Erstes Blatt
anauer
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General-Anzeiger
Anzeiger
Gedruckt und verlegt in der Buchbruckerei deS verein, rv. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ sm Stadt- md Landkreis Hana«
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- unb Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrückungsgebühr :
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Psg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Han«u,
Nr. 273
s«*eww «t. 605. Ätvnlaa den 23. November
Fernsprechanschluß Nr. 605» 1903
Amtliches.
Im Anschluß an meine Bekanntmachung vom 4. Mai, 26./9. und 8J10. d. Js., A. IL 4805. 12091 und 12749 (Amtsblatt Seite 133, 308 und 318) bringe _ ich zur allgemeinen Kenntnis, daß die Herren Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten durch gemeinsamen Erlaß vom 21./10. d. Js. III 14019 M. d. ö. A., Ila. 7904 M. d. I., für die Kraftfahrzeuge im Regierungsbezirk Magdeburg die weiteren Erkennungsnummern M. 1001 bis 2000 überwiesen haben (A. II. 14224.)
Cassel am 31. Oktober 1903.
Der Regierungs-Präsident.
V 8760 I. V. Mejer.
Stadtkreis Danau* Bekanntmachnnaen des Oberbürgermeisteramtes.
Schulfache.
Die Anmeldunaen berienigen Kinder, die vom 1. April 1904 ab die Eberhardschule (Mittelschule) besuchen sollen, werden in der Zeit vom 26. November bis 2. Dezember, vormittags von 11—12 Uhr, im Schulgebäude entgegengenommen. Knaben sind bei Herrn Rektor Bartmuß, MädLen bei Herrn Rektor Ickler anzumelden. Hierbei sind die Geburtsurkunden oder Familien-Stammbücher und die Impfscheine vorzulegen.
Schulpflichtig werden zu Ostern 1904 alle Kinder, die bis zum 1. Oktober 1904 das 6. Lebensjahr zurücklegen.
Kinder, deren Anmeldung an den angegebenen Tagen versäumt wird, können am 1. April in der Eberhardschule nur dann Aufnahme finden, wenn in den vorhandenen Schulklassen noch Plätze frei sind.
Hanau den 23. November 1903.
Der Stadtschulinspektor.
Loren z. 20903
Hus Stadt und Cand.
Hanau, 23. Novbr.
* SLadtverorsueten-Ergänzungswahlen. Heute morgen haben die Wahlen der 3. Abteilung ihren Anfang genommen. Versäume niemand, sich seiner Wahlpflicht zu entledigen. Die Kandidaten der bürgerlichen Parteien sind: Weißbindermeister Förster, Kaufmann Hock, Obersekretär Holm, Schlossermeister P e t e l e r.
Feuilleton
Stadtthcatcr in Hanau.
— Hairau, 21. November,
Das abgelaufene Töeaterjahr von Herbst 1902 bis Herbst 1903 stellt an die Spitze der zumeist aufgeführten Autoren an den deutschen Bühnen Franz von Schönthan mit nabezu vier- zehnhundkrt Aufführungen. Dieses sehr interessante Ergebnis zeigt wohl, daß es der gewandte Bühnenschriflsteller wohl verstanden hat, der jeweiligen Geschmacksrichtung des Publikums entgegenzukommen. So sind es die im Verein mit Franz Koppel-Ellfeld geschaffenen leicht gefügten Versgebäude, die gefälligen heiteren Lustspiele, in denen sich der Klang des Reimes mit der frohen Farbenpracht der Kostüme harmonisch verbindet, me sich die Gunst der Theaterbesucher erobert haben. Von dlesen wiederum sind es zwei, die sich ganz besonderer Sym- erfreuen, nämlich „Renaissance" und „die goldne Eva", welch letzteres gestern hier wieder zur Aufführung gelangte. ^te Handlung des Lustspiels ist ja bescheiden. Das kecke der Liebe und List ist aber ausgestattet mit einem so ge- Miigen und liebenswürdigen Humor, der Personenbestand so treffsicher gezeichnet, daß man wohl Freude daran haben kann, vorausgeletzt, daß auch die Wiedergabe eine solche ist, wie es h m „Weitere Ton des Stückes verlangt. Und dieses kann ver Aufführung von gestern unter der Spielleitung von Herrn Fink wohl nachgerühmt werden; alle Darsteller boten ihr Bestes, S Weiteren Scherzspiel den Erfolg zu sichern. Fräulein âchard war als Frau Eva reizend. Mit der Anmut und wichen Augsburger Goldschmiedswitwe verband sie den rechten Humor und die Schelmerei, welche dir hübsche Rolle erfordert. Kam ihre äußere Erscheinung auf das beste schon den Anforderungen der in den Mittelpunkt der Dichtung ge- stellten „Frau Meisterin" entgegen, so wurde das muntere
* Kaiser Wilhelm-Denkmal. Bekanntlich ist durch eine Weishaupt'schc Stiftung der Grund zu einem Fonds für Errichtung eines Standbildes des Kaisers Wilhelm I. gelegt worden mit der Maßgabe, daß dieses Denkmal seinen Standort auf dem Neustädter Marktplatz; erhält. Da nun aber auf dem Neustädter Markte sich bereits das Grimm-Denkmal befindet, schweben dem Vernehmen nach Verhandlungen, ob das fragliche Denkmal nicht besser auf dem Paradeplatz Aufstellung finden dürfte. Der ursprüngliche Fonds hat bekanntlich 1896 durch die Zuwendung einer hiesigen wohltätigen Dame noch eine nennenswerte Vergrößerung erfahren, sodaß hierdurch und durch Zinseuzuwachs sich das Kapital jetzt auf etwa 58 000 Mark beläuft.
* Winterfest des landwirtschaftlichen Kreisvereins. Das vom landwirtschaftlichen Kreisvereiu eingesetzte Komitee für die Gestaltung und Arrangierung des projektierten Winterfestes hat in seiner gestrigen in Wilhelmsbad abgehalle- nen Sitzung das Programm nunmehr in seinen Einzelheiten festgesetzt. Es wurde darauf Bedacht genommen, die Darbietungen des Festes so zu gestalten, daß sie Anspruch auf den Reiz der Neuheit und auf Eigenartiakeit machen können. Sicherlich wird das zweite Winterfest nicht hinter seinem Vorgänger zurückstehen und auch jedenfalls weiter dazu beitragen, den engeren Zusammenschluß der Vereinsmitglieder und deren Familien in hohem Maße zu fördern.
* Männergruppe Hanau des Allgemeinen Deutschen Schulvereius zur Erhaltung des Deutschtums im Auslande. In den allernächsten Tagen werden die Mitgliederbeiträge erhoben werden. Es dürfte darum vielleicht von Interesse sein, daß die Männergrupv: Hanau des Allg. Deutschen Schulvereins einen schönen Er f o I g aufzuweisen hat. Seit langen Jahren unterstützt dieselbe eine deutsche gewerbliche Fortbildungsschule für Knaben und Mädchen in einer deutsch-böhmischen Mittelstadt. Durch die regelmäßigen, nicht unbeträchtlichen Geldzuwendungen ist der Schule über manche Schwierigkeit hinweggebolfen worden, und namentlich in den ersten Jahren des Bestehens der Anstalt waren die Hanauer Beiträge mehrmals von ansschlaggebknder Bedeutung. Um so erfreulicher war die Nachricht, daß bei einer Landes- Ausstellung in Olmütz in diesem Jahre die Arbeiten unseres Pflegekindes mit der größten Auszeichnung, dem Ehrendiplom, bedacht worden sind. Für die Mitglieder der Männergruppe Hanan des Allgemeinen Deutschen Schul- vereinS ist es sicherlich eine hohe Befriedigung, zu ersehen, daß ihre Beiträge an die richtige Stelle gekommen und nicht nutzlos ausgegeben sind, umsomehr, als dieselbe Fortbildungsschule sich als ein nicht zu unterschätzendes Bollwerk gegenüber Tschechisierungsversuchen erwiesen hat. Möchte diese erfreuliche Tatsache dazu beitragen, das Interesse für den Allgemeinen
kokette Spiel auch noch gehoben durch die passende Toilette. Herrn Merker als Peter hätten wir etwas mehr Leichtigkeit in der Behandlung der Verse und auch im Spiel gewünscht, doch gab er der Rolle alles, was er zu geben vermochte, und hatte die Genugtuung, bei der Liebesszene des zweiten Aktes auf offener Szene ausgezeichnet zu werden. Mit kräftigem Humor, wenn auch nicht ganz einwandfreier Behandlung deS Reimes gab Herr Fink den prächtig gezeichneten trinkfesten Ritter Hans von Schwetzingen in Spiel und Maske gleich wirksam. Herr Nauendorf als Graf Zeck fand hier für sein drastisch wirkendes Gesialiungstalent eine dankbare Aufgabe, deren humorvolle Ausführung nichts zu wünschen übrig ließ. Frau Wehn als heiratslustige Barbara war ebenfalls auf das beste am Platze, und auch die weiteren Rollen, die Gräfin Agnes, Frl. Jai da, der Lehrjunge Fridl, Frl. Urban und der Altgeselle Christoph, Herr Römer, wurden gut und wirksam dargestellt.
* *
— Hanan, 23. November.
Wilhelmine von Hillern bâuerischesSLaüspiel „Die Geier- Wally", nach ihrem gleichnamigen Roman bearbeitet, ging gestern bei ausverkauftem Haus über unsere Bühne. Das au Verwickelungen überreiche Leben unserer Großstädte bildet für unsere modernen dramatischen Schriftsteller zumeist die Fundgrube, aus der sie zu ihren dichterischen Gestaltungen die Stoffe suchen, und die Dichter, die das bäuerische Volk in seinen spezifischen Charaktereigentümlichkeiten, Sitten und Gebräuchen auf die Bühne bringen, sind heute recht selten geworden. Ein Meister wie Anzengruber, der mit so gesundem Naturgefühl und so starker realistischer Kraft das bäuerische Leben zu beobachten und für die Bühne zu schildern vermochte, ist uns bis jetzt nicht wieder erstanden, eine so markante Persönlichkeit wird auch vereinzelt bleiben. Eine Bühne mit rasch wechselndem Repertoir, sofern sie dem Spielplan die Vikl-eitigkelt wahren will, ist darum gezwungen, zu den älteren Stücken zurück zu greifen, und daß in diesem Bestreben die auf ihre Wirkung
Deutschen Schulverein auch in unserer Heimatstadt wach zu halten und zu mehren.
* Vortrag im evangel. Vereinshause. Kapitän Bertrand, einer der bedeutendsten Afrikaforscher unserer Zeit, wird am Mittwoch, 25. November, abends 8 Uhr, im evangelischen Vereinshause einen Dortrag halten. Kapitän Bertrand hat hauptsächlich Süd-Amerika und Inner- Afrika zum Gegenstand seiner Forschungen gemacht. Seine beiden Werke „Au Pays des Ba-Botsi" und „En Afrique avec le Missionaire Coillard" haben die Gegenden am oberen Zambesi der wiffenichaftlicheu Welt erst erschlossen. In Anerkennung seiner Verdienste wurde er von den geographischen Gesellschaften in Genf, London und Paris zum Ehrenmitglied ernannt. Bei einer Vortragsreise, die er letztes Jahr durch Europa machte, fand er an den Höfen in Stockholm, Kopenhagen, Wien, Karlsruhe außerordentlich warme Aufnahme.- Im November und Dezember gedenkt er einigen Einladungen in die größeren Städte Deutschlands zu folgen. Als Kapitän Bertrand im Jahre 1895 zum ersten Mal im Innern Afrikas in das Land der wilden Da-Rotsi kam, die von dem grausamen König Lewanika beherrscht wurden, traf er dort mit dem evang. Missionar Coillard zusammen. Er wurde selber Zeuge, welch gewaltiger Umschwung in den ganzen Verhältnissen durch die ausgezeichnete Tätigkeit des Herrn Coillard hervorgerufen wurde. Jetzt ist der einstige grausame Despot Lewanika ein entschiedener Förderer christlicher Kultur und der vertraute Freund der esangel. Mission. Durch diese feine persönlichen Erlebnisse im Innern Afrikas ist Herr Kapitän Bertrand ein begeisterter Förderer der evangel. Mission geworden und gedenkt nun seine ganze Zeit und Kraft daran zu setzen, Liebe und Verständnis für diese Mifsionsarbeit zu wecken. Herr Bertrand hat eine große Anzahl ausgezeichneter Lichtbilder zur Verfügung, durch die er seine Berichte über das Leben im Innern Afrikas illustrieren kann. — Jedermann ist freundlichst einqeladen. Eintritt frei.
* Stadttheater. Wochenspielplan: Mittwoch „Der neue S t i f t s a r z t"; Freitag zum ersten Male „D i e Lokalbahn", Komödie von Thoma; Sonntag: Nm einstudiert „Der Deilch enfresser", Lustspiel von G. v. Moser.
§ Der Volksverein für das katholische Deutschland hatte für gestern in den Saal der „Centralhalle" eine öffentliche Versammlung anberaumt, zu der sich die männliche katholisch; Bevölkerung unserer Stadt und der Umgebung ziemlich zahlreich eingefunden hatte. Herr Dechant Schlitt begrüßte die Erschienenen mit berzlichen Worten und hob im weiteren die Bedeutung und das segensreiche Wirken des Dolksvereins hervor, daran die Mahnung knüpfend, durch Beitritt und Werbung neuer Mitglieder immer mehr zur
erprobten den Vorzug erhalten, ist verständlich. So wird unseren Theaterbesuchern denn auch von Zeit zu Zeit das Schauspiel der Tochter der Birch-Pfeiffer geboten, das in seiner Handlung als auch in seinen Figuren die Romanvergangenheit nicht ganz verleugnen kann. Auf seine szenische Wirkung hin äußerst geschickt ausgebant, wird es bei guter Darstellung immer noch sein dankbares beifallfrohes Publikum haben, wie die Aufführung gestern abend ja wiederum bewies. Diese war von dèm Spielleiter Herrn Fink gut vorbereitet und zeitigte auch recht hübsche Einzelleistunqen. Die in den Mittelpunkt der Handlung gestellte weibliche Krastnatur der Walbnrga Strt- minger, genannt die Geier-Wally, bildete für Frl. Heidenfels eine recht hübsche Talentprobe. Kann auch von einer scharf ausgeprägten fertigen Leistung noch nicht gesprochen werden, so zeigte sich doch durchweg das erfolgreiche Bestreben, dem Charakter wirkliches Leben zu geben. Besonders gut gelang es Frl. Heidenfels, die dämonische Wildheit und maßlose Eifersucht in den charakteristischen Eigenschaften der Seiet«; Wally hervorleuchten zu lassen, während andererseits auch wieder durch allzu große Sentimentalität der Glaubwürdigkeit der Rolle Abbruch geschah. Bleibt in der einheitlichen AuSge-' staltung dieses Charakters der jungen Dame noch manches zu tun, so darf das Ganze doch als eine gute schauspielerische Leistung bezeichnet werden, die auch durch das Publikum Lebhafte Auszeichnung fand. Der Bären-Joseph, die weitere Kr-ftrolle des Stückes, lag in den Händen des Herm Merker, Der Darsteller hat in dieser Saison ein umfangreiches ^eld, für sein schauspielerisches Können hier gesunden, vom Naturburschen bis zum schweren Helden reicht das Rollengebiet, das er hier vertreten soll. Man wird sehr selten einen Darsteller finden, der nach jeder Richtung solchen Anforderungm »oll Genüge leisten kann. Es ist anzuerkenum, daß Herr MerM auch in Aufgaben, die seinem künstlerischen Darstellungsoermogerr ferner liegen, recht Achtbares leistet, so war er auch gestern mit gutem Erfolg bestrebt, dem Joseph Hagenbach das charakteristische Gepräge zu geben, das die Rolle verlangt, auch ét