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wirtschaft wolle. Er habe den Eindruck gehabt, die Herren r der Centralhalle.. Die Teilnehmerkarten hierzu sind bereits glaubten, sie übten ihr Bewilligungsrecht und ihr Recht der sämtlich verkauft.
Kritik dadurch am besten aus, wenn sie Abstriche machen, bei- * Das katholische Kasino „Eintracht" feiert $ kommenden Moniag abend das Gebunstagsfest Sr. Majestät des Kaisers durch Festakt im Dereinslokal. Hierauf gemüt-
spielsweise auf Kosten der guten Ausführung statt 400 Mk.
nur 300 Mk. bewilligen.
Stadtv. Schwabe erwidert, er kaffe sich allerdings bei
Bewilligung der Ausgaben vom Bedürfnisstandpunkt leiten uni» gehe davon aus, ob sie brennend notwendig sind oder noch 'zurückgestellt werden können.
Da sich kein Redner mehr zum Wort meldet, wird
Generaldebatte geschlossen. Die Beratung der Spezialetats folgt in der nächsten Sitzung.
die er-
* Viehzählung. In nachstehendem veröffentlichen wir das Resuitar der am 1. Dezember 1902 im Landkreise Hanau vorgenommenen Viehzählung:
Name der Stadt
Zadl der Gehöfte
Zahl der Liehbr-
Gesamtzahl
der Gemeinde
mit Vieh- stand
titzcnd.
oder des Gutsbezirks.
überhaupt
Haushaltungen
8«
sie
es
58
Stabt Windeck
274
179
184
57
281
549
Gem. 5?erteil
676
313
324
168
429
3
735
„ Bischofsheim
209
139
155
70
329
—
456
„ Bruchköbel
165
114
126
7u
403
1
599
„ BlUterstadt
14
11
11
21
112
—
185
„ Dörnigheim
2il
153
167
22
307
w
129
„ Eichen
169
134
134
44
438
976
„ Erbstadt
112
87
87
66
360
—
545
, Fechenheim
611
83
83
156
172
1
225
„ Gronau
72
69
69
95
314
—
351
„ Großauheim
602
219
220
85
3.6
281
468
„ Glofikroyenburg
252
156
158
52
349
175
300
„ Hochstadt
197
151
178
75
460
*......
538
„ Hüttengesäß
181
155
18-
57
568
—
719
„ Kesselstadt
260
65
65
46
97
153
161
„ Kilianstädten
203
17"
182
109
466
—
879
„ Langcudiebach
8dl
189
194
74
497
5
793
„ Langenselbold
613
402
471
176
1274
623
1338
„ Marköbel
206
178
2-7
88
540
175
1016
„ Mirietbuchen
156
130
137
78
592
1099
„ Neuwiedermuß
34
30
30
14
131
177
„ Niederdorfelden
14«
126
133
92
410
668
„ Ni^erissiqhcim
63
56
: 9
41
258
—
433
„ Nieverwdenbach
189
148
155
27
416
—
734
„ Oberdorfelden.
57
42
43
34
179
——
211
„ Oberissigheim
74
68
72
37
313
1
563
„ Oberrodenbach
91
68
77
7
176
-------
119
„ Ostheim
2361
196
2(4
104
596
—*
997
„ Ravolzhausen
140
98
104
52
312
——
624
„ Roßdorf
129
112
112
49
443
1
805
„ Rückingen
163
78
133
24
263
—-
249
, Rudi: heim
116
92
101
40
248
1
449
„ Wacheilbuchen
179
132
163
101
501
—
618
Gutsbez. Baiersröderbof
1
1
1
38
109
252
134
„ Dottenfelder Hof j
1
1
1
16
91
156
70
„ Gronauerhof
1
1
1
16
88
14
135
„ Kinzrgheimerhof
1
1
1
16
67
145
92
„ Neuhof
2
1
1
—-
w
——
1
„ Pulverfabrik
15
4
5
12
—
——
10
„ Philippsruhe
6
4
5
26
9
—
4
„ Rü igheimerhof
1 2
1
1 1
i 16
1 62
—
46
„ Wilhelmsbad
4
I 1
1
! 34
1 123
120
„ Wütfgang
1 12
! 7
I 7
1 3
r 14
—
11
Summa I 7u78 | 4863 147461 2392 1130241 2110^19732
* Stadttheater. (Benefiz Becker.) Wir weisen an dieser Stelle Nochmals auf die heutige Aufführung von „Romeo und Julia" hin. — Am kommenden Sonntag wird Moser's bewährtes Lustspiel: „Ultimo" mit Dir. Oppmar als „Lebrecht Schlegel" neu einstudiert in Szene gehen und wird die Wieder-Aufführung, des an köstlichem Humor reichen Stückes sicherlich allgemein freudig ausgeuom- men werden.
* Cvang. Männer- und Zünglingsvereln. Heute Abend S1^ Uhr Vortrag, wozu die Muglieoer freundlichst einqeladen sind.
* Die Marianische Zungfrauen-Kongregation von Hanau feiert am nächsten Sonntag ihr 18. Stiftungsfest durch eine theatralsch-munkalische Abend-Unterhaltung in
Maa
Feuilleton.
Der Winter in der tost Bon Theodor Lamprecht.
(Nachdruck verboten)
Wenn der Dichter den „frischen, freudigen Winiersrost" besingt, so hat der Winter auch für den bildenden Künstler mannigfaltige Reize. Die schimmernde Fläche des frischen, jungfräulichen Schnees und das kalte Glitzern der Sonne darauf, die zarten Silhouetten der kahlen Bäume von dem düsteren Winterhimmel und die phantastischen Formen, mit denen der Schnee die Aeste umkleidet, die bleiche Trauer eines dunkeln Wintertags mit bleigrauem Himmel und die schneidige Frische eines munteren Sonnentags bei Schnee und Eis, die verlorenen Spuren des Wildes im Walbschme und die fernhin sich verlierenden braunschwarzen Geleise eines Wagens im Schnee der unabsehbaren Landstraße, die Häuser, die sich vor der Härte der Jahreszeit zu ducken scheinen, die alte Eiche, die sich ihr Nicht beugt und ihre mächtigen Aeste trotzig emporreckt, der junge Baum, der dem Wintersturme zum Opfer fiel; dann der stahlgraue Eisspiegel, das lustige Leben darauf, die Jagd in Waid und Heide — eine schier unendliche Fülle von Motiven aus Natur und Leben öffnet sich hier dem Maler, und der Landschafter, der Tiermaler, der Genremaler — sie alle kommen bei der Beobachtung der winterlichen Phänomene gleicher Weise auf ihre Rechnung. Doch es hat lange gedauert, ehe die Künstler den Winter zum Gegenstände ihrer Studien machten. Die Wiege der Kunst ist der Orient, ihre erste Heimat in unserem Erdteile der sonnige Süden: hier wie dort weiß man wenig oder nichts vom Winter, seinen Erscheinungen, Schönheiten und Freuden; und wenn nicht etwa einmal im Hintergründe des Bildes eines. venetiavjzchen Künstlers, dessen Auge auf
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liches Zusammensein.
' * Unfall auf dem (»ise. Ein etwa 9jähriger Knabe, der gestern nachmittag auf Heuters Wiest dem Eisvergnügen hu'digte, fiel so unglücklich zu Boden, daß er sich über dem rechten Auge bedeutend verletzte. Jedenfalls ist er auf einen spitzen Stein gefallen.
* Auch ein Defraudant. Vor einiger Zeit berichteten wir, daß der 14jährige Ausläufer F. einer hiesigen Druckerei, als er einen Hundertmarkschein wechseln sollte, mit dem Gelde durchging. Derselbe ist in Jena aufgegriffen worden und befindet sich bereits hier in sicherem Gewahrsam.
* *
*
):( Fechenheim, 22. Januar. (Gemeinberats- sitzung.) Zum ersten male versammelte sich am gestrigen Abend die hiesige Gemeindevertretung im muht Nathause, um in dem prächtig und geschmackvoll ausgestatteten Sitzungssäle, der zur Feier des Tages im reichsten Lichterglanze strahlte, ihre erste Sitzung abzuhalten, zu welcher sich sämtliche Ge- meindeverordnete und auf der Zuhörerbühne ein zahlreiches Publikum eingefunden hatten. Vor Eintritt in die Tagesordnung begrüßte zunächst der Vorsitzende, Herr Bürgermeister Baumert, die Erschienenen in längerer Rede, in welcher er etwa folgendes ausfühlte: Nachdem von einer besonderen Einweibungsseier des neuen Rathauses Abstand genommen, sei die heutige erste Sitzung in demselben von um so größerer Bedeutung, da mit ihr ja der neue Saal und mit ihm das neue Haus seiner Bestimmung übergeben werde. Der Tag dieser ersten Sitzung sei ein Ehrentag für die Gemeindevertretung und für die Bürgerschaft, deren Tatkraft und Intelligenz es zu verdanken sei, daß Fechenheim heute unter den Ortschaften der Provinz Hessen-Nassau eine geachtete Stellung einnehme und sich dieses alten Kulturlandes mit seiner reichen geschichtlichen Vergangenheit würdig erweise. Eine wesentliche Wendung in der Entwickelung Fechenheims, bis dahin ein rein ländliches Dorf, sei im Jahre 1870 eingetreten mit der Etablierung und der immer größer werdenden Ausdehnung der Firma L. Cassella u. Cie., heute eine Firma von Weltruf, und immer mehr habe seitdem die Landwirtschaft an Umfang und Bedeutung verloren, Großindustrie dagegen und auch die Kleinindustrie — letztere namentlich in der Leder- und Portefeuillewarenbranche — sich stetig entwickelt. Um das doppelte sei in den letzten 10 Jahren die Zahl der Wohnhäuser und diejenige der Einwohner gewachsen, welche noch im Jahre 1890 3238 Seelen betragen habe und heute über 7000 zähle. Für den gleichen Zeitraum haben darum auch, entsprechend dieser rapiden Entwicklung, die Aufwendungen für neue öffentliche Einrichtungen wesentlich zugenommen. 1173100 Mark betrugen dieselben, von denen u. a. für Schulhausueubauten 139000 Mk., für Anlegung neuer Straßen, Neupflasterungen u. s. w. 175000 Mk., Kanalanlagen 74000 Mk., Wasserleitung 175000 Mk., Elektrizitätswerk 300 000 Mk. und Rathausneubau rund 200 000 Mk. in ^Anrechnung kommen. Das letztere, in der Hauptsache von hiesigen Handwerksmeistern ausgeführt, stehe nun da in einfacher, schönster Pracht, ein ehrendes Zeugnis für die Baukunst unserer Zeit und für die Tüchtigkeit unseres Handwerks. Seme Inschrift: „Arbeit ist des Bürgers Zierde, Segen ist der Mühe Preis", möge auch die späteren Geschlechter ermahnen, daß ehrliche Arbeit und treue Pflichterfüllung den Bürger zieren und daß nur derjenige, der sich immer vorwärts strebend bemüht, der Mühe Preis erringen, des Segens teilhaftig werden wird. Gott der Allmächtige aber gebe, daß die Beratungen und Beschlüsse, die von den dazu Berufenen künftig hier in diesem Hause gepflogen und gefaßt werden, allezeit zum Wohle und Gedeihen der Gesamigemeinde gereichen mögen. Nach dieser Ansprache dankte Herr Direktor Dr. Hoffmann dem Herrn Bürgermeister für den großen Aufwand an Mühe, Anstrengung und Arbeit, den das rasche Emporblühen und die mächtige
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den Alpen geweilt hat, Schneeberge erschienen, so würde uns die ganze herrliche Kunst der italienischen Renaissance überhaupt nichts davon erzählen, daß es Dinge, wie Schnee und Eis, auf unserm Planeten gibt. Die Kunst mußte erst im Norden seßhaft werden, um den malerischen Problemen, die der Winter bietet, näher zu treten. Zwei Kunstperioden können wir unterscheiden, die dem Winter ein besonderes Interesse und Verständnis entgegenbringen: die holländische Malerei des 16. Jahrhunderts und die Kunst im 19. Jahrhundert.
Die Holländer — und zum Teil auch ihre »flämischen Stammesbrüder — kann man die großen Spezialisten der Kunstgeschichte nennen. Sie haben hundert Spezialitäten erfunden: die Kirmesse, die Bauernschlägereien, die Zahn- brecher, die Blumenstücke, die Marinen, die Mondschein- landschaften. Sie haben auch die Winterlandschaft entdeckt. Ihnen mußte das Leben im Winter als etwas sehr Charakteristisches ins Auge fallen; denn in dieser Zeit ging in Holland der Verkehr von der Landstraße zum großen Teile aufs Eis über. Auf den fest gefrorenen Flüssen und Kanälen, die wie ein dichtes Geäder das ganze Land durchzogen, flogen — so war eS hier seit alters der Brauch — die Eisläufer und die Schlitten von Ort zu Ort, und es entfaltete sich so ein Leben, daS munterer und mannigfaltiger war, als der träge Zug der Boote und Schiffe, die in den andern Jahreszeiten auf diesen Wasserläufen dahinglitten. So bildet in der Mehrzahl der holländischen Winterbilder das Eis und daS Leben auf dem Eise den Mittelpunkt und die eigentliche Pointe der Darstellung. Die Mannigfaltigkeit der Figuren und Szenen, die dabei geschildert werden, zeugt von der aufmerksamen und genauen Beobachtung der Künstler. Viele Künstler haben sich dieses Gegenstandes angenommen: van de Venne, Esaias und Adriaen van de Velde, van der Neer, van Goyen, Isaak van Ostade und, um auch einen von den Vlamen zu nennen, der jüngere Teniers; wohl jede bedeutendere europäische Sammlung besitzt Beispiele dieses da-
23. Januar.
Entwicklung des Ortes mit sich gebracht, im Namen der Gemeinde und der Gemeindevertreter, die zum Ausdruck des Dankes sich von den Sitzen erhoben. Noch einmal ergriff Herr Bürgermeister Baumert das Wort, nun dankend für die ihm gewordene Anerkennung auch zu gedenken der ihm von Sr. Majestät gnädigst verliehenen Auszeichnung, die er mit Stolz trage, aber auch mit dem Geranien, durch die- felbe auch das rastlose Streben, treue und fleißige Arbeit der Gesamtheit anerkannt und belohnt zu missen. Hierauf ging man in die Tagesordnung über, von welcher gleich der erste Punkt die lang ersehnte endliche Erledigung brachte, betr. nämlich des Grundstücksverkaufs an die Firma Ph. Maylarth & Cie., deren vorgelegter Kaufvertrag von der Versammlung einstimmig genehmigt wurde. Die übri:en Punkte der Tagesordnung waren zumeist von interner Bedeutung.
Telegraphischer Wetter beriet der deutschen Seewatte.
Telegramm aus Hamburg vom 23. Januar,
9 IVm 35 Mm.
Ein Maximum über 772 mm lagert über Südosteuropa, eine Depression unter 748 mm über Mittelnorwegen. In Deutschland wehen schwache südliche und südöstliche Winde, das Wetter ist kalt und trocken, im Westen trübe, sonst heiter.
Prognose für den 24, Januar: Im Westen Tauwetter wahrscheinlich.
Hus MK und fern,
Orb, 21. Januar. Gegen den Bürgermeister Menzel in Emmerich, früher in Orb, waren von dem Verleger Romen in der „Bürgerzeitung" schwere Beschuloigunoen gegen die Amtstätigkeit Menzels erhoben worden. Die Beweisaufnahme vor Gericht ergab jedoch, daß alle Vorwürfe gegen den Bürgermeister Menzel durchaus auf Unwahrheit beruhen. Die Straikammer verurteilte nach dreilänger Verhandlung den Zeitungsoerleger und den Redakteur Schmitz zu einem Jahr bezw. ?u drei Monaten Gefängnis.
Schmalkalden, 21. Januar. Ein Drechsler und ein Polierer aus Stembach'Hallenberg wurden wegen Wechsel- fälschung verhaftet.
-r. Marburg, 22. Januar. An der Straße von Gissel- berg nach Nehbrücke waren schon öfters die Obstbaumpflanzungen vernichtet worden, aber niemals gelang es, die Schuldigen zu fasse". Als nun im Oktober v. J. wieder 36 Obstbäumchen beschädigt wurden, klärt sich zum Erstaunen aller die Sache auf. Der Täter war der Straßen- Wärter aus Roth, der auf die Obstpflanzung aufzuyassen und sie zu pflegen hatte. Das Gericht verurteilte den Mann zu 6 Monaten Gefängnis.
Frankfurt a. M., 22. Januar. Gestern abend gab die Haushälterin Auguste Breu auf ihre hier in Stellung befindliche Schwester fünf Revolverschüsse ab. Ein Schuß drang der letzteren in die Brust und zwei in den Rücken un£ brachten ihr leichte Verletzungen bei. Der Grund zu dem Attentat sollen Streitigkeiten gewesen sein.
— Bieber bei Offenbach, 22. Januar. „Ich schenke Ihnen die 40 Pfennig I" So schrie eines Abends der Porte- feuillkr Johannes P. von hier dem Stationsbcamten M. wiederholt entgegen, nachdem ihm der Beamte auf ein angebliches Fünszigpfennigstück für eine gelöste Zehnpfennigfahrkarte nichts herausgeben wollte. Der Sialiosvorsteber behauptet nämlich, das vereinnahmte Geldstück sei absolut kein Fünfziger sondern nur ein Zehner gewesen. Anstatt derzurückoerlangtcn 40 Pfg. erhielt P. wegen seiner unbesonnenen Aeußerung eine Anklage wegen Beamtenbeleidigung zuqestellt und wurde nunmehr vom Schöffengericht zu einer Geldstrafe von 20 Mark und zur Kostentragung verurteilt. Dem beleidigten Beamten wurde überdies Publikationsbefuanis zugesprochen. Der „Schenkungsakt" kommt also dem übereifrigen Arbeiter herzlich teuer zu ste'en.
mals so beliebten Genres. Aber recht verschieden war doch der Geist und die künstlerische Kraft, mit der die Künstler den Gegenstand behandelten. Bei van de Venne sind die Fiauren ziemlich puppenhaft und das Kolorit ist glasig, aber van Goyen liebt die wärmeren Töne eines schönen W ntertags und van der Neer Helles, klares Licht: „die Lust flimmert, und man meint den zitternden Frost zu empfinden." Viele hübsche Einzelheiten sind in diesen Werken zu beobachten, der lustige Gegensatz braunroter Häuser zum weißen Schnee z. D. ober der krästige Umriß kahler, starker Aeste; im ganzen jedoch bildet die Natur mehr den Rahmen für die dargestellten Szenen winterlichen Lebens. Ab und zu aber hat ein Künstler von diesen Szenen abgesehen und die winterliche Natur für sich zum Gegenstände gewählt. So jener größte aller holländischer Landschafter, den Goethe mit feinem Verständnis für sein Wesen als Dichter charakterisiert hat: Jakob van Nuysdael. Wenn er eine Winterlandschaft malt — die Münchener Pinakothek besitzt ein schönes Beispiel —, dann blickt man in den Kampf zwischen Licht und Finsternis, siebt den gewaltigen düsteren Himmel, der die Erde zu erdrücken droht, einen scheuen Lichtstrahl, der sich durch die Wolken stiehlt und auf einem Schneedache, in einer gefrorenen Lache sich flüchtig spiegelt, und der ganze Ernst der dunkeln Jahreszeit ergreift uns. Mit diesen im besten Sinne heroischen Darstellungen können dann nette Winterlandschaften anderer Maler, wie des Wou- vermann, den Vergleich nicht aushalten.
Das Werk der Niederländer hat die neuere Zeit wieder ausgenommen. Im 19. Jahrhundert ist die Schilderung des Winters in der Kunst in der Tat beamtend fortgeschritten. Ich will dabei absehen von den Werken, in denen die Darstellung der Wtnlernatur nur ein Hilfsmotiv, ein Stimmungs- leiter ist; so hat Franz Adam den Rückzug der Franzosen aus Rußland 1812 in einer weiten, dunkeln Schneelandschaft geschildert, Arthur Kampf aber dargestellt, wie traurige Reste der grand* armée in Schnee und Kälte vor den Toren einer kleinen deutschen Stadt anlangen; und