Einzelbild herunterladen
 

Seite 2 . _ kündigte Festschrift soeben der Oeffentlichkeit überleben. Reich ausgestattet in jeder Beziehung wirb die Schrift allen Tonern und Freunden der Turnsache, wie denjenigen, die das Turn­fest zu besuchen willens sind, hochwillkommen sein.

Hessischer Städtetaa. Das vollständige Programm für die anfangs Juni d. J. in Bad Orb stailfindende XIV. Hauptversammlung desHessischen Städtetageè" ist nunmehr, nachdem eine Kommission desselben im Verein mit dem Orts­ausschüsse sich über einige Einzelheiten noch benommen hatte, wie folgt festgesetzt: Donnerstag, den 4. Juni, von abends 8 Uhr an: Freie Vereinigung der Teilnehmer im Kurhaus. Konzert. Freitag, den 5. Juni, vormittags 9 Uhr: Ver­handlungen im weißen Saale des Kurhauses mit folgender Tagesordnung: 1. Eröffnung der Versammlung durch den Vor­sitzenden, Herrn Oberbürgermeister Müller-Cassel. 2. Geschâsts- bericht, erstattet von dem Schriftführer, Herrn Stadiral Boedicker- Cassel. 3. Erstattung des Kassenberichts durch den Rechnungs- sührer, Herrn Bürgermeister Schöffer-Gelnhausen. 4. Neuwahl für die nach den Statuten ausscheidenden Vorstandsmitglieder.

5. Die Gemeindenutzungen im Regierungsbezirk Cassel: Be­richterstatter: Herr Bürgermeister Müller-Allendorf a. Werra.

6. Die Errichtung einer Ruhegehalts und einer Witwen- und Waisen-VersorgungSkaffe für die Kommunalbeamten des Re­gierungsbezirks Cassel; Berichterstatter: Herr Geheimer Ne­gierungsrat Dr. Knorz - Castel. 7. Die Bildung und die Tätigkeit der Gesundheilskommissionen in den Stählen nach dem Gesetze vom 16. September 1899, beziehungsweise der Allerhöchsten Verordnung vom 4. März 1901; Berichterstatter: Die Herren Königlicher Kreisarzt Dr. Röckwitz und Stadt- syndikus Brunner-Castel. 8. Soziales Museum, seine Organisation und seine Aufgabe in unserer Pro­vinz; Berichterstatter: Herr Dr. Stein - Frankfurt a. M. 9. Besprechung von Fragen, welche aus der Mine der Ver­sammlung angeregt werden. Nach Schluß der Verhandlungen: Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der Stadt (kathoUsche Kirche, Quellen, Kinderheilanstalt.) Nachmittags 6 Uhr, Fest­mahl im weißen Saale des Kurhauses. Samstag den 6. Juni vormittags 9 Uhr: Fortsetzung der Verhandlungen. 1. Die Fleischbeschau im Rahmen der neueren Gesetzgebung: Be­richterstatter: Herr Schlachthof-Direktor Dr. Grote-Cassfi. 2. Wahl des Ortes für die nächste Hauptversammlung des Hessischen Städtetages". Nach Schluß der Verhandlungen: Ausflug mit Wagen nach Ruine Beilstein mit Picknick daselbst. Der Preis des trockenen Gedecks für das Festmahl wurde auf 3,50 Mk., für das Picknick auf 1.50 Mk. festgesetzt.

* Die gefürchteten Eisheiligen Mamertus, Pan­kratius und Deroatius stehen vor der Tür; sie fallen bekannt­lich auf den IL, 12. und 13. Mai. Da sich die Vegetation schon in einem sehr fortgeschrittenen Stadium befindet, so wäre zu hoffen, daß die dreiGestrengen Herren" sich diesmal bei recht guter Laune zeigten.

Wettspiel. Das gestern nachmittag stattaefundene Wett, spiel der ersten Mannschaft deS Hanauer FußballklubsWacker" gegen die gleiche Mannschaft des Frankfurter Fußballklubs Aminia" endigte mit einem Siege Hanaus mit 1 : 0 Goal. Ein weiteres von Hanau getretenes Goal wurde vom Schieds­richter als Abseits nicht zugegeben.

* Unfall bei einer Wagenpartie. Das Personal einer hiesigen Fabrik unternahm gestern eine Omnibus-Partie nach der Gelnhausener Gegend. Bei Lieblos wollte ein Teil­nehmer von dem Omnibus herabspringen. Er blieb dabei mit dem Finger an einem Ring hängen und der Finger wurde ihm fast buchstäblich abgerissen. Ein Arzt in Lieblos legte den ersten Verband an und dèr Verletzte mußte sich schleunigst zurück nach Hanau begeben, woselbst ihm im Landkrankenhause der Finger amputiert wurde.

* Die nächtlichen Einbrüche. Wie schon berichtet, haben die Einbrecher in der Nacht von Freitag auf Lamstag nur an einer Stelle, bei der Firma Horst & Sohn, Erfolg erzielt, indem ihnen daselbst bei Erbrechen der Pulte ein Be­trag von ansehnlicher Höhe (man nennt 2500 Mk.) in die Hände fiel.

* Geistesgestört. Vor einiger Zeit verübte hier ein Kaufmann namens Küllmer aus Cassel auf den gefälschten Namen eines hiesigen Beamten Betrügereien. Tas gleiche Manöver versuchte er auch in anderen Städten. Nach einer uns zuzehenden Nachricht befindet sich der Mann jetzt in der Landesirrenanstalt zu Haina.

* Kleiner Brand. Ein an der Akademiestraße be­legener, isoliert stehender kleiner Schuppen, der Firma Jäger & Rumpf gehörend, geriet am Samstag nachmittag in Brand. Jedenfalls haben spielende Kinder das Feuer angezündet.

* Blinder Feueralarm entstand am Samstag nach­mittag kurz vor 5 Uhr dadurch, daß an der Leitung gearbeitet wurde.

* *

Langendiebach, 10. Mai. (Lehrerkonferenz.) Am kommenden Mittwoch den 13. Mai, nachmittags 3 Uhr, findet bei Herrn Gastwirt Dückhardt dahier eine Konferenz der Lehrer des Bezirks Langenselbold statt. Tagesordnung: 1. Dortrag des Herrn Stübing-Niederrodenbach. 2. Er-

Samstag, 16., abends 7 Uhr:Don Pasquale". Hierauf: Cavalleria rusticana*. Gew. Preise. Sonntag, 17., abends 1/a7 Uhr:Lohengrin". Große Preise. Montag, 18., abends 7 Uhr: Vorstellung bei ermäßigten Preisen:Fa- tinitza".

Schauspielhaus. Dienstag, 12. Mai, abends 7 Uhr: Man soll nichts verschwören". Hierauf:Unter Brüdern". Gew. Preise. Mittwoch, 13., abends 7 Uhr:Die Game« liendame". Erhöhte Preise. Donnerstag, 14., abends 7 Uhr:Frou-Frou". Erhöhte Preise. Freitag, 15., abends 7,Uhr:Monna Vanna". Gew. Preise. Samstag, 16., abends 7 Uhr: Zum ersten Male:Antigone". Gew. Preise. Sonntag, 17., nachmittags S/j Uhr: Vorstellung bei klei­nen Preisen:Der blinde Passagier". Abends 7 Uhr:Im bunten Rock". Gew. Preise. Montag, 18., abends < Uhr:Die Liebes schaukel". Gew. Preise.

Montag

Hebung der Beiträge: a^ 1. Rate um Nntnstütznngsocrein l b) zur Brandoer stcheruna; c) zum Lehrer verein: d) zur Bc- zirkslasse; e) zum Falk-Dosse-Denkmal. Wegen der am 16. Juni a. c. staitfindenden Reichstagswahl ist die amtliche Konferenz der Lehrer und Lokalichuliwpekloren des Bezirks Büchertal von Dienstag den 16. Juni auf Mittwoch den 17. Juni verlegt worden.

X Hochftadt, 10. Mai. (Feie r.) Eine kleine Nach­feier zu einem Familienfeste begingen am verflossenen Samstag die Direktion, Angestellten und Arbeiter der Vereinigten Gelatine-, Gelatoid-Folien- und Flilterfabriken A.-G. (Hanau) in Saale des Herrn Ströhl dahi-r. Nach einem gemein1 schafisichen Abendessen wurden bei Bier und Maibowle fröh­liche Stund n verbracht und ernste sowie launige Reden wech­selten mit komischen Vorträgen und Chorgeiângen in bunter Reihe. Ein flottes Tänzchen vervollständigte den gemütlichen Abend, bi! der Abgang des letzten Zuges, leider viel zu früh, zum Aufbruch mahnte.

Ans dem Grrichtsfaal.

Sitzung der Strafkammer I vom IL Mai.

Messeraffairen.

Der mehrfach vorbestrafte Ta glölmer Sch. rempelte auf der Krämerstraße zwei Passanten an. A>s die ?higstempelten sich das verbaten, entwann sich ein Wortw chsel, bei welchem der Sch. ein Mess r zo; und zwei Stiche nach den Leuten führte; glücklicherweise verursacht: er feine erheblichen Verletzungen. Der Messerheld wird zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt und zur Sicherung des Straioollzugs sogleich v-rhafiet.

An einem Februarabend saß der Taglöhner H. beim Nacht­essen. Der Schuhmacher K., der auch in der Stube war, verübte an dem H. allerlei Neckereien und der Letztere will den K. gewarnt haben mit den Worten:Wenn Du Dich stichst, kann ich nichts dazu!" Tatsächlich bekam K. bei der Fortsetzung der Neckereien einen Stich in den Arm, daß er 14 Tageim Londkrankenhawe liegen mußte. Der Verletzte behauptet, daß der Stich m t Vorsatz geführt wurde, während der Angeklagte dies bestreitet und dabei bleibt, daß der Ver­letzte sich selbst den Arm in das Messer stieß. Da dies nicht unwahrscheinlich ist, wird der Angeklagte freigesprochen.

Eine Fechenheimer Strafsache wurde vertagt.

Barometerstand

Karmuer Vereins- n. Vergnngnngsnachrichten

für Montag den 11. Mai.

Sumtberdn: In der Aula der Königl. Zeichenakademie: Ausstellung von Eemälden rc.

Turn u. Fecktklub- AbmdS 67 Uhr: Turnen her Damenabteilung, von */i910 Turnen der Jugendabteilung.

Turngemeinde : Abends '/«^'/«S Uhr: Tinnen der Damenabteilung. Kirchenchor der IohanniSkirche: Abends präzis 8 Uhr: Probe im Uebungsfâlchrn der Kirche.

Dram.-Liter. Verein Hanau: Dereinsabend im Vereinslokalz. Sonne". Evang. Männer- und Jünglingsverein: Gemna (Ev. BeremShauS.) Garde-Verein Hanau: MonatSeersammlung in derKarthaune".

Babelsberger Stenographen-Verein im Gasthaus zu seu ,3 Rindern": UèbungSabend für Debattenschrift.

Arends'scher Stenographen-VereinConcordia" (Restaurationzur Allemania'): Abends von 89 Uhr: Unterricht für Schüler und Answâruge: von 910 Uhr: Für Damen und Herren. Stenographen-Verein Stolre-Schrep Veremsabenv in derTonne". VereinHessischerBund": Veriamml. im VereinSlok..», Hessischen Hof". RadfohrervereinUnion": Vereinsabend imSchühenhos".

Radtobrer-KlubGermania": Klubabend im Gasthausz. Elephanten . Freiwillige Feuerwehr: 4. Komp. Zusammenkunft imSchützenhof*.

Versteigerung»- etc. Kalender

für Dienstag den 12. Mai.

Vormittags 11 Uhr sollen auf dem Hofe der Ulanen-Kase.ne dahier drei zum Reitdienst ungeeignete Dienstpferde gegen gleich bare Zahlung meistbietend verkauft werden.

Hue ptab und fern.

Marburg, 9. Mai. Amtlich wird gemeldet: In der vergangenen Nacht wurde dem Rangierer Heinrich Simon aus Kölbe von einem Rangierzug das linke Bein unterhalb deS Knies überfahren. Simon war beim Ueberschreiten der Geleise zu Fall gekommen und wurde von dem Rangierzuge erfaßt. Der Verunglückte wurde sofort nach der chirurgischen Klinik gebracht, wo ihm das verletzte Glied abgenommen wurde.

Gießen, 8. Mai. Gestern verhaftete man den Feld­webel Jeckel, Verwalter des Offizierskasinos unserer Garnison (Kaiser Wilhelm-Regiment), unter dem Verdacht, fortgesetzte Unterschlagungen begangen zu haben. Der Mann ist ver­heiratet und dient im 12. Jahre.

Darmstadt, 9. Mai. Der Verwaltungsgerichtshof ver­kündete heute das Urteil in einem Disziplinarverfahren gegen den Beigeordneten Wolff aus Offenbach. Wolff wurde wegen fortgesetzten dienstwidrigen Verhaltens seines Amtes enthoben, doch sind ihm für die Dauer von sechs Jahren zwölshundert Mark Pension zugebilligt worden.

A Seligenstadt, 10. Mai. Der Wahlkampf zwischen den beiden Bürgermeisterkandidaten Herrn Beigeordneter Böres

Mai

und Rendant Singer gelangte bei der gestern vollzogenen Lli Swab.l zur Entscheidung. Das all e reine Juten sie, welches sich dem bedeutniigsvoUen Wahlakte zuwandle, wurde durch ein unoetmuteles Ereignis auf kurze Zeit abgetenkl. Gegen 6 U6r nachmittags v-rkündeten nämlich Sturmgeläute und Alarmsignale bin Ausbruch eines Schadenfeuers aus dem städtischen, an Private verpachteten Holzlagerplatze am west­lichen Stadtende, der sogenanntenKieskante". Daselbst fielen etwa 20 Raummeter auigeschichtelen Kiefernholzes, nebst einem Quantum Wellen zum Nachteile dreier angeblich unversicherter Besitzer dem verheerenden Elemente zum Opfer. Die unifor- m'erte freiwillige Feuerwehr dämpfte den Brand, der sich auf die anstoßenden bedeutenden Holzlager auszudehnen und damit gewaltige Dimensionen anzunehmen drohte. Spielende Kinder verursachiln dem Vernehmen nach das Schadenfeuer. Bei der mit außergewöhnlicher Heftigkeit geführten Wahlkampagne machten unter 728 Wahlberechtigten 695 von ihrer Befugnis Gebrauch. In der Wahlurne wurden indessen 697 Stimm­zettel vorgefunden. Der Ueberschuß von 2 Zetteln wurde durch 2 für ungiltig erk.ärte Zettel wieder aufgehoben. Von den 695 abgegebenen gütigen Stimmen entfielen auf Herrn Rendant David Singer 351 und auf Herrn Beigeordneten Johann Böres II. 344 Stimmen. Herr Singer, der im 36. Lebensjahre steht, ist sonach mit einer Majorität von 7 Stimmen auf neunjährige Dauer zu unserem Stadtoberhaupte erkoren. Beim ersten Wahlgange am 25. April erhielt Herr Böres 238 und Herr Singer 272 Stimmen. Das gestrige Wahlergebnis wurde von der siegenden Partei mit ungeheurem Jubel ausgenommen. Zahlreiche Häuser der Anhänger deS Gewählten prangten heute im Flaggenschmucke.

Hue aller Welt.

Beleidifittrrgsprozeß. DerPfälz. Kurier" in Neu­stadt a. d. H. hatte am 13. Januar die Nachricht gebracht, daß der Bürgermeister Dr. Neff von St. Johann sich mit einem Rittmeister duelliert habe und seine Frau mit dem letzteren darauf entflohen sei. Der verantwortliche Redakteur desPfälz. Kurier" gab in der Verhandlung vor dem Schöffengericht Saar­brücken zu, daß er von seinem St. Johanner Korrespondenten schmählich betrogen worden sei und daß sich die ganze Affäre als erlogen herausgestellt habe. Er erklärte sich bereit, 1000 Mk. Buße zu zahlen und sämtliche bisher entstandenen Kosten zu tragen, seinen Gewährsmann, einen Beamten, zu nennen und eine den Tatsachen entsprechende Erklärung in einer An­zahl Blätter zu veröffentlichen.

28 000 Mark für eine Ohrfeige ist ein etwas kostspieliges Vergnügen. So hoch soll aber eine Ohrfeige einem Berliner Schlächtermeister zu stehen kommen, die dieser seinem Dienstmädchen gegeben hat. Der Sachverhalt ist folgender: Bei dem Meister, von dem hier die Rede ist, hatte das Dienstmädchen durch die Kon­fusion, mit der es alle ihm übertragenen Aufträge erledlW^ < schon soviel Aerger und Unannehmlichkeiten bereitet, daß ihm gegenüber natürlich die beste Stimmung nicht obwaltete. Da vollbrachte eines Tages das Mädchen einen neuen klugen Streich, indem es fünf zusammengerollte Handtücher in die Ofenröhre legte und dadurch einen solchen Qualm herbeiführte, daß die Küche und mehrere Zimmer davon gefüllt waren. Als der Meister fragte, wer denn das eigentlich getan und bas Mäd­chen sich nicht nur als Urheberin des dummen Streiches be­kannte, sondern obenein ihm noch laut ins Gesicht lachte, wurde er so erregt, daß er sich dazu verleiten ließ, dem Mädchen eine Ohrfeige zu geben. Später ist nun das Mädchen in der Charits ärztlich behandelt und dort für irrsinnig erklärt worden. Der Irrsinn soll angeblich durch die Ohrfeige entstanden sein, und auf diese Annahme gründet sich der gegen den Meister erhobene Anspruch von 28000 Mark zur Versorgung des Mädchens. Da der Meister die Zahlung ablehnt, so wird nach derAllg. Fl.-Ztg" wohl eine gerichtliche Entscheidung ^gen muffen, auf die man in beteiligten Kreisen im höchsten G abe gespannt ist.

Das Glück eines Bettelkinves. Unter seltsamen Umständen erfolgte vorgestern aus offener Straße in Wien die Adoption eines Kindes. Am Sockel des Gutenberg-Monuments am Lugeck saß ein Bettelweib mit drei kleinen Kindern, einem Säugling, einem Knaben von etwa vier und einem Mädchen von etwa zweieinhalb Jahren. Eine elegante, schwarz ge­kleidete Dame, die vorüberging, blieb einige Minuten, in dem Anblicke der Kinder versunken, stehen, ging dann zu einem Dienstmann an der nächste« Straßenecke und forderte ihn auf, die arme, am Sockel des Monuments sitzende Frau zu fragen, ob sie das kleine blondlockige Mädchen nicht fortschenken würde. Das Weib sann eine Weile nach und winkte dann stumm mit dem Kopfe ein Ja. Der Dienstmann überbrachte seiner Auftraggeberin die Antwort, empfing seinen Lohn und ging seines Weges, denn für ihn hatte damit die Sache jedes weitere Jnterefie verloren. Die in tiefste Trauer gekleidete Dame trat nun auf die arme Frau zu, wechselte einige Worte mit ihr, reichte ihr dann einige Geldnoten, nahm das kleine blondlockige Mädchen bei der Hand, strich ihm liebkosend über das Köpfchen und ging dann mit ihm weg, der Rotenturmstraße zu; das Weib blieb mit den anderen beiden Kindern am Sockel des Monuments sitzen und blickte ihnen nach. Die Szene hatte einige Augen­zeugen gehabt, die sich nicht genug darüber wundern konnten, daß die elegante Dame mit dem Betlelkinde in zerrissenen Kleidern den Weg zu Fuß fortsetze. Die Dame ging mit dem Kinde in die Mariengaffe in ein Konfektionsgeschäft, und als sie nach einer Weile den Laden verließ, hatte sie an der Hand ein herziges blondes, blauäugiges Mädchen, elegant gekleidet; sie bestieg dann in der Rotenturmstraße einen Fiaker und fuhr, sich allen weiteren Nachforschungen entziehend, davon. Das Bettelkind in den neuen Kleidern warf noch einen Blick gegen das Gutenberg-Denkmal am Lugeck . . . Denn dort saß noch immer die Mutter mit den beiden anderen Kindern.