Einzelbild herunterladen
 

Seite 2.

Donnerstag

26. Februar.

führen. Möchte daher die Bitte des Vereins, in welchem Angehörige aller Stände und Konfessionen sich zu dem guten Werke verbunden haben nicht ungehört verhallen. Dem Heil- stättenAusschuß gehören an die Herren Dr. med. Sopp als Vorsitzender, Max v. Grunelius als Kassierer, Kons.Mat Pfarrer Kayler und Rubitschung zu Frankfurt a. M., Geh. Ober-Med.-Rat Dr. Neidhardt und Dr. med. Collatz zu Darm­stadt, Dr. med. Pullmann zu Offenbach, Verwaltungsgerichts- Direktor Linz zu Wiesbaden und Pfarrer Fuchs zu Cassel.

§ Volksvorlesung. In seinem 4. Vortrage über die Welträtsel ging Herr Prof. Mannheimer gestern abend speziell auf das Geheimnis des Lebens ein, das, obwohl in den verschiedensten Formen, in den mannigfachsten Gestal- nmgcn sich offenbarend, doch auf ein und dieselben Prinzipien sich aufbaue. In sehr eingehender Weise beschäftigte sich Redner hier mit dem Urquell alles Lebens, der Zelle, schil­derte deren Beschaffenheit an sich und speziell diejenige des Protoplasmas, des eigentlichen Trägers der Lebenstätigkeit, des Encrgieaustauschcs, um sodann auf die grundsätzliche Einheitlichkeit der Lebensbedingungen bei Pflanzen, Tieren und Menschen überzugehen und den Fundamentalpunkt des Lebens, die Atmung, eingehend zu behandeln. Schließlich kam Redner noch aus die in den Grundzügen auch einheitlichen Lebenswirkungen, wie z. B. die reflektorischen und automa- tischen Reize, sowie auf die anderen Grundideen des Darlvinismus, den durch die Ueberproduktion in der Fort- pflanzung bedingten Kampf ums Dasein, die Anpassung, natürliche Zuchtwahl und Vererbung zu sprechen und stellte zum Schluffe in Aussicht, in einem der nächsten Vorträge das heute Gesagte durch Lichtbilder mehr zu veranschaulichen.

* Stadttheater. (Benefiz Jungk.) Eines der besten und wirkungsvollsten Werke Cborl. Birch-Pfeiffer's, das stets mit dem größten Erfolge aufgeführte Schauspiel:Der Gold bau er", geht morgen neu einstudiert in Szene. Die Titelrolle spielt der Benefiziant und hat uns derselbe schon oftmals seine bewährte Darstellungskunst in derartigen Partien gezeigt. Die Rolle derVroni" wird Frl. Hohenfels ver­körpern und denFalkenstein" Herr Schwarz. Diese Partie gehört zu den hervorragendsten Leistungen dieses beliebten Dar­stellers und dürfte durch diese gute Besetzung dem älteren Stücke bei sorgfältiger Jnlzcnirung eine neue Zugkraft gegeben sein. Sicherlich ist ein interessanter Theaterabend zu gewärti­gen und wünschen wir dem Benefizianten ein volles Haus. Wir bemerken nochmals, daß der Vorverkauf für die am Samstag in Szene gehende Kinder-Vorstellung:Dornrös­chen" am Freitag von 25 Uhr statlsindet.

* Hanauer Kriegerverein. Im Saale derCentral- halle" hielt gestern Abend der Kriegerverein Hanau seine dies­jährige Generalversammlung ab. Der von dem Vorsitzenden Herrn Hauptmann a. D. v. Buttlar erstattete Jahresbericht zügt, daß der Verein auch im abgelaufenen Jahre auf ein be­friedigendes Ergebnis zurückblicken kann. Der Verein zählt z» Z. 704 Mitglieder (gegen 700 im Vorjahre) und zwar 1 Ehren - Vorstandsmitglied, 6 Ehrenmitglieder, 15 Vorstands­mitglieder, 644 aktive und 38 passive Mitglieder. DaS An­denken der verstorbenen Kameraden wurde durch Erheben von den Sitzen geehrt. Auch in sozialer Hinsicht (Unterstützung hilfsbedürftiger Mitglieder rc.) hat der Verein Nennenswertes geleistet. Der Kassierer erstattete hierauf den Kassenbericht, der ebenfalls erfreuliche Zahlen erbrachte. Das Vereins­vermögen ist auf 20 200 Mk. gewachsen. Ueb:r die segens­reichen Einrichtungen der Bundes-Sterbekasse referierte Herr Inspektor Gehrt, über die Sanitätskolonne der Führer der­selben Herr L. Renner. Die bisherigen Vertrauensmänner, der Fahnenträger und deffen Stellvertreter wurden wieder­gewählt. In das Vergnügungs-Komitee wurden an Stelle einiger retourtretenden Mitglieder neugewählt die Herren Alb. Rabuska, Karl Söhnlein und Cl. Ziege. Die Vor­standsersatzwahl ergab die Wiederwahl der satzungsgemäß aus­scheidenden Mitglieder Herren Bohnè, Reinhardt und Schaefer, neuhinzugewählt wurde Herr Karl Söhnlein. Das Ehrendiplom für 25jährige Mitgliedschaft erhielten die Herren Hch. Bettenhausen, Fr. Kellermann und Ed.

;)M««mMM«l»BBMMMBM»MBn»MMMnWPnaM schaute. Merkwürdig hübsche Gesichtchen. Kaum, daß ich ein paar Tage in Asien war und mir wurde das Glück zu­teil, Türkinnen ins Gesicht zu sehen. Als die Mädchen meine Anwesenheit bemerkten, liefen einige von ihnen scheu, andere hellauflachend davon. Nur eine sah mich erstaunt an; ihr Gesicht bekam einen seltsamen Ausdruck; aber gleich wandte sie sich rasch um, warf das lange Tuch, das an der Taille angenäht, und am Gürtel lose zusammengerafft hing, über den Kopf, umhüllte Hals, Kinn, Mund, Schläfen, Wangen und Stirne damit, befestigte die Zipfel mit Nadeln, und nun auf diese Weise .oermummt, so daß nur die Augen sichtbar waren, kehrte sie wieder um, und kam langsamen Schrittes an mir vorbei. Ich grüßte bescheiden und verneigte mich. Sie blieb stehen.Der Herr hat sich wohl verirrt," sagte sie in gebrochenem Griechisch.Ich glaubte mich in einem öffentlichen Garten zu befinden," er­widerte ich. Sie lächelte und ibre große Augen warfen mir einen langen, brennenden Blick zu. Ich bekam Mut und fuhr mit weicher Stimme fort:Und dann ... war ich von der Pracht dieses Gartens völlig befangen, ich war wie in einem Zauberbann; diese schlanken Cyprcssen, und diese Blumen und diese schönen Frauen! Bei uns in Europa sind die Cy- preffen viel kleiner und die Blumen nicht in so einer Fülle und Pracht und unsere Jungfrauen sind nicht so schön . . . es ist das erste Mal in meinem Leben heute, daß ich osma­nischen Mädchen ins Antlitz sah!" Sie lächelte wieder, dann näherte sie sich einer Cypresse und brach von dem daran emporrankenden, leichten Geäst einen Zweig von weißen Rosen und überreichte ihn mir.Nehmen Sie diese Blumen auf Ihre Fahrt mit, und denken Sie, solange die Blüten noch un- verwelkt den Zweig schmücken, an die Cyprffsen und Gärten Asiens."Nein nicht nur solange diese Rosen blühen, und nicht nur an die Cypressen und Gärten, sondern ich will so­lange ich lebe an die schönen türkischen Jungfrauen denken!" Ihre Augen bekamen einen seltsamen Glanz. Ich fragte be­scheiden, ob ich sie vielleicht einmal Wiedersehen könnte, viel-

Wolf. Zum Schluß wurden noch die Abgeordneten zum Frühjahrs Abgeordnetentag des Kreis-Kriegn Verbandes gewählt und verschiedene Einladungen bekannt, gegeben.

** 30,792 Einwohner. Nach der letzten Prsonen- standsaufnahme hat die Einwohnerzahl Hanau's die Zahl 30,000 überschritten. Dieselbe beträgt nach der erwähnten Aufnahme 30,792.

* Höhere Postverwaltungslausbalm. Wie osfi- ziös verlautet, bleibt die Annahme für die (obere Post- und Telegraphenverwaltungslau'bahn (die Annahme als Posteleve) noch auf Fabre hinaus geschlossen.

* Reifeprüfung am Königl. Gymnasium. Wie wir kürzlich berichteten, waren 4 junge Damen als Nickt« schülerinnen dem Königs. Gymnasium zu Hanau zur Ab­legung der Reifeprüfung überwiesen worden. In dem gestrigen Prüfungstermin konnte sämtlichen 4 Damen das Zeugnis der Reise zuerkannt werden.

* Verein Einigkeit. Sonntag den 1. März, abends 5 Uhr 55 Min. beginnend, veranstaltet der Verein Einigkeit im Saale zur Stadt Bremen eine karnevalistische Unterhaltung mit Tanz, wofür ein reichhaltiges Programm vorgesehen ist: Couplets, Duette und Theaterstücke folgen in reicher Ab­wechselung. Da der Verein bekanntlich über vorzügliche Kräfte verfügt, so steht zu erwarten, daß das Programm gut zur Durchführung kommen wird. Auch das Hanauer Sänger- OuaUett hat seine Mitwirkung zugesagt, so daß ein weiterer recht schöner Genuß in Aussicht steht.

* Verschwunden ist seit Sonntag ein hier beschäftigt gewesener Schuhmachergeselle, der nach hinterlassenen Briefen für seine eigene Perlon nichts Gutes beabsichtigte.

* Versuchter Diebstahl. Wie wir kurz vor Redaktions­schluß erfahren, versuchte heute Mittag gegen 11 Uhr ein fremder Mensch in der Mansarde eines Hauses in der Frank­furter Straße einen Diebstahl auszuführen. Er hatte, mit Brecheisen bewehrt, bereits mit Erfolg gearbeitet, als sein Treiben wahrgenommen wurde. Leider gelang es dem frechen Einbrecher, zu entkommen.

* *

*

4« Langendiebach, 23. Februar. (Kappenabend.) Gestern abend veranstaltete der GesangvereinSängerlust" im Saale des Gasthauseszum Schwanen" einen Kappenabend. Der Saal war dicht besetzt. Sämtliche Darbietungen fanden reichen Beifall, insbesondere hatte der Komiker Herr Frei- höfer die Lackmuskeln in Bewegung gesetzt. Aber auch recht hübscheLokalscherze" kamen zum Vortrag und wurden stürmisch applaudiert. Die ganze Veranstaltung bewies, daß unsere Sängerlust" auch in karnevalistischer Beziehung leistungsfähig ist. Im nächsten Jahre beabsichtigt man einen Maskenball abzuhalten.

O Langenselbold, 25. Februar. (Verschiedenes.) Am L-amstaq abend starb im Heiliggeisthospitale zu Frankfurt a. M. der Arbeiter Friedrich Schultheiß, der, wie wir seinerzeit berichteten, bei der Ausführung von Kanalarbeiten schwere Verwundungen erlitt. Gestern nachmittag fand die Beerdigung auf dem hiesigen Friedhofe statt. Zu derselben waren außer einigen Beamten des Tiefbauamies auch mehrere Herren der Direktion erschienen. Schultheiß hinterläßt eine Witwe und fünf unversorgte Kinder. Bei den am gestrigen und heutigen Tage in den hiesigen Gemeindewaldungen abge­haltenen Holzversteigerungen wurden ganz außer­gewöhnlich hohe Preise erzielt. Beispielsweise zahlte man für den Raummeter Buchenscheilßolz 1214 Mk. Auch die übrigen Holzsorten wurden sehr gut bewertet.

Drahtnachrichten.

Bund der Kaufleute.

Berlin, 26. Februar. Gestern Mittag wurde in Berlin ein Bund der Kaufleute konstituiert. 1.70 kaufmän­nische Vereine hatten Vertreter entsandt, welche insgesamt 219,000 Mitglieder vertraten. Der Bund ist nach dem

leicht zufällig, im Vorüöergehen, wenn sie es gestatte, im Garten.Kommen Sie heute abend vor Sonnenuntergang an der unteren Gasse vorbei," antwortete sie.Ich will von der Gartenmauer aus herunterschaue» und auf Sie warten." Ich bin ein Fremder," entgegnete ich,ich weiß nicht, wo diese untere Gaffe ist."Gehen Sie nur den Garten hin­durch," meinte sie;Sie kommen an ein großes Portal, das in eine enge Straße mündet; dies ist die Gasse, die ich meinte; sollte Sie jemand im Garten bemerken und ansprechen, so sagen Sie ihm, daß Sie sich verirrt haben." Der Siadtteil, in den ich jetzt gelangte, war ein unheimlicher. Die Siraßen waren leer. Kein Zeichen von Leben war darin. Kein Mensch war zu sehen. Auf den breiten Fliesen des Straßen- pfiasters hallten meine Schritte dumpf wider. Hinter den Jalousiegeflechten, die vor allen Fenstern gespannt waren, erscholl ab und zu ein schelmisches Lacken. Ich wollte gern erkunden, wie der Besitzer des großen Gartens hieß, aber ich b-gegnete niemand. Als ich abends wieder in diese Gegend kam, stand hinter der Gartenmauer neben dem Portal mein türkisches Mädchen. Ihr Gesicht war jetzt mit silber­weißen, golddurchwirktm Tülletüchern umhüllt. Ich grüßte und rief ihr etn paar Worte zu; ich bat sie, mir ihren Namen zu nennen. Aber mit einem Mal war sie verschwun­den. Ich öffnete das Tor und kam in den Garten. Meine Freundin stand unter einem Baume. Ich streckte ihr meine Hand entgegen, doch sie hielt die ihrige in den Tüchern ver­borgen.Wie heißen Sie?" fragte ich.Jalidö".Kann ich Ihnen nicht noch einmal in Ihr schönes Gesicht schauen?" Sie wollen mein Gesicht wieder anschauen?" fragte sie ver­wundert und fuhr fort:das dürfen Sie nicht. Ich machte mir so viele Vorwürfe, daß ich nicht achtsam genug heute mittag war, und daß ich mich zu spät verhüllt habe." Warum das Jalidö? Sie haben mich damit nur glücklich gemacht. Jetzt werde ich stets an Sie denken, so lange ich lebe!"Aber Ihre Seele kann der ewigen Verdammnis preis­gegeben werden. Sie haben einer Frau in das Antlitz ge-

Muster des Bundes der Landwirte organisiert. Zu Vorsitzen» den wurden Fritz Gugenheim und Juwelier Fischer-Berlin, zum stimmführenden Direktor Voßberg-Reckow-Potsdam gewählt.

Der französisch-siamesische Vertrag.

Paris, 25. Februar. In einem Schreiben, welches Minister Delcassö wegen der neuen Verhandlungen zur Ab­änderung des französisch-siamesischen Vertrages an den Prä­sidenten der Kommission für auswärtige Angelegenheiten und die Kolonien gerichtet hat, bestätigt er den Eingang des Plaues des Gouverneurs von Indochina, eines Planes, dessen Ausführung erst vorherige Verhandlungen mit der siamesischen Regierung erfordern würde. Deshalb, und weil die von Doumergue, bent früheren Gouverneur von Indochina ver­langten Mitteilungen noch nicht zur Stelle sind, bitte er die Kommission, seine Erklärungen noch aufschieben zu können. Der Präsident der Kommission, Etienne, erwiderte, daß die Kommission, der Bitte Delcassv's entsprechend, ihre Arbeiten bis dahin vertage, wo Delcassß selbst darum bitten würde, seine Mitteilungen machen zu können. Das Mitglied der Kommission, Deloncle, erklärte in einer Unterredung, die Bitte Delcaffäs bedeute die verschleierte Zurückziehung der Akte vom 7. Okt. 1902. Die Verhandlungen über den neuen Plan des Gouverneurs von Indochina würden sehr lange dauern. Siam, von seinem Erfolge berauscht, erlaube sich Alles gegen Frankreich. Delcassü werde jetzt nur schwer die Revision des Vertrages, dem er so wohlwollend seine Zu­stimmung gegeben habe, von Siam erlangen. Delcasso habe auch keine Aussichten, wirkliche Verbefferungen zu erreichen. Wer wisse denn, ob er überhaupt zweckmäßige Besprechungen eröffnen könne? Indessen werde man darauf rechnen müssen, daß der Gouverneur von Indochina alles Erforderliche tun werde, damit die Verträge von 1893 und 1896 nicht ein toter Buchstabe blieben.

Rückreise Chamberlains.

Kapstadt, 25. Febr. Chamberlain ist abends rtach Eng­land abgereift. Bei seiner Abreise wurden ihm ^enthusiastische Kungebungen dargebracht.

Die Venezuela-Angelegenheit.

Berlin, 25. Februar. Nach Aufhebung der Blockade und Uebergabe der venezolanischen Schiffe kann Kommodore Scheder melden, daß das erste Schiff die Küstengewässer ver­lassen hat. Für die amerikanische Division dienen jetzt Tri­nidad und St. Thomas als Stützpunkte.

Urtellsbestätiguttg.

Belgrad, 25. Febr. Der Appellationsgerichtshof bestätigte das Urteil erster Instanz gegen den Rechnungsrat Aria Ala- wantitsch. Er war wegen Teilnahme an dem Putschversuche, den sein Bruder Rada Alawantitsch im vorigen Jahre in Schabatz unternommen hatte, zu fünfjährigem Kerker verurteilt worden.

Tötlicher Unfall.

Berlin) 26. Februar. Das

Dortmund: In Friedrichshorst bei Beckum stürzte ein Cement- silo ein. Zwei Personen wurden getötet.

Münzgesetz für die Philippinen.

Washington, 25. Febr. Das Repräsentan­tenhaus nahm den Entwurf eines Münzgesetzes für die Philippinen an, jedoch ohne das Amendement Patterson. Der Senat nahm darauf den Gesetzentwurf in der vom Repräsentantenhause festgestellten Form an.

Regelrechte Schlacht.

Charleston (Westvirginia), 25. Febr. In den Wright'- schen Kohlengruben in Raleigh County kam es gestern abend zu einer regelrechten Schlacht zwischen 100 Hilfsmarschällen und Hilfssheriffs und 250 aus ständigen Grubenarbeitern, welche den Bundesbeamten nicht gestatten wollten, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Die Ausständigen setzten eine Eisenbahubrücke in Brand. Die

schaut, die nicht Ihr Weib war und auch nicht Ihre jüngere Schwester!"Aber Jalids, dieser Sünde bin ich seit langer Zeit anheimgefallen; bei uns in Europa, bei den Christen, meine ich, sind die Frauen so schamlos, daß sie ich ver­sichere es Ihnen, Jalidß mit splitternackten Gesichtern durch die Straßen laufen."So laufen auch die Tiere herum, aber sie anzuschauen ist keine Sünde; die Frauen, von denen Sie sprechen, kennen keine Scham; sie haben nicht den richtigen Glauben."Das ist gewiß betrübend, Jalidß, aber das Ver­bot Gottes gegen den Anblick eines nackten Frauenantlitzes muß wohl auch die Besichtigung christlicher Frauengesichler nicht ausschließen, denn ich habe oft an mir selbst die Folter der Verdammnis erfahren, wenn ich dieses Gesetz umginge und irgend einer schönen Giaurin intensiv in das Antlitz geschaut hatte. Diese Art von Verdammnisqualen schon zu Lebzeiten, nennt man bei uns Verliebtheit." Jalidö lächelte.Diese Gefühle kennen un ere Männer, die Ottomanen, nickt, außer meinem Vater sind Sie der einzige Mann auf der Welt, der zu mir gesprochen hat. Brüder habe ich keine. Meine älteren Schwestern haben einmal ausländische Herren kennen gelernt, natürlich heimlich, sie trafen sie hier im Garten, es waren Marineoffiziere und Verwandte einer europäischen Dame, die bei uns wohnte, und uns unterrichtete, aber ich war damals zu jung noch."Haben Sie keine Vettern, keine Verwandte ?" fragte ich.Mit denen verkehren wir nicht," antwortete sie. Wir Frauen sind nur stets unter uns. So ist es bei uns Türken Brauch. Doch als ich Sie heute morgen sah, überfiel mich ein seltsames Gefühl, und als ich Ihre Stimme hörte . . . ." Sie schwieg, sie blickte zum Boden und ich stand neben ihr und wußte nicht, was ich diesem Mädchen, das einer so ganz anderen Welt, als ich, angehörte, sagen mußte. Eine Europäerin hätte alles eher, als gerade so ein Geständnis gleich bei der ersten Begegnung und unter solchen Umständen abgelegt. Aber während wir da standen und f hwiegen und uns anschauten, erschollen plötzlich Stimmen und Rufe.Nun müssen Sie aber gehen, rasch," sagte sie,sonst