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General-Anzeiger
Grdruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
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H
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Derantwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,
Fern pre i aus lnß Nr. 605.
Samstag den 22. Auaust
Fernsprechanschlnß Nr. 605»
1903
Amtliches
Stadtkreis Ran au»
Am Dienstag den 25. d. Mts., von 12—1 Uhr mittags, wird der kommissarische Gewerbe-Inspektor Dr» Schröder aus Fulda in einem Zimmer des hiesigen Standesamtes im Altstâdter Schloß den Arbeitgebern und Arbeitern Gelegenheit zu Besprechungen geben.
Hanau den 20. August 1903.
Königliche Polizei-Direktion.
P 6847 v. Beckerath.
Stadtkreis Banau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 15.—21. August 1903:
1 Schlosser,
1 Fahrbursche, 2 Sausburschen, 8 Taglöhner.
Hanau den 22. August 1903.
__Städtisches Arbeitsamt. 14632
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
. Gefunden: 1 roter Kinderschuh, 1 zehn Liter haltende Milchkanne, 1 schwarze Schürze, 1 weißes Taschentuch mit blauen und roten Streifen ohne Zeichen. ILnvalidenkarte für Anna Maria Gulmann aus Somborn, 2 Brillanten in Papier eingewickelt, 1 Photographie, 1 kleiner Hundemaulkorb.
Hanau den 22. August 1903.
Hus Stadt und £and»
Hanau, 22. August.
* Der Kaiser in Mainz. Für die militärischen Veran- stallungkn anläßlich des Kaiserbesuches ist am 22. d. M. eine Borparade vorgesehen. Die Truppenschau selbst weist folgendes Programm auf: 1. Exerzieren des Ulanenregiments Nr. 6, Beginn 8 Uhr 30 Min. vorm.; 2. Gefechtsübung der 41. Jnfanieriebrigade, des Infanterieregiments Nr. 117, der 13er Husaren (4 Eskadrons) und der Feldartillerieregimenter Nr. 27 und Nr. 63. Jedes Bataillon führt für das Gefecht 4 rote und 1 blaue Flagge, jede Eskadron 1 weiße und jede Batterie 1 gelbe Flagge; 3. der Vorbeimarsch bei der Parade ist in folgender Reihe festgesetzt: Fußtruppen, Kavallerie, Feldartillerie.
Feuilleton
Freischiitz-Anfführung.
— Hanau, 22. August.
Die schönen Weisen, welche Karl Maria von Weber zu der romantischen Waidmannsmär „Der Freischütz" ersonnen hat, erklangen auch bei der gestrigen Aufführung wie mit dem Zauber ewiger Jugend begabt und erwirkten bei dem ausverkauften Hause begeisterten Beifall. Es war bereits die vierte Vorstellung und noch zeigte sich keine Erlahmung des Interesses unseres kunstliebenden Publikums, während die Darsteller sich immer
mehr in ihre Rollen hineinleben und dadurch noch abgerundetere Vorstellungen als die ersten Aufführungen erzielen. Nach einstimmigem Urteile aller Kenner war die gestrige Vorstellung die beste, damit soll jedoch nicht gesagt sein, daß die vorhergehenden Veranlassung zu bemerkenswerter Kritik geboten hätten. Besonderes Interesse erregten namentlich auch gestern wieder die Vertreterinnen der beiden Haupt-Damenrollen. Die Besetzung derselben war die gleiche wie bei der ersten Aufführung am Samstag. Die Rolle der „Agathe" wurde von Frl. Elsbeth Meyer wahrhaft vorbildlich gegeben, es war in Gesang und Spiel eine Meisterleistung. Neben der völlig einwandsfreien gesanglichen Darbietung verdient das ruhige, vornehme Spiel volle Anerkennung. Die Rolle des „Aennchen" gab Frl. E. Hufnagel. Sie verkörperte in dem alten düsteren Försterhause gewissermaßen den Sonnenschein, dessen warmes helles Licht die Schreckgespenster der Nacht vergeffen läßt. Beiden Damen blieb der wohlverdiente Beifall nicht vorenthalten, der sich auch durch Ueberreickung sinniger Blumenspenden zu erkennen gab. Die Herren Leipold, Appel, Appunn, Schnell, Hahn, Geissel! und Gelhaar vervollständigten im Verein mit den übrigen Mitwirkenden das vortreffliche Ensemble. Die musikalische Leitung des Ganzen führte
Die Infanterie pflanzt das Seitengewehr auf. Der erste Vorbeimarsch der Kavallerie erfolgt im Schritt, falls ein zweiter Vorbeimarsch befohlen wird, im Trapp oder Galopp. Die Musikstücke werden den Regimentern vorgeschrieben. Die Fahnenkompagnie stellen die 116er, die Standarten-Eskadron die 6er Ulanen. Beim Eintreffen des Kaisers auf dem Sande präsentieren die Truppen regimenterweise. Dem Kaiser, dem Großherzog, der Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, dem kommandierenden General und allen sonstigen Vorgesetzten im Gefolge des Kaisers werden Frontrapporte überreicht. Der Kaiser rückt an der Spitze der Fahnenkompagnie in die Stadt. Auf dem Großen Sande werden zwei Sanitäts- und vier Wasserstationen errichtet. Die bestimmte Stunde, wann der Kaiser hier ankommt, steht noch nicht fest.
* Universitätsttuchrichten. Eine besondere Beilage zur gestrigen Nummer des „Reichs- und Staatsanzeigers" enthält ein Verzeichnis der im Wintersemester 1902/03 an den deutschen Universitäten erfolgten medizinischen Doktorpromo- tionen. Demnach verteilen sich dieselben auf die einzelnen Universitäten wie folgt: Berlin 45, Bonn 33, Breslau 15, Erlangen 14, Freiburg 29, Gießen 15, Göttingen 8, Greifswaid 41, Halle 26, Heidelberg 24, Jena 16, Kiel 62, Königsberg 28, Leipzig 98, Marburg 18, München 65, Rostock 20, Straßburg 38, Tübingen 17, Würzburg 19.
* Ortskrankenkasse. In der vorgestrigen Generalversammlung wurde den Statutenveränderungen im wesentlichen zugestimmt. Folgende Abweichungen wurden beschlossen: Statt den ursprünglich vorgeschlagenen 9 Klassen wurden 7 Klassen festgelegt. Das Sterbegeld wurde für die unterste Klasse auf 35 Mk. erhöht. Ferner wurde vorgeschrieben, daß bei einem Unfall die Krankenkasse die beteiligte Berufsgenofsen- schaft anfragen muß, ob sie der Kaffe das Krankengeld für die Zeit nach Ablauf der ersten 13 Wochen ersetzen will; wenn sich die Berufsgenoffenschaft dazu verpflichtet, muß dem Verunglückten das Krankengeld von der Kasse auch über die
13. Woche hinaus bezahlt werden. Schließlich wurde der Vorstand aufgefordert, der nächsten Generalversammlung eine Vorlage zu machen, nach welcher das Statut dahin abgeändert werden soll, daß die Beiträge, die bekanntlich jetzt auf Grund des Markensystems jede Woche auf der Kasse entrichtet werden müssen, durch einen Erheber aus der Wohnung des Zahlungspflichtigen abgeholt werden. Dagegen wurde der Antrag abgelehnt, daß den weiblichen Mitgliedern, welche der Kasse länger als 1 Jahr angehören, im Falle einer Niederkunft eine Hebamme gestellt werde.
* Sprechstunde des Gewerbe-Inspektors. Der kommissarische Gewerbe-Inspektor Dr. S ch r ö d e r zu Fulda wird am Dienstag den 25. d. Mts., von 12—1 Uhr mittags, in einem Zimmer des hiesigen Standesamts im
wiederum in bewährter Weise Herr Wilh. Hamburger durch, der komplizierte szenische Apperat funktionierte außerordentlich gut. Der uneingeweihte Besucher wird es sicherlich nicht für möglich halten, ausschließlich Dilettanten vor sich zu haben, und so werden die jetzigen Aufführungen des „Freischütz" tatsächlich einen bemerkenswerten Abschnitt unserer heimischen Kunstgeschichte bilden.
Ueber Wilhelmshöhe, das „Paradies des Hcsseiilaildcs",
das auch in diesem Jahre, wie früher schon mehrfach, der kaiserlichen Familie als Sommeraufenthalt dient, wirb dem „Hann. C." folgender Artikel zur Verfügung gestellt:
" Wohl wenige Gegenden unseres Vaterlandes sind so geeignet zur Erholung und zur Stärkung der Nerven, wie das Schloß am Habichtswalde. Die von der Natur gebotenen, von der Kunst vermehrten vielseitigen landschaftlichen Reize, die kostbare, reine Waldlnft, die stundenweiten Spaziergänge in alten Waldbeständen, die wunderbare Ruhe, die fern von industriellen Betrieben, vom Geräusche der Stadt in den großartigen Garten- und Parkanlagen herrscht, üben einen wohltuenden Einfluß auf Körper und Geist.
Nicht auf einmal sind diese Anlagen — die größten dieser Art auf deutscher Erde, entstanden. Im 13. Jahrhundert stand da, wo jetzt der Prachtbau des Schlosses sich erhebt, ein Nugustinerkloster, das von einem nahen Kalkstcinfelseu den Namen „Weißenstein" trug. Um die Mitte des 15. Jahrhunderts brannte das Kloster ab; nur ein Teil wurde von den Mönchen wieder bezogen. 70 Jahre später ließ Landgraf Philipp der Großmütige das Kloster aufheben und die noch brauchbaren Gebäude zu einem Jagdschlösse einrichten (1527). Landgraf Moritz erbaute 1606 an Stelle des baufällig gewordenen Jagdschlosses ein Lustschloß mit weiten Anlagen; der dreißigjährige Krieg brachte indes auch über den „Weißen
Die heutige Nummer umfaßt auszer dem Mttexhattungshlatt 14 Seiten.
Altstädter Schloß den Arbeitgebern und Arbeitnehmern Gelegenheit zu Besprechungen geben.
* Evangelisches Vereinshaus. Bei günstige Witterung macht morgen nachmittag die Sonnlagsschule des coangel. Vereinshauses ihren Ausflug in den Bruchköbler Wald. Der Abmarsch erfolgt um 3 Uhr vom Vereinshause aus. Der übliche Abendaottesdienst fällt infolge dessen morgen aus.
„ * Freischütz-Ausführungen. Morgen findet zu ermäßigten Preisen eine Aufführung der so außerordentlich beifällig aufgenommenen Oper „Freischütz" statt und am Dienstag wird diese sodann zum letzten Male zur Aufführung gelangen.
* Sommertheater auf Beck's Felsenkeller. Morgen Sonntag finden zwei Vorstellungen statt, nachmittags und abends. Für die nachmittags vor sich gehende Volks- und Kindervorstellung ist vorgesehen das drciaktige Märchen „Das Zauberschloß", zum Schluß die komische Pantomime „Ein Frühstück mit Hindernissen". Die Abend Vorstellung bietet das Singspiel „Ein Berliner im bayerischen Hochgebirge" oder „Das Versprechen hinterm Herd", zum Schluß den einaktigen Schwank „Ein moderner Raubritter".
* In der Brauerei Dörr nehmen von morgen an die allsonntäglichen Unterhaltungsabende wieder ihren Anfang. Morgen tritt das noch in bestem Andenken stehende 1. Frankfurter Humoristen-Quartett auf und stehen den Besuchern sicherlich einige amüsante Stunden in Aussicht.
* Parolemusik. Die Jnfanteriekapelle spielt morgen mittag im Schloßpark folgende Stücke: 1) „Vorwärtsmarsch", Marsch von Menzel; 2) Ouvertüre z. Op. „Zampa" von Herold; 3) „La bella Lolita“, Walzer von Morena; 4) Steuermannslied und Matrosenchor aus „Der fliegende Holländer" von R. Wagner; 5) Ungarischer Tanz (Czardas) a. d. Ballet „Coppelia" von Delibes.
* Tanzkränzcheu. Der Metzgergesellenverein Hanau begeht morgen nachmittag von 4 Uhr an im „Schwanensaal" zu Kesselstadt ein Tanzkränzchen, worauf wir empfehlend hinweisen.
* Das Sommcrseft des Hanauer Lokomotiv- sührervereins findet, wie aus dem Inseratenteil ersichtlich im schattigen Garten des Restaurants „Zur Stadt Bremen" statt. Bei ungünstiger Witterung wird das Fest im Saale abgehalten.
* Turngemeinde. Morgen am 23. August sind es 40 Jahre her, daß der Turngemeinde die von Frauen und Jungfrauen Hanau's gestiftete zweite Fahne überreicht wurde. Diesen Gedenktag in einfacher würdiger Weise zu begehen, findet heute abend im kleinen Saale des Vereinshauses eine gesellige Vereinigung der Mitglieder statt, wozu auch Freunde eingesübrt werden können.
* Verband der kath. Jünglingsverelue des Maingaues. Morgen Sonntag den 23. August begeht der
stein" das Verderben. Erst dem Landgrafeir Karl (1677) bis 1730) war es vorbehalten, den Grund zu den bewundernswerten Bauten in dem Parke zu legen. Er ließ das Lustschloß einigermaßen wieder Herstellen und von hervorragenden Baumeistern und Künstlern Pläne ausarbeiten. 1701 wurde mit dem Bau des Riesenschlosses auf der Höhe des nach ihm benannten Karlsberges, sowie mit der Herstellung der Kaskaden begonnen — Werke, die noch heute durch die Kühnheit und Gediegenheit der Ausführung Staunen erregen. Geldnot und der Siebenjährige Krieg hinderten die weitere Ausführung der Pläne.
Nach dem Frieden von Hubertusburg kehrten auch im Hessenlande wieder Ruhe und Erwerbstätigkeit ein; die landgräflichen Kassen füllten sich wieder, so daß Landgraf Friedrich II. (1760 bis 1785) an die Verwirklichung der Pläne Karls schreiten konnte. Er vermehrte die Hofhaltungsgebäude, schmückte den Waid mit Grotten, tempelartigen Gebäuden und Teichen, erbaute das chinesische Dorf „Mulang" und die große Fontaine, und ließ die schöne, schnurgerade Lindenallee von Kassel bis zum Fuße des Berges anlegen. Sein Nachfolger Wilhelm II., von 1803 ab Kurfürst Wilhelm L, ein Fürst, in dem der Sinn für Natur mit dem edelsten Kunstgeschmacke sich vereinigte, hatte keinen Gefallen an dem einfachen Lustschlosse. Er ließ von namhaften Künstlern und Architekten (z. B. Dury, Jussow, Steinhöfer u. a.) neue Pläne anfertigrn und schritt 1787 zum Neubau; 1798 war dieser fertig. Gleichzeitig war er aber auch unermüdlich tätig an der Ausbildung der Anlagen. Unter ihm entstanden die Löwenburg, der Steinhofersche Wasserfall, der Aquädukt, die Teufelsbrücke, sowie eine Menge kleinerer Baulichkeiten. Sein Nachfolger Wilhelm II., beendete dann schließlich das Werk. Von Wilhelm I. erhielt das den Namen Wilhelmshöhe.
Das auf einem vorspringenden Hügel des Hamchtswalse^ von weitem sichtbare Schloß bestand ursprünglich aus einem Hauptgebäude und zwei durch bedeckte Galerien mit ihm zusammenhängenden Flügelpavillons. Kurfürst Wilhelm II» ließ