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Freitag

15. Mai

das 1. Halbjahr 1902 einen stetigen Zugang gegen 1901 aufweist, daß sich dagegen der Stand im 2. Halbjahr fortge­setzt verminderte, sodaß sich Ende des Jahres ein Rückgang von 364 Mitgliedern ergibt, was wohl nur als Folge des wirtschaftlichen Niederganges und der verringerte« Erwerbsge­legenheit zu betrachten sein wird. Höchster Zugang war im April mit 956 höchster Abgang ebenfalls im Apri! mit 710 Mitgliedern. Die durchschnittliche Mitgliederzahl 5833 wies einen Rückgang gegen das Vorjahr von 1 Mitglied, die­jenige am Jahresschlüsse 5442 dagegen einen Rückgang von 364 Mitgliedern auf.

Nach der Rechnungsablage wurde dem Kassierer Decharge erteilt. Der seitherige Rechnungsprüfungs-Ausschuß wurde wiedergewählt. Die Erhöhung des Aerztehonorars von 2.50 auf 3 M. wurde genehmigt, ebenso der von der Kasse mit Herrn Dr. Blumenthal-Niederrodenbach abgeschlossene Vertrag. Eine Anfrage aus der Versammlung, ob es nicht möglich sei, die Familien-Versicherung so auszugestalten, daß den Mitglie­dern außer freier ärztlicher Behandlung auch .freie Medikamente und sonstige Heilmittel gewährt werden könnten, wurde vom Vorsitzmdm dahin beantwortet, daß der Vorstand der Frage näher treten und nach vorgenommenen Erhebungen einer spä­teren Generalversammlung Mitteilung machen, event. Vor­schläge unterbreiten werde.

* Main Donatt-Kanal. Die vom technischen Amt des bayerischen Kanalvereins abgeschlossenen Untersuchungen über den Main-Donau- Kanal haben ergeben: Zur Herstellung einer Wasserstraße für die Großschiffahrt von Kehlheim über Nürnberg nach Aschaffen­burg ist eine Kostensumme von 250 Millionen vorzusehen. Die Bedenken hinsichtlich der Wasserversorgung werden als nicht gerechtfertigt bezeichnet. Don mechanischen Hebewerken genügen äußersten Falles solche, deren Konstruktion bereits er­probt ist. Das erste Stück Arbeit besteht darin, die Zugänge zum künftigen Donau-Main-Kanal herzurichten. Bayern müsse aber baldigst an das Projekt herantreten, weil es sonst von drei Seiten durch die Tätigkeit der Nachbarstaaten ge­fährdet werde.

* Schuhmannschaft. Don Kiel nach Hanau versetzt wurde der Schutzmann König.

* Das Große Los. In der gestrigen Ziehung der Preußischen K l a s s e n I o t t e r i e fiel der Hauptgewinn von 500 000 Mk. auf die Nr. 9421.

Walv - Erholungsstätte. Der hiesigen Orts­krankenkasse entstanden seit Jahren dadurch Schwierig­keiten, daß Rekonvaleszenten in der besseren Jahreszeit auf Grund ärztlicher Atteste zwecks schnellerer Genesung Urlaub zum Aufenthalt nach auswärts in freierer Lage beanspruchten. Die Kontrolleure machten dann vielfach die Wahrnehmung, daß die betr. Leute an ihren Plätzen ungünstig untergebracht waren, wodurch der Erfolg des auswärtigen Aufenthalts viel­fach in Frage gestellt war. Auf Grund der guten Erfahrungen welche andere Städte, wie z. B. Frankfurt, Cassel rc., mit der Errichtung von Waldecholungsstâiten, zu denen evtl, auch die Landesversicherungsansialt einen Beitrag leistet, gemacht haben, hat sich der Vorstand der hiesigen Ortskrankenkasse entschlossen, auch hierorts der Frage der Errichtung einer Walder- bolungsstätte näher zu treten. Zu diesem Zwecke hat sich der Vorstand mit dem Magistrat, dem Kuratorium für Errichtung einer Lungenheilstätte, der Orlskaffe für den Land­kreis Hanau, den hiesigen freien Hilsskaffen, der Betriebs­krankenkaffe der Pulverfabrik, der Arnim'schen Knappschafts­kaffe, der Metzger-Jnnungskasse u. s. w. in Verbindung gesetzt und in einem Schreiben ungefragt, wie sie zur Errichtung einer derartigen Erholungsstätte sich stellen würden. Die An­gelegenheit, die sich noch in einem vorbereitenden Stadium be­findet, wurde von der gestrigen Generalversammlung der Orts­krankenkasse freudig begrüßt und der Vorstand ersucht, die Ver­wirklichung der Idee eifrig zu betreiben.

* Ein gutes Weinjahr wird von Koblenz am Rhein aus verheißen. Der nächste Wunsch der Winzer richtet sich darauf, daß nicht zu starke Spätfröste eintreten möchten. Der vorjährige Wein hat sich zu einem recht brauchbaren Konsum-

sinnungcn treuer Untertanen, Anteil nehmen; auch dessen, dem Wohl derselben gewidmet bleibende unermüdete landesväterlichen Fürsorge und Kurfürstliche Gnade ferner zu verdienen suchm wird." Freudig bewegt stimmte das Volk ein in den Huldigungs­ruf:Lang lebe unser gnädigster Kurfürst Wilhelm I. und das ganze Kurfürstliche Haus!"

Nach dieser öffentlichen Bekanntmachung nahm der neue Kurfürst die Glückwünsche der Körperschaften, der Behörden und Deputationen in Empfang. Um 10 Uhr bewegte sich der feierliche Zug durch die geschmückten Straßen in die Martins­kirche. Der Kurfürst fuhr in einem mit 8 Schimmeln be­spannten Wagen; der Erbmarschall Freiherr »on Riedesel trug, umgeben von den Vertretern der Erbhofämter, auf karmoisin- rotem Samtkiffen den Kurhut. Alle auf dem Weg zur Martins­kirche liegenden Straßen und Plätze waren in doppelter Reihe von der Leibgarde zu Fuß und dem Sardegrenadier-Regiment mit fliegenden Fahnen besetzt. Am großen Portal der Kirche wurde der Fürst von der gesamten Geistlichkeit, der sich auch Vertreter der katholischen Stifte Amöneburg und Fritzlar an­geschloffen hatten, unter Führung des Superintendenten Rommel empfangen. Pauken- und Trompetenschall begleitete den Ein­zug des Hofes und der geladenen Gäste in das Gotteshaus, bis er sich auf der für ihn hergerichteten Tribüne niedergelassen und der Erbmarschall den Kurhut auf dem Altar niedergelegt hatte. Nach vorausgegangenem Orgelvorspiel sang die ganze Ge­meinde unter Begleitung von Blasinstrumenten den ambrosia- nischen Lobgesang:Herr Gott, dich loben wir", während eine auf dem nahen Kasernenplatz aufgefahrene Batterie von 12 Kanonen 100 Salutschüsse abwechselnd mit Infanterie-Salven abgab. Bis dahin war alles programmmäßig und glatt ver­laufen; aber nun ereignete sich ein bedauerlicher Zwischenfall, der einen höchst peinlichen Eindruck hinterließ und von vielen als unheilvolles Vorzeichen für den mit diesem Tage begonne­nen neuen Abschnitt der hessischen Geschichte gedeutet wurde. Die Festpredigt mußte wegen eines Unfalls oder plötzlich ein» getretenen Unwohlseins des Superintendenten Rommel unter»

wein entwickelt. Im Rheingau haben die großen Frühjahrs- Weinversteigerungen begonnen. Das Angebot ist so groß wie noch niemals zuvor.

* Deutsches Durrrkest. Für alle jene Turnfest-Teil­nehmer, welche nach Beendigung der Fesitage die bayerische Hattpt- und Residenzstadt München aufsuchen, sei es mit dem geplanten Sonderzug oder mit irgend einem fahrplanmäßigen Zuge, bietet sich Gelegenheit, unter Führung des Turnvereins Tegernsee und Rottach vom Freitag den 24. Juli ab die Ge­biete nm Tegernsee kennen zu lernen. In München erfolgt die Abfahrt früh 5.20 Uhr. Preis der Rückfahrkarte München- Tegernsee und zurück 6.10 M. (2. Kl.) bezw. 4 M. (3. KI.). Ankunft in Tegernsee 7.53 Uhr morgens. Don Tegernsee aus finden folgende Bergbesteigungen statt: 1. Neureut (1259 Meter) und Gindelalpe (1338 Meter) mit Alpachtal, 5 Marsch- stunden ; 2. Wallberg (1723 Meter) 6 Marschstunden ; 3. Hirschberg (1718 Meter) 7 Marschstunden; 4. Risserkogel (1840 Meter) 8 Marschstunden. Auskunft über die vorge­nannten Touren erteilt Herr Anton Schuller, Gauvorsitzender in Tegernsee. Auch von Schliersee aus sind, soferne sich Teil­nehmer finden, Bergtouren geplant und zwar 1. auf den Schinder (1826 Meter) 12 Marschstunden und 2. auf die Roche Wand (1890 Meter) 11 Marschstunden. Die Führung dieser Touren übernehmen Herren der Turnvereine Miesbach und Schliersee. Herr Rippet in Miesbach ist zu jederweiteren Auskunft gern bereit. Wer nun Lust hat, von München aus kleine, aber reizende Touren im Tegernseer Gebiet zu unter­nehmen, der wende sich an Herrn Anton Schuler in Tegernsee oder an Herrn Rippel in Miesbach. Für die Turnfahrt Nr. 18: Überschreitung des Steinernen Meeres ist die zulässige Teilnehmerzahl erreicht. Weitere Anmeldungen für diese Tour können nun nicht mehr berücksichtigt werden. Den Teilnehmern an der Turnfahrt ins Fichtelgebirge wird am Donnerstag den 23. Juli in Bayreut ein Festabend bereitet werden. Ein gleich froher Abend steht ihnen auch in Wunsiedel bevor. Der dortige Turnverein lädt alle Teilnehmer der Turnfahrt 16 zu einem Kommers ein und stellt ihnen Freiquartiere.

* Ehrung. Herrn J. D. Meyer- Wilhelmsbad wurde auf der Jahresversammlung des Mitteldeutschen Gastwirte­verbandes zu Hersfeld für seine Verdienste um den deutschen Gastwirtebund die silberne Bundesmedaille verliehen.

* Die Berger Warte bietet einen der schönsten Rund­blicke in der ganzen Mainebene. Der nördlichste Punkt, den das Auge erreicht ist Bad-Nauheim, das in gerader Luftlinie 26,60 Kilometer von der Warte entfernt ist. Im Osten ziehen dem Blick die Höhen des Dogeisberges in einer Entfernung von 55 Kilometer Schranken. Die genau im Osten vor uns liegende Ronneburg bei Büdingen würde man in etwa sechs Stunden erreichen können, da bis dahin 29,50 Kilometer zu­rückzulegen wären. Viel näher liegt Hanau, dessen Türme über den Wuhelmsbader Wald hervorlugen, wohin man in drei Stunden ( 15 Kilometer) gelangen würde. Jin Südosten erheben sich die blauen Berge des Spessarts mit demHahuen- komm in einer Entfernung von 34 Kilometer. Vom Oden­wald erlcheinen bei klarem Wetter die Höhen des Melibokus, Frankensteins, der Neukircher Höhe und des kegelförmigen Otz- berges, von denen der letztere am nächsten (40 Kilometer weit) liegt, während die drei ersten Berge eine mittlere Entfernung von 44 Kilometer aufzuweisen haben. Am weitesten schweift wohl der Blick nach Westen, wo er am Horizont (110 Kilo­meter weit) den langen Rücken des Donnersbergs in der Pfalz erreicht. Viel näher rücken uns die Höhen des Taunus, von denen das Hofheimer Kapellchen 22,50 Kilometer, der Stâufen 23,60 Kilometer, der Roffert 24 Kilometer, der große Feld­berg 21,25 Kilometer, der Altkönig 19 Kilometer und die Saalburg 17,50 Kilometer entfernt sind.

* Jubiläum. Morgen sind es 25 Jahre, daß Fräul. Auguste Lerch in Diensten des Herrn Wilhelm S ch a a ck, Glockenstr. 24, trat. Es wird in Anerkennung der lang­jährigen treuen Dienste der Jubilarin seitens der Familie des Herrn Schaack eine kleine Feier stattsinden.

* Der falsche Postbeamte. Bei der Inhaberin eines Spezereigeschâfles in der Dettingerstraße erschien gestern ein

bleiben. Münscher sagt zwar in seiner 1894 erschienenen Ge­schichte von Hessen, Rommel habe über 1. Kön. 8,62:Der König samt dem ganzen Israel opferten vor dem Herrn Opfer" gepredigt und mit einem Dankgebet für die dem fürstlichen Hause gewordene Erhöhung geschloffen. Diese Angabe ent­spricht aber nicht den Tatsachen. Von plötzlichem Unwohlsein befallen, vermochte Rommel, nachdem er den apostolischen Gruß gesprochen, nur noch die stammelnd mehrmals wiederholten Worte:Der heutige große Tag, der heutige hohe Tag" hervorzubringen, sank dann kraftlos zusammen und konnte sich nur langsam erholen, nachdem er von den Kirchendienern in die Sakristei gebracht worden war. Nachträglich hat Rommel seine verunglückte Predigt im Druck erscheinen lassen; in der Widmung an den Kurfürsten sagt er, daß sie wegen einer zu­gestoßenen körperlichen Schwäche nicht so, wie sie abgefaßt war, vorgetragen werden konnte, und fügt hinzu, daß ein huldreicher Blick des Kurfürsten auf sie die einzige Be­ruhigung für den Verfasser sein würde. Durch rasch einfallende Instrumental- und Orgelmusik sowie den an­gestimmten Gemeindegesang suchte man sich über das unan­genehme und störende Ereignis hinwegzuhelfen. Um 2 Uhr nachmittags fand im Schloß ein großes Prunkmahl, abends um 7 Uhr große Empfangscour der bei Hofe eingeführten Damen statt, wo ihnen Gelegenheit gegeben war,alle ihre Reize aufzubieten und in Reichtum und Eleganz des Anzuges miteinander zu wetteifern". Für den späteren Abend war von den Landständen und der Vertretung der Stadt eine glänzende Illumination veranstaltet, zu deren Besichtigung der Kurfürst unter dem Jubel der Menge die Straßen der Stadt durchfuhr. Am folgenden Tag nahm der Kurfürst durch Ritterschlag eine Aufnahme zu Rittern des neugestifteten Hausordens vom goldenen Löwen vor und abends wurde ein zur Feier von dem damaligen Inspektor des Kadettenhauses Wilhelm Döring gedichtetes Schauspiel,Hessus oder Lohn für Vaterlandsliebe" aufgeführt. Der Stoff war der hessischen Vorzeit entnommen.Am Schluß sah man in Walhalla die

junger Mann, stellte sich als ein Postbeamter Bauer vor und gab an, daß er im Nnstrage des Postinffuk ors komme, da in bem Laden eine amtliche Verkaufsstelle von Postwertzeichen ein- gerichtet werden solle. Der Postinspektor habe sich bereits nach den Verhältnissen der Ladeninhaberin erkundigt und alles sei in bester Ordnung. Nachdem er noch verschiedene nähere Angaben gemacht hatte, die mit einer derartigen Verkaufsstelle zusammenhängen, übergab er der Frau eine Anzahl ziemlich wertloser Postkarten mit Bilderverzierungen, die den Ausdruck Weltpostverein" trugen. Für diese Karten, deren Zahl an­geblich 300 betrage, verlangte er 12 Mk. Die Frau übergab ihm auch den Betrag und stellte auf Verlangen eine Quittung aus. Wie sich herausstellt, hat der Schwindler schon vor einigen Monaten in Holzhausen das gleiche Manöver gemacht und sich auch den Betrag von 12 Mk. erschwindelt.

* Wcil er aus der Erziehungsanstalt wollte, hüt der Zwangszögling Heinr. Scherzer aus Hanau nach seinem eigenen Geständnis vor der Strafkammer zu Frankfurt a. M. auf dem dortigen Juxplatz ein Rad gestohlen. Mit diesem Rad fuhr er nach Hanan und stellte es an einen Baum in der Nußallee. Das Gericht erkannte auf 4 Monate Ge­fängnis.

* Gin Logisschwindler. In einem hiesigen Wirts- Hause logierte sich ein Schuhmacher Franz S., der in einer Fabrik als Zwicker arbeitete, ein, machte Logisschulden in Höhe von 13 Mk. und verschwand darauf.

* Ein Fahrraddieb verhaftet. Vor Kurzem be­richteten wir über einen äußerst raffiniert ausgeführten Dieb­stahl eines Fahrrades. Einem Metzgergeselle« wurde sein in der Neuen Anlage stehendes Rad gestohlen und als der Dieb mit seiner Beute fortradeln wollte, stieß er mit einem andern Radfahrer zusammen. Er ließ das gestohlene Rad und seine Kopfbedeckung im Stich, eilte schleunigst fort und kaufte sich in einem Hutgeschäft am Marktplatz eine neue Mütze. Als er aus dem Laden heraustrat, sah er an der gegenüberliegenden Ecke ein anderes Fahrrad stehen. Schnell entschlossen schwang er sich auf dieses Stahlroß, das einem hiesigen Kaufmann ge­hörte, und eilte davon. Jetzt ist er in Frankfurt verhaftet worden. Der Eigentümer des gestohlenen Rades konnte das­selbe gestern in Frankfurt in Empfang nehmen.

* Zwischen die Puffer geraten ist gestern abend auf dem Ostbahnhofe der Rangierer Klei n. Glücklicherweise hat er keine schweren Verletzungen erlitten, sondern nur eine Quetschung des linken Oberarmes davongetragen. Er befindet sich im Krankenhause St. Vincenz.

* Sehr erfreulich ! Wenn nicht noch sehr ungünstige Witterungsverhältnisse eintreten, dann steht für dieses Jahr eine außerordentlich reiche H e i d e l b e e r e r n t e in Aussicht. Im Sprssartgebiete zeigen die Beerenstauden, welche zum größten Teil abgcblüht haben, einen so reichen Frucht­ansatz, wie er seit Jahren nicht zu konstatieren war. Jeden­falls werden unsere Hausfrauen in einigen Wochen das ja recht unmelodische:kaaft Harlebeer! kaaft Harlebeer!" wenn wenn es in den Straßen erschallt, gerne vernehmen, denn xs wird sich in diesem Jahre ausgedehnte KauWegenyett vieW^

* Spende für die freiw. Feuerwehr. In An­erkennung der bei dem Brande der Dunlop-Pneumaticreifen- Fabrik seitens der freiwilligen Feuerwehr geleisteten Dienste hat die Fabrikleitung der Feuerwehrkaffe 100 Mk. überwiesen.

* Touristisches. Nach dem Sommerfahrplan hat die Verwaltung der Lokalbahn Kahl-Schöllkrippen den Sonntags­zug 10 Uhr 50 Min., der seither ab Kahl im Sommer­verkehr gefahren wurde, ausfallen lassen. Daß dieser Zug in Wegfall gekommen ist, wird allgemein unangenehm em­pfunden, weil dadurch eine empfindliche Störung im Touristen­verkehr nach dem schönen Kahltäl und insbesondere auch für die Tourenfortsetzung in das Spessartgebiet eingetreten ist. Die Verkehrskommission der vereinigten Touristenvereine von Hanau und dem Freigericht war deshalb bei der Bahnverwaltung vorstellig geworden, den betreffenden Zug wieder einzustellen und wenn nicht für die ganze Strecke, so doch wenigstens bis Mömbris. Die Bahnverwalttmg lehnte aber das Gesuch mit der Begründung ab, daß der Zug sich nicht rentiere. Durch

Bildsäulen der sämtlichen Ahnherrn des Fürstlich Hessischen Hauses, nebst dem Namenszug des nunmehrigen Kurfürsten, welche Wodan dem Helden des Stückes auf eine prophetische Weise darstellte. Eine herbeifliegende Göttin des Ruhmes krönte den Kurfürstlichen Namen mit einem Lorbeerkranz unter Trompeten- und Paukenschall, wobei das Publikum sein Vivat! einstimmig wiederholte." Am dritten Festtag, dem 17. Mai, fand ein großes Ballfest in der Orangerie statt. Damit hatten die Festlichkeiten aus Anlaß der Erwerbung der Kur­würde in der Hauptstadt ihr Ende gefunden ein Fest voll Prunk und höfischer Pracht, wie Cassel wohl noch nie eins gesehen hatte und das auch auf alle Teilnehmer einen gewal­tigen Eindruck gemacht hatte. Namentlich wußte man im hessischen Landvolk noch viele Jahrzehnte hindurch zu er­zählen von den gewaltigen Aufwendungen, die zu Ehren derKur" und des neuen Kurfürsten gemacht worden waren.

Im übrigen Heffenlande wurde auf Grund eines landes­herrlichen Befehls die Annahme der neuen Würde, die durch einen Extrakt Geheimen Rats-Protokolls vom 6. Mai, die Veränderung der Titulatur nach erlangter Kurwürde betreffend, bereits sämtlichen Kollegien und Behörden bekannt gegeben war, am folgenden Sonntag den 22. Mai kirchlich gefeiert, wobei über denhöchsten Ortes gnädigst befohlenen" Text Psalm 118, Vers 24:Dies ist der Tag, den der Herr macht; laßt uns freuen, und fröhlich drinnen sein", gepredigt wurde.

Betreffend die Titulatur wurde weiter verfügt, daß in den Aufschriften und Anreden an den Kurfürsten der TitelHerr" undregierend" wegfalle, und bloßSr. Kurfürstlichen Durch­laucht" auswendig, inwendig aber Durchlauchtigster Kur­fürst, Gnedigster Kurfürst und Herr heißen müsse, und daß künftig die Benennung Hessen-Cassel wegfalle und dafür Kurhessen gesetzt werden müsse. Während also zunächst die Anrede des LandesherrnKurfürstliche Durchlaucht" war, forderte er 1815, nachdem er sich der Zustimmung der Groß­mächte versichert hatte, daß man ihm die AnredeKönigliche