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DonnerSt-k
, 4. Juni
Tele iraphlschet Wetterbericht der deutschen Seewarte.
Tel gram m aus HamPuvA vorn 4, Jimi.
9 Uhr 40 Min.
Ein Hochdruckgebiet erstreckt sich vom Ozean bis Mitteleuropa und Skandinavien, ein solches über 776 mm lagert westlich Irlands, eine Depression unter 750 mm über Korsika. In Deutschland ist das Wetter kühl, im Nordwesten heiter und wärmer, sonst trübe und kühler, vielfach waren Gewitter.
Prognose für den 5. Juni: Meist wärmeres, weiter auf- klârendeZ Wetter wahrscheinlich.
Zum Sängerwettstreit in Frankfurt n. M.
® Frankfurt a. M., 3. Juni.
Einleitendes.
Frankfurt, die altehrwürdige Kaiserstadt, prangt im Festesschmuck. Von allen Dächern grüßen Fahnen und Wimpel, von allen Häusern künden frisch grüne Girlanden, daß unsere Stadt am Vorabend fröhlicher Festtage steht. Noch festem war das Wetter herrlich, aber seit heute früh geht ein kräftiger Regen nieder, der hoffentlich wieder besserer Witterung Platz machen wird. Die Ausschmückung der Stadt ist außergewöhnlich großartig. Ganz besonders reich ist sie in den Straßen, die der Kaiser bei seinem wiederholten Hiersein bur*1 fahren wird. Die Scharnhorststraße, Wilhelmsbrücke und Wilhelmsstraße, die Straßen, die der Kaiser und die Sänger passieren müssen, um zur Festhalle an der Forsthausstraße zu gelangen, sind in eine wirkliche Via triumphalis umgewandelt. Kein Haus ist hier ohne eine glänzende Dekoration geblieben. Am Eingänge der Scharnhorststraße, schräg dem Südvortal des Hauptbahnhofs gegenüber, erhebt sich eine mächtige Ehrenpforte und in kurzen Abständen ist die Fortsetzung der Straße mit reich negierten Obelisken geschmückt. Die Dekoration der Wilhelmsbröcke stellt eine Huldigung des deutschen Männergesangs dar, wie sie in ähnlicher Weise bei einer Straßen- Ausschmückung noch nicht verwendet worden ist. An hohen, reich geschmückten Masten roeljen. goldfarbene Flaggen, von denen eine jede da? aus eines bekannten deutschen Männerchor- Komponisten zc Man sieht da die Bilder von Bruch, Abt, Hegar, Kreuzer, Sil® er, Zöllner u. s. w. Die Masten sind durch Tannen-Girlanden verbunden. An den Brücken-Auf- gângen erheben sich auf der Frankfurter Seite in herrlicher Umrahmung die Büsten von Brahms und Schumann, auf der Srchsenhäuser Seite die von Mendelssohn und Schubert. Am Ende der Brücke, dem Eingänge der Wilhelmstraße, erhebt sich ein 30 Meter hoher Triumphbogen in Form einer Gondel, ein wirkliches Meisterwerk, das mit Emblemen, Wappen, Fahnentüchern rc. reich geschmückt ist und eine weitere Huldigung der Sänger darstellt. Der Triumphbogen ist von der Kolossalfigur einer Siegesgöttin gekrönt. Nur wenige Minuten weiter an der Forsthausstraße ist dann der Festplatz, der mit prächtigen Blumen-Anlagen versehen ist. Inmitten des Platzes erhebt sich die mit einem Kostenaufwande von 165 000 Mn erbaute Festhalle. Auf der Vorderseite befinden sich drei Hauptportale, die von halblangen Plüschportièren abgeschlossen sind. Außerdem sind 14 Neben-Eingänge vorhanden. Der 85 Meter hohe Turm über der Kaiserloze wird von einer vergoldeten Krone geziert, von deren Innern abends eine weithin sichtbare elektrische Bogenlampe ihr Licht versendet. Die Halle, die von Febr. bis April d.J. im Rohbau fertig gestellt wurde, bietet Platz für 9000 Personen. Im Parterre, in den Logen und auf der Galerie sind insgesamt 7664 Sitzplätze vorbanden. Die Gesamtanordnung ist die der Festhalle beim ersten Gesangswettstreit deutscher Männergesang-Vereine in Cassel 1899. Diese Angliederung geht bis in viele Details. Sie ist aber auch schon um deßwillen unvermeidlich, weil die Form der Halle von Berlin aus ein für alle Mal vorgeschrieben ist; nur die Größenverhältnisse werden den örtlichen Umständen entsprechend geändert. Das in Stufen ansteigende Sänger-Podium bietet Platz für 1700 Sänger und 130 Musiker. Gegenüber dem .^»«■WMmnEmBMMWWBMWWWMWMWM^MBW chemischen Apparate sehr erheblich verbessert und die verschiedenen Vitrolarten zuerst klar unterschieden; er zeigt die erste Kenntnis des Knallgoldes und hat in der Erforschung der Antimonverbindungen ganz Hervorragendes geleistet.
Die Anziehungskraft, die in Jenen Jahrhunderten die Alchymie ausübte, war eine dämonische. Erzbischöfe, Bischöfe, Prioren und Aebtc widmeten sich dieser Kunst; die Zahl der gekrönten Alchymisten ist groß. Heinrich VI. von England, Shakespeareschen Angedenkens, war nicht allein selbst Alchymist, sondern forderte auch alle Edlen, Doktoren, Professoren und Geistliche zu ihrer Betreibung aus. Die Rosenkriege verschlangen viel Geld und der König hätte freilich den goldmachenden lapis philosophorum gut gebrauchen können. Barbara, die Gemahlin Kaiser Sigismunds, operierte fleißig, allein es warm, wie uns Johann von Laaz überliefert hat, falsche Künste, „lauter Lug und Trug", was sie betrieb. Aber der berühmteste aller kürstlichen Alchymisten war Kaiser Rudolph H., der allen fahrenden Alchymisten an seinem Hofe die beste Aufnahme gewährte und ihnen selbst als der größte, als der Träger der Ädeptenkrone erschien. Nach seinem Tode fanden sich 84 Zentner Gold und 60 Zentner Silber in Barren in der Schatzkammer und die sollten seinem Schmelztiegel entstammen.. Kurfürst August I. von Sachsen, der in Dresden ein großartiges Laboratorium, das „Goldhaus" erbaute, bekannte 1577 in einem Briefe: „Soweit bin ich nun in der Sache gekommen, daß ich täglich aus acht Unzen Silber 3 Unzen gutes Gold machen kann". Es war ein gefährlich Ding dazumal, Alchymist zu sein. Die Großen umschmeichelten die Männer, die sie im Besitze des köstlichen Geheimnisses glaubten, um es ihnen abzulocken ; weigerten sich aber die Alchymisten der Preisgabe, so liefen sie Gefahr an Leib und Leben. So ging es dem Schotten Alexander Seton, einem der berühmtesten Alchymisten des 17. Jahrhunderts, von dessen Künsten viel Wunderbares erzählt wird; ihn ließ Christian II. von Sachsen, weil er sich ihm nicht entdecken wollte, auf die Folter
Podium liegt die Kaisirloge mit ihren Nebenräumen, entschieden der schönste Teil der oanien Halle.
Besonders das kaiserliche Empfangszimmer ist ein wahres Meisterstück moderner Jnnen-Dekyration. Die kostbaren spanischen und italienischen Möbel aus der Zeit der Antike sowie die wertvollen Gemälde sind von hiesigen Patrizier-Familien zur Verfügung gestellt worden. Die Oberleitung der Logen- i nsnatjunz Ina in den Händen des Stadirais Hanau. Die Loge selbst ist von zwei Idealfiguren flankirt mit einem mächtigen purpurfarbenen Baldachin, gut dem die Kaiserkrone ruht, überspannt und vor der Logenbrüstung breitet ein stolzer Aar seine Fittige aus. Rechts und links von der Kaiserloge befinden sich die Logen der Preisrichter, des Ehren-Ausschusses usw. Von den kaiserlichen Räumen führt eine besondere Treppe ins Freie, eine Profite Treppe geht in den Saal hinab. Sie wird von den Vorsitzenden und Dirigenten der preisgekrönten Vereine benutzt, wenn sie die Preise in Empfang nehmen. An den Kiebelseiten der Halle fallen die mächtigen auf Leinwand gemalten Fenster auf; die Bilder stellen Huldigungen der Gesangskunst dar. Die Akustik der Halle ist, wie eine Probe ergab, ganz vorzüglich. Um die Halle aruppieren sich auf dem Festplatz sieben Restamants, wo die Sänger nach getaner Arbeit reichlich Erfrischungs-Gelegenheit finden. Das schönste Restaurant heißt „Zur Wartburg". Ein Teil seines Innern stellt den Marktplatz von Eisenach mit einem prächtigen Blick auf die Wartburg naturwahr dar. Hunderte von Sängern aus allen Teilen Deutschlands sind bereits heute vormittag mittelst Sonderzügen hier eingefroren. Die meisten Vereine haben in Frankfurt Wohnung genommen. Sieben Vereine haben ihr Standquartier während der Festtage in Homburg und ein Verein in Hanau. In Homburg wohnen der Berliner Lebrergesangverein, der Potsdamer Männergesangverein, der Bremer Lebrergesangverein, die Berliner Liedertafel, der Bonner Männergesangverein, die Solinger Liedertafel und der Barmer Sängerchor, in Hanau die Würzburger Liedertafel. Alle hiesigen Hotels sind längst besetzt und nur hier und da ist noch ein Privatlogis frei. Besonders in den Privatquartieren hat die starke Nachfrage die Preise sehr in die Höhe getrieben. Zur Bewältigung des ungeheuren Eisenbahnverkehrs während der Festtage sind zahlreiche Stationsbeamte, Bahnsteigschaffner usw. zur Hilfeleistung hierher beordert worden. Aus einer Reihe von anderen Eisenbahn-Direktionen wurden Wagen hierher zusammengezogen, um dem Verkehr gewachsen zu sein. Der Bahnhof selbst trägt ebenfalls reiche Dekoration und die Fârstenzimmer sind anläßlich des Kaiser- besuchs völlig neu hergestellt worden. Abends durchfahren Illuminationswagen der städtischen elektrischen Straßenbahn die Stadt, die ein feenhaites Bild bieten. Kurzum, ganz Frankfurt ist bereit, seinen Kaiser und die deutschen Sanges- brüder würdig und vornehm aufzunehmen.
Die Anfahrt des Kaisers.
Nachdem im Laufe des Nachmittags und des Abends das Gros der Sänger wohlbehalten, jedoch mit etlichen Verspätungen hier eingetroffen war und nachdem das Wetter, welches während des Vormittags einen Dauerregen in Aussicht stellte, mit einem sonnigen Sommerabend schloß, traf kurz nach 7 Uhr der um 8^2 Uhr vormittags in Potsdam abgegangene kaiserliche Sonderzug hier ein. Der mit herrlichem Blumenflor geschmückte südliche Teil des Bahnhofs war seit 6 Uhr für das Publikum abgesperrt und nur mit Passierscheinen versehene Personen hatten Zutritt zu diesem Teil des Bahnhofs. Auf dem Oper- perron hatte die Musikkapelle des 81, Infanterie-Regiments sowie eine Ehrenkompagnie desselben Regiments unter Befehl von Hauptmann Geist Aufstellung genommen. — Gegen 7 Uhr erschienen auf dem Bahnsteig 2, auf welchem der Zug mit den kaiserlichen Gästen eintraf, Herr Oberprâsident Graf von Zedlitz-Trützschler, Oberbürgermeister Adickes, welcher zum ersten Male die ihm vom Kaiser zum Tragen genehmigte goldene Kette trug, Regierungspräsident von Hengstenberg, General von Lindequist, kommandierender General des XV11L Armeekorps, Stadtkommandant Generalleutnant von Stülpnagel, Polizeipräsident Frhr. von Müffling, C'isenbahudireknonspräsi-
spannen und in ein ekelhaftes Gefängnis werfen. Ein Pole namens Svendivogius, befreite ihn und wurde der Erbe seiner Kunst. Er war es, der Rudolph II. 1604 zu Prag etwas Tinktur übergab, womit der Kaiser eigenhändig die Metallverwandlung ausübte. Voller Freude über diesen Versuch ließ er auf einer Marmortafel die Inschrift anbringen :
Quod fecit Svendivogius Polonus. Faciat hoc quispiam alius.
Aber auch dieser Pole hatte allerlei Gefahren und Gefangenschaft auszuhalten, und als die ererbte kostbare Tinktur alle war, griff er zu plumpen Betrügereien. Dieses 17. Jahrhundert war die Blütezeit der Alchymie. Damals lebte Johann Baptista von Helmont, der sich große Verdienste um die reine Chemie erworben, zuerst die Natur des gasförmigen Körpers erkannt und sie mit dem Namen „Gas" bezeichnet hat und der berichtet, er habe ein goldmachendes Präparat geschenkt erhalten und habe mit seinen eigenen Angen gesehen, „wie es käufliches Quecksilber wahrhaft verwandelte, und es war einige tausendmal mehr Quecksilber als gold- machendeS Pulver. Es war ein safranfarbiges, schweres Pulver, welches wie nicht ganz fein gestoßenes Glas schimmerte." Damals lebte ferner der rätselhafte Irenäus Phila- letha, der gleichfalls im Besitze einer goldmachenden Tinktur gewesen sein soll, und Glauber, ein bedeutender Chemiker, Entdecker des Glaubersalzes, der die Alchymie als ein rein wissenschaftliches Problem auffaßte, bei dessen Realisierung kein großer Gewinn herauskomme. Und damit hat er in der Tat einen neuen Weg gewiesen. Vorerst freilich schieden sich Wissenschaft und Alchymie scharf voneinander. Auf der einen Seite trieben bis ins 19. Jahrhundert hinein zahlreiche Adepten ihr Handwerk, zuweilen Männer, vor deren gut verbürgten Leistungen uns Staunen erfaßt, öfter Betrüger oder Toren, wie jener Schweizer Friseur, der Kiesewetter in den 80er Jahren eine aus gefaultem Blut abdestillierte, jammervoll stinkende Flüssigkeit und Scherben
deut Thom« iowiè Oberpostdirektor Meier. Ferner waren anwesend Prinz Friedrich Karl von Hessen sowie die Prinzessin Friedrich Kgrl voy Hessen, welche bekanntlich eine Schwester des Kaisers ist. Ws der kaiserliche Hofzug langsam in die Halle fuhr, intonierte die Musikkapelle den Präsentiermarsch. Zuerst entstieg die Kaiserin dem Wagen und ging auf ihre Schwägerin zu, welche sie herzlich auf beide Wangen küßte. Rach der Kaiserin entstieg der Kaiser dem Wagen, welcher ebenfalls seine Schwester herzlich küßte. Darauf fand gegenseitige Vorstellung statt. In Begleitung des Kaiserpaares waren auch Prinz Eitel Friedrich unb Prinz Adalbert. Ferner befanden sich im kaiserlichen Gefolge: Oberhofmeisterin Gräfin von Brockdorf, Hofdame Fräulein von Gersdorf, Oberhofmeister Graf Mirbach, Kammerherr Graf Mülinen, Hauèmarschall Graf zu Eulenburg, General von Plessen, Generaladjutant von Scholl, Flügeladjutant von Plüskow, der Chef des Zivil- kabinetts von Lucanus, als Vertreter des Auswärtigen Amtes von Tschirschky und Bogendorff, Oberstallmeister Graf Wedel, Leibarzt Stabsarzt Niedner. Der Kaiser, welcher Jnfanterie- Generals-Uniform trug, schritt hierauf die Front der Ehren- kompaguie ab, worauf diese in Parademarsch bei ihm vorbeidefilierte. Nach einer kurzen Unterhaltung mit General von Lindequist begab sich der Kaiser mit seinem Gefolge nach dem Fürstenzimmer und bestieg kurz darauf mit der Kaiserin die bereitstehende Hofequipage. In den sieben übrigen Equipagen des Kaiserlichen Hoffte s nahm das Gefolge teil. Rings um den Bahnhof, soweit der Platz nicht abgesperrt war, hatte sich eine nach vielen Zehntausenden zählende Menschenmenge ein« gefunden. Tausende von Schulkindern bildeten Spalier, sowie zahlreiche Vereine. Der Equipage, in welcher sich das nach allen Seiten liebenswürdigen Dank nickende Kaiserpaar befand, ritt eine halbe Schwadron des in Hanau garnisonierenden 6. thüringischen Manen-Regiments voraus, während eine weitere halbe Schwadron dahinter folgte. Die Schwadron, welche in ihrer Paradeuniform sich von ihrer schönsten Seite zeigte, befehligte Rittmeister v. Eckartsberg. Als die Wagen sich in Bewegung setzten, brach die Volksmaffe in nicht enden wollende Hochrufe auf das Herrscherpaar aus und bewies demselben dadurch, wie willkommen es wieder einmal in Frankfurt war, nachdem es Jahre lang nicht mehr in dessen Mauern geweilt. Die kaiserlichen Gäste zeigten großes Interesse an den prächtigen Dekorationen der zum Festplatz führenden via triumphalis, dem Festfchmuck, den die im Mainhafen ankernden Schiffe angelegt, und dankten auf der ganzen Fahrt unausgesetzt für die stürmischen Huldigungen.
Das Begrnßnngskonzert.
In der bis auf den letzten Platz gefüllten Festhalle begann pünktlich um 7^2 Uhr das Bezrüßungskonzert. Das Publikum hatte schon vor 7 Uhr die Plätze eingenommen. Der Kaiser traf um 7 Uhr 25 Min. ein. In der Kaiserloge saßen der Kalter, die Kaiserin, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, die Prinzen Eitel Fritz und Adalbert, der kommandierende General des 18. Armeekorps von Lindequist und der Oberpräsident Graf von Zedlitz-Trützsckler. Die Einleitung des Konzertes bildete der dreistimmige Chor „Dem Kaiser Heil", den der hiesige Sängerbund und die Sänger- Vereinigung (insgesamt 1700 Sänger) gemeinsam vortrugen. Die Melodie entstammt einem Werke Beethovens und ist von Berhard Scholz hier für Männerchor und Orchester bearbeitet. Nach einer kurzen Ueberleitung des Orchesters stimmte dann die ganze Festversammlung in den brausenden Hymnus „Heil Dir im Siegerkranz" ein. Als größte Komposition, auch hinsichtlich deS vokalen und orchestralen Rahmens, folgte als weitere Nummer des zweckentsprechend und geschickt zusammengestellten Programms die bekannten Szenen aus „Frithjof" von Max Bruch, vorgetragen von dem Sängerbund, der seiner chorisch nicht immer ganz leichten Aufgabe mit prächtigstem Gelingen gerecht wurde. Fräulein Johanna Dietz von hier sang mit ihrem umfangreichen wohllautenden Sopran die Partie der „Ingeborg", Herr Adolf Müller mit seinem sympathischen Bariton die des „Frithjof". Vorzüglich schnitt das Männer- Quartett ab, das aus den Herren Opernsänger Josef Tijsfen einer zerbrochenen Retorte mit einen opalisierenden Beschlag' zur Prüfung einsandte. Auf der andern Seite stellte die junge Chemie zunächst das Dogma der Unmöglichkeit der weiteren Zerlegung der Metalle auf und ging davon aus, daß sie Elemente seien. Allein auf ihrem glorreichen Entdeckerzuge kam sie bald zu tieferen Auffassungen. Carl von Heister bekannte 1860, die Wissenschaft vermöge nicht, die Verwandlung unedler Metalle in edle als unmöglich nachzuweisen. Gustav Lewinstein sagte 1870, man könne nicht mit Bestimmtheit behaupten, daß das Gold und die anderen als Elemente bezeichneten Körper wirklich einfache Stoffe seien; wenn die Zerlegung des Goldes einmal gelinge, so könne man vielleicht zwei ganz gewöhnliche Stoffe als seine Bestandteile nachweisen und vielleicht das Verfahren finden, sie wieder zulammenzu- setzen. Und Ernst Saffe schrieb 1886: „Nach der Entdeckung, daß die Atome aller Körper in rotierenden Ellipsen, also in elltpsoiden Schraubenlinien schwingen, ist die Aufgabe der Alchymie ein bestimmt zu stellendes mechanisches Problem." So reichen sich bie modernste Chemie und die Alchymie des dunkeln Mittelalters, heut die Hand; und was jenen im Düster der Mystik tappenden Spekulanten und Operanten nicht gelang, das vollführt vielleicht noch einmal der im Tageslichte wiffenschaftliche Erkenntnis arbeitende Chemiker.
Albumblâtter.
Ein froher Erdengast
Halt' ich allhier noch Rast Und schlürf' im Abendschein Der Schönheit Firnewein.
Ein wonnig Weltentzücken Noch in verklärten Blicken Im Ohr schon Sphärenklang:
Und mein Gebet ist — Dank.
(Aus einem der letzten Gedichte Julius Lohmeyers.)