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Wes Blatt

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Hanauer G Anzeiger

Bezugspreis:

Kiertelfährlich 1,80 M., monatlich 60 Pfg., für au?« ^artige Monnenten mit dem betreffenden PosimifsHIag.

Die einzelne Nummer kosiet 10 Pfg. ^ ,

Genttal-Anzriger

Erhruckt uttb verlegt in der Buchdruckern beZ verein, rv. WmfinhauseZ in Hanau. . "'-

Amtliches OrgN für Mt- «n- MKreis Hm«

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Zur Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespalWe Petièzcile oder deren Raum, für AuLwärtA tlh Pfz.» im Reklamentheil die geile 25 Pfg.,'?' ^.

4? für Auswärts 35 Plg. .

Derantwarll. Redakteur: E.Schrecker in HanPu

Nr. 251

Fernsprechanschluß Nr. 605*

Dienstag den 27. Oktober

Fernsprechanschluß Nr. 605

1903

Amtliches

LanâKreis Öanau.

Bekanntmachungen des Königs. Landraisarntes.

In Karl Heymanns Verlag, in Berlin W. 8, Mauer- siraße 43/44, ist ein von sachkundiger Hand bearbeiteter Statutenentwurf für Kranken- und Sterbekassen, eingeschriebene Hilfskassen, erschienen und zum Preise von 60 Pfg. für das Stück erhältlich.

Ich ersuche, die Vorstände der eingeschriebenen Hilfskassen hierauf aufmerksam zu machen und ihnen die ^Benutzung des Statutenentwurfs im Bedarfsfälle angelegentlichst zu empfehlen.

Cassel den 17. Oktober 1903.

Der Regierungs-Präsident.

A. II 13371 I. Ä.: Schenk.

Vorstehende Verfügung bringe ich hiermit zur Kenntnis der Beteiligten.

Hanau den 24. Oktober 1903.

Der Königliche Landrat.

V 8387 v. Beckerath.

Nach Mitteilung des Königs. Polizei-Präsidiums in Frank- surt ist in der Gemarkung E s ch e r 3 h e i m die Rotlauf- leuche ausgebrochen.

Hanau den 23. Oktober 1903.

Der Königliche Landrat.

V 8393 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Stadtkreis Danau*

Bekanntmachungen des Oberbürgermeifieramtes.

Bekanrrtmachung.

Die für den Stadtbezirk Hanau aufgestellten 18 Ab- teilungslisten für die bevorstehende Landtagswahl werden am 28., 29. und 30. Oktober d. 3$., im Bureau der städtischen Stenerverwaltung, Stadtschloß, während der Stunden von 81 und 47 Uhr öffentlich ausgelegt.

Innerhalb 3 Tagen nach dieser Bekanntmachung steht es jedem frei, gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Liste bei uns seine Einsprüche schriftlich anzubringen oder zu Protokoll zu geben.

Hanau den 27. Oktober 1903.

Der Magistrat.

I. A.: Lauts â. 19223

Plenarsitzung der Handelskammer Hanan

Mittwoch den 28. Oktober, nachmittags 41/» Uhr, im Sitzungssaal der Handelskammer (Stadtschloß).

Tagesordnung:

1. Mitteilungen.

2. Ergänzungs-bezw.Ersatzwahlen zur Handelskammerl903.

3. Gesetzentwurf betr. den Versicherungs-Vertrag.

4. Einrichtung direkter Gütertarife für den Uebergangs- verkehr zwischen Kleinbahnen und der Staatsbahn.

5. Neubearbeitung des statistischen Warenverzeichnisses zum Zolltarif.

6. Ausscheiden der Apotheker aus der Handelskammer- organisation.

f 7. Untersuchungsgebühren bei Ausführung des Fleischbeschan- « gesctzes.

8. Fortsetzung der Mainkanalisierung.

9. Geheime Sitzung. _ 19~10 Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 Peitsche, 1 goldener Trauring ohne Zeichen, 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 weißes Taschentuch <gez. S. V.).

Verloren: 1 goldener Zwicker, 1 braunes Portemonnaie Mit 5 Mark rind 2 Fahrkarten (auf der linken vorderen Seite befindet sich ein B), 1 Dienstauszeichnung I. Cla^e, 1 frisch geschliffenes Federmesser mit braunem Stiel.

Ent laufen: 1 wolfstrännge Bulldogge w. ^ksch.., 1 junger Foxterrier mit schwarzen Flecken über dem linken Ang, , 1 Bernhardinerhund (auf den NamenJuno hörend.

, Zugelaufen: 1 junger brauner ^cagdhun..

Hanau den 27. Oktober 1903.

Hue Stadt und Eand.

Hauait, 27. Oktober.

Jahrcsscst des Hauptvereiils Cassel des Edangelischeil Bmldes zu Lchlitchtem

am 24. und 25. Oktober.

a. Schlüchtern, 25. Oktober.

Der Hauptverein Hessen-Cassel des Eyaugelischeu Bundes zur Wahrung deutsch-protestantischer Interessen hält soeben in Schlüchtern sein diesjähriges Jahresfest ab. Auf gestern abend 8 Uhr war eine Versammlung im Saale des Gasthauses zum Deutschen Kaiser" anberaumt, die von Einheimischen und Fremden, Damen und Herren, sich eines sehr regen Besuches zu erfreuen hatte. Nach dem Gesang der beiden ersten Verse der lutherischen Schutz- und Trutzliedes:Ein' feste Burg ist unser Gott", begrüßte Herr Superintendent Orth die Er­schienenen und dankte dem Vorstände des Evangelischen. Bun­des, daß dieser Schlüchtern als den Ort seiner diesjährigen ^Hauptversammlung gewählt habe. Vielfach komme man dem Evangelischen Bunde mit einem gewissen Mißtrauen entgegen, als ob er seine Aufgabe darin sähe, das einirächtliche Neben« rinanderleben der christlichen Konfessionen zu stören durch ein­seitige zu starke Betonung der speziellen Interessen der evan­gelischen Kirche. Allein wenn man sâhe, wie die römische Kirche auf ihren großen, imposanten Katholikentagen ihre Glieder zu gewinnen und starken wisse für kirchliche Arbeit, dann werde man auch dem Evangelischen Bunde es nicht wehren können, an seinem Teile für ein lebendigeres, kraft­volleres Selbstbewußtsein bei dm Angehörigen unserer Kirche zu arbeiten. . Wir müssen es dem Bunde vielmehr Dank wissen, daß er mit dem Schwerte «ehre und mit der Kelle arbeite an den Mastern der Kirche unb alles tue, um die Fernerstehenden und Gleichgiltigen auf ihre kirchlichen Pflichten hinzuweisen. Hierauf begrüßte Herr Lizebürgermeister Guiermnth in Vertretung des leider verhinderten Hertn Bürgermeisters Salo­mon namens der Stadtvorstandes die Versammlung und wünschte ihr für ihre Tagung allen Segen. Im kämest des Haupt yereinè Cassel dankte Herr Oberlehrer Dr. Hoff« m a nn ans Cassel für die freundlichen BegrüßungKwürle, die der Versammlung aus dem Wunde des,Hern Superintendenten und des Vertreters brr Stadt gewidmet worden seien. In längerer mit lebhaftem Interesse aulgrnommeaer Aus­führung legte der Redner Ziel und Zweck des Evangelischen Bundes dar, der gegenüber den mannigfachsten Angriffen und Uebergriffen, denen die evangelische Kirche ausgesetzt sn, für diese, ein Hort uud Helfer sein wolle. Ferne liege ihm jede aggressive Tendenz: er stehe auf dem Ttrmdpunkt des alten Kaisers Wilhelm L, der erklärt habe:Die Sa sieben« best des Glaubens hält mich nicht ab, mit denen, die den unsrizerr nicht teilen, im Frieden zu leben";. aber: es kann der Beste nicht im Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt." Dem in der Stadt Schlüchtern gebildeten Zweiaverein deS evangelischen Bundes gelte des Redners hrrz- lrches Glückauf; möge er wachsen und sich immer ausbreiten zum Heil der evangelischen Kirche!

Der nächste Redner war Herr Pfarrer Heuß aus Win- deckest der in ungefähr einktündigem Vortrage Beiträge brachte zur Geschichte der Beziehungen zwischen Schlüchtern und Wiudeckcn im Jahrhundert der Reformation. Gewissermaßen als Bindeglieder zwischen diesen beiden hanauischen Städtchen in jener Zeit wurden 3 Männer vorgeführt, die Repräsentanten ihrer Zeit waren, der Mt vor, während und nach der Reformation: der letzte katholische Abi des BeneoiktmerttosttrS Schlüchtern, Christian Ha'm aus Windecken gebürtig; der erste evangelische Pfarrer Windeckens, vorher sechs Jahre in Schlüchtern tätig, namenS Johann Widmann, und schließlich Johann Georg Fabricius, aebürtia aus Schlüchtern, der von 1995 an fast vierzig Jahre lang in Windeckest als Pfarrer gewirkt hat. , Vortrag bot eine Menge neuer unbekannier Daten und wurde^vdn der Versammlung mit gespannter Aufmerksamkeit anaebört, zumal da es der Herr Votiragende in vorzüglicher ' ^strise verstgnd, die zeitgeschichtlichen Verhältnisse mit seinem Stoffe zu verbinden unb in anschaulichster Weise dgrzustellen. Nicht nur um deSOrtsgeschichtlichen willen, das hierinnen vor- aeführt wurde, sondern auch durch das Lllgrmeingeschichtlichc und die Schilderung, kultureller Verhâllnisse jener bewegten Mi hatte die höchst interessante Arbeit des Herrn Pfarrer Heâ den Beifall reichlich verdient, der ihr in ansglebiger teilst gespendet wurde. Die Versammlung, in der verschiedene Essende Lieber gesungen wurden, wurde gegen 10'/, lihr ge­schlossen.

Heute morgen, alS dnn Haupisestlaze, wurde die evangelische Gemeinde mit ihren Festgästen durch das Frühgeläut aller

Glocken begrüßt. Um 10V* Uhr begann der Festgottesdienst, der durch den Gesang des Seminarchores unb des Kirchen« choreS wesentlich verschönt und gehoben wurde. Die Liturgie hielt Herr Superintendent Orth von hier, die Festpredigt halte Herr Metropolitan Schäfer von Gelnhausen über­nommen. In geradezu meisterhafter Weise wußte dieser auf Grund seines Textes Röm. 1, 16:Ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht, denn eS ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, dir daran glauben, die Juden vor­nehmlich und auch die Griechen" den außerordentlich zahlreich erschienenen Besuchern des Gotteshauses das Evangelium als Grund der Stolzes fnr nns und Quelle der Kraft darzu­stellen. Alle Kirchengänger waren mächtig ergriffen von dieser geisteSgewalligen, anregenden und erhebenden Predigt, die bei aller Gedankenfülle und Schönheit der Sprache in ihrem Auf­bau klar und durchsichtig von jedem verstanden worden ist.' Es war eine rechte Herzstärkung, waS uns da geboten worden ist, und eine ernste Mahnung, zu halten, waS wir haben, daß niemand unsere Krone nehme. Die am Schluß deS Gottesdienstes zu Zwecken des Evangelischen Bunde? erhobene Kollekie ergab einen sehr schönen Betrag.

Um 1 Uhr fand im Gasthaus zum Stern ein gemeinsames Essen der Festgäste statt, und nm 4 Uhr geschäftliche Ver­handlungen des Gesamtvorstandes imDeutschen Kaiser".

-a.- Schlüchtern; 26. Oktbr. -

Gestern abend um 7 Uhr fand in dem großen Saale der Turnhalle eine weitere Versammlung aus Anlaß bei Jahres- festes der Coffeler Hauptvereins des Evangelischen Bundes statt, die sich eines außerordentlich starken Besuches zu er­freuen hatte. Schon vor der angesetzten Zeit waren sämtliche Plätze in dem großen Raume besetzt, sodaß die später Kom­menden die Ntöenrâume benutzen mußten; viele mußten stehen;

aber wenn man sich auch drücken und behelfen mußte, man tat es gerne, und niemand hat es bereut, selbst alsStan- desperfon" den Verhandlungen gefolgt zu sein. Mächtig er­klang von vielen hunderten von Stimmen das Lutherlied : Ein' feste Burg ist unser Gott" durch die weiten Hallen als Ausdruck der freudigen und trotz allem siegesgewissen evan­gelischen Zuversicht. Herr Pfarrer Kahl begrüßte darauf die Versammlung und wies auf die der evangelischen Kirche aufgedrungene Notwendigkeit hin, ihre Glieder zu sammeln, sie anfzuklären über die Gefahr, die uns be­droht, zu stärken für den Geisteskampf, der ausge« fochten werden müsse. Die friedlichen Zeiten seien vorüber. Aber wenn auch die kvangelische Kirche zu kämpfen habe, mit den katholischen Christen, unseren Brüdern und Schwestern, suchen wir keinen Kampf; mit ihnen wollen wir im Frieden leben. Dem System, das uns entgegen ist, müssen und wollen wir entgegentreten. Der Evangelische Bund, der eben in unseren Mauern sein Jahresfest feiert, ist zu uns gekom­

men, um nns wachzurufen und uns zu mahnen:Halte, was du hast, daß niemand und nichts dir deine Krone raube."

Nach dieser Ansprache und einem weiteren gemeinschaftlich gesungenen Liede hielt Herr Vikar Vespermann aus Falkenau an der Eger in Böhmen einen Vortrag überD ie Los-vou-Aom-Bew egung in Oesterreich.", Der außerordentliche Beifall war derttlicheS Zeichen des Dankes, den die große imposante Versammlung bett Ausführungen des vortrefflichen Redners zollte; was er in geistvoller, fesselndster Weise geboterr hatte, fand begeisterten Widerhall in den Herzen der Zuhörer und weckte bei vielen das Verlangen, auch an dieser Arbeit tatkräftig mitwirken zu können. Ueber sechzig An- meldttngen erfolgten zu der in Schlüchtern bestehenden Orts­gruppe des Evangelischen Bnndes, die jetzt 113 Mit­glieder zählt.

Zum Schluß der Versammlung dankte Herr Oberlehrer Dr. Koniecki aus Cassel allen benen, die zum Gelingen dieses schönen Festes beigetragen; der kirchliche« unb politischen Ge­meinde für die freundliche Aufnahme, dem Seminarchor und dem Kirchenchor für die gebotenen herrlichen Gesänge ; dem Vortragenden des gestrigen Abends, der in die Zeit der Reformation mit ihren Nöten und Kämpfen eingeführt, bem Frstprediger des Tages, der so erhebend das Wort Gottes verkündigt und dem Redner der Hauptversammlung, der m so begeisternder Weise un8 mit der Arbeit der evangelische!: K-rche unserer Tage in Oesterreich bekannt gemacht habe. Teilnehmern dieses Fest-s ivänscht- cr ÄoLteS re ch-n Segen und ein immer tieferes Eindringen rn d'- eoangeüsche ^ahr heit. Die von den Ntuvefenben getp-nbete A- Sahe wurde dem Herrn Vikar Vespermann eivgehändigt als Gu._, von der Schlüchterner Tagung an seine evangelische Gemeinde »al man.