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General-Anzeiger

Amtliches Organ für Stadt- nnd Landkreis Sana«

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker in Ha««^

Nr. 264

Fernsprechanschluß Nr. 605

Mittwoch den 11. November

Fernsprechanschluß Nr. 605

1903

Amtliches.

Im Anschluß an meine Bekanntmachungen vom 4. Mai d. J. A.IL 4805 und vom 26. September b. I. A. II. 12091 (Amtsblatt Seite 133 und 308) bringe ich hiermit zur allge­meinen Kenntnis, daß die Herren Minister des Innern und der öffentlichen Arbeiten d"rch gemeinsamen Erlaß vom 2t. September d. J. III. 13080 M. d. ö. A., Il a. 7472 M. d. I., für die Kraftfahrzeuge im Regierungsbezirke Potsdam die weiteren Erkennun^snummern È. 1000 bis 1999 und für solche im Regierungsbezirk Frankfurt a. O. die weiteren Erkennungsnummern E. 2000 bis 2499 überwiesen haben. (A. II. 12749.)

Cassel am 8. Oktober 1903.

V 8159

Der Regierungs-Präsident.

J. A.: Schenk.

Landkreis hanau.

Bekanntmachungen des König!. Landratsamtes.

Die Herren Bürgermeister und Gntsvorsteher ersuche ich um sofortige Einreichung der unterm 8. November 1899 übersandten Nachweisung der von der Königlichen Kreiskaffe gezahlten Gehälter rc. zwecks Berichtigung und Vervoll­ständigung.

Hanau dm 7. November 1903.

Der Vorsitzende der Einkommensteuer-Veranlagungs-Kommission für den Landkreis Hanau.

St 5319 I. A.: Lehfeldt, Reg.-Asseffor.

â ruuocmlc P0M.

@in Werk, das einen bedeutungsvollen Abschnitt in der Kultur-Entwicklung der Provinz Posen zu bilden bestimmt sei, hat der Kultusminister Dr. Studt bei ihrer Einweihung die Akademie in der Provinzial-Hauptstadt genannt. In der Tat ist diese Gründung eine wichtige Etappe zur Verbreitung deut­scher Bildung, Sitte und Art in unserer Ostmark. Die Säle der Akademie sollen den Deutschen das geistige Rüstzeug liefern für ihren wirtschaftlichen Kampf, sie sollen ein Bindemittel fein für alle Teile der deutschen Gesellschaft in Posen; sie sollen die verschiedenen Kreise der deutschen Bevölkerung auf dem neutralen Boden der Wissenschaft vereinigen und daS Gefühl der Zusammengehörigkeit stärken.

K Bisher mangelte es im Osten der preußischen Monarchie an wissenschaftlichen Hochschulen. Posen und Westpreußen

waren die einzigen Provinzen, die noch keinen akademischen Bildungs-Mittelpunkt hatten und deshalb einen regelrechten produktiven Anteil an der reichen nationalen Kultur des deut­schen Volks- und Geisteslebens vermissen ließen. In Polen selbst existierte die Raczynski'sche Bibliothek, die ledigsich Bücher über die Vergangenheit Polens führte. Wie konnte wohl besser die langsam aber stetig wachsende polnische Bewegung genährt werden, neben den planmäßig gepflegten zahllosen Impondera­bilien großpolnilcher Art, als durch eine so einseitig zusammen- gefe^te Bücherei! Zwar hat man dieser Nährquelle eng- begrenzter Anschauungen vor einigen Jahren die Kaiser-Wil­helms-Bibliothek entgegengesetzt, eine vortreffliche Sammlung allgemeiner Schriften, die sich reichen Zuspruchs erfreut, aber erst durch die Gründung der Akademie ist dem deutschen Geistes­leben in der bedeutendsten Stadt unserer Ostmark die ihm ge­bühren« Stätte errichtet worden.

Der Lehrplan der Hochschule ist recht mannigfaltig. umfaßt Rechtswiffenlchaft, Volkswirtschaftslehre in weiter Ausdehnung, praktische Handelswissenschaft, Medizin, 'l-biloiophie, Geschichte, Literaturgeschichte und Sprachen, Kunst- geschickte und Altertumskunde, Musikwissenschaft, viel Natur« ^lstn schäft, dann Technik und Geographie. Eine besondere Vorlesung wird über die Geschichte der Provinz Posen bis zur Ungaeberungn den preußischen Staat gehalten. Die Hörer werden daraus erfahren, wie groß die berechtigten Ansprüche er Deutschen auf ihre Vorherrschaft in diesem Landesteile sind.

s 26 Lehrkräften der Akademie stammt ein großer Teil 5)08 bürgt dafür, daß die eigenartigen Verhält- I Oiieng genügend berücksichtigt werden.

Standpunkte ausgehend, einer möglichst ® Zahl Lernbegieriger den Zutritt zu ermöglichen, hat man <t. ^I? Voraussetzungen un erer Universitäten abgesehen. . ^"S wissenschaftlicher Befähigung zum ein- I g-lreiwrlligen Dienst oder einer andern gleichwertigen llenugt. Die Verwaltungs-Kommission kann die ben Vorlesungen beiznwohnen, auch solchen

^ ^ ^ bie die Gewähr bieten, daß ihnen die Kurie Vorteile bringen. Hoffentlich wird das bildung- fußende Publikum die ihm in reichem Maße bargebotene Ge­legenheit zur Forderung und Erweiterung seiner Kenntnisse

eifrig benutzen. Nur dann wird die Akademie das ihr gesteckte Ziel erreichen.

Wie gesagt, soll die Hochschule dem deutschen Geistesleben dienen; indem sie das tut, wird sie, wie der Kltusminister mit Recht hervorgehoben hat, die Interessen der Gesamtheit der Bevölkerung, also auch derjenigen fördern, die jetzt noch ab­seits stehen. Schon sind 400 Hörer vorhanden. Ferner ist ein erheblicher Zugang von Einwohnern nach der Hauptstadt der Provinz zu verzeichnen, der auf die Akademie zurückzu­führen ist. Das ist ein erf-eulicher Anfang. Möge dem Friedenswerke die Zukunft halten, was die Gegenwart verspricht.

Hue Stadt und Land.

Hanau, 11. November.

* Landtagswahl. Morgen findet die Wahlder Wah lm â nn e r zu der bevorstehenden Landtagswahl statt. Die Wahlhandlung geht wie folgt vor sich: Im Wahllokal wird jeder Wâbler, von dec dritten Klasse an« gefangen, einzeln aufgerufen. Er tritt an den Wahlti'ch und gibt öffentlich seine Stimme für soviele Wahlmänner ab, als seine Klaffe zu wählen hat. Die Namen können auch von einem geschriebenen oder gedruckten Zettel abgelesen werden. Es ist notwendig, daß jeder Wählerzurfest­gesetzten Stunde pünktlich im Wahllokal an­wesend ist.

* Eine gtofce Gruppe von Sonnenflecken passiert nach Beobachtungen ^er Göttinger Sternwarte in diesen Tagen auf der anderen Hemisphäre der Sonne den Mittel­meridian. Wahrscheinlich treten wieder elektrische Wirkungen auf, desgleichen Polarlichterscheinungen.

*** Eine Erhöhung der Lederpreise haben jetzt auch endlich die hessischen L e d e r i n d u st r i e l l e n be­schlossen. Am Sonntag 8. November, fand im HotelCasseler Hof" zu Cassel eine Versammlung des Verbandes der Leder­fabrikanten und Gerber in Hessen-Nassau, des Fürstentums Waldeck und der angrenzenden Bezirke Thüringens und Süd­hannooers statt. Nach lebhaftem Meinungsaustausch wurde be­schlossen, mit Rücksicht auf die erheblich gestiegenen Rohmaterialien trotz der bereits früher, zu Beginn des Herbstes, vorgenommenen Erhöhung der Lederpreise um 10 15 Pfg. für das Kilo eine abermalige Preiserhöhung Platz greifen zu lassen. Bestimmend für diesen Beschluß war die Tatsache, daß seit der Zeit, wo die Erhöhung vorgenommen worden ist, bis heute die Preise für rohe Häute und Felle ganz erheblich, um 1012 Prozent gestiegen sind und daß ferner seit dieser Zeit die Preße für Grobmaterialien einen geradezu unglaublichen Höhepunkt erreicht haben. So ist beispielsweise Quebrachoholz in Blöcken um 1520 Prozent gestiegen und demzuiolqc sind auch die Preise für Qmbrachoholzextrakt um 1.251.40 Mark für flüssigen bezw. teigförmigen und um 1.752.00 Mark für festen Ouebrachoholz°xtrakt für je 100 Kilo in die Höhr ge­gangen. Weitere Steigerungen sind bei den äußerst knappen Vorräten an Quebrachoholz und den sehr geringen Zufuhren aus Argentinien sehr wahrscheinlich. Unter diesen Umständen ist es selbstverständlich an der Zeit, daß auch der hessische Lederfabrikant diesen Aufwärtsbewegungen folgt und seinen Kurs dementsprechend hinaufrichtet. Zunächst wurde beschloffen, für Unterleder in Häuten 10 Pfg. für das Kilo, für Unter­leder in Kroupons 20 Pfg. für das Kilo und für Unterleder in Abfällen 6 Pfg. für das Kilo mehr als bisher zu nehmen. Für Kalbleder betraut die Preiserhöhung 20 Pfg., für Rinser- leder und Kipse je 10 Pfg. für das Kilo. Um diesen Preisen eine gewisse Sicherheit zu schaffen, wurde beschlossen, die Pro­duktion noch weiter einzu chränken, damit nicht etwa volle Lagerbestände den einzelnen veranlassen könnten, billiger zu verkaufen, als diese Festsetzungen es fordern. Diese Preis­erhöhungen treten sofort in Kraft; sollten die Rohmaterialien, vor allem natürlich die Rohhäute und der Quebracho-Extrakt, weiterhin eine steigende Tendenz verfolgen, so soll eine weitere Preiserhöhung schon in der nächsten Deriammlung beschlossen werden.

k. Rezitation im Kunstindustrie-Berein. Die Zahl der Rezitatoren, die uns vom Podium herunter in mustergültiger Weise mit den Produkten der Dichter unseres Volkes bekannt machen, ist zur Zeit nicht sonderlich groß. Insbesondere vermögen es nur wenige, die berechtigte Grenze zwischen Bühne und Vortragssiuhl zu halten. Bei dem Ver­wischen der Scheide zwischen diesen beiden Kunstformen leidet die allen zu Herzen sprechende Natürlichkeit Einbuße. Wenn auch Professor Strakosch aus Wien, der gestern abend vor einem zahlreichen Auditorium in der Aula der Akadem e vor­trug. zu den besten seines Faches gehört, so tritt doch auch bei ihm jenes oben lkiz;i°rte Hinübergleilen in eine andere Kunstgattung der vollendeten Wirkung störend in den Weg. Zum Vortrag gelangte Grillparz rsMedea", 3. Ak,, ein

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Werk, das sich nicht durâ Feinheit der dichterischen Gestaltungs- kunst auszeichnet. Es muß verwund-rlich erscheinen, daß der Künstler seine reiche Kraft für ein solches, sich nicht weit über den Durchschnitt erhebendes Werk einsetzt. Uneingeschränkt muß zugegeben werden, daß gerade jene bochdramatischen Spannungen, die in diesem Akte ihren Ausdruck finden, in den Darbietungen vollendeten Ausdruck fanden. Der Schwerpunkt der Strakosch- schen Kunst liegt eben in dem Bortrag von Dramen mit ge­wallt 'en Konflikten. Die heiteren Musen sind dem Künstler fremder. Zum Schluß des nicht sonderlich reichen Programms gelangte nochDer Meisterlrunk" von Adolf von Flexne zum Bortrag, eine Dichtung, in der in tragikomischer Weise eint Ep 'ode aus dem dreißigjährigen Kriege dichterisch behandelt wird.

* Evangel. Bereinshans. Wie aus dem gestrigen Inseratenteil ersichtlich ist, findet heute der erste der A b o n n e- ments-Vortrâge statt, den Herr P'arrer Strobel aus Frankfurt a. M.-Bornheim übernommen hat, über das ansprechende Thema: Paul Gerhard, die Früh­lingslerche im Saalfelde der Reformation. All- Freunde des evangelischen Kirchenliedes und des evan­gelischen Kirchengeianges seien noch besonders auf diesen Vor­trag aufmerksam gemacht. Konfirmanden erhalten zu diesem Vorträge Eintrittskarten zu 20 Pfg. am Eingang des Saales.

* Stadtthestev. Heute geht SudermannsSchmetterlings­schlacht" zum letzten Male in Szene und weisen wir nochmals ganz besonders auf b;e Aufführung dieses bekannten Werkes hin.

* Gastspiel MatkowskyHamlet". Zu dem uns am Freitag bevorstehenden Gastspiel des berühmten Künstlers bemerken wir, daß die Vorstellung außer Abonnement bei erhöhten Preisen stattfindet. Vorrecht der u n geraden Rumm rn am Donnerstag von 45 Uhr nachmittags.

* Im Saalbau zum Deutschen Haus gab gestern abend die Kapelle des Thür. UlanewRegiments Nr. 6 ihr erstes Winter-Abonnementskonzert, das noch dadurch besonderes Inter­esse in Anspruch nahm, daß Herr Musikdiri'gent Urbach einen hier sehr geschätzten Solisten, den Cornet L Piston-Virtuosen Herrn Kümmel aus Darmstadt, zur Mitwirkung gewonnen hatte. Wir begrüßen das Vorhaben der U anentapeße, in diesem Winter mit Abonnementskonzerten an die Oeffentlichkeit zu treten, mit besonderer Genugtuung, da hiermit sicherlich einem in musikalischer Hinsicht bisher bestandenen Mangel ab- geholfen, dann auch weiterhin deshalb, daß uns auch Gelegen­heit geboten wird, die Kapelle in ihrer ganz vorzüglichen Fassung zu hören. Das gestrige erste Konzert leitete den Zyklus vor­teilhaft ein. Von Nummer zu Nummer steigerte sich das Interesse an den auf anerkannter Höhe stehenden Leistungen der Kapelle. Die reichen Beifallsspenden waren deshalb auch wohl angebracht. Stürmischen Erfolg errang auch der Solist Herr Kümmel, der nach Darbietung der programmmäßig vorgeiebenen Nummern noch einige redende Zugaben folgen ließ.

* GesangvereinTonblute." Um mehrseitigen Anfragen entgegenzukommen, kann jetzt schon davon Kenntnis gegeben werden, daß die diesjährige Abendunterhaltung mit Ball am 2. Weihnachtsfeiertag in derCentralhalle" statt« findet. Eine Liste hierfür wird demnächst zirkulieren.

* Silberne Hochzeit feiert heute der Expeditions­vorsteher des Hanauer Anzeigers Herr Rehm und Frau.

* Die Königslöwen auf dem Mestplatze. Für nächsten Freitag ist eine Elite-Vorstellung mit vollständig neuem Programm vorgesehen. Wir machen bereits heute auf diese Vorstellung aufmerksam.

Kunstglas Bläserei. Auf dem Meßplatz steht seit Sonntag ein Zelt, dem jeder hiesige Einwohner einen Besuch abstattkn sollte. Man sieht darinnen, wie wir schon früher kurz erwähnten, die Handhabung der Kunstbläserei und

-Spinnerei des Herrn Freimuth. Vor unseren staunenden Blicken sehen wir, wie das sonst so spröde Glas jede Haus­frau weiß davon mehrere Liedchen zu singen in einen schier butterweichen Zustand verwandelt, auseinandergezoqen, geformt und gebogen wird. Neben dem Prasseln der Stichflamme hören wir einige erläuternde Mitteilungen der Glasbläser, und ehe wir es uns versehen, steht eine zierliche, allerliebste venezia­nische Vase, eine schön geformte Roie, ein Vexierglas, ein Scherzärtikel u. dgl. vor uns. Wie fein das Glas in ge­schmolzenem Zustande verarbeitet werden kann, zeigt dann noch die Glasspinnerei. Von der Flamme, in welcher sich das schmelzende Glas befindet, zieht sich ein unsagbar feiner Fasen auf ein großes rotierende- Rad. Liegen genug Fa e d-mselben, so werden diese an einer Stelle durchAnck -n, d e Giasspinnerin entnimmt die Fâden dem Rade, t 8 -

ben nun eine aus seidenen Fäden bestehende ^»ur vor uns zu haben. Mühelos läßt sich aus diesen G-asfäden eine Weise knüpfen, die an Eleganz des Aussehens thresgleichen suchtaber auch sehr haltbar ist. Schließlich wird uns noch die Herstellung von Brillanten oder Flitterglas, das fein ist