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Montag

35. Mai

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Juli nicht getroffen sein, so einigten sich die Anwesenden dahin, daß eine Verlängerung der Pachtverträge auf ein Jahr die richtige Lösung sein würde.

* Besichtigung. Der Generalinspekieur der Kavallerie, General der Kavallerie Edler v. d. Planitz, besichtigte heute die 2., 3. und 5. Eskadron des Ulanen-Regiments. Morgen erfolgt die Besichtigung der 1. und 4. Eskadron. Auch der kommandierende General des 18. Armeekorps, v. Linde- quist, weilt hier. Derselbe nahm an der Besichtigung des 1. Bataillons Jnf.-Rgts. Nr. 166 teil.

* Deutsches Turnfest. Die Vereine der * deutschen Turnerschaft und auch die hiesigen Turnvereine rüsten sich zum Besuch des im Juli in Nürnberg stattsindenden Deutschen Turnfestes und rechnet man auf einen Besuch von 2025000 Turnern. Von den hiesigen Vereinen werden sich Turn­gemeinde, Turnverein und Turngesellschaft am Sechskampsi be­stehend in je 3 Uebungen an Reck, Barren und Pferd, Weit- springen, Stabhochspringen und Steinstoßen, beteiligen, während der Turn- und Fechtklub am Schaufechten teilnimmt. Die Turngemeinde hat außerdem eine Musterriege am Reck in Vorbereitung, ferner haben sich einige ältere Turner zum Turnen der Altersriegen angemeldet.

* Die 28. .Hauptversammlung des Bersins von Lehrern höherer Unterrichtsanstalten der Provinz Hessen-Nassau und des Fürstentums Waldeck wurde, wie bereits kurz erwähnt, am Mittwoch vormittag bald nach 10 Uhr in der Aula der Friedrich-Wilhelmsschule zu E s ch w e g e von dem Vorsitzenden des Ortsausschusses Herrn Direktor Stendell mit herzlichen Worten des Willkommens und der Begrüßung eröffnet. Besonderen Dank sprach der Vor­sitzende dafür aus, daß Se. Exz. der Herr Oberpräsident Graf von Zedlitz und Trützschler, sowie die Provinzialschulräte Herr Ober-Regierungsrat Dr. Lahmeyer, Herr Geheimrat Dr. Pähler und Herr Dr. Kaiser der Einladung des Ortsausschusses ge­folgt. Der Herr Oberpräsident ergriff nun das Wort, aus­führend, wie er selbst stets gerne und mit besonderem Interesse alles verfolge, was die Schule beträfe. Er fühle sich mit den Lehrern vereinigt in ihrem schweren, verantwortungsreichen Amte, in ihrer Arbeit an der Erziehung der, Jugend. Die Jugend sei berufen, das große Werk dereinst fortzuführen, das unsere _ Vorfahren und wir zu Stande gebracht. Nicht durch sich selbst allein könne das Werk sich erhalten. Die Schule müffe die volle Begeisterung, mit der das Werk ge­schaffen worden, in der Heranwachsenden Jugend erwecken und ihr als Rüstzeug fürs Leben in Hand und Herz legen. Nach­dem der Vorsitzende dem Herrn Oberpräsidenten für die gol­denen Worte gedankt, gab er in kurzen Worten eine Geschichte der letzten Wandlungen der Friedrich-Wilhelms-Schule und gedachte dann der vielen Lücken, die seit der letzten Jahres­versammlung der Tod in die Reihen der Kollegen gerissen. Rasch wickelte sich nun der geschäftliche Teil deS Tagesordnung ab: Wahl der Schriftführer, Verlesung der Präsenzliste (107 auswärtige Kollegen waren zu den Verhandlungen erschienen), Rechuungsablage und Entlastung des Rechnungsführers. Hierauf hielt Oberlehrer Dr. K ü st e r-Hanau einen Vortrag überRömisches und Prähistorisches aus der Um­gegend von Hanau", in dem er auf Grund der neueren in der Umgegend von Hanau ausgeführten Ausgrabungen nachwies, daß in der betr. Gegend der römischen Besiedelung eine viel dichtere prähistorische vorausgegangen sein muß, die sich bis in die jüngere Steinzeit Hinein zurückverfolgen läßt. Genauer ging der Redner auf die vor 3 Jahren bei Butterstadt entdeckte Gigantensäule und deren Attribute ein, sowie auf die urgeschichtlichen Siedelungen nordöstlich von Hanau, die sich bei Butterstadt, auf dem Braunsberg und auf dem Kammerborn im Gemeindebezirk Hirzbacher Höfe befinden. Unter den Funden, die Dr. Küster vorzeigte, sind besonders vier Bronzeringe, die in einem verschleiften Hügelgrabe am Nordbahnhof zu Hanau gefunden sind und wahrscheinlich einstmals die Arme einer Frau zierten, sowie eine kleine schönverzierte neolithischeUrne hervorzuheben. Die Funde stammen sämtlich aus der Umgegend vonHanau und gehören denBeständendesHanauerMuseums an. Nach einer eisstündigen Pause wurden die Verhandlungen gegen 1 Uhr fortgesetzt. Herr Professor Dr. Lohr auS Wies­baden, der zeitige Vorsitzende des Provinzialausschuffes, erstattete in einer lichtvollen, durch köstlichen Humor gewürzten längeren Rede den Jahresbericht des ständigen Ausschusses. Ein Punkt gab Veranlassung zu einer längeren Besprechung, an der be­sonders Herr Direktor Dr. Wittich-Cassel und Herr Ober­lehrer Dr. Block aus Gießen teilnahmen. Es handelte sich um den Zusammenschluß der Oberlehrer von ganz Deutschland. Die Versammlung nahm die Ausführungen der genannten Herren mit großem Beifall auf und sprach ihre Zustimmung zu dem Gedanken des Oberlehrertages aus sowie den Wunsch, daß dieser Gedanke möglichst gefördert «erde. Nachdem die Neuwahl deS ständigen Ausschusses vorgenommen und der neue Vorsitzende, Herr Direktor Zint-Sachsenhausen, für sich und die anderen Herren die Wahl mit dankenden Worten an­genommen, und schließlich noch Hadamar als Ort der nächsten Jahresversammlung bestimmt worden, wurden die Verhand­lungen um 3 Uhr nachmittags geschlossen.

* Landwirtschaftlicher Kreisvereiit Hanau. Die am Samstag abgehaltene Versammlung des landwirtschaftlichen KreisvereinS bot den Erschienenen eine Fülle des Unterhalten­den und Belehrenden. Nachdem der Herr Vorsitzende bekannt gegeben hatte, daß im Laufe des Sommers eine Anzahl Wanderoerfammlungtn zur Abhaltung kommen würde« und sich hierfür die Orte Oberissigheim, Bischofsheim, Ostheim und Langenselbold gemeldet hatten, gab Herr Forstmeister Fenner, der vor kurzem in ministeriellem Auftrage eine Studienreise nach Belgien unternehmen mußte, die dort gewonnenen Reise­eindrücke und gemachten Erfahrungen auf forst- und landwirt­schaftlichem Gebiete zum Besten. Der im Feuilletonstil, in er­zählender Form gehaltene «ortrag erregte lebhaftes Interesse, was sich am besten dadurch dokumentierte, daß eine rege Diskussion sich entwickelte. Herr Kreistierarzt Collmann referierte sodann über die Abschätzung der an Milzbrand gefallenen Tiere. Das Referat wie die anschließende Debatte zeitigte das Resultat, daß man sich einigte, vorläufig noch weitere Erfahrungen auf

diesem Gebiete zu sammeln. Inzwischen solle aber versucht werden in wohlwollender Weis? den vorgebrachten Wünschen gerecht zu werden. Ueber dieHaftpflicht der Land­wirte" referierte zum Schlüsse der Vereinsvorsttzende Herr Landrat v. Beckers th, betonend, daß die Hafipflicht seit einiger Zeit eine große Rolle spiele. Die Versicherungsgesell­schaften malten die Gefahren der Haftpflicht wohl in etwas grelle Farben, doch sei nicht zu verkennen, daß durch das neue bürgerliche Gesetzbuch der Begriff der Haftpflicht erweitert worden sei. Man würde sich wohl nur batm damit zu beschäftigen haben, wenn eine Fahrlässigkeit vorliege. Der Referent erläuterte die einschlägigen Gesetzes-Paragraphen und ging dann über zur Besprechung der von der' hessen-nassauischen landwirt­schaftlichen Berufsgenossenschaft beschlossenen Errichtung einer Haftpflicht-Versicherungsanstalt, die Vorzüge einer derartigen Anstalt für die Landwirte besonders beleuchtend und auf die imHanauer Anzeiger" demnächst in dieser Angelegenheit erscheinenden Artikel besonders hinweisend. Für die klare Darlegung der einschlägigen Verhältnisse wurde dem Referenten vom 2. Vorsitzenden der Dank der Versammlung ausgesprochen. Der Kreisverein erteilte auch dem Vorstand Vollmacht, für die im Herbst dahier stattfindende Bezirks-Obstbauaus­stellung Geldpreise zu bewilligen.

* Der Gemeindebeamten-Verband für dm Re­gierungs-Bezirk Cassel, der gestern in Hersfeld tagte, beschloß, seinen nächstjährigen Verbandstag in Bad Orb abzuhalten.

* Preis-erteilung. Mit dem gestrigen Schlüsse der vom Handwerker- und Gewerbeverein veranstalteten 2. Aus­stellung von Lehrlingsarbeiten war auch die Preisverteilung verknüpft. Herr K, Müller, Vorsitzender des Vereins, eröffnete den Akt mit einer kurzen, aber kernigen Ansprache, in der er die Bedeutung und den Erfolg der Ausstellung nochmals darlegie, worauf die Verteilung der Preise vor sich ging.

* Geistesgestört. Ein Schreiner K. von hier wurde in verflossener Nacht geistesgestört von Schutzleuten aufge­griffen, die den Bedauernswerten in das Landkrankenhaus verbrachten.

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X. Langendiebach, 24. Mai. (Einbruchsdieb- st a h l.) Vor einigen Wochen wurden Herrn Gastwirt Göbel hier ca. 500 Mk. in bar gestohlen, ohne daß es gelungen wäre, den Einbrecher festzunehmen. Den fortgesetzten polizei­lichen Nachforschungen ist es nunmehr gelungen, einen der Verdächtigen gestern abend zu verhaften. Der Maurer Kreß, ein noch junges Bürschchen, hatte sich durch größere Gelbans- gaben verdächtig gemacht, er kaufte sich in einer hiesigen Fahrradhandlung ein neues Rad und machte eine größere Anzahlung. Als er gestern von Offenbach kam, wurde er verhaftet.

Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.

Telegramm aus Hamburg vom 25. Mai.

9 Uhr 37 Min.

Ein Maximum unter 775 mm lagert über Nordschweben, flache Depressionen unter 764 mm über Süd- und Osteuropa. In Deutschland wehm schwache nördliche Winde, die Witterung ist meist heiter, trocken ziemlich warm.

Prognose für den 26. Mai: Warmes, meist heiteres und trockenes Wetter wahrscheinlich.

Barometerstand

Regen (Wind)^^-M

Viel Regen 740 ^ss

Sturm

mittags 12 Uhr am 23./5.

Sehr trocken

Beständig

Schön

Veränderlich

25./5.

730_==

710 SEH,

Zur Wahlbcwegung.

= Wie die Gegner lügen! Aus dem Kreise Gelnhausen erhalten wir nachstehende Zuschrift: Wenn Herr Hoch in irgend einer Versammlung seinen Redetatierich nicht genügend betätigen kann, dann pflegt er in derVolks« stimme" über die Einberufer und Versammlungsleiter die Schale seines Zornes auSzuschütten und zwar bis zur Hefe. So beklagt er sich bitter in Nr. 146 und Nr. 118 über die anständige" Kampfeswetse der Antisozialdemokraten; leider mit Unrecht, denn seine Obergenossen kommandieren zur früh­zeitigen Besetzung des Saales, in welchem eine Wahlversamm­lung abgehalten werden soll, nicht nur die sozialdemokratischen Wähler, sondern auch jene halbwüchsige sozialdemokratische Knüppelgarde, die noch nicht ganz trocken hinter den Ohren ist. Mit den Wählern der sogenanntenArbeiterpartei" kann sich jeder ordnungsliebende Mann in sachgemäßer Weise aus­einandersetzen; bei Anwesenheit jener Radaubrüder ist aber jede Aussprache zwecklos. Die schamlosen Lügen der sozial­demokratischen Blätter auf Grund des Preßgesetzes in ihren Spalten zu entkräften, ist ebenso zwecklos wie überflüssig. Den Wählern diene folgende unparteiische Darstellung des Tatbestandes zur Beurteilung der Wahrheit: Fu der am Dienstag den 19. Mai im Saale desDeutschen Hauses" zu Hanau einberufenen Wählerversammlung der vereinigten Ord­nungsparteien hatten sich ungefähr 400 Wähler eingesunden.

Da für 8 Uhr eine geschlossene und für 9 Uhr die öffentliche Versammlung angesetzt war, so bemühte sich der Vorsitzende Herr Dr. Heraeus, für die um 9 Uhr zu erwartenden Wâl er der sozialdemokratischen Partei etwa 100 Sitzplätze und 200 Stehplätze zu reservieren. Leider gelang ihm dies nicht in der gewünschten Weise, weil ein Teil der Sozialdemokraten auf unlauterem Wege ebenfalls Eintrittskarten erhalten hatte. Herr Hoch, der sich in die geschlossene Versammlung selbst­herrlichkingeladen" hatte, benützte seine Redefreiheit dazu, um in den abfälligsten Ausdrücken gegen die angeblichen Wahlmanöver seiner Gegner Beschwerde zu erheben und um Geschichten aus seiner polackischen Jugendzeit zu erzählen. Hierzu sei Herrn Hoch bemerkt, daß die von ihmverwerflich" genannte Kampsesweise schon vor der Hanauer Versammlung von ihm und seinem Anhang in Schlierbach zur Anwendung gebracht worden ist. Hier lag der Fall ganz ähnlich. Die von der sozialdemokratischen Partei einbernfeite Wählerver­sammlung war auf 3^2 Uhr angesetzt, wurde aber schon um 3 Uhr eröffnet. Um die Wähler der Ordnungspartei aber nach Möglichkeit von der öffentlichen Versammlung auszu­schließen, hatte Herr Hoch es verstanden, den Saal schon einige Stunden vorher mit seinenGenossen" zu besetzen, so­daß für andere Personen Sitzplätze nicht mehr vorhanden waren. Herr Hoch hat somit recht wenig Grund, den Mo­ralischen zu spielen und sich in einer Weise zu ereifern, wie dies in Hanau geschah. Bei dieser Gelegenheit fei ferner noch bemerkt, daß die Behauptung derVölcsstimme" über eine versuchte Abmietung des Schlierbacher Saales zwecks Ver­hinderung der Sozialdemokraten-Versammlung unwahr ist. Herr Direktor Dr. Ehrlich hatte den Besitzer des Saales er­sucht, ihm am selbigen Tage den Saal von 122 Uhr, also lange vor Beginn der Versammlung, gegen Zahlung von 20 Mk. zur Verfügung zu stellen, um eine Vertrauensmänner­versammlung seines Bezirkes abhalten zu können. Der Wirt lehnte dies jedoch mit der Bemerkung ab, daß er sich ver­pflichtet habe, den Saal von 12 Uhr ab dem Einberufer der Versammlung sreizuhalten. Die Behauptung, diesen Saal durch Zahlung einer Summe von Mk. 100 den Sozialdemo­kraten zu entreißen, wurde von einem sozialdemokratischen Hetzer, der nebenbei Maler ist, völlig frei erfunden und dem Genossen Hoch alsgeschichtliche Tatsache" mitgeteilt. Hier­aus ersieht man wieder, wie die Sozialdemokraten in Erman­gelung genügender Kampfesmittel sich nicht entblöden, Tat­sachen in unsinnigster Weise zu entstellen, um daraus Kapital zu schlagen.

O Langendiebach, 23. Mai. Gestern abend hatten sich, wie schon kurz erwähnt, im Saale des GasthausesZum Schwanen" hierselbst eine große Anzahl Wähler der bürger­lichen Parteien von hier und Umgegend eingefunden, um den Kandidaten Herrn Dr. L u c a s zu hören. Wie bekannt, war von dem Zentral-Wahlausschuß des konservativen und national- liberalen Vereins beschlossen worden, künftig keine öffen^ liche Versammlung mehr abzuhalten, vor allen Dingen sollen die Sozialdemokraten hierzu keinen Zutritt haben. Deshalb mietete man den Dückhardt'schen Saal und ließ Einladungen an die Wähler der bürgerlichen Parteien ergehen,, Dieses paßte selbstverständlich den hiesigen Sozialdemokraten nicht und suchten nun zunächst einen Druck auf Herrn Gastwirt Dück- hardt auszuüben. Herr Aug. Lißmann, der Beauftragte der Sozialisten, gab Herrn Dückhardt zu verstehen, daß, wenn die Sozialdemokraten keinen Zutritt zu der angekündigten Ver­sammlung erhielten, etwas passieren würde, mit anderen Worten gesagt, über das Dückhardt'sche Geschäft Metzgerei und Wirtschaft wird derBoykott" verhängt. JDHt Rück­sicht auf Herrn Dückhardt wurde beschlossen, 15 hiesige Sozial­demokraten einzuladen, während von sozialistischer Seite 50 Einladungen erfolgen sollten. Dieser Antrag wurde einfach abgelehnt. Wir wollen nochmals hervorheben, daß die Ver­sammlung keine öffentliche war, mithin hatten die Sozialisten auch gar kein Anrecht auf Zulassung. Herr Land­tagsabgeordneter Junghenn, welcher bereitwilligst den Vorsitz übernommen hatte, eröffnete die Versammlung. Der Herr Vorsitzende betonte dabei ausdrücklich, daß sich die an­wesenden Sozialdemokraten nur alsGäste" zu betrachten hätten, jedoch wolle er ihnen gern freie Diskussion gestatten. Als Redezeit wurden 15 Minuten festgesetzt. Zur Geschäfts­ordnung meldete sich der bekannte sozialistische Agitator Herr Milchhändler Lißmann und stellte den Antrag, dem Genossen Herrn G. Hoch-Hanau den Zutritt zu gestatten. Dieser An­trag wurde kurzer Hand abgelehnt. Nun hagelte es seitens der Sozialisten mit den bekannten Kraftausdrücken, wieFeig­heit",Gemeinheit" rc. und die im Garten harrende Sozialisten­schar setzte einen furchtbaren Tumult in Szene. Einige ver­suchten sogar die nach dem Garten führende verschlossene Saal­tür zu sprengen. Die Gendarmerie trat sofort in Aktion. Be­merken wollen wir noch, daß der Agitator I. Lißmann im Laufe des gestrigen Tages dem Herrn Bürgermeister Rüger erklärt hatte, daß, wenn man Herr« Hoch den Zutritt versage, würden 150 Sozialisten die Saaltüren sprengen. Man sieht, mit welchen Gewaltstreichen die hiesigen Sozialisten zu kämpfen beabsichtigen. Doch kam es hierzu nicht, nur einmal sah sich der eine der Gendarmen veranlaßt, seine Waffe zu ziehen, um sich den nötigen Respekt zu verschaffen. Inzwischen hatte der Herr Vorsitzende dem Herrn Dr. Lucas das Wort erteilt. Herr Amtsrichter Lucas-Langenselbold, welcher ja den meisten Anwesenden durch seine dienstliche Tätigkeit bekannt war, entwickelte in redegewandter Weise seine politische Anschauung. Wegen der beschränkten Redezeit mußte sich Herr Dr. Lucas nur auf das Wesentlichste beschränken, jedoch kam man zu der Ueberzeugung, daß die Kandidatur des Herrn Dr. Lucas als eine glückliche zu bezeichnen sei. Hierauf sprach zunächst der sozialistische Agitator Herr Lithograph Rasch von hier. Dieser junge Mann, der erst seit einigen Monaten wahlfähig ist, glaubte, wenigstens nach seinem Auftreten zu urteilen, den Anwesenden der bürgerlichen Parteien imponieren zu sollen. Das zynische Lächeln und die fortgesetzten Gesten sollten jeden­falls seiner ohnedies inhaltslosen Rede besonderen Glanz ver­leihen. Es wäre besser gewesen, er hätte seine Ausführungen einem reiferen Genossen überlassen. Als zweiter Redner von sozialistischer Seite meldete sich Herr Milchhändler Lißmann.