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Erstes Blatt

Brzugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für nus- wârtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag, Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, cc. Waisenhauses in Hanau.

Gmeral-Avzeiger.

Amtliches ®nn fit Mt- md Fmdlireis gw

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrücknngsgcbühr:

püc Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 10 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: G. S ch r e ck c r in Hanau,

Nr. 199

Fern Preil ausA«ß Nr. 605

Donnerstag den 27. Auaust

Fernsprechanschluß Nr. 605

1903

Amtliches.

Stadtkreis Danau.

Bekanntmachungen des Oüerbürgermeisteramtes.

Zum 1. September d. Js. wird für das städt. Meldeamt eine'Schreibhilfe gegen tägl. Vergütung von 3 Mark

gesucht.

Die Beschäftigung ist vorläufig aushilfsweise.

Bewerber wollen sich beim städt. Meldeamt melden.

Hanau den 27. August 1903.

Der Oberbürgermeister.

Dr. Gebeschus.

14899

Konkursverfahren.

Ueber das Vermögen der Witwe des Dachdeckermeisters Philipp Guckemus in Hanau, Hospitalstraße Nr. 52, ist heute am 24. August 1903, nachmittags 4^4 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Der Kaufmann Heinrich I o st in Hanau ist zum Konkursverwalter ernannt. Offener Arrest und Anzeigepflicht sowie Termin zur Anmeldung bis zum 30. September 1903. Erste Gläubigeroersammlung am 18. September 1903, vormittags 10 Uhr, Prüfungs­termin am 16. Oktober 1903, vormittags 10 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgericht, Abt. 5, hier, Marktplatz 18, Zimmer Nr. 5.

Hanau den 24. August 1903.

Der Gerichtsschreiber

. ; äâigrrcheit Amtsgeri- M 5. 14860

Gcsmdeue und verlorene Gcgcnstilndc re.

Gefunden: 1 Knabenstrohhut, 2 Brennscheeren, 1 kl.

Kinderschuh, 2 Brillanten (in Papier eingewickelt).

Verloren: 1 Paar goldene Chatons-Ohrringe, I rosa­seidenes Zierdeckchen mit blauem Band durckschlungen.

Zugelaufen: 1 junger schwarzer Dachshund.

Hanau den 28. August 1903.

Hue Stadt und £and,

Hanau, 27. August..

VeamLsupersonal-Nachrichten.

Ernannt: der Gerichtsassessor Dr. Pape zum Amtsrichter in Hilders, der Gerichtsassessor Beste zum Amtsrichter in Arolsen, der Rechtskandidat Schafft zum Referendar, der Steuersupernumerar Jähnert zu Hanau zum Königlichen

Feuilleton

Des deutschen Weibes Chrcnkctte.*)

Wie die Lilie in der Seide

Ihres Kleides birgt den Tau,

Trägt ein heimliches Geschmeide

Jede edle deutsche Frau,

Eine reine Perlenreihe,

Der kein Schmuck auf Erden gleich,

Die dem Weibe gibt die Weihe,

Eine Ehrenkette reich.

Dieses Sinnbild frommer Sitte

Neberdauert Leid und Zeit.

Warm in Tugendperlen-Mitte

Schimmert die Barmherzigkeit.

Mädchen, Frauen, jene Kette

Leiht uns Gott, daß ohne Ruh'n

Unser Walten heile, rette,

Daß wir Liebeswunder tun!

Unsre Worte seien Segen,

Unsre Hülfe heiße Macht:

Unsrer schwachen Hände Regen

Zaub're Sterne in die Nacht!

Unser Herz, das oft so scheue,

Das die Not des Nächsten kennt,

Sei ein Tempel deutscher Treue,

Drin des Mitleids Flamme brennt.

Schwester, jene Kette trage

Stolz, so lang' dein Atem geht!

Stärker dann mit jedem Tage

Werden Wohltat und Gebet:

*) Aus Anlaß und zur Förderung der Marine-Angelegenheit .Frauenlobstiftung" gedichtet.

Steuersekretär bei der Einkommensteuer-VeranlagungskommiZsion des Landkreises Hanau.

Versetzt: der Kreisarzt, Medizinalrat Dr. He ine mann von Frankenberg in die Kreisarztstelle des Stadtkreises Cassel.

Bestätigt: der zum unbesoldeten Beigeordneten der Stadt Sachsenhagen auf die Dauer von 6 Jahren gewählte Stadt­verordnete Rüßelberg.

Entlassen: der Gerichtsassessor Robert Krug aus dem Justizdienste infolge seiner Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Landgericht in Marburg a/L.

Pensioniert : der Gerichtsvollzieher AmmermaNN in Eschwege.

* AoszeichttUttg. Der in Nr. 197 d. Bl. erwähnte, mit dem Allgemeinen Ehrenzeichen dekorierte Vorarbeiter Fischer von Groß-Krotzenburg heißt mit dem Vornamen Leonhard, nicht Bernhard.

* Turnerisches. Dem soeben zur Ausgabe gelangenden Jahresbericht des IX. Kreises der deutschen Turnerschaft ent­nehmen wir folgende Mitteilungen über den Stand und den Turnbetrieb der hiesigen Turnvereine, woraus ersichtlich, daß dieselben in geregelter fleißiger Arbeit unausgesetzt bemüht sind, die Heranwachsende Jugend zu kräftigen Männern heran­zubilden.

8

g 5

g

L £2

E^^ w ZU

g

Turngemeinde . .

175

Turngesellschaft . .

51

127

2980

nein

Turn- u. Fechtklub.

165

65

81

1030

nein

Turnverein . . .

100

54

78

1256

nein

Außerdem besteht in

der Turngemeinde

eine Frauenabteilung von 61, im Turn- und Fechtklub eine solche von 31 Mit­

gliedern.

* Im Zoologischen Garten zu Frankfurt a. M. gibt die Kapelle Samstag einen Mozart-Beethooen-Abend. Sonntag ist während des ganzen Tages der Eintrittspreis auf 50 Pf. (Kinder 25 Pf.) ermäßigt und für das Aquarium auf 20 Pf. Kätchen Paulus, die seit ihrem letzten Auf­stieg hier eine Tournee durch die Rheinlande und Holland machte und zuletzt in Schwenningen ihre Kunst ausübte, wird Sonntag noch einmal eine Luftballon-Auffahrt mit ihrem Adler im Zoologischen Garten unternehmen, die letzte, die in diesem Jahr hier zu sehen sein wird.

** Gewerbegericht. (Sitzung vom 26. August.) Der Schneider E. klagt gegen die Kleiderfirma O. auf Zahlung

Berge kannst du überwinden, Wogen bringt dein Wort zur Ruh', Und auf Wunden gießest linden Himmel-süßen Balsam du.

Rosen sprossen, Schatten weichen Dort, wohin dein Lichtblick fällt Laß' der Perlen Glanz nicht bleichen, Die der Liebe Goldschnur hält!

Sascha Elsa.

(Ein Hanauer Held.)

(Nachdruck verboten.)

Die lebendige Tradition von den Helden der Freiheitskriege ist entweder schon erloschen oder dem Erlöschen nahe, da ihre Zeitgenossen schon längst gestorben sind, ja die Generation nach ihnen auch meist zu Grabe gegangen ist. Da ist es denn wichtig, die edlen und merkwürdigen Gestalten jener Männer der gegenwärtigen jüngeren Generation von neuem vorzuführen, namentlich solcher, deren Namen noch nicht ganz verklungen sind und deren Andenken deshalb leichter, lebendig zu erhalten ist. Unser Nachbarort Kilianstädten ist der Geburtsort eines berühmten Kriegsmannes, des Obersten Emmerich, dessen Name schon im siebenjährigen Krieg über die Grenzen unseres Landes hinaus viel genannt und gerühmt wurde, der aber als Greis noch an den Ketten der französischen Fremdherrschaft riß und dafür am 18. Juli 1809 auf dem Forst bei Cassel stand- lechilich erschossen wurde. Das Andenken an diesen edlen Patrioten darf nicht vergessen werden.

Zur Charakteristik des kühnen Mannes dient eine Tat größer Unerschrockenheit, Geistesgegenwart und Gewandtheit, die er im siebenjährigen Kriege unter den Fahnen des Herzogs Ferdinand von Braunschweig vollbrachte. Andreas Emmerich nämlich, der als Sohn des Försters Emmerich zu Kilianstädten die Jägerei erlernt und sich dem Fsrstdienst ge-

eines 14tägigen Lohnes von 45 Mk. wegen kündigungsloser Entlassung. Kläger war für die beklagte Firma als Heim­arbeiter tätig und konnte in der jetzigen geschäftsflauen Zeit keine Arbeit mehr erhalten. Er beansprucht aber, da nichts besonderes vereinbart war, Kündigung, und das Gewerbe­gericht fällt ein Erkenntnis zu seinen Gunsten. Der Beklagte wird verurteilt, an den Kläger 40 Mk. als Durchschnittsver- dienst von 2 Wochen zu zahlen. Der Buchbinder B. klagt gegen die Firma D. & H. auf 14tägige Lohnentschädigung wegen kündigungsloser Entlassung. Da von der Beklagten zur festgesetzten Terminszeit niemand erschienen ist, wird dieselbe im Wege des Versäumnisurteils zur Zahlung des eingeklagten Betrags von 40 Mk. verurteilt. In der Klagesache des Diamantschleifers F. gegen die Firma L. & Co. auf Zahlung eines Lohnanspruchs von 54 Mk. kommt ein Vergleich zu Stande, wonach die Beklagte an den Kläger 23 Mk. zahlt, der Kläger auf weitergehende Ansprüche verzichtet. Der Metzger O. klagt gegen den Mehgermeister Jean M. auf Zahlung eines Betrags von 56,49 Mk. wegen kündigungs­loser Entlassung. Der Kläger hatte abends den Laden nid), geschlossen, worüber sich der Meister beschwerte. In dem sich entspinnenden Wortwechsel sagte letzterer, er (der Geselle) könne gleich gehen. Er hatte das aber nicht im Ernst gesprochen, was daraus hervorgeht, daß er am andern Morgen mehrmals zu dem Gesellen ging und ihn dringend bat, ins Geschäft zu kommen, da viel zu tun sei. Der Geselle lehnte dies jedoch ab. Das Gewerbegericht verurteilt den Beklagten zur Zahlung eines ortsüblichen Wochenlohnes von 15 Mk. an den Kläger. Es ging von der Annahme aus, die Entlassung sei perfekt gewesen, da der Kläger aber am andern Morgen gleich wieder in Arbeit genommen werden sollte, so habe er nur einen ortsüblichen Wochenlohn zu beanspruchen.

** Beleidigungsklage. Ein Nachspiel zu den letzten Neichstagswahlen bildete eine Privatklage, welche bei der letzten hiesigen Schöffengerichtssitzung zum Austrag kam. Verschiedene junge Leute in Niederissigheim waren unter sich in einen Wortwechsel geraten, und dabei tat der Landwirt Gärtner zu dem Sohn des Landwirts Gruner die Aeußerung,er könne ganz ruhig sein, sein (des Gr.) Vater sei ein Sozialdemokrat und habe den Hoch gewählt." Gr. sen. strengte gegen. eine Privatklage wegen Beleidigung an, das Schöffengericht erkannte aber gegen den Angeklagten auf Freisprechung, da in dem WorteSozialdemokrat" keine Beleidigung zu finden sei.

* Sommertheater. Zum Benefiz für Herrn Direktor M. H e n ß wird morgen das beliebte Volksstück mit Gesang Bruder Martin" gegeben.

* Ausflug. Der VereinFrohsinn 1903" unternimmt nächsten Sonntag den 30. d. Mts. einen Ausflug nach Kessel­stadt in das GasthausZum Schwanen".

widmet hatte, war als Freiwilliger in die Reihen der hessischen Armee eingetreten, als aus dieser und den Hanoveranern das sogenannte Parlamentsheer gebildet wurde. Bekanntlich siel diesem im siebenjährigen Kriege die Rolle zu, die Franzosen in Schach zu halten und deren Vereinigung mit den Russen und Oestreichern unmöglich zu machen. Emmerich tat sich durch einige kühne Handstreiche so hervor, daß der Herzog den kaum 22jährigen zum Rittmeister machte. Daß er diese Aus­zeichnung verdiente, bewies er bei dem Feldzug des Jahres 1759. Der französische Marschall Broglie hatte die Höhen bei Bergen und weiter östlich besetzt, der Herzog Ferdinand stand bei Friedberg und war über die eigentliche Absicht Broglies ganz im unklaren, wußte dieser doch selbst nicht, was er tun sollte, denn er erwartete Befehle aus Versailles. Dies hatte der Herzog auch erfahren und gedachte, die Kuriere im Rücken der französischen Armee aufheben zu lassen. Niemand schien geeigneter hierzu als der Rittmeister Emmerich, der sich noch 20 Mann aus seiner Schwadron für das kühne Unternehmen aussuchen durfte. Man mußte den rechten französischen Flügel umgehen und benutzte dazu die Wälder bei Nacht, während man am Tage sich verbarg. Hier kam nun der kleinen Reiter­schar die genaue Kenntnis der Gegend und namentlich auch der einsamen Wege in den Wäldern, die Emmerich in seiner hei­matlichen Gegend besaß, sehr zu statten. So kamen sie auf Umwegen bei Nacht mitten durch das von Feinden besetzte Land und begegneten nur einmal nicht weit von der Mainkur französischen Reitern, denen Emmerich bon soir, camerades! zurief und von denen er mit seinen Reitern für französische Kavallerie gehalten wurde, da er schlauer Weise sich und seine Mannschaft mit weißen Mänteln versehen hatte.

Bei Rumpenheim wurde auf ciner^Nähe über den Maur gesetzt, der Fährmann noch ein weites Stück mit fortgeschleppt und dann gings in den Dienburger Wald, wo man mehrere Tage an der Landstraße auf die Kuriere warten mußte. End­lich kamen dieselben in Begleitung von berittenen Postillonen an, wurden ihrer mit Briefschaften gefüllten Ledertaschen be-