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Erstes Blatt

anauer

Bezugspreis:

vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Posiauffchlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

General-Anzeiger

Anzeiger

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ für Stadt- and Landkreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebühr :

Für Smd:- Nud Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Naum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: T. Schrecker in Hanau,

Fern -reu aus hhiß Sir. 605

Mittwoch den 19. August

Fernsprechanschluß Nr. 605.

1903

Amtliches

Ernähr da Öanau.

Belanrümachunsien des König!. Landratsamtes.

Am 19. September d. I. wird in Frankfurt a. M. eine Preisbewerbung von inländischen Pferden statifinden. Die Zuerkennung und Verteilung der Preise er­folgt durch einen vom Frankfurter Landwirtschaftlichen Verein gewählten Ausschuß.

Die Pferdezüchter des Kreises werden von Vorstehendem mit dem Bemerken in Kenntnis gesetzt,' daß die näheren Be« stimmungen für die Preisbewerbung im Bureau des Königlichen Landratsamtes hierselbst eingesehen werden können.

Hanau den 15. August 1903.

Der Königliche Landrat.

V 6604 v. Beckerath.

Stadtkreis Danau» Bekanntmachungen des Oberbärgermeisteramtes.

Bekanntmachung.

Die Bestimmungen für die Samstag den 19. September 1903 stattfindende Preisbewerbung von inländischen von ihren Züchtern nach Frankfurt a. M. gebrachten Pferden nebst Anmeldemustern liegen im Stadtsekretariat, Zimmer Nr. 12 des Neustädter Rathauses, auf, und können während der Dienststunden eingesehen werden.

Hanau den 14. August 1903.

Der Oberbürgermeister.

I. B.: Bode. 14452

Der am 31. Dezember 1855 hier geborene Graveur Philipp Türk hat um Entlassung aus dem preußischen Staatsverband nachgesucht.

Hanau am 17. August 1903.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. 14468

Dienstsachrichten aus dem Kreise.

Jagdaufseher Konrad Bauch von Enkheim ist zum Ehrenseldhüter der Gemeinde Fechenheim auf Wider­ruf bestellt und verpflichtet worden.

Hanau den 17. August 1903. J Nr. V 6703

Gefundene und verlorene Gegenstände rc.

Gefunden: Im Theater 1 Portemonnaie mit Inhalt. Hanan den 19. August 1903.

Feuilleton.

Von Saloniki nach Monastir.

Bon Otto Leonhardt.

(Nachdruck verboten.)

Saloniki und Monastir diese beiden Namen bezeichnen die Grenzen des Bezirkes, in dem gegenwärtig der Brand des nmcedonischen Aufstandes am heftigsten tobt. Hier ist die Eisenbahnlinie ein Kampfobjekt, die Bahnhöfe werden zu Festungen, in stillen Dörfern, deren weiße Häuser friedlich aus dichtem Grün hervorblicken, blitzt und klirrt es verdächtig wie von Waffen, und hier und da zeugen Ruinen von den ver­heerenden Folgen des Aufstandes. Für uns Deutsche hat die seit 1894 in vollem Betrieb befindliche Bahn von Saloniki nach Monastir noch das besondere Interesse, daß sie eine deutsche Schöpfung ist. Man kann sie als das erste, das euro« pâifche Glied jenes großen deutschen Kulturwerkes bezeichnen, das sich dann auf asiatischem Boden in Anatolien sortsetzt und voraussichtlich in absehbarer Zeit die alte Khalifenstadt Bagdad erreichen wird.

,, Monastir wie Saloniki sind bedeutende Plätze. Monastir ist das Zentrum des ganzen nordwestlichen Macedoniens, von alters her das Fort und der Brückenkopf gegen das unbändige Albanien und die Hauptstadt einer dicht bebauten und dicht bevölkerten Ebene, deren landwirtschaftliche Erzeugnisse nun mit der Eisenbahn nach Saloniki befördert werden. Saloniki ist eine Stadt von großer Vergangenheit und vielleicht noch größerer Zukunft, der allerdings die Gegenwart nicht ganz entspricht. Hier lag einst das alte Thermae; daun gründete Kassander, der Schwager Alexanders des Großen, hier eine neue Stadt, die er nach seiner Gemahlin Thessalouike nannte. Paulus errichtete hier eine der ersten christlichen Gemeinden; im Mittelalter war die Stadt zeilweis herzogliche, ja sogar

Hus Stadt und £and.

Hanau, 19. August.

* Der neue Oberpräsident von Heffen-Naffau. Dem früheren Berliner Polizeipräsidenten, v. Windheim, der seit Anfang dieses Jahres als Regierungspräsident in Frankfurt a. O. wirkt, ist als Nachfolger des nach Schlesien versetzten Grafen von Zedlitz-Trützschler das Casseler Ober­präsidium übertragen worden. Diese Wahl wurde getroffen zu gleicher Zeit, als über die Besetzung des schlesischen Ober­präsidiums entschieden wurde. Ueber seinen Lebenslauf seien folgende Daten in Erinnerung gebracht: Am 27. Juni 1857 geboren, trat Herr v. Windheim am 13. Januar 1879 als Referendar im Appellationsgerichtsbezirk Halberstadt in den Staatsdienst, ging dann zür allgemeinen Staatsverwaltung über und wurde 1884 zum Regierungsaffeffor ernannt. Nach­dem er bei der Regierung in Königsberg gearbeitet hatte, würbe er 1886 Landrat des Kreises Ragnit, 1892 war er Teilnehmer an einem der Kurse, die die preußische Regierung zur Unter­weisung von Verwaltungsbeamten und Geistlichen aus dem Gebiete der Sozialpolitik und der inneren Mission eingerichtet hatte. Im März 1894 wurde er als Hilfsarbeiter in das Ministerium des Innern berufen und im April des folgenden Jahres zum Polizeipräsidenten in Stettin ernannt.- Kaum aber hatte er dieses Amt angetreten, als durch den Tod des Berliner Polizeipräsidenten Freiherrn v. Richthofen am 6.

unter den Komnenen kaiserliche Residenz. Wenn man zu der Zitadelle emporsteigt, die die Stadt überragt, ihr aber freilich gegen ernsthafte Angriffe ebenso wenig sicheren Schutz ver­bürgt, wie ihre anderen Befestigungen, so steht man an der Stätte der alten griechischen Akropolis. Dann haben hier die Römer gebaut, über ihrem Mauerwerk haben die Venezianer neue Befestigungen errichtet, und darauf endlich die Türken mancherlei Flickwerk angebracht. So tritt hier die Vergangen­heit Salonikis gleichsam in geologischen Schichten zutage. Hat einmal die Eisenbahn, die heute bei Monastir in einer Sack­gasse endet, ihre Fortsetzung zum Adriatischen Meere erhalten, sind Ordnung und Zivilisation endgiltig in diese Länder ein­gekehrt und werden erst Macedoniens überaus große Boden­schätze verständig ausgebeutet, so wird Saloniki eine Weltstadt des europäischen Südostens werden; und wenn nicht alle An­zeichen trügen, so wird es der habsburgische Doppeladler sein, unter dessen Schutz die alte Stadt in die neue Entwickelung eintreten wird.

Ein interessanter und merkwürdiger Zug bei beiden Städten ist das bunte Völkergemisch ihrer Einwohnerschaft. In Monastir kann man am leichtesten einen Blick darauf wer­fen, wenn man die Stadt an einem Markttage besucht. Da sieht man den Albanesen in seinen weißen Hosen und seiner Fustanella, ganz starrend von Waffen, immer selbstbewußt und immer kampflustig. Der Slave hingegen ist gedrückt, klein­mütig und passiv; träge liegt er in seiner Araba, raucht seine Pfeife und läßt die Frauenarbeiten. Dann wieder unbeweg­liche, würdige, langbärtige Türken, die das Nargile rauchen oder den Rosenkranz durch ihre Finger gleiten lassen, und be­wegliche, listige, lärmende Griechen. In Saloniki ist das Völkergemisch, besonders durch den Zutritt des europäischen Elementes, noch bunter,und die Wirtshausschilder lauten hier in den verschiedensten Sprachen des Morgenlandes und des Abendlandes. Aber eine Klasse der Bevölkerung tritt doch in Saloniki als das beherrschende Element hervor: das sind die spanischen Juden, die zu Zehnlausenden hier leben, und die

Juni 1895 der Berliner Posten frei würbe, auf den Herr v. Windheim berufen würbe.

* Landtagswahlen im Wahlkreise Gelnhaufen- Schlüchtern. Außer Pfarrer M e p e N s ch e i N - Alten­haßlau und Bürgermeister Berta- Salmünster wird noch als dritter konservativer Kandidat Geh. Ministerialrat v. Baum­bach, der von Orber Wahlmännern in Vorschlag gebracht worden ist, genannt.

* Die Bezirks-Dbftausstellung in Hanau. Der Kreis-Ausschuß des Landkreises Hanau bewilligte dem Hanauer Krcis-Obstbauverein für die Zwecke der vom 2. bis 5. Oktober d. J. in Hanau stattfindcnden Bezirks-Obstausstellung einen Beitrag von 150 Mk.

* Mainfchiffer Verband Ter im vorigen Jahre gegründete Mainschiffer-Verband, ist zu einem Allgemei­nen Mainschiffer-Verband erweitert worden, dessen Vorsitz Herr Direktor Kahle der Portland-Zement-Fabrik Karlstadt, in Würzburg übernommen hat. Zweck des Ver­bandes ist die Durchführung geregelter Fahrten ab Würzburg und den anderen Mainplätzen nach Frankfurt a. M. und Mainz, sowie im Anschluß hieran nach dem Ober-, Mittel- und Niederrbein und Dice versa. Es gehören dem Mainschiffer- Verbande 52 Schiffer mit 68 Schiffen an, die eine gesamte Tragfähigkeit von 214,225 Zentner repräsentieren.

* Die Truppenschau in Mainz. Die bereits ge­meldete Truppenschau des'Kaisers auf dem großen Sanae bei Mainz, die am Montag den 24. ds. stallfindet, wird sich zu einem imposanten militärischen Schauspiel gestalten. Wie aus Mainz berichtet wird, nimmt die gesamte dortige Garnison daran teil. Auch das Hanauer thüring. U lan en-R eg im'en t Nr. 6 beteiligt sich an der Truppenschau. Ferner werden Truppen aus Frankfurt a. M. (bas Infanterie-Regiment Nr. 81 und die Abteilung des Feld-Artillerie-Regts. Nr. 63), aus Wiesbaden (2 Bataillone des 80. Infanterie-Regiments), aus Gießen (das 116. Infanterie-Regiment), aus Biebrich die Unteroffizierschule hinzugezogen.

* Nahrungsmittelkontroüe. Bei der Butlerhänd- lerin M. von Rückers wurde auf dem hiesigen Wochenmarkt Butter entnommen, bei deren Untersuchung durch die Nahrungs­mittelkontrolle sich herausstellte, daß sie zu viel Wasser- und zu wenig Fettgehalt besaß, also nicht genügend ausgebuttert war. Die Butter stammle von der Ehefrau B. in Rückers, bei welcher sie durch das Dienstmädchen hergestellt worden war. Die drei Personen hatten sich gestern vor dem Schöffengericht zu verantworten, angeklagt des Vergehens gegen das Nah­rungsmittelgesetz bezw. Ueberiretung der Bundesratsoorschriften beir. den Verkehr mit Butter. Das Dienstmädchen wurde freigesprochen, die Ehefrau B. und die Butterhändlerin M. er«

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nicht allein im Geschäftsleben dir führende Stellung einnehmen, sondern auch einen großen Teil der niedrigen und Straßen­arbeiten u. s. w. verrichten. Vom Lastträger am Quai bis zum reichen Handelsherrn sind die verschiedensten Stände und Berufe in der Judenschaft von Saloniki vertreten, die sich ihrer Bedeutung auch bewußt ist und dies in ihrem Betragen zu erkennen gibt.

Wenn man sich von der See aus Saloniki nähert, so bietet die Stadt einen prächtigen Anblick. Amphitheatralisch steigt sie die Berge hinan, überragt von stattlichen, alten turmge­krönten Mauern, von leuchtenden Kuppeln, Moscheen, dunkeln Cypressenhainen und Palästen. Auch der Blick von dem statt­lichen Quai auf das Meer hinaus ist schön, wenn über der blauen Wasserfläche der Thessalische Olymp seinen schneeglän­zenden Gipfel erhebt. Der Lärm einer orientalischen und einer modernen Handelsstadt vereinigen sich in Saloniki. Alt und neu stoßen oft in seltsamer Weise aneinander^ hier ein imposanter römischer Triumphbogen, dort ein moderner Quai; hier ein Gewirr von alten, engen, schmutzigen Gäßchen, dort breite, moderne Boulevards und die freundliche Villenstadt Kalamaria. Die Eisenbahn, die von hier nach Monastir führt, führt durch so interessante und durch seltene Naturschönheiten teilweis so begünstigte Gegenden, daß der immer nach neuem begierige moderne Tsuristenschwarm sich sicherlich auch hierher schon ergossen hätte, wenn nicht der Gedanke, durch eine Komi- tatschi-Bande gefangen und füsiliert zu werden, selbst für den abenteuerlichsten Reisenden etwas Bedenkliches hätte. Die Bahn führt zuerst durch das ausgedehnte Delta des Varda, dessen Hauptarm sie auf einer Brücke von 350 Meter Länge überschreitet. Dies ist die Gegend, worin des .Perxcs ^agcr gestanden hat, die einst von dem märchenhaften Gewimmel pe^ buntesten Orients erfüllt war. Die Ebene, dieCampagma^ Macedoniens, ist zum Teil sumpfig, und von der -ahn aiw sieht man oft zahlreiche Störche, die in den stehenden Wapern eine ausgiebige Froschjagd betreiben. Dennoch ist das Land meistens dicht bebaut und wohlbevölkert; freilich könnte der