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Donnerstag
23. April.
ist seit dem 1. April d. J. zum Königl. Seniinar-Musiklehrer in Usingen i. T. ernannt worden.
* Reichstagswahl. Zum Wahlkommissar für^bie am 16. Juni vorzunehmende Reichstagswahl wurde für den diesseitigen Wahlkreis Herr Landrat v. Beckerath, zu dessen Stellvertreter Herr Oberbürgermeister Dr. G e b e f ch u s ernannt.
* Ferienkolonie Hanan. Die Frist zur Anmeldung kranker Kinder zu einer vierwöchentlicken Solbadkur im Monat Juni läuft Samstag morgen um 11 Uhr ab. Wir machen die Jntereffeuten mit dem Bemerken darauf aufmerksa n, daß spätere Anmeldungen nicht mehr berücksichtigt werden können.
§ Von Bethanien bis Golgatha. Der vom dramatisch-literarischen Verein Hanau zum Besten des Diako- niffenhei'ms gestern abend im Saale der „Eentralhalle" veranstaltete geistliche Rezitat'ousabend erfreute sich eines recht guten Besuches und nahm den denkbar erhebendsten Verlauf. Nach einem Choral des Gesangvereins „Sumser" und einem vorausgeschickten längeren, sehr eindrucksvollen Gedichisvortrag des Rezitators Herrn Hemp aus Wiesbaden nahm dieser das Wort zu dem eigentlichen Thema des Abends : „Von Bethanien bis Golgatha", hierbei an der Hand von Lichtbildern durch verbindenden Text ein anschauliches und durch die Macht der Sprache und die vollendete Nusdrucksfähigkeit des Redners äußerst ergreifendes Bild vom Leben, Leiden und Sterben des Heilandes gebend. Mit einem nochmaligen, gleich dem obigen prachtvoll zu Gehör gebrachten Choral des Gesangvereins Sumser schloß die Veranstaltung, die sicherlich einen tiefen, nachhaltigen Eindruck auf alle Besucher aus geübt bat.
C K Katholischer Männerverein. Aus Anlaß der Einführung der beiden neuen Herren Kapläne Weber und Böschen in vorgenannten Verein findet heute abend um */ü9 Uhr im Vereinslokal Restaurant Kippert, eine kleinere Solennität statt, wozu alle Mitglieder freundlichst eingeladen sind mit der gleichzeitigen Bute um ebenso vollzähliges wie pünktliches Erscheinen.
* Verhaftet wurde gestern ein in Langenselbold wohnender Glaser F., der verdächtig erscheint, verschiedene Diebstähle, die vor Jahren in den hiesigen Bahnhöfen verübt wurden, auf i dem Gewissen zu haben. ,
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* Groß-Auheim, 22. April. (Verbrüht.) Die Frau des Zigarrenarbeiters W. von hier hatte gestern einen Kroppen mit heißem Viehgetränk zum Abkühlen hochgestellt. Als sich nun die Frau zur Erde neigte, etwas auszuheben, kippte das Gefäß um und der heiße Inhalt ergoß sich über ihren Kopf und verbrühte sie derart, daß die Bedauernswerte bedenklich daniederliegt.
kabln .irrriKretn „Barw^res'» 'hn''tnwiihmf* 'w i8aftbou» .-. Sonne" Kecelktub „Tipp, T'pv": Abend? 9'/. Ilir: NR. z. „Gut n Quell * Spessart-Touristenverem: VereinSabend im Gasthaus „j. Elephanten .
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Versteigerung»- etc. Kalender
für Freitag den 24 April.
Nachmittags von 2 Uhr ab sollen die der hiesigen Lnbbank vom April b. I. verfallenen Go'd- und Silber-Pfänder verkauft werden
Telegraphischer Wetterbericht Der deutschen Seewarte.
Telegramm aus Hamburg vom 23. April.
9 Uhr 45 Min.
Ein Maximum über 763 mm lagert über Inner-Rußland, ein Minimum unter 740 mm über Süd-Deutschland. In Deutschland wehen schwache Winde aus meist östlichen Nich- tungen, das Wetter ist meist trübe und meist etwas wärmer.
Prognose für den 24. April: Vorwiegend trübes Wetter mit etwas auffrischenden Winden ohne erhebliche Wärme- änderung wahrscheinlich.
Barometerstand
mittags 12 Uhr am 22./4.
Sehr trocken , Beständig
Schön Veränderlich Regen (Wind)
770'
760.
750.
Viel Regen 740,
Sturm 730
120
710,
2B./4.
760
750
740
.720
710
Ans dem Gyrichtsiaal.
Sitzung des Schwurgerichts vom 22. April.
Versuchter Diebstahl und Tötung.
In dem Hanse Jahnstraße Nr. 14 in Fulda wohnen Familien Im Parterre die Eheleute Gutberlet, denen das Haus gehört im 1. Stock der Lackierer Hermann Bartel nebst
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Hanauer Uerrins- ». Vergnügnngsnachrichten
für Donnersr ag den 23. Avril
Turn- u. Fechtk'uh: AbmdS 6—7 Uhr: Turnen ■ er DamenaLteUung. Tnrngcmeinde: Abends '^8—'/«9 Uhr: Turnen der Damenabteilung. K rchenchor der Marienkirche- Abends prâclS 8 Uhr: Probe in der höberen Mädchenschule.
Abends 8 Uhr im Sacle der „Centralhalle*: Unterha tui gs-Aber.d.
^vang Männer- und JünglinxSoerstn: BrbeUmnde (Ev. VereinrhsuS.) Turngesellschaft: Abends von 8—10 Uhr: Turnstunde.
Katholischer Männerverein: VereinSabend w j« .Restauration Mssr*. Dramatisch-literarischer Ver-in „Melvomene' .int Sonne": Lesung. Babelsberger Stenographen-Veretr im Gasthaus -r ien ,3 Rindern' : Uebungsabend für Korrelpöndensichrist
Arends'scher Stenogravhen-Vercin „Concordia': (Restauration „rm Allcmania'): Abends 8—9'/» Uhr: Uebung, dann VereinSabend.
Nationalsienogrophen-Verem: Lehr- u. Uebnngsstundc (Lokal: »Zur mosten Krone', Stemheimei strafte 26).
Klub „Bavaria'- Klubabend in der Restauration „Allemania'. Gesangverein „Fröhlichkeit' - Singstunde im Vereinslokale.
Erster Hanauer Fußball-Klub 1898: Klubabend in der Brauerei Kaiser.
Erste Hanaue- Poulegesellschett - Preisivier im .D.utlchen Haus*.
Radfahrerbercin Hanau 1885: Klubabend in der „E.cm?o!balir".
Iran und Tochter, im 2. Stock das 80 Jahre alte Fräulein Anna Auch. Dieses Fräulein, das an Zinsin aus dem hinterlassenen Vermögen seines Bruders und aus sonstigen Zuwendungen ein jährliche? Einkommen- von etwa 1600 Mk. bezog, lebte sehr gottesfürchtig und war bemüht, Wobltaten zu stiften, wo und wann es nur immer konnte. Während es selbst nur dürftig und eingeschränkt lebte, gab es für Stiftungen und fromme Zwecke gerne ta3 her, wa) es sich vom Munde abgespart hatte. An d esem alten Fräulein, das sein Leben lang nur bemüht war, gutes zu tun, wurde am 20. März d. J eine scheußliche Tat verübt. Sir war noch sehr rüstig und hatte einige n'ie Schürzen gewaschen, die sie im Hofe aufhännn wollte, wozu sie die Wohnung verließ und die Treppe herunterging. Hier begegnete ihr die Ehefrau Bariel, welche angeblich auf den Boden gehen wollte. Als das Fräulein im Hofe war, wurde sie inne, daß sie das Wä'che- sei! vergessen hatte, weshalb sie wieder hinauf in die Woh- rung ging. Hier fiel ihr zunächst auf, daß die Vorplatztür offen war und als sie in das Zimmer wollte, stemmte ssich jemand von innen dagegen. Sie rief, wer denn da drinnen sei, und man solle sie doch ehtlajpn. Der unbefugte Insasse
des Zsinmers war die Frau Bartel, welche plötzlich die Tü öffnete und auf die Anna Amb einschlug. Sie drängte bn Uebenallene in die Küche und hier handelte sie geradezu barbarisch an dem Opfer. Mit dem Rückicil eines Handbesens schlug sie dem Fräulein immerzu auf den Kopsi auf die zum Schutz-vorgehaltenen Hände und warf sie mehrmals zu Boden. Zum Schluß, als sie ihr Opfer endlich zur Strecke gebracht hatte, wickelte sie ein Tuch um den Stiel des Handbesens, kniete sich auf die Auth und stieß es ihr mit Gewalt tief in den Mund hinein. Dann endlich ließ sie ihr leblos daliegen- des Opfer, von dem sie wohl denken mochte, es sei tot, und ging in ihre Wohnung hinab. Bald darauf aber regte es sich oben wieder und ein dumpfes Stöhnen und Hilferufen erklang aus der oberen Wohnung. Die Bartel trat heraus, ebenso kam auch die unten wohnende Frau Gutberlet ans ihrer Stube und nun spielte die Bartel eine großartige Komödie. Sie rief der Frau Gutberlet hinunter, ob sie nichts gehört habe, und als diese bejahte, forderte sie sie auf, mit hinauf zu gehen, um nachzuskhen, was los sei. Oben in der Wohnung war das alte Fräulein wieder zur Besinnung gekommen, hatte den Knebel entfernt und sich aufgemacht. Sie wie ihre Umgebung bot, wie die Zeugen sich ausdlückien, einen entsetzlichen Anblick. Ihr Gesicht und Hände waren über und über mit Blut bedeckt, in der Küche war das Blut weit umhergePritzt und auf dem Boden lag eine große Blutlache, sodaß die Zeugen sich wunderten, daß ein Mensch nach einem solchen Blutverlust überhaupt noch leben konnte. Die Bartel faßte heuchlerisch ihr Opfer an, setzte es auf einen Sessel und wusch es ab. Frau Gutberlet hatte zuerst Wasser geholt, dann alarmierte sie die »Nachbarschaft. die Bartel aber hatte noch die Dreistigkeit, die von ihr fast zu Tode Mißhandelte zu fragen: „Fräulein Auth, wer hat Ihnen denn was getan, ich- habe Ihnen doch nichts getan." Die Mißhandelte, die Angst hatte, daß sie ganz tob geschlagen würde, sagte nein. Als die Nachbarn erschienen, nicht lange nachher auch Herr Amtsgerichtsrat Dietz und ein Schutzmann, da schilderte ihnen die Mißhandelte eingehend den Vorfall. Die sofort vorgenommene Bartel leugnete die Tat und gab Herrn Amtsgerichtsrat Dietz auf seinen Vorhalt, daß sie von der Mißhandelten als d'e Täterin bezeichnet werde, die denselben außerordentlich frappierende Erklärung ab, das Fräulein habe sie (die Bartel) zuerst gesehen und da werde es wobl nach dem Erwachen aus der Bewußtlosigkeit sie für die Täterin gehalten haben. Bei der sofort vorgenommenen Suche wurde aber unter dem Sofa eine blutige Schürze gefunden, auch die übrigen Verdachtsmomente häuften sich gegen sie so, daß sie sofort verhaftet wurde. Während es zuerst schien, als sollte das so greulich mißhandelte Opfer die schweren Verletzungen überstehen, erlag sie nach 14 Tagen
(am 4. April) nach vorher ausgestandenen schrecklichen Leiden ihren Wunden. Es waren eiterige Entzündungen eingetreten, die den Tod herbeifühnen. Die Täterin, die sich lange aufs Leugnen verlegte und anfangs bei ihren Vernehmungen mancherlei Komödie spielte, gab später den erdrückenden Beweisen gegenüber die Tat. zu. J
- Die Angeklagte ist geboren am 8. Oktober 1853 im Kreise Sttiegau (Schlesien), war als Dienstmädchen an verschiedenen Plâtzm und kam 1883 mit ihrem Manne nach Fulda. Die Anklage legt ihr versuchten Diebstahl und vorsätzliche Tötung unter erschwerenden Umständen zur Last. Die Beschuldigte, die sich bis zur Verübung dieser schrecklichen Tat makellos geführt hat, gibt an, sie habe au dem fraglichen Morgen auf den Boden gewollt und sei auf der Treppe der Fräulein Auth begegnet. Vor ihrer Wohnung habe sie die Neugierde gepackt, weil sie Kenntnis hatte von allen möglichen Raritäten, die die Auth auibewahrle, wie Heiligenreliquien u. s. w. In der Stube sieht eine Kommode, die oben einen schrägen Pul-deckel und unten 2 Schubladen besitzt. In dem Pulldeckel steckte ein Schlüssel, den die Angeklagte herauszog; sie versuchte dam 1 die untere Schublade zu öffnen, der Schlüssel ließ sich
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darüber dicken Gleichermassen oft 20 Meter und da dieses Vorrücken der Gletscher auch im Winter keinen Aufenthalt erleidet, ist es klar, daß schon in wenigen Wochen bis Monaten ganz ungeheure zusammenhängende Eismengen in das freie Meerwasser vorgeschoben werden, bis deren Auftrieb vermöge des leichteren spezifischen Gewichtes des Eises so groß wird, daß das Ende des Gletschers abbricht und sein selbständiges Dasein beginnt. Der Gletscher hat „gekalbt", wie der Nordländer zu sagen pflegt.
Das ungeheure eisige Kalb zerschlägt, so bald es die Beweglichkeit gewonnen, auf weite Entfernungen hin die Decke des Meereises, vereinigt sich durch Kongelation oder Zusammen- frieren mit seinesgleichen und enthält nun in seinem Innern eine solche Kälte, daß auf seiner durch die Meeresströmungen herbeigeführten Reise gen Süden Monate vergehen, bis der letzte Brocken Eis sich im Wasser aufgelöst hat, um so mehr, als die Abschmelzung hauptsächlich nur innerhalb der dünnen wärmeren Schichten des Oöerflächenwaffers erfolgt, während der größte Teil des Eisberges tief in. die kalten Wasserschichten der Tiefsee eintaucht.
Unter diesen Umständen ist es sehr erklärlich, daß Eisberge, die im hohen Norden eine Länge und Breite von mehreren Kilometern und eine Höhe bis zu 1000 Meter hatten, von denen allerdings nur selten mehr als 100 Meter über den Meeresspiegel emporragen, bis zum 35. Grade nördlicher Breite, also bis in Meere hinabgelangen, die der Breite Gibraltars oder des Unionstaates Nord - Karolina entsprechen. Mit ihrem blendenden Silberweiß und dem schillernden Spiel der Regenbogenfarben dem schönheitsdurstigen Auge einen prächtigen Anblick darbietend, werden sie zur furchtbarsten Gefahr für den Schiffer, der nichtsahnend in ihre Nähe kommt. In höheren Breiten treten nicht selten zahlreiche Eisberge plötzlich zusammen, so daß ein nicht über Dampfkraft verfügendes Schiff kaum mehr einen Ausweg findet. Weiler südlich verändern sie durch Abschmelzen häufig ihren Schwerpunkt, sodaß die ungeheure Masse gänzlich unerwartet umschlägt und schon durch die Sturzwellen ein kleineres Fahrzeug zum Kentern bringen kann. Wehe endlich dem Schiffe, das, in Nacht und Nebel einem Eisberge sich
der Lufttemperatur, nicht trautet und in voller Fahrt mit dem Koloß zusammenprallt. Es bildet dann nur eine neue Nummer in der unendlich langen L fte jener Schiffe, die niemals ihren Bestimmungsort erreichten und verschollen bleiben, wenn nicht eine seinen Namen tragende, irgendwo aufgesischte oder an die Küste getriebene Planke ahnen läßt, daß sich wiederum eine jener Tragödien abgespielt hat, an denen die Geschichte der Schiffadrt so überreich ist.
Die gefährlichste Eisdrift in allen nordischen Meeren ist diejenige, die von der Ostküste Grönlands und aus der Baffinsbai an den Küsten Labradors und New-Foundlands entlang bis weit zu den östlichen Gestaden der Vereinigten Staaten heruuiersüW. Die Kurse der zwischen Nordamerika und Europa verkehrenden Schiffe müssen diesen Eisstrom im Süden der Neufoundlandsbank kreuzen und an dieser Stelle war es auch,—wo am 24, Mai 1882 ein deutsches Schiff innerhalb 24 Stunden nicht weniger als 351 Eisberge sichtete. Es ist somit nur ein Gebot der Vorsicht, daß bei dem zahlreichen Auftreten der Eisberge die großen Dampfergesellschaften ihre Schiffe lieber einen kostspieligen und zeitraubenden Umweg machen lassen, statt sie den Gefahren gräßlicher Katastrophen auèzusetzen.
Vereinzelte Eisberge zeigen sich in den genannten Meeres- teilen schon im Januar. Im März wird sodann das Eistreiben stärker, um im April und Mai das Maximum zu erreichen, und hierauf bis zum Okiober abzunehmen, in welchem Monat die Drift gewöhnlich ihr Ende erreicht. Alle Schiffe haben die bündige Anweisung, im nächsten von ihnen ange- laufenen Hafen die von ihnen mit möglichster Genauigkeit ermittelte Länge und Breite sämtlicher von ihnen gesichteten Eisberge unzugeben. Auf Grund dieses Materials entwerfen die deutsche Seewarte in Hamburg und das hydrographische Amt in New-York alsdann besondere Eisberg- karten und Eisprognosin für die auslaufenden Schiffe, oder legen den Rhedereien, wenn die Verhältnisse ausnahmsweise ungünstig liegen, die schon mehrfach erwähnte Vorsichtsmaßregel der Kursänderung nahe.
Schon im Jahre 1725 hatte der berühmte Entdecker der Liberation des Lichtes, der Oxforder Astronom Bradley, darauf
aufmerksam gemacht, daß die massenhaften Eisansammlungen im nordatlantischen Ozean nicht ohne Einfluß auf das jeweilige Welter Großbritanniens sein könnten. Meteorologische Untersuchungen aus neuester Zeit haben dieser Vermutung einen an Gewißheit grenzenden Grad von Wahrscheinlichkeit gegeben, die sich übrigens nicht nur auf die klimatischen Verhältnisse Englands, sondern auch auf diejenigen Dänemarks, Norwegens,^ Deutschlands und Frankreichs bezieht. Wenn nach der Frühjahrs-Tag- und Nachtgleiche die Sonne nordwärts vom Aequator gestiegen ist und Ende März und Anfang April große Eismengen in Gestalt von Eisbergen und umfangreichen Treibeisflächen in den nordatlant schen Ozean dringen, so beginnt in den mächtigsten Dimensionen das Kampfspiel zwischen Wärme und Kälte. Sämtliche Wettervorgänge, besonders die barometrischen Maximaund Depressionen, schreiten bekanntlich mit Vorliebe vom atlantischen Ozean gegen Osten zu nach Europa vorwärts. Ist auf diese Weise durch die vorerwähnten polaren Eismassen eine starke Abkühlung in Europa eingetreien, die eine Verdichtung und Senkung der Luft zur Folge hat, so stürzt sich in den darüber befindlichen luftverdünnten Raum vom Aequator her ein gewaltiger Strom erwärmter und an Wasserdampf reicher Luft, sodaß binnen kurzem ein Umschwung zur Wärme stattfindet, der bei einem Nachschub neuer großer Eismassen schnell wieder durch einen neuen Kälterückfall abgelöst wird.
Das massenhafte Aufireten der Eisberge ist also kein gutes Prognostikon für das diesjährige Frühjahr, wenn die Eisbewegungen gegen Süden anhalten sollten. Für den Juli 1890 ■ glaubt der dänische Ingenieur C. L. Madsen in Kopenhagen rechnerisch nachweisen zu können,-daß die damaligen ungünstigen Eisverhältnisfe im atlamischen Ozean ein Temperaturminus von 3„ Grad Celsius und andauernde Regengüsse herbeiführten, die für Dänemark einen Ernteausfall im Betrage von 50 Millionen herbeiführten. Mag letztere Zahl zwar auch anfechtbar sein, so steht doch fest, daß die ungünstigen Eiâver- hâltnisie im Atlantik auch das Wetter Deutschlands im schlechten Sinne beeinflussen und eine große Rolle bei dem Wettersturz spielten, bei im diesjährigen April auf die wenigen verheißungsvollen Frühlingstage des Märzmonats folgte.