hat. Bei ihm sind es sogar drei, die miteinander streiten und ringen, zum teil um die Erbschaft des Vaters, zum teil um ein Weib, das mit dem ältesten Bruder verheiratet ist. Dieser, Peur Doorn, hat seine Brüder um ihr Erbe betrogen, indem er beim Lose des VaterS das zu deren Gunsten lautende zweite ^^jramk ^ unterschlug und ein älteres vorwies, das ihn zum ull«n e> y des Anwesens bestimmte. Er hat es getan, um das Gut, va» sonst nicht zu halten galten wäre, vor der Z^rümmerung zu bewahret:. Rücksichtslos und nnbrübeM ^ahrt er aber gegen den jüngsten Bruder. JakoS, der mU lchwarmerischer Liebe an der schauen Schwagenn hangt. Der romantischen TestammtSunterschlagung gesellt sich dre kbenso romamnche vlöüliche Rückkehr des zweiten Bruders nach zwölfjähriger Abwesenheit hinzu. Er ist zum Strombaumei ter in der Keimet ernannt worden und hier erwacht in ihm die Liebe zu der Schwägerin von neuem, die ihm einst unter Vorzug des älteren Bruders Peter einen Korb gegeben hatte.