Erstes Blatt
anauer
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Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. di« fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Naum, für Auswärts 15 Pfz., im Reklameniheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Psg.
Gedruckt und verlegt in der Buchdrucker« des »ereim ev.
Waisenhauses M Hanan. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage. ' 1.......... S. Schrecker in Han«,
Nv. 153, Fernsvreckansckluß Nr. 605.
Samstaq den 4. Juli
FernspreKansLluß Nr. 605, 1903
Amtliches.
Von beachtenswerter Seite ist darauf hingewiesen worden, daß die auf den Straßen feil gehaltenen Mineral-Wässer, wie Selterser, Soda-Wasser u. a. m. an die Abnehmer stets eiskalt verabfolgt werden und daß der Genuß so kalten Wassers, welcher schon in normalen Zeiten leicht ernste Verdauungsstörungen von längerer Dauer nach sich ziehe, beim Droben der Cholera die Neigung zu ähnlichen Erkrankungen befördere.
Im Auftrage des Herrn Ministers der geistlichen, Unterrichts- und Medizinal-Angelegenheiten werden daher die Verkäufer von Mineral-Wässern im Ausschanke hiermit angewiesen, das Getränk fernerhin, gleichviel, ob die Cholera droht oder nicht, nur in einem der Trinkwasser-Temperatur entsprechenden Wärmegrade von etwa 100 Cels. abzugeben. Gleichzeitig wird das Publikum vor dem Genusse eiskalter Getränke überhaupt, also auch des zu kalten Bieres, insbesondere aber der Mineral-Wäffer, gewarnt.
Cassel den 17. Oktober 1892.
Der Regierungs-Präsident.
V 3974 I. V.: v. Pawel.
Candkreis Hanau.
Bekanntmachungen des König!. Landratsamtes.
Mit Berichterstattung auf meine Verfügung vom 3. April 1902 — V 3111 — betr. die außerhalb der Irrenanstalt lebenden Geisteskranken sind noch eine Anzahl Bürgermeister und Gutsvorsteher im Rückstände.
Es wird daher an Erledigung der genannten Verfügung mit 8tägiger Artist erinnert.
Hanan den 1. Juli 1903.
Der Königliche Landrat.
I. A.: Conrad, Kreissekretär.
, In Kesselstadt gilt die Schweinepest als erloschen. Die angeordneten Sperrmaßregeln sind aufgehoben. Hanau den 2. Juli 1903.
Der Königliche Landrat.
V 5279 I. A.: Conrad, Kreissekretär.
Bei einem Schweine des Jobannes Schadt III. in Langenselbold ist der Hautrotlauf (Backsteinblatlern) festgestellt worden.
Hanan den 2. Juli 1903.
Der Königliche Landrat.
V 5303 J. A.: Conrad, Kreissekretär.
Die Blutlaus und ihre Bekämpfung.
Unter diesem Titel ist kürzlich von der Landwirtschaftskammer für die Provinz Sachsen eine Flugschrift herausgegeben, welche für die Gemeinden, soweit dieselben am Obstbau interessirt sind, von großer Wichtigkeit ist. Die der Schrift über den in so riesigem Umfange verbreiteten Schädiger des Obstbaues beigegebene Abbildung gilt als die beste bis jetzt existierende. Die gelungene farbige Abbildung zeigt die Blutlaus und die von ihr erzeugten Schädigungen in einer für jeden Laien verständlichen Weise. Um dieser gemeinnützigen Schrift eine möglichst allgemeine Verbreitung zu geben, sind die Preise billigst wie folgt gestellt:
1 Exemplar kostet 0,15 Mark, 100 Exemplare kosten 12,50 Mark, 1000 Exemplare kosten 80,— Mark.
Die Schrift ist von dem Verlage der „Halleschen Zeitung" zu Halle a. S. in jeder beliebigen Anzahl zu beziehen.
Hanan den 29. Juni 1903.
Der Königliche Landrat.
•T V Nr. 5264 v. Beckerath.
Stadtkreis Hanau. Bekanntmachungen des Oberbiirgermeisteramtes.
Bekanntmachung.
_ _ Wir ersuchen, die Rechnungen für die Forderungen aus Aeserungen für die Stadt stets 14 Tage nach dem ^ierteljahresschlttste einzureichen.
. Die Rechnungen für die Zeit bis Ende Juni ersuchen wir bis 15, d. Mts. einzureichen.
Hanau den 3. Juli 1903.
Der Magistrat.
Bode. 11780
Die
Bekanntmachung.
Arbeitsuchende in der Zeit vom 27. Juni bis 3. Juli 1903:
1 Tischler,
1 Schuhmacher,
1 Maschinenarbeiter,
7 Taglöhner.
Hanau den 4. Juli 1903.
Städtisches Arbeitsamt. 11779
Amtliche Mitteilungen.
Die Heberolle der Kirchensteuer für 1903 ist zur Einsicht der Gemeindeqlicder der Marien- und Johannis- kirche vom 6. bis 20. Juli in der Wohnung des Kirchendieners G r a s m e h e r, Schloßstr. 2, öffentlich ausgelegt. Es werden 5% der Staats-Einkommensteuer erhoben.
Die Presbyterien der Marien- und Zohanniskirche. 11758
Hus Stadt und Cand.
Hanau, 4. Juli.
* Ordensverleihung. Dem Oberstabsarzt a. D. Dr. Züchner, bisher Regimentsarzt des Thüringischen Ulanenregiments Nr. 6, wurde der Königliche Kronenorden 3. Klasse verliehen.
Ö Gustav Adolf Verein. Bei der vorjährigen Hauptversammlung unseres Vereins, welche wir unter Gottes reichstem Segen in Cassel feiern durften, übergab- Herr- Pfarrer D. Sardemann als Festgabe der Jungfrauenvereine unseres lieben Hessenlandes die schöne Summe von 2034 84 Mk. Er sagte dabei: „Wir haben es in unserer Zeit nölig, daß Gotteshäuser erbaut werden, die nicht nur für den evangelischen Gottesdienst geeignet sind, sondern auch dafür, daß in ihnen das evangelische Gemeindeleben gepflegt werden kann, was für uns so besonders wichtig ist. Daran haben wir gedacht bei unserer Jungfrauenverein-Gabe. Wir haben gesammelt im Hinblick auf evangelische Gemeinden in Deutsch-Oesterreich, und bitten den Zentralvorstand herzlich: überweisen Sie unsere kleine Gabe einer Gemeinde, die sehr arm ist, die nicht eine große Kirche bauen will mit einem mächtigen Turm, sondern ein ganz bescheidenes Gebethaus. Und dann bitten wir noch recht herzlich, daß in diesem bescheidenen Gotteshaus an irgend einem geeigneten Slellchen vielleicht vermerkt werde: Miterbaut von der Liebesgabe der kurheksiichen Jungfrauen- und Müttervereine, gesammelt zur Hauptversammlung des Gustav Adolf- Vereins in Cassel im Jahre 1902; und ich hoffe, unsere lieben Jungfrauen- und Müttervereiue werden dann auch noch willig werden zu helfen, daß dieses bescheidene Gottes- häuslein eine würdige innere Ausstattung erhalte." Der Zenlralvorstand in Leipzig hat sich nun entschlossen im Einvernehmen mit Herrn Plärrer D. Sardemann die Jungfrauenverein-Gabe von 2034.84 Mark. der evangelischen Gemeinde zu Radschitz in Böhmen zn überweisen, welche am 7. d. M. den Grundstein zu einem ganz einfachen Kirchlein ohne Turm für 12 000 Kronen (10200 Mk.) gelegt hat. — Wir empfehlen die arme evangelische Gemeinde Radschitz der treuen Liebe unserer Jungfrauen- und Müttervereine zu fernerer Unterstützung; für die innere Ausstattung des Kirchleins sind noch keine Mittel vorhanden: hier tut kräftige Hilfe not. Die genannten Vereine werden ja auch gewiß gern den Herrn Pfarrer Dr. Sardemann in den Stand setzen wollen, sein ge- gebmes Versprechen einzulöstn. Die diesjährige Jahresversammlung unseres Hesien-Cassel'schen tzaupivereins wird, wills Gott, am 4. und 5. August, in Langenselbold bei Hanau gefeiert werden. Die Delegiertenversammlung findet Dienstag, den 4. August, nachmittag? 5 Vs Uhr statt. Bei der abends um 8 Uhr beginnenden Begrüßungsversammlung werden die Herren Generalsuperintendent Pfeiffer, Pfarrer Hufnagel und Pfarrer Führer von Klein-Schmalkalden, reden. Bei dem Festgottesdienst am Mittwoch vormittag wird Herr Pfarrer Fickewcher von Fürth predigen. Am Nachmittag findet eine Nachversammlung statt, bei der Herr Plärrer Fuchs den Jahresbericht erstatten und Herr Pfarrer Wolff-Cassel über die evangelische Bewegung in Lothringen eine Amprache halten wird. — Alle Freunde unsrer Reichsgottessache werden zu diesem Fest herzlich eingeladen. Die Herrn Geistlichen aber werden freundlichst gebeten, die diesjährige Hanskollekte für unseren Verein, soweit es noch nicht geschehen ist, sobald als möglich in ihren Gemeinden zu erheben und das Ergebnis der Kollekte spätestens am 15. Juli an Herrn Sriftskaffierer Bohne in Cassel, Orleansstraße 43, zu senden, damit unser Verein in den Stand gesetzt wird, der großen Zahl von armen Diasporagemeinden, welche vom Rummer umfaßt außer dem Unterhattuug
Zentralvorstand uns überwiesen sind, die seitherigen Unterstützungen zuzuwenden, deren sie zu ihrem Bestand dringend bedürfen.
* Rechtsanwalt und Notar Dr. Bulle f. Gestern früh 5 Uhr starb unerwartet an den Folgen eines bösartigen Halsgeschwürs der Rechtsanwalt und Königl. Notar Herr Dr. jur. Georg Bulle im 47. Lebensjahre. Herr Dr. Bulle war der Sohn eines Pfarrers und späteren Superintendenten und Kirchenrates in Kamburg a. S. und studierte in Halle und Leipzig. Er war als Referendar am Landgericht in Frankfurt a. M. und ließ sich im Jahr 1883 hier als Rechtsanwalt nieder. Vor 4 Jahren wurde er zum Königl. Notar ernannt. Der Verstorbene war ein beliebter und tüchtiger Anwalt und als Rechtsbeistand sowohl wie auch in persönlicher Hinsicht ein hochachtbarer Mann. Durch das Vertrauen seiner Mitbürger in den Stadtrat gewählt, schätzte man ihn in diesem Amt als wertvolle Kraft. Er führte auch längere Zeit den Vorsitz am Gewerbegericht. Herr Dr. Bulle war gezwungen, sich eines bösartigen Halsgeschwürs wegen in das städt. Krankenhaus zu Frankfurt aufnehmen zu lassen, woselbst ein Frankfurter Profeffor, sowie Herr Sanitätsrat Dr. Noll von hier eine Operation an ihm vornahmen. Doch konnte dieselbe ihn nicht mehr retten und er siel im blühenden Mannesalter der tückischen Krankheit zum Opfer. Ein Bruder des Verewigten ist ein bekannter Schriftsteller und Chefredakteur der „Münchener Allgemeinen Zeitung". Möge dem zu früh Dahingeschiedenen die Erde leicht sein.
* Reichsbanknebenstellen. Am 27. Juli d. I. wird in Detmold eine von der Reichsbankstelle in Bielefeld abhängige und am 1. August d. I. in Emmerich (Rhein) eine von der Reichsbankstelle in Duisburg abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kaffeneinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden.
* Sommerferieu. Mit dem heutigen Tage beginnen an den hiesigen Schulen die 4 Wochen dauernden Sommer- ferien.
* Hanauer Geschichtsverein. Allen, die sich für die Sammlung Hanauer Altertümer interessieren, kann nur geraten werden, sich das gestrige Feuilleton über das moderne Museum aufzubewahren und an der Hand desselben einen Gang durch das II. Obergeschoß des Altstädter Rathauses zu machen. Dasselbe ist morgen von 11—12V3 Uhr geöffnet. — Die Besucher werden außerdem daselbst die neueste Erwerbung des Vereins bewundern können, eine Suppen-Terrine aus Hanauer Fayence, nebst anderen Stücken, die der Verein — freilich etwas teuer — angekauft hat; hätte er sie nicht gekauft, so gingen die Sachen nach auswärts. Ach, wenn sich doch ein Hanauer Patriot entschließen könnte, die 200 Mark dem Geschichtsverein zu schenken. Ich glaube, die Dankbarkeit des Vereins wäre groß und die Sacken kämen in ein schönes Glaskästchen mit der Ueberschrift „Geschenk von N. N.". — Der Geschichtsverein ist dabei, aus seinem Museum etwas recht Interessantes zu machen, aber es ist erst ein Anfang und er hofft sehr auf die opferwillige Beihilfe seiner Mitbürger! — Einstweilen kann man sich die Terrine 'mal ansehen! Das verpflichtet noch zu^ar nichts.
* Vom Jmmobiliengeschäft. (Bericht von Carl Koch in HanauJ Die Umsätze während der Zeit vom 1. April 4903 bis 1. Juli 1903 betrugen 61 Objekte im Werte von 1369 487 Mk. Gesamt-Umsatz im ersten Halbjahr 92 Objekte sim Werte von 1882 212 Mk. Zinssätze für gute erste Einsätze sind 4, 41/s und 4V4, Prozent, je nach Lage und Beleihungsgrenze. Zweite Eintragungen bedingen bis zu 5 Prozent.
* Gewitter. Nach einer lang andauernden tropischen Hitzeperiode entlud sich gestern nachmittag ein Teil eines Gewitters über unserer Stadt, den Staub durch etwas Regen löschend. In der Umgegend scheint das Gewitter nach einzelnen uns zugegangenen Mitteilungen stark gewütet zu haben.
* Falb's Wetterprognose für die zweite Hälfte des Monats Juli lautet: In der dritten Woche beginnt eine Gewitterphase ohne starke Niederschläge, die sich dann nach dem 24. Juli als kritischem Tage erster Ordnung allmählich verliert. Für den August hat Falb ähnliches Wetter in Bereitschaft.
* Silberne Hochzeit feiern heute Herr J. Viel und Ehestau, Eva aeb. Hein, Gärtnerstraße 13.
* Auf der „Wiener Spitze" hält morgen der hiesige Stemm- und Ringklub „Eiche" seinen diesjährigen internationalen Wettstreit ab. Ferner Auftreten des beliebten Humoristen Herrn Tusch aus Frankfurt a. M. Abends von 9 Uhr ab findet Tanz statt und werden alle Freunde und Gönner des Vereins höflichst eingeladen. ,, „ ,,
* Eingeliefert in das hiesige Landgerlchtsgefangnrs wurden gestern abend drei bisher im Amtsgerichtsgefängms zu Meerholz internierte Einbrecher, die während der versoffenen Nacht daselbst einen Fluchtversuch unternommen hatten.
blatt 14 Seiten.