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Erstes Blatt

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Anzeiger

Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für aus- «artige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelne Nummer kostet 10 Pfg.

Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein^ ev. Waisenhauses in Hanau.

General-Anzeiger.

Amtliches Organ für Ä- md Landkreis Kanan.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder bereit Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantworte. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,

Nr» 212 Fernsprechanschluß Nr. 605.

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Freitag den 11. September

Fernsprechanschluß Nr. 605

1903

Amtliches.

Stadt- und Landkreis Hanau Bekanntmachung.

Auf Grund der in Nr. 15 der Amtlichen Beilage zum Hanauer Anzeiger" vom 8. v. Mts. abgedruckten Regie- rungs-Vslizeiverordmtng bett. die Einrichtung, die AnfftsAnng tinö den Gebrauch der beim Bier­ausschank und beim Abzapfen von Bier in Flaschen oder ähnliche Gefäße zur Anwendung kommenden Druck- und Leitungsvorrichtungen vom 12. Mai d. Js. ist als Sachverständiger zur Vor­nahme der ersten Prüfung, durch welche die Uebereinstimmung der Bierdruckvorrichtung mit den Vorschriften der Polizeiver­ordnung nachgewiesen wird, sowie zur Vornahme der sogen, periodischen, alle 3 Jahre stattfindenden Revision der Eich­meister Heilmann hierselbst für Stadt- und Landkreis Hanau ernannt worden.

Die beteiligten Gewerbetreibenden werden daran erinnert, ihre Bierdruckvorrichtungen bis spätestens zum 1. Novem­ber d. Js. mit den Vorschriften der Negierungs-Polizei­verordnung in Uebereinstimmung zu bringen.

Mit diesem Zeitpunkt wird der Sachverständige Heilmann mit der erstmaligen Prüfung der Bierdruckvorrichtungen be­ginnen.

Neue Bierdruckvorrichtungen dürfen erst in Betrieb ge­nommen werden, nachdem der Ortspolizeibehörde der Nachweis geführt ist, daß die Prüfung durch den Sachverständigen statt- gefunden hat. (cfr. § 13 der Ver.)

^B^ Die Herren Bürgermeister des Landkreises werden ersucht, diese Bekanntmachung zur Kenntnis der Beteiligten zu bringen.

Hanan den 10. September 1903.

Der Königliche Landrat und Polizei-Direktor.

P 5985 v. Beckerath.

Stadtkreis Danau* Versteigerung.

Mittwoch den 16. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, werden im Zimmer Nr. 16 der Königs. Polizeidirektion hier (Paradeplatz 1) die vom 1. Juli 1899 bis einschließlich 30. Juni 1901 gefundenen und hier abgegebenen, weder von den Eigentümern noch von den Findern reklamierten Gegenstände, wie: Schirme, Stöcke, Taschentücher, Messer, Portemonnaies, Silbersachcn und andere Gegenstände gegen bare Zahlung meistbietend versteigert.

Hanau den 10. September 1903.

Königliche Polizei-Direktion.

P 7409 v. Beckerath.

Landkreis hanau« Belamttmachllst^eK des König!. LandratsaMtes..

In der Gemarkung Fechenheim ist die GeMgel- cholsra ausgebrochen.

Hanau den 8. September 1903.

Der Königliche Landrat.

V 7177 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

In der Gemarkung Friedberg ist die Schiveineseitche ausgebrochen.'

Hanan den 10. September 1903.

Der Königliche Landrat.

V 7210 I. A.: Conrad, Kreissekretär.

Zwangsversteigerrmg.

Im Wege der Zwangsvollstreckung soll

I. das in der Gemarkung Mittelbuchen belegene, im Grund­buche von dort Band XII Artikel 582 zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen der Ehefrau des Heinrich Stroh, Anna geb. Fischer in Mittelbuchen, jetzt Ehefrau des Maurers Johannes Mütter, Anna geb. Fischer, einge­tragene Grundstück:

Kartenblatt 17, Parzelle 150/17, §airë Nr. 150, Hauptstraße, Hofraum, Geb.-St.-R. Nr. 155,

a) Wohnhaus,

b) Scheuer mit Siall (A) und abgesondertem Ab­tritt (B),

5 ar, 150 Mark Nutzungswert,

II. das in der Gemarkung Wachenbuchen belegene, im Grund­buche von dort Band XV Blatt Nr. 717 zur Zeit der Eintragung des Versteigeruugsvermerks auf den Namen

des Maurers Johannes Müller, Sohn des Johannes Müller in Mittelbuchen eingetragene Grundstück:

Kartenblatt X, Parzelle 261, auf dem Schwaberg, Acker, 8 ar 67 qm, 3 Mark 06 Pfg. Reinertrag, am 23. Oktober 1903, nachmittags 3 Vs Uhr, durch das unterzeichnete Gericht zu Mittelbuchen in der Gastwirtschaft von M a i s chzur Krone" versteigert werden.

Hanau den 12. August 1903.

Königliches Amtsgericht 2. 15895

Die macedonischen Wirren.

Kurz vor Anbruch des Winters in den macedonischen Bergen machen die bulgarischen Banden die größten An­strengungen, um doch noch einen türkisch-bulgarischen Krieg hervorzurufen. Unleugbar steckt eine gewisse Kraft in dem auf­ständischen Element, aber sie äußert sich mit solcher Wildheit, daß der allgemeine Abscheu gegen diese Brand- und Mord­taten vollauf berechtigt ist. Die macedonische Sache hat nir­gends in Europa Sympathien, abgesehen allenfalls von pan- slavistischen Hitzköpfen in Rußland, die entgegen den Wünschen der russischen Regierung von der Verwirrung auf dem Balkan die endliche Zertrümmerung der osmanischen Herrschaft in Europa und das Vorrücken des russischen Reiches nach den Meerengen erwarten. Die Gefahr für den Frieden liegt nicht sowohl in den Dandenkämpfen auf mace- donischem Boden als in Sofia. Das Fürstentum Bulgarien hat vor langer Hand den Aufstand in Macedonien unterstützt, das Land ist angefüllt mit macedonischen Flüchtlingen, die die aktionsluftige Partei verstärken und die unter dem Drucke der fremden Mächte stehende Regierung in Sofia, sowie den Für­sten Ferdinand persönlich, mit Gewalttaten bedrohen. Es ist möglich, daß sich die dumpfe Stimmung in einer Verjagung des Fürsten und seiner Regierung entlädt.

Bisher waren es Rußland und Oesterreich-Ungarn allein, die in Sofia Vorstellungen erhoben haben, um der heimlichen Unterstützung des macedonischen Bandenunwesens Einhalt zu tun. Die Haltung der von innen gedrängten Regierung in Sofia blieb gleichwohl unklar und zweideutig. Jetzt wird unter den Kabinetten ein gemeinsamer Schritt aller Groß­mächte bei der bulgarischen Regierung zur endlichen Unter­drückung der Kriegsdränger beraten. Von Deutschland und England wird angenommen, daß sie sich dem Vorgehen an­schließen werden, wenn es alle Größmächte tun. Frankreich und Italien scheinen noch keine endgiltige Stellung genommen zu haben. Doch glaubt man, daß der vorgeschlagene gemeinsame Druck in Sofia zustande kommt. Es bliebe dann abzuwarten, ob sich die Erwartung erfüllen werde, daß die so bekundete Einigkeit der Großmächte alle Hoff­nung der Bulgaren auf fernere Einmischung oder Verwick­lungen unter den Mächten zerstöre. Das Schlimmste der Lage bleibt immer, daß sie jeden Tag durch neue Untaten verwegener Dynamitarden geändert werden kann und daß anderseits Ausbrüche des mohammedanischen Fanatismus, wie die Vorgänge in Beirut zeigen, den geduldigen Türken in Kon­stantinopel neue Verwicklungen schaffen.

Die Ermahnungen einzelner deutscher Blätter an unsere Regierung, daß sie die Hände möglichst aus dem Spiele lassen möge, halten wir für unnötig. Sie hat bisher nichts weiter getan, als in der ihr durch unsern geringern Jnteressenanteil zugewiesenen zweiten oder dritten Reihe unter den Großmächten ihren Einfluß in steter guter Fühlung mit den beiden meist- interessierten Kabinetten in Petersburg und Wien nach der friedlichen Seite hin geltend zu machen.

Geschichts-Kalender.

11. September.

1709. Schlacht bei Malplaquet; Prinz Engen und der Her­zog von Marlborough schlagen die Franzosen unter Marschall Villars.

1813. Kavalleriegefecht bei Weißenfels.

1825. Der Musikkritiker Eduard Hanslick in Prag geboren.

1870, Die Deutschen rücken in Meaux und Melun ein. Italienische Truppen besetzen päpstliches Gebiet.

1876. Anastasius Grün (Graf von Auersperg) stirbt zu i Graz.

1886. Einführung der Pickelhaube in die bayerische Armee. :

Hue Stadt und £and.

Hanau, 11. Septbr.

* Personalien. Der Negierungsassessor Valentiner in Wiesbaden (früher in Hanau) ist der Königlichen Negierung

in Düsseldorf zur weiteren dienstlichen Verwendung überwiesen worden.

* Ritt um den Ehrenpreis Sr. Majestät des Kaisers. Der diesjährige Ritt um den Ehrenpreis Sr. Maj. des Kaisers, welcher, wie schon kurz gemeldet, in der Nacht vom 8. zum 9. September begonnen wurde, führte die Teilnehmer in das Manöoergelânde deS 18. Armeekorps in der Gegend von Hadamar. Es beteiligten sich an dem Ritte insgesamt 45 Kavallerieofsiziere des 18. Armeekorps, darunter 12 Offiziere vom thüring. Ulanen-Regiment Nr. 6, nämlich dir Oberleutnants von Busse, Z i e g l e r, die Leutnants Schwartz, v. Brochwitz-Donimirski, Frhr. v. d. Osten gen. Sacken, v. Günther, Struck­mann, v. Papen, Sieg, v. Steuben, Buek und R i e d e s e l F r h r. z u E i s e n b a ch. Die Offiziere ritten von 1 Uhr nachts pom Bahnhof Klein-Steinheim einzeln in Zwischenräumen ab. Die Aufgabe umfaßte eine Erkundung einer großen Artilleriestellung in der Gegend von Hadamar. Diese Erkundung war erschwert durch eine ausgedehnte feind­liche Vorpostenkette, welche, vom Infanterie-Reg. Nr. 166 ge­bildet, die Lahnübergänge von Limburg bis Runkel besetzt hielt. Die zurückzulegende Strecke betrug über 140 Kilometer. Zu­nächst wurde die Fähre bei Höchst passiert, dann ging es über Epstein-Jdstein-Camberg gegen den Lahnabschnitt weiter. Das Resultat der Erkundung mußten die Teilnehmer des Rittes in Form einer Meldung persönlich nach Nieder-Selters zurück­bringen. Trotz der außerordentlich hohen Leistung trafen fast alle Reiter und Pferde wohlbehalten am Ziele ein. Von Niederselters aus begaben sich die Offiziere weiter in ihre Manöverquartiere. Der Sieger in dem Ritte um den Ehren­preis wird erst zu Kaisers Geburtstag bekannt gegeben.

* Tausendmarkscheine im Main. Der in Basel verhaftete Bankangestellte Jakob Steiner ans Luzern hat Mk. 14 978 gestohlen. Von diesem Gelde will er vier­zehn Banknoten von je Mk. 1000 am 15. August nahe bei Frankfurt in den Main geworfen haben. Auf Beibringung der Summe oder eines Teiles ist eine Belohnung bis M. 50Ö ausgesetzt.

* Vaterländischer Frartenverein. In den Schluß­satz unseres gestrigen Artikels über den Basar des Vater­ländischen Frauenvereins hat sich ein Satzfehler eingeschlichen. Es muß nämlich heißen, daß sämtliche Zuwendungen und An­meldungen derselben an die Vorstandsdamen Frau E. Morin und Frl. Leisler erbeten werden.

* Sommeriheater. Wir verweisen nochmals empfehlend auf das heutige Benefiz für Frl. Gertr. MensingDie schöne Müllerin".

* * Metzger-Innung. In einer gestern abend stalt- gehabten Versammlung der Krankenkasse der Metzger-Innung wurden im Statut diejenigen Aenderungen vorgenommen, welche nach der neuen Novelle zum Krankenversicherungsgesetz geboten sind. Im Anschluß hieran fand eine Innungs- Versammlung statt, in welcher einige wichtige Punkte ihre Erledigung fanden. Eine für die Beteiligten angenehme Aenderung in der Schlachthofordnung ist die, daß von jetzt ab bei Einführung von Gcraupen, Braten rc. in die Stadt die Gemeindesteuern zugleich mit der Schaugebühr im Schlachthof selbst entrichtet werden können. Für die Benützung der Freibankkühlzellen kommen fortan Gebühren nicht mehr zur Erhebung.

* Zuschlagserteilung. Der Firma OhlLDieterich hier wurde auf Grund ihres Angebots vom 25. August d. J. die gesamte Blitzableiteranlage der Schlachthof-Neubauten zu Offenbach a. M. übertragen.

V' Statistisches. Im Monat August 1903 wurden in unserer Stadt lebend geboren 59 Kinder, 27 Knaben und 32 Mädchen. 5 Gestorben sind mit Ausschluß von 4 Totge­borenen 39 Personen, 17 männlichen und 22 weiblichen Ge­schlechts, darunter 8 Ortsfiemde. Für die Stadt selbst blei­ben 31 und es kommen auf 1000 Einwohner und aufs Jahr berechnet 12 Todesfälle.

Gestorben sind:

11

Kinder

im Alter von

01

Jahr

6

ff

W

ff

ff

15

Jahren

4

Personen

ff

ff

ff

1020

ff

1

Person

ff

ff

20-30

ff

!

ff

ff

ff

ff

3040

ff

3

Personen

ff

ff

ff

4050

ff

3

ff

ff

ff

ff

5060

ff

7

ff

ff

ff

ff

6070

ff

2

ff

ff

ff

7080

ff

1

Person

ff

ff

ff

8090

ff

An Scharlach starb 1 Kind aus der Lamboystraße, 8 Kinder starben an akuter Magen-Darmerkrankung, 2 an Lungenent­zündung und je eins an Kinderzehrung und an Krämpfen. Die Todesursache war bei 4 Personen Herzerkrankung, bei je