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General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Stadt- und FandKreis Kam«

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

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Für Stadt- und Landkreis Hanan 10 Pfg. die fünf» gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Ncklamcntheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: <8. Schrecker in Hanau,

Nr. 166

Fernspreckmscklnß Nr. 605»

Montag den 20. Juli

Fernsprechanschluß Nr. 605

1903

Hue Stadt und £and.

Sana«, 20. Juli.

* Die Bibelfttmde im Attstädter Hospital fällt für heute abend aus.

Professor Dr. Suchier. Am heutigen Tage feiert Herr Professor Dr. Suchier, der seit 1872 Mitglied und seit 1889 Vorsitzender des Vorstandes vom hiesigen Geschichts­verein ist, in voller Rüstigkeit und Lebensfrische den 80. Geburtstag. Herr Professor Dr. Suchier hat dem Ge­schichtsverein wertvolle Dienste geleistet, weshalb sich der Vor­stand des Vereins für verpflichtet erachtete, ihm ein Zeichen seiner Aufmerksamkeit dadurch zu geben, daß er zu dem Fest­tage seines Vorsitzenden eine photographische Aufnahme des Gesamtvorstandes, ausgenommen im Sitzungszimmer, anfertigen ließ und diese ihm am Sonntag den 12. Juli überreichte, weil Herr Professor Dr. Suchier jetzt verreist ist. Möge eS dem bescheidenen Gelehrten vergönnt sein, noch manche Jahre mit seiner Gattin in gleicher Rüstigkeit an verleben.

* Jubiläum. Heute sind es 30 Jahre, daß Herr Konrad Friedrich bei der Firma Ritter u. Neymann als Schmelzer tätig ist.

* Abonuemeuts-Konzert. Wie aus der heutigen Annonce ersichtlich, findet morgen imDeutschen Haus" das 1. Anonuementskonzert statt und hat hierfür Herr Musik­dirigent Urbach ein vorzügliches Programm gewählt. Die Liste weist eine stattliche Abonnentenzahl auf und wird es so­mit auch an einem guten Besuch nicht fehlen. Bei ungünstiger Witterung wird das Konzert in dem neu hergerichteten Saal, unter Benutzung der Glashalle im Garten, abgehalten.

* * Bauerukirchweih der Karnevalgesellschaft. Bei der bekannten Vorliebe der Städter für die Kirchweihfeste konnte es nicht fehlen, daß gestern dieBauernkerb" der Karnevalgesellschaft einen derart enormen Besuch aufwieS, daß die Räumlichkeiten desDeutschen Hauses" für die Aufnahme der Kerbbefucher kaum ausreichten. Am Nachmittag wurden die Mitglieder des Preisrichterkollegiums für die mit der Kerb verbundene landwirtschaftliche Ausstellung einige sehr gewichtige Persönlichkeiten mit dem Erntewagen am West­bahnhof empfangen und mit gebührenden Ehren zum Kirch­weihfest geleitet. Daselbst war die landwirtschaftliche Ausstel­lung sehr reichlich beschickt, die Mastvieh-Ausstellung umfaßte Borsten-, Horn-, Feder- und anderes Vieh, und machte umso­mehr Spaß, als das meiste davon in der Verlosung von den Besuchern gewonnen wurde. Aus der Prämiierung gingen die Aussteller Firma W. Koch Sohn, Albach und Oekonom Hofmann als Sieger hervor. Selbstverständlich bot die Kerb der Karnevalisten auch sonst nach jeder Richtung hin für Jung und Alt Vergnügen in Hülle und Fülle und im neu renovierten Saal wurde das Tanzbein geschwungen bisPe- terâtag", d. h. bis die Kerb beendigt war.

§ Fahrreuweihfest. Unter zahlreicher Beteiligung hiesiger und auswärtiger Vereine beging der Bäckerver­einFrüh Auf" gestern das Fest der Weihe seiner Fahne in würdiger, der Bedeutung dieses Festes durchaus entsprechen­der Weise. Zu der akademischen Feier am Vormittag hatten sich die Vertreter verschiedener Vereine, zahlreiche Meister sowie viele Freunde des festgebenden Vereins im Saale des,Deutschen Hauses zusammengefunden. Der GesangvereinGermania" unter Leitung seines Dirigenten Herrn Lehrer Wagner leitete den Weiheakt ein durch einen vorzüglich zu Gehör gebrachten Chor­gesang, worauf der Vorsitzende des Bäckervereins, Früh Auf^ Herr Kretz ler im Namen seines Vereins die Erschienenen herzlich begrüßte. Seine die Bedeutung des Tages hervorhebende An­sprache schloß mit einem Hoch auf Se. Majestät den deutschen Kaiser, in das die Anwesenden begeistert einstimmten und hier­an anschließend die Nationalhymne stehend sangen. Nun öffnete sich der Vorhang und inmitten eines prachtvollen Gruppen­bildes zeigte sich die prachtvolle, von der hiesigen Kunststickerei Lieber wirklich künstlerisch ausgeführte neue Fahne den Augen des Beschauers. Mit innigem Dank an alle, die durch tat­kräftige Hilfe so eifrig beigetragen zur Verwirklichung des heißen Wunsches aller Vereinsmitglieder nach dem Besitze einer Fahne und mit der Mahnung an letztere, nun dieses äußere Zeichen der Zusammengehörigkeit auch allezeit hoch zu halten, übergab er die Fahne an den Fahnenträger Herrn Strohschnitter, der sie mit der Versicherung treuer Obhut in Empfang nahm. In die nun zum Durchbruch kommende gehobene Stimmung tönten die munteren Klänge der Musik, bis Herr Jünger als Vertreter der hiesigen Bäckerinnung das Podium betrat, um unter Dar­bringung der herzlichsten Glückwünsche als Zeichen des fried­lichen Einvernehmens zwischen Meistern und Gesellen einen Fahnennagel zu überreichen. Weiterhin wurden noch überreicht vom GesangvereinGermania", vom Metzgergesellenverein, vom AthletenklubGermania", vom Hanauer Sängerquartett, vom Wiesbader Däckergehilfenverein und vom BâckerklubEinig­

keit"-Darmstadt je eine Fahnenschleife, vom hiesigen Verein Einigkeit" ein Fahnennagel; außerdemam Nachmittage auf dem Festplatz vom BäckergesangvereinLiederblüthe"-Frankfurt und vom BäckergehilfenvereinGermania"-Offenbach je eine Fahnenschleife. Um 3 Uhr bewegte sich vomDeutschen Haus" aus der hübsche Festzug durch die sahnengeschmückten Straßen der Stadt nach demKaiserhof". Die Sonne dämpfte in zarter Rücksicht wohl auf die Festzugs­teilnehmer die Glut ihrer Strahlen in wohltuender Weise, hierdurch manchen mit innerer Dankbarkeit, aber auch viele mit banger Sorge erfüllend, ob dies nicht den Anfang eines gänzlichen Rückzugs ihrerseits und einen zu erwartenden Sieg des düsteren Herrn Jupiter Plu- vius bedeutet. Glücklicherweise traf dies nicht zu. Der Himmel bewahrte sein freundliches Gesicht bis zum Schlüsse und blickte während des ganzen Tages milde lächelnd auf das lustige Treiben herab, das sich im Garten desKaiserhofes" entwickelte, nachdem der Festzug eingezogen und die offizielle Begrüßung seitens des Festvereinspräsidenten sowie die bereits oben erwähnten weiteren Geschenk-Ueberreichnngen erfolgt waren. Es war ein Volksfest im besten Sinne des Wortes. Amüsement und Unterhaltung in Hülle und Fülle; die Dar­bietungen des GesangvereinsGermania" wechselten ab mit den munteren Weisen der Centnerschen Kapelle, ein Karussell und eine amerikanische Luftschaukel sorgten für die nötige Be­lustigung, und wer noch Courage hatte, ein Tänzchen zu riskieren, dem war auch hierzu unter Gottes freiem Himmel Gelegenheit gegeben. Dazu das farbenfrohe hübsche Bild, das die verschiedenen Vereine in ihren schneidigenAmtsgala­uniformen" in Verbindung mit dem duftigen hellur Damenflor dem Auge boten, der angenehme Aufenthalt unter grünen Bäumen oder in gedeckten Hallen und last not least der vor­züglicheStoff", wirklich, man konnte zufrieden sein.

ImKaiferhof" werden sich heute abend von 7 Uhr ab die Besucher im Anschluß an das gestrige Fahnenweih­fest des BäckervereinsFrüh Auf!" bei Konzert, Gesangs­vorträgen und Tanz recht gut unterhalten. Der Garten wird bei anbrechender Dunkelheit prächtig illuminiert, was jedenfalls einen vorzüglichen Rahmen zu dem effektvollen Feuerwerk bieten dürfte, das außerdem zur Abbrennung gelangt.

* Gartenfest. In dem gemütlichen Gärtchen des RestaurantsStadt Bremen" hält morgen Dienslag der Ge­sangvereinSumser" ein Gartenfest ab, zu welchem Freunde des Vereins willkommen sind. Gesangs- und Mnsikoorlräge werden zu einer guten Unterhaltung beitragen.

* Sommerfest. Wir hatten bereits erwähnt, daß der GesangvereinSumser" im EtablissementKaiserhof" ein Sommerfest und zwar am Sonntag den 2. August abzuhalten beabsichtigt. Hente sind wir in der Lage, die ungefähre Folge des Programms gelegentlich dieser Festlichkeit mitzuteilen. Der Anfang des Festes ist auf 4 Uhr angesetzt. Die Konzertmusik stellt die Kapelle des Thüring. Ulanen-Regiments Nr. 6 und werden mit dieser die Gesangsvorträge des festgebendeu Vereins abwechseln. Für die Kinder ist für reiche Unterhaltung gesorgt durch eine Kinderpolonaise und Spiele aller Art mit Preis- verteilung. In dem Garten wird ferner anzutreffen sein ein Glücksrad, eine Preiskegelbahn, ein Kasperl-Theater, sowie ein Stand des Puppenwerfeus. Bei einbrechender Dunkelheit wird eine Ldmpion-Polonaise arrangiert und der Garren wird ben­galisch beleuchtet. Die Tanzlustigen finden ein Tanzpodium, wodurch gewiß allen Ansprüchen Genüge geboten wird. Herr Restaurateur Kilian wird auch an diesem Tage ein prima Glas Bier zu 10 Pfg. und seine bekannt guten Speisen ohne jeden Preisaufschlag verabfolgen. Da auch der Eintrittspreis (20 Pf., Kinder frei, Familienkarte 50 Pf.) ein sehr mäßiger ist, wird es bei denSumsern" am 2. Augustzum Er­drücken voll" sein.

* Sommertheater. Noch kein Stück in dieser Sai­son hatte ein solches Interesse erregt, als das SchauspielJo­hannisfeuer", welches in guter Darstellung am Samstag zur Aufführung gelangte und in welchem sich in erster Linie Lola Henß als Marikke und Eberhard Quester als Georg durch ihr seindurchdachtes Einzel- wie Zusammenspiel ganz besonders auszeichneten; ebenso der Gast Frl. von Winkler als Trude und Herr Heuß und Fr. z. Busch (Hr. u. Fr. Vogelreuler). Wegen Erkrankung des Musikers mußte Sonntag die Ausführung der PosseDer Bettelstudent" unterbleiben und wurdeJohannis­feuer" nochmals gegeben, in welchem Frl. Werner die Rolle der Trude übernommen und erntete dieselbe gleich den anderen Darstellern sogar bei offener Szene Applaus, wie überhaupt die Gesamtaufführung von dem zahlreich erschienenen Publikum beifällig ausgenommen wurde. Heute abend kommt das Lust­spielKomtesse Gnckerl" zur Aufführung und wollen wir nicht verfehlen, hierauf ganz besonders aufmerksam zu machen.

* Bad Order Kleinbahn. Am 9. d. Mts. wurde in Bad Orb die Generalversammlung der Bad Orber-Klein-

bahn-Aktiengesellschaft abgehalten. Ueber die Verkehrs- und Beiriebsergebnisse der Bad Orber Kleinbahn im 2. Betriebs­jahre wurde berichtet, daß der Verkehr nicht hinter den ge­hegten Erwartungen zurückblieb. Trotzdem die Kurfrequenz im vergangenen Jahre wie in vielen anderen Bädern so anch in Orb nicht sehr bedeutend war, hat sich der Personenverkehr doch recht rege entwickelt. Auch der Güterverkehr hebt sich all­mählich in recht erfreulicher Weise. Während des Berichts­jahres wurden befördert zusammen 65 325 Personen und zwar auf einfache Fahrkarten in der 2. Wagenklasse 1138, in der 3. Wagenklasse 10568, auf Rückfahrkarte in der 2. Wagen - klasse 4540, in der 3. Wagenklasse 46 332, auf Militärkarten 2747 Personen. Für diese Personenbeför­derung wurden an Einnahmen erzielt 16175.79 Mk. Hin­zu kommt noch der Betrag für Gepäckbeförderung, sodaß sich die Einnahme aus Personen- und Gepäckoerkerkehr auf 16 625.99 M. (im Vorjahre M. 15 345.05) stellt. Der Güterverkehr erbrachte eine Einnahme von 14119,18 Mk. (i. V. 10 812,53 Mk.) Hieraus ergiebt sich eine Ge­samteinnahme von 30 745,17 Mk. Die reinen Betriebsaus­gaben erforderten einen Aufwand von 20 506,55 Mk., sodaß sich ein Brutio-Ueberschuß von 10 239,62 Mk. ergiebt. Im Vorjahre stellte sich der Brutlo-Ueberschuß auf 9300.82 Mk., doch kommt in Betracht, daß das Vorjahr als erstes Betriebs­jahr nur mit dem Ergebnisse von 10 Monaten zu rechnen hatte. Aus dem Netto-Reingewinn, der 8004,06 beträgt, kann nach Dotierung der einzelnen Fonds einen Dividend von etwa l,4°/o (i. V. l,22°|0 an die Aktieninhaber erfolgen.

* * Verstorben. Der Schreiner Friedrich aus Oberesperstedt, der den in der Samstagsnummer gemeldeten Selbstmordversuch beging, ist im Landkrankenhause seinen Ver­letzungen erlegen.

* Der Ulan Immel der 2. Eskadron des hiesigen Ulanenregimeuts, welcher, wie s. Zt. gemeldet, vor einigen Wochen in Mainz, als das Regiment dortselbst Regiments- exerzieren abhielt, nach einem stattgehabten Wortwechsel von Kameraden einer andern Eskadron schwer verletzt wurde, ist Freitag nacht im Lazarett dortselbst seinen Wunden erlegen. Trotz eingehender Untersuchung ist der Militärbehörde noch nicht gelungen, die eigentlichen Täter zu ermitteln. Die Be­erdigung findet heute in Mainz statt, 10031t fick eine Abord­nung der 2. Eskadron, bestehend aus einem Offizier, 2 Unter­offizieren und 6 Mann, nach Mainz begibt.

* Feuer. Gestern nachmittag um 4 Uhr wurde unsere stets schnell hilfsbereite Feuerwehr wieder einmal durch Feuer­alarm in Tätigkeit gesetzt. In dem Baugeschäft der Firma I. C. Jäger & I. M. Rumpf war in einem Schuppen, wo Hobel- und Sâgespähne und sonstiges Feuerungsmaterial lagerten, Feuer auSgebrochen. Der Schuppen brannte voll­ständig nieder. Das Feuer war alsdann auf das Maschinen­baus übergegangen, doch gelang es der Feuerwehr bald, dasselbe zu unterdrücken. Der verursachte Schaden wird auf 45000 Mark geschätzt. Die Ursache des Brandes ist unbekannt, möglicherweise liegt Selbstentzündung von ge­brauchter Putzwolle vor.

* * Im Tritttk. Der in der Erbsengasse wohnende Taglöhner H., der sich vom Samstag abend bis Sonntag morgen, dem Alkoholgenuß frönend, herumgetrieben hatte, kam gestern morgen gegen 10 Uhr nach Hause und fing ohne jede Ursache mit seiner aus Frau und 5 Kindern bestehenden Familie Streit an. Er bedrohte sie mit der Holzaxt, sodaß dir geängstigte Frau und Kinder flüchtig gehen mußten. Da das Treiben des H. immer gefahrdrohender wurde, wurde er, auch zu seiner eigenen Sicherheit, in Polizeigewahrsam gebracht.

* * Schnell gefasst. Heute morgen bemerkte ein Herr aus Steinheim, der auf dem Postamt eine Einzahlung machte, daß sich ein Kerl auf sein draußen stehendes Fahrrad schwang. Er lief dem Dieb nach, dieser bog in die Herrnstraße ein, woselbst Herr Hufschmiedemeister Lotz auf den Fahrradmarder aufmerksam wurde und ihm einen Knüppel zwischen das Rad warf. Der Dieb stürzte hin und konnte von einem gerade des Wegs kommenden Kriminalschutzmann festgenommen wer­den. Er gibt an, er heiße Gustav Körbi, stehe als Schlosser in Friedberg in Arbeit und habe mit dem Rad dorthin fahren wollen. Sein ganzes Geld hatte er in derHerberge zur Heimat" verjubelt, sodaß er kein Fahrgeld mehr besaß.

* * Festgenommen wurde heute morgen der gegen­wärtig beim Infanterieregiment Nr. 81 in Frankfurt dienende Musketier Storm von hier, der sich gestern von seinem Truppenteil entfernt hatte und hierher gefahren war. Hrer- selbst trieb er sich die ganze Nacht mit einem Freund, dem Taglöhner Weigand, umher, welch letzterer auch ferne Uniform an halte. Die Gesellschaft batte auch eine Schlagern m der Leimenstraße, wobei Blut floß und der Arbeitgeber des W. bedroht wurde.