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zweites Blatt.

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Vierteljährlich 1,80 ML- monatlich 60 Psa., für mi$« bärtige Abonnenten mit dem betreffenden Pofianffchlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

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Gedruckt und verlegt in der Buchdruckern deI verein, kv, Waisenhaujeâ in Hanau.

General-Anzeèger.

Amtliches Orga« für Stadt- «nd Landkreis Sana«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: 6, Schrecker in HanW.

31?- 296, FernsPrechanschluß Nr. 605»

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Samstaa den 19. Dezember

FernspreHanschluß Nr. 605

1903

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Hus Nah und fern.

G Cassel 17. D-zbr. ImWeinkeller bei fröhlichem Zechgelage wurde hier eine jugendliche Diebes­bande abgefaßt, die sich aus drei der Schule noch nicht ent* wachienen Buben zu'ammen^tzte, die abends in Kellern und auf Böden allerhand Diebstähle ausführten. Die Polizei fahndete schon lange auf die verwegenen Burschen, die aber verstanden, sich jedesmal rechtzeitig aus der Gefahr zu bringen. Am Freitag halten sie sich Eingang in den Weinkeller eines reichen Privaimannes in der Unterneustadt zu verschaffen gewuß'. Hier sprachen sie dem edlen Stoff so tüchtig zu, daß sie bald in eine kreuzsidele Stimmung kamen und jede Vorsicht außer Acht ließen. Durch ihr Gepolter aufmerksam gemacht, kam der Be­sitzer mit einem mächtigen Knoienstock bewaffnet in den Keller hinab, wo er die frechen Sp tzbuben bei frohem Zechgelage ab­faßte. Mit kunstgeüber Hand schwang der Rentner seinen Krückstock auf den Rücken der Bengel, die vergeblich durch die verschlossene Tür auszuweichen suchten. Nachdem sie ihre ge­hörige Tracht Prügel empfangen hattrn, ließ der Hausbesitzer Schutzleute rufen, die sich der drei Schlingel annahmen und auf die Polizeiwache führten. Hier erkannte man drei längst schon gesuchte Spitzbuben, die man dann auch sogleich auf einige Zeit in D rwahrung nahm. Ihr Anstifter ist ein trotz seiner 13 Jahre schon zwttmal wegen Diebstahls vorbestrafter Bursche namens Adam Backer, der die Anlagen zu haben scheint, es noch weit in diesem Genre zu bringen.

V Mesrholz, 18. Dez. Zugführer Gluth wurde gestern abend, als er seinen Zug notieren wollte, von einer Rangiermaichine erfaßt und dermaßen zu Boden geworfen, daß er einen doppelten Armbruch erlitt.

MC. Darmstadt, 18. Dez. Der Bahnwärter Kaiser ms Mühlheim, der am 4. September bei Mühlheim eine Schiene auf das Eisenbahngeleis gewälzt, aber wieder recht­zeitig entfernt hatte, wurde heute von der hiesigen Strafkammer wegen Gefährdung eines Eisenbahntransports zu 1 Jahr Ge­fängnis verurteilt. Von der Anklage des Betrugs wurde er freigesprochen. Kaiser hat bekanntlich das Manöver ausge­führt, um eine Belohnung zu ergattern. An dem der Tat folgenden Tage wir er 13 Jahre im Dienste.

Hus aller Mell.

Ein Erfolg privater St-ll-nvermittlm»g. Die Stellenv rmittlung bildet zur Zeit einen der wichtigsten Ver­waltungs zweige zahlreicher Vereine und Korporationen, dre aus privater Initiative entstanden cs sich zur Aufgabe gemacht haben, den Uebelständen, die auf beut, Gebiete der Stellenvermittlung seit Jahren sich entwickelt, mit Hilfe eines fest organisierten Stellenvermittlungsdienstes zu beledigen. Einer der ersten Vereine, der den Gedanken der Selbsthilfe bei Regelung dieser schwierigen Frage in die Tat umgeletzt hat, war der Verein für Handlungs-Kommis von 1858 (nauf- männischer Verein) in Hamburg. In rastloser Arbeit hat der Verein seit dem Jahre 1858 seit 45 Jahren an der A'ung der Aufgabe gearbeitet. Dank der energischen und zielbewußten Tätigkeit, die seitens der Dereinsleitung sowohl, wie auch seitens der Angestellten beim Verein nach dieser Ruh- tung hin stets entwickelt worden ist, hat die Vermittlung der Stellenbesetzung durch den Verein im Laufe der Jahre eine immer größere Ausdehnung erlangt. Bis zum Jahre 1^94 waren 50000 Stellen durch den Verein vermittelt worden; innerhalb eines weiteren Zeitraums von 9 Jahren ist es bann dem Verein bis zum November d. I. gelungen, noch weitere 50 000 Stellen zu besetzen. 100 600 Stellen besetzt! Gewiß ein Erfolg, auf den der Verein stolz sein kann, und bessert soziale Bedeutung alle gern anerkennen werden, die mit dem Verein das gleiche hohe Ziel vei folgen: die Angehörigen der auf den Erwerb angewiesenen, minder widerstandsfähigen Kreise unseres Volks im Kampfe ums Dasein zu unterstützen.

Eine entmenschte Mutter, die 24jährige Frau des Fabrikarbeiters Großmann, Karoline, geb. Katzen,kein aus stostheim, stand, der fortgesetzten Mißhandlung ihreb vier- jâhrigen außerehelichen Kindes Anna Katzenstein angeklagt, rn Mainz vor den Schranken des Gerichts. Die Beweisaufnahme Ergab ein geradezu schauerliches Bild von emer entm-M Mutter. Das Kind, das noch nicht laufen kann und abgesetzte Glieder hat, wurde ausschließlich von Kaffee und Kartoffeln ernährt, während ihre ehelichen Kinder bessere Nahrung er hielten. Das Gesicht des armen K ndes ^°St E Spuren von Mißhandlungen, der Mund war mit veretterten Ge ^"âen und kleinen Blasen bedeckt. W.e das Kind erklär , haue ihm seine Mutter eine heiße Kartoffel m den M g ^« ! Eines Tages bemerkten Rachbarn, daß eS m der Woh «ung brannte. Als dieselben sich in die Wohnung ^ befand sich die Angeklagte, die kurz vorher die Wohnung

lassen hatte, wieder in derselben und saß auf einem Stuhl, ihr eheliches Kind auf dem Arme. Das mißhandelte Kind lag mit dem Leibe auf dem Boden, während die Kleider auf dem Rücken des Kindes verbrannt waren. Als die Nachbarn ent­rüstet die Angeklagte aufforderten, dem armen Kinde doch zu helfen, meinte sie kalten Tones:Was kann man denn da machen!" Während das eheliche Kind ein Schlafwägelchen besaß, mußte das andere in Lumpen gehüllt auf einem schmutzi­gen Sack auf dem Boden schlafen. Die Zeugen sprachen sich allgemein dahin aus, daß das Bestreben der Augeklagten darauf gerichtet war, das Kind langsam zu Tode zu martern. Das Kind kam nicht ein einziges Mal auch nicht im Sommer an die Luft. Schon morgens in der Frühe _ erhielt das Kind von seiner unnatürlichen Mutter Schläge, sein jämmer­liches Geschrei durchhallte den ganzen Tag daS Haus. Es mußte den Tag über auf der blanken Erde sitzen. Es durfte nicht Mutter zu der Angeklagten sagen, sondern Lina oder Karolina! Herr Medizinalrat Kreisarzt Dr. Balser sprach über den Befund des Kindes. Es sei in einem jämmerlichen Zustand, ein wahres Bild des Jammers. Es konnte nicht laufen. Auf dem Rücken hatte es eine große Narbe, von einer Brandwunde herrührend. Es sei undenkbar, daß das Kind, das nicht laufen konnte, mit dem Rücken an den Ofen gekommen und dadurch verbrannt sei. Der Befund spreche dafür, daß dem Kinde voriâtzl ch die Brandwunde beigebracht worden sei. Es wäre dringend geboten, wenn daS bedauerns­werte Geschöpf so bald als möglich in gute Psiege komme. Der Amtsanwalt betonte, daß wiederum eine, wie dies in letzter Zeit öfters der Fall gewesen, der scheußlichsten Kindes­mißhandlungen dem Gericht zur Aburteilung vorliegt. Nur eine hohe Strafe könne abschreckend wirken, er beantrage sechs Monate Gefängnis. Das Gericht erkannte auch auf dies-. Es empöre jedes menschliche Gefühl, wie die Angeklagte ihr Kind mißhandelt habe. Die Mutter habe sich in ein weiches Bett gelegt, während ihr Kind auf dem kalten Boden habe schlâ müssen. Die Angeklagte fei darauf ausgegangen, das unglückliche Kind langsam und hst-malisch zu Todr zu mar­tern. (G. A.)

Randel, Gewerbe und Verkehr.

Marktbericht.

Hanau, 19. Dezbr. (Lebensmittelpreise.) Ge- flügel: Tauben, das Pärchen 60 P'g. bis 1 Mk.; ein alter Hahn 1130 Mk.; ein junger Hahn 70 Pfg. bis 1 Mk.; ein Huhn 11,20 Mk.; eine Gans 34,50 Mk.; Gans, gerupft, 6065 Pfg. das V, Vg; Fische: gewöhnliche Sorte 30 Pfg., bessere Sorte 35 Pkg., Hecht 11,10 Mk., Bresem' 5060 Pfg., Barsch 5060 Pfg. = V» k<r; Gemüse: Meerrettich die Stange 820 Pfg., Blumen­kohl das Stück 3050 Pfg., Kopfsalat das Stück 1215 Pfg., Endivien das Stück 510 Pfg., Rettich das Stück 35 Pfg., Ober-Kohlrabi das Stück 5 Pfg., Unter-Kohlrabi das Stück 510 Pfg., Wirsing das Stück 615 Pfg., Weißtraut das Stück 520 Pfg., Rotkraut das Stück 10-30 Pfg., Sellerie das Stück 512 Pfg., gelbe Rüben das Bund 8 Pfg., Braunkohl die Portion 2030 Pfg., Rosenkohl das Pfund 30 Pfg., Schwarzwurzeln die Portion 20-30 Pfg., Spinat die Portion 20-30 Pfg., Schmalzkraut die Portion 1020 Pfg., Kartoffeln das Dop­pelliter 1012 Pfg.; Obst: Trauben 60-80 Pfg. das Pfund; Aepfel das Pfund 2030 Pfg.; Birnen das Pfund 1525 Pfg.. Msse das Hundert 4045 Pfg.; Citronen das Stück 68 Pfg.; Apfelsinen das Stück 1015 Pfg.; Paradies­äpfel das Stück 820 Pfg.; Verschiedenes: Butter das Pstmd 1,151,30 Mk., Käse zwei Stück 9 Pfg., Eier das Stück 610 Pfg., Zwiebel« das Doppelliter 1820 Pfg., Welschkorn das Doppellüer 23 Pfg., Radieschen das Bündel 10 Pfg - Kastanien das V, kg 1520 Pfg.; Weizen­mehl l. Sorte 20 Pfg., 2. Sorte 18 Pfg., 3. Sorte 16 Pfg., 4. Sorte 14 Pfg. = V« kg.

Erinnerung

für die Weihnachtszeit. Kauft am platze." |

Historische Gedenktage.

19. Dezember 1783 starb zu Marburg der ehemalige Pro fessor der Mathematik daselbst, Johann Konrad Spangen- berg, 63 Jahre alt. Vor der Welt galt er für einer Schwärmer und Sonderling, war auch daS letzte in ge- wiff-m Sinne wirklich, übrigens aber einer der frömmsten Männer seiner Zeit in unserm Lande. Ein frühreifer Kind, welches schon im vierten Jahre fertig lesen konnte, nannte er, so oft er in der S'ad'schule zu Homberg über die andern Knaben gesetzt werden sollte, die Freude über diese Erhebung teuflisch, und gab liiere niemals zu. Er war nachher der liebste und bedeutendste Schüler Christians von Wolf und bildete sich zu einem ausgezeichneten Mathematiker aus. 1741 wurde er Professor und lehrt« die Mathematik in Marburg 24 Jahre lang mit dem vorzüglichsten Erfolge. 1765 legte er die Prostffur.nie­der, verkaufte sein Haus und sein bewegliches Vermögen, gab die Hälfte den Armen und lebte dafür freilich in den (efcten Jahren seines Lebens selbst von Unterstützungen, die er dann wieder mit noch Aermeren teilte. Er war ein Tröster der Angefochtenen und Kleingläubigen, lebte übrigens wie ein Einsiedler. Gebürtig war er au? Homberg, der Sohn eines LandbereilerS.

Kanaurr Uersins- «. Uergnugungsnachrichten

für Somstaa den 19. Dezember.

Tunmtwimdr! Von 7*/»9 Uhr: Turnen ter Juaenbabttilung. Turngritllichast-, Abends von 7 S Ubr: Vorturnern unbe u. WrUrruea Evangelischer Arbeiterverein: ViremSab^ und Mtsliederaufvayntt M VereinSlsralewm seltnen Rad'. ,

«vana. Männer- u. Jüna'knaSvrrein: Unterbaltuaa kEv. BeremSbasS) VeranuonnoS-D-rein .Germania': DereiuSabead im «schwarz. Var-N , Kesanavereiu »Eintracht': Abends 9 Ubr: Sine stunde.

Kesanaderein .Sums.r': Vereinsamend in der .Stadt Bremen'. Keiangverein «Tonbtütb-": Beremsabend in der »Stadt Bremen . GesanavereinKe'man'a': VereinSabend tut »Löwenoärtch n . Gesangverein »Melamanii"' VereinSabend in der -Karthame . Klub »Saxonia': D-reinSabeno im »Fr'edberaer Hof'. Klub ..Cameratia' : Klubabend im«roßen Kurfürsten". VcranügunaSoesellschastFidelio": VereinSabend »zum Anker . Geselliae VerbindungMelitia' VereinSabend .zur Kartdaune. KaiinoEintracht' (Veretn$lotalzum Braustüb"): Vereins abend. VereinTtniakeit'- VereinSabend in ler »großen Krone'. Verein Frohsinn 1903*: VereinSabend im . Grafen Vbtlivv Ludwig . AthletenklubGermania' De^msabend (Restauration Waaerwack). Hanauer Fußb olluesellschast 1899': VereinSabend in der .Allemania'. Fußballklub »Viktoria': Bercü.Sabend m ber .Brauerei WeiSmant« . Radfahrer-Verein 1898: VereinSabend aus Beck'S Wisent etter. Radsport Aoler' Lereinsabend imRürnberoerhof'. Stammtisch . Biirgcroräu' : Jeden SomStav abend: Uebung. KlubAmicitia' Keg-labend imElephanten".

Kegelklub D. H. V: 9 /» Ubr: Gasthauszur guten Quelle . Raum- und VergnügUneS-G-sestschMtSeckS Buno' $unt feuchten Eck; Zusammenkunft in der W.rtschast von Lederer, Bogenstraße für Sonntag den 20 Dezember.

Lokomotivführer- Beteln : Vormittags von 1112 Uhr: Zusammen­kunft im Bei ein?lokal (Centralhalle').

Vormittaa-. von 111 Uhr: UebunaSstundk der Ttichgekellschaften im Nürnberger Hos' und auf Beck's Felsenteller.

Nachmittags ' Ubr: Uibunassviele auf dem Ex-rriervlatz: Fußballe klubMktorio',Genauer Fußballgeiellschatt 1899", Hanauer FußballklubWacker' und Hanauer FußballklubHanovia'. Erster Honanrr Fußballklub 1893: Na-bmtttag; * Ubr: UrounsSspiil auf keinem Svortölatz an derSchönen Aussicht".

FeuchteZ°Eck: Gasthauszur guten Quelle'.

Barometerstand

mittags 12 Uhr am 18./12.

19./12.

Sehr trocken ^!

Beständig

Schön 760^ Veränderlich

Regen I

Viel Regen I

Sturm ^^ B

780.= I

72°.y I 710-3

Die ftSdttsche Bibliothek ,

......... 9 erster Stock, ist Sonntags, Mittwoch« unt «2mas oö/ll bis 1 Uhr zur kostenfreien Benutzung für das Publikum geöffnet. - Gesamtkataloge M zu 1 oo Mk-, die neuesten Nachtrage Nr. 15 und 16 zu je 20 Pfg, in der Bibliothek z» haben.