Erstes Blatt
anauer w
Bezugspreis: kicrtkliâhrLch 1,80 Mk^ Monatlich 60 Pf^., für ai:L- »«rige Abonnenten mit best betreffenden Posiaufschlag. Lie einzeln; Stummer kostet 10 Pfg.
Sirndt und verlegt in der Duchdruckcrei de? »nein. er.
General-Anzeiger.
Amtliches Organ für Stadt- und Landkreis Kanan.
Einrückungsgednhr:
~ är Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gehaltene Petitzeile oder deren Raunr, für ÄxswânS 19 P'g., nn Reklaurenthcil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Waisenhauses in Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
De.antwortl. Redakteur: G. Schrecker in Hanau,
Nr. 204
Fern preu aus bluß Nr. 605»
Mittwock den 2. September
Fernsprechauschluß Nr. 605. 1903
Amtliches.
Eandkreis Danau.
Bekanntmachungen des Königs. Landratsamtes.
In A l t w i e d e r m u s, Kreis Büdingen, ist die Schweineseuche ausgebrochen und die Gehöftsfperre angeordnet worden.
Hanau den 31. August 1903.
Ter Königliche Landrat.
V 6993 J. A.: Conrad, Kreissekretär.
Zwangsversteigerung.
Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in der Gemarkung Hanau belegene, im Grundbuchs von hort Band 50 Artikel 2950 zur Zeit der Eintragung des Derfteigerungs- vermerkes auf den Namen des Juweliers Gustav Sommer, Goufrieds Scbn, in Hanau eingetragene Grundstück:
Kartenblatt U, Parzelle 367/8 a, Friedrichstraße Nr. 7,
Wohnhaus mit Hansgarten = 4 ar 43 qm, 1350 Mk. Nutzungswert,
am 30. Oktober 1903, vormittags 10 Uhr, durch dar un:erzeichnete Gericht/ an der Gerichtsstelle, Marktplatz 18, Zimmer ?kr. 14, versteigert werden.
Hanau den 18. August 1903.
Königliches Amtsgericht 2. 15236 r^HueStadtundl^^
Hanau, 2. Septbr.
L, Levan. Lie öffentlichen Gebäude tragen heute HlägWsch:Mck. In den Schulen fanden Festakte statt.
* Maintanalisternng. Nach sicherem Vernehmen ist die Konferenz der Mainuferstaaten nun für Ende September in Aussicht genommen. Die Konferenz findet in Nürnberg statt.
* Naturalien-Ankauf. Das Königliche Proviantamt in Hanau hat mit dem Ankauf von Roggen und Hafer begonnen ; auch wird der Ankauf von Heu, Roggen-Flegel- und Roggen-Maschinenstroh nach Maßgabe der verfügbaren Räume fortgesetzt. Die Lieferungen haben frei Magazinhof Hanau auf Gefahr des Verkäufers zu erfolgen. Die Getreidearten müssen gesund, trocken, ohn« Staub oder Sand, möglichst frei von Besatz und gründlich gereinigt sein. Die Einsendung von ungeschmeichelten Proben von ^2 Liter nebst Mitteilung, wann und wie viel geliefert werden kann, ist erforderlich. Wenn bei großer Entfernung die Lieferung mittelst Landfuhre unmöglich ist, dann empfiehlt es sich, daß mehrere Landwirte sich zu einer gemeinsamen Lieferung per Waggon vereinigen und aus ihrer
Feuilleton.
Seit Saale und Unstrut. Skizzen aus dem Gelände des Kaisermanövers.
Vs» ttw Leonharot.
(Nachdruck wbotm.)
Wer von Berlin Thüringen, dem Herzlande Deutschlands, zustrebt, der hat erst bis Halle zwei Stunden ziemlich interesse- .oser und eintöniger Fahrt zu überwinden. Aber lehr bald nach der alten Salz- und Musenstadt beginnt der Charakter der Landschaft sich zu verändern. Sie wird belebter und mannigfaltiger, die thüringischen Waldbergr irndm ihre ersten Vorposten in die Ebene hinaus, Burgen grüßen ad und zu von den Hügeln, an Städten mit altehrwürdigen historischen Namen eilt der Zug vorbei und stolze Schlösser und Dome spiegeln sich in der stattlichen Saale. Es ist der große, ur- alte, Deutschland von Ost nach West durchquerende Heerweg, dem die Eisenbahn hier folgt, und noch h««t beweist der riesen- hafte Verkehr auf ihren Geleisen, daß die alte Straße ihre Bedeutung bis heut behalten hat. Einst führte sie al- der „Königsweg" von Leipzig über Merseburg, Freyburg an der Unstrut, Erfurt und Eisenach nach Frankfurt; seit aber im 15. Jahrhundert bei KSsen eine steinerne Brücke erbaut worden war, ging sie in das Gaaletal hinab, dem ii? noch heut folgt. Die große Bucht des norddeutschen lieflandes schiebt sich hier in das thüringische Bergland hinein; so ist hier die Verbindung zwischen diesm beiden geographischen Gebieten am leichtesten und darum ist diese Gegend in der Kriegsgeschichte DeMschlands von jeher non der größten Bedeutung gewesen. Hier hat Heinrich I. den Ansturm der Ungarn zmückgeschlagen, hier hat Gustav Adolf sein Leben aus der Btahlstatt gelassen, hier hat Friedrich dec Meoft« bei Roßbach den Popanz bei Reichs armer vernichtet, hier haben sich oon ■ üben bis Gr.
Mitte einen Vertrauensmann (Bevollmächtigten) wählen, der dann mit dem Proviantamt in Verhandlung tritt. Hierbei ist es vorteilhaft, wenn die Bürgermeister die Sache selbst in die Hand nehmen und sich der klemm Mühe unterziehen. Dm Produzenten wird in jeder dienstlich zulässigen Weise entgegen gekommen, auch werden auf Wunsch Magazinsäcke zur Verfügung gestellt. Bei Bahnsendungen wird die Bahnfracht ver- anslagt sowie die Abfahrt von der Dahn übernommen; letztere kostet 6 Pfg. pro Zentner Roggen oder Hafer und 15 Pfg. pro Zentner Hm oder Stroh. Die Adresse für dm Fracht- Brief ist: Hanau Nord. Jede weitere Auskunft wird bereitwilligst von dem obm genormten Amte mündlich wie schriftlich erteilt. Geschäftsleute wollen ihre Adresse bei dem Proviantamts niederlegen, damit letzteres direkte Aufforderungen über- smden kann. Auch hat der Ankauf von Hülsmfrüchten und Zwiebeln seitms der Konservenfabrik in Mainz begonnen. Etwaige Anfragen sind an die genannte Fabrik oder an das Proviantamt Hanau zu richten.
* Stenerverhâlttttsse. Don dm im Jahre 1902 in Preußen abgegebenen Steuererklärungen sind 28 Prozent beanstandet worden. Bei 78 Prozent der Beanstandung erfolgte eine Erhöhung der Steuerbeträge. (gegenüber den Angaben wurde an steuerpflichtigem Einkommen rund 250 Mill. Mark oder 28 Prozent und an Einkommensteuer rund 8 V, Mill. Mark oder 32,5 Prozent mehr veranlagt.
• Städtische Badeanstalt. Im Monat August 1903 wurdm an Bädern abgegeben: Kl. I.: 64, Kl. H.: 229, Kl. HL: 925, Touchebäder: 5, Römisch-Irische Bäder: 3. Zusammm: 1226 Bäder. Die größte Zahl der abgegebenen Bäder betrug 113 am 9. August; die kleinste Zahl der ab« gegebenen Bäder betrug 14 am 17. August — Das Römisch- Irische Bad war vom 3.-30. August wegen Reparatur ge- schlossen.
* Aerzteverein. Im Hörsal der chirurgischen Klinik in Marburg wurde am Sonntag die General-Versammlung des Aerztevereins für den Regierungsbezirk Cassel abgehalten. Gegenstand der Verhandlungen bildeten Verbands-Angelegenheiten.
* Sedanfeier. Am vorigen Samstag feierten die Be- amtm und Arbeiter der kgl. Pulverfabrik die alljährliche Sedanfeier. Trotz der frühen Witterung war die Stimmung eine recht heitere, jung und alt amüsierte sich aufs beste. Herr Major M i e ß n e r, Direktor der kgl. Pulverfabrik, hielt eine recht markante Ansprache und schloß mit einem Hoch auf Seine Majestät dm Kaiser. Der Festplatz war in schönster Weise geschmückt. Neben Kinderspielen und Karussell konzertierte die Hanauer Stadtkapelle (Lestung: Herr Cen in er), welche das aufgestellte Musikprogramm ganz vorzüglich erledigte, folglich vielm Dank und großen Beifall erntete. Bei eintretenber
Görschen 1813 die Verbündeten in furchtbarem Kampfe mit ihrem großen Feinde gemessen. Auf Schritt und Tritt stoßen wir hier auf die Spuren unserer nationalen Geschichte.
Von Halle an bildet die Saale einen sanften Bogen, und da, wo sie nach Süden zurückweicht, um an der herrlichen Dornbmg vorüber Jena und Saalfeld und dem Lande der Fraukm zuzufließen, da setzt die musengeliebte Ilm die Richtung des Saaltales fort Zieht man zu diesem Floß- bogen die Sehne in Gestalt einer geraden Linie, die etwa von Halle nach Erfott geht, so hat man das Gebiet annähernd umgrenzt, auf dem sich diesmal das große und belebte Schauspiel des Krieges im Frieden vollziehen wird. Die rasch« Unstrut, die, um die Schmücke zu umgehen, einen großen Umweg nach Nordm macht, schließt in ihrem Oberlaufe samt der Gera das Monövergelände westltch ab, während sie es in ihrem Unterlaufe durchquert. Dart liegt daun Fntzbmg, in diesm Tagen ein wichtiger strategischer Punkt, wie schon einst in denm Ludwig des Springers, der hier um 1090 herum eine Burg anfegte, — Frrpburg, die Stadt des wunderlich-biederm Jahn und des perlmdm Sektes, ein rrizmd«S, altes, malerisches, von Zinnen und Türmen überragtes Städtchen.
Manövergelinde werden nicht nach Rücksichten der land« schaftlichm Schönheit noch deS historischen oder künstlerischen 3tOere[feb, sondern lediglich nach militärischen Gesichtspunkten gervâhlt. Aber das Gelände der diksmaliaen Kaisermanöver vereinigt mit den Eigenschaften, di« der Militär erfordert, die Schönheit der Natur, den Reichtum der Erinnemngm und der Kunstschätze. Es ist ein reizendes und höchst mannigfaltiges Hügelland mit lief eingeschnittenen Flußbetten, klaren hurtigen Bächen, rallschmden Wäldern, «in land voll sanfter Schönheit, d!« sich doch gelegentlich bis dicht anS Großartige steigert, ein Land voll alter Kultur und intensiver Bebauung. L eine landschafittch schönste Stelle liegt etwa in der Mitte des großen Flußbogens, »on dem wir sprachen. Es ist die berühmte Stelle bei der Rudel-burg und der Saaleck. Schad-
Dunkelheit zogen die sämtlichen Festteilnehmer mit Musik in den Saal, woselbst dann noch dem Tanze gehuldigt wurde.
* Biwack. Das Thüring. Ulanen - Regiment Nr. 6 kochte heute morgen auf dem Exerzierplätze ab. Das eine Vorübung zu dem Manöverleben bildende militärische Schauspiel nahm um 10 Uhr seinen Anfang.
’ Kunstnotiz. In den Her m es 'schen Gemälde-Sälen in Frankfurt a. M., Göthestraße 37, hat der Mailänder Gaetano Previati eine große Ausstellung von 32 seiner Gemälde veranstaltet, die das berechtigtste Aussehen er« regen, die neu arrangierte September-AuSstellung enthält ferner 6 Gemälde des Holländers Jacob Smits, 5 Landschaften des Dänen K a l l st o n i u s, eine Kollektion von 10 Bildnissen Franz v. Lenbach's, 6 hervorragende Werke von Tr. Hans Thoma und Schöpfungen von Franz Coarte n s, Viktor G i l s o u l, Paul Mathieu, Franz Stuck, Max Li.ebermann, G. Schönleber, G. Max, Ed. Grützner, Jos. W e n g l e i n, Jo'. Brandt, F. v. Defregger, H. Zügel und vielm anderen mehr.
* Sommertheater. Heute abend wird das einaktige Liederspiel „Bergler Blut" gegeben. Diesem folgt die^beliebte breiartige Posse mit Gesang „Aus Liebe zur Kunst".
* Kellersest. Auf der „Schönen Aussicht* in Kessel- stadt findet nächsten Freitag ein Kellerfest statt. An Unterhaltung wird kein Mangel sein.
• Stenographie. Der neue Oberpräsident von Hessen- Nassau, v. Windheim, ist nach einer Meldung aus Frankfurt a. O. dem Ehrmaurschuß des demnächst in Frankfurt a. M. statlfindcnden Stenozraphmtags Stolze-Schrey beigetreten.
* Mißhandlung. Einem in der Sprssaristraße woh- nenoen Landmesser wurde gestern abmd von einem mit ihm im gleichen Hause wohnenden Ingenieur aufgelauert und ihm schwere Mißhandlungen beigebracht.
* Feuer in Bruchköbel. Gestern nachmittag hatte unser Nachbarort Bruchköbel eine Feuersbrunst zu verzeichnen. Tas Feuer brach in der Scheune des Landwirts Heinrich Horst II., Kellereistraße Nr. 3, aus und legte diese wie auch die Stallung in Asche. Wie bereits feststeht, ist das Feuer durch den vierjährigen Knaben eines Maurers verursacht wordm. Derselbe schlug in der Scheune kleine Papierzünd- blittchen auf, wodurch daS verstreut umherliegende Stroh in Brand geriet.
* Mainwasserwärme vom 1. Septbr: Morgens 15, mittags 161 /», abends 17 Grad.
« *
N. Kesselstadt, 1. Septbr. (Turnerisches.) Am Sonntag den 30. v. Mts. Hielt der hiesige Turnverein ein Zöglings-Preisturnen ab. Aus den seitens der jungen Leute dargebotmen Uebungen ließ sich erkennen, mit welch großem
daß die große Mehrzahl der Wanderer, die alljährlich diesm poesteumwobenen Fleck Erde aufsuchen, sich in der Regel mit dem Wege von Köfm zur Rudelsburg begnügen. Dmn schöner vielleicht noch ist der eigentliche Saalecker Talkessel, in d-m der Fluß, tiefe und höchst romantische Schluchtm bildend, durch die Felsm bricht, während in weitem und sanftem Schwungs schön bewaldete Höhen das Tal abschließen, aus dem überall wieder, hier und dort, die unablässig sich windende Saale hervorblinkt. Unbe'chreiblich schöne Blicke bieten sich da von den Höhen, wie z. B. von jenem ^Himmelreich" über Saaleck, das diesen 'einen Namen nicht so ganz zu Unrecht trägt. DaS sind Blicke von jener milden Schönheit, Blicke in ein wohlbestelltes und wohlgeordnetes Leben, wie sie Goethe liebte; nirgends Wüste — außer etwa da, wo eine unterer herrlichm modernen
Fabrikm die Berge erbarmungslos zerschlägt, um ihren Stein zu verarbeiten —, nirgends tote, leere Punkte, freilich auch nirgmds Niesmhaftigkeit, große Dimensionen und gewaltige Nat«rersch«t»ungtn. An di-ler Stelle treten die Züge dieses thüringischen Landes am schärfsten und reichsten in die Erscheinung, aber, mannigfach gewandelt, wiederholen sie sich in diesem ganzen Bezirke in ungezählten lieblichen und wohl-
abgeqrenzten Bildern.
Dies ist ein Land zum Wandern und zum Schwärmen. Hier findet man noch stille alte Städte und Stâdtchm, die von dem geruhigen und natürlichen Lehm vor hundert Jahren erzählen. Wer Auge dafür hat, der sieht an einfachen Fassaden von Bürger- und Bauernhäusern, an TârNinkm, Garten- bänken, Fmsterrahmen, Lauben und hundert ruderm Dingen die Zeugnisse jener geiunden einfachen Schönheit eines echt
bürgerlich«« Stiles, ......,. . . mächtigen versuchen. Richt zu pergeffen jene entzückenden Weinbmgshüuschen, die bier in wn Weingärten aus halber Höhe, mit dem feinsten Blicke für Page nnd Wirkung, mo doch mit den einsamsten Mitteln hergeftekt, finden und die Landschaft mit heiterem Behagen er«
^ oft füll«-'.
Heut bat Kanmburq, hat Erfurt laich« rrizmde