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Mittwoch
10. Juni
* Bezirkstag Der Bezirk Hessen des Bundes deutscher Friseur- und Perrückenmacher-Jnnungen hielt vorgestern unter reger Beteiligung im Restaurant Schweinsberg zu Marburg seinen Bezirkstag ab. Nachmittags fand ein gemeinschafliicher Ausflug statt. Die nächste Bezirksversammlung soll in Cassel stattfinden.
♦ Der Besuch des Königs von Dänemark. Die von uns mitgeteilten Einzelheiten über den Besuch Sr. Maj. des Königs von Dänemark haben einige kleine Veränderungen erfahren. So wird Se. Majestät bei der Abfahrt von einer Schwadron eskortiert, während bei der Ankunft das ganze Regiment im Kasernenhofe Aufstellung nehmen wird. Die Ankunft erfolgt auf ziemlich direktem Wege durch die Stadt, für die Abfahrt werden, wie mitgeteilt, mehr die Anlagen der Stadt benutzt.
* 10« Deutsches Turnfest. Es kommt zur Mitteilung, daß die Turnfahrten 18, 19, 20, 21 und 23 geschlossen sind. Für Tour 17 und 24b (Lindau-Engadin) werden neuerdings Anmeldungen wieder entgegengenommen. Auch für alle übrigen Turnfahrten werden "selbstverständlich noch Teilnehmer zugelassen. Für die Turnfahrten 1 bis 16 sind zum Teil noch sehr wenige Anmeldungen erfolgt; einzelne derselben würden in Wegfall kommen müssen, wenn für sie die Zahl der Anmeldungen nicht wächst. Für den Besuch der Königsschlösser ab Oberammergau ist die zulässige Teilnehmer- zahl erreicht. Es bietet sich aber Gelegenheit, diese Tour auch in umgekehrter Richtung, also ab Füssen, zu macken. Die Fahrkarte (23.30 Mk. für 2. Kl. und 16.40 Mk. für 3. Kl.) lautet Nürnberg-Oberdorf mit Rückfahrtsberechtigung ab Oberdorf oder Lindau oder Murnau oder Kochel oder Schastlach oder Tölz oder Kufstein. Von Oberdorf bis Füssen ist eine Fahrkarte der Lokalbahn zu lösen. Die Abfahrt in Nürnberg erfolgt am Donnerstag den 23. Juli früh 4.14 Uhr. Ankunft in Füssen nachmittags. Vom 24. Juli ab können die Könizsschlösser besucht oder unter Führung Füssxner Herren verschiedene Touren in das Thannbeimer Alpengebiet unternommen werden. Für die Wagensahrt ab Oberammergau sind folgende Preise zu bezahlen: von Oberammergau bis Linder- h»f 1.60 Mk., von Oberammergau bis Ammerwald 3.10 Mk., von Oberammergau bis Füssen 6.60 Mark. Damit für die nötige Zahl von Wagen Vorsorge getroffen werden kapn, werden die Teilnehmer an Tour 21 gebeten, dem Führer der genannten Tour, Herrn Albert Gevekoht, Nürnberg, am Maxfeld 7, 1. Sl., wissen zu lassen, ob sie nur bis Linderhof oder bis Ammerwald oder bis Füssen fahren wollen. Die Karten für die Wagenfahrt werden ebenfalls am Festplatz im Turn'ahrtengebäude angegeben. Der Termin für die Anmeldungen zu den Turnfahrtcn Nr. 1 und 2 wird bis 1. Juli verlängert. Die Zahl der bis jetzt vorliegenden Anmeldungen für Rothenburg und Dünkelsbühl ist noch gering. Wird nicht eine bestimmte Zahl erreicht, so müßte leider das Festspiel in beiden Städten ausfallen. Während bisher die Festspiele stets vor ausverkauftem Saale erfolgten und der starken Nachfrage wegen am gleichen Tage wiederholt werden mußten, wäre es anläßlich des Turnfestes eine betrübende Erscheinung, -wenn von 30 000 Turnfestteilnehmern nicht 500 oder 600 Interesse für Rochenburg oder Dinkelsbühl und deren historische Festspiele hätten.
* Schiitzentag des Mittelrheinischen Schiitzen- bttndes. Unter dem Vorsitz des Herrn Brück- Gießen fand am Sonntag in Mainz der diesjährige Schützentag des Mittelrheinischen Sckützenbundes statt. Vertreten durch Delegierte waren die Städte Bockenheim, Biebrich, Babenhausen, Bingen, Darmstadt, Frankfurt a. M., Gießen, Hanau, Homburg v. d. H., Kreuznach, Langen, Mainz, Offenback, Sprendlingen, Stromberg, Vilbel, Wiesbaden und Worms. Der Mittelrheinische Schützenbund zählt 32 Vereine mit 2676 Mitgliedern. Ein Antrag des Vereins Offenbach, der sich mit einer Abänderung der Statuten befaßt, wurde zurückgezogen, da demnächst doch zu einer Statutenabânderung geschritten werden müsse. Zu einer sehr langen Debatte gab die erst vor lassen, daß der Zufall in der Richtung seiner Wünsche arbeitet. , Kann er einen Staubbeutel mit reifem Samen loslösen, so ! ergreift er ihn mit einer feinen Pinzette, um sodann damit die Narbe der zu befruchtenden Blume zu befruchten. Meistens bedient er sich jedoch eines feinen, durchaus trockenen Pinsels, mit dem er den Pollenstaub aus den ihm geeignet erscheinenden Blüten auffischt, um ihn auf die klebrige Narbe zu bringen, deren Anschwellen ihm alsbald anzeigt, daß der Pollen durch die sogen. Pollenschläuche zu dem im Eibehälter liegenden Pflanzenei vorgedrungen ist und die Befruchtung ausgeführt hat. Der Gärtner hat dann nur noch die Ausreifung der Früchte abzuwarten und den gewonnenen Rosensamen im Herbste auszusäen, dessen Aufwachsen und Blüte ihm fteilich noch manche unangenehme Ueberraschung, oft aber neben den erhofften Erfolgen auch ganz unerwartete Zufallstreffer in den Schoß werfen kann, insofern, als gerade bei den Sämlingen sich die Natur häufig Formenspiele erlaubt, auf deren Gestaltung ihm ein vorausberechnender Einfluß meistens versagt ist. Oft reicht schon die Verpflanzung des Samens in eine andere Erde dazu aus, um der Blüte eine abweichende Farbe zu geben. Was aber überhaupt an Varietäten möglich ist, das beweist die klassisch gewordene Geschichte eines Rosenstockes, der im Jahre 1793 in England aus wilden schottischen Rosen gezüchtet wurde. Die Abkömmlinge dieses monströsen, verkrüppelten Exemplares hatten sich, obwohl schon der Mutlerstock eine Varietät war, innerhalb von 10 Jahren in acht Untervarietäten gespalten. Nach weiteren 10 Jahren konnte man schon 26 Varietäten zählen und im Jahre 1841 befanden sich in den Gärten von Glasgow schon rund 300 in Form, Farbe und Größe der Blüten und Blätter verschiedene Abarten dieser Rose, die natürlich zum weitaus größten Teile nicht bis zur Gegenwart weitergezüchtet worden sind.
Die Erzeugung solcher neuer Sorten war seit jeher der größte Ehrgeiz hervorragender Rosenzüchier, die im Dienste hochgestellter fürstlicher Persönlichkeiten und reicher Privaten standen. Was die Gärtner der Kaiserin Josefine leisteten, unter der sich die französische Rosenzucht zur höchsten Stufe erhob, wird im Kreise der Spezialisten immer als ein Ruhmes»
kurzem cingeführte Neuerung, daß bei Schützenfesten auf die F e st s ch e i b e (Feldscheibe) von einem Schützen mehrere Schüsse abgegeben werden dürfen; von allen Seiten, besonders von den Frankfurter und Mainzer Schützen wurde diese Neuerung entschieden bekämpft. Es wird einstimmig beschlossen, auf dem deutschen Schützentag in Hannover für die Wiedereinführung der alten Bestimmung einzutreten. Gräf-Bingen machte nun die Mitteilung, daß für die Abhaltung des nächstjährigen Mittelrheinischen Schützenfestes in Bingen auf dem Rochusberg ein geeigneter Platz von 45 000 Quadratmeter Flächeninhalt definitiv gemietet worden sei. Es würden 30 Scheibenstände, 2 Stände für Wild und 2 Pistolen« slânde zur Aufstellung kommen.
* Verbrauchsabgaben. Im Laufe des Monats Mai 1903 wurden im hiesigen Schlachthause geschlachtet:
109 Ochsen, mehr
gegen
den
Monat Mai
1902
14 Stück
125 Kühe, weniger
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41 tf
28 Rinder, „
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10 „
92 t Schweine, mehr
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20 „
458 Kälber, weniger
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60 Hämmel, „
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— Ziegen, „
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Die Accis-Einnabme hiervon beträgt .
Mk.
4167.70
An eingeführten Fleischwaren rc. wurden versteuert: 26 717 Kilogramm, weniger gegen den Monat Mai 1902: 5164 Kilogramm.
Hiervon die Accis - Einnahme mit . . Mk. 882.33
Summa Mk. 5050.03
Gesamt - Accis - Einnahme im Monat
Mai 1902 . Mk. 5408.38
Mithin weniger gegen den Monat Mai 1902 .......Mk. 358.35. Accis - Einnahme vom 1. April 1903 bis 31.
Mai 1903......Mk. 10 308.42
Accis - Einnahme vom 1. Llpril 1902 bis 31.
Mai 1902......„ 10 688.79
Mithin weniger gegen die gleiche Zeit des Vorjahres . . . . " . . Mk. 380.37.
* Evangelischer Arbeiterverein. Die Mitglieder seien darauf aufmerksam gemacht, daß die heutige außerordentliche Generalversammlung in der „Brauerei Weismantel" sich mit besonders wichtigen Angelegenheiten zn befassen bat.
* Verband deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig, Kreisverein Hana«. Wir verfehlen nicht, auch an dieser Stelle auf die heute abend 9 Uhr im Vereinslokale „Restauration Mohr" stattfindende Generalversammlung der Kranken- und Begräbnisk-rsse besonders aufmerksam zu machen
* Jubiläum. Herr Zimmererparlier Bernhard Haas feiert heute bei der Firma Friedrich Rumpf sein 25jähriges Geschäftsjubiläum. Hoffentlich wird es dem Jubilar nicht an der ihm wohlverdienten Anerkennung fehlen, zumal er eine in Baukreisen sehr bekannte Persönlichkeit ist.
* Reichstagswahl! Wir erhalten folgenden Aufruf zur Veröffentlichung: „Radfahrer von Hanau und Umgegend! Wie bei früheren Reichstagswahlen, so haben auch diesmal die Unterzeichneten die Absicht, zum schnellen Einholen der Wahlresultate eine sog. Staffettenfahrt zu veranstalten. Dies Unternehmen ist vollständig unparteiisch und nur im Interesse der ganzen Wählerschaft. Auch hat unser Herr Landrat bereitwilligst zugesagt, diese Sache, wie in früheren Jahren, zu unterstützen und die betreffenden Fahrer mit Legitimationskarten zu versehen, sowie die Herren Wahlvorsteher zur sofortigen Aushändigung des Wahlresultats zu veranlassen. Die Unterzeichneten haben bereits mit sämtlichen Parteivorständen Rücksprache genommen, die alle dem Unternehmen sehr sympathisch gegenüberstehen. Also, Radfahrer von Hanau und Umgegend, beweist, daß Ihr auch bei dieser Gelegenheit am Platze seid und Eure Kraft und Ausdauer in den Dienst des allgemeinen Interesses stellt. Wir laden deshalb alle diejenigen Radfahrer
blatt der Gärtnerkunst betrachtet. Die Rosengärten in der englischen Grafschaft Hertford, die meistens im Besitze von Privatpersonen sind, genießen noch heute einen Weltruf. In Deutschland stand an erster Stelle das vielbewunderte Rosarium der Kurfürsten von Hessen-Cassel; aber auch die gärtnerischen Leistungen der Rosenau bei Koburg und der Rosengärten auf der Pfaueninsel bei Potsdam erfreuen sich bei Fachleuten der höchsten Anerkennung. Der steigende Wohlstand und die Demokratisierung des Verkehrs haben aber auch dazu geführt, daß die methodisch betriebene Rosenzucht heute nicht mehr ein mit schwerem Gelde bezahltes Vorrecht reicher Personen, sondem ein Handelszweig ist, der dem geschickten Gärmer große Summen abwirft.
Es gilt dies zunächst von der Massenkultur von Edel- rssen, wie sie bei Grasse in Südfrankreich und an anderen Orten der klimatisch so begünstigten Gegenden am Golf du Lyon und an der französischen und italienischen Riviera betrieben wird. Wenn während der Saison der Bälle und Gesellschaften in unserem unwirtlichen Norden Schnee und Eis den Boden bedecke», wandern in ungezählten tausenden von Kisten viele Millionen von Rosen, in feuchtes Gras verpackt, aus dem Süden zu uns herauf und bilden Einfuhrwerte, die sich ebenfalls nach Millionen Mark beziffern. Nebenher besteht aber auch ein gewaltiger Markt in Rosenstöcken, für den Paris der Hauptsitz ist, wo von rund einer Million Rosen- stöcken durchschnittlich 800 000 gepfropfte an das Ausland verkauft werden. Bei ihnen kann der glückliche Züchter, der eine hervorragende Novität aus den Markt bringt, große Reichtümer gewinnen; denn da oft unter tausend durch Befruchtung erzielten Stâmmlingen nur zwei oder drei bemerkenswerte Exemplare sind, ist der Preis neuer und schöner Sorten ein sehr hoher. Es ist Geschästsusance, daß der erste Züchter, den man mit Fug und Recht als den Vater der betreffenden Art bezeichnen kann, seine neuen Rosen zu bestimmten Subskriptionspreisen an andere Züchter, die gleichzeitig Wiederoer- kâufer sind, veräußert, welche die im Winter eingetroffenen Edelreiser und Originalpflanzen durch Winterveredelung und Sommerokulierung vermehren. Die Produkte der Winterver-
und Interessenten, welche sich an dem Unternehmen beteiligen wollen, ,u einer Besprechung auf Donnerstag den 11. d. M., abends 9 Uhr, in das Lokal „zur großen Krone", Stein- heimerstraße, freundlichst ein. Mit kameradschaftlichem „All Heil!" Louis King. Wilh. Grimm. Otto Zahn. Jean Lißmann. Jos. Salway"
* Konzert im Kaiserhof. Vom herrlichsten Wetter begünstigt, nahm das gestrige 2. Abonnements-Konzert der Ulanenkapelle unter Leitung des Herrn Musikdirigentcn A. Urbach den besten Verlauf. Eine besondere Bedeutung erhielt das Konzert noch durch die Mitwirkung des hier bereirs vorteilhaft bekannten Piston-Virtuosen Herrn L. Kümmel aus Darmstadt. In Vornotizen haben wir bereits die künstlerischen Eigenschaften des Solisten hervorgehoben und sicherlich nicht zu viel gesagt. Das als recht spröde zu bezeichnende Instrument behandelt Herr Kümmel mit Meisterschaft, die feste und saubere Tonbildung wirkte frappierend, sodaß die Zuhörer zu stürmischem Beifall hingerissen wurden und der Vortragende sich zn Zugaben verstehen mußte. Sicherlich wird der geschätzte Solist bei einem etwaigen Wiederauflreten hier ein stets willkommener Gast sein. — Auch die Kapelle des Ulanen-Regiments leistete in der Abwicklung des aufgestellten abwechslungsreichen Programms nur Gediegenes, sodaß sich eine genußreiche Gesamtwirkung ergab und ein angenehmer Abend gewährleistet wurde.
* Sommertheater' in Hana«. Morgen Donnerstag abend geht ein französischer Schwank „Mamsell Uebermut" und darauf folgend ein einaktiges Liederspiel „Bergler-Blut" in Szene und können wir in Anbetracht der guten Leistungen des Ensembles einen Besuch bestens empfehlen. Morgen nachmittag 4 Uhr findet auf vielseitiges Verlangen eine nochmalige Aufführung des österreichischen Volksstückes „Im Edelgrund und tiefen Wald" oder „Die Buschlisl" bei ermäßigten Preisen statt.
* Kinematograph. Der auf der Messe befindliche Riesen-Kinematograph gibt von nachmittags 4 Uhr ab stündlich Vorstellungen. Täglich wird mit neuem Programm aufgewartet.
* Mainwafferwärme vom 9. Juni: Morgens 8 Uhr 141/», mittags 12 Uhr 15, abends 6 Uhr 16 Grad.
Sprecht«!.
Für die unter bicfer Rubrik eingesandten Notizen übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung.
Dem verehrl. Schreiber des Artikels im Sprechsaal „Die Niederlegung der Mauer des früheren Maschinenschuppens betreffend", kann ich, als ein alter Anlieger am Steinheimer Tor, nur meinen Dank abstatten, daß sich derselbe für diese Gegend so sehr interessiert, — Die in dem Artikel ausgesprochene Annahme, daß sich die Stadt Hanau bei Abtretung des Platzes an jbie damalige Ludwigsbahn nach 50 Jabren Eigentunisrecht vorbehalten habe, möchte ich bezweifeln, indem meiner Erinnerung nach nicht die Stadt Hanan Verkäuferin war, sondern die Lavater'schen Erben. — Die von der Frankfurt - Hanauer Eisenbahngesellschaft geplante Fortführung der Bahn bis nach Aschaffenburg, anfangs der 50er Jahre, gab Veranlassung zu verschiedenen zu bewältigenden Schwierigkeiten seitens genannter Bahn und der Kurfürstlichen Regierung. — So sei die Fortführung der Bahn nach Aschaffenburg nur unter der Bedingung gestattet worden, wenn in Hanau eine Maschinen-Werkstätte für größeren Betrieb (solche war von der Bahn in Frankfurt projektiert) errichtet würde, bei Beschäftigung von mindestens 200 der zum Betriebe benötigten Arbeiter. —^Dieser für die Stadt Hanau so fürsorglichen Bedingung wurde seitens der Bahnverwaltung nachgekommen, die großen, heute leerstehenden Gebäude zeugen von dem einstigen Betriebsumfange, ebenso können die noch lebenden Anwohner dieser Gegend, namentlich die der Steinheimerstraße, als Bäcker, Metzger, Wirte, Haus- und Ladenbesitzer rc., den Beweis geben, welch reger Geschäftsverkehr dort bestand, der nicht allein diesem Stadtteil, sondern der ganzen Stadt zum Vorteil ge- edelung gehen dann um hohe Preise an die Maffenzüchter und besseren Handelsgärtner sowie an die Amateure von Ruf, während die Erzeugnisse von Sommerveredelung, die um ein halbes Jahr hinter den Winterprodukten hinterdrein hinken, zu billigen Preisen abgegeben werden.
Zweifelsohne sind Belgien und Frankreich noch heute diejenigen Länder, die in der Rosenzucht die führende Stellung einnehmen. Es werden von dort aus jährlich etwa 80 bis 150 Neuheiten zu Preisen von 25 bis 50 Mark und darüber für ein Edelreis angeboten. Wirklich hervorragend ist aber durchaus nicht mehr alles, was von dort her auf den Markt kommt, und deshalb begnügen sich mit Ausnahme einiger wenigen, jede Novität kaufenden Züchter die deutschen Rosengärtner mit kleineren Auswahlen, bei denen sie sich natürlich auf die Reellität und das Renommee des französischen Züchters verlassen müssen. Deutschland und England ist übrigens den Franzosen bei der Konkurrenz hart auf den Fersen. Besonders rühmt man unseren Rosen den kräftigeren Wuchs und die schönere Entwickelung nach, so daß die Zeit nicht mehr fern sein dürfte, wo unsere Rosenkultur mindestens dasselbe leistet, wie die ausländische.
Eine wenig gekannte wirkliche Spezialität Deutschlands ist jedoch die Gewinnung von Rosenöl aus Rosen, die auf unserem einheimischen Boden gewachsen sind. Im Jahre 1884 begann eine Leipziger und eine Magdeburger Firma die Maffenkultur der bulgarischen Rosen von Kazanlit, die auf Schleichwegen beschafft werden mußten, weil die bulgarische Regierung den Export dieser Rosen unter strenge Strafe gestellt hat. Dieses deutsche Rosenöl erwies sich als viel seiner und wohlduftender als das sogen, türkische bezw. bulgarische, was zum Teil wohl davon herrühren mag, daß im Orient eine unverschämte Verfälschung des echten Rosenöls mit Ge- raninmöl und Rosenholzöl floriert. Dementsprechend sind auch die Preise. Während das orientalische Rosenöl gegenwärtig pro Kilo mit 610 Mark bezahlt wird, kostet das deutsche Produkt 1600 Mark, ein Preis, der trotzdem von den Konsumenten willig bezahlt wird.