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von einer Wiederwahl Abstand genommen haben wollte. An seiner Stelle wurde Herr Draudt -Windccken gewählt. Hier­mit war die Tagesordnung erschöpft und der Herr Vorsitzende schloß die Versammlung mit einem Hoch auf Se. Maj. den deutschen Kaiser und Se. Kgl. Hoheit den Großherzog von Hessen.

Aus dem Gerichtsjaal.

Sitzung der Strafkammer I vom s. Januar.

Körperverletzung.

Am 17. Oktober traf der sehr oft vorbestrafte Korbmacher St. hier auf dem Paradeplatz den Arbeiter R. von Groß­auheim, dem er aus früheren Anlässen gerade keine freundliche Gesinnung bewahrte. Mit den Worten:Kennst Du mich noch, Hallunke?" ging er auf den R. los, schlug ihn mit der Faust mehrmals ins Gesicht, daß Mund imb Nase bluteten und gab ihm auch noch einige Fußtritte. Das Schöffengericht hatte den St. zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt, wogegen er Berufung einlegte. Dieselbe wird verworfen.

Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.

Telegramm aus Hamburg vom 6. Januar,

9 Uw 40 Min.

Ein Maximum über 762 mm lagert über der Alpen­gegend, ein Minimum von etwa 736 mm westlich von Schottland. In Deutschland wehen südliche und südwestliche Winde. Das Wetter ist mild, im Norden trübe, im Süden heiter, meist ist Regen gefallen.

Prognose für den 7. Januar: Mildes und trübes, win­diges Wetter mit Regenfall wahrscheinlich.

Barometerstand

mittags 12 Uhr c 6./1.

Sehr trocken Beständig

760^^

770

730

720

710

770

760

750

740

730

720

710

Veränderlich

Regen (Windl^O

Biel Regen

Sturm

Hananer Vereins- n. Vergnngungsnachrichten

für Dienstag den 6. Januar.

Kunstindustrie-Verein: Abends 7'/« Uhr in der Aula der kgl. Akademie: 4. Vortragsabend.

Oratorienverein: Probe in der Oberrealschule.

Vereinshaus: Abends 8/» Uhr: Internat. - Gebetsoersammluug. Kath. KasinoEintracht'(Vereins!.: »r« Brausrüb'l'^: Lereinsabeno. Turn- u. stechtklub: Fechten.

Turngesellschaft: Abends von 810 Uhr: Turnstunde. GesangvereinLumser": Singstunde in derStadl Bremen". GesangvereinGermania': Singstunde imLöwengärtchen". sfstherverein Hanau: Probe in der RestaurationAllemauia'. süddeutscher Klub: Klubabend in der Restauration .Allemarria'. Alpenverein: Sektionsversammlung im .Bürgerverein'.

Vrrem für Geflügel- und Sinavögelzucht: Monatsversammlung im Vereinsloka! zu den r3 Rindern".

Lmtjchnationaler Handlungsgehilfen - Verband, Ortsgruppe Hanau: Vereinsabend imKarlsberg'.

AthletenklubGermania" : Megenstemmen und Musterriegenarbeite«. (Restauration Wagenbach, ParadeplaP.

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Feuilleton.

Leuchtendes Leben.

Von Dr. Friedrich Endemann.

(Nachdruck verboten.)

Alles Streben der angewandten Naturwissenschaften, soweit sie der Technik und Industrie dienstbar gemacht sind, geht darauf hin, entweder völlig neue Bequemlichkeiten und An­nehmlichkeiten für die Menschheit zu schaffen oder den Ge­brauch der bestehenden durch Schaffung von Surrogaten zu verbilligen und zu verallgemeinern. Surrogate finden sich nicht nur auf dem Gebiete der Nahrungs- und Genußmittel vor, sondern bei fast allen Gebrauchsgegenständen und ma­schinellen Einrichtungen. Marconi träumt von nicht gerin­gerem als von der Telegraphie ohne Draht quer über den at­lantischen Ozean; er ist mit der sicheren Uebermittelung von elektrischen Zeichen durch sein System schon über 400 Kilo­meter gekommen und trachtet danach, dem mit einem Aufwand von Hunderten von Millionen geschaffenen unterseeischen Kabel­netz _ die Lebensadern zu unterbinden, und wie ernsthaft seine neuesten Versuche genommen werden, beweist das Vorgehen einer angloamerikanischen Kabelgesellschaft aus jüngster Zeit, die sich bemüht, ihm durch gerichtliche Anordnung seine Sprech­versuche zwischen England und Amerika zu vereiteln.

Geistesverwandt sind die Versuche der Elektrotechniker, die Erfindung eines Telephons ohne Draht zur praktischen Brauch­barkeit über weite Entfernungen auszubilden. Unzweifelhaft aber hat, was die Kühnheit der Idee betrifft, der Franzose Rafael Dubois den Vogel abgeschoffen. Er hat der Akademie der Wissenschaften in Paris eine Erfindung vorgeführt, die nichts geringeres bezweckt, als unsere mit Millionenaufwand erbauten, großen elektrischen Lichtzentralen mit ihren lausenden I von Bogenlampen und zehntausenden von Glühlampen über- I flüssig zu machen und als Mittel zu diesem Zwecke, der auch die Leuchtgasrechnungen unserer Hausfrauen verschwinden

Dicnetaa

Sremm- und Ring-KlubEiche': Abends von 9lu Mr: Dauer- stemmen und Stein stoßen: von 1011 Uhr: Musterriegen- arbcitcu (Restauration zurWiener Spitze").

RevsteiKsrrmgs- etc. Kalender für Mittwoch den 7. Januar.

Nachmittags von 2 Uhr ab sollen in dem früheren Laden deS Herrn S. Greiff, Marktplatz Nr. 20, umzugshalb.r eine große Partie Mobiliar- und andere Gegenstände durch den beeid. Taxator und Auktionator Herrn Fr. Kämpfer gegen gleich baarc Zahlung verstei­gert werden.

Hue P<ab und fern.

O Klein-Krotzenburg, 5. Jan. Der R ückgang der Industrie macht sich auf fast allen Gebieten mehr oder weniger bemerkbar. Auch die Tabakindustrie bleibt davon nicht verschont. Die meisten Zigarrenarbeiter unserer Umgegend waren schon vor einiger Zeit genötigt, die tägliche Arbeits- stundenzahl mitunter bedeutend zu vermindern. Zu derselben Maßnahme sah sich das bedeutende Tonwerk der Baufirma Holzmann u. Comp. in unserer Nachbargemeinde Hainstadt veranlaßt. Dort wurde schon im Herbste die lOilünbige Arbeitszeit auf 8 Stunden ermäßigt. Eine weitere Herabsetzung auf 6 Stunden steht unmittelbar bevor. Die allmählich einge- getrc.ene Verdienstschmälerung trat besonders drastisch gelegent­lich der letzten Feiertage, uamentlid) am Silvesterabende, in die Erscheinung. Vielerorts zeigte sich nämlich eine wahrhaft klassische Ruhe, wo sonst unbändiger Trubel herrschte.

Weitere Nachrichten ans Nah nnb Fern stehe 2. Blatt.

Gebrauchs-Mu st er.

Nr. 189028. Doppelschlinge für Anhängetaschen Ochs & Bonn in Hanau a. M., vom 8. November 1902 ab. O. 2498. Kl. 33b.

Nr. 188 519. Zusammenlegbare Verbandstofffallschachtel mit von den Seitenlappen gebildetem Entnahmeschlitz. Fa. H. Grünbanm in Cassel, vom 10. Oktober 1902 ab. G. 10 231. Kl. 30b.

Nr. 188 753. Zangenförmiger chirurgischer Nadelhalter mit massivem Maultheil und vorspringendem Bart. Ernst Kratz in Frankfurt a. M., Burgstraße 106, vom 14. No­vember 1902 ab. K. 17 878. Kl. 30a.

Nr. 188 957. Werkzeugwalzen in Verbindung mit federn­den Auspreßwalzen bei Leder-Ausreck-Maschinen. Maschinen­fabrik Moenus Akt.-Ges. in Frankfurt a. M., vom 14. November 1902 ab. M. 14 273. Kl. 28b.

Drahtnachrichten.

Der spanische Ministerpräsident gestorben.

Madrid, 5. Januar. Ministerpräsident Sagasta ist gestorben. (Don Praxedes Mateo Sagasta war geboren am 21. Juli '1827 zu Torrecilla bei Cameros, wurde Ingenieur und 1854 von der Provinz Zamora in die kon­stituierenden Cortes gewählt. Nach dem Aufstande von 1868 zum Minister des Innern ernannt, übernahm er Anfang 1872 die Führung des Gesamtministeriums, mit der er später noch verschiedentlich betraut wurde.)

Madrid, 6. Jan. Der Tod Sagasta's trat um 6^ Uhr abends ein. Die Nachricht wurde in der Stadt mit allgemeiner Teilnahme ausgenommen. Der König äußerte den Wunsch, Sagasta zu besuchen, man bemerkte ihm jedoch, daß' dies gegen die Etikette verstoße. Der König äußerte hierüber sein tiefes Bedauern.

Die Wirren in Marokko.

Gibraltar, 6. Januar. (Reuter.) Hier eingegangene Nachrichten ans Marokko besagen, daß die aufrührerischen

lassen würde, sollen jene Milliarden von lebenden Lampen dienen, welche Mutter Natur allnächtlich anzündet in Ge­stalt von lebenden Organismen, die mit Leuchtorganen ver­sehen sind.

Der ungeheure Energieverbrauch, der bei allen unseren Beleuchtungsarten, von der elenden, von der Bäuerin selbst fabrizierten Talgfunzel bis zur stolzen Nernstlampe und Lukas­licht stllttfindct, ist schon zu ost erläutert worden, um hier nochmals erörtert zu werden. Aber der Wunsch nach ökono­mischeren Lichtquellen bleibt deswegen doch ein sehr berechtigter und zwar umsomehr, als sich die theoretische Möglichkeit her­ausrechnen läßt, daß entweder um den gleichen Preis wie heute eine süniziqfach stärkere Beleuchtung um den fünfzigsten Teil des bisherigen Preises denkbar wäre, wenn es nämlich gelänge, alle verbrauchte Energie in Lichtrvellen umzusetzen, für die als solche die Netzhaut unseres Auges die erforderliche Empfindlichkeit besitzt.

An die praktische Verwendung der mit Leuchtorganen aus­gerüsteten Tiere hatte man jedoch bisher noch nicht ernstlich gedacht. Man wußte nur aus phantasievollen Schilderungen berückender schwüler Tropenpracht, daß sich glutäugige, schöne Mexikanerinnen gelegentlich einer Tanzfestlichkeit wohl zuweilen ein Dutzend riesenhafter Leuchtkäfer, gegen welche unsere ein­heimischen wahre Zwerge sind, in das Dunkel ihrer nächtigen Locken streuten, und verstand es auch als Kind des licht- und farÈ enormen Nordens, daß die von magisch-phosphoreszierendem Lichtscheine umflossene Kreolin, dann loin du bal dem im nahen Palmenhaine ihrer harrenden Amoroso als wahre Königin der Nacht erscheinen mußte.

Dubois stieg zur Durchführung feiner Versuche in die Welt des Mikrokosmos, zu jenen winzig kleinen, lichtaus­sendenden Bakterien hinab, welche die Ursache des Meeres­leuchtens und des Phosphoreszierens von faulendem Holze, Fischfleische, toten Krebsen und anderen verwesenden organischen Substanzen sind. Nachdem er die von ihmPhotobakterien" getauften Kleinlebewesen in Reinkultur gezüchtet und eine den­selben besonders zuträgliche Nährbouillon erfunden, war es nicht schwer, die Leuchlbaklerien in ergiebigen Mengen sortzu- pflanzen und es bedurfte nur geeigneter Behälter für die Auf­

6. Januur.

Stämme sich dem Sultan unterwerfen und daß die Beun­ruhigung sich legt.

Aus Beneznela.

Caraeas, 6. Januar. Gestern wurden hier etwa 1500 Aufständische unter Ramos Penalofa, welche auf Caracas marschierten, unweit Guatire von den Ne­gierungstruppen geschlagen.

Caracas, 5. Januar. (Reuter.) Die finanzielle Panik, welche dadurch entstanden war, daß die Bank von Venezuela ihre Noten nicht einzulösen vermag- ist vorübergehend dadurch gemildert worden, daß die bedeutendsten Firmen von Caracas, La Guaira, Valencia und Puerto Cabello sich bereit erklärten, alle Zahlungen in Noten anzunehmen.

Jttsttliicrung.

Madrid, 6. Januar. Als der Prinz von Asturien gestern von einem Spaziergange ins Palais zurückkehrte, trat ihm ein Mann mit dem Rufe entgegen :Es lebe Alfons XIII., nieder mit Caserta!" Der Schreier wurde verhaftet. Er ist ein früherer Karlist. Man glaubt, daß er geistesgestört ist. Er wird vor das Kriegsgericht gestellt.

Wandalismus.

Berkin, 6. Januar. Die Morgcnblâtter melden: Von der Rotte Burschen, welche in der Nacht zu Sonntag die gemeldeten Verstümmelungen an den Baudenkmälern ver­übten, wurden auch am Kaufhaus Rudolf Hertzog an zwei Bronzereliefs Beschädigungen verursacht.

Mord.

Berlin, 6. Januar. DerLok.-Anz." meldet aus Rosenberg (Westpreußen) : In dem Abbau Rosenberg wurden die Eheleute Ackermann in ihrer Wohnung er­mordet und beraubt aufgefunden.

Auf der Treibjagd erschaffen.

Breslau, 5. Januar. Ein schwerer Unglücksfall er­eignete sich, wie aus Lauterbach gemeldet wird, bei einer Treib­jagd in dem Graf Seidlitz-Sandretzkiichen Revier. Ein 16jähriger Treiber wurde vom Grafen Seherr-Thoß erschoffen. Der Treiber war dem Grafen direkt vor die Mündung des Gewehres in dem Augenblicke, als es losging, gelaufen, sodaß ihm die die ganze Schrotladung in den Hinterkopf drang.

70. Geburtstag.

Berlin, 6. Januar. Der Justizminister Dr. Schöne st e d t und der Oberpräsident von Sachsen, v. Bötticher, vollendeten heute ihr 70. Lebensjahr.

Die Abhaltung der diesjährigen Kaisermanöber.

Hatte, 5. Januar. Beim Empfang der Halloren am Kaiserhof bestätigte der Kaiser, daß er dieses Jahr die Kaisermanöver im südöstlichen Teil der Pro­ll i n z Sachsen abhalten, in Merseburg residieren und nach Halle kommen werde.

Die Kronprinzessin von Sachsen.

Paris, 5. Januar. Einer Privatmeldung

C." aus Genf zufolge lehnte Giron das Anerbieten eines Leipziger Chantants, gegen große Monatsgage allabendlich vor demPublikum zu erscheinen, ab. Die Prinzessin ersuchte, alle gegen ihren Gemahl, den Kronprinzen, und den Dresdener Hof gerichteten, ihr zugeschriebenen Aeußerungen als unwahr zu erklären. Sie und Giron bleiben dabei, sobald wie möglich in Paris Wohnsitz zu nehmen, wo Giron literarisch tätig seinH und sich so eine Existenz gründen will. Giron hatte für seine in Brüssel verwahrten Schriften in Versen und Prosa angeblich bereits Perleger in Aussicht. Maitre Lachenal erzählt, die Prinzessin habe seit der Anwesenheit des Hofmarschalls v. Tümpling in Genf, welcher seine guten Dienste vergebens anbot, nichts aus Dresden offiziell erfahren, sie habe weder die Annullierung der Ehe noch sonst etwas verlangt.

bewahrung der leuchtenden Flüssigkeit in einer Anordnung, in welcher dieses lebende Licht am effektvollsten zur Geltung kommt.

So einfach hiernach auch die Sache erscheint, so schwierig war doch ihre praktische Ausführung. Unter zahlreichen Nähr­stoffen, welche geprüft wurden, erwies sich eine Mischung von Saizwasfer bezw. Meerwasser, Eiweiß und Glycerin als beste, insofern diese mit Photobakterien geimpfte Flüssigkeit schon nach wenigen Stunden leuchtend wird und in kleinen, gut verstöpselten Fläschchen aufbewahrt, ausreicht, um bei Nacht bie. Uhrzeiger der Taschenuhr und dergleichen zu erkennen.

Dem mikroskopischen Viehstall in der Westentasche droht aber eine Gefahr, nämlich die Infektion durch andere Bak­terien, die im Wachstum noch schneller sind und die LeuÄt- bakterien in kurzer Zeit überwuchern. Zu den Versuchen in großem Maßstabe, wie sie Dubois den 40 Unsterblichen vor- iührte, mußten Vorkehrungen getroffen werden, welche die bakteriellen Feinde ausschließen und doch dem Sauerstoff der Lust, dem hauptsächlichsten Förderer der luftliebenden Leuchts Pilse, den Zutritt gestalten. Dubois lebende Lampe ist daher derartig konstruiert, daß in dem auf metallenem Fuße ruhenden glatten und flachen Glasgefäß, welches die Bakterienflüssigkeit enthält, und dieselben vor dem Hinzutritt fremder Keime schützt, ab und zu filtrierte und keimfrei gemachte Luft zuge­führt wird, wobei die Bakterien ihre Leuchtkraft monatelang bewahren.

Es bedarf keiner genaueren Schilderung, um zu zeigen daß die Aktiengesellschaften, welche das Auerlicht und andere Lichtquellen vertreiben, sich vorläufig vor dem Kurssturz ihrer Papiere noch nicht zu fürchten brauchen. Andererseits zeigen die Versuche aber doch, daß die Erzeugung eines so- qenannten kalten, b. h. an schwarzen Wärmestrahlen armen Lichtes nicht außer dem Bereiche der Möglichkeit liegt, und vielleicht können unsere Familienmütter in einiger Zeit sich der lebenden Lampe statt des blakenden Oel- und Petro­leumsnachtlichtes mit Erfolg bedienen, falls sie es, was ihnen ja auch bei unseren Zimmerlampen vorkommen soll, nicht vergessen, die hungrigen Lichtspender zur rechten Zeit zu füttern.