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Zweites Blatt

Hanauer

General-Anzriger

wer

Bezugspreis: vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Psg., für aus­wärtige Abonnenten mit dem betreffenden Postaufschlag. Die einzelue Nummer kostet 10 Pfg.

gedruckt und verlegt in der Buchdrucker« des verein, cv. Waisenhauses in Hanau.

Amtliches Organ für Stadt- nnd Fandüreis Kanan

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.

Einrückungsgebühr:

Für Stadt- und Landkreis Hanan 10 Pfg. die fünf« gespaltene Petitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.

Verantwort!. Redakteur: ®. Schrecker in Hanau«

)£t, 53. Fernsprechanfcklnß Nr. 605»

Mittwoch den 4. März

Ferusprechanschluß Nr. 605

1903

. Airrtliches. Bekanntmachung.

Einrichtttng einer deuCche» Postanftalt in Jtschang (China).

Zu Jischang (China) ist eine deutsche Postaustalt einge­richtet morden, deren Tätigkeit sich auf den Briefpost-, Zeitungs- und Postanweisungsdienst sowie auf die Annahme und Aus­gabe von gewöhnlichen Pateten mit oder ohne Nachnahme und von Briefen, Kästchen und Paketen mit Wertangabe und mit oder ohne Nachnahme erstreckt.

Ueber die Taxen und Versendungsbedingungen geben die Postanstalten auf Verlangen Auskunft.

Berlin W 66 den 26. Februar 1903,

Der Staatssekretär des Reichs-Postamts.

K r a e t k e.

Bekanntmachung.

Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Telegraphenlinie an dem Wege von Langendiebach nach Ravolzhausen liegt bei den Postämtern in Langenselbold und Langendiebach aus.

Cassel, 25. Februar 1903.

Kaiserliche Ober-Postdireklion.

Hoffmann. 4055

Königliches Gymnasium.

Anmeldungen mit eintretenber Schüler nehme ich Freitag den 6. nnd Samstag den 7. d. Mts., jedesmal von 1112 02 Uhr, in meinem Amtszimmer tm Gymnasialgebäude entgegen.

Vorzulegen sind Geburtsurkunde und Impfschein, bezw. Wiederimpsschein. Zeugnisse können uachqeliefert werden.

Schriftliche Anmeldungen können jederzeit eingereicht werden unter der Adresse: Direktion des Konigl. Gymnasiums Hanau.

Hanau den 3. März 1903.

Der Königliche Gymnasialdirektor.

Dr. Braun. 4053

Donnerstag den 12. März 1903 versteigert die Oberförsters; Hanan von morgens 9 Uhr ab im Kaiser­hof (Lamboystraße) zu Hanan aus den Försterbezirken Lamboy- walb und Bruchköbel:

Stämme: 127 Eichen mit 147,31 fm, 2 Rotbuchen mit 2,75 fm, 37 Hainbuchen mit 17,02 fm, 13

Feuilleton.

Träume und Bilder uns dem Mittelmeer. Zur Mitlelmeerreise des Deutschen Kronprinzen.*) Bon Haus Georg Häusler.

(Nachdruck verboten.)

Zu dem schönen Grièchenvolkc Nebers blaue Mitrelineer Schifft in dichter Schwalbenwolke Wonnevoll der Mürz daher.

Am Hhmettos blüh'n die Wiesen "Und ein warmer Strahlenguß Rötet deine Säulennesm Zupiter Olympius.

Geibel.

Zum ersten Mal betritt der künftige deutsche Kaiser jene Welt des Südens, die wir Deutschen unablässig mit der Seele suchen, mit der wir, wie unsere Geschichte zeigt, durch geheimnisvolle, doch unlösliche Bande eng verknüpft sind. Für die Entwickelung eines in dem empfänglichsten Alter stehenden deutschen Jünglings kann wohl kaum eine Reise be­deutungsvoller werden, als gerade diese zu den Stätten der klassischen Kultur des Altertums der neueren Zeck. Kann man doch die Kulturbestrebungen der Deutschen überhaupt nach ihrer Stellung zu der Klassik und zu dem RomanenWut rivei aroße Gruppen einteilen. Auf der einen Seite jem Teutomanen, die das deutsche Volk vor derf. Berührung rmt anderen Völkern und der Befruchtung durch. ste! Julen und es so entwickeln wollen, daß es allein aus sich heraus ein na-

*) Der Kronprinz und Prinz Eitelfritz sollen am 5. Mürz in Korfu anlangen.

Birken mit 6,68 fm, 26 Erlen mit 10,87 fm, 6 Rüstern mit 3,18 fm, 2 Eschen mit 0,45 fm, 8 Kiefern mit 3,99 sm,

Nutzscheithoh : 8 m Eichen I. Klasse,

Scheitholz : 129 rin Eichen, 10 rm Buchen, 4 rm Rüstern, 3 rm Dirken, 7 im Erlen und Weiden, 31 rm Kiefern.

Knüppel : 37 rm Eichen, 1 rm Birken, 15 rm Erlen und Weiden, 22 rm Kiefern.

Stockholz: 110 rm Eichen.

Neis in Wellen, Hundert: 58,20 Hdt. Eichen, 8,90 Hdt. Buchen, 13,80 Hdt. Erlen und Weiden, 2,90 Hdt. Kiefern.

Das Nutzholz wird zuerst verkauft.

Das Brennholz kommt etwa von ^Lt Uhr morgens ab zum Verkauf. Der größte Teil der Laubholzstämme liegt im Distrikt 31) Scheuer (Bezirk Lamboywald). 405G

Politische Rundschau,

Der deutsche Kronprinz ist gestern mittag mit dem Prinzen Eitel Friedrich und seinem Gefolge nach Verab­schiedung vom deutschen Generalkonsul Herff von Mailand ab­gereist. Vor bem Hotel und am Bahnhöfe begrüßte eine zahl­reiche Volksmenge die Prinzen.

Die Nekrute» der zweiten Marine - Inspektion . in Wilhelmshaven wurden gestern in Gegenwart' des Kaisers vereidigt.

Die Budgetkorumisfion des Reichstages setzte die Beratung des Miliinretais fort und setzte von den ge­forderten 665 000 Mk. für Beschaffung von Feldbahnmaterial 1G5 000 Mk. ab und bewilligte für den Ausbau der Landes- bkfestigungen anstatt der geforderten 19 392 400 Mk. nur 16 Millionen. Bei dem TitelErsatz- und Verstärknngsbauien in Ulm infolge Aufgabe der Stadtumwallung des linken Donauufers" beantragt Gröber eine Resolution, welche die Erwartung ausspricht, daß der Stadtgemeinde Ulm, falls, sie durch den Ankauf des Festungsgeläudes nachweisbaren Schaden erleiden sollte, eine Ermäßigung des Kaufpreises gewährt werde. Ueber die Resolution entspann sich ein; längere Debatte, deren Fortsetzung schließlich auf heute vertagt wurde.

Unsere Feldpost in China. Der ehemalige Ober­befehlshaber in Ostasien, Grueralfeldmarschall Graf v. Walder- see, hat, wie dieDeutsche Verkehrsztg." hört, dem Kriegs- minisierium gegenüber den Wunsch ansgesprochen, daß der Reichspostverwaltung die Anerkennung und der Dank des Armeeoberkommandos und des ostasiatischen Expeditionskorps für die Leistungen der Feldpostbeamten bei der ostasuuifchen Expedition übermittelt werde. Nach dem Urteil des Oberbe-

tionales Kultnrideal bildet. Auf der anderen Seite die, an die Gestaltung einer voHenbeten deutschen Kultur erst dann glauben, wenn daS Germanentum las Romanentum umarmt, in sich ausgenommen und überwunden haben wird. Die Nessrmation war solch ein Versuch, das Romanentum durch eine selbständige deutsche Kullursorm zu überwinden. Aber schon Ranke hat es ausgesprochen und heut stimmen katholische 1111b protestantische Schriftsteller darin überein, daß die Reformation in diesem Sinne zn spät kam; die gewaltige Rückflut der Gegen­reformation zeigt zugleich die erneute Stärke und die Ueber- legenheit des romanischen Geistes. Erst seit dem Anfänge des 19, Jahrhunderts hat eine neue Bewegung eingesetzt, um den antiken romanischen Geist mit dem germanischen zu vermählen. Goethe war der erste große Führer auf diesem Wege; in bey zweiten Hälfte des Jahrhunderts übernahm die bildende Kunst die Fortsetzung dieser Aufgabe: Feuerbach, Markes, Böcklin, Adolf Hildebrand waren die Träger der neuen Formgedanken; und so, kann man sagen, stehen wir jetzt mitten in einer großen Geistesbewegmig, deren Ziel vielleicht die endgiltige Auseinandersetzung des Germanentums mit der Kultur der Mitielmeervolktr bildet.

Wie fünf majestätische Dome umlagern das Mittelmeer die großen Kiilturstälten. In Egypten war zuerst eine vollendete menschliche Gesittung entwickelt. Die Anregungen dieser Kultur nimmt im Osten das kleine Griechenvolk auf, verschmilzt sie mit denen aus Border-Asien und zeitigt so jene Blüte am Baume der Menschengeschichte, die noch heut unser Stolz ist. Aber still im Süden, im syrischen Küstenlande werden die Grundlagen der künftigen sittlichen Entwickelung des ganzen Abendlandes geschaffen; Jesus von Nazareth siegt über Hellas und über Rom, und erst als diese beiden getrennten Ströme der Kultur, das Christentum und die Antike, sich wieder ver­einigen, vollzieht sich auf Italiens Boden jenes Wunder der Wiedergeburt", dessen elektrische Kraft noch bis in unsere Tage hinein wirkt. Endlich, im Westen wieder, stoßen Orient und Occident, Islam und Christentum auf einander: in

fehlshabcrs haben die Feldpostbeamten unter tkilweis äußerst schwierigen Verhältnissen das Möglichste geleistet und sind be­strebt gewesen, allen Anforderungen zu entsprechen, die billiger­weise an sie gestellt werden konnten. Nach Maßgabe des ver­fügbaren Personals sei alles geschehen, um eine möglichst schleunige und sichere Postverbindung von und nach Shanghai zu allen Jahreszeiten und in alle Teile des okkupierten Ge- Gebieies zn ermöglichen. Um die Schwierigkeiten, die zu überwinden waren, sich klar zu machen, müsse man sich ver­gegenwärtigen, daß die räumliche Ausbreitung des deutschen Expeditionskorps im Verhältnis zu seiner Starke außerordent­lich groß war und daß Beschaffenheit und Sicherheit der Wegeverbindungen sehr viel zu wünschen übrig ließen. Dieser Anregung hat der Kriegsminister Folge geleistet und zwar, wie dabei zum Ausdruck gebracht ist, um so lieber, als sich auch die Heeresverwaltung dem anerkennenden Urteil über die Leistungen der deutschen Feldpost nur anschließen könne. Die Reichspostverwaltung hat die im Feldpostdienste in Ostasien beschäftigt gewesenen Beamten und Unterbeamten von dieser ehrenden Anerkennung in Kenntnis setzen lassen.

Papftjubilämn. In der Peterskirche zu Rom wurde gestern vormittag der 25. Jahrestag der Krönung des Papstes durch einen feierlichen Gottesdienst begangen.

Tie britische» Truppe» nahmen im Hinterlande von Jemen eine beherrschende Stellung ein. Die Türken zogen sich aus allen Plätzen zurück und die Engländer nehmen diese für sich in Anspruch.

Der nordamerikanische Kongreß nahm den Be- richt der gemeinsamen Konferenz beider Häuser, betr. die Ein­wanderungs-Vorlage an. Unter den angenommenen Bestim­mungen wurde eine solch-, welche Einwanderungsinspektoren ermächtigt, fremde Länder zu besuchen, sowie ihnen , zu, ge­statten, Anarchisten auszuschließcn, und deren Nachweise eines bestimmten Bildungsgrades nicht in das Gesetz ausgenommen. Die Erhebung einer Kopfsteuer bis zu zwei Dollars wird ein» geführt, ist aber von jedem ins Land kommenden Reisenden, nicht nur Auswanderern, zu erheben.

Aus Veueznela. Barcelona und Carupano sind,von den RegierungsN uppen verlassen nnd von den Aufständischen besetzt worden. Die während der Blockade von der eng­lischen Flotte weggenommenen venezolanischen Kriegsschiffe wur­den zurückgegeben.

Deutscher Reichstag.

(Sitzung vom 3. März.)

Reichsittvalidenfonds. Eisenbahnetat.

Auf der Tagesordnung steht die zweite Beratung des Etats des Reichsinvalidenfonds und in Verbindung hiermit Beratung

Spanien entstehen christliche Kirchen auf muhammedanischen Moscheen und in ihrem Stile, und der Märchenzauber und die Lebenskunst des uralten Orients findet auch in Europa einen klassischen Ausdruck.

Das Mittelmeer ist für uns heut nur noch ein Binnen­see, aber es dürfte mit Recht das heilige Meer der Menschheit genannt werden, weil alle größten Erinnerungen unserer Zivilisation an seine Gestade zurückführen und weil in, den Schöpfungen der Mittelmeerländer das Göttliche im Menschen am reinsten in die Erscheinung getreten ist. Freilich ist es eine gar mannigfaltige Götterwelt, die vor unseren, Augen auftaucht, wenn wir das Mittelmeer durchschiffen. Hier Isis und Horus, dort Zeus und Apollo, hier Moses, dort Mo­hammed, hier die phönizische Astarte, dort der eine und einige Gott des alten Testaments. Das Wunderbare aber an einer Fahrt durchs Mittelmeer ist, daß alle diese, Erinnerungen und Gestalten uns nicht schattenhaft begleiten, sondern in körper­lichen Formen und Erinnerungen leibhaftig vor uns treten. Die Pyramiden und Sphinxe, die Alhambra, der Petersdom, die Akropolis, die Hagia Sofia in Konstantinopel sind leben­dige Zeugen dieser Vergangenheit des Mittelmeeres;, und in Palästina, wo die Monumente verhältnismäßig wenig zahl­reich ober doch nur sehr verworren erhalten sind, tritt uns das Leben selbst als Monument entgegen: denn wer die Frauen mit ihren Krügen an den Brunnen von Bethlehem ober Nazareth beobachtet, der mag leicht glauben, Gestalten ans den Tagen Christi leibhaftig vor sich zu sehen. Es gibt kein zweites Meer, das sich an historischen Erinnerungen auch nur entfernt mit dem Mittelmeer messen könnte. 2Sir legen die hurtigen Handelsschiffe der Phönizier; Griechen und Perser, Römer und Karthager ringen mit einander um die Herrschaft über dies damalige Weltmeer; an Hellas' Küste wird das römische Zmperatorentum begründet; die stolzen Galeeren mit dem Löwen von San Marco im Wimpel vermitteln den Warenverkehr zwischen Orient und Occident; die Ungläubigen tauchen auf und Christentum und Türkentum messen sich in