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Der Gesamtmehrbedarf gegen das Vorjahr betrage mithin 169 900 Mark.

Sodann wird in die Beratung der einzelnen Titel einge- treten. Bei dem Titelallgemeine Verwaltung, Besoldungen" bringt Stadtv. Hoch zum Vortrag, daß die für den Stadt­arzt vorgesehene Entschädigung jedenfalls nicht genügen werde, da demselben eine besondere Aufgabe überwiesen werden müsse. Es drehe sich um die Auseinandersetzung, die sich über seine Reichstagsrede hinsichtlich der Schwindsuchtsoerhältnisse der hiesigen Bijouteriearbeiter entsponnen habe. Die von ihm gegebene Statistik habe eine Widerlegung ^gefunden durch die Statistik des Kunstgewerbevereins. Der Stadtarzt werde zu ersuchen sein, einmal der Sache näher zu treten. Stadtv. Steinheuer erwidert, die Statistik des Kunstgewerbevereins sei mit Gründlichkeit und Sorgfalt ausgenommen worden. Nach weiteren Bemerkungen der Stadtv. Ott, Hoch, S t e i n h e u e r und des Oberbürgermeisters Dr. G e b e s ch u s formuliert Stadtv. Hoch einen Antrag dahingehend, die Stadt­verordnetenversammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen, einen Vorschlag, betreffend die Veranstaltung einer möglichst detaillierten Sterblichkeitssiatistik, vormlegen. Der Antrag wird angenommen. -- Unter Ausschaltung der Positionen, bei denen es sich um anderweite Gehaltsregulierung handelt, wird der TitelAllgemeine Ver­waltung in Einnahme und Ausgabe genehmigt. Gleichfalls genehmigt wird der TitelVermögens-Verwaltung". Bei dem TitelSchulden-Verwaltung" teilt der Referent mit, daß von dem Magistrat eine Vorlage über Konvertierung der beiden 4 °/oigett Anleihen in 3*/se/oige zu erwarten stehe. Nach kurzer Debatte wird auch dieser Titel genehmigt. Eine sehr erhebliche Debatte entwickelt sich bei dem TuelB a u ver­mal t u n g", Planbau, in dem für laufende Unterhaltung von gepflasterten Straßen, desgl.von ungepflasterten Straßen, Wegen und Plätzen insgesamt Mk. 97,500 gefordert werden Die Erläuterungen des Stadtbauamtcs zu diesen Positionen lauten: Der im vorjährigen Etat eingestellte Betrag muß als unzureichend angesehen werden, wenn eine Neupflasterung der wichligsten Verkehrsstraßen mit Reihensteinen und gleichzeitiger Anlage von erhöhten Bürgersteigen in absehbarer Zeit durch­geführt werden soll. Nach dem Gutachten der Bautommnnon ist ein V rzeichnis ausgestellt worden, in welchem eine Schei­dung der städtischen Pflasterstraßen staiigefunden hat in solche, deren Neupflasterung und Ausstattung mit erhöhien Trotioirs notwendig ist und in solche, bei welchen eine Umpflasternng der Fahrbahn und Bürgersteige mit altem Material genügt. Wenn man nur die erste Klaffe in Betracht zieht, welche eine Fahrbahnfläche von rd. 50,000 qm (ohne die bereits fertig- gestellten Straßen) und eine Tronoicfläche von rb. 25,000 qm darstellt, so ergibt sich ein Bedarf von

50,000 qm zu 8,50 Mk. rd. 425,200 Mk. und 25,000 qm zu 7.50 Mk. rd. 187,500 Mk.

zus. 612,700 Mk.

, Bei einem jährlichen Aufwand von 30,000 Mk., der als Minimum empfohlen wird, würde daher die Erneuerung der wichtigsten Pflasterstraßen immer noch über 20 Jahre dauern. Dabei ist die zweite Klasse, welche eine Fahrbahnstäâe von rd. 33,500 qm unb eine Trottoirfläche von rd. 16,900 qm aufweist, noch ganz unberücksichtigt geblieben. Die Nm- pflaftelung dieser Straßen, den Einheitspreis zu 4.50 Mk. bezw. 5.50 Mk. angenommen, würde außerdem einen Kosten­auswand von 150,700-j-93 000 rd. 243,700 Mk. er­fordern. Die Finanzkommiffion hatte beschlossen, zu bean­tragen die 4 Positionen in gleicher Höhe wie im Vorjahre zu bemessen, unter Ueberweisung von 5000 Mk. auf Titel XI s

Stadtv. Glaser: Er habe im Finanzausschuß zur Mi­norität gehört und für Streichung von 17 500 Mk. bei den auf zusammen 97 500 Mk. veranschlagten Gesamt-Straßen- Herstellungskosten gestimmt, nachdem der Herr Vorsteher dort überzeugend klargelegt habe, daß in den letzten 5 Jahren auch höchstens nur 80 000 Mk. für Pflasterungen und Chaussierungen im Durchschnitt pro Jahr verausgabt worden seien, in welcher Summe noch nennenswerte Zuschüsse aus dem Extraordinarium mitenthalten seien. Werde nach den Ausführungen des Stadt­baurats ein Zeitraum von 30 Jahren erforderlich, um das gesamte Straßennetz durchzupflastern, so könne es auf 1 Jahr mehr auch nicht ankommrn. Man solle außerordentliche Ver- befferungen nicht in so ungünstigen Finanzjahren in Aussicht nehmen. Das werde ein Geschäftsmann (Fabrikant) nach ungünstiger Bilanz auch nicht tun, sondern etwa ins Auge gefaßte Beschaffung von Maschinen u. s. w. aufichieben. Redner stellt hierauf den Antrag, für die 4 Positionen (Plan­bau) nur 80 000 Mk. zu bewilligen.

Oberbürgermeister Dr. G e b e s ch u s würde dem Vorredner, wenn er recht hätte, ganz gern beistimmen. Ein vorsichtiger Geschäftsmann werde aber gerade nach ungünstigem Abschluß solche Herstellungen nicht aufschieben, welche dazu geeignet sind, den Betrieb zu heben, um bessere Resultate zu erzielen. Hier in der Versammlung habe man nun schon einige Jahre hinter­einander deutlich hervorgehoben, daß man sich immer noch auf ein Jahr behelfen wolle. Nächstes Jahr werde man das wiederholen, auch auf das rückliegende Defizit hinweisend, welches vielleicht das jetzt laufende Jahr wieder bringen werde, um dann nach 5 Jahren an eine gleich ordentliche Erhöhung zu gehen, um das Versäumte nachzuholen. Man werde dann manche Straße, welche heute noch ungepflastert werden kann, auch neu pflastern müssen, wie es verschiedene Straßen schon jetzt fordern, denn das Steinmaterial sei schon sehr schlecht und würde immer noch schlechter. Voriges Jahr hätte man noch über vorhandenes Steinmaterial verfügen können, was in diesem Jahre forifalle. In dem Hinausziehen immer auf nur noch ein Jahr liege die Gefahr, wenn man ja auch noch keine Beine brechen werde. Auf den KieS werde man wohl deshalb auch noch nicht kommen. Die erhebliche Steigerung in den Steuern, welche dieser Etat fordere, sei durch die vorangegangenen knappen Etats herbeigeführt worden. Stadtv. Dr. Wagner spricht zu gunsten der entgegengesetzten Minorität im Finanzausschuß und vertritt den Magistratsantrag, welchen er bittet unverändert anzunehmen. Das Beispiel von Herrn Glaser wolle ihm nicht einleuchten. Unterlassene Her-

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flellungHt an Maschinen würden dem Geschäft nur traben. (Herr Glaser:Das habe ich ja garnicht gesagt.") Das defekte Betriebsmaterial müsse hergestellt werden, wenn der Fabrikant nicht vor dem Bankerott stehen wolle. Eine unan­genehme Empfindung in der Bürgerschaft bei einem Sprung von 100 auf 135% gebe er zu, aber daran seien die Stadt­verordneten selbst schuld. (Beifall und Widerspruch.) Hätte man voriges Jahr das Vorgeichlagene angenommen, würde man dieses Jahr vielleicht nicht auf 135 Proz. gekommen sein. Er könne nur insofern auf die gegenwärtige Finanzlage Rück­sicht nehmen, als er nicht beantrage, noch höhere Mittel, als für die Straßen vorgesehen, einzustellen. Ec halte solche für durchaus notwendig, nachdem der Pflasterfonds auigebraucht sei. 30 Jahre für die Nmpflasterungeu auszuwenden, schien ihm eine zu lange Zeit, die Straßen würden inzwischen in einen Zustand Geraten, der nicht mehr schön sei! Die Her- siellunqsfrist müsse auf 20 Jahre oder auf noch kürzere Zeit bemessen werden. Hier zu streichen, hieße nicht sparen. Stadtv. Glaser bestreitet, daß die Straßen in einem so miserablen Zustande seien. Er halte gerade die jetzige Zeit, von welcher anzunehmen sei, daß sie nicht dauernd bleiben werde, für außerordentliche Aufwendungen nicht geeignet, es würden bessere Jahre kommen. Er weise auf die Kinzigbrücken hin, wegen welchen wiederholt hier erst im vorigen Jahre ver­handelt worden sei, davon habe man seitdem nichts. mehr ge­hört. Radfahrerwünsche könne man nicht berücksichtigen. Die Belehrungen des Vorredners für den Geschäftsmann ließen erkennen, daß derselbe vom Geschäft nichts verstehe. Stadtv. Schwabe unterstützt den Antrag Gla^r, zumal es außer Zweifel liege, daß demnächst beffere Jahre höhere Bewilligungen gestatten würden. Ein Defizit, wie es das vorige Jahr ergeben, werde sich voraussichtlich nicht wiederholen, höchstens aus bem laufenden Etatsjahre, ein etwaiges Defizit könnte dann aber aus den zu erwartenden Überschüssen aus dem neuen Jahre gedeckt werden, denn der Ertrag der städtischen Betriebe sei äußerst vorsichtig eingestellt worden. Das Ergebnis bei der Grundsteuer werde infolge der verschiedenen Neubauten, welche jetzt aufgeführt würden, ein günstigeres werden, als vorher, die Einkommensteuer werde in diesem Jahre mebr bringen als veranschlagt. Sobald man wieder mit Ueberschüffen werde rechnen können, sei auch er be­reit, einen weit böseren Betrag für die Zwecke der Pflasterung einzustellen. Obe'b ärger meister Dr. G ebe sch u 8 betont, daß ein Warten mit Bewilligung höherer Mittel bis 1904 dahin führen könne, daß die Straßen immer schlechter würden. Auf bessere Zeiten, wie Herr Schwabe bemerkt, könne sobald nicht gehofft werden. Man denke an die in der Nähe schwebende Aushebung der Fleischsteuer, man rechne sich die Prozente aus, die dann hinaufgegangen werden müffe. Er hoffe, daß man 1905 das Extraordinarium wieder werde besser dotieren können, doch dürfe Herr Schwabe heute daraus noch keine Früchte ziehen wollen. Redner weist noch weiter hin auf die erhöhten Anfor­derungen, welche demnächst die Schulen stellen würden, sodaß man hierfür allein schon 15 000 Mk. für 1904 werde mehr einstellen müssen. Stadtv. Schroeter meint, daß man heute vielleicht schon auf mehr als 135% Einkommensteuer kommen würde, wenn schon früher eine Erhöhung über 100% stattgefunden hätte. Jeder Vorwurf wegen leichtsinniger Hand­lungsweise dürfte die Stadtverordneten-Versammlung nach dieser Richtung nicht treffen können. Was die vorzunehmenden Pflasterarbeiten angehe, so halte er die vom Magistrat ins Auge gefaßten für durchaus nützlich und notwendig. Er sei deshalb für Bewilligung des Titels, wie vom Magistrat vor­geschlagen. Redner bezieht sich auf die bezüglichen Ausschuß­verhandlungen. Siadtv. Hoch ist insofern erfreut, daß der Vorredner das Wort genommen habe, sonst könnte es den Ein» druck erwecken, als ob sie (die Sozialdemokraten) hier die Re­gierungspartei wären und womöglich den Magistrat kompro­mittieren; außerordentlich Larakteristisch sei es, daß er in allen Punkten in der Lage sei, den Herren am Magistratstisch recht zu geben und zwar deshalb, weil es sich hier nicht lediglich um Interessen der Arbeiterschaft, sondern um solche der ge­samten Bürgerschaft handele. Er sei erstaunt, daß dabei hier überhaupt eine Meinungsverschiedenheit sich ausbilden könne. Herr Glaser habe für seine mit großer Wucht gemachten Aus­führungen keine Beweise erbracht. Die Stadtverordneten seien zur technischen Prüfung der Verhältnisse nicht berufen, denn wozuhabe man einen Stadtbaurat und in den städt. Baumeistern Fachleute? Ein Verschieben auf das nächste Jahr führe zur Unsparsamkeit. Ein Haus würde mehr Schaden leiden, wenn der Besitzer bessere Jabre abwarten wollte, sodaß die Repara- raturen dann um so höhere Kosten verursachen würden. Eine Garantie für größere Neberschüsse in den folgenden Jahren könne wohl niemandjgeben, zumal die Bedürfnisse der Gemeinde im An­wachsen begriffen seien? Der Etat müffe besser in Fonds ausgebaut werden. Anleihen für die Zwecke der Straßen­pflasterung aufzunehmen, hielt er für verkehrt. Anleihen dürfe man nur für produktive Zwecke, die Gewinn brächten, auf­nehmen. Der Grund zum heutigen Verhalten sei in den Sünden zu suchen, die früher hier der Stadt gegen­über begangen worden seien. Eine Steuererhöhung wäre in guten Jahren viel leichter zu tragen gewesen, als jetzt bei dieser schlechten Zeit. Wamm habe man die Pflasterfonds aufgebraucht? Weil man nicht den Mut gehabt habe, an eine Steuererhöhung heranzutreten, die Bürgerschaft habe recht, nun heute darüber empört zu sein (lebhafter Widerspruch, besonders bei den Herren Hoffmann und Volz, der Vorsitzende ersucht um Mäßigung. Herr Hoffmann ruft, das, was Herr Hoch sage, habe man nun schon so viele mal gehört, er solle die Zeit nicht vergeuden. Wenn der Herr Vorsitzende sie nicht schütze, müßten sie es selbst tun. Der Vorsteher bittet die Zwischen­rufe zu unterlassen.) Stadw. Hoch fährt fort: daß man das Herrn Hoffmann gegenüber 100 mal werde sagen müssen.

Stadtv. O t t gibt Herrn Müller, welcher darauf hin- weist, daß man nun zur Generaldebatte, welche zu Anfang vermieden worden sei, gekommen sei, recht. Das sei auch s.Z. der Wunsch der Mehrzahl der Versammlung gewesen, diese bis zum Haupteiat hinauszuschieben. Herr Hoch habe wieder und immer wieder das ausgesprochen, was er schon zu wiederholten malen hier vorgebracht habe. Den Vorwurf, daß man nicht schon früher

__________________________________3. März.

zur Steuererhöhung geschritten, habe man nun schon oft genug gehört. Auch er sei überzeugt, daß man, wenn schon früher Erhöhungen in höherem Maße erfolgt wären, man auch heute genau vor derselben Frage stehen würde. Die Bürgerschaft sei nur dankbar, daß man mit den Erhöhungen bis heute ge­wartet habe. Der Pflasterfonds sei dazu angesammelt worden, um ihn zu verwenden, und das sei geschehen, nachdem bit Kanalisation beendet und die Straßen sich gesetzt hätten. Das die Sozialdemokratie hier Magistratspartei geworden sei, das merke man schon lange. Den Weg der Anleihe zu betretet; für Pflasterzwecke halte er nicht für einen »mge wohnlichen, andere Städte hätten denselben auch schon betreten und sei es gar nicht so fraglich, ob eint Anleihe für diesen Zweck genehmigt werden würde.

Stadtv. Loßberger ersucht um Vertagung der Verhand­lung, dieser Antrag wird abgelehnt. Herr Glaser bean­tragt Schluß der Debatte, welcher angenommen wurde.

Es folgt hierauf auf Antrag Hoch namentliche Abstim- mutig, worauf der Antrag Glaser, d. i. Abstrich von 17,500 Mk. für Straßenzwecke bei Bewilligung von nur 80000 Mk., mit 20 gegen 9 Stimmen angenommen wird. Der Zwischen­antrag wäre vielleicht zur Annahme gelangt, doch scheinet: verschiedene Mitglieder in kurioser Weise ihre Stimmen irr- iümlich dem Gegner zugewendet zu haben, zum mindesten die Stadtverordneten Reis und Dr. Wagner, welche, nachdem der Magistratsantrag gefallen, beut darauf am weitest gehenden ebenfalls nicht zustimmten.

Hue Stadt und £and.

Hanau, 3. März.

Aus dem Gerichts! aal.

Sitzung der Strafkammer i vom 1. März.

Ein weggeworfenes Gewehr.

Am 12. November v. I., abends gegen 11 Uhr, machte der Forstaufseber zu Enkheim einen Patrouillengang durch den Enkheimer Wald, in dem viel gewildert wird, und sah plötzlich zwei unberechtigte Nimrode vor sich, die aber auch ihn bemerkt hatten und bei seiner Annäherung die Flucht ergriffen. Er konnte sie trotz sofortiger Verfolgung nicht mehr einholen, fand aber am andern Tag an der beir. Stelle eine Jagdflinte, welche die Wilderer fortgeworfen hatten. Dieses Gewehr wird heute; nachdem festgestellt ist, daß es zum Wildern benutzt wurde, eingezogen.

Der Sohn die eigene Mutter erschossen.

Der in Frankfurt bedienstete Straßenbahnwagenführer Geißler war, als er noch in Bergen bei der Witwe Heß wohnte, ein großer Liebhaber von Schießwaffen. Er besaß zu Hause ein kleines Arsenal von allerlei Schießeisen, die vielfach geladen in der Wohnung herumgelegen haben sollen. Diese gefährliche Liebhaberei hat nun den Tod seiner früheren Logisirau zur Folge gehabt und zwar war es der eigene Sohn der Frau H., der seiner Mutter mit einem dieser Schießeisen den Tod brachte. Der 18jährige Sohn hatte von den erwähnten Schieß­werkzeugen eine geladene Stockflinte genommen und ging dw Treppe hinunter, als seine Mutter den gefährlichen Siock sah und ihm denselben abnehmen wollte. Sie zog an dem unteren Ende desselben, dabei kam der Griff, der die Ab« zugsfeder enthält, in die Hand des Sohnes und der Schuß ging los. Die unglückliche Frau erhielt die ganze Schrot­ladung in die Brust, sogar der Papierpfropfen von der Pa­trone saß in der Lunge. Sie verstarb nach kurzer Zeit im Kranken ause. Der fahrlässigen Tömng angeklagt ist nun der Straßenbahnschaffner G weil nach der Behauptung des Sohnes der erschossenen Mutter die Stockflinte geladen auf dem Vorplatz gestanden hat, wo sie ihm, als er einen Stock zum Fortgehen nehmen wollte, unbeabsichtigt in die Hände geraten sei. Der Angeklagte bestreitet aber, daß er die Stock­flinte geladen auf den Vorplatz gestellt hat und behauptet, der Zeuge habe sie jedenfalls selbst geladen und gespannt, er sei sogar im Besitz von Munition für die Flinte gewesen. Da der Zeuge der Mitschuld verdächtig ist, also wcht vereidigt werden kann und nicht zu erweisen ist, ob der Angeklagte die Flinte gespannt und auf den Vorplatz gestellt hat, wird der­selbe von der Anklage der fahrlässigen Tötung freigesprochen.

Diebstahl.

Der Taglöhner W. hier brachte dem Althändler St. am 11. November eine Partie altes Zink und ließ, als er sich allein in dem Lager befand, ein Stück Bleirohr unter der Jacke verichwinden, das er jedenfalls dem Händler nachher wieder verkaufen wollte. Mit diesem Geschäft war es aber nichts, denn eine Arbeiterin hatte ihn bei seinem Treiben be­obachtet. W., der sich im wiederholten Rückfall befindet, erhält 4 Monate Gefängnis.

Eine weitere Diebstahlssache wurde vertagt.

* Stadttheatev. (Benefiz Toran.)Msonna Vanna". Am Freitag findet das Benefiz unserer bewährten Heldin und Liebhaberin deS Fräulein Toran statt. Friul. Toran hat sich iu kurzer Zeit durch ihr vollendeteres ausdrucks­volles Spiel verbunden mit einem sehr sympathischen Aeußern bie größte Beliebtheit deS Publikums errungen. Ihre fein­durchdachten Leistungen, von denen wir nur kurz die bedeu­tendsten erwähnen wie:Beate" (Es lebe das Leben),Giu­ditta" (Zwillinasschwester),Stine" (Ueber den Wassern), Milford" (Kabale und Liebe),Beatrice" (Viel Lärm um Nichts) undPorzia" (Kaufmann von Venedig) waren glän- z-nde Proben ihrer vortrefflichen Darstellungskunst. An ihrem Ehrenabend hat sie die bedeutendste literarische Schöpfung der letzten Zeit, Maeterlinck's gewaltiges Schauspiel:Monna Vanna" gewählt und sich hiermit eine künstlerische Aufgabe gestellt, welche ihr ganz besonders Gelegenheit zur Entfaltung ihres schönen Könnens bietet. Die Aufführung dieser hervor­ragenden Novität verspricht einen hochinteressanten Theater- Abend.

* Städtische Badeanstalt. Im Monat Februar 1903 wurden an Bädern abgegeben: Kl. I.: 78, Kl. II.: 133, ÄL UI.: 692, Douchebâder : 19, Römisch-Irische Bäder: 85.