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Samstag
16. Mai
* Die Erfolge der Trinkerheilstätte. Die im Herbste vorigen Jahre eröffnete Trinkerheilstätte auf dem Burgberg bei Bieber kann bereits seine ersten Erfolge melden. Vor Kurzem wurden aus der Anstalt die beiden ersten Patienten als völlig geheilt in die Heimat entlassen. Es sind dies ein Landwirt aus Neuweid (bei Tann in der Rhön) und ein Geschäftsmann aus Karlsruhe. Es erforderte nicht wenig Mühe, um diese soweit herzustellen, daß sie ihrem Berufe wieder flott nachgehen können, zumal dieselben durch den Genuß alkoholischer Getränke sehr herabgekommen waren. Gegenwärtig sind wieder fünf Personen in der Anstalt, ein Kellner aus Frankfurt, ein Dienstmann aus Offenbach, ein Beamter aus Magdeburg, ein Portier aus Hanau und ein Arbeiter aus Darmstadt, die sich auch schon wesentlich gebeffert haben.
* Zlaschenfahrplait. Der Stadtauflage unseres Blattes iWgt ein für das Sommerhalbjahr giltiger Taschenfahrplan bei, der die für den Lokalverkehr besonders in Betracht kommenden Eisenbahnstrecken enthält. Die auswärtigen Abonnenten erhalten den Taschenfahrplan mit der Montagsausgabe unseres Blattes.
e Von den Maikäfern, die in diesem Jahre mancherlei Anzeichen nach im Frühling massenhaft auftreten sollten, ist trotz der nun gelinder gewordenen Witterung noch nicht viel zu spüren. Es hat fast den Anschein, als seien sie unter dem Einfluß der offenen Winterfröste, vielleicht auch des Aprilschnees, zu Grunde gegangen.
* VI. Abonttementskoitzsrt - „Centralhalle ff Wie uns soeben mitgeteilt wird, findet das 6. Abonnementskonzert Dienstag den 26. Mai statt. Alles Nähere betr. d:s Programms teilen wir im Laufe der nächsten Woche mit.
* Wettspiele. Morgen Sonntag, nachmittags 3 Uhr, finden auf dem hiesigen Exerzierplätze zwei Wettspiele statt und zwar spielen die I. und II. Mannschaft der Hanauer Fußballgesellschaft 1899 gegen die gleichen Mannschaften des Rödel- Heimer Fußballklubs.
* Wiener Spitze. In der „Wiener Spitze", wo immer neues und schönes geboten wird, werden morgen die noch in bestem Andenken stehenden Schwarzwälder Singvögel ihre neuen Schlager zum Besten geben, sodaß einige unterhaltende und amüsante Stunden sicher zu erwarten sind.
* In der Vrarrerei Dörr kommt morgen, wje aus dem Inseratenteil ersichtlich, ein recht hübsches und abwcchè- lungsresches Programm zur Durchführung.
* Kurort Wilhelmsbad. Morgen nachmittag von 4 Uhr ab findet zu Wilhelmsbad Konzert der Infanterie-Kapelle Nr. 166 statt.
* Das Hahnenkammhaus ist täglich geöffnet.
* Sehenswürdigkeiten. „Museum der Wetteraui schen Gesellschaft" (Altstädter Schloß, eine Stiege hoch): Geöffnet an Sonn- und Feiertagen vormittags von 11 bis ',,1 Uhr. Kindern ohne Begleitung Erwachsener ist der Eintritt nicht gestattet.
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_ ♦> Dörnigheim, 16, Mai. (Preischöre.) In unserem idyllisch gelegenen Dörnigheim gehen wieder einmal die Sangeswogen sehr hoch. Der Gesangverein „Germania" rüstet sich wieder zum Wettstreit in Homburg. Die Vorbereitungen sind soweit gediehen, daß der Verein am Christi Himmelfahrtstage eine öffentliche Probe ablegen kann. Jm Gasthaus „zur Mainlust", nachmittags 4 Uhr, werden unter freundlicher Mitwirkung des Gesangvereins „Sonntagsverein"- Mühlheim, welcher nach Fechenheim zum Wettgesang geht, die Preischöre gesungen werden und zwar unter der Direktion des Dirigenten beider Vereine Herrn Musikdirektor Winterich aus Frankfurt a. M., wozu alle Freunde des Gesangs eingeladen sind. Hoffentlich ist es dem rührigen Verein vergönnt, reiche Früchte einzuernten.
):( Oberdorfelden, 16. Mai. (Rabenvertilgung.) Um das Ueberhandnehmen der Raben in unserem Kreise zu verhindern, wird bekanntlich seit einigen Jahren planmäßig in der Vertilgung derselben vorgegangen. Besonders in unserer Gemarkung treten die Raben stark auf, was sich aus dem bis jetzt in diesem Frühjahre erzielten Resultate der Raben- lWWMmWWWl|WBMBWWWBMH<WWMWMWa"W** die Stellung, die das Bürgertum heut als Verbraucher des Kunstschaffens einnimmt, so ergibt sich, daß es der Kunst heut unendlich ferner steht, wie damals — zu seinem Schaden wie zum Schaden der Kunst, die heut mehr wie je auf das Bürgertum angewiesen ist, da der Verbrauch der Kirche und der Fürsten sich entfernt nicht mehr auf der einstigen Höhe bewegt. Natürlich gibt es reiche Bürger, die einzelne Kunstwerke kaufen, oder auch gar ganze Sammlungen anlegen; allein diese wenigen Ausnahmen sind nicht entscheidend. Entscheidend ist vielmehr die Frage, wie die eigentliche große Masse des Bürgertums sich der Kunst gegenüber betätigt, jene Masse, die der Hüter mittleren ruhigen Wohlstandes und gediegener Bildung ist; und da weiß jeder Kenner der Verhältnisse, daß gerade diese Bevölkerungsschichten als Käufer von Kunstwerken kaum ernstlich in Frage kommen.
Sucht man nach den Ursachen dieser Erscheinung, so pflegt gewöhnlich zunächst der Geldpunkt betont zu werden. „Kunstwerke sind eben für den mittleren Bürgerstand zu teuer." Nun ist es bekannt, daß die große Mehrzahl der auf unseren Kunstausstellungen versammelten Bilder für wenige Hundert Mark zu erstehen sind. Der Künstler braucht eben in vielen Fällen vor allem bares Geld und macht sich lieber, ermutigt durch die Erfahrung, daß sein Schaffen überhaupt Freunde findet, mit frischem Mute an ein neues Werk, als daß er sich jahrelang an der in seinem Atelier herumstehenden, ihres hohen Preises wegen unverkäuflichen Arbeit ärgert. Uebrigens war das in Alt-Holland auch nicht anders; ein Künstler wie van Goyen bekam für seine Bilder 5—32 Gulden, d. h. wenn man annimmt, daß der Geldwert sich seit damals beiläufig verfünffacht habe, er bekam oft weniger als 50 und (einen einzigen Fall ausgenommen) nie mehr als etwa 350 Mk. für ein Bild. Eine summe von 300 oder 400 Mk. kann aber für einen großen Teil des mittleren Bürgerstandes nicht als unerschwinglich bezeichnet werden; sie wird wohl öfter aufgewandt, um Bedürfnisse des Geschmackes oder Passionen zu befriedigen. An sich könnte
Vertilgung ergibt. Es wurden bis jetzt abgeliefert 62 alte, 1347 junge Raben und 7441 Nabeneier. Außerdem wurden 3081 Rabennester zerstört.
Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.
Telegramm ans Hamburg vom 16. Mak.
9 Uhr 35 Min.
Ein Maximum über 773 mm lagert über Südfrankreich, ein Minimum unter 750 mm bei den Lofoten. In Deutschland ist die Witterung ruhig, meist trocken, die Temperatur ist ziemlich normal.
Prognose für den 17. Mai: Ruhiges, trockenes, etwas wärmeres Wetter wahrscheinlich.
Hanauer Uereins- u. Uergnügungsnachrichten
für Samstaq den 16. Mai.
Kunstvercin: In der Aula der Königl. Zeichenakademie: Ausstellung von Eemälden rc.
Turnaesellichast: Abends von 7—9 Uhr: Vortnrnerstnndc.
Turngemeinde : Vnn 6'/,—7'/, Ubr : Turnen der Damenobtellun -; von 7'/i—9 Uhr: Turnen der Ju^cndabteilung
Evang Männer- n. Iiing'ingSnercm: Unterhaltung Ev. Vereinshaus). Evangelischer Arbeiterverein: VereiuSabend und Mitgliederaufnahme int Be-einSloka^e -nr „®ratteret WeiSmantel".
VergnügunaS-Verein „Germania": Vereinsabend im„schwarz Bären". Gesangverein .Sumser" : Vereinsabend in der .Stqdt Bremen". Gesangverein ^Tonblüthe" : Vereinsabend in der „Stadt Bremen". Gesangverein „Ke man-a": Vereinsabend im „Lüwenaärtch n". Gesangverein „Mclomania" : Vereinsabend in der „Karthaune". Klub „Saxonia": Klublokal .Frankfurter Bau'.
Klub „Cameratia": Klubabend im „Großen Kurstilsten" V^rgnüm'n-Zgesellschast „Fidelio s Vereinsabend „zum Teich", Gesellige Verbindung „Melitta" VereinSahend mr Karthaune'. a ma „Eintracht" (Vereinslokal zum Braustüb' Vereinbarem. Verein „Eiligkeit" Bp-einsabènd h der „groben Wronc".
Verein „Frohsinn 1903-: Vereinsabend im . Elephanten". Atbletenklub „Germania" - V«"--st,Sauend (Restauration Wa-aenoaM. Hanauer FußhaNgesellschast 1899': Vereinsabend in der „Allememia", Fußballklub „Viktoria": Vereinsabend m her . Brauerei WeiSmantel*. Radfahrer-Verein 1898: Vereinsabend auf Beck's Fttsenkell r. Radsport Asler" Vereinsabend im „Nürnberccrhof'. Stammtisch Biirqcrdräu": Jeden Samstag Abend: stehnna. Kegel-Klub „D. H. V." „mr anten Quelle"; Anfang 9 Uhr. Rauch- und VergnügungS-GesellschMt „Secks Bund" zum feuchten Eck: Zusammenkunft am runden Tisch in der „goldnen Feder', sirr Sonntag den 17. Mai.
Vormittag- von 11—1 Uhr: Uebung-stunde her Tischgesellschaften im „Nürnberger Hof" und auf Beck's Felsenkeller.
Nachmittags ' M: UebWg-spiele auf dem Ex-rrirrvlad: Fußballklub „Viktoria", „^auaner Fußballgeiellschaft 1899", Hanauer Fußballklub Wacker' und Hanauer Fußballklub „Hanovia", Erster H ugner Fußballklub 1893. Nockmütag t Uhr: UevungSsprel am seinem Svortvlav an der „Schönen Aussicht-'.
Klub der Zukunft: Juqen. spiel apf dem Exerzierplatz. Feuchlcs-Eck: Gasthaus „zur guten Quelle'.
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Marktbericht.
Hanau, 16. Mas. (Lebensmittelpreise.) Geflügel: Tauben, das Pärchen 70 Psg. bis 1,20 Mk.; ein alter Hahn 1,30—1,80 Mk.; ein Huhn 1,20-1,80 Mk.; Fische: gewöhnliche Sorte 35 Psg., bessere Sorte 40 Psg., Aal 1—1,20 Mk,, Barben 60—70 Pfg., — ff, kg; Gemüse: Meerrettich die Stange 10—20 Pfg., Spargel 100 Stück 30—50 Pfg., Blumenkohl das Stück 50 Pfg., Kopfsalat das Stück 12—18 Psg., Rettich das Stück 12—15 Pfg., Ober-Kohlrabi das Stück 18—25 Pfg., Rotkraut das Stück 40—50 Pfg., Sellerie das Stück 15—20 Pfg., Gurken das Stück 30—50 Pfg., gelbe Rüben das Bund 20—25 Pfg., Neue Erbsen das Pfund 35 Pfg., Neue Bohnen das Pfund 60—70 Pfg., Spinat die Portion 10—20 Pfg., Lattig die Portion 10—20 Pfg., Kartoffeln das Doppelliter 15 Pfg,; Obst: Aepfel bas Pfund 20—25 Pfg.; Citronen das Stück 6—8 Pfg.; Apfelsinen das Stück 5—10 Pfg.; Paradiesäpfel das Stück 5—10 Pfg,; Verschiedenes: Butter das Pfund 1,15—1,20 Mk., Käse das Stück 4—7 Pfg., Eier das Stück 4—7 Pfg., Zwiebeln das Pfund 10—12 Pfg., Welschkorn das Doppelliter 23 Pfg., Radieschen das Bündel 3—5 Pfg., Weizenmehl 1.
■«■■■iHWMWWWiBEMBMBgaggagaaM^^ also ein Bürger recht wohl auch einmal diese Summe auf den Ankauf eines Gemäldes verwenden.
Der Kostenpunkt erklärt mithin die Entfremdung zwischen dem modernen Bürgertum und der Kunst nicht hinreichend. Die Gründe dieses Verhältnisses liegen tiefer und sind, wie ich meine, in erster Linie darin zu suchen, daß das Bürgertum zu der modernen Kunst in einem Verhältnisse innerer Fremdheit, wenn nicht Feindseligkeit stehl. Es ist bei den „modernen" Künstlern und ihren literarischen Vertretern guter Ton, das Bürgertum in Dingen der Kunst von oben herab anzusehen. Der Bürger ist ein Banause, der den Hauptwert vor allem auf den Gegenstand legt, der peinliche und glatte Ausführung liebt, — so heißt es. Dann muß es uns doch stutzig machen, zu beobachten, daß sowohl in dem Italien der Renaissance, wie in dem Hofland des Frans Hals und Nuysdael die Künstler auf die Wünsche der Besteller die sorgfältigste Rücksicht nahmen; man lese nur einmal die Kontrakte, die die Künstler in jenen Zeiten über die Ausführung ihrer Werke geschloffen haben und man wird erstaunen, wie streng sie sich von den Bestellern binden ließen. Dennoch haben sie echte Meisterwerke geschaffen, größere, als jene Künstler von heute, die sich bas Recht vindizieren, auf den, der ihre Bilder kaufen und bezahlen soll, keine Rücksicht zu nehmen. Welcher Art sind denn diese Ansprüche des Bürgertums? Setzen wir den Fall, ein Bürger wolle sein Porträt malen lassen, so wird der Anspruch, den er dabei stellt, der sein, baß er seinen Nachkommen seinem wirklichen Wesen nach, in anständiger Weise und so bargestellt sein will, baß seine Enkel und Urenkel noch das Bild chres Ahnen mit Vergnügen ansehen und gern bei sich behausen werden. Kann er erwarten, diese durchaus billigen Ansprüche von einem modernen Maler befriedigt zu sehen, wenn er die Kunstausstellungen mit Bildnissen gefüllt sieht, die jenen merkwürdig gleichmäßigen Zug der Verdrießlichkeit tragen, der geradezu ein Kennzeichen der Porträts in den letzten Jahrzehnten ist? Oder kann es ihn zu einer Bestellung ermuntern, wenn er
-vorte 20 Pfg., 2. Sorte 18 Pfg., 3. Sorte 16 Pfg., 4. Sorte 14 Pfg. — ff. km
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Die städtische Bibliothek
Bangertstraßc 2, erster Stock, ist Sonntags, Mittwochs und Samstags von 11 bis 1 Uhr zur kostenfreien Benutzung für das Publikum geöffnet.
Gesamtkataloge sind zu 1.20 Mk., die neuesten Nachttäge Nr. 15 und 16 zu je 20 Pfg. in der Bibliothek zu haben.
Hue JMab und fern,
-r. Marburg, 15. Mai. In voller Uniform stand heute ein Polizeibeamter aus dem nahen Städtchen Wetter, der Stadtsergeant Hilberg, als Angeklagter vor der hiesigen Strafkammer. Der Beamte sollte einen polizeilichen Mißgriff dadurch begangen haben, daß er zwei Leute aus dem nahen Mellnau mit dem Tode bedroht und den einen zu Boden geworfen habe. H. wollte die Leute, die zur Nachtzeit in Wetter gelärmt hatten, vor der Stadt feflnebmen und zog dabei, weil er sich bedroht glaubte, seinen Säbel. Als er einen Mann festhielt, wurde er plötzlich zu Boden gerissen und mit Messern bearbeitet. Auf seine Hilferufe eilten junge Leute aus Wetter hinzu und befreiten ihn aus feiner Bedrängnis. Das Gericht sprach den Angeklagten, da bas Renkontre nicht genügend aufgeklärt werben konnte, frei.
Bgb Okb, 16. Mai. Am Montag morgen gegen ff-4 Uhr wollte der Fabrikarbeiter Andr. Hohmann von Oberndorf nach Orb, um mit dem hier um 3.55 abgehenden Arbeiterzug nach seiner Arbeitsstätte in Mainkur zu fahren. Derselbe benutzte, um schneller vom Platze zu kommen, sein Fahrrad. An der Wegscheibe auf der sogen. Würzburger Chaussee kam das Rad in einen schnelleren Lauf und rannte er mit demselben wider einen auf der Straße stehenden kolossalen Hirsch. (Vielleicht war es sogar eine „Ente". D. Red.) H. kam zu Fall und zog sich am Kopfe verschiedene Verletzungen zu, sodaß er sich in ärztliche Behandlung begeben mußte.
Schlüchtern, 15. Mai. Zur Feier des 70. Geburtstages unseres Landrates, des Herrn Geh. Regierungsrates Roth, findet nächsten Montag im Hotel Stern ein F e st- essen zu ca. 90 Gedecken statt.
Aus der Rhön, 14. Mai. Der 6ff2jährige Knabe des k. Försters I. B. Greger zu Gangoffèberg ist immer noch nicht aufgefunden worden. Der schwächliche Junge ist aber, wie sein Vater meint, nicht durch eigenes Verschulden in den riesigen Waldkomplex geraten. Zwei Bauern, die zwecks Holzabfuhr nach dem Walde fuhren, hatten ihn mitgenommen. Ans dem Heimwege fuhren die beladenen Wagen anders, der Kleine sollte allein den ff^ Stunde betragenden Weg machen. Hierbei hat er sich zweifellos verlaufen. Es hätte bei dem noch am seihen Tage eingestellten Suchen durch 300 Leute eigentlich eine Spur von dem Kinde gefunden werden müssen, ba sich die Recherchen auf bas ganze Waldgebiet erstreckten. Dir Vermutung lie-.t nahe, daß das Kind geraubt worben ist.
Frankfurt a. M., 16. Mai. Gestern ist hier nach längerem Selben Herr Dr. Eugen Lucius, der Mitbegründer der Höchster Farbwerke vorm. Meister, Lucius u. Brüning, gestorben.
Wiesbaden, 15. Mai. Ein hier wohnender, nicht mehr praktizierender Arzt hat eines unheilbaren Magenleidens wegen sich heute mittag in einem Anfall von Schwermut er» shossm.
ü A Hainstavt a. M., 15. Mai. Die leider immer weitere Kreise ziehende Unsitte, Kinder auf dem Fahrrade mitzunehmen, sollte gestern nachmittag für das 9 Jahre alte Söhnchen des Ziegeleiaufsehers Johann Michael Blumör I. recht verhängnisvoll werden. Blumör wollte nach der Mittagspause mittelst seines Stahlrosses dem Geschäfte zufahren. Das Söhnchen stellte sich, um den Vater eine Strecke weit begleiten zu können, hinten auf den Auftritt deS Rades, dabei wurde dem Knaben, der zum Unglück keine Fußbekleidung trug, der rechte Fuß durch die Kette in das Kettenrad gezogen und jene „Lichtmaler" trifft, für die das Haupt eines Menschen nicht die Bildung lebendiger Kräfte ist, in der sich die Erlebnisse eines ganzen Daseins, Arbeit und Sorge, Kampf und Erfolg sichtbar eingezeichnet haben, sondern die es als das Objekt einer Beleuchtungsstudie ansehen und hier ein Gesicht mit breiten grünen Streifen tätowieren, dort ein anderes durch sinnvoll verteilte blaue, gelbe und grüne Flecke illustrieren? In eine ähnliche Lage kommt der Bürger, wenn er etwa zum Schmucke seines Hauses eine Landschaft erwerben will. Der Skizzencharakter der modernen Landschaft, der in einem großen Museums- oder Schloßsaale allenfalls genießbar sein mag, muß in den beschränkten Räumen eines Bürgerhauses, in denen das Bild von vielen Punkten aus geradezu formlos erscheinen wird, unerträglich sein: und wenn ein Besteller den Wunsch hat, aus einer Landschaft, die er erwirbt und mit der er nun ständig leben soll, etwas mehr zu sehen, als den bewußten „großen Eindruck von der Natur", wenn er kein Gefallen findet an Bäumen, die Heuhaufen, an Wolken, die fliegenden Nachthemden, an Bauernhütten, die Kartenhäusern gleichen, so kann ich diesen Standpunkt nur berechtigt nennen. Um es ganz auszusprechen: das Bürgertum hat in seiner Masse eine instinktive Abneigung gegen die moderne Kunst, weil es ganz richtig die Bildungsfeindschaft dieser Kunst wittert. In den Werken Botticellis, Lionardos und Raffaels spiegelt sich die feinste Bildung ihrer Zeit; sieht man aber heut die Grazien als gemeine Modelle und biblische Geschichten im Stile von Kneipenszenen dargestellt, so wird der Gegensatz zwischen dem, was den besten Besitz unserer Bildung ausmacht, und dem Geiste der modernen Kunst recht deutlich.
Nun ist allerdings das Bürgertum selbst nicht ohne Schuld daran, daß die moderne Kunst sich so stark in Widerspruch zn seinen Wünschen und Bedürfnissen gesetzt hat. Denn es hat seinen Einfluß auf sie nicht verstanden und nicht ausgeübt. In Holland waren die Städte, die großen Genossenschaften u. s. w. die wichtigsten Besteller der Kunst» werke; sie bezahlten die besten Preise Md die Künstler waren