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Drdruckt und verlegt in der Buchdrucks«: des verein. ev.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Hanau
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. - ^'^wortl. Redakteur.: G. Schrecker in HsvW,
Fernspechanschlnß Nr. 605»
Freitag den 16. Oktober
Fernsprechanschluß Nr. 605» 1903
Amtliches
Stadtkreis Danau.
Die unter dem Geflügelbestande des Verwalters Friedrich Hermann, wohnhaft Leimenstraße Nr. 8 hier, ausgebrochene Geflügelcholera gilt als erloschen.
Die Gehöftsperre ist aufgehoben.
Hanau den 13. Oktober 1903.
Königliche Polizei-Direktion.
P 6958 J. V.: Lehfeldt, Reg.-Assessor.
Candkreis Danau.
Bekanntmachungen des Königl. Landratsamtes.
Aus Staatsmitteln können zu Gemeinde-Obstpflan- zungen und Musteranlagen Beihilfen gewährt werden. Diese sollen je nach der Leistungsfähigkeit stets nur einen Teil der mit dem Ankauf und der Anlieferung der Bäume verbundenen Kosten ausmachen. Sie werden ferner nur dann bewilligt, wenn die klimatischen und Bodenvcrhält- niffe sich für den Obstbau überhaupt eignen, die pflegliche Unterhaltung und Behandlung durch Uebernahme entsprechender Verpflichtungen, wie Bestellung von Baumwärtern, gesichert ist und nur gutes sortensicheres Material aus einheimischen Baumschulen in möglichst wenigen anbauwürdigen Sorten verwendet wird. *
Etwaige nach Vorstehendem gehörig zu begründende Anträge auf Gewährung von Beihilfen im Jahre 1904 sind mir bis zum 15. November d. Js. einzureichen. Dem Anträge ist ein Kostenanschlag beizusügen und anzugeben, in welcher Höhe die Beihilfe erbeten wird.
Hanau den 12. Oktober 1903.
V 8057
Der Königliche Landrat.
v. Beckerath.
Gefundene und verlorene Gegenstände re.
Gefunden: 1 längliches Portemonnaie mit einem weißen Rosenkranz, 1 Schlüsselbund, 1 Portemonnaie mit 20 Mark (im Laden Nürnbergerstraße 19 bei Prögler liegen geblieben), 1 kleines schwarzes Kinderstrümpfchen.
Verloren: 1 Regenschirm mit Nickelgriff, 1 silberne Herrenuhr mit Nickelkette, 1 kleine silberne Herrenuhr ohne Ring und Kette.
Entlaufen: 1 weißer Foxterrier mit gelben Abzeichen. 1 schwarzer langhaariger Jagdhund.
Hanau den 16. Oktober 1903.
Hus Stadt und Cand.
Hanau, 16. Oktober.
Geffentliche Sitzung der Stadtverordnetenversammlung
vom 15. Oktober 1903.
Anwesend die' Herren Canthal, Vorsteher, Aukamm, Bier, Brüning, Eberhard, Föll, Glaser, Dr. Heraeus, Hoch, Kehl, Kreuter, Küstner, Lucht, Müller, Reis, Roth, Schwabe, Steinheuer, Stübing, Treusch, Voltz und Dr. Wagner.
Vom Magistrat: die Herren Oberbürgermeister Dr. Gebc- schus, Stadtbaurat Schmidt, Stadtrat König und Magistrats- Assessor Lautsch.
Es sind drei nicht auf der Tagesordnung stehende Eilvor- lagen eingegangen, deren heutige Beratung beschlossen wird. Die erste derselben betrifft die
Verlegung und Erweiterung der Feuer-Alarm- Anlage vom bisherigen Polizeidirektionsgebäude nach der Elektrizitätszentrale.
Für die Ausführung der gesamten Vorlage wird ein Betrag von 10,000 Mk. gefordert. Referent Glaser berichtet eingehend über die Vorlage, welche in der Hauptsache durch die Verlegung der Königlichen Polizeidirektion nach dem neuen Kreishaus in der ^ainftraße veranlaßt wurde. Man hatte in einem früheren Stadium der Angelegenheit dahin zu wirken versucht, daß auch nach Verlegung der Polizeidirektion eine Wache in dem alten Gebäude verbliebe, der Plan wurde auch vom Herrn Landrat unterstützt, hat aber die Genehmigung des Ministers nicht gefunden, weil das alte Gebäude verkauft werden soll. Der Stadt wurde daher am 1. Oktober gekündigt. Um für die Zukunft derartige unliebsame Vorkommnisse zu vermeiden, habe man sich entschlossen, die Anlage nach einem der Stadt gehörigen Gebäude und zwar der Elektrizitâtszentrale zu verlegen. Hierbei sollen zugleich die technischen Stängel beseitigt werden, welche der seitherige Betrieb ergab und zugleich die notwendig gewordenen Erweiterungen gebain werden, worüber Referent nähere Mitteilungen macht. Die Haupt
schwierigkeit liegt in der Ummontierung der Zentrale und wird während derselben der kleine Alarm 3 Tage und der große Alarm ebensolange, jedoch zu verschiedenen Zeiten, außer Betrieb sein. Die Ummontierungskosten werden 5000 Mk., die Kosten für den weiteren Ausbau, Verbesserungen und Wachen während des jetzigen Interregnums ebensoviel betragen. Der seither für den Betrieb der Anlage aufgewendete Betrag von ca. 1500 Mk. pro Jahr sei gegenüber den Kosten für die frühere ausgedehnte ständige Feuerwache keineswegs ein hoher zu nennen. Redner empfiehlt die sofortige Annahnie der Vorlage, damit die alsbaldige Vornahme der Verlegung beginnen könne, da andernfalls die Gefahr vorliege, daß die Arbeiten durch Schneefall in recht unangenehmer Weise verzögert und durch kostspielige Wachen noch erhebliche Mehrkosten nötig werden könnten. — Stadtv. Eberhard regt an, ob es nicht praktisch wäre, sich heute mit der Ausführung der Arbeit einverstanden zu erklären und die Einzelbewilligungen späteren Vorlagen vorzubehalten. — Stadtv. Roth fragt an, ob cs nicht möglich wäre, die Anlage nach dem neuen Kreishaus zu verlegen, da dortselbst keine besondere Wache nötig wäre und dieUnier- bringung jedenfalls auch wiederumsonst geschehen könne.—Stadtrat König widerlegt diese Ausführungen, weist auf die Unzuträglich- keilen hin, welche durch Verlegung in ein fremdes Gebäude entstehen können und erläutert die Vorlage nach der technischen Seite hin. — Stadtv. Craß beantragt die Verweisung der Vorlage an die Finanzkommission. — Oberbürgermeister Dr. Gebeschu 8 ergänzt die magistrailichen Mitteilungen noch dahin, das Gebäude am Paradeplatz sei fiskalischer Besitz ge- wesen und habe man dort keine Wete zu zahlen brauchen, das jetzige Kreishaus 'sei nicht-fiskalisch und auf eine diesbezügliche Anfrage sei ihm direkt mitgeteilt worden, bei dem jetzigen VerhäWs müsse eventl. Miete gezahlt werden. Wir haben übrigens auch früher erlebt, daß im alten Kreishaus- gebâude, als die Kreissparkaffe eingerichtet wurde, die Alarmanlage in ein anderes Zimmer gehen mußte, was damals schon einen Kostenbetrag von 3000 Mk. erforderte. — Stadtv. Dr. Heraeus erklärt, es sei ja kein - Zweifel, daß die Ver- legung in die Elektrizitätszentrale das praktischste wäre, es seien aber doch eine Menge Fragen dabei zu prüfen, über die man sich in der Finanzkommission ganz gut unterhalten könne. — Nachdem nochmals Stadtrat König zur Vorlage gesprochen, wird der Antrag Craß abgelehnt, der Antrag Eberhard, der die Bau-Bewilligung vorsieht und die Einzelbewilligungen in der Kommission geprüft reiften will, angenommen.
Benachrichtigung der Wähler, welche mit einem Einkommen von weniger als 660 Mark eingeschätzt sind.
Vom Stadtv. Hoch und Gen. liegt ein Antrag vor, betr.: „Briefliche Benachrichtigung derjenigen Personen, welche steuerfrei veranlagt worden sind und ausdrückliche Bemerkung hierzu, daß diejenigen Einwohner ihr Wahlrecht zur Stadtverordnetenwahl verlieren, welche mit einem Jahreseinkommen von 660 Mark und weniger veranlagt sind." — Stadtv. Roth referiert über den Antrag und will, wenn es sich ermöglichen läßt, sich dem Antrag, soweit er die Benachrichtigung betrifft, anschließen. Dagegen verhalle er sich zu dem zweiten Teil des Antrags, betr. die Bemerkung, daß der Betreffende eventl. sein Wahlrecht verliere, ablehnend, da er die Steuerbehörde nicht für kompetent halte, den Einwohnern die politischen Konsequenzen aus ihrer Veranlagung zur Diener zu ziehen. Stadtverordneter Hoch begründet seinen Antrag und bittet um Annahme desselben. Es betreffe die ärmsten Leute, die kein Blatt halten könnten und die deshalb gegenüber den besser Situierten, welchen die Benachrichtigung in Form der Pualikation in den beiden Lokalblättern zugehe, sich im schweren Nachteil befinden. Redner bemängelt weiter, daß die letzte diesbezügliche Bekanntmachung erst drei Tage war dem Endtermin der Einspruchsberechtigung erfolgte. Die Publikation erfolge nur in den hiesigen Lokalblättern, welche kein Arbeiter lese (hiermit befindet sich Herr Hoch in schwerem Irrtum, soweit der „Hanauer Anz." in Betracht kommt. Die Red.) Das „Arbeiterblatt" aber könne die Publikation erst am andern Tag abdrucken und gehe dadurch den Arbeitern wieder ein Tag verloren. — Oberbürgermeister Dr. Gebeschus führt aus, so wie er gestellt sei, könne der Antrag auf Entgegenkommen beim Magistrat nicht rechnen. Unter den zu 660 Mk. und weniger Einkommen Veranlagten befinden sich auch alle diejenigen, bei welchen kein Interesse für Wahlen vorliege, wie Dienstboten :c., da aber dir Steuerlasten nur die Zen inen führe, io müsse b.eie bei Annahme des Antrags in der vorliegenden Form wiederum mit der Liste auf dem Einwohnermeldeamt verglichen werden. Wenn daher Herr Hoch den Antrag mra in der Form c n- bringen wolle, das; d eienicrn Perore». welche mit <üiem Einkommen von über 420 uns unter 060 Mk. veranlagt sind,
daun handle cs sich i o 6 um 415 P-Mmn, denen gegenüber
Wè^tige Kmmrre- MUlM auuev ven untcrsMtzr rMh ! ai t 15 Sdtsiu
man ein Entgegenkommen wohl beweisen könne. Nachdem Stadtv. Hoch seinen Antrag entsprechend modifiziert, erfolgt Annahme desselben, soweit es die Benachrichtigung der derart Veranlagten betrifft, dagegen wird entsprechend den Ausführungen des Referenten der zweite Teil des Antrags, welcher die Bemerkung verlangt, daß die Betreffenden dadurch ihr Wahlrecht verlieren, abgelehnt.
Antrag betr. Neberwachung der städt. Schulen durch Schulärzte.
Ueber den diesbezüglichen Antrag Hoch referiert Stadtv. Roth, welcher sich des Näheren über die in dieser Richtung gemachten Erfahrungen verbreitet. Längere Beobachtungen hätten gezeigt, daß die Kinder sich Krankheiten zuziehen, welche nur der Schule zur Last fallen. Die Aufsicht durch Leien sei ungenügend und die Anstellung von Schulärzten notwendig, mit welchen man in Wiesbaden nur gute Erfahrungen gemacht hat. Die Befürchtungen, daß durch die Anordnungen der Schulärzte in Bezug auf Einteilung des Unterrichts, Ausstellung der Lehrpläne etc., die Autorität des Lehrers untergraben werdenfkönne, habe verschiedentlich auch den Widerspruch der Lehrer gegen diese Einrichtung hervorgerufen, sei aber längst durch die gemachten Erfahrungen widerlegt. Redner verweist auf die Verhandlungen des StâdtetageS vor 2 Jahren in Schmalkalden, auf welchem diese Frage eingehend erörtert wurde und wobei sich ein berufener Fachmann wie auch unser Oberbürgermeister für diese Einrichtung ausgesprochen haben. Auch die höheren Schulen müßten mit einbegriffen werden, damit der jetzt vielfach vorhandenen Ueberbürdung der Schüler vorgcllmat werde. Redner führt weiter aus, daß sich hier. Herr Sanitätsrat Dr. Eisenach, soweit ihm seine Zeit dies gestattet, in sehr dankenswerter Weise mit schulsanktärm Angelegenheiten befasse und dies bringe ihn auch auf den Gedanken, einen Arzt im Nebenamt hierzu auzustellen, schon aus Rücksicht darauf, daß die Anstellung einer zu jungen unerfahrenen Kraft vermieden werde. — Stadtv. Glaser nimmt einen völlig ablehnenden Standpunkt ein. Wenn es sich nur um die prinzipielle Aeußerung hierzu handle, so werde er bejahend antworten, aber er sei mit derartigen prinz'piellen Zustimmungen sehr vorsichtig geworden. Wenn er jetzt den Antrag annehme, der Magistrat komme später mit einer sehr hohe Kosten erfordernden Vorlage, und er wolle sich dagegen aussprechen, dann werde ihm einfach erwidert: „Was wollen Sie, Sie haben ja selber eine derartige Vorlage verlangt, wenn nicht, dann hätten Sie ja den früheren Antrag nicht anzunehmen brauchen. Die Angelegenheit spiele schon einige Wochen, wir hätten inzwischen Gelegenheit gehabt, das neue Schulgebäude mit seinen vorzügliches Eimichtungen kennen zu lernen und da sei ganz gewiß niemand zu der Ueberzeugung gekommen, nun aber schnell'noch Schulärzte, welche die Lüftung, Beheizung rc. zu beaufsichtigen haben. Er sei durchaus nicht neugierig, eine derartige Vorlage vom Magistrat zu erhalten und wenn hier immer auf Wiesbaden hingewiesen werde, so sei zu berücksichtigen, daß diese Stadt zu den steuerkräftigsten ■ im ganzen Reiche gehöre. — Stadtv. Dr. Heraeus weist darauf hin, wie von fachmännischer Seite eröffnet wurde, daß mit der Anstellung von Schulärzten noch gar nichts getan sei, sondern, daß damit erst eine Reihe von Streitfragen sich ergebe. Es frage sich dann erst, ob die Kommunen auch,. bereit seien, die Schäden, die aufgedeckt würden, zu heilen. Dies würde eine Reihe weiterer Erörterungen veranlassen, wir seien aber mit Vorlagen und langen Sitzungen jetzt noch so überlastet, daß mancher Geschäftsmann sich schon die Frage vorgelegt habe, ob er das auf die Dauer noch mitmachen könne. — Stadtv. Treusch erklärt, bei allen Vorlagen, welche hohe Kosten erfordern, frage er sich, ist die Sache brennend, oder brennt sie nicht. Die Alarmanlage sei „brennender" Natur (Heiterkeit), darum habe er ihr zugestimmt, diese Frage sei es nicht. Es werde immer Umschau gehalten
und dabei auf Wiesbaden und Frankfurt hingewiesen. (Stadtv. Roth ruft: In Frankreich ist sie obligatorisch!) Wir sind hier nicht in Frankreich, wir sind in Deutschland. So reich wie Frankfurt und Wiesbaden sind wir aber leider nicht. Die Steuern gehen fortwährend in die Höhe, nächstens werden wir wohl auf 150 pEt. anlangen, aus allen Kreisen würden ihm Klagen über die wachsenden Steuerlasten zugetragen, er wnje nicht, ob das nur bei ihm der Fall sei. Bei den letzten Neuwahlen sei ihm gegenüber die Hoffnung ausgesprochen worden, jetzt, wo die Herren Sozialdemokraten dabei waren, würde es wohl sparsam zugehen, nun sähen wir aber, daß es nur um so schlimmer gekommen sei. Sie w-ijen w-r haben ein Arbelts- aml etabliert, was nicht frequentiert wird, weil unsere Stadt viel w klein für solche Entrichtungen ist. Wenn man nach eine-n Viustmäscheu fragt, so sind keine angemeldet u. s. w. Gr sei nrcen die Vortage, weil sie der Stadt wieder neue Listen bringe. Mit dem Schularzt allein sei es nicht abgetan,