Einzelbild herunterladen
 

Zweites Blatt.

Bezugspreis :

Vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- »ârtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckern des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzkiger.

Amtliches AM flr M= mid Landkreis Ksmn

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebähr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf- gespaltene Petitzeue oder deren Naum, für Auswärts 15 Pfg., du Neklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

V-raniwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau.

Nr. 12. Fernere' an" Ink Nr. 605.

Donnerstia hen 15. Januar

Fernsprech anfckluß Nr. 605

1903

Politische Rundschau.

Der dertUche Kronprinz reiste mit Gefolge gestern Abend um 11 U -r mit Sonvernug nach Petersburg ab.

Dem Abgeordnetenhause ging ein Gesetzent­wurf zu, welcher den Finanzminister ermächtigt, den Fehl­betrag des Jahres 1901 im Anleiheweg durch Veräußerung von 37 503,562 Mk. Schuldverschreibungen zu beschaffen. Dem Hau'e ging ferner ein Gesetzentwurf zur Abä'derung des Gesetzes über die W o h n u n g s g e l d z u s ch ü s s e der unmittelbaren Ltralsbeamten zu. Danach soll ab 1. Oktober 1902 bei der Pensionsbemessung der Durchsckniltsiatz des Wohnungsgeldzuschusses für die Servisklassen 1 bis 4 an ge­rechnet werden und im bezüglichen Tarife die Seroisklasse 5 fortfollen.

Gesetzentwurf über die preußische Landes­trauer. Der dem Abgeorünerenbause zugegangene Gesetz­entwurf über die Landestrauer bestimmt folgendes: Bei dem Ableben des Königs, der Königin und einer verwitweten Königin von Preußen finbet eine Landestrauer nach folgende Bestimmungen statt: § 1. Die Glocken der Kirchen werden mina s von 12 bis 1 Ubr 14 Tage lang geläutet. § 2. $> ff entliehe Musik oder öffentliche Lustbarkeiten und Sckau- spielvorstkllungen sind vier Tage lang vom Sterbetage (ein­schließlich) ab und am Tage der Beisetzung einzustellen. § 3. Wer den Bestimmunoen di-ses Gesetzes zuwiderhandelt, wird mit Geldstrafe von 15 bis 150 Mk. bestraft. § 4. Dieses Ges tz tritt mit dem Tage der Verkündigung in Kraft. Die allerlöchste Kabinet-ordre vom 28. November 1845, betr. das Trauerreglement vom 7. Oktober 1797 und die bisher in Kraft gebliebenen Vorschriften des letzteren werden ausgehoben.

Das russische Budget. In dem R e i ch s b u d a e t für 1903 werden die ordentlichen Einnahmen auf 1 897 032 678 Rubel, die ordentlichen Ausgaben auf 1 880 405 229 Rubel veranschlagt. Der Ueber!thust der ordentlichen Einnahmen über die ordentlichen Ausgaben beträgt darnach 16 627 449 Rubel. Die außerordentlichen Einnahmen werden auf 174 634 794 Rubel, die außerordentlichen Ausgaben auf 191 262 243 Rubel veranschlagt. An ordentlichen Einnahmen werden er­wartet: Direkte Steuern 132 051 949 Rubel, indirekte Steuern 405 994 300 Rubel, sonstige Abgaben (Gebühren. Stempel), 98 169 223 Rubel, Siaaisreaalien 562 284 800 Rubel, Staatsbesitztum und Kapitalien 523 406 347 Rubel, Veräußerung von Staatsbesitztum 531 953 Rubel, Abiösungs- zablungen 89 162 600 Rubel, Ersatz von Ausgaben der Reicksrentei 79 085 049 Rubel, andere Einnahmen 6 346 457 Rubel. Von den ordentlichen Ausgaben entfallen auf Zahlungen für die Staaisichuld 290 966 336 Rubel, Oberste Behörden 3 210 449 Rubel, Heiliger Lynod 28 388 049 Rubel, Kaiser-

Feuilleton.

Die gefährdete Stella Polare des Herzogs der Abruzzen.

Aus dem hochinteressanten WerkeDie Stella Polare im Eismeer" oon Ludwig Amadeus von Savoyen, Heriog der Abruzzen, Königliche Doyen «elegant gebunden 10 M.), einem Seitenstücke zu NansensIn Nacht und Eis", mit Erlaubnis der Verlagshandlung F. A. Brock­haus in Leipzig abgedruckt.

Ein vierstündiger erbitterter Kampf brachte uns auf 10 bis ? Kilometer der Northbrookinsel nabe. Die reiche Erfahrung des Kapuans war uns von großem Nutzen. Von der Tonne aus erkannte er mit einem Blick unter den zahlreichen Kanälen denjenigen, in dem das Schiff weiterfahren konnte. Von einem ging er in den anderen und überschaute sofort eine lange be­fahrbare Strecke. Wir lavierten beständig hin und her, hielten die Malchme an, fuhren rückwärts und steuerten mit aller Kraft voraus, um durch kleine Eisfelder einen Weg zu bahnen und uns nicht einfdbliefcen zu lassen. Am besten kommen unter solchen Umständen die kurzen Schiffe mit kräftiger Maschine und hohem Bug vorwärts. Es läßt sich mit ihnen in engem Fahrwasser leichter manövrieren, sie zertrümmern leichter das Eis, und wenn sie es nicht durch den Stoß zerbrechen können, so zertrümmern sie es durch das eigene Gewicht, indem sie hinaufgleiten. Aber die Schiffe mögen noch so stark und die Maschine mag noch so kräftig jein, sie kommen nur vorwärts, wenn das Eis offen ist; ist dieses geschlossen, so muß man geduldig abwarten und nur darauf sehen, daß man nicht in eine üble Lage gerät, wo man den vollen Druck zweier Eisfelder auszuhalten hat. Im Eise ist die Kraft, die einem zur Verfügung steht, um vorwärts zu kommen oder den Pressungen Widerstand zu leisten, nichts im Vergleich zu der, welche in Bewegungfbefindliche Eismassen ausüben. Nur un-

liches Haus 15 808 652 Rubel, Auswärtiges 5 742 048 Rubel, Krieg 329 923 806 Rub., Marine 115 631 251 Rub., Finanzen 369410068 Rubel, Landwirtschaft und Domänen 49085335 Rubel, Inneres 99717098 Rubel, Oeffentlicker Unterricht 39214985 Rubel, Verkehrsanstalten 458469935 Rubel, Justiz 49 381341 Rubel, Reichskontrolle 8 382 592 Rubel, Gestülsweien 2070294 Rubel, Vorräte und Futter im Falle von Preissteigerungen 3 000 000 Rubel, in den Voranschlägen nicht vorgesehene Ausgabe für besondere im Laufe des Jahres auftretende Bedürfnisse 12 000 000 Rubel. Die außerordent­lichen Einnahmen werden, wie folgt veranschlagt: Ewige Ein­lagen bei der Reichëbrnk 2 500 000 Rubel, aus dem freien Barbestände der Neichsrenlei 172134 794 Rubel; die außer­ordentlichen Ausgaben: Zur Einlösung der 4'/,proz. Obli­gationen der Moskan-Iaroslawbahn 2 4 58 300 Rubel, Hilis- uniernehmnngen der sibirischen Bahn 3 418 340 Rubel, Bau anderer Bahnen 145 19t 580 Rubel, für Darlehen an Privat- ge"llichaften zum Eiseubaynban 9 270 000 Rubel, zur Ent- sckävigung von Privatpersonen und Institutionen für die Auf­hebung der Branntweinbrenngerechtigkeit 10 000 000 Rubel. Tie Gesamtsummen der Einnahmen und Ausgaben balanzieren mit 2 071667 4 72 Rubel.

Die Lage in Marokko. Die Stämme in der Um­gebung von Tanger Der alten sich bisher ruhig. Die letzten Nachrichten aus Fez bestätigen, daß sich dort nichts Außer­gewöhnliches ereignete.

Deutscher Reichstag.

(Sitzung vom 14. Januar.)

Petroleum-Resolution; Meistbegünstigung.

Am Bundesratstiich Staatssekretär Graf Posadowèky. Der Präsident eröffnet um 1 Uhr 20 Minuten die Sitzung. Zunächst wird die Resolution beraten: Mit Rücksicht auf die Erklärungen der Vertreter der verbündeten Regierungen in Bezug auf die Zollsätze bst Tarisnummer 237 (Erdöl u. s. w.) keinerlei vertragsmäßige Verbindlichkeiten anderen Staaten gegenüber eingehen zu wollen, die verbündeten Regierungen zu ersuchen, mit möglichster Beschleunigung in Erwägung dar­über zu treten, ob nicht durch Einführung verschieden- r Zoll­sätze für Robp-trolkum und gereinigtes Petroleum die Schaffung einer inländischen Raifiierie-Jndustrie möglich und wirtichaft- lich geboten sei, und bejahenden Falles einen bezüglichen Ge­setzentwurf dem Reichstage vorzulegen. Abg. Wurm (Soz.)'-rt aus, die Resolution könne weite Kreise des Volkes schwer schädigen. Es handle sich hier um einen neuen Raubzug zur Auswucherung des Volkes. Abg. Frhr. Heyl zu Herrnsheim führt aus: Die Darlegungen des Abg. Wurm lassen auf mangelhafte Information schließen. Vom Abg. Paa'che ablässige verständnisvolle Beobachtung kann Schaden verhüten und ein Sch ff vorwärts bringen.

Obgleich von der Tonne aus südlich von der Northbrook­insel kein offenes Wasser sichtbar war, waren wir doch alle überzeugt, daß die Erreichung von Kap Barents mit der Er­reichung von Kap Flora gleichbedeutend sei. Aber gegen Mitternacht waren wir auf allen Seiten eingeschlossen und konnten uns nicht rühren.

Die Lage war nicht unbedenklich, namentlich auf einem Schiffe, dessen Wände bereits beschädigt waren. Alles, was im Notfalle für einen Marsch nach Kap Flora erforderlich war, Lebensmittel, Zelte, Petroleum, Kleider, Gewehre und Patronen, wurde auf das Verdeck gebracht, damit es für alle Fälle sogleich zur Hand war. Vom 20. bis zum 23. waren wir eingeschlossen und wurden vom Eije nach Nordwesten ge­trieben.

Am 23. abends erhob sich ein frischer Südostwind, von allen Winden der schlimmste, weil er eine rasche Abtrift nach Norden und eine stärkere Pressung seitens der Eisfelder be­deutete, die, zwischen die Inseln gedrängt und vom Winde ge­trieben, sich beim Eintritt in den Kanal naturgemäß überein­ander türmen mußten. Das Eis begann nach Nordwesten zu treiben, und gegen 7 Uhr früh befanden wir uns nur 35 Kilometer von der Eaioninsel entfernt. Das Schiff trieb auf drei große Eisberge zu, die südlich von der Insel gestrandet waren. Der Wind pfiff, zeitweise fiel Schnee, und die auf allen Seiten in Bewegung befindlichen Eisfelder üblen auf das Schiff eine Preffung aus. Die Lage war beunruhigend, und wir hielten uns für jede Eventualität bereit, bei geheiztem Kessel und bemannten Pumpen, falls das Wasser im Lade­raum steigen sollte.

Die Eisberge, drei an Zahl, stauben in einem Dreieck, nur wenige hundert Meter voneinander entfernt; der mittlere lag uns am nächsten. Wurden wir auf einen dieser Eis- kolosse getrieben, so bedeutete dies, daß wir nicht wener konnten und die Seileuwand des Schiffes den Druck dcs

und mir wurde in der Kommission ein Antrag auf Dif­ferenzierung des Petroleums zwecks Schaffung einer nationalen Petroleum-Raffinerie eingebrackt. Der Antrag fiel aber gerade wegen des Widerdrucks des Bundes der Landwirte, der glaubte, daß dadurch das Petroleum zum Schaden der Spiritus-Industrie verbilligt würde. Die Maßnahmen des Rockefeller Monopols sind bekannt. Rockefeller ist billig, so lange es gilt, Kon­kurrenten zu beseitigen. Sind diese erdrückt, so läßt er die Preise sofort in die Höhe schnellen. Mein Antrag sollte ge­rade die unerträgliche Herrschaft des Rockefeller-Monopols be­kämpfen, das jede Gewerbefreiheit aufhebt. Diesem Kampf war ja auch seinerzeit Staatssekretär Graf Pomdowsky näher getreten. Wir hatten die Hoffnung, durch Errichtung von Ra'finerien in Deutschland den Rohölen aus Rußland, Oester­reich und Rumänien eine gesunde Konkurrenz zu ermöglichen. Es wäre ganz töricht, derartige Plan; aufgeben zu wollen, bloß weil wir mit den Rohprodukten vom Ausland abhängig bleiben werben. Das ist ja bei der Textil-Jndustrie und vielen anderen ebenfalls der Fall. Unterstaalssekretâr v. Fischer (auf der Tribüne schwer verständlich) erklärt: In allen Staaten hat man die schwerwiegendsten Bedenken gegen eine Differenzierung des Petroleums geltend gemackt. Vor Allem darf man die zolltechnischen Schwierigkeiten nicht unlersckätzen, die kaum zu überwinden sein werden. Es wäre auch Abhängigkeit vom Ausland zu befürchten. Ich kann daher nur bitten, der Reso­lution nicht Folge zu geben. Abg. Frese (fr. Vgg.)führt aus, die Freisinnige Vereinigung lehne die Resolution ab. Abg. Paasche lnat.-lib.) bittet um Annahme der Resolution, die gar keine Zollerhöhung wolle, sondern nur zu Erwägungen aufforbere. Dasür könne jeder stimmen. Würde eine Differenzierung des Petroleums beschlossen, würden Abg. Heyl zu Herrnsheim und er sogar eine erhebliche Zollherabjetzung des Petroleums beantragen, der sogar die Sozialdemokraten zustimmen müßten. Freie verteidigte das Rockefeller-Monopol, aber selbst freisinnige Blätier bekämpften seit Jahren die rück­sichtslose Ausbeutung durch den Röckefeller-Ring. Eine Ver­gleichung unserer Petroleumpreise mit denen anderer Länder zeige, daß das Rockefeller-Monopol dem deutschen Volke 50 Millionen gekostet habe. Abg. Gothein (fr. Vgg.) be­merkt, den deutschen Peiroleum-Raffinerien würde es gehen wie den in Frankreich bestehenden 24, die sämtlich unter der Kon­trolle Rockefellers stehen, weil sie ihr Rohpelroleum von ihm beziehen. Mit BakwOel und galizischem Oel könne man eben keine Geschäfte machen. Hinter der Resolution scheine doch das Interesse der Spiritus-Produzenten zu lauern. Es folgen Bemerkungen cer Abga. Wurm und Paasche. Abg. Graf Kanitz (foul) bemerkt gegenüber dem Abg. Goibein, er habe im Landeseisenbahnrat allerdings gegen die Taxierung d?s gallischen Petroleums gestimmt, aber nicht um

Packeises aushalten mußte, das sich mit beträchtlicher Schnellig­keit nach Norden bewegte. Wenige hundert Meter von dem uns am nächsten liegenden Eisberge entfernt kam das Eisfeld, mit dem wir trieben, zum Stillstand. Das ganze Eis neben uns setzte dagegen seinen Weg nach Norden fort. Kleine und große Eisfeider schwammen rasch an derStella Polare" vor­bei. Es war ein großartiges Sckauipiel, das uns aber be­unruhigte. Der Verlust des Schiffes zwischen diesen in Be­wegung befindlichen Eismosien wäre ein Unheil gewesen. Wir hielten das Schiff ungefähr eine Stunde lang mit in Gang befindlicher Masckine am Nande des Eisfeldes, an dem es bis­her festgelegen hatte, indem wir von diesem Felde Sckutz hofften. Aber die'er Sckntz konnte nicht lange bauern. Als der Kapitän die Eismasscu auf diese Weise an uns vorüber­schwimmen sah, kam er auf den Gedanken, mit dem Schiffe mitten in sie hineinzufahren, ihrem Laufe zu folgen und dem Eisberg durch Manövrieren mit der Maschiene auszuwe'chen zu jucken. Als er mir dieses Ma­növer vorscklug, konnte ich mich anfangs nicht dazu ent­schließen. Auch ich begriff die Unmöglichkeit, lange an der Stelle, wo wir uns befanden, zu bleiben. Wollten wir uns aber dem Eise, das sich so schnell fort bewegte, völlig preis­geben, so war dies nach meiner Ansicht gleichbedeutend mit einer Beschleunigung unseres Untergangs. Da ich jedoch keinen besseren Rat wußte und einsab, daß, wenn wir untätig blieben, wir binnen kurzer Zeit gegen den Eisberg getrieben würden, sagte ich zum Kapitän, er möge seinen Plan aus­führen. Wir nahmen einen Augenblick wahr, in dem sich eine kleine Wasserfläche um uns her gebildet hatte, während das Eisfeld infolge der Pressung gegen den Eisberg nach allen Richtungen auseinander zu bersten begann, um mittels eines raschen Manövers das Schiff mitten in die treibenden Eismassen zu bringen. Diese waren weniger dicht zusammen­gedrängt, als wir glaubten, und ermâglickten es uns dadurch, uns von dem Eisberge zu entfernen. Mit dem Eise treibend, kamen wir rasch an ihm vorbei. Es blieb uns nun noch die