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General-Anzeiger
Gedruckt und verlegt in der Buchdruckerei des verein. ev. Waisenhauses in Hanau.
Amtlicher Vr-rn fit Mi- md Lärm Sauen
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- unb Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Eiurückungsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf* gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Neklamentheil die Zeile 25 Pf^ für Auswärts 35 Pfg.
SevantroortL Redakteur: E. Schrecker in Hanau,
Fernsprechanschluß Nr. 605
Mittwoch den 7. Oktober
Fernsprechanschluß Nr. 605
1903
Amtliches.
Kandhreis Danau»
Bekanntmachungen des König!: Landratsamtes.
Interessenten wird hiermit zur Kenntnis gebracht, daß von dem Königlichen Kriegsministerium die Fortsetzung und weitere Ausdehnung des Versuches der Entsendung von Proviantamtsbeamten in die Bezugsgebiete zwecks Abnahme der Produzentenware angeordnet worden ist. Auch soll künftig, wenn es sich um größere Mengen von mindestens 10 t handelt, die bereits an einer mit geeigneten Abnehmeräumen versehenen Eisenbahnstation lagern, ein Prooiantamtsbeamter entsendet werden, der die Abnahme der Naturalien am Ort bewirkt. Vorher muß jedoch der Kaufpreis „frei Bahnhof Waggon" mit dem Proviantamte vereinbart und eine Warenprobe von letzterem geprüft sein. Nach der Abnahme am Stationsamte erfolgt alsdann der Transport der Naturalien für Rechnung der Militärverwaltung, ohne daß dem Produzenten hieraus noch Arbeiten oder Unkosten erwachsen.
Die Vorteile dieser Neuerung für den Produzenten liegen auf der Hand. Zunächst ist für den Verkäufer nunmehr, da die Abnahme sofort erfolgt, jedes Risiko ausgeschlossen. Ferner fällt mit der Anlieferung der Naturalien „frei Bahnhof Waggon" gegen früher „frei Magazin" eine Leistung fort, die den meist anderweit stark in Anspruch genommenen Produzenten oft davon abhielt, seine Erzeugnisse dem Proviantamte zuzuführen.
^Es wird noch darauf aufmerksam gemacht, daß auch die Besitzer kleinerer Naturalienbestände an den vorgenannten Vorteilen teilnehmen können, wenn sich mehrere von ihnen unter Wahl eines mit Vollmacht zu versehenden Vertrauensmannes zusammentun, um die Mindestmenge von 10 t in brauchbarer Beschaffenheit zusammen zu bringen. Weitere Auskünfte werden an den Proviantämtern Hanau, Frankfurt a. M., Darmstadt und Mainz direkt erteilt.
Hanau den 6. Oktober 1903.
V 7447
Der Königliche Landrat.
v. Be ckerath.
Hanauer Ortskrankenkasse.
Generalversammlung aller Kasscumitglieder und Arbeitgeber Donnerstag den 15. Oktober 1903, abends 8 Uhr, im unteren Saale des Rathauses.
Tagesordnung:
Verireterwahl gemäß § 43 des Kassenstatuts pro 1904/1907.
Hieran anschließend
Generalversammlung, zu welcher die zur Zeit stimmberechtigten Vertreter hiermit eingeladen werden.
Tagesordnung:
1. Genehmigung von 3 Aerzte-Verträgen.
2. Vorlage über Bar-Erhebesystem der Beiträge.
3. Statuten-Nachtrag II.
4. Verschiedenes.
Hanau, 7. Oktober 1903.
Der Vorstand der Hanauer Ortskrankenkasse.
Müller,
Vorsitzender.
17858
Hus Stadt und Cand.
Hanau, 7. Oktober.
* Kollekte. Für die Rettungsanstalt Hof Reith bei Schlüchtern, welche im September d. J. ihr 50jâhriges Be- . stehen feierte, findet in diesem Monat die bewilligte Kollekte statt. Wir empfehlen die von Hanauer Herren begründete und unigeleiiele segensreich wirkende Anstalt, welche bei genannter Feier von dem Kgl. Neziernngsverireter Herrn Dr. Schmid als mustergültig erklärt wurde, dem freundlichen Wohlwollen unserer Bürgerschaft, mit dem Hinweise, daß von jeher Kinder unserer Stadt daselbst erzogen wurden.
: m * Der Bau von ' Arbeiterwohnungen. Zum l'KN von Arbriterwohnungen wurden im Jahre 1902 von der Landes-Versicherungsanstalt Hessen-Nassau an Darlehen aus- llrzahlt: 1) gemeinnützige Bangesellschaft in Hanau aO 910 Mk., 2) Arbeiter-Bauvercin in Cassel 117 400 Mk., Spar- und Bauverein in Cassel 78 300 Mr., 4) Bauverein °es Kreises Fulda 62 700 MÜ, 5) Spar- und Bauverein in Witzenhausen 19 800 Mk., 6) Darlehnskassenverein in Hers-
selb 4500 Mk., 7) Kreis-Sparkasse Witzenhausen zur Weitergabe an ^einzelne Arbeiter 36 450 Mk., 8) Aktien-Baugesell- schaft für kleine Wohnungen zu Frankfurt a. M. 700 000 Mk., 9) gemeinnützige Baugesellschaft in Homburg 15 000 Mk., 10) Oberurseler Bau- und Sparverein zu Oberursel 39 000 Mk., 11) Gesellschaft zur gemeinnützigen Beschaffung von Wohnungen in Höchst 50 000 Mk., 12) gemeinnützige Baugesellschaft des Kreises Höchst 7500 Mk., 13) Spar- und Bauverein zu Wiesbaden 25 350 Mk., 14) die Stadt Wiesbaden 50 000 Mk., 15) katholische Kirchengemeinde Frankfurt a. M.- Bornheim 75 000 Mk., 16) an 83 einzelne Arbeiter unter Bürgschaft von Darlehnskassenvereinen 243 590 Mk.; zusammen 1535 500 Mk. In der Zahlung an die Aktien- Baugesellschaft für kleine Wohnungen in Frankfurt a. M. in Höhe von 700 000 Mk. sind 200 000 Mk. enthalten, die schon in früheren Jahren zugesagt waren und der Rest von 500 000 Mk. stellt die Zahlung auf das in früheren Berichten erwähnte Erbbauuniernehmen dar. Im übrigen enthalten die Zahlungen an Bauvereine zum Teil Beträge, die ihnen vor vielen Jahren schon zugesagt, aber bisher nicht abgehoben waren und diese Verzögerung in der Abhebung ist natürlich für die Versicherungsanstalt ein großer Mißstand, da sie immer die zugesagten Geldsummen bereit halten muß und oft in Verlegenheit gerät, wenn zu den angemeldeten Terminen ihr die zugesagten Beträge nicht abgenommen werden. Um diese Schwierigkeit zu vermeiden, ist die Bestimmung getroffen, daß, wenn ein Bauverein die ihm zugesagte Bausumme nicht bis zum 1. April des auf das Bewilligungsjahr folgenden Jahres abgenommen hat, alsdann die zugesagte Bausumme verfällt und es dem Bauverein überlassen bleiben muß, sich wegen einer Zusage für eine spätere Zeit von neuem an den Vorstand zu wenden.
. * Die Uebertveisung der bisher zur Eisenbahndirektion Frankfurt gehörenden Strecke von Horchheim bei Niederlahnstein bis Höchst an die Direktion Mainz soll am 1. April n. I. erfolgen. Die jetzige Wiesbadener Verkehrsinspektion wird dann nach Limburg verlegt, während je eine Maschinen- und eine Betriebsinspektion für die Direktionen Frankfurt und Mainz in Wiesbaden bleiben. Zum Direktionsbezirk Mainz wird dann auch die Strecke Frankfurt-Wiesbaden gehören, während die Strecken nach Diez und Limburg der Direktion Frankfurt verbleiben.
* Vereinfachtes Abfertigung = Verfahren auf den preußisch-hessischen Staatsbahnen. Wie einigt Blätter melden, dürfte im Laufe deS nächsten Jahres ein vereinfachtes Abfertigungsverfahren eingeführt werden, wodurch eine Aenderung des gegenwärtig im Gebrauch befindlichen Frachtbrief-Formulars bedingt wird.
* Wohltätigkeit. Von den Raiffeisen'schen Genossenschaften des Regierungsbezirks Caffel gingen für die durch Hochwasser in Schlesien Geschädigten bis heute bei der landwirtschaftlichen Zentral-Darlehnskaffe in Cassel 2120 Mk. 23 Pfg. ein.
* Versetzt. Landmesser Schroeder I von der Spezialkommission II Marburg wurde nach Hanan versetzt.
* Diakonen. Am 5. d. Mts. sind 4 Diakonen des Brüderhauses Hephatha bei Treysa als Krankenpfleger in den Dienst des hiesigen Landkrankenhauses getreten. Möge Gottes Segen ihre Arbeit krönen.
* Jubelfest des Vaterländischen Frauen- Vereins. Nur wenige Tage trennen uns noch von den
Festtagen. Die Räume der Turnhalle legen bereits ihr Fest- gewand an, die Vorbereitungen zu den Aufführungen sind'bis auf den letzten Schliff abgeschlossen. Erfreulicherweise werden auch die Verkaufsbuden und das Buffet bis in die äußersten verfügbaren Ecken gefüllt sein. Die Bitte des Frauen-Vereins- Vorstandes an die hiesigen Geschäftsleute um Geschenke ist auf einen guten Boden gefallen; eine große Zahl der Fabrikanten und Kaufleute haben schöne, zum Teil wirklich sehr schöne Gaben gestiftet, die zum Ladenpreise, also billig, zum Verkauf ausliegen. Viele Private haben. sich mit Spenden angeschlossen. Auch für das Buffet laufen die notwendigen Vorräte ein; in erster Linie hat die Bäcker-Innung sehr erhebliche Beiträge in Aussicht gestellt und unsere Groß- Metzger sorgen für Fleisch. Natürlich werden aber auch viele Speisen von privaten Küchen das Buffet ziererr. Selbstverständlich soll damit nicht gesagt sein, daß weitere Gaben nicht mehr angenommen werden,. im Gegenteil, alles ist nach wie vor herzlich willkommen. * Für heute sei nur noch darauf hingewiesen, daß die Preise äußerst mäßig gestellt fmb, wie ja schon der Eintrittspreis (50 Pfg. für die Person) beweist. Die Preise der Speiten entsprechen denen in unseren hiesigen guten bürgerlichen Restaurants, das Glas Bier (0,3 Liter) kostet 15 Pig. usw. E s soll eben j e d e m Gelegenheit gegeben sein, nach seinen Verhältnis s en ein S ch er f l c in z um G e l i n g e n des Fe ste s,
Die LrertLiae Nummer umtobt arrLer dem MsLerüalLukrasdlatt 14 Seitem
mit anderen Worten, zum Wohle der Armen und Kranken unserer Stadt beizusteuern.
* Herbststürme. Seit einiger Zeit haben wir Herbst- stürme zu verzeichnen, die besonders gestern abend an Stärke zunahmen, sodaß die Feuerwehr-Sturmwache aufziehen mußte.
* Eine erfreuliche Nachricht haben wir heute zu verzeichnen, indem nach uns gewordenen Mitteilungen bestem Vernehmen nach versuchsweise aus größeren Gebäuden mit starker Wasserspülung die Einführung der Fäkalien in die Kanäle in der nächsten Zeit genehmigt werden wird. Es ist dies immerhin ein Erfolg der seit Jahren in dieser Richtung Ein erfolgten Schritte unserer städtischen Verwaltung.
* Besitzwechsel. Das Herrn Weißbiudermeister Fr. Wolf gehörige Wohnhaus Siernstraße 9 ging käuflich an Herrn Schuhmachermeister Louis Eib er dahier über.
* Turngau Niddatal. Von einer Anzahl im Gasthaus zur „Gehspitze" bei Eroßkarben versammelten Turnvereinen wurde am 4. Oktober der Turngau Niddatal gegründet. Dem neuen Gau traten sofort 7 neue Vereine bei, während eine größere Anzahl Vereine ihren Eintritt in Aussicht gestellt hat. Das im Jahre 1904 abzuhaltende Gauturnsest wurde dem Turnverein Kleinkarben übertragen.
* Wettspiele. Das am Sonntag stattgefundene Gau« Meisterschaftswettspiel der I. Mannschaft des Hanauer Fußballklubs Viktoria 1894 gegen die I. Mannschaft des Aschaffenburger Fußballklubs Viktoria endigte zu Gunsten Hanaus mit 17:0 Goal. — Die II. Mannschaft verlor gegen die I. Mannschaft des Offenbacher Fußballklubs Melitia mit 2:0 Goal.
* Gefährliche Augenblicke. An der eine Erweiterung erfahrenden Brücke an der Oberrcalschule war man heute morgen beschäftigt, einen Pappelbaum niederzulegen. Zunächst wurden die Aeste entfernt, die beim Herunterfallen Telegrahen« drähte beschädigten und dann den wohl etwas morschen Mast- baum zu Falle brachten. Ein dort stehender Pritschenwagen, dessen Führer aus Neugierde gehalten hatte, wurde durch das Niederstürzen des Mastbaumes zertrümmert. Glücklicherweise zog der „Fall" nicht weiteren Schaden nach sich.
* Nationalliberaler Wahlvereirr. Gestern abend fand eine auch von auswärts stark besuchte Mitglieder-Versammlung des Nationalliberalen Vereins statt, in welcher über die Kandidatenfrage für die bevorstehende Landtagswahl Beschluß gefaßt werden sollte. Nachdem der Vorsitzende Herr Dr. Heraeus zunächst in kurzen Worten der letzten Reichstagswahl gedacht, erteilte er das Wort dem seitherigen Landtagsabgeordneten Herrn I u n g h e n n, welcher über den vor 8 Tagen in Hannover stattgehablen Delegirientag der preußischen Nationalliberalen berichtete. Nach ihm hielt Herr Reichs- tagsabgeordneter L u c a 8 einen wiederholt von lautem Beifall unterbrochenen Vortrag über die Aufgaben des zukünftigen Reichstags, indem er ebenfalls die überaus ausdrucksvollen und begeistert aufgenommenen Reden der Abgeordneten Dr. Sattler und Pfarrer Hackenberg auf dem Hannoverschen Delegirientag zum Ausgangspunkt nahm. Zu bedauern sei es, daß nur so wenige Parteifreunde an dieser Versammlung hätten teilnehmen können. Der Schluß der Rede, in welcher der Vortragende eines der wichtigsten Gebiete die Stellung zur sozialpolitischen Frage behandelte, rief wiederum die lebhaftesten Beifallsbezeugungen der Versammlung wach. Nun kam die wichtigste Frage der Tagesordnung, die Land ta g s- kandidatur. Gleich einleitend wies der Vorsitzende darauf hin, daß man seit gestern der ganz unerwarteten Tatsache einer konservativen Sonder-Kandidatur gegenüberstände. Nach einem eingehenden Bericht über die seitherigen Schritte, welche in dieser Angelegenheit seither von dem Vorstand des Vereins getan seien, bemerkt Redner, daß man, seitdem der Bund der Landwirte vor 14 Tagen den einstimmigen Beschluß gefaßt habe, für den seitherigen Kandidaten Herrn Junghenn einzutreten, an weitere Schwierigkeiten gar nicht mehr gedacht habe. Nun sei es auf einmal anders gekommen. Er d erlieft den Brief, in welchem der hiesige konservative Verein die Aufstellung eines konservativen Kandidaten anzeigt. Der Vorsitzende führt dann etwa folgendes aus: M. H.! Diesen Beschluß des konservativen Verein muß m. E. jeder aufs lebhafteste bedauern, welcher sich von Parteirücksichien emanzipiert und lediglich die f Wohlfahrt unseres Kreises im Auge behält. Dem einmütigen Zusammenwirken aller bürgerlichen Parteien war es zu verdanken, wenn wir bei der Reichsiagswahl den Sieg über den Umsturz davon getragen hatten und ich glaube jeder Patriot hatte nach dem damaligen Sieg das Gefühl — die Erhaltung dieser E-mgkeit muß für die Zukunft unser vornehmstes Ziel sein. ^enn nun mit einem Schlag diese Einigkeit hinweggefegt wird, wenn es^ nun unterm seitherigen Bundesgenossen lediglich auf eine Kra t- probe ankommt/ lediglich darauf, den Beweis zu erbringen, daß- unsere ländliche Bevölkerung hier, wenn sie auch einen