KrilM m Nr 118 des „Imrigrr“.
Freitag den 22. Mai 1903.
VolètUckr Rundschau.
Im nächstjährigen preußischen Staatshaus- haltseLat werden auch die Betriebseinnahmen und Ausgaben der neu verstaatlichten Eisenbahnen aufgeführt werden müssen. Bei den ersten, in die gewöhnlichen Fristen fallenden Vorarbeiten für den Staatshaushaltsetat auf 1904 werden die betreffenden Verhältnisse allerdings noch keine Berücksichtigung erfahren. Der Minister Ler öffentlichen Arbeiten beabsichtigt nämlich im Hinblick darauf, daß die neu erworbenen Bahnen Marienburg—Mlawka, Altdamm—Kolberg,Stargard—Küstrin, Kiel— Eckernförde—Flensburg, Dortmund—Gronau—Enschede, sowie Ostpreußische Südbahn sich vom Staate vor dem 1. Juli d. I. nicht übernehmen lassen, über die Betriebseinnahmen und »Ausgaben dieser Bahnen für 1904 von den beteiligten EisenLahndirektionen demnächst besondere Nachtragsetais einzufordern. Bei der Aufstellung der von sämtlichen Eisenbahndirektionen zu den Vorgeschriebenen Terminen einzureichenden Etatsarbeiten für 1904 wird deshalb auf die neuerworbenen Bahnen und die dadurch entstehenden Ab- und Zugänge bei den Verkehrseinnahmen und Wagenmieten, für bisherige Gemeinschaftsstationen bei den Beamtenstellen usw. keine Rücksicht genommen, sondern die Veranschlagung lediglich für die sonstigen StaatSbahnen durchgeführt werden.
Expräsideut Krüger in Paris. Nach einstündigem Aufenthalt verließ der frühere Transvaalpräsident Krüger Paris und begab sich nach Hilversum; er kündigte einen längeren Pariser Besuch für den nächsten Winter an.
Chamberlains Handelspolitik. Der Schutzzöllner Sir Howard Vincent kündigt die Absicht an, demnächst im Unterhause zu beantragen, das Haus möge sich mit der von Chamberlain in der Birminghamer Rede dargelegten Reichshandelspolitik einverstanden erklären. Der in der Regel gut informierte parlamentarische Berichterstatter der „Dailly News" behauptet, Chamberlains neues Programm habe wenig Aussicht auf Verwirklichung, da es nicht die Unterstützung der ganzen unionistischen Partei findet. Die jüngeren Tories und solche Unionisten, die Städte vertreten, seien entschieden dagegen, weil es nur angetan sei, der Nation neue Geldopfer aufzuerlegen. Die liberale Partei würde den Schutzzoll, wenn er zum Schibboleth der nächsten Unterhauswahlen gemacht werde, auf das entschlossenste bekämpfen.
Der Kaiser von Rußland verlieh durch ein Handschreiben dem General Bogdanowitsch für dessen auf- klärende Tätigkeit durch Verbreitung religiös-sittlicher und patriotischer Schriften den Alexander-Newski-Orden. Der bisherige Chef der dritten ostsibirischen Schützenbrigade, Generalleutnant v. Stößel, unter bessert Führung Teile deutscher Truppen in China fochten, wurde zum Chef der zweiten Infanteriedivision in Arest-Litowsk und Generalmajor Wo hak, Militärattaches in Peking, unter Belassung in dieser Stellung zum General L la suite des Zaren ernannt.
Rußland in der Mandschurei. Nach einer Privatmeldung ans Petersburg gab Graf Lamsdorff durch Vermittelung des Ersten Sektionschefs Hartwig neuerlich beruhigende Mitteilungen über die bevorstehende Räumung der Provinz Kirin, des einzigen noch von Rußland okkupierten mandschurischen Gebietes. Die Mächte sollten sich höchstens vier Wochen gedulden, dann würden sie auf das angenehmste überrascht sein durch die wertvollen kommerziellen Vorteile, welche die Einbeziehung der Mandschurei in den Welthandels für alle Staaten, die die neue Situation auszunützen vermöchten, mit sich bringen werde. Der russische Gesandte in Peking, Lessar, jMISlWBaMmMWMtUIIIIMMMMWMMM1—■■^^1
Kleines Feuilleton.
* Vom Frankfurter Gesangwettstreit. Immer näher rückt der auf Befehl und in Gegenwart beâ Kaisers stattsindende zweite Gesangwettstreit deutscher Männergesangvereine. Ein hervorragendes Interesse beansprucht und verdient, wie der Preßausschuß mitteilt, die nach den Entwürfen und Zeichnungen des Stadtbauinspektors Regierungsbaumeisters Karl "Wilde errichtete Fe st halle. Die Architektur derselben ist "in gemäßigten modernen Formen in Anlehnung an klassische Vorbilder gehalten und bietet in ihrem satten Farbenschmuck inmitten der von dem städtischen Garierdirekior Heicke geschaffenen gärtnerischen Anlagen ein ungemein anheimelndes festliches Bild. Tratz der stattlichen Frontentwickelung von 110 Metern läßt aber das Aeußere nicht annähernd die überwältigende Wirkung des freien Jnnenraumes vermuten, dessen Abmessungen bei 22 Meter lichter Jnnenhöhe 74 Meter in der Länge und 47 Meter in der Breite betragen. Schon im äußeren Aufbau wird die stattliche Raumgruppe der kaiserlichen Gemächer durch den 35 Meter hohen Turm charakterisiert. Ein großräumiges Treppenhaus vermittelt den Zugang zu dem imposanten Empfangssaal des Kaiserpaares; dieser Saal übt mit seinem prachtvollen Portalschmuck, den mit rotem Samt und Brokat bespannten Wänden, welche kostbare Gemawe aus Frankfurter Patrizierbesitz schmücken, den herrlichen Möbeln aus ebensolchem Besitz, den Statuen, Perserteppichen antiken Spiegeln in geschnitzter und vergoldeter Fassung, den kostbaren Beleuchtungskörpern und Konsoltischen eine wahrhaft vornehme Wirkung aus. Zu beiden Seiten des Empfangssaales schließen sich in ähnlicher Ausstattung nur in anderem Kolorit, die Privatgemächer' des Kaiserpaares und die Salons für die Ehrengäste, die Preisrichter und das Gefolge an. Die Loge des Kaiserpaares ist mit einem taubengrauen in breiter Goldborte gefaßten Wandstoff be
erwarte, um seinen Pekinger diplomatischen Kollegen den Be- ! ginn dieser kulturellen Errungenschaften anzukündigen, nur die j Erfüllung einiger Formalitäten von chinesischer Seite. Weder Amerika noch Japan noch irgend eine andere Macht würden nach Bekanntgabe des kommerziellen Verkehrsreglements ju Reklamationen Anlaß haben. Allerdings könnten weder den Vereinigten Staaten noch Japan — die russisch-japanischen Friktionen seien, nebenbei bemerkt, stark übertrieben worden — Sonderrechte in der Mandschurei eingeräumt werden, alles komme auf die Befähigung der konkurrierenden Staaten an, ihrem Import die besten Bedingungen zu sichern. Daß eine russische Privatgesellschaft, welche der Sicherheit wegen über eine Anzahl ausgedienter russischer und chinesischer Soldaten verfüge, sich bereits längs des I)alu festgesetzt habe, könne der russischen Regierung, welche so große Opfer gebracht habe, niemand übelnehmen.
Die Valkanwirren. Die Art der Bildung des bulgarischen Kabinetts überraschte in Konstantinopel, folgert aber, daß die Zusammensetzung des Ministeriums eine konsequente Führung der Politik gewährleistet, die auch den Gefahren der maeedonischen Bewegung ausweiche. Die neuesten vertrauenswürdigen, aber noch der Bestätigung bedürfenden Nachrichten besagen, daß der Befehl zum Truppenvormarsch gegen den noch in Opposition befindlichen Teil der Albanesen, welcher sich gegen die Höhen von Koprivnik zurückgezogen hat, rückgängig gemacht sei, weil diese Albanesen das Kloster Detschaui besetzt halten und dasselbe, falls die Truppen vorrücken, zu zerstören drohen. Daher gingen, wie verlautet, die Truppen nach dem Lager in Babait-Loces oder Debabat zurück. Die Unterbrechung in dem Vorgehen der Truppen soll der Rest der albanesischen Opposition benutzen, um bei den noch schwankenden Stämmen Verstärkungen anzuwerben.
Die Wirren in Marokko. Die „Köln. Zig." meldet aus Madrid: Mullah Amrani hat sich von Tanger nach Tetuan begeben, um zu versuchen, Frieden zu stiften. Die Stadt Arsila ist neuerdings bedroht.
Gegen die übertriebene Spekulation. Max Fadden u. Co., die größten Baumwollhändler der Welt, und Sully, der ehemalige Führer der Haussiers, haben sich an die Spitze einer Bewegung inNewyork ansässiger Spekulanten gestellt, um die übertriebene Baumwollspekulation durch Forderung von Sicherheitsdepositen zu verhindern. Dies bedeutet, daß Barzahlungen gefordert werden sollen für jeden noch ausstehenden Kontrakt, und ebenso sür diejenigen, die nach diesem . Zeitpunkt abgeschlossen werden. Die Bewegung soll dem Handel eine bessere finanzielle Grundlage schaffen.
Die kanadische Regierung wird die Zeit, innerhalb welcher in Deutschland vor dem 16. April gekaufte Waren ohne Zuschlagszoll in Kanada eingesührt werden dürfen, bis zum 30. September ausdehnen.
Präsident Castro bildete ein neues Kabinett aus einigen seiner eigenen Anhänger und einigen Anhängern des Generals Hernandez. Das Kabinett ist in folgender Weise zusammengesetzt: Auswärtige Angelegenheiten Urbanejo, Inneres Baldo, Finanzen C. de Castro, Handel General Arrica, Heer und Marine General Garcia Gomez.
Aus Transvaal. Bei der Eröffnung der gesetzgebenden Versammlung von Transvaal berichtete der Gouverneur Sir Arthur Lawley über die Verzögerung in der Entwicklung des Minenbetriebes, die auf den Mangel an Arbeitskräften zurückzuführen sei. Die Regierung sei nicht gewillt, die Rolle eines Parteigängers zu übernehmen. Ihre Pflicht sei, die Bürger entscheiden zu lassen. Mangels statistischer Angaben könne
spannt; den Plafond schmückt ein antikes Deckengemälde. In der Loge sind außer den Sesseln für die kaiserlichen Herrschaften wiederum kostbare antike Konsoltische zur Aufnahme der Ehrenpreise aufgestellt. Die Loge wird flankiert von zwei hoheitsvollen weiblichen Jdealgestalten, die zart getönt sind und goldenen Lorbeer und Siegespalmen tragen. Ueberspannt ist die Loge nach dem Saal zu von einem mit der Kaiserkrone, Straußenfederbüscheln ittib goldgestickten Lambrequins geschmückten purpurfarbenen Baldachin. Eine doppelseitig angelegte Treppe führt in den Saal hinab. Die gesamte Gruppe der Kaiserloge und der angrenzenden Logen der Preisrichter und Ehrengäste ist in einem architektonischen, durch gärtnerische Ausschmückung belebten Rahmen zu einem überaus imposanten Gesamtbild vereinigt. Die Giebelseiten der Halle schmücken zwei 20 Meter lange, 7 Meter hohe Fenster, die in sehr glücklicher Imitation von Glasmalerei mit ihrer dezenten Symbolik dem Raume eine stimmungsvolle Weihe^ verleihen. Gegenüber der Kaiserloge befindet sich das für 1700 Sänger und 120 Musiker Platz bietende Podium; dahinter liegt die Schallmuschel, umrahmt von einem kolossalen Lorbeerstab mit vergoldeten Rosen; darüber eine 7 Meter hohe Gruppe in Flachrelief, Apollo, Gesang und Poesie verkörpernd, die sich scheinbar auf lichtblauem Himmelsgrunde erhebt. Riesenhafte Jlexfestons mit weißen Rosen und gewaltige Kränze, in denen Bogenlampen Früchten gleich schweben, im Zusammenhang mit prachtvollen Teppichen, die sowohl die Schallmuschel als auch die Logenbrüftungen schmücken, geben dem gigantischen Raum eine wahrhaft großartige Wirkung, die in ihrer Gesammtstimmung jedermann ergreifen muß. Hocherfreulich ist es, daß sich die Akustik dieses Rieseuraumes bei der ersten am Sonntag stattgefundenen Probe zur Genugtuung aller Beteiligten als ausgezeichnet erwiesen hat, sodaß man wohl sagen darf, daß hier eine Stätte für den deutschen Männergesang geschaffen ist, das vorbildlich wirken wird und vor allem zeigt, welch hohen Wert Frankfurt auf den Besuch des Kaiserpaares legt. Entwurf und Ausführung dieses fest
er den Prozentsatz der beschäftigten Eingeborenen nicht mitteilen. Die Mißernte dürfte die Eröffnung von Lebensmittellagern zum Verkauf an Eingeborene nötig machen.
Standesamt der Stadt Hana«.
Verzeichnis
der in der Zeit von 14. Mai bis 20. Mai vorgekommenen
Aufgebote.
Am 15. Mai. Franz Joseph Ludwig Kressebuchj Silberarbeiter dahier, mit Marie Margaretha Well dahier. 15. August Heinrich Schäffer, Kontorist in Völklingen, mit Marie Louise Raine in Genf. 16. Heinrich Freyer, Schuhmacher dahier, mit Margarethe Wagner dahier. 19. Ludwig Drillig, Fabrikarbeiter dahier, mit Anna Margarethe Kohlhepp dahier. 19. Johann Friedrich Lindner, Bierbrauer dahier, mit Emma Weinrich dahier. 20. Alexander Fuchs, Taglöhuer in Herolz, mit Franziska Theresia Rüenbrink daselbst.
Eheschließungen.
Am 16. Mai. Paul Kleist, Postassistent in Gehren, mit Elisabeth Meißner dahier. 16. Wilhelm Reul, Etuismacher dahier, mit Louise Orth dahier. 16. August Engel, Kutscher dahier, mit Maria Berthold dahier. 16. Johann Röder, Maschinist dahier, Witwer, mit Katharina Röder dahier. 18. Johannes Keutel, Hilfsbahnwärter in Bruchköbel, mit Anna Stadler dahier. 19. Christian L e i s Gärtner dahier, mit Elisabetha T r a x e l dahier. 20. Georg Greß, praktischer Arzt in Ziegelhausen bei Heidelberg, mit Auguste Kling dahier.
Geburten.
Am 9. Mai. Harold Wolfram Emil, S. des Friseurs Harold Kauffmann. 12. Christoph Heinrich Philipp, S. des Taglöhners Christoph Schmidt. 13. Karl Wilhelm Heinrich, S. des Weichenstellers Heinrich Grauel. 13. Wilhelm August, S. des Hauptsteueramtsdieners Augustin Hummel. 14. Heinz Otto, S. des Kaufmanns Otto Bernges. 14. Johann Friedrich Karl, S. des Lehrers Peter Gondrum. 15. Gertrud Mathilde Marie, T. des Landgerichtsrats Hubert Gieberich. 15. Heinrich, S. des Goldarbeiters Johann Kraft. 15. Sinnet . Auguste, T. des Fabrikarbeiters Johann Lörch. 16. August Heinrich, S. des Lokomotivführers Adolf Thomas. 17. Friedrich Wilhelm Jean, S. des Kaufmanns Wilhelm Zeh. 18. Ungen. S. des Schlossers Heinrich Krämer. 19. Frieda, T. des Goldarbeiters Karl Schmidt. 20. Ludwig, S. des Fabrikarbeiters Bonaventura Kolb.
Todesfälle.
Am 16. Mai. Johannes Adam Fürst, Milchhändler dahier, alt 71 I. 17. Ehefrau des Weißbinders Johannes Coy in Heldenbergen, Marie Margarethe geb. Bisdorf, alt 36 I. 17. Heinrich Kratz, Obsthändler dahier, Witwer, alt' 76 I. 18. Georg Behl, Weißbinder in Fechenheim, alt 22 J. 18. Johann Reinhard Schauberger, Landwirt von Niederzell, alt 55 J. 20. Frieda, T. des Goldarbeiters Karl Schmidt dahier, alt 1 T. 20. Kaspar Oberle, Taglöhner von Langendiebach, ledig, alt 67 I.
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lichen Jnnenraumes ist ein gemeinsames Werk des Architekten Stadtrat Wilhelm Hanau und Stadtbauinspektor Karl Wilde.
Kräftige Enthusiastinnen. Ein ungewöhnliches Beispiel dafür, wie in der Begeisterung die Kräfte wachsen, ist ein Vorgang, der sich beim -Musikfest in Stuttgart ab- spielte. Als der gefeierte Festdirigent, Generalmusikdirektor Fritz Steinbach aus Köln, während der Pause in den Neben- jaal trat, in dem sich die am Chorgesang beteiligten Damen aufhielten, eilten einige beherzte Sängerinnen auf ihn zu, hoben den in doppeltem Sinne „großen" Kapellmeister, der ein ungewöhnliches Körpergewicht hat, mit vereinten Kräften in die Höhe und trugen ihn im Triumphe durch den Saal — eine Leistung, die nicht nur von der außerordentlichen Begeisterung, sondern auch von der athletischen Stärke der schwäbischen Damen beredte Kunde gibt. Außer Stuttgarterinnen sollen noch Kannstatterinnen und Ludwigsburgerinnen an diesem kühnen Schwaben- oder richtiger Schwäbinnenstreiche beteiligt gewesen sein.
Vom großen Los der letzten preußischen Klaffenlotterie wird in Ergänzung unserer kürzlichen Mitteilung noch gemeldet, daß der Riesengewinn tatsächlich nur armen Leuten in den Schoß gefallen ist. Ein Viertel blieb in Neuß, ein Viertel wurde von einem Lotterieverein in Heiligenhaus und ein Viertel in Neuwied gespielt, während das letzte Viertel Handwerkern, Arbeitern und kleinen Beamten in Köln eine willkommene Pfingstfreude bereitet hat.
Albumblätter.
Was ist das Leben, wenn die Ehre fehlt, Wenn man dem Mann die eigne Achtung raubt Und ihn zum Vorwurf für sich selber macht? — Genommen hast du ihm jedweden Wert, Des Geistes Würde und der Seele Flug!
Wenn du dem Aar die Schwingen abgebrochen, Muß er im Staube der Gemeinheit kriechen, Der von der Erde sich zum Himmel hob. Max Ring.