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Montan
mm ereile Gebrüder Stern mitaeteilt wird, waren die Anmeldungen auf die 4°/o Lentral-Pfandbrieke vom Jahre 1903 derartig große, daß nur gaitz geringe Beträge zugeteilt werden können.
* Stadttheater. WoLenspielpIan: (Mittwoch 7. statt 6. Vorst.) „Fee Caprice". — Freitag: Benefiz sür Herrn Karl Becker, neu einstudiert: „Romeo und Juli a", Trauerspiel in 5 Akten von William Shakespeare. — Sonntag: Neu einstudiert: „Ultimo", Lustspiel in 4 Akten von G. v. Maler. Lebrecht Schlegel: Dir. O p p m a r. — Am Mittwoch gebt das reiz-nde Lust'piel: „Fee Caprice" nochmals in Szene, Nachdem bei der ersten Aufführung das Stück einen so vorzüglichen Erfolg batte, dürfte auch die kommende Darstellung dem Interesse deS Publikums empfohlen w-rden. — Benefiz B e cker. (Romeo und Julia.) Wie schon gemeldet, wird unstr diesjähriger jugendlicher Held Herr Karl Becker an seinem Ehrenabend die wunderbare Tragödie Shake'peare'â nä Zick „Romeo und 3 a I i ar geben. — Wir können zur Wahl dieses Stückes nur beipflichten, da der junge talentierte Darsteller in diesem herrlichen Werke eine Aufgabe hat, die ihm Gelegenheit gibt, seine glänzenden künstlerischen Fähigkeiten auf's neue zu beweisen. H
* Cin Winterfest des landwirtschaftlichen Kreisveeeins Hanan, zumal das erste in seiner Art, das war doch in der derzeitigen Hochflut von Vergnügungen, die man Abendunteryalrungen, Stiftungsfeste, Herrenabende u. s. f. benennt, etwas Neues und so konnte es auch nicht ausbleiben, daß die anfangs etwas zaghast aufgenommene, von besonders wagemutigen Mitgliedern des Vereins gegebene Anregung zur Arrangierung eines solchen Festes bei Näherheranrücken desselben immer lebhafter diskutiert wnrdc und am Festtage selbst sich zu einem vollen Erfolge ausgestaltete. Jahraus, jahrein verfolgen die Tagurkgen des landwirtschaftlichen Kreisvereins den Zweck, belehrend und oneifernd nach jeder Seite hin zu wirken, in gegenseitiaem Austausch der Erfahrungen auf allen Gebieten der Landwirtschaft nutzbringend für die Gesamtheit tätig zu sein, kein Wunder affo, daß man auch einmal das Bedürfnis begte, in einer geselligen Veranstaltung die Familien zu vereinigen, um hierdurch zu ermöglichen, daß ein noch engerer Zusammenschluß der Vereinsmitglieder sich vollziehe. Ein besonders rührig zu nennendes Komitee hatte es sich nun zur Aufgabe gemacht, mit feinem Verständnis für die Anforderungen diese erste gesellige Veranstaltung des Vereins, die am Samstag in den Räumen des Kurhauses zu Wii Helms bad abgehalten wurde, auch in in jeder Beziehung würdig zu gestalten. Bereits der Eintritt in die schönen Räume des Kurhauses erbrachte den von Nah und Fern in kaum zu erwartender großer Zahl herbeigekommenen Festbeiuâern den bestrickenden Reiz des Wohlbehagens, wähnte man sich doch versetzt in den anheimelnden deutschen Tannenwald, ohne die Weltfreuden entbehren zu müssen. Für die letzteren war in trefflicher Weise gesorgt und das Herz erweiterte sich bei näherer Einsichtnahme des aufgestellten Programms. Ein Prolog, in wohlgesetzier Weise von emer jugendlichen Dame (Frl. Reinhardt) vorgetragen, leitete das Fest ein, das dann unter den mannigfachsten Darbietungen, wie sie genußreicher selbst die ersten geselligen V-reine nicht zu bieten vermögen, seinen Fortgang nahm. Frl. Kellermann aus Keffelstadt, als erfolgreiche hochbegabte Künstlerin auf gesanglichem Gebiete weit über unsere Grenzen bekannt und geschätzt, bot einige Lieder und erntete enthusiastischen Beifall. Ein höchst geschickt gewällter Einakier, betitelt „GeburtSiagsfreuden", erhöhte durch seine treffliche Darstellung das bereits vorhandene Animo noch um ein beträchtliches und bildete eine gute Überleitung zu den folgenden Taseltreuden, denn auch dem Weltfreudigen, der in des seligen Lucullus Fußstapsen zu wandeln sich bemühte, war Rechnung getragen worden. Den Ohrenichmaus dazu lieferte die Centner'sche Kapelle in rückhaltlos anzuerkenmnder Weise. D eses gemeinsame Festessen bot auch Gelegenheit zu einigen Toasten. Den Reigen derselben eröffnete der Vereinsvorsitzende Herr Landrat von Beckerath, der die Erschienenen herzlich begrüßte, vor allem die Damen, die Gäste und die aus den benachbarten Kreisen erschienenen Landwirte, und sodann für die bereits von den Gästen gebotenen künstlerischen Genösse in warmempfvndenen Worten dankle. In dem zweiten Toast betonte der stellvertretende Vorsitzende Herr Gutsbesitzer W. Koch- Bruderdiebacherhof, daß er ja anfangs nickt hoffnungsvoll der Anregung zur Arrangierung des ersten Festes Folge gegeben habe, jedoch nun mit voller Genugthuung auf dasselbe blicken könne. Daß ein derartiges prächtiges Fest zu Stande gekommen, sei dem Komitee, vor allem dem Schriftführer des Vereins Herrn Domänen Rentmeister Reinhardt, zu danken. In poesievoller Weise feierte hierauf Herr Domânenpâckter Rocholl vom Wilhelmsbaderhof den prächtigen Damenflor und so war man banr auch so weit und in der besten Stimmung, um zum Festbal schreiten zu können, der die Vorzüge der anwesenden Damen in ein nock schöneres L cht rückte, als es vorher der wohlgesetzte Toast auf sie gethan hatte. Die Tanzpausen erbrachten noch manche Uekerraschung, so ein Kunstfahren auf dem Veloziped in seiner mannigfaltigen Gestaltung durch die Herren Zahn und Schlegel, Darbietungen auf dem Gebete der Salon« humorisilk (Herr Hahn) und gewählte Rezitationen (Herr Leipold). Die unter solchen Umständen schnell dahin eilende Zeit ließ es vergessen, daß bereits der Morgen graute, als noch die leichtfüßige Muse des Tanzes unentwegt ihr Szepter schwang. Sicherlich hatte Herr Bürgermeister Kindler- Lanaenselbold das Richtige getroffen, als er am Schluffe einer trefftich aufgebauten An prache auf das nächste Fest des landwirtschaftlichen Kreisvereins, das jedenfalls ein Sommerfest sein werde, toastete, denn stürmischer Beifall lohnte ihm diese Anregung. Eine Veranstaltung, wie sie der landwirtschaftliche Kreisverein am Samstag bot, in ihrer wohltuend vollen Ungezwungenheit, bleibt in dauernder Erinnerung, denn alle Erwartungen wurden weit übertroffen und deshalb gebührt den Arrangeuren, die damit ihre Mühe und Initiative gekrönt sahen, der Dank aller Teilnehmer. <
* * Herrensitzung der Karneval-Gesellschaft.
Diesmal hatten die fleihigen Spinnen der Karneoalgesell'.chaft
die Fenster bezw. Wände der Cennalhalle mit ihren Geweben überzogen, daneben prangte das fpwn’dje Wahrzeichen der Hanauer, die gelbe SHibe in Verbindung um allerlei Karne- valsutenstlien als Dekoration, es war ab'o dieselbe Mühe für den äußeren bunten Rahmen, in dem sich eine Narrensitzung nun einmal abipielcu muß, aufgeivwdei wie im Deutschen Haus. In bekannt pomphafter Weise zog Prinz Karneval mit seinem Gefolge zu dem Feste, das wieder sehr zahlreich besucht war. Präsident Bein leitete mit viel Umsicht und un- erschöpflicher Poesie die ereignisreiche Sitzung, bei der manchmal wahre Lrchsalven erschollen. Der Prolokoller (Löhnlein) hatte wieder viel ausgezeichnet, diesmal mackte er viel in Politik, in innerer sowohl wie in äußerer, Stoff bot das ja gerade genug. Einen politischen Anstrich hatte auch die „Rede" deS Abgesandten der großen Mainzer Karnevalgcsellsckaft, des von Keffelstadt her noch rühmlichst bekannten Narren H a a s. Im übrigen war eine Menge Schoten zu verzeichnen, die in Einzel-Lülworirägen wie auch in den Zwiegesprächen mitunter d'e Lachmuskeln in eine geradezu aufregende Tätigkeit versetzten. Wir nennen hiervon die Narren Kresse buck, Rohde, Lichtenstein, Söhnlein, Ullrich, Wittmann, Sturm, den „Meenzer" Haas u. s. w., die treffenden Witz brachten. Der närrische Kapellmeister brachte mit seinen Mannen vom Orchester den mufUain$en Humor, von den Hauspoeren war eine ganze Anzahl G torlieber verbrochen, die würzige Schlager enthielten. Zum Schluß sei noch dankend der Berücksichtigung der Presse gedacht, die diesmal nicht von schwindelnder Höhe aus zu registrieren brauchte. Alles in allem war eS bei den Kavpenbrüderu wieder ein fideler Abend.
* Woticramsche Gesellschaft. Heute Abend 8 Uhr wird im Hör aal der Eeselstchasl ein Vorwag gehalten, und zwar referiert Herr Oberrealjchullehrer Paul stich über „Unsere Wintervögel."
* Kanarienairsfèettimg. Die vom Main-Rheingau- Verband der Kanarienzüchter in der „Allemania" hierselbst vorgestern, gestern und heute veranstaltete 6. Verbands- AusstrLung ist recht gut beschickt und enthält eine reiche Auswahl der edelsten Sänger mit großenteils wahrhaft vornehmem, glockenreinem Schlag. Bei der am Samstag vorgenommenen Preisverteilung erhielten Preise: Vom Vogelzuchtoerein „Kanaria" Frankfurt a. M. Hans Dörrhöfer bni 2. und rwei 3., Wilh. Ledermann fünf 2. und den 9. Ehrenpreis, Iulius Richard vier 2., einen 3. und den 10. Ehrenpreis, G. Noß vier 1., einen 2., den 1. Ehrenpreis und eine silberoergoldete Medaille für das beste Hohl, Friedrich Helbing zwei 1,, drei 2. und den 4. Ehrenpreis, J. Schramm drei 1., zwei 2. und den 3. Ehrenpreis. Vom Verein „Kanaria" Hanau A K. Krotz einen 1., vier 2. und den 6. Ehrenpreis, Fr. Heimüller vier 2. und einen 3. Boni Verein „Edelroller" Frankfurt a. M. I. A. Schumbert einen 1., vier 2. uud den 8. Ehrenpreis, Anion Maus fünf 2. und den 7. Ehrenpreis. Vom Kanarien- Züchterverein Hanau B Heinrich Heckmann einen 1., vier 2. und den 5. Ehrenpreis, Johann Glock drei 2., zwei 3., und den 3. VereinS-Ehrenpreis, Max Döbrich, Keffelstadt, vier 2., einen 3. und den 11. Ehrenpreis, August S chi l- t i n g zwei 2., drei 3. und den 2. Vereins Ehrenpreis, Leonb. T r a b a n d t vier 2., einen 3. und den 1. Vereins-Ehrenpreis. Dom Verein „Züchter edler Kruarien", Maiaz, Ludwig Wepgandt tret 1., einen 2., den 2. Ehrenpreis und eine sildervergoldete Medaille für die beste Knorre. Außerdem wurden ausgezeichnet mit ersten Preisen Gollfr. B r ö g Nackf. (W. Krack), Wilh. Traudt (Inh. Katb. Vog') Hanau, sowie Christian Gries, Bremen, für ausgestellte Sämereien (Vogel'utter), Louis Jodrp für Vogelbauer, Herm. Döbrick, Neustadt (Orla) für eine Kollektion auSgeftopfte Tiere und Jean Vorwinkel von hier für eine in Bilsform arrangierte künstlerisch zuiammengestellie Käfersammlung.
* Tod infolge eines Sturzes. An den Folgen eines Sturzes ist gestern Morgen im Landkrankcnhauie der Metzgerge^elle Jean Hämmerling von hier verschieden. H. hatte an dem 4. Januar in der „Centralhalle" stattgehabten Balle der Metzger teilgettommen und war hierbei die steinerne Dieppe hinuntergefallen. Hierbei stürzte er so unglücklich auf den Kopf, daß eine Gehirnverletzung eintrat, die den Tod des blühenden janam Mannes zur Folge hatte.
V- Statistisches. Im Monat Dezember 1902 wurden in unsrer Stam lebend geboren 51 Kinder, 29 Knaben und 22 Mädchen. — Gestorben sind mit Ausicbluß von 2 Tod- geborenen, 68 Personen, 36 männlichen und 32 weiblichen Geschlechts, darunter 16 Ortsfremde. Für die Stadt selbst bleiben 52 und auf 1000 Einwohner und aufs Jahr berech»
net kommen 20 4 Todesfälle.
Von den Gestorbenen
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An Diphtheritis starben 5 Kinder,
darunter,
zwei auswärtige,
und an Masern 2. An akuter Erkrankung der Atmungsorgane starben 6 Personen, darunter 2 bejahrte Frauen an Influenza und ein Kind an Keuchhust n, und 9 Personen,
darunter 2 Ortsfremde, an Lungenschwindsucht. Die Todesursache war bei 8 Personen Entartung der Blutgffäße, bei 5 Krebsleiden, bei 4 Hirnhautentzündung, bei 3 chronische nicht tuberfulöfe Lungenerkrankung, bei je 2 Personen Herzleiden, Bauchfellentzündung, tuberkulöse Hirnhautentzündung, Krämpfe und Zuckerruhr und bei je einer Perlon Knochenmarkstuberkulose, Nierenleiden, Hirnerweichung, allgemeine Ernährungsstörung» Blinddarmentzündung, Skrofulose, Gelenkrheumatismus, brandiger Bruch und Schlaganfall. — Nicht durch Krankheit bedingt war der Tod in 7 Fällen. 4 Leute starben an Altersschwäche und 3 kleine Kinder an Lebenslchwäche.
Dr. Zeh.
V1. Januar.
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Hammer Vereins- tu HerannMngsnaHrtchterr
für Montan en 19 I anuar.
Kunst erdn: In der Aula uer Kömgi. Zeicheuakadèmie : AuSstelluilg von Etmäiden.
Draforknverein: Abends 7"« Ufir: Generalprobe b der Turnhegx, Wetteranische Gcsellsckalt für die gesamte Naturkunde: Abends 8 Uhr: Vmtrag im Hörinale -er Gescllsckast.
Turn> u. Feckiklnb: Abmd? von 6—7 Uhr: Turnen t'er Damenaü- teiluna In her neuen Turnhalle.
Dram.-Liter. Verein Hanau: Lesung: „Macht der Finsterniß^ im Ver- •etnsiotnl „mr Sonne".
Gvang. Männer- und Jüngliii isverein: Gelang (Ev. VeremshauS.) Tarn- u. Fecktklub: Turnen und Fechten.
Verein der Stiefmartenfammler: Zusammenkunft im „Restaurant Mohr".
Babelsberger Stenoarnvhen-Verei" im Gasthaus zu >cn .3Rlnvcrn": UedungSabüiid für Debutteinchiust.
Arends'icher Stenonravheu-Verein -Concordia" (Restauration „zur Allemania', Römerstieße): Abends do- 8—9 Uhr: Unterricht siir Schüler uno Auswär.ige; von 9—10 Uhr: Für Damen und Herren.
EiHNographeu-Verein Stolze-Schrep Vereinsaben in her „^onne“. Gesgngvere'n .Tonblüthe": Vereinsabend in ner „Stadt Bremen".
Verein „HessischerBund": Veriamml. im Vereinslek. „t. Hessischen Hof". Radfahrcrvcrein „Union”: Vereinsamend im „Schiibenhof".
RadmhrcElich „®ermai<a": Klubabend im Gastbaus „;. Glevhan.cu .
Freiwillige Feuerwehr: 4. Komv. Znsammenkuntt im „Schiinenhof".
5. Komp. Zusammenkunft in der „Restauration Ulsamer".
DerlteiKerungs- etc. Oaiendsc
für Dienstag v cv 20. Januar.
Holznerstciyeruiia im Gemeiudewald Rruchtöbel: Zusammerkunst vormiitaas 10 Uhr in der Buch nhe" (s. Nr. 12 .hin Anz.">.
Anaebote beir. Uebernahme aus Lieteruna der V rpffmun sbedürf- i’iffe, Reminunosui ltel, sowie die Abnahme der Küchenabsälle, Knochen, Srotrrfte rc. für das Hiesi c 9öiH 'MoriUon äa-ia’ et auf d>e Zeit vom 1. Avril 1903 bis 31. Ma>z 1901, sind bis vor mittags 10 Uhr im Geschäft?-stmmer o''engenamten Lazarets abzaneben (f. Nr. 8 „^an. AlizZ). — Nackmittags von 2 Uhr ab sollen in d"m f üheren La^en dis Herrn S. Greiff. Marktplatz Nr. 20, eine große P rtie Mavilmr- und andere Gegenstände dmch den beeid. Taxffor 'nd Auktionator Herrn Fr. Kämpfe aesen gleich haare Zahlung versteigert werden — Nachmittags 3 Uhr soll die der Gemeine DüdelSdeim znffebendr F la- ün- $3 dijiab auf dem Rathausr aaset st auf weitere 6 Jahre verpachtet werden (s. Nr. 12 „Han. Anz/).
Telegraphijchec Wetterbericht dec deutschen Seewarte.
Telegramm aus Hamburg vom IS. Januar, 9 Uw 35 Min.
Ein Maximum von 781 mm lagert über Westrußland, ein Minimum unter 757 mm vor dem Kanal. In Deutschland wehen schwache, vorwiegend südöstliche Winde, das Wetter ist heiter, trocken, es herrscht strenge Kälte.
Prozno'e für den 20. Januar: Fortdauer des herrschenden Wellers zunächst noch wahrscheinlich.
Aus dem Gerichtslaal. .
Sitzung des Schwurgerichts vom 19. Januar.
Verleitung zum Meineid.
Zu Beginn der Sitzung begrüßte der Vorsitzende Herr Landgerichtsrat Stoll die Geschworenen im Namen des Gerichts und teilte mit, daß von j'tzt ab, um die einzelnen Schwurnrichtsperioden abzukürzen, das Schwurgericht jährlich vier Mal (statt früher drei Mal) Zusammentritt. Die diesmalige Pwiode wird 8 Tage in Anspruch nehmen.
Auf der Anklagebank sttzt der mehrfach vorbestrafte Taq- lâhner Io^a«ncs V o n r h e i n von Hanau, geboren am 13. Februar 1878 zu Rückingen, unter der Anschuldigung der Verleitung zum Meineid. Vonrhein war wewn der zur Anklage stehenden Tat bereits am 26. Mai v. I. von der hiesigen Strafkammer zu 1 Jahr Zuchtshaus verurteilt worden, das Reichsgericht hat aber der Revision be^ Angeklagten stattgeaeben und die Sache als eine nur vom Schwurgericht abzuuneilende Tat zur nochmaligen Derhandlnnq zurückverwiesen. Den Hintergrund zu der Affaire bilden folgende Vorkommnisse:
In der Nacht vom 5. zum 6. August 1901 war Vonrhein mit seinem Kollegen Weigand in einer Wirtschaft in der Dechaneistraße, nach deren Verlaffen sich Beide ikandakierend auf der Strafe berumtrieben und bei den Gästen einer nebenan liegenden Wirtschaft den berechtigten Verdacht rege gemacht batten, daß sie eine Schlägerei inszenieren wollten. Die Schutzleute, welche dem Treiben lange zugesthen hatten und auch von den bedrohten Gästen zum Eingreifen aufgefordert waren, faßten Vonrhein schließlich, nachdem sie ihn mehrfach vergeblich zum Heimgehen aufgefordert hatten, am Arm und brackten ihn mit Gewalt in feine Wohnung. Kaum hatten die Schutzleute den Rücken gedreht, so erschien V. wieder skandalierend auf der Strafte, sodaß er nach dem Polizeigefängnis gebracht werden mußte. V. leisteie dabei gröblichen Widerstand, beschimpfte und beleidigte die Schutzleute und wurde infolgedessen am 17. Dezember 1901 zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt. Nach brm Termin ging D. mit seinem Freunde Weigand über den Marktplatz und traf dort mit dem Silberarbeiter Jucken zusammen, der vorher als Zusckauer der gerichtlicken Verhandlung mit zu- aebört hatte. Juchm sagte zu V.k „Na Sie haben viel bk kommen s" worauf V. antwortete: „Ja die Spitzbuben haben mir drei Monate aufgehängt und der Schutzmann stellt sich frech bin und schwört einen Meineid." Jucken madie von dieser Aeußerung Anzeige und die Folge war natürlich wieder eine Anklage wegen Beleidigung des Schutzmanns und des Gerickis. In der Verhandlung vor . der Strafkammer bestritt V. die Aeußerung und fein Freund Weigand, der als Zeuge vernommen wurde, wollie auch nickts gehört haben. Infolge energifcker Borbaltungen, die dem Weigand gemacht wurden, gestand dieser aber doch schließlich ein, daß V. die Aeußerung getan hätte und daß er (Weigand) es nur verschwiegen labe, weil Vonrhein fortwährend aufgefordert habe, zu sagen, er wisse von nichts. Vonrhein wurde dann wieder wegen Beleidigung zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt und weitere Anklage gegen ihn erhoben wegen Herleitung zum Meineid, die den vorn erwähnten Ausgang nahm. Der Angeklagte bestreitet ganz