Erstes Blatt
Hanauer G Anzeiger
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Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg. M
General-Anzeiger
Einrückungsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg.,
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein, eo. Waisenhauses in Hanau.
Amtliches Organ für Stakt- und Landkreis Kanan.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,
Nr. 186
Fe.n prell aus dlnß 9«r. 605,
Mittwoch den 12. August
Fernsprechanschluß Nr. 605. 1903
Amtliches.
Verordnung.
Für den Regierungsbezirk Cassel wird auf Grund des 8 2 des Gesetzes über die Schonzeiten des Wildes vom 26. Februar 1870 und des § 107 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 der Anfang der diesjährigen Jagd auf Rebhühner, Wachteln und Haselwild auf
Dienstag den 25. August, für Hasen, Auer-, Birk- und Fasanen-Hennen dagegen auf
Dienstag den 15. September festgesetzt und die Zeit, während welcher der Dachs erlegt werden darf, derart ausgedehnt, daß die Jagdzeit vom 16. September bis 14. Dezember er., beide Tage einschließlich, läuft.
Cassel, am 5. August 1903.
Ramens des Bezirksausschusses.
Der Vorsitzende
V 6499 I. B.: gez. Pintti.
Stadtkreis Danau. Belmmlmachungen des Oberbnrgermeistermntes.
Bekanntmachung.
Versteigerung.
Im Auftrage der Armenverwaltung und des Althanauer Hospitals sollen durch den beeidigten Taxator Fritz Kämpfer verschiedenes Hausgerät, als: 9 Tische, 13 Bettladen, 2 Kommoden, 3 Schränke, 2 Sessel, 4 Spiegel, 1 Standuhr, Lampen, Stühle, 1 Bank, Bettwerk, Wäsche, Leinen, Vorhänge, Frauenkleider und dergl., sowie Gegenstände, welche auf städtischem Besitz gefunden worden sind, am
Donnerstag den 20. August 1903, nachm. von 2 Uhr ab im Hose Erbsengaste Nr. 1 und nachm. von 5 Uhr ab im Althanauer Hospital, öffentlich meistbietend gegen sofortige Barzahlung versteigert werden.
Die Eigentümer der Fundgegenstände werden ausgefordert, ihre Ansprüche bis spätestens im Versteigerungslermin bei der Armenverwaltung geltend zu machen.
Hanau den 6. August 1903.
Der Magistrat.
B od e. 14039
Bekanntmachung.
Die Herren Arbeitgeber werden ersucht, bei Bedarf von Arbeitskräften, sowohl für dauernde, wie für vorübergehende Beschäftigung, sich der Vermittelung des städtischen Arbeitsamtes — Langstraße 41, Erdgeschoß rechts — zu bedienen.
Hanau den 10. August 1903.
Der Magistrat.
Dr. Gebeschus. 963
Bekanntmachung.
Wir machen daraus aufmerksam, datz der Zuschlag zur Gemeinde-Cinkommensteuer mit 5°/», welcher zum Ausgleich der im Jahre 1902 der Stadtkaste zur Deckung verbliebenen Etn- quavLierungskosten festgesetzt worden ist, in den nächsten Tagen durch Voten zur Einziehung gelangen wird.
Hanau den 11. August 1903.
Stadtkasse.14053 Hanauer Ortskrankenkasse.
Außerordentliche Gtucralversaiiimliiiig
Donnerstag den 20. August 1903, abends 8 Uhr, nn unteren Saale des Rathauses, zu welcher die stimmberechtigten Vertreter gemäß § 44 des Statuts hiermit eingeladen werden.
_ Tagesordnung: Statutenänderung auf Grund der Novelle zum Krank.-Vers.
Gesetz v. 25./5. 03.
Hanau, 12. August 1903.
Der Vorstand der Hanauer Ortskrankenkasse.
Ph. Müller,
Vorsitzender. 14034
Aus Stadt und Cand.
Hanau, 12. August.
* Landes-Versicherungsanstalt Hessen-Nassau. Für den Kreis Hanau — Stadt — stellen sich die Ergebnisse der Bewilligung von Alters-, Invaliden- und Kranken-Renten in der Zeit vom 1. Januar 1891 bis Ende Juni 1903 wie folgt:
5
Davon sind erledigt durch
Eesamt-
Jahres- betrag »er bewilligten
Renten
S
8
2
5
-4
Altersrenten
202
173
22
7
27478
20
Fn»al.-Rcnt.
404
345
40
19
50989
20
Kraukenrent.
15
15
—
—
2365*20
Zusammen:
621p362j26
80832*60
25'312! 23 109 23 41 267-41007
®o:t den Rentenempfängern sind bzw. waren beschäftigt
2
5
s = —
5
3
S
wär
1 = -
9
2
Rach Abgang durch Tod ic. bleiben noch zu zahlen
10
80
11
14
14
14
69
10857
80
15
221
12
63
9
25
188
28568
80
—
11
-
2
—
2
10
1580 40
Von der Landes-Versicherungsanstalt Hessen-Nassau, deren Bezirk die Regierungsbezirke Cassel und Wiesbaden, sowie das Fürstentum Waldeck umfaßt, sind seit dem 1. Januar 1891 überhaupt bewilligt:
8617 Mersrenten im Gesamt-Jahresbetrage von 1,172,959.— M. 23433 Invalidenrenten „ , „ „ 3,291,78 3.60 „
1017 Krankenrenten „ „ „ „ 156,026.60 „ 33067 Renten mit einem Gesamt-Jahresbetrage von 4,620,769.20 M.
Hiervon sind nach Berücksichtigung der durch Tod je., erfolgten Abgänge Ende Juni 1903 noch zu zahlen.
32m Altersrenten im Gesamt-Jahresbetragè von ' 459;995.40 M. 14508 Invalidenrenten „ „ 2,084,225.70 ,
630 Krankenrenten „ „ „ „ 97,374.20 „ 18339 Renten mit einem Gesamt-Jahresbetrage von 2,641,595.30 M. Der von dem Reiche zu leistende Zuschuß beträgt 916,950.— „
Mithin bleiben Ende Juni 1903 aus Mitteln der Landes-Versicherungsanstalt Hessen-Nassau an Renten zu zahlen jährlich...... M. 1,724,645.30.
* Hauskollekte. In diesen Tagen kommt in unserer Stadt eine Hauskollekte für das H e s s i s ch e Siechenhaus am Gesundbrunnen bei Hofgeismar zur Erhebung. Das Siechenhaus, eine Anstalt der Inneren Mission, blickt jetzt auf 10 Jahre segensreicher Arbeit zurück. Wie sehr die Gründung dieser Heimstätte für alte und junge Sieche und Krüppel einem drückend empfundenen Bedürfnis entsprach, zeigt die von Jahr zu Jahr steigende Anzahl der Pfleglinge. Als vor drei Jahren die letzte Hauâkollekte für das Siechenhaus gesammelt wurde, befanden sich 64 Pfleglinge in der Anstalt. In den letzten drei Jahren sind 75 Neuaufnahmen erfolgt, sodaß gegenwärtig nach Abzug der innerhalb dieser Zeit Ausgeschiedenen (11) und der durch den Tod Abgerufenen (35) 90 Pfleglinge — 38 Männer und 52 Frauen — den Segen einer liebevollen und sachgemäßen Pflege im Siechenhause genießen. Unter diesen befinden sich auch 4 Pfleglinge aus dem Hanauer Lande. Die Arbeit im Hause steht unter der Leitung eines Anstaltsgeistlichen, vier Schwestern aus unserem Diakonissenhause zu Cassel, ein Bruder aus der Brüderanstalt zu Treysa und zwei Wärter sind in der Pflege tätig. Von den 90 Insassen sind 15 blind, 20 ganz oder zum Teil gelähmt, 16 ständig bettlägerig, die übrigen leiden an Gebrechen des Alters und unheilbaren Krankheiten mancherlei Art. 7 Pfleglinge haben das 80. Lebensjahr bereits überschritten, der jüngste Insasse ist 19 Jahre alt. Wenn Zahlen beweisen, ist es hier der Fall, wo die Anstalt bis auf den letzten Platz besetzt ist und so manches Gesuch um Aufnahme wegen Raummangels ablehnend beschieden werden mußte. Angesichts dieser Notlage hat der Vorstand des Siechenhauses, an dessen Spitze Herr Generalsuperintendent Lohr steht, beschlossen, die Anstalt durch einen Neubau zu erweitern, damit noch viele arme Sieche in dem Siechenhause Pflege und Liebe finden können. Die Mittel zu diesem Neubau, der als Männerstation dienen soll, hofft man durch die Hauskollekte und besondere Liebesgaben aufzubringen. Es ergeht daher auch von dieser Stelle aus die herzliche Bitte um freundliche Unterstützung des Hessischen Siechenhauses bei Gelegenheit der Hauskollekte.
* Wann wird es regnen? Wenn schwarz die Wolken am Himmel sind, — das Wetterglas tief und hohl der Wind — der Hund liegt schläfrig vor dem Tor — die Spinne kriecht am Netz empor — die Sonne sank gestern mit blassem Schein — es hüllte der Mond in Höfe sich ein. — Der Graben dampft, die Wände sind feucht — und schwer der Rauch zur Erde kreucht — durch Tisch und Schränke geht ein Krach — Großmütterchen stöhnt vor Weh und Ach! — Laut quakt der Frosch — der Pfau laut schreit — nah scheint der Wald, der sonst doch weit — die grunzenden Schweine sind ohne Ruh — die Fliegen quälen Pferd und Kuh — die Scbwalbe tief sich niederschwingt — horch auf die Grille, wie
scharf sie singt — die Katz am Herde rastet nicht — putzt immer wieder das Gesicht — im Flusse tauchen die Fische empor — bedrohen das spielende Mückenchor. — Glühwürmer, reich an Glanz und Zahl, — erleuchteten gestern das tauende Tal — die schmutzige Kröte im Dämmerschein — hüpfte und schlüpfte über den Rain — der Wirbelwind wühlet auf den Staub — und treibt sein Spiel mit losem Laub — der Frosch im Teich, sonst gelb befrackt — heute im rotbraunen Röcklein quakt — mein Jagdhund, darf ich den Augen trau'n — uei* läßt den Knochen, um Gras zu kau'n — und siehe dort den Krähenzug — nachahmend des Geiers schweren Flug — es wird sicher regnen, verlaß dich drauf — und schiebe den Gang bis morgen auf!
* Die herrlichen Tage des 10. Deutschen Turnfestes zu Nürnberg sind verrauscht und die Teilnehmer sind, nachdem sich die meisten wohl an einer oder der anderen von kundiger Hand zusammengestellten zahlreichen Turnfahrten beteiligten, in die Heimat zurückgekehrt zu ernster, turnerischer Arbeit. Gilt es doch nicht nur zu sehen und zu hören auf einem deutschen Turnfest, sondern auch — und das hauptsächlich für die Vereinsleiter, Turnwarte und Vorturner — sich das Beste des soeben Gesehenen anzueignen und zunutze zu machen. Mit Stolz kann die deutsche Turnerschaft auf den Verlauf des Festes zurückblicken. Das in schwerer banger Stunde der Gefahr für das Vaterland von unserem Altmeister Friedrich Ludwig Jahn gepflanzte Edelreis entwickelte sich durch Sturm und Wetter zu einem starken Baum. Ueber die ganzen deutschen Lande breitet sich heute der mächtige Bund, die deutsche Turnerschaft, aus. Er zählt weit über 700,000 Mitglieder, eine Zahl, wie sie von keiner Institution auf der ganzen Erde auch nur annähernd erreicht wird. Heute halten wir in allen Kreisen das deutsche Turnwesen für eint der größten Segensquellen, die unser Volkstum gesund erhält und stählt, das körperliche und sittliche Wohl fördert und pflegt, sowie idealen Sinn hineinträgt in alle Schichten unseres Volkskörpers. Welch eine Fülle von jugendlicher Kraft boten die turnerischen Darbietungen der Nürnberger Tage. Am Dreikampf, bestehend aus den volkstümlichen Uebungen Hochsprung, Wettlauf und Kugelstoßen, nahmen 1844 Turner teil, aus denen 452 als Sieger heroorgiugen, während von den 1458 Wettturnern, die sich zum Sechskampf angemeldet hatten, 198 preisgekrönt werden konnten. Der Sechskampf bestand aus je drei Uebungen (zwei Pflicht- und einer Kürübung) an Reck, Barren, Pferd, sowie Stabspringen, Weitspringen und Steinstoßen. Wer da weiß, wie viele Faktoren zusammenwirken müssen, damit die nötige Punktzahl erreicht wird, wird auch den Unterlegenen seine Anerkennung nicht versagen. Außergewöhnliche Leistungen wurden erzielt: im Stabhochsprung 3,20 Meter, im Hochsprung 1,95 Meter und im Steinstoßen 6,55 Meter. Welche Fülle von Arbeit der Berechnungsausschuß zu bewältigen hatte, zeigt schon die Tatsache, daß zirka 55 000 Wertungszahlen zu berechnen waren. Was nun die turnerische Arbeit und die Erfolge des 9. Mittelrhein- k r e i s e s betrifft, so bestanden diese im wesentlichen aus folgendem: Der Kreis war bei einer Mitgliederstärke von über 70 000 im Festzug stark vertreten. An den Pflichtstabübungen beteiligten sich 354 Mann. 36 Musterriegen, darunter 8 Gauriegen und 28 Vereinsriegen, traten auf den Plan; und, die Leistungen waren durchweg gute, teilweise vorzügliche zu nennen. Das Auftreten des Kreises wurde von berufener
Seite dank der zielbewußten Leitung Herrn Lehrer A. Volze sehr günstig ausgegebenen Preisen entfielen auf Dreikampf 41, beim Sechskampf liegen stellte der Kreis: 6
des Kreisturnwarts beurteilt. Don den den Kreis beim 14. An Spiel-
Riegen Faustball und 4 Riegen Tamburinball, von denen die Faustbällriege des Frankfurter Turnvereins siegte. Wenn auch die Anzahl der errungenen Preise und die Rangstufe für den Kreis keine besonders ruhmvolle genannt werden darf, so soll nicht vergeffen sein, daß das Hauptgewicht von feiten der Kreisleitung auf eine gleichmäßige Ausbildung der Massen gelegt wird. Mögen diese teilweisen Mindererfolge für den Mittelrheinkreis ein kräftiger Ansporn sein, weiter zu streben und gerüstet zu sein, falls der Wunsch der Frankfurter Turnerschaft erfüllt und unserer ehrwürdigen benachbarten Kaiserstadt die Abhaltung des elften Deutschen Turnfestes im Jahre 1907 übertragen wird.. Ueber den Empfang der Turner durch die Nürnberger Bevölkerimg herrscht nur eine Stimme des Lobes. Die freudige Begeisterung kannte keine Grenzen und wurde oft in der wundersamsten Weise zum Ausdruck gebracht. Wem, Bier, W, Lebkuchen und Süßigkeiten wurden den "n âug vorbeimarschierenden Turnern in reichem Maße geboten. Gab irgendwo Aufenthalt, flugs war durch freistehende Pyramiden die Verbindung mit dem 1. Stockwerk zum beiderseitigen Er- qö-zen hergestellt. Daß auch der Humor feine Blüten trieb, ist selbstverständlich. (Fft. N.)