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Mittwoch
4. März,
G. Kesselstadt, 2.März. (Abschied von dem alten G o t t e s h a u s e.) Gestern morgen luden die wohlbekannten Töne der Glocken unseres alten ehrwürdigen Kirchleins zum letztenmale von dieser Stelle zum Besuche des Gotteshauses ein; denn in den nächsten Tagen wird man zum Abbruche desselben schreiten, um einem größeren und einem schöneren Baue den Platz zu räumen. Da war es denn kein Wunder, daß man schon frühe und in großen Scharen zum Gottes- Hause eilte. Alle Plätze waren dicht gefüllt. Nach der Liturgie und dem Gesang des Liedes: „Wach' auf du Geist der ersten Zeugen!" hielt Herr Pfarrer Hufnagel eine ergreifende Ab chiedsrede. Seiner Betrachtung hatte er den Text Offenb. Johs. 21, V. 1 bis 5 zu Grunde gelegt, aus welchem er besonders die Worte hervorhob: „Siehe da eine Hütte Gottes bei den Menschen." Die wohlgebaute Rede war in 3 Teile gegliedert: 1. in einen Nachruf dem alten Kirchlein; 2. in einen Zuruf dem gegenwärtigen Geschlecht, und 3. in einen Aufruf: Erneuert Euer Herz und Sinn. Der dreifache Ruf klang dann zu dem Mahnrufe aus: „Kommet auch ferner zum Hause deS Herrn und bleibet dem Worte Gottes treu, so wird der Herr auch fernerhin bei euch wohnen und sich finden lasten und ihr werdet gesegnet und glücklich sein in Zeit und Ewigkeit. — Nachdem nun noch der Herr Pfarrer die Gemeinde und ihre Kinder dem Schutze und dem Segen Gottes empfohlen hatte, schloß er mit den Worten: „Das walte Gott!" Nach der Predigt berichtete Redner noch ausführlich über die Geschichte der Kirche und Kirchengemeinde Kestelstadls. Ausgehend von der Geschichte Kestelstadts ging er auf die Geschichte der Kirchengemeinde desselben über. Um auf die Lebensdauer unserer Kirche zu schließen, mußte er weit zurückgreifen. Drei Jahrhunderte hatten hier die Römer eine Zwingburg und beherrschten von hier aus einen großen Teil unseres Landes. Erst nach Vertreibung der Römer und den Stürmen der Völkerwanderung mögen hier die ersten Pflanzstätten christlicher Sitte und Kultur entstanden sein. Diese Zeit ist aber für uns meistens in Dunkel gehüllt. Die älteste Urkunde, die von einer Kirche in Kestelstadt berichtet, datiert aus dem Jahre 1275. Sie ist eine Vollmacht des damaligen Geistlichen, namens Konrad Spiegel, zur Schlichtung von Kompetenzstreitigkeilen mit der Gemeinde Flörsheim. Das baufällige Kirchlein ist in seinen einzelnen Teilen sehr alt. Mehrmals wurde rs durch Kriegsstürme und Brand verwüstet und teilweise zerstört. Dies läßt sich deuilich aus der verschiedenen Zusammensetzung, aus dem Material und seinem Baustiel erkennen. Der älteste Teil des Gotteshauses ist sicherlich die Sakristei. Daran wurde später der heutige Chor als eine kleine Kapelle angebaut ; auch diese scheint wieder zugrunde gegangen zu sein, so daß nur ein Teil der östlichen Wand davon stehen blieb, was aus der roden Bearbeitung des einen Fensters und der eingemeißelien Jahreszahl 1474 zu schließen ist. Eine neue Zeit brach mit der Reformation für die Erweiterung der Kirche an. Einer Urkunde jener Zeit ist zu entnehmen, daß Kestelstadt damals ungefähr 220 Einwohner hatte, die in dürftigen Verhältnissen lebten. Der Reformator Kestelstadts war der hochgebildete und tatlrâftige, aus Windecken stammende Pfarrer Klefsins, der um das Jahr 1548 die Reformation in Kesselstadt ein- und durchführte. 1581 wurde die Kirche bedeutend erweitert und wahrscheinlich auch mit dem Turm versehen. Steine aus dem römischen Kastell sind sicher dazu verwandt worden, was aus dem bestimmten und gleichen Größenverhältnis derselben zu schließen ist. Der 30 jährige Krieg brachte über Kestelstadt unsägliches Elend. Die Kirche brannte zum Teil nieder, wurde aber später wieder hergestellt. Auch während der napoleonischen Gewaltherrschaft hatte Kestelstadt viel durchzumachen. Die Kirche diente nach den unglücklichen Schlachten von Jena und Auerstädt als Lazarest. Pest und Krankheiten wüteten hier furchtbar, täglich forderten sie ihre Opfer. Im Dezember 1813 allein starben 77 Personen. Besonders war es hier der damals weit und breit bekannte und beliebte Pfarrer Johann Friedrich Brand, ein geborener Hanauer, und Seelsorger in des Wortes schönster Bedeutung, der mit wahrhast rührender Liebe an seiner Gemeinde hing und Leid, Trübial und Entbehrung mit ihr teilte. Er holte sie aus den Gängen unter den Rampen des Schloßgartens heraus und teilte Brot und Nahrung mit ihnen. Nach dem Friedensschluß lebte er noch mehrere Jahre und stiftete in der Gemeinde viel Segen. Sein Andenken wird in der Kestelstädter Kirchengeschichte unvergeßlich fein. Zum Schluffe sprach Herr Pfarrer Hufnagel im Namen der Kirchengemeinde seinen Dank aus, der politischen Gemeindevertretung für die bereitwillige und gütige Bewilligung der ihr zusallenden Bausumme, Sr. Kgl. Hoheit dem Landgrafen von Hessen für die große Spende zum Baue der neuen Kirche, den hiesigen Gemeindegliedern und Bürgern für die respektable Summe von ungefähr 12,000 Mark und endlich dem Königlichen Konsistorium für das reiche Interesse an dem Kirchbau. Mit dem Gesänge des schönen ergreifenden Abjchiedèliedes Nr. 165 nahm die Abschiedsfeier ihr Ende.
m, Windecken, 3. März. (Beerdigung.) Heute nachmittag wurde dahier der am 1. d. M. verstorbene Prä- senzverwaller und Kirchbaumeister Jakob Höchst ad t unter zahlreicher Beteiligung der hiesigen Gemeinde und vieler von auswärts erschienener Verwandten, Freunden und Bekannten zur letzten Ruhe bestattet. Der amtierende Geistliche, Herr Pfarrer Baumann, legte das Wort „Wie ein großes Ding ist es um einen treuen und klugen Haushalter" seiner tief em- pfundenen Ansprache zu Grunde und schilderte in ihr das treue und gewissenhafte Wirken des Verstorbenen in den verschiedenen Aemrern, welche er zum Besten der Gemeinde unter wiederholter höchst ehrender Anerkennung seiner vorgesetzten Behörden verwaltet habe. Ueber 50 Jahre allein hat er der hiesigen Präsenzkaffe vorgestanden, und als er am 1. Dezember des vorigen Jahres sein Jubiläum feierte, habe die Liebe und Anerkennung mit einander geeifert, ihm diesen Tag zu einem freudenreichen zu gestalten. Fast ebenso lang sei er Mitglied des Presbyteriums und des Schulvorstandes^gewesen, viele lange Jahre auch Verwalter der Hospital- und Armenkasse und stets habe er seine Ehre und seine Freude darin gefunden, seinen Dienst als vor den Augen Gottes zu tun und seinen ihm angewiesenen Platz ganz auszufüllen. Ebenso sei er ein treues Glied der evangelischen Kirche gewesen, das sich
stets zum Hause und Wort des Herrn gehalten habe. Als ein kluger und treuer HauShalter, als ein frommer und getreuer Knecht wird er in der dankbaren Erinnerung der Gemeinde, feiner Freunde und Verwandten weiterleben und fein Gedächtnis wird in Ehren bleiben. Hierauf nahm Herr Pfr. Henß noch Veranlassung, dem Entschlafenen im Namen des Kirchenvorstandes und des Kgl. Stadtschulvorstandes einige an- ci kennende Worte zu widmen und seine Verdienste um die hiesige Kirche und Schule gebührend hervorzuheben. Als ein treuer Knecht seines himmlischen Herrn habe er gewirkt, als ein gläubiger Christ sei er gestorben. Beide Geistlichen konnten mit Recht an seine vielen Verdienste erinnern, die er sich in einem langen Leben in den mannigfachsten Aemtern und Stellungen um die Gemeinde erworben hat, und bei seinen vielen Freunden und Bekannten nah und fern wird er ein gutes Andenken hinterlassen. Mit ihm ist eine charakteristische Erscheinung Windeckens dabingegangen, und lange noch werden sich die Leute dahier von dem alten Prä'enzrr erzählen, der ein so ernstes Gesicht machen konnte und doch ein so hilfsbereites Herz und eine allezeit dienstwillige Hand hatte und der es boi im Grunde mit jedem so gut meinte.
<=> Wirrdeckerr, 3. März. (Spar- u. Leihkasse zu Windeck°n eingetr. Genossenschaft mit unbeschr. Haftpflicht.) Der Verein hat auch im Jahre 1902 recht befriedigende Resultate erzielt. Die Spareinlagen sind gegen das Vorjahr um ca. 40 000 Mk. gestiegen, die Geschâfls- guthaben der Genoffen um etwas über 400 Mk., während 176 787.87 Mk. in Einnahme und Ausgabe balanzieren. Das aesamlarbeitende Kapital beträgt per ultimo Dezember 1902 466 744.18 Mk., das sind 42 000 Mk. m^r als im Vorjahre. Näheres ergibt der im Inseratenteil veröffentlichte Rechnungsbericht. Von dem Reingewinn von 2738.63 Mk. erhalten die Genossen 8 pCt. Dividende und der Rest wird dem Reservefonds überwiesen.
X Langenselbold, 4. März. (Konz ert.) Das am Sonntag abend im Saale des Herrn E i n s ch ü tz abgehaltene Konzert der Hanauer U'anenkapelle unter persönlicher Leitung ihres Kapellmeisters Herrn Urbach erfreute sich einer großen Beteiligung seitens des hiesigen Publikums. Es braucht nicht besonders auf die vorzüglichen Leistungen der Kapelle hingewiesen zu werden — denn diese sind ja hmlänrlich bekannt — es soll hier nur der leise Wunsch zum Ausdruck kommen, daß Herr Ein'chütz noch des öfteren solche Konzwte veranstalten möge; er wird jederzeit auf ein dankbares Publikum rechnen können.
O Langenselbold, 4. März. (Raiffeisenverein.) Zu der gestrigen Notiz, betreffend Gründung einer Raiffeiien- kaffe, ist noch folgendes zu erwähnen: Die a n vorigen Donnerstag den 26. Februar abgehaliene Versammlung im Gast- Hause zum „weißen Roß" war gut besucht. Der Unierver- bandsdirekior für ländliche Genossenschaften im Kreise Hanau, Herr Pfarrer Schlicht-Rückingen, sprach über das Thema: „Zweck und Ziel der Raiffeisenkaffen". Der Herr Referent wies in feinem mehr als einstündigen Vortrage auf die eigenartige Organisation der Raiffeisenkaffen hin, er betonte ferner, daß das ganze Werk „Vater Raiffeiiens" den Stempel christlicher Nächstenliebe trage. In diesem Sinne fördern die Dar- lehnskassen nicht allein das materielle Wohl des Einzelnen, sondern sie sind auch die Träger sozialer und idealer Wohltaten. Den Ausmhrungen des Herrn Redners folgte anhaltender Beifall. Noch in später Stunde schritt man zur Gründung einer Raiffeisen-Darlehnskasse. Die Anzahl der Mitglieder beträgt zunächst nur 21, man darf aber die Hoffnung anssprechen, daß noch mehrere dem Beispiel folgen.
Aus dem Grrichtslaal. Sitzung des Hanauer Schöffengerichts vom 8. März.
Zwei junge Burschen, Joh. und Heinrich M. von Wachenbuchen, haben im Walde aufgemachtes Wellenholz entwendet. Es bekommt jeder einen Verweis. — Der Former H. von Großauheim hatte den dortigen Ortspolizeidiener beleidigt. Dafür muß er 6 Mk. Geldstrafe zahlen. — Die Frau des Alihändlers E. soll sich einer Hehlerei dadurch schuldig gemacht haben, daß sie einen Ueberzieher zu einem auffallend niedrigen Preis kaufte, von dem sie den Umständen nach hätte annehmen müssen, daß er auf unrechtmäßigem Wege erlangt sei. Bei der Verhandlung stellt sich aber heraus, daß der für den Ueberzieher gezahlte Preis als ein angemessener zu betrachten ist, daß die Frau korrekterweise den Eintrag des Verkäufers ins Trödelbuch bewirkt hat und daß ferner keine Mitteilung von einem gestohlenen Ueberzieher an die Trödler ergangen war, wie dies sonst geschieht. Das Gericht erachtet sonach die völlige Unschuld der Frau für erwiesen und erkennt auf Freisprechung. Sie erhält außerdem ihre baren Auslagen aus der Staatskaffe ersetzt. — Die vom Bundesrat erlassenen Schutzbestimmungen für die Angestellten im Gastwirtsgewerbe schreiben für Städte mit über 20000 Einwohnern u. a. vor, daß die Kellnerlehrlinge unter 16 Jahren nicht mehr nach 10 Ubr abends beschäftigt werden dürfen, daß ihnen mindestens alle 14 Tage eine ununterbrochene Ruhezeit von 24 Stunden und dazwischen eine freie Zeit von 6 Stunden zu gewähren ist u. s. w. Diese Bestimmungen sind tiefeinschneidend bei den besonderen Verhäliniffen im Gastwirtsgewerbe und man hat anderwärts schon ausgerechnet, wann der letzte „Piccolo" in den Hotels und Casü's verschwunden fein wird, da er unter diesen Umständen nur noch schwer verwendbar ist. Der Hotelbesitzer A. hier ist angeklagt, gegen die obengenannten Bestimmungen verstoßen zu haben, indem er feine beiden Picco!o's noch nach 10 Uhr abends beschäftigte und nicht für die vorzeschriebene Ruhezeit sorgte. Der Angeklagte entschuldigt sich mit den hier herrschenden besonderen Verhältnissen, die bei dem Fehlen jeder Polizeistunde die Einhaltung der betreffenden Bestimmungen sehr schwer machten, auch sei die Beschäftigung nach 10 Uhr nur ausnahmsweise geschehen. Das Gericht erkennt auf 10 Mk. G ldstrafe. — Die Taglöhnerseheleute A. in Großauheim haben ein Schwein, das ihnen gepfändet war, geschlachtet, noch ehe die Freigabe erfolgt war, und es dadurch der Verfüguna der Behöroe entzogen.
Sie werden zu je 3 Tagen Gefängnis verurteilt. — Am 6. Februar bemerkte der slädt. Marktmeister, wie morgens zwei Pertonen in der Nähe des Rordbahnbols durch das Geländer krochen, welches die Babnhofsaelcise vom Felde abschließt. Sie hatten Säcke bei sich, die mit Kohlen gefüllt waren. Es waren die Taglöhner S. und V., welche angaben, sie hätten die Erlaubnis zum Auslesen der Kohlen. Der Beamte glaubte nicht an die Geschichte mit der Erlaubniß und na^m die Beiden mit zum Stationsvorsteher. Sie geben heute an, es seien Kohlen gewesen, die ihnen am Tage vorher von einem für die Garni'onverwaliung bestimmten Waggon beim Ausladen her- abgefallen wären und sie hätten sie nach der Kaserne bringen wollen. Das Gericht glaubt auch an diese Erzählung nicht und verurteilt jeden der wegen Eiqentumsverqehen schon vorbestraften Angeklagten zu 10 Tagen Gefängnis. — Der Totengräber T. von Langenselbold hatte die hier am sogen. „Froichteich" wachsenden Weiden gekauft und „verwech elte" dabei auch einige Pappelbäume mit Weiden, die er umbieb und nach Hause fuhr. Dieser kleine botanische Irrtum kostet den 'Totengräber 10 Mk. Geldstrafe.
Harmner Urreins- «. Nergnugungsnachrichten
für Mittwoch den 4 März.
Stadttheater in Hanau : „Eva"; Anfang 7 Uhr.
5». Männer 15. Iiinalinasverein: PoMunenbOtten <®D. VereinShauS.) Verein „Geselligkeit": MonatSöeriawwluna in der »großen Krone". Kaufmännische. Verein Hanan: VereinSabend im Restaurant Mohr, Turn- u. Fechtklub: Gemeinschaft iches Turnen der Männerriegen von Tunigeweinde und Turn- u. ^echtkluü.
Gesangverein .Tonblüthe": Singstunde in oet „Stadt Bremen." Turnaesellschaft: Abends von9—10 Uhr Turnen der Mänmrabtelll Gewerbe- und Handwerker-Verein: Vereinsabend in der „Allemania". Thater-KluL : Zusammenkunft in den „3 Hafen".
Ra^fahrermrein Hanauer Radsport 1895: Vereinsabend im .Restaurant zur Stadt Bremen".
ArendS'scher Stenographenverein „Apollobund" (Gasthaus „z. Grafen P ilivv Ludwigs: Vereinsabend.
National -Stenoaravheiwerein: UebunoSstunde jür die Pricktiker-Abteilung (Lokal: „Zur großen Krone').
Zimmerstutzenaesellschast „zur Mainlust" -Kesselstadt: AbendS 9 Uhr: Zimmerstutzenschießen.
Hanauer Schübenverein : Vereinsabend im „Restaurant Mohr."
Freiwillige Feuerwehr: 1. Komp, im „goldnrn Herz"' Steiger-Korps in 'er „Brauerei Beck'.
Hanauer Fußballklub „Wacker": VereinSabend (Restaur. Carlsberg.)
UerSeigerungs- etr. Kalender
für Donnerstag den 5. März.
Holwersteigerungen: 1) i'" G'äfl. Usenb. Revier Meerholz; Zusammenkunst vormittags 10*'« Uhr im Ameissngrund (s. Nr. 48 „Han. Anz."); — 2! im Gemei"dewald zu W flerlos; Termin mittags 12 Uhr 'n dem Rüsin»'sch n Gasthause zu W sserlo« (s. Nr. 51 „Han. A/>. Nachmittags von 2 Uhr ab soll der Nachlaß der verstorbenen S. Neu:, Hainstra^e 7, bestehend in Mobiliar- und anderen Ge enständen durch en beeio Taxator ' nd Auktionator Herrn Fr. Kämpfer gegen gleich bare Zahlung versteigert werden.
Telegraphischer Wetterbericht der deutschen Seewarte.
Teleg-amn» aus Hamburg vom 4. März.
9 Ubr 40 Min.
Ein Maximum über 765 mm lagert über der Alpen- gegmd, ein Minimum unter 740 mm nordwestlich Schottlands. In Deutschland wehen mäßige westliche Winde, die Witterung ist mild, trübe, fast überall ist Regen gefallen.
Proqnoie für den 5. März: Mildes, trübes, windiges Wetter mit Regenfâllen wahrscheinlich.
Barometerstand
mittags 12 Uhr am 3./3. 4./3.
Sehr trocken
Beständig
Schön
Veränderlich —
Regen (Wind)^O-M
Viel Regen 740«^
Stnrm -
730_=
Kus ^ak und fern.
X Caffel, 3. März. Ein Revolver - Attenttatauf seineeigene Ehefrau unternahm heute nachmittag der 55jährige Eise 'bahn-Bremier Jean Krohn. Derselbe ist in zweiter Ehe mit der Witwe eines Laternenansteckers verheiratet, indeß wenig glücklich, Zank und Streit waren an der Tagesordnung, während K. dem Alkohol huldigte. Die Frau hatte sich nun schon seit einigen Tagen von ihm entfernt. Heute suchte er sie bei einer am MariinspIatz in einer Wirtschaft bediensteten Tochter auf und feuerte zwei Revolverschüffe auf die Unglückliche ab, die blutüberströmt zusammenbrach. Bedenklich verletzt liegt sie jetzt im Landkrankenhause darnieder, während er in Haft genommen wurde. Der Täter hat aus erster Ehe 6, aus zweiter keine, sie aus erster Ehe 2 Kinder. Die Frau ist 48 Jahre alt.
+ Bad Orb, 3. März. Aus Niedermarsberg bei Warburg kommt die Trauerkunde, daß Herr Dr. Alexander Hufnagel, der zweite Sohn des Herrn Sanitätsrats Dr. W. Hufnagel hierselbst, welcher seit kurzer Zeit einen erkrankten Arzt in Niedermarsberg vertrat, auf der Eisenbahn verunglückte und einen Schädelbruch, sowie Bruch beider Oberschenkel erlitten hat. Die schweren Verletzungen verursachten nach kurzer Zeit den Tod des allbeliebten, tüchtigen und zu großen Hoffnungen berechtigten erst 24 Jahre alten Arztes.