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die ledige Anna Hasenauer von der Zwickmühle bei Giesel, ebenfalls wegen Meineids.
* In gefährlicher Lage befand sich gestern nachmittag ein neunsähriger Knabe, der an der Amoniterstraße in die glücklicherweise zur Zeit nicht besonders tiefe Kinzig gefallen war. Ein den Vorfall bemerkender Arbeiter vollzog in wackerer Weise die Rettung des Knaben.
* Schlägereien. In der Römerstraße gerieten in verflossener Nacht zwei junge Leute aneinander. Die Folge der Tätlichkeiten war, daß sich der eine in das LandkraNkenhaus begeben mußte. Die Sache hat keinen politrdjen An rich.
* Sommertheater. Am kommenden Samètag bringt die rührige Direktion das Schauspiel „Verlorene Ehre" von Bohrmann-Riegen zur Aufführung. In demselben wird das beliebte Mitglied unseres Stadithealers Herr Walther Krug als Gast die schwierige Rolle des Baranski kreiren. Die Handlung des Schauspiels ist ergreifend und lebenswahr und ist das Stück ein beliebtes und wirkungsvolles Repertoirstück aller Bühnen. In der Rolle des Baranski ist dem Darsteller Gelegenheit geboten, sein ganzes künstlerisches Können zu entfalten und ist somit ein intenssanter Abend sicher zu erwarten.
* Feier des Lamboyfesies in New-York. Eine Anzahl Hanauer in New-Jork haben wieder ihre treue Anhänglichkeit an die alte Heimat kundgegeben und das Lamboy- fest als Erinnerungstag an die Errettung Hanaus aus schwerer Kriegesnot durch eine feuchtfröhliche Champagnerbowle gefeiert. Die Kunde hiervon wird uns durch eine hübsche Ansichtspostkarte mit folgendem Inhalt übermittelt: „An den „Hanauer Anzeiger" Hanau a. M., Germany. Unterzeichnete Hanauer wünschen bei einer Champagnerbowle der allen Heimat ein vergnügtes Lamboyfest und dem Anzeiger Glück und Prosperität. I. G. Grill u. Frau, Chr. Engelhard u. Frau, C. Schroeder, S. Schmidt, E. Schneider, Karl Schmellenberg, Heinrich Bilfinger, Wilhelm Schenck, Theodor Deibel, 8. Steinheuer, Moritz Koch, L. F. Dammerich." Die Karte verzeichnet außerdem noch den Vermerk „Ewe hats gedunnert!" Das war nun diesmal hier nicht der Fall hoffentlich ist es auch bei der New-Dorker Lamboywaldsfeier nicht in ein „Dunnerwetter" ausgeartet. Im klebrigen quittieren wir für das freundliche Gedenken der Hanauer in New-Jork und ihre guten Wünsche mit bestem Dank und rufen ihnen nachträglich noch ein kräftiges „Wohlbekomms" zu.
* Msrinwas?erwärme vom 25. Juni: Morgens 15, mittags 15V», abends 16 Grad.
]-[ Fechenheim, 25. Juni. Das einmütige Zusammengehen der bürgerlichen Parteien bei der heutigen Stichwahl hatte ein recht günstiges Resultat hinsichtlich der Stimmenzahl für den gemeinsamen Kandidaten Herrn Amtsrichter Dr. Lucas. Derselbe erhielt bei der heutigen Wahl 549, also 189 Stimmen mehr als im ersten Wahlgang, während der sozialdemokratische Kandidat sei seinen 1155 Stimmen um 45 zurückgegangen ist. Dieser Erfolg ist besonders dem geschlossenen Vorgehen der hiesigen Zentrumswähler zu danken, welche sich ungemein rege am Herbeiholen der Säumigen beteiligten, sodaß mitunter für eine Straße 5 Mann zur Verfügung standen.
Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.
Telegramm aus Hamburg vom 26, Juni.
9 Uhr 30 Min.
Ein Maximum von 774 mm lagert über den Lofoten, eine Depression unter 757 mm westlich von Irland. In Deutschland ist das Wetter ruhig, heiter! und trocken, außer im Westen ist die Temperatur durchschnittlich normal.
Prognose für den 27. Juni: Ruhiges, heiteres, trockenes, warmes Wetter wahrscheinlich.
Aananer Uersms- «. Dergnugungsttachrichten
für Freitag den 19. Juni
Ev. Männer- u. JünqlingSverein: UnterbaltnnsSaben^ M>. VercinSh.). Erster Hanauer Kellnerverein: VrreinSabend im „Falken". Hanauer Kellnerverein Vereinsabend -n der Restauration Ulsamer. Turn- u FeckMub: Von */a9—10 Uhr: Fechten uns Turnen. Verein f. Homöopathie u. Naturheilkuv^e ■ Vereinsaberft (Stabt Bremen) Klub „Amicitia": VereinSabend im Gasthaus „zum Elevhanten'. Klub der „Harmlosen": Gemütl. Zulammenkuntt im „Frankiurrer Ban". Klub „Schlaraffia": Vereinsabeno in Der Restauration Allrmania", Klub „Fraternitas": Klubabend in den „3 Schwanen" (Kirchstraße). Sänger-Quartett: Bereinsab'nd in der Brauerei Orschler. Bicy-lekluS „Hansvia" - Klubabend in der „Restauration Carlsberg". Bicycle-Klub 1896: Klubabend im .Kaiser Friedrich". Gesellschaft „Scharfes Eck": VereinSabend.
Athletenklub „Germania": Riegenstewmen und Ringen der 1« 2. und 3, Klasse (Restauration Wagenbach, Paradeplatz). MerkeS'scher Steuogravhen - Verein: Fortbilbungskursus „zur Sonne" Kegecklub „Neuntöter": Abends 9 Uhr: Gasthaus „zur guten Quelle". Stemm- u. Ring-Aub „Eiche" : Abends von 9—IC Uhr: Ehrenprers- stemmen, von 10—11 Ringen (Restauration „Wiener Spitze".
DrrMgeruirgs- etc. Kalender für SamStag den 27. Juni.
Nachmittags 3 Uhr soll die Fischerei auf dem Main. Dörnicheimer Gemarkung im Gasthaus „zum grünen Baum" in Dörnigheim auf weitere 6 Jahre verpachtet werden.
Mus piab und fern.
Gelnhausen, 25. Juni. Nur noch einige Tage trennen uns von einem Sportsfest, wie es in Gelnhausen noch nie gefeiert wurde, es ist dies das nächsten Sonntag den 28. Juni stattfindende Sommerfest des Gaues 9 des Deutschen Radfahrerbundes, mit welchem derhiestgeRad« fahrerklub „Barbaroffa" seine Baunerweihe verbindet. Die einzelnen Komitees sind fest an der Arbeit, um den von ferne kommenden Radlern einen schönen Tag zu bereiten. Der rein sportliche Teil des Festes umfaßt einen Preiskorso durch die Stadt und zwar die folgenden Straßen Röthergasse, Neue Straße, Barbarosfastraße, Burgstraße, Altenhaßlauerftraße, Bahnhofstraße, Steinweg, Seestraße nach dem Festplatz. Der Feftzug der hiesigen Vereine stellt sich auf dem Obermarkt auf
Freitag
™^-M-iflzxaE‘«ti'encMLx. xK^oiaai^w..':»>,^,>a‘.:<vraiMEfcarm-^-t~-^aMt.iIMj|l..-„<.u,..'.w»^>wm* ^^BHDMÜMHMSDMMiiKr,. und marschiert durch die Oberstadt nach der Neuen Straße, woselbst die Vereine Spalier bilben'und so den Korso an sich vor- bcjfabrcn lasten, hierdurch ist denselben Gelegenheit geboten, den Korso selbst sehr ant zu sehen. Nachdem der letzte Radler- verein vorbei, sctz'-n sich die Vereine wieder in Bewegung und marschieren mit nach dem Festp'atz. Auf dem Festplatz wird nach der offiziellen Begrüßungsrede die Bannerweihe vollzogen und hiernach die einzelnen Preisreigen auf der eigens hierzu erbauten Fabrfläche gefahren, es werden Spielreigen, Blnmen- reignt Und KuttTreigen, Grupvenkunstiahcen gefahren; es wird hierbei großartiges zu sehen sein. Der Eintritt zum Festplatz beträgt 30 Pfennig, Kinder zahlen 10 Pfg. Um das Fahren der einzelnen Vereine bester sehen zu können, ist auf zwei Seiten der Fahrfläche eine Tribüne erbaut, auf welcher bequeme Sitzplätze angebracht sind; die nuinerittten Plätze kosten 1 Mark, die nicht numerierten 50 Piq.; an die dritte Seite ist der Musiktempel angeschlossen, während die vierte Seite frei ist, um den Festbesuchern Gelegenheit zu geben, die Reigenkonkurrenzen auch gratis zu sehen. Diese Reigenkonkurrenzen werden ungefähr 2 Stunden dauern und da dürfte ein Sitzplatz schon angenehmer sein. Die Karten werden demnächst in Vorverkauf zu haben sein und kann sich jedermann seinen Bedarf rechtzeitig in den Vorverkaufsstellen decken. Um nun den musikalischen Teil des Festes zu berühren, so sei hier mit* geteilt, daß an den drei Fasttagen die 25 Mann starke Ba- ta llonsmusik des 3. Bataillons Jnf.-Regt. Nr. 80 von Hou- burq v. d. H. engagiert ist und ist dies eine bekannte gute Musikkapelle. Auch der Jvxplatz wird nichts zu wünschen übrig lassen. Auf dem Festplatz wird schon fest gearbeitet und sieht man bal^, was es werden will. Möge nun dem Rabfahrerklub „Barbarossa" recht gutes Wetter beschert sein und mögen ihn die Vereine und Einwohner unserer lieben Vaterstadt so unterstützen, wie er es stets für Ehrenpflicht hielt, die anderen Vereine bei ihren Festen zu unterstützen, macht es nicht jedesmal einen schönen Eindruck, wenn wir unsere Radler mit geschmückten Rädern in Galaanzug den Festzug eröffnen sehen, diese Schmückung war manchesmal mit großen Kosten verbunden. Die Oberstadt kommt diesesmal etwas zu kurz, aber das läßt sich nun nicht ändern, auf bergigen Straßen kann man keinen Korso fahren. Mögen die Oberstädter durch schöne Schmückung ihrer Straßen zeigen, daß sie dies nicht verdrießt, zum Schluß auf schönes Wetter, gute Beteiligung, schöne Schmückung der Straßen freundliche Gesichter rc. rc. ein traniges All Heil!
X. Cassel, 25. Juni. Ein frecher Einbruchsdiebstahl wurde hier im Laden des U-irmachers Tack am Steinweg vollführt. Während der Inhaber sich in seiner Wohnung im 1. Stock des Hauses befand, wurde die Tür mittels Dietrichs geöffnet. Alsdann wurde ein Schaukasten erbrochen und eine Menge goldener Uhren daraus im Gesamtwerte von 2000 M. gestohlen. Die Täter, zwei junge, schon oft bestrafte Burlchen, von denen einer Schmiere gestanden. Der Einbruch, w sicher abends gegen 7 Uhr vollführt worden, wurde alsbald bemerkt, man setzte den Dieben alsbald nach und so gelang es, dieselben nach einigen Stunden schon in einer Wirtschaft in Niederzwehren zu verhaften. Die U^en fanden sich sämtlich noch in ihrem Besitz.
Breitenbach a. H», 25. Juni. Hier herrscht seit mehreren Tagen ein Bierstreik. Die drei hiesigen Wirte gaben seither s/w Liter für 10 Pfg., die Konsumenten verlangen aber, wie in anderen Orten, 4/io Liter. Sie haben sich durch Unterschrift in einer Liste verpflichtet, in den Wirtschaften so lange kein Bier zu trinken, bis die Wirte ihrem Wunsche uachgekommei? sind. Sie decken ihren Bedarf jetzt bei einem Flaschenbierhändler, der sich infolge des Bierstreiks etabliert hat.
& Klein-Krotzenburg, 25. Juni. Aus Veranlassung des Johannissestes leuchteten gestern abend auf den Höhen des "Freigerichtes", altem Brauche gemäß, die Freudenfeuer ins stille Maintal hinab und Böllerdonner oder Nevolvergeknatter sandten ihre freundlichen Grüße zu uns herüber.
“T Vom Mittelmain, 25. Juni. Gisande Speisekartoffeln sind neuerdings im Gebiete des Miltelmaiues und des Rodgaues wohl einer der begehrtesten Handelsartikel geworden. Der Preis der noch vor 3 Monaten so schnöde behandelten „Feldhühner" ist rasch von anfänglich 3 Mark bereits auf M. 7.20 per Doppelzentner gestiegen. Die Landwirte, welche im Herbste und im Vorfrühling mit dem Verkäufe ihrer Krumbeerenvorrâte in der zuversichtlichen Hoffnung auf erhebliche Preiserhöhungen zurückhielien — leider sind es deren nur sehr wenige — sind ob der glänzenden Geschäfte fc.udig bewegt.
FC. Hetzboch i. O., 25. Juni. In der Nacht vom 23. auf 24. Juni bemerkte der Bahnwärter Nicklas auf dem Himbüchel-Viadukt einen Mann und rief ihn an. Als Antwort feuerte der Unbekannte 2 Revolverschüffe gegen den Beamten ab. Dann stürzte er sich von der Höhe des Viaduktes hinab in das Himbâchel, wo die zerschmetterte Leiche, mit dem Gesicht nach unten liegend, aufgefunden wurde. Der Tote wurde als der seit einigen Tagen vermißte städtische Magazinverwalter Wilhelm Blaie aus Frankfurt a. M. erkannt.
FC. Nattrod, 25. Juni. Das 9jährige Söhnchen des Landwirts Schönfeld wurde an einem Baume im Garten seiner Eltern erhängt aufgefunden. Da das Kind keinen Grund zum Selbstmord hatte, muß angenommen werden, daß es mit anderen Kindern „Erhängen" gespielt hat und daß diese davon gelaufen sind.
Nidda, 20. Juni. Gestern nachmittag zog ein anscheinend unbedeutendes Gewitter über unsere Stadt. Auf einmal fuhr ein greller Blitz, gefolgt von einem furchtbaren Schlag, nieder. Es hatte zwischen Salzhausen und Kohden eingeschlagen und den in der Nähe bewältigten Feldschützen von Kohden betäubt und auf der einen Seite gelähmt.
Aschaffenbura, 25. Juni. Der am Sonntag wegen des Verdachts des Mordes verhaftete Kaufmann Collet aus Kaffcl wurde wieder auf freien Fuß gesetzt, weil er sein Alibi nachweisen konnte und sich seine völlige Unschuld herausstellte. Auch der verhaftete Schneider Loewell aus Marxgrün kommt außer Betracht und der Verdacht gegen zwei weitere Personen von Haibach bezw. Grünmorsbach hat
_ _ 26. Juni,
s sich als unbegründet erwiesen. Weitere Anhaltspunkte, welche I zur Eruierung des Täters führest könnten; sind augenblicklich I nicht gegeben. Gestern vormittag hat abermals eine Absuchung des Bückelberges nach der Uhr und dem Portemonnaie der ermordeten Josefine Haas durch die hiesige Schntzmannschaft stattgcfunden. Das Suchen war ^esultatlos.
Nümberg, 26. $uni. Die Turngeuolsen von L i ch t e n f e l s haben stch bereit erklärt, bei genügender Teilnahme (wenigstens 30 Personen), anschließend an die Turn- fahrt 11 Staffelstein, Staffelberg, Vierzebnhciiigen, Banz, Lichicnfcls, eine Gesellschaftsiabrt von Lichtensels nach Coburg zu veranstalten. Billet hin und zurück 90 P'g. Den Teilnehmern an dieser Fahr? erbieten die Lichtenfelser Turngenossen Freiquartier unter der Voraussetzung vorheriger rechtzeitiger Anmeldung. Cs werden daher alle Teilnehmer der Turnfahrt 11, die gesonnen sind, die Turnfahrt no h auf Freitag den 24. Juli auszudehnen, um der Perle Thüringens, dem herrlichen Coburg und seiner Umgebung, einen Besuch abzustatten, ersucht, Mitieiluttgen bis längstens 15. Juli an Herrn H. Gräbner, Bezirksvertreier der Turnvereine Oöerirankens, in Lichlenfels gelangen zu lassen.
Aus den Bergen.
Hanau, 25. Juni
T.
Irgendwo an einem romantischen Punkte hat die Erinnerung der Jugendjahre sich festgehakt und unfehlbar werden eines Tages die Schritte wieder dahingezogen, wenn auch viele, viele Jahre sich zwischen Wünschen und Vollbringen schieben. Es sind nicht Viele, die dann noch mit den gleichen Augen zu sehen vermögen, was ihnen in Kinder- oder Jünglingsjahren so herrlich vor die Seele trat, denn verschobene Interessen und veränderte Lebensanschauunaen bilden leicht eine Brille, die gar sehr verkleinern kann. Wer aber nicht über eine glückliche Empsindungsfähigkeit hinausgewachsen ist und die Kunst versteht, ein paar Jahrzehnte aus dem Gedächtnis hinwegzu- streichkn, dem wird wunderbar das Herz aufgehen, wenn er sich wieder mitten in eine liebe Erinnerung hineinversetzt fühlt.
Die graue Landstraße tritt in die ersten Baumbestände und ein kräftiger Kieferngeruch ersetzt den mystischen Dünger- duft, der auf den Wege?? zwischen den Feldern die unökonomische Städternase irritierte. Gottlob, der erste Wald! Das Tempo der Schritte ist noch von selbsivertrauender Rüstigkeit und das erste Wirtshaus am Wege wird siegreich übergangen, wenn auch nicht ohne manch' wehmütigen Seitenblick. Ein kräftiger „Quetschen" hätte vielleicht doch nichts verschlagen. — Aber nun wird es ernst! Die Ziegeldächer von Kahl versuchen schor? in der Morgensonne zu leuchten, die auf dieses Vorhaben aber keine Rücksicht nimmt und vorläufig hinter den Wolken bleibt. Hier und da übt ein stolzer Hahn die mühsame Pflicht des Kikerikischreiens und ein paar Raben flattern melancholisch auf einen anderen Baum. Das Terrain stklgt. an, ganz sanft noch vorläufig, bis nach Hörstein, keff«^ Rebenblut sich einer ebenso fröhlichen Berühmtheit erfreut wie sein roter Staub.
Jetzt kriecht die Straße auf's Gebirge, die Kniee müssen schon erheblich gekrümmt werden und von der Lunge wird eine kleine Ex.ra-Arbensleistung gefordert. In freundlicher Passivität gibt die Bergwand ihren breiten Rücken zur Aufnahme derer her, denen es im Tal zu enge wurde, und sie hält gleichmütig still, wenn die gewaltige Faust des Ersteigers die schwere Eisenspitze des Wanderstocks ächzend in ihre Flanken stößt. Etrdlich ist die erste schwere Höhe gewonnen und das Taschentuch wischt mitleidig die Spure?? der Anstrengung von der Stirne. Vorarbeit blos! Bald wird aus dem Wege eine romantische Schlucht mit einem munter fließender? Gebirgsbach. Rückersbach hatte den Vorzug, bei ihr Pate zu stehen, und die Pygmäen haben sich nur widerstrebend baju verstanden, fröh- lichen Spessartwanderern den Platz zu rautiien. Hier und da verstreute Flaschenscherben, Butterbrotpapiere und Korkpfropfen sind zwar nicht wesentlich zur Erhöhung der Romantik erforderlich, bilden aber eine wohltuende Erinnerung an die Kultur in der Welt da draußen. Behaglich dehnen sich die Glieder im weichen Moose, ein vorwitziger Käfer krabbelt sorglos über die Hand, eine Eidechse überwindet ihre Abneigung nach und nach und blickt mit klugen Aenglein von ihrem Stein herunter, ein alter Frosch zieht verächtlich das Maul herunter, als wolle er die Berechtigung jeder Lebensfreude strikte negieren, und schließlich redek man sich ein, daß man selber in dieses anspruchslose Stückchen Natur mit Fug und Recht hineingehöre. Freilich nur für die Dauer eines belegten Brotes, aus dem sich die Kräfte zum Weiterwandern wieder ergänzen sollen. Dann heben sich die Glieder mit einem kräftigen Ruck vom Boden, verstohlen erscheint noch einmal das „Puddelchen" in der Hand und sendet einen auf* munternden Schluck durch die Kehle des nunmehr zu weiterem Tun Entschlossenen. Baumwurzeln kriechen über den Weg, unter den rüstigen Schritten knistern Tannennadeln und dürre Reiser, ein Spinnenfaden streift ab und zu das Gesicht. Immer schöner wird der Wald, in immer tieferen Zügen hebt sich die Brust und wenn eine Wegebiegung wieder eine neue Gruppierung des herrlichen Panoramas zeigt, fliegt auch wohl ein Laut des Entzückens von den Lippen. Es ist, als sei die Welt des Alltags weit, weit hinter diesen Bergen für immer versunken und eine hundertmal schönere, reinere über ihr emporgewachsen.
Ein Specht hämmert irgendwo an einem Stamme, melodisch klingt's ja gerade nicht, und drüben aus einem fernen Wald ruft ein Kukuk unermüdlich das eine Wort, das er der Welt zu sagen hat. Holzhauer arbeiten tief im Walde; ihre Axtichläge klingen dumpf bur$ die Stille und ein Ra- schel?? geht durch die Baumkronen.
Der Weg geht wieder auf freies Feld. Links grüßt der Johannesberg mit seinem weithin sichtbaren Kirchlein herüber;; er muß sich für heute mit einem Gegengruß aus der Ferne bescheiden, denn es ist noch ein tüchtiges Stück bis zur ersten Tagesrast und ein Anfang von Müdigkeit hängt sich schon an die Füße. Irgend ein freundliches Wirtshaus zieht wie mit