Erstes Blatt
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Lierteljâhrlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
Druckt und verlegt in der Buchdruckern deS verein, tv, Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ fit Mt- und Landkreis Kanan
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Einrückungsgcbühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. Schr«cker in Hanau«
Nr. 11
Fernspre-l an'^lnß Nr. 605.
Mittwoch den 14 Januar
Fernsprechanschlnst Nr. 605
1903
Amtliches.
Bekanntmachung.
Postverkehr mit den Besatzungen S. M. Schiffe in den westindischen Gewässern.
Für di? Dauer der Blockade gegen Venezuela werden folgende Postsendungen an und non Personen der Besatzungen S. M. Schiffe in den westindischen Gewässern, sofern sie zwischen den Marine-Postbureau in Berlin und den Marine- Schiff-posten jener Schiffe zum Austausch? lammen, als Gegenstände der Feldpost portofrei befördert :
Gewöhnliche Briefe und Drucksachen b's zum Gewichte von 50 g einschließlich, sowie Postkarten.
Ferner werden portofrei befördert alle Postanweisungen von Personen der Schiffsbesatzungen.
Für Postanwei ungen bis zum Betrage von 100 Mark einschließlich an be Schiffsbesatzungen kommt eine Gebühr von 10 Pfg. zur Erhebung.
Die Briefe und Drucksachen müssen in der Aufschrift mit dem Vermerke „Feldpostbrief" versehen sein. Bei Postkarten und Postanweisungen ist die Bezeichnung „Postkarte" und „Postanweisung" in „Feld-Postkarte" und „Feld-Postanweisung" abzuändern.
^m übrigen bleiben im Postverkehre mit den Besatzungen der bezeichneien Schiffe, sowohl bezüglich der zur Beförderung zugelassenen Sendungen als auch hinsichtlich der Taxen und sonstigen ^erknju^ die bisherigen Forschriften in Kraft. Pakete nach und von den Schiffen werden durch die Post nicht be'ördert.
Berlin W. 66 dm 11. Januar 1903.
Der Staatssekretär des Reichs-Postamts.
K r a e t k e.
Landkreis Banau.
Velannimachungen des König!. Landratsamtes.
Für die evangelisâm Schulen in Bergen und Enkheim soll vom 1. Avril d. Js. ab eine geprüfte nicht vollbeschäftigte Handarbeitslehrerin bestellt werden. Die ihr zustehende Feroütung beträgt jährlich 450 Mark.
B werberinnm wollen ihre Gesuche und Zeugnisse binnen 3 Wochen an den Königlichen Schulvorstand zu Händen des Herrn Metropolitans von Starck in Bergen einjenben.
Hanau den 8. Januar 1903.
Namens des Königlichen Schulvorstandes.
Der Vorsitzende v. Beckerath.
Nr. V 193 Landrat.
Stadtkreis Banau. Belmmtmachlmsien des Oderdürgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
Die Herren Arbeitgeber werden ersucht, bei Bedarf von sntVeUf frästen, sowohl für dauernde, wie für vorübec- gkhende Beschäftigung, sich der Vermittelung des städtischen Arbeitsamtes — Langstraße 41, Erdgeschoß rechts — zu be- drenen. u
Hanau den 12. Januar 1903.
Der Magistrat.
Dr. Geheschus.
963
“ 16- Januar 1903, nachmittags von 5 U r ab nnde, rm unteren Sitzungssaale des Neu. stadier Rathauses, Zimmer Nr. 1, öffentliche Sitzung des ««»«MwW« statt in weltter T.™?™ ,L>™ streitig leiten, Klagen rc. zur Schlichtung anbringen können. Hanau den 13. Januar 1903. I
Der Vorsitzende des Gewerbegerichts.
1 r. Gebeschus. ggg
®thinbtitt und verlorene Gcgcnstündc rc.
Gesunden: 5 Paar schmutzige Manschetten, 1 Fahr- scheinhest mit dem Namen Feßler (Ausgabestelle Karlsruhe), 1 Mitgliedskarte des Marken-Konsumvereins für Karoline Wetzstein, 1 Sst üler-Zeilkarte für Anna Golvjchmidt, 1 Brille.
Hanau. den 14. Januar 1903.
Hue Stadt und Land.
Hanan, 14. Januar.
Verein Kinderhort.
Am vergangenen Samstag fand die diesjährige General- Versammlung des Vereins „Kinderhort" statt. Der hierbei zum Vortrag gekommene Jahresbericht führt n. a. aus:
Die Zahl der Zöglinge im Knabenhorte betrug 130 und im Mädchenhorte 100. Von diesen 230 Zöglingen gehören an:
27
Knaben
und 17 Mädchen dem 1. Schuljahre — Klaffe 8
28
ff
„ 21 „ „ 2. „ — „ 7
23
ff
w 14 „ „ 3. „ „ 6
20
ff
ff 17 „ 4, „ ff 5
13
0
«18 „ ff ö. „ *— ff 4
13
ff
7 ff ff 6. p ff 3
4
r
ff 8 „ „ 7. „ - „ 2
2
ff
97
ff 8 „ „ 8. „ fr 1
Knaben und 68 Mädchen sind evangelisch,
katholisch.
33
32
//
im
befinden sich 2 oder 3 Brüder
Aus 27 Familien
ff ff
Familien befinden sich 2 oder 3
Knabenhorte; aus 15
Schwestern im Mädchenhorte; aus 30 Familien befinden
sich Geschwister im Knaben- und Mädchenhorte.
Es haben den Vater verloren (Halbwaise) 12 Knaben und 20 Mädchen; die Mutter verloren (Halbwaise) 3 Knaben und 4 Mädchen; Vater und Mutter verloren (Doppelwaise) 1 Knaben und 1 Mädchen.
Die Mutter ist bettlägerig krank bei 5 Knaben und 4 Mädchen; der Vater ist bettlägerig krank bei 1 Knaben.
Berufsstanv der Eltern:
Beruf der Väter: 64 Tagelöhner, 45 Fabrikarbeiter, 50 gewerbliche Arbeiter, 34 haben sonstige Beschäftigung (Kutscher, Hausdiener rc.).
Beruf der Mütter: 101 Tagelöhnerinnen und Wäscherinnen, 71 Fabrikarbeiterinnen, 42 Aufwarte- resp. Monatssrauen, 3 Näherinnen.
Es werden nur solche Kinder in unseren Horten ausgenommen, deren Eltern (Vater und Mutter) tagsüber außerhalb des Hauses auf der Arbeit sind; nur in wenigen Fällen (Krankheit der Mutter) wurde hiervon eine Ausnahme gemacht. —
Dir am 20. Dezember im Saale und der Turnhalle der Knabenvolksschule veranstaltete Weihnachtsfeier bildete auch im letzten Jahre wieder einen Glanzpunkt für unsere Zöglinge. Viele Freunde und Mitglieder hatten sich zu derselben eingefunden, auch die Eltern unserer Kinder waren fast alle erschienen. Die Zöglinge sangen einige schöne Weihnachtslieder und trugen passende Weihnachtsgedichte vor; Herr Pfarrer Bär hielt an die Festversammlung die Ansprache, und dann nahmen die Kinder in dem Turnsaale die Gaben in Empfang, die auch in diesem Jahre, dank der Opferwilligkeil der Geber und besonders der Schülerinnen der höheren Prioat-Mädchen- schule und der städtischen höheren Mädchenschule, wieder reich bemessen waren. — Wir haben überhaupt alle Ursache, dankbar zu sein. Vor allen Dingen Dank dem lieben Gott für seinen reichen Segen, sodann den städtischen Körperschaften, welche uns neben unentgeltlicher Benutzung der Lokale noch freie Feuerung und Beleuchtung und wieder die jährliche Unterstützung von 1200 Mk. gewährten, ferner Dank der Kopigl. Regierung, welche uns eine Subvention von 400 Mk. zuwandte, den kirchlichen Behörden, einigen Vereinen und vielen privaten Wohltätern, welche uns neben ihrem Mitgliedsbeitrage mit besonderen Gaben erfreuten, sodaß wir annehmen dürfen, daß unsre Bestrebungen für die Kinderfürsorge immer mehr anerkannt und unterstützt werden, und ist dies wohl auch der Grund, daß im verflossenen Jahre die Mitgliederzahl sich um 167 vermehrte, von denen 50 einen Jahresbeitrag von 3 Mk. und 117 einen solchen von 1 Mk. zeichneten und wir gegenwärtig eine Gesamtzahl der Mitglieder von 997 zu verzeichnen haben. Infolge Todesfalles und Wegzugs schi den aus dem Vereine aus 10 Mitglieder â 3 Mk. und 17 a 1 Mk. — Die Kosten pro Jahr und Kind betrugen 25 Mk. Die Gesamteinnahmen des Vereins für die Kinderfürsorge (Kinderhorte und Ferienkolonie) betrug im Etatsjahre 1902: Mk. 10959,61, die Ausgabe Mk. 10653,44, sodaß ein Kasseilbestand von Mk. 306,17 verblieb. —
Der Vorstand des Vereins Kinderhort setzt sich zusammen aus den Herren : Stadtrat Fer). Koch, Vorsitzender; Kaffenrendant Klâre, Kassierer; Lehrer Schien, Schriftführer; Beigeordneter Kode, Schuldirektor Knngenstad,RckwrDie!erich, Stadttat W. Flies, Lehrer Kebebrond, Dr. med. Kitt- Peürer, Kassierer Perm. Koch, Rektor Ickler, Rentner Lieder, Buchbinder W. Meyer, Kaufmann Aug. Stiebing und Rektor Kmdach.
Leiter der Kinderhorte ist Lehrer F. Hebebrand-
Der Vorstand der Hanauer Ferienkolonie besteht aus den Herren Sladtrat Fer). Koch, Vorsitzender; Sparkaffen- Rendant Kläre, Kassierer; Kaufmann Aug. Stiebing, Schriftführer; Schuldirektor Snngenstab, Dr. med. Kittsteiner, Rektor Umbach. Herr Kebebran) ist Leiter derselben.
Auch dem 2. Teile unserer Aufgabe, die uns in § 1 unserer Satzungen gestellt ist, die Fürsorge für kränkliche Kinder durch Verbringung derselben in Ferienkolonien oder Kinderheilanstalten betreffend, sind wir gerecht geworden. Wir waren in der Lage, fast alle uns von den Herren Ärzten als dringend bedürftig bezeichneten Kinder zu einer vicrwâchentlichen Solbadkur in die Kinderheilanstalt zu Bad ■ Orb zu verbringen. Die Zahl betrug 116 gegen 80 im Vorjahre. Atts mehreren Familien wurden die Pflegekosten ganz oder zum Teile getragen, während die große Mehrzahl nur die Reisekosten im Betrage von 5 Mk. zahlten. Viele der kranken Kinder konnten als geheilt ihren beglückten Eltern zurückgegeben werden, für die anderen ist eine wiederholte Kur zu ihrer vollständigen Genesung von ihrer bösartigen Krankheit (zumeist Scrophulose) im nächsten Sommer in Aussicht genommen. Bei allen ist ein sichtlicher Erfolg zu verzeichnen. Die durchschnittliche Gewichtszunahme betrug 6 Pftind. Es ist dies neben der vorzüglichen Heilkraft der Solbäder ganz besonders der ausgezeichneten Wartung und Pflege der in Orb tätigen Diakonissinnen unter der Leitung des Anstaltsarztes, Herrn San.-Rat Dr. Hufnagel, zuzuschreiben Die Mittel wurden durch freiwillige Gaben von unseren Mitbürgern aufgebracht. Wir danken denselben für die edle Gesinnung und bitten innigst, uns auch fernerhin in unseren Bestrebungen sowohl in der Fürsorge für kranke als auch gesunde Kinder freundlichst unterstützen zu wollen.
* Gastspiel der Schlierfeer. An den beiden letzten Abenden hatten wir wieder die Genugthuung das Ensemble der Schlierseer hier zu begrüßen und der gute Bestich hat den Gästen wob! gezeigt, daß man ihnen und ihrem Unternehmen das größte Interesse entgegenbringt. Was diese Bauern spielen, das sind sie voll und ganz selbst, echt und wahr, und selbst im Laufe der Jahre haben sie an Natürlichkeit und Anspruchslosigkeit nichts eingebüßt. Daß ihre einfache und schl'chte Kunst immer Natur bleibt, ist auch das Geheimnis ihres Erfolges. Die zur Darstellung gekommenen Stücke „Der Amerikaseppel" und „Der Gemeindekaspar" sind anscheinend ganz auf die urwüchsige Komik des Xaver Terofal zugeschnitten, dessen bloßes Erscheinen auf der Bühne schon bewirkt, daß allaemeine Heiterkeit zum Ausbruch kommt. Terofal hat in Meister Dreher das beste Vorbild gehabt, den er in einzelnen Rollen noch übertrifft. Die in die Handlung der beiden ange'ührien Stücke eingefügten Tänze fanden in ihrer charakteristischen Wiedergabe ungeteilten stürmischen Beifall, ebenso die Lieder und Duette, wie die Zilhervorträge in den Zwischenakten. Alles in allem genommen, brachten die beiden Theaterabende unserer Gäste den Besuchern viel Herzerquickendes, das dankbar und beifallsfreudig entgegengenommen wurde.
* Stadttheater. Heute geht das Lustspiel: „Los vom Manne", das bei der ersten Aufführung einen so großen Heiterkeilsersolg hatte, nochmals in Szene.
* Abonnements Bortrag. Im Saale des evang. Vereinshauses findet heute Mittwoch, abends 8 Uhr, der 8. Abonnemenisvortrag statt, gehalten von Herrn Pfarrer Georgi aus Frankfurt a. M. über: Drei Tage aus Wicherns Leben.
* Winterfest des landwirtschaftlichen Kreis» Vereins. Wie schon des Otsleren an dieser Stelle erwäqnt, veranstaltet der landwirtschaftliche Kreisverein Hanau nächsten Samstag in den Kurlälen zu Wilhelmsbad ein Winterfest, das, nach den von einem rührigen Komitee getroffenen Vorbereitungen zu schließen, jedenfalls einen prächtigen Verlauf nehmen wird und zu rem auch noch den Reiz der Neuheit in sich trägt, da seit Bestehen des Vereins zum ersten Male eine derartige Veranstaltung geboten wird. Das gegenseitige Näher- treten, der engere Zusammenschluß der Vereinsmitglieder bildet das Leitmotiv der festlichen Veranstaltuna, der wir schon aus diesem Grunde das beste Gelingen wünschen.
* Katholischer Mânnerverekn. Sonntag den 18. Januar d. J., abends 8 Uhr, findet im Saale „zur Stadt Bremen" ein Familienabend mit Tanz vorgenannten Vereins stakt, zu welchem Gäste eingeführt werden linnen. (Siehe heutiges Fn'erm.)
* Marianifche Jünglingskongregatkon. In der heute abend 87* Uhr im Vereinsiaale panfindenden Konferenz wird Herr Akasemielehrer Zimmermann über die Geschichte der "kachol. Gemeinde in Hanau sprechen. Da das Thema von besonderem Interesse, so wird es bloß dieses Hin- wei'es bedürfen, daß die Mitglieder und Ehrenmitglieder vollzählig erscheinen.