Einzelbild herunterladen
 

Erstes Blatt

anauer U Anzeiger

Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 M., monatlich 60 Pfg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

General-Anzeiger

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, ev. MN Organ für Stadt- «ad Landkreis Hanan Waisenhauses in Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einriilkungsgebühr:

Für L.. und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Pctitzeiie oder deren Naum, für AusroartZ 16 Pfg., im NeNameniheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Virannorril. Nedakicur : H. S ch r e ck e r in H<mW,

Nr. 293

Fernsprechanschluß Nr. 605

Mittwoch den 16. Dezember

Fernsprechanschluß Nr. 605

1903

Amtliches.

Ausschreiben.

Am 12. d. Mts., in der Zeit von 8 Uhr morgens bis 6 Uhr abends, wurden an zwei verschiedenen Stellen hiesiger Stadt aus drei verschlossenen Mansardenzimmern mittelst Nach­schlüssels nachverzeichneie Gegenstände gestohlen:

a) 1. ein Sparkassenbuch der städtischen Sparkasse Hierselöst Nr. 9848 über 35 Mark auf den NamenHelene Klüh" lautend,

2. ein gold. Damenring mit blauem Stern,

3. 5 Mark an barem Gelde.

b) 1. eine silb. Damen-Remontoiruhr mit Goldrändern und römischen Zahlen,

2. drei gold. Damenringe, der eine mit blauem, der andere mit rotem Stein, der dritte ist ein Trauring mit der Gravierung:G. B. 12. 4, 03."

c) 1. 12 60 Mark an barem Gelbe,

2. zwei gold. Damenringe, wovon der eine mit zwei roten und der andere mit einem roten Stein ver­sehen ist.

Der oder die Täter hatten es offenbar nur auf Geld oder sonstige Wertgegenstände abgesehen, denn alle Behältnisse wur­den von denselben durchwühlt und durcheinandergeworfen. Es ist nicht ausgeschlossen, daß dieselben mit den bereits in an­deren Städten aufgetretenen Mansardendieben identisch sind.

Um Anstellung von Nachforschungen nach den gestohlenen Gegenständen und den unbekannten Tätern, Festnahme der letzteren im Betretungs falle und Nachricht hierher wird ersucht.

Hanau den 14. Dezember 1903. J. P. 10112/03 Königliche Polizeidirektion ----------------------------

Stadtkreis Danau*

BMutmachungen des OberblirgermeisteramteS.

BekaNntmachUNg.

Siiftnngsgelder im Betrage von 16,200 Mk. sollen im ganzen oder in Teilbeträgen zu 4°/o Zinsen alsbald ausgeliehen werden.

Bewerber wollen sich bei mir melden.

Hanau den 1. Dezember 1903.

Der Oberbürgermeister.

I. V.: Bode. 22244

Bekanntmachung.

Die Herren Arbeitgeber werden ersucht, bei Bedarf von Arbeitskräften, sowohl für dauernde, wie für borüber­gehende Beschäftigung, sich der Vermittelung des städtischen Arbeitsamtes Langstraße 41, Erdgeschoß rechts zu be­dienen.

Hanau den 2. Dezember 1903.

Der Magistrat.

Dr. Gebeschus. ^63

LMMMWer Kreisverti« Ham.

Nächste Versammlung Samstag den 19. d. Mts., nachmittags 21/» W, im Gasthaus zum goldenen Löwen, Vorstadt Nr. 1, hier.

Tages-Ordnmrg:

1. Geschäftliche Mitteilungen.

2. Gemeinschaftlicher Bezug von Saatgut und Kartoffeln.

3. Vorschläge des Herrn Gutspächter Wittmer zu Dotlen- felderhof über Verbesserungen im landw. Betriebe.

4. Aufnahme neuer Mitglieder.

5. Sonstige Mitteilungen.

Der Vorstand.

Die vorstehende Bekanntmachung des landwirWaitn^en Kreisvereins wollen die Herren Bürgermeister in ihren Ge­meinden wiederholt in ortsüblicher Weise bekannt machen.

Hanau den 12. Dezember 1.903.*

Der Königliche Landrat.

v. Beckerath.

Mue Stadt und Cand.

Hanau, 16. Dezbr.

* Ordensauleaung. Dem Ober-Postas 'uann, zuizeil Vize-General-Direkior der stamei. ist i . Telegraphen zu Bangkok, wurde die Erlaubnis zur ä ^s ihm verliehenen nichtpreußischen Ordens, der !b Qtdms der siamesischen Krone, erteilt.

* Eine Ergentümlichkeit des scheidenden Jahres. Das Jahr 1903 gibt uns ein hübsches Rätsel auf, dessen'ung zwar dem gewiegten Astronomen keine Schwierigkeiten bereiten kann, aber dem Kopf ohne besondere Bildung in diesem Fach oder in der Kalenderwissenschaft eine nicht ganz leichte Nuß zu knacken gibt. Das Jahr hat nämlich einen seltenen Mangel, es besitzt keinen kürzesten Tag. Wie kommt das? Wir sind doch durchaus daran gewöhnt, in unserem Kalender einen Tag als den längsten und einen als den kürzesten bezeichnet zu finden, und wir haben auch diesmal eine entsprechende Angabe, wonach am 23. Dezember der Winter anfängt. Deshalb ist es aber noch nicht richtig, die'en Tag den kürzesten zu nennen, denn einen solchen gibt es, wie gesagt, in diesem Jabre nicht, trotzdem es einen längsten Tag gegeben hat. Die Aufkärung gibt selbstverständlich die Be­trachtung des scheinbaren Sonnenlaufs. Der kürzeste Taz ist der Tag der winterlichen Sonnenwende, also derjenige, auf den der Augenblick fällt, wo die Sonne den südlichen Wende­kreis des Sieinbsckes erreicht und sich nun wieder nach Norden gegen den Äquator hin wendet. Dieser Augenblick fällt nun im Jahre 1903 genau auf 'Mitternacht zwischen den 22. und 23. Dezember. Die Folge davon ist, daß diese beiden Tage, von Sonnenaufgang zu Sonnenuntergang gemessen, gleich lang sind. Das Jahr hat also nicht einen kürzesten Tag, sondern deren zwei.

* Uebsr MtffaÄende Unterschiede im Fleisch- preis berichtet dasMainz. Tgbl.": Der Garnisonverwaltung zu Mainz wurden auf ihr Ausschreiben für Fleischlieferungen u. a. folgende Gebote gemacht: Das Kilo Ochsenfleisch 1.21 Mark, während der Ladenpreis für das Publikum 1.52 Mk. beträgt und üch miigui vouZ4Nfg, ergibt.

Für Schweinefleisch soll die Militärbehörde 1.20 Mk., also 40 Pfg. weniger als das Publikum zahlen.

* Der Mailt in Flamme». Zu unserer gestrigen Notiz unter diesem Stichwort wird aus Fechenheim geschrie­ben : Derbrennende Main" ist für die hiesige Einwohner­schaft ein altgewohntes Schauspiel. Es handelt sich um nicht weiter zu verwendende chemische Nebenprodukte, die vom Farb­werk aus in den Main geleitet und dann augezündet werden.

* Stadttheater. Wir weisen nochmals auf das heute zum letzten Male in Szene gehende reizende Lustspiel:Die goldene Eva" hin. An den Weihnachtsfeierlagen gelangen wieder zwei bedeutende Novitäten zur Aufführung, und zwar Halbe's neues gewaltiges Drama:Der Stroin" und iaS in unserer Nachbarstadt Frankfurt bereits mit so eminentem Beifall aufgenommene Lustspiel:Der blinde Passagier". Die für letzteres neu gemalten prachtvollen Schiffsdekorationeu aus dem Atelier des durch seinen Alt- Heidelberg-Pro'pekt hier rühmlichst bekannten Dekorationsmalers Kubn sind aus Cöln bereits eingetroffen und ist Ler Theater- meister schon mit der Montierung derselben beschäftiat.

* GM spiel der Internationale» Tournee Nachtasyl". Mit dem Gastspiel-EnsembleN achtasnl" hat die hiesige Direktion keine weiteren Beziehungen, als daß der Gesellschaft die Bühne an dem speziell gewünsch.en Abend überlassen wird. Ein ichon vor längerer Zeit festgesetztes Gast­spiel, Mitte Januar, kann die Unternehmerin Frl. Melanie Dorm) einer holländischen Tournöe wegen nicht «»halten, so daß das Gastspiel auf eigenes Risiko derselben am kommenden Moniaa erfolgt.

* Theater Ensemble. In einem Eingesandt wurde gestern die Frage aufgeworfen, ob sich ein Wiederengagement von Frl. Toran nicht ermöglichen lasse. Wir sind nun in der Lage, selbst eine kurze Antwort zu erteilen. Aus einem uns zufällig zu Gesicht gekommenen Privatbriefe ersehen wir nämlich, daß Frl. Toran bereits für nächstes Jahr vomSradt- theater zu Danzig weiter engagiert worden ist.

* Gesangverein Fröhlichkeit. Seme diesjährige Weihnachtsfeier begeht der Gesangverein Fröhlichkeit wie schon seit Jahren am Bescheerabend durch eine interne Feier im Ler­einslokal. Am 2. Wechnachlefeieriag findet dann die vffmt- Feier in Form von Abendunterhaltung und Ball im Deutschen Hause statt, für welch legiere Veranstaltung ein entsprechendes Programm vorgeieben ist. Liste bifindel sich in Umlauf.

* * Wege» gefährlicher Körperverletzung. In lang- andauernder Verhandlung hatte sich zum Schluß der gestrigen Schöffmgerichissitzung das Architekten-Ehepaar B. Hier wegen gefâ rlicher Körperverletzung zu veranttvorlen. Die Angetlag- icn bewohnten seit Januar mit der Familie eines Landmessers zusammen ein Haus in der Spessartstraße und das Berhâltuis zwischen den beiden Parteien war schon von Anfang an ein sehr kühles, das nach und nach immer feindseliger wurde. Am Abend des 1. September kam es endlich zu einem entscheidenden Zusammenstoß, bei welchem auch Butt floß und dem Laud- mesfer von feiten des B. eine DueÜforderüug in Aussicht g-- stellt wurde, die letzterer aber im voraus äNehuie. Die beider­

seitigen Darstellungen deS Vorganges weichen wesentlich von einander ab, doch waren eine Anzahl unparteiischer Zeugen vorhanden, nach denen sich der Vorgang etwa wie folgt ab­spielte: Nach verschiedenen vorausgegangenen Streitigkeiten, in denen sehr delikate Dinge zur Sprache kamen, scheint das Ehe­paar B. am Abend des 1. September derart auf den Haus­genossen Landmesser M. geladen gewesen zu sein, daß es be­schloß, ein Exempel zu statuieren. Verschiedene Leute sahen daS Ehepaar B. an dem Abend in dem Garten der Wirtschaftzum Bernhardkeck" sitzen, das so'ort sein Bier austrank, als draußen der Landmesser M. vorüber nach seiner Wohnung zuging. Zuerst eilte der Ehemann B. nach, welcher gerade vor dem Gartentor anlangte, als M., der keinen Schlüssel bei sich hatte, an das Gitter klopfte, um seine Frau zum Herunterwerfen deè Schlüssels zu veranlassen. B. hatte feinen Schlüssel bei sich und schloß sofort auf. Als M. auch zur Tür hinein treten wollte, sagte B. zu ihm:Sie werden doch nicht erwarten, daß ich auch für Sie aufgeschlossen habe!" und verweigerte feinem Gegner den Eintritt auf das von ihm (L.) erfolgte Aufschließen hin. M. erklärte denn auch, daß er eben den Schlüssel heruntergeworfen bekomme und auf jede Gefälligkeit des B. verzichte. Mittlerweile wurde der Schlüssel herunter- geworfen und M. schloß die Tür von neuem auf. Inzwischen war aber auch die Ehefrau B. am Tor angelangt, der gegen­über M. sich sofort für das Verhalten ihres Ehemannes revanchierte. Er ließ sie ebenfalls nicht eintreten, sondern drängte die schon halb im Tor befindliche Frau B. hinaus und schloß ab, nach seiner Angabe deshalb, weil ihm das Ver­halten des Ehepasres sehr verdächtig vorkam und er von den beiden nichts gutes erwartete. In dem Vorgarten des HauseS entlud sich nun über dem Landmesser der ganze Groll des Ehe­paares L. Während er sich nämlich buckle, um seinen herab­gefallenen Schlüssel aufzuheben, erhielt er von dem B. mit dessen außerordentlich dickem Spazierstock von hinten einen Schlag, daß ihm für den Augenblick Hören und Sehen ver­ging. Gleichzeitig griff aber auch die anscheinend sehr energi­sche Frau B. durch das Gitter und hielt den Landmesser fest. Fetzt haben wir ihn!" soll von den B.'s gerufen worden fein und dann schlug sie dem halb Betäubten den Hut um den Kopf, während der Ehemann B. mit seinem Stock auf M. einhieb. Ein Dienstmädchen, das von dem oberen Fenster eine- benachbarten Hauses die turbulente Szene beobachtete, während des folgenden Momentes jedoch einen Augenblick vom Fenster wegging, hatte den Eindruck, als ob die Ehefrau B. sich fertig machte, über daS Gitter hinüberzuklettern. Letztere behauptet, sie sei durch daS Tor gegangen. Tatfächlich war sie nachher ebenfalls im Vorgarten und es wurde hier wiederum auf den Landmesser eingefchiagen, der nun gleichfalls kräftige Hiebe austeilte, von denen die Frau B. verschiedene erhielt. Das Dienstmädchen der Eheleute B. war mit einem Besen be­waffnet zum Fenster heraus in den Garten gesprungen, um ihrer Herrschaft zu Hilse zu kommen, doch war diese über­flüssig geworden, denn der Kampf und das Hilferufen hatten verschiedene Leute herbeigelockt, auch die Streitenden selbst waren des grausamen Spiels müde und so wurden die Waffen einem hinzukommenden Radfahrer überlassen. M. blutete aus mehre­ren Wunden. Auf der Anklagebank nimmt heute das Ehe­paar B. Platz, während M. als Nebenkläger auf tritt. Der EhemannB. wird zu fünfhundertMarkGeldstrafe verurteilt, während die Ehefrau B. eine solche von fünfzig Mark erhält. Die subsidiären Gefängnisstrafen sind 50 bezw. 5 Tag? Gefängnis.

* Selbstmord-Versuch. Der in der Dettingerstraße 16a wohnende Diamantschleifer Herm. Sch. besuchte g-ftern nachmittag in 'Begleitung seiner Schwägerin sein an Diphtheri'.is erkcanktts, im Landkrankenhause liegendes Kind und ließ be­reits aus dem Nachhausewege verworrene Redensarten fallen. Zu Hause angekommen, schickte er seinen ältesten Jungen mit einem Auftrage fort, legte sich aufs Bett und schoß sich mittels «nes Revolvers zwei Kugeln in die linke Brust- seite. Seine Schwägerin, die kaum unten angelangt war, hörte dm Schutz und veranlaßte vor dem Hause arbestende Bauhandwerker, mit hinaufzugchen. , Als die Tür aufgebrochen wurde, fand man den S., wie vor­erwähnt, schwer verletzt auf dem Bette liegend. Er rvuroe ins Landkrankmhaus gebracht, woselbst ihm die eine "l ve. Brustseite stecken gebliebene Kugel entfernt werden wnnte. ^i Motive zu der Tat dürften in Krankheit und ^amtliengw fug- leiten zu suchen fein. *

m ^AenhciUt, 14. Dezbr. (Kriegsfestspiele.) Sielaff W» "Deutschlands Erwachen" weiche der hiesige KriegcroereinAlemannia", wie bereits Laufe dieser Woche an jedem Abend ver-

austulte!, haben programmmäßig am Samstag abend bereits begonnen und die vier seitdem staltgefundenen Vorstellungen