Erstes Blatt
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev, L Waisenhauses in Hanau. . . l
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Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. V-rantwortl. Redakteur -. S. Schrecker in HanW,
Bezugspreis:
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Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg. ^-
Fernstzrechanschluß Nr. 605»
Donnerstag den 22. Oktober
Fernsprtchanschlnß Nr. 605
1903
Amtliches.
Im Anschluß an meine Bekanntmachung vom 4, Mai d. I. A. II. 4805 (Amtsblatt Seite 133) bringe ich hiermit zur allgemeinen Kenntnis, daß die Herren Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten durch gemeinsamen Erlaß vom 31. August d. Z., III. 12162 M. d. ö. A., Ila. 7001 M. d. I., für die Kraftfahrzeuge im Regierungsbezirk Lüneburg die weiteren Erkennungsnummern 8. 801 bis 900 überwiesen haben (A. IL 12091.)
Cassel am 26. September 1903.
Der Regierungs-Präsident.
V 7790___________I. A. Schenk.____________
Candhreie Danau.
Bekanntmachungen des Königs. Landratsamtes.
Durch Ministerial-Erlaß vom 20. September d. Zs. (siehe Nr. 231 des „Hanauer Anzeiger") ist der Termin zur Wahl der Wahlmänner für die bevorstehende Landtagswahlen auf den 12. November d. Zs. festgesetzt. Auf Grund des § 10 des Reglements vom 14./3. 1903 über die Ausführung der Wahlen zum Hause der Abgeordneten bestimme ich ferner, daß in den Wahlorten des Landkreises Hanau mit Ausnahme von Bergen-Enkheim, Fechenheim, Großauheim, Kesselstadt, Langendiebach und Langenselbold die Wahlhandlung für die Urwähler
der IIL Wah lab teiln« a, vormittags 10 Uhr, der II. Wahlabteilu«g, nicht vor 11 Uhr vormittags, der I, Wahlabteilnng, nicht vor 11V* Uhr vormittags, beginnt. Für die vorbenannten Ortschaften haben die Gemeindeverwallungsbehörden — in Fechenheim der Bürgermeister — die Stunde der Wahl sestzusetzen.
Die sämtlichen Urwähler jeder Gemeinde und jedes Gutsbezirks sind seitens der Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher zu der Wahl unter Benennung des Wahllokals, des Wahlvorstehers und dessen Stellvertreters sowie des Tages und der Stunde der Wahl in ortsüblicher Weise rechtzeitig einzuladen.
Hanau den 19. Oktober 1903.
Der Königliche Landrat. .
V 8256 v. Beckerath.
LanUrWftlW Aeisserei» Hs«««.
Nächste Versammlung Samstag de« 24. b. Mts., nachmittags 2^2 Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen, Vorstadt Nr. 1, hierselbst.
Feuilleton.
Konzert des Gesangvereins „Sumser."
Schon wieder haben wfr zu berichten von den guten Leistungen eines hiesigen Gesangvereins. Am vorigen Dienstag veranstaltete nämlich der Gesangverein „Sumser" im Saale der Zentralhalle ein „Siuhlkonzert". Bekanntlich hat dieser Verein beziehentlich seiner Leistungen einen guten Klang, den ihm ein herrliches Stimmenmaterial und eine vortreffliche Leitung sicherten. Auch das erwähnte Konzert machte dem Verein alle Ehre; es nahm einen schönen Verlauf und legte von neuem Beweise ab von der Tüchtigkeit des Dirigenten, Herrn Hans Grundmann und der Leistungsfähigkeit des Vereins, der in seinen Vorträgen Sicherheit und Klangschönheit mit gutet Aussprache verband.
Mit dem Abt'schen Chore: „Des Sonntags", eine von den Kompositionen, die ihre Wirkung, trotz der Anfeindung der Abtschen Muse niemals einbüßen wird, nahm das Konzert seinen Anfang und wurde mit dem ansprechenden Liede von Koschat: '„Die g'strenge Muatter", bei der neben der volkstümlichen Bearbeitung auch der Text vorteilhaft auffällt, erfolgreich beendet. ,®er Verein „Sumser" bot außerdem noch eine Anzahl Cböre, von denen das „Erwachen" von Förster besondere Beachtung verdient. Diese Komposition, die außerordentlich schwierig' ist, konnte uns nicht erwärmen, trotz des Fleißes und der Mühe von Seiten der Sänger und des Dwi- Senken, dem Chor freundliche und warme Ausnahme beim Publikum zu bereiten.
Eine völlig einwandfreie Leistung bildete „Unterm binden , bäum" von Sturm. Bei Wiedergabe dieses Chores entsprach der Verein Sumser allen Anforderungen, die man an einen guten gesanglichen Vortrag stellen muß. Recht klangschön kam „Liebesscherz" von Silcher zum Vortrag, wiewohl die Auf-
Taaes-Ovdnung:
1. Geschäftliche Mitteilungen.
2. Diesjährige Ernteergebnisse.
3. Zahreë bericht der Landwirtschaftskammer.
4. Vortrag des Herrn Dr. Helmkampf in Weilburg über die zweckmäßige Behandlung der Wiesen und die Wahl des Saatguts.
5. Bericht der Delegierten über die Versammlung des Ver- einsausschuffes der Landwirtschaftskammer sowie über die Bezirkstierschau zu Homberg.
6. Aufnahme neuer Mitglieder.
7. Veranstaltung eines Winterfestes.
8. Sonstige Mitteilungen.
Der Vorstand.
Die Herren Bürgermeister wollen die vorstehende Bekanntmachung des landwirtschaftlichen Kreisvereins in ihren Gemeinden wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt machen.
Hanan den 19. Oktober 1903.
Der Königliche Landrat.
I. A.: Conrad, Kreissekreiär.
Gefundene und verlorene Gegenstiindc 2c.
Gefunden: 1 Paket Creme-Spitzen, I Biblische Geschichte, 1 Deutsches Lesebuch, 1 Uebungsbuch für den Unterricht der deutschen Sprache, 1 Rechenschule Heft I und 2 Schreibhefte.
Verl 0 ren: I schwarzer Atlssbeutel mit Stickerei, JL Portemonnaie mit 7 Mark Inhalt. ;
E n tlaufen: 1 deutsche wolfströmige Dogge m. Geschl. Hanau den 22. Oktober 1903.
Nus Stadt und Cand.
= Hana«, 22. Oktober.
Beamteupersonal-Nachrkchten.
Ernannt: der Pfarrer extr. Werner zum Pfarrer in Wippershain, Klasse Hersfeld.
Bestellt: der Pfarrer extr. Brauer zum Gehilfen des Metropolitans Heldmann in Oberweimar im Pfarramt.
Ueberlragen: dem Gestütroßarzte Fuchs zu Beberbeck vom 1. Oktober d. Z. ab die kommissarische Verwaltung der Kreistierarztstelle zu Fritzlar, dem Förster Gleim zu Altenbeken in der Oberförsterei Altenbeken, die Försterstelle zu Obernkirchen, in der Oberförsterei Obernkirchen, vorn 1. November 1903 ab.
Versetzt: der Gerichtsschreiber, Sekretär W e ß e l in Cor- bach an das Amtsgericht in Neustadt (Kreis Kirchhain), der Melioration-bauwart Aust von Oppeln nach Rinteln.
^gtuggtHtHHgHB^BKaaatKHn^ ■nmrMfrwMjwwf twwn^ faffung nicht unseren Beifall fand und : der Vortrag etwas überhastet erschien. Gut gesungen wurden auch „Jägers Lieb" von Dregert, „Abendfriede" von Kühnhold und das altdeutsche Volkslied „Der Jäger" von Billeter und erfreuten sich dankbarer Aufnahme.
Die Solisten des Abends waren Fräulein Lina Mayer, Pianistin aus Frankfurt a. M. und Herr Karl Fürstenberg (Tenor) Paris.
Fräulein Mayer entzückte durch verschiedene Klaviervorträge, durch die sie ihre schöne Technik und künstlerische Vortragsweise entfaltete. Vorzügliche Leistungen waren insbesondere „Toccaio" von Lesâetitzkv und „Spinnerlied" von Liszt. Die Aufnahme ihrer Stücke beim Publikum war eine fehr freundliche und äußerte sich.in wiederholtem Hervorruf. Fräulein Mayer spendete nach eine Zugabe.
Gesanglich-soltstisch war .Herr Fürstenberg tätig. Anfänglich schien uns die Stimme des Künstlers etwas fremdartig und wenig metallreich, später jedoch gefiel sie uns bedeutend bester und namentlich sprach uns der angenehme und weiche Klang beim piano, nnb mezzoforte unb die wohllautende Biegsamkeit an.
Die Vorträge gelangen recht gut bis auf eine Entgleisung in der Cavatine aus der Oper „Maraarethe" von Gounod. Ain besten gelang dem Künstler Massönns „Pensées d’au- tomne". Hier fühlte er sich in seinem Element. Das Publikum spendete ihm reichen Beifall, wofür er durch Zugaben dankte. Die Gesänge wurden von Fräulein May-r tadellos begleitet.
Albumblätter.
Willst du glücklich sein im ?eL r, 7:age bei zu andrer Glück, Denn die Freude, die wir geben, Kehrt ins eigne Herz zurück.
* *
Entlassen: der Gerichisaffessor Weiß aus dem Justiz- dienste infolge Zulassung zur Rechtsanwaltschaft bei dem Ober- landesgericht in Hamm.
Verliehen: dem Rentmeister Fuhrmans in Beuthen vom 1. Januar 1904 ab die Rentmeisterstelle bei der Königlichen Kreiskaffe zu Cassel.
* Der Landesausschutz hat in seiner Sitzung vom 1. d. M. beschlossen, für daS Jahr 1904 die Erhebung einer einfachen Viehseuchen-Abgabe für Pferde u. s. w. — 20 Pfg. für jedes Stück — und einer doppelten Abgabe für Rindvieh — 10 Pfg. für jedes Stück — anzuordnen. Zur Erhebung der doppelten Abgabe für Rindvieh ist die nach § 10 dieses Reglements erforderliche Genehmigung des Herrn Ober- präsidenten erteilt worden.
* Vom Manöver. Das „Amtsblatt" veröffentlicht folgendes: Der kommandierende General des 18. Armeekorps hat mich ersucht, für die gute Aufnahme der ihm unterstellten Truppen während der diesjährigen Herbstübungen den beteiligten Staats- und Kommunalbehörden, sowie den Gemeinden seinen Dank zu übermitteln. Ich bringe dies hiermit zur öffentlichen Kenntnis. Cassel am 13. Oktober 1903. Der Oberpräsident: von Windheim.
* Marktpreise. Im Monat September 1903 betrug in Hanau der Durchschnittspreis für 100 kg Weizen Mk. 15.88, Roggen Mk. 13.09, Gerste Mk. 14.92, Hafer Mk. 12.85, Erbsen (gelbe) zum Kochen Mk. 19.94, Speise- Bohnen ui)eine) Mk. 22.28, Linsen Mt. 25.—, Eßkartoffeln Mk. 4.69, Richtstroh Mk. 3.80, Krummstroh Mk. 3.30, Heu Mk. 6.30, Rindfleisch im Großhandel Mk. 122.56; Rindfleisch im Kleinhandel für i kg von der Keule Mk. 1.50, vom Bauche Mk. 1.25, Schweinefleisch Mk. 1.60, Kalbfleisch Mk. 1.35, Hammelfleisch Mk. 1.35, Speck (geräuchert) Mk, 2.-, Eßbutier Mk. 2.46, gieriges — 60 Stück 3.90 Mk.
* Ladenpreise. Im Monat September 1903 betrug in Hanau der Durchschnittspreis für 1 kg Mehl zur Speise- bereitung Weizen 32 Pfg., Roggen 24 Pfg., Gersten-Graupc 44 Pfg., -Grütze 42 Pfg., Buchweizengrütze — Pfg., Hafergrütze 44 Pfg., Hirse 37 Pfg., Reis Java (mittlerer) 39 Pfg., Kaffee, Java-, mittlerer (roh) 2 Mk. 50 Pfg., gelber (in gebrannten Bohnen) 2 Mk. 80 Pfg., Speisesalz 20 Pfg., Schweineschmalz 1 Mk. 50 Pfg.
* Auf dem Kartoffelmarkt zu Frankfurt a. M (Mainkai) sanierte gestern der Preis zwischen 4.70 und 4.80 Mark pro Malier.
* Der hiesige Sprechverkehr wird vom 25. ab auf Karlstadt und Hammelburg ausgedehnt werden. Sprech» gebühr: 50 Pfg.'
Die Mittelmäßigkeit Floriert zu jeder Zeit!
Sie weif; sich schlau zu schmiegen,
Sie weiß sich fein zu biegen,
Zn fremden Wunsch zu fügen,
Der Mehrheit zu genügen.
Indes ost das Talent noch ringt,
Daß endlich ein Erfolg gelingt,
Da macht sich längst schon breit —
Die Mittelmäßigkeit!
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Das ist der im Leben gefährlichste Stolz, der nicht aus eigener Wertschätzung, sondern aus fremder Geringschätzung hcrvorgtht. Grillparzer.
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Der Mensch ist verehrungSwürdig, der bett Posten, wo er steht, ganz aussüllt. Sei der Wirkungskreis noch so klein, er ist in seiner Ar? groß. Schiller.
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Die Rache ist eine Frucht wie viele andere, köstlich, ehe man sie bricht, bitter, wenn man sie gekostet.
Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.
Telegramm aus Hamburg vom 22. Oktober.
9 Uhr 40 Min.
Ein Maximum über 769 mm lag-.rt über Südosteuropa, Minima unter 745 mm lagern über d-e cnsch- See und nördlich von Schottland. In Demschlanb wehen meist schwache südliche bis westliche Winde, das Wetter ist meist wärmer, teilweise heiter, vielfach ist Regen gefallen.
Prognose für den 23. Oktober: Mildes, meist trübes, etwas windiges Wetter mit Regenfâllen wahrsLeinliâ.