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Erstes Blatt

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Gedruckt und verlegt in der Buchbruckerei des verein, ev.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- nnd Landkreis Kanan

Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Berantwortl, Nedakieur: G. Schrecker in Hanau,

Nr. 198 Fern prèu aus Wuf, Nr. 605«

Mittwoch den 26. August

Fernsprechanschlnß Nr. 605. 1903

Amtliches

Von beachtenswerter Seite ist darauf hingewiesen worden, daß die auf den Straßen feil gehaltenen Mineral-Wässer, wie Selterser, Soda-Wasser u. a. m. an die Abnehmer stets eiskalt verabfolgt werden und daß der Genuß so kalten Wassers, welcher schon in normalen Zeiten leicht ernste Verdauungs­störungen von längerer Dauer nach sich ziehe, beim Drohen der Cholera die Neigung zu ähnlichen Erkrankungen befördere.

Im Auftrage des Herrn Ministers der geistlichen, Unter­richts- und Medizinal-Angelegenheiten werden daher die Ver­käufer von Mineral-Wässern im Ausschanke hiermit ange­wiesen, daS Getränk fernerhin, gleichviel ob die Cholera droht oder nicht, nur in einem der Trinlwasser-Temperaiur ent­sprechenden Wärmegrade von etwa 100 Gels. abzugeben. Gleichzeitig wird das Publikum vor dem Genusse eiskalter Getränke überhaupt, also auch des zu kalten Bieres, insbe­sondere aber der Mineral-Wässer, gewarnt.

Cassel den 17. Oktober 1892.

Der Regierungs-Präsident.

V 3974 I. V.: v. Pawel.

Stadtkreis Danau. Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Die Herren Arbeitgeber werden ersucht, bei Bedarf von Arbeitskräften, sowohl für dauernde, wie für vorüber­gehende Beschäftigung, sich der Vermittelung des städtischen Arbeitsamtes Langstraße 41, Erdgeschoß rechts zu be­dienen.

Hanau den 25. August 1903.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 963

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: 1 Herrenschirm ohne Griff, 1 Porte­monnaie mit 8,77 Mk. Inhalt, 1 gelbe Marke mit Zeichen A. 8, 1 Damenschirm mit silbernem Griff (der Griff eine Schlange darstellend, ist auf der oberen Seite mit weißen Steinen besetzt).

Abhanden gekommen: am Sonntag während des Sturmes 9 Meter Dachkandel von der Marienkirche.

Zugelaufen: 1 weiß und schwarzgefleckter und ge­sprenkelter Jagdhund m. Geschl.

Hanau den 26. August 1903.

Feuilleton.

Geschichts-Kalender.

26. Attguft.

1278. Schlacht auf dem Marchfeld bei Wien.

1813. Der Dichter Theodor Körner fällt bei Gadebusch im Mecklenburgischen. Schlacht an der Katzbach: Sieg der schlesischen Armee unter Blücher über die Fran­zosen unter Macdonald. Sieg Napoleons I. bei Dresden über die böhmische Armee der Verbündeten.

1848. Abschluß des Waffenstillstandes zu Malmö in Schweden zwischen Preußen und Dänemark.

1866. Hessen-Darmstadt tritt an Preußen das Besatzungs­recht der Festung Mainz ab.

Freischiitz-Aiifsührililg.

Hanau, 26. August.

Ende gut, alles gut," so konnte man gestern abend nach der 6.Freischütz-Aufführung" sagen, womit der Zyklus der vorgesehenen Aufführungen seinen Abschluß und, fügen wir gleich hinzu, würdigen Abschluß fand; denn Gesang und Spiel der einzelnen Darsteller ließen kaum etwas zu wünschen übrig. Man sah eben, wie alles bemüht war, daß auch die letzte Vor­stellung den voraufgegangenen sich in jeder Weise mustergiltig anreihe, um den Aufführungen einen bleibenden Eindruck zu sichern. Die Damenrollen waren durch Frl. Heintz und Frl. Jhlüe besetzt, die uns auch diesmal wieder gut gefielen. Auch auf die Zuhörer blieben die prächtigen Leistungen nicht ohne l esen Eindruck; man spendete lebhaften Applaus und ehrte die Damen durch reichen Blumenschmuck.

Hus Stadt und Cand.

Hanau, 26. August.

Aus dem Gerichtsfaal.

Sitzung des Hanauer Schöffengerichts vom 25. August.

Der Knecht B. verließ seinen Dienst auf dem Rüdigheimer Hof vor der abgelaufenen Vertragszeit und trieb sich einige Tage in den Dörfern der Umgegend umher. Er stahl zunächst einem Gastwirt einen wertvollen Hund, dann erschien er wieder auf dem Hof, verlangte unter lauten Schimpfreden seine Pa­piere unb beleidigte den Gutspächter sowie dessen Verwalter in der gröblichsten Weise. Auch der herbeigerufene Polizei­diener bekam von den Schimpfereien etwas ab. Der schon vorbestrafte Angeklagte erhält 3 Monate Gefängnis. Ein 17jähriges Mädchen W. hier hatte auf einen nach Hamburg gesandten Brief eine alte, schon verwertete 20 Pfennigmarke geklebt, was aber natürlich von der Postbehörde sofort bemerkt wurde, hei der Ankunftsielle wurde der Brief in Gegenwart des Empfängers geöffnet und die Absenderin festgestellt. Diese hat sich wegen Vergehens gegen das Reichspostgesetz vom 18. Oktober 1871 zu verantworten. Sie bringt glaubhaft vor, ihr jüngerer Bruder habe Freimarken gesammelt und habe die fragliche Marke in dem Kästchen gelegen, in welchem sie die richtige vermutete. In der Eile habe sie diese verwechselt. Dies gewinnt deshalb an Wahrscheinlichkeit, weil die Marke von dem be­schlagnahmten Kouvert sich leicht ablöste, also ohne genügenden Klebstoff war. Die Angeklagte wird freigesprochcn. Zwei für eine Frankfurter Firma tätige Reisende, welche mehrere Wochen in einer hiesigen Wirtschaft wöhnien, wachten am Abend des 19. Februar auf dem Heumarkt durch allerlei Singsang Radau. Als sie ein Schutzmann zur Ruhe ver­wies, waren sie eine Weile ruhig, fuhren aber dann in ihrem Gesang wieder fort. Der Schutzmann trat abermals zu ihnen, und nun wurden beide in höchstem Maße grob. Sie schimpften, was das Zeug hielt, brüsteten sich, sie seien Großstädter und beleidigten dm Schutzmann auf alle mögliche Weise. Der eine der Exzedenten, Kaufmann H., ist aus Straßburg, schon er­heblich vorbestraft und wird von einem Unteroffizier und einem Gefreiten des 81. Infanterie-Regiments, bei welchem er als unsicherer Heerespflichtiger eingestellt ist, vorgeführt. Der an­andere ist der Reisende B., in Wiesbaden wohnhaft, ebenfalls vielfach vorbestraft. H. erhält 1 Monat, B. 6 Wochen Ge­fängnis. Dem Beleidigten wird die Publikationsbefugnis zu­erkannt. In der Nacht nach der ReichStagsstichwahl standen an der Kreuzung von Stern- und Frankfurterstraße zwei aus einer Wirtschaftzurückgekehrte Leute, darunter der MonteurP. Sie hörten aus der Richtung von der Krämcrstraße her allerlei auf die

Die Darsteller der beiden größten Nollen, die Herren K. F. Appel und Konrad Leipold, wurden durch Lorbeerkränze mit entsprechenden Widmungen ausgezeichnet, die ihre Verdienste um die Darstellung ihrer Rollen hervorhoben. Während wir auf einem Kranze, dem Darsteller desKaspar" (Herrn Appel) gestiftet, die knappen, aber treffenden Worte lasen: Dem vorzüglichen Sänger und Darsteller desKaspar" zur Erinnerung gewidmet", prangten auf einem dem Herrn Leipold (Max) gespendeten Kranze die Worte:Aus Hoch­achtung und Anerkennung dem Manne gewidmet, dem es durch edles Streben, unermüdlichen Fleiß und festen Willen gelang, eine hohe Aufgabe zu lösen." Von diesen Ehrungen waren auch wir angenehm berührt, da beide Herren durch ein tiefes Erfassen ihrer Aufgaben und ein liebevolles Sichhineinversenken, das sich in edlem Spiel, in gesanglich vortrefflichen Leistungen äußerte, je nach dem Charakter der Rolle, sich den besonderen Dank des Publikums erwarben. Das Dirizentenpult schmückte ein mächtiger Lorbeerkranz, der dem Dirigenten Herrn W. Hamburger in richtiger Erkenntnis der Wertschätzung für seine Mühe und Arbeit und aus Anerkennung seiner geschickten Leitung seitens des Chores gestiftet worden war. Auch wir zollen wiederholt Herrn W. Hamburger unsere volle An­erkennung. Mit Beherrschung des musikalischen Stoffes und bewundernswerter Ausdauer schwang er den Dirigentenstab von der ersten bis zur letzten Aufführung. Auch der Mitwirkung der übrigen Darsteller sei hier noch einmal lobend gedacht.

So sind die Tage zu Ende! Jeder, der an seinem Teil mit zu den gelungenen Aufführungen beigetragen hat, muß selbstredend den schönsten Lohn finden in der schönen Ausgabe, der cr sich unterzog, die jeder zur^ vollen Zufriedenheit löste im Jutereffe einer wohltätigen Sache, im Interesse der heimischen Musik- und Gesangspflege. Gewiß werden allen Mitwirkenden die Tage unvergeßlich bleiben! -ch.

Reichstagswahl bezügliche laute Rufe und warteten deshalb, bis diejenigen kamen, die die Rufe ausgesioßen hatten. Es waren mehrere junge Leute und unter diesen befand sich auch ein Schulkamerad des P der Modelleur St. Der Modelleur St. machte einige Bemerkungen, welche der P. auf sich bezog und deshalb dem St, nachlief, um ihn zur Rede zu stellen. P. griff nun seinen ehemaligen Schulkameraden sehr derb an, beide wurden handgemein und St. ging aus dem Streit als der Besiegte hervor. Er hatte von dem P. mit dessen mit einem Bronzegriff versehenen Stock derartige Hiebe auf Kopf, Schulter und Arm bekommen, daß er stark blutete und sich im Landkrankenhause verbinden lassen mußte. Der P. ist der ge­fährlichen Körperverletzung angeklagt und erhält unter Zu­billigung mildernder Umstände 1 Woche Gefängnis. Mehrere andere Strafsachen wurden vertagt.

* Handwerkskammer. Die Installateure unseres Kammerbezirks werden hiermit darauf aufmerksam gemacht, daß die Freie Vereinigung Deutscher Installa­teure vom 3. bis 7. Oktober d. J. ihre V. Wanderaus­stellung in Hannover abhalten wird. Die Beschickung dieser Ausstellung kann nur bestens empfohlen werden. Ausstellungs­bedingungen, Plan und Antragsformulare können bei dem Leiter der Ausstellung Herrn B. Henking, Stuttgart, Kriegs­bergstraße 42, franko bezogen werden. Eventuelle An­meldungen sind bis längstens 19. September bei dem Vor­genannten einzureichen.

* Berufsjubiläum. Gestern feierte der Kettenmacher Herr Jean Rothermel sein 25jâhriges Berufsjubiläum. Derselbe war an diesem Tage seit 25 Jahren als Kettenmacher in der Fabrik der Herren Posch <v Ehmann, KeNenfabrikanien, dahier beschäftigt und wurde aus diesem Anlasse durch Ge­schenke seitens des Chefs und des Personals in entsprechender Weise geehrt.

* Die Veranstalter musikalischer Aufführungen/ Musikdirektoren, Gesangvereine rc., welche auf die Pflege eines modernen Repertoirs Wert legen, machen wir darauf aufmerksam, daß die Gesellschaft der Autoren, Kompo­nisten und Mustkoerleger in Wien, die seit kurzem ihre Tätig­keit auch auf Deutschland erstreckt hat, in Hanau eine Bezirks­vertretung errichtet, welche sich über die Städte Frankfurt, Gießen, Bad Nauheim, Offenbach, Aschaffenburg, Bad Orb, Wetzlar, Fulda und sämtliche dazwischenliegende Ortschaften be­zieht. Dieselbe ist in die Hände des Herrn H. Schenck, Frankfurterstraße 6 II, gelegt.

* Automobil-Gaste in Hanau. Die zum Auto­mobil-Rennen nächsten Sonntag nach Frankfurt a. M. fahren­den Automobil-Gâste treffen sich Samstag, 29. August, unter Führung des Vorsitzenden der Touristen - Kommission, Eugen

>»W«»«»MM,IMUII Til RUI , WVI»W^WMLSe^stMIU ^SkMMA» Die Mcrtums-Tnmmlimgcil des Hanauer Gcschtchtstmcins.

Don Dr, F. Q n i 1 I i ii g.

Geist der Vorwelt: Was rufst Du mich herauf aus meinem dunkeln Grabe? Auf daß Du Zeugnis gebest von einer dunkeln Zein" Ein halbes Jahrhundert ist dahingegangen seit einer für die Altertumswissenschaft hochbedeutsamen und weittragenden Entdeckung. Ausgrabungen im Züricher See förderten im Jahre 1853 Tausende in den Boden cingerammter Holz­pfähle zu Tage und zwischen ihnen eine Schicht, die mit Geräten aus Stein, Knochen und Hirschhorn reichlich durch­setzt mar. Aehnliche Funde in anderen Seen der Schweiz, Oesterreichs, Ungarns, Frankreichs und Italiens schlossen sich an und man erkannte darin alsbald die Reste menschlicher Wohnungen aus einer Periode, die Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung zurückliegt.

Die Anlage der Pfahlbauten ist dem Schutzbedürfnis des Menschen entsprungen. Wie noch heute einzelne Naturvölker im indischen Archipel, in Melanasien und in Nordwestamerika ihre Wohnungen mitten im Wasser aufschlagen, um sich vor wilden Tieren und feindlichen Nachbarn zu sichern, so bauten in grauer Urzeit auch unsere Vorfahren zu dem gleichen Zwecke ihre schlichten Holzhütten in Seen unb sanftströmenden Flüssen. Und selbst wo es an Wasser fehlte, entstanden trotz- bcm Pfahlbauten, denn, auch auf trockenem Lande errichtet, gewährten sie vermöge ihrer hohen Lage immer noch besseren Schutz als die Höhlenwohnungen der ersten Erdenmenschcn.

Auch Hanau besitzt seinen Pfahlbau und zwar im Museum des Geschichtsvereins. Wenn, wir uns in dem prächtigen alten Rathaus zum ersten Obergeschoß hinaufbegeben und uns rechts vom Treppenaufgang nach demprähistorischen^ Saale wenden, so finden wir in einer der beiden Fenster­nischen rechter Hand vom Eingang ein hübsches Modell einer solchen nrgeschichtlichen Wohnung. Der Hintergrund ver-