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Aus Stadt und Cand,

Panait, 2. März.

Verliehen. Dem Ober-postschaffner Wilhelm ist anläßlick seines SLeideus ans dem kaiserlicken Postdienst von Sr. Majestät dem Kaiser das Kreuz des Allgemeinen Ehren­zeichens verliehen worden.

Landwirtschaftlicher Kreisverein Hanan. Die am Samstag im Gasthaus zum Löwen abgehaltene Ver­sammlung des landwirtschaftlichen Kreisvereins Hanau war außerordentlich stark besucht, was wohl der reichhaltigen, wie auch der interessanten Tagesordnung zugeschrieben werden konnte. Unter geschäftlichen Mitteilungen referierte der Vor­sitzende Herr Landrat Dr. v. Beckerath zunächst über die zur Unterstützung an Gemeinden für Bullenbeschaffung zur Ver­fügung stehenden staatlichenMittelund gabdie näheren Bedingungen bekannt. Zur Teilnahme an Baumwärterkurien ist nur eine Meldung aus Ostheim eingelaufen, jedoch mit dem Wunsche, den Kursus in Friedberg zu ab'o'vieren. Ob dem Wunsche unter Gewährung der Beihilfe willfahrt werden kann, hat noch der Kreisausschuß zu entscheiden. Hierauf hielt Herr Direkior Schoppmann von der landwirtschaftlichen Winterschule zu Fulda einen Vortrag überWirtschaftsfragen", der sich hauptsächlich über die aktuellen Punkte verbreitete, wie unter den oegenwâriigen Verhältnissen es sich ermöglichen läßt, einen andauernden Reinertrag zu erzielen. Der Vortrag wurde dankbar und mit Interesse ausgenommen. Der Herr Vor­sitzende spendete dem Referenten für die vielseitigen Anregungen warme Worte der Anerkennung. Inzwischen waren noch ver­schiedene Gäste eingetroffen, so u. a. Herr Oekonomierat R e x e r o d t Gaffel, der Unterverbandsdirektor der ländlichen Genossenschaften im Kreise Hanau Herr Pfarrer S â licht - Rückingen, Herr Amtsrichter Dr. Lucas-Langenselbold, der gemeinsame Reichstagskandidat der Konservativen und Rational- liberalen. Der Herr Vorsitzende begrüßte dieselben mit herzlichen Worten, worauf Herr Dr. L u c a s in kerniger Weise antwortete, seinen Standpunkt als Reichstagskandidat und seine Stellung kurz präzisierend. Langanhaltender Beifall wurde ihm zu teil. Zum Schluß folgte ein Vortrag des Herrn Oekonomierat Rexe- robt über die hiesigeKornhausgenoffenschaft. Die ârnbaus- frage ist für Hessen brennend geworden, da mit diesem Jahre die fünfjährige Pachtperiode mit dem Staate, der 500 000 Mk. für die hessischen Kornhäuser aufgewendet hat, abläuft. Es fragt sich nun, ob die Pachtverträge erneuert oder der Staat die Kornhäuser zurücknehmen soll. Zunächst ging Herr Rexe- rodt^er auf den Wert der Kornhäuser ein und zeigte an der Hand von Statistiken, daß der genossenschaftliche Absatz in den Kornhäusern sich von Jahr zu Jahr gesteigert habe und der Landwirt, der große wie der kleine, die Vorteile des Korn- hauses in steigendem Maße erkenne, denn dasselbe bilde zu­gleich einen Preisregulator für die ganze Gegend, und die Zu­kunft werde es lehreu, daß es ein Glück sei, in den Korn- häusern diesen Preisregulator zu besitzen. Hierauf erläuterte der Referent die Bedingungen, unter welchen dem Kornhaus Beigetreten werden kann. Der Geschäftsanteil ist mit 50 Mk. bemessen, die Haftsumme beträgt 1000 Mk. Auf Grund der Geschäftsanteile wird auch der Gewinn verteilt. Die Verwaltung behält auch fernerhin die landwirtschaftliche Zentraldarlehenskaffe, die auch 50° jo des Risikos übernimmt. Falls nun nicht genügend Geschäftsanteile gezeichnet werden, beabsichtigt der Staat, die Kornhäuser zurückzunebmen. Der genossenschaftliche Sinn der bäuerlichen Bevölkerung unseres Hessenlandes würde aber schon dafür sorgen, daß die Korn­häuser fernerhin erhalten bleiben, wie auch schon das Resultat der Anteilzeichnungen für die anderen vier Kornhäuser deutlich erkennen laffe. Die gegebenen Anregungen fielen auf günstigen Boden. Alle Redner waren sich einig darin, daß das Korn­haus Hanau erhalten bleiben müsse, denn es habe sicherlich äußerst segensreich gewirkt. Die in der Debatte gefallenen Worte wurden zusammengefaßt in eine Sympathiekundgebung, die folgenden Wortlaut hatte und einstimmig angenommen wurde:Der landwirtschaftliche Kreisverein erachtet das Kornhaus zu Hanau als eine für die Land­wirtschaft des Kreises unentbehrliche Anstalt und empfiehlt seinen Mitgliedern, sich an demselben zu beteiligen und an dessen Aus­bau tätigen Anteil zu nehmen. Von Interesse dürfte sein, daß nach dem neu ausgearbeiteten Statuten der hessischen Kornhausgenossenschaften der Verkauf von Futter- und Dünge­mitteln nur an Genossenschaftsmitglieder erfolgen darf. Kurz vor 7 Uhr abends wurde die äußerst anregend verlaufene Versammlung geschlossen.

§ Turnerisches. Um durch gemeinsames Turnen sich gegenseitig anzuregen, die von dem Einzelnen erdachten U bungen zum Gemeingute aller zu machn und dadurch fort- bildend auf die Gesamtheit zu wirken, haben sich eine Anzahl Vorturnerschaften des Mittelrheinkreises zu einer freien Ver­einigung zusammengeschlossen, die von Zeit zu Zeit in den verschiedenen Städten abwechselnd zusammenkommt. Gestern fand im Vereinshause der hiesigen Turngemeinde eine dieser turneri chen Zusammenkünfte statt. Das Turnen, das von 3 AlO Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags währte, zerfiel in 5 Abteilungen: Allgemeine Ordnungs- und Keulenübungen, Turnen der einzelnen Vorturnerschaften, volkstümliches Turnen (S'.urmhoch), allgemeines Riegenturnen und Kürturnen. Es Beteiligten sich hieran die Vorturnerschaften von: Turngemeinde Hanau, Turngesellschaft und Turnverein Offenbach, Turn- u. Fecktklub. Turngemeinde und Turnverein Frankfurt, Turn­vereinVorwärts" Bockenheim, Turnverein und Männerturn­verein Gießen, Turnverein Biebrich a. Rh., Turngesellschaft und Männerturnverein Wiesbaden, Turnverein Kastell, Turn­gemeinde Bornheim und Turngèmeinde Darmstadt. Vom Kreis­ausschuß waren anwesend erster Kreisoertreter Schmuck-Darm­stadt und zweiter Kreisoertreter Schatt-Hanau, vom Turn­ausschuß die Herren Meller-Bockenheim und Gräser-Frankfurt. Die Leitung lag in den Händen des zweiten Turnwarts der Turngemeinde Hanau Herrn Karl Röhler. Wie bei dem hier vertretenen vorzüglichen Material nicht anders zu erwarten, wurde in sämtlichen Abteilungen äußerst exakt und mit wenigen Ausnahmen wirklich mustergiltig geturnt. Besonders bei den

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Geräteübungen konnte man sowohl in Bezug auf geschickte Ausarbeitung als auf präzise und sckneidige Durchführung bewunderungswürdige Leistungen beobachten und eS hat ein jeder sicherlick viel neues gesehen und gelernt und manche fruchtbare Anregung mit nach Hause genommen, um sie zum Vorteil seines Vereins zu verwerten und der Gesamtheit nutz­bar zu machen. Die Einrichtungen der neuen Turnhalle fan­den den ungeteilten Beifall aller auswärtigen Turner.

* Stadttbeater. Wochenspielplan: Mittwoch: »E v a". Freitag: Benefiz für Fräulein Toran. Zum ersten Male: M o n n a Vann a", Schauiviel in 3 Auszügen von Mau­rice Maeterlinck. Sonntag:Alt-Heidelberg".

* Kunstinbustrie-Berein. Am nächsten Donnerstag den 5. März findet der lente Vortrag des Kunstindustrie- Vereins in dieser Saison statt und zwar wird Herr Prediger Voigt aus Offenbach überDie Entwickelung der Lebewesen nach Darwin" sprechen.

* Ausschuf; für Bolksborlesuugen. Die nächste Vorlesung des Herrn Prof. Mannb ei mer überDie Welt- rätsel", findet am Dienstag den 3. März, abends 8'/» Uhr, im Stadtschtoß statt.

* Gesellenprüfung. Diejenigen Lehrlinge, welche das Zimmer-, Böttcher-, Dr chsler- und Steinmetzgeschäft erlernt und demnächst ihre Lehrzeit beendet haben, werden hiermit ersilcht, sich baldmöglichst zur Gesellenprüfung bei dem Vor­sitzenden der Prüfungskommission Herrn Zimmermeister Karl Thorn, Vor der Kinzigbrüche 18, anzumelden. Nack § 131c der Reichsgewerbeordnung ist jeder Lehrling verpflichtet, sich der Gesellenprüfung, bei Vermeidung einer Strafe, zu unter­ziehen. Die Prüfung muß vor beendigter Lehrzeit erfolgen.

* Kriegsgerichts - Sitzung. Zwei Ulanen W. und S. von der 2. Esk. des Ulanen-Regiments Nr. 6 haben einen Unteroffizier, der noch kurz vorher Gefreiter war, in einer Wirtschaft beleidigt und ihm gegenüber die Achtung verletzt. Der eine wird deshalb zu vier Wochen Mittelarrest, der an­dere zu fünf Tagen Mittelarrest verurteilt.

* Als Leicke gelândet wurde gestern mittag gegen 4 Uhr aus der Kinzig, und zwar im Waldorte Bulau,. der seit Mittwoch vermißte Kaufmann Adolf R. An der fraglichen Stelle der Fischerei obliegende Personen hatten eine männliche Leiche im Wasser liegen gesehen und die Meldung der hiesigen Polizei überbracht, die die zuständigen behördlichen Stellen da von benachrichtigte. Nach Ankunft des Gutsvorstehers der Oberförstern Wolfgang wurde die Leiche aus dem Wasser ge­zogen und dieselbe als die des vorgenannten Kaufmanns an­erkannt. Bei der Leiche fand man auch drei vers lossene Briefe, von denen der eine an den Prinzipal L. in Frankfurt a. M., ein anderer an seine Braut und ein dritter nach seinem Heimatsort gerichtet war. Die Taschenuhr stand auf einige Minuten vor 11 Uhr, zu welcher Zeit also die Tat vor sich gegangen ist. Nach Erledigung der erforderlichen Forma­litäten wurde die Leiche nach der Friedhofskapelle in Hanau verbracht. Was den Mann, der sich der Achtung seines Chefs zu erfreuen hatte, in guter Stellung sich befand und außerdem am 15. ds. Mts. seine Hochzeit begehen wollte, zu der Tat getrieben hat, ist völlig unergründlich. Sein Heimats­ort ist Mommenheim bei Mainz. Hier in Hanau war er seit vielen Jahren tätig.

* Der heftige Sturm, der auch hier vom Samstag auf Sonntag tobte, richtete mehrfach Schaden an. Aus Kahl wird berichtet, daß dortselbst das ganze Bahnhofsgebäude ab­gedeckt wurde. Ganze Teile vom Dache flogen auf den Bahn­körper und mußten erst entfernt werden, ehe die Züge passieren konnten.

* Feuer. In Hause Frankfurter Landstraße Nr. 4 brach Samstag abend gegen/*8 Lhr Feuer aus, das den östlichen Teil des Dachstuhles einâi^erte. Das Haus gehört dem Privatier Herrn Hch. Schäfer. Ueber die Enistehungs- ursache ist nichts besannt. Am selben Abend glaubte man, in der Gegend von Niederrodenbach sei ebenfalls Feuer aus­gebrochen. Jedoch traf dieses nicht zu, der Feuerschein rührte vielmehr von Freudenseuern her, die im Freigericht zur Papst­feier abgebrannt wurden.

* Berichtigung. In voriger Nummer brachten wir unter der Rubrik Auszüge aus dem Amtsblatt der königl. Re­gierung irrtümlicher Weise die Notiz, daß die in Wachmbuchen und Mittelbuchen belegenen, den Eheleuten Johannes Müller gehörigen Grundstück am 3. April im Wege der Zwangsvoll­streckung verkauft werden sollen. Laut Beschluß des königl. Amtsgerichts 2 hierselbst vom 12. Februar ist das Verfahren in der vorgenannten Zwangsversteigerungsfache eingestellt und der Versteigerungstermin aufgehoben worden.

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X. Langendiebach, 1. März. (Frohe Meldung.) Der Klapperstorch ist wieder da, ein Zeichen, daß auch der Frühling bald seinen Einzug halten wird. Derhohe" Herr hat gestern bei uns seinen Einzug gehalten und ist augenblick­lich damit beschäftigt, die früheren Quartiere auf den bekannten alten Türmen wieder in Stand zu setzen. Auch die Schul­jugend ist über das Eintreffen des MeistersLangbein" sehr erfreut und jubelt ihm in bekannter Weise freundlichst zu. Im vergangenen Jahre traf Freund Adebar bereits am 24. Februar hin ein.

Sprecht aal.

Für die unter dieser Rubrik eingesandten Notizen übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.

Wie kommt es, daß der von Herrn Oberlehrer Honsel ge­dichtete und von Frau Gerlach am 2. Februar im Theater zur Altstadt-Jubelfeier gesprochene Prolog nicht imAnzeiger" gedruckt erschien? Wäre das Versäumte nicht noch nach­zuholen ? Mehrere Abonnentinnen, die den Prolog gerne lesen möchten.

Zus JMab und fern.

r.- Marburg, 1. März. Die hiesige' katholische Ge­meinde hielt heute abend in den Museumslälen eine Festseier des 25iährig$n Papstjubiläums Leo XIII ab. Ansprachen hielten Professor Leimbach-Fulda und Pfarrer Weber-Marburg.

______________März.

In Stausebach bei Kirchhain brach heute abend Feuer aus. Es feilen bereits zwei Sckeun n ab-wbrannt fein.

Wetzlar, 27. Februar. Ein Teil unserer alten Stadt­mauer hat sich in gefahrdrohender Weise gesenkt. Der Re­gierungspräsident hat die Abtragung des betreffenden Teils genehmigt.

Koblenz, 28. Februar. Der Sturm richtete heute viele Verheerungen an Gebäuden an, u. a. wurde der Turm­knauf der Barbarakircke abgewetzt. Eine Feuersbrunst legte in Alf a. b. Mosel ackt Gebäude in Asche.

- Seligenstadt, 1. März. Bedemendes Auf ehen er­regt in unterer Stadt das rätselhafte Dnschwinden des dem TaunusstädlckenCroneberg entstammenden hiesigen Metzgermeisters und Gastwirts Karl Kilb, seit etwa 6 Monaten Besitzer des altrenommierten GasthausesZum Hirsch." Derselbe verab­schiedete sich am lchten Donnerstag in der ausgesprochenen Absicht, bei einem nahen Anverwandten zu Frankfurt a. M. finanzielle Angelegenheiten ordnen zu wollen, mit einem erheb­lichen Barbetrage von seiner jungen, ihm erst kurz nach seiner Etablierung angetrauten Gattin und wird seitdem vermißt. Mehr- facke Drahtanfragen bestätigten die Vermutung, daß er wederden beabsichtigten Ressezweck erfüllte, noch etwa bei anderen Ange­hörigen seiner Heimatgemeinde ein traf. Der mysteriöse Ver­bleib des unternehmungslustigen Geschäftsanfängers gab unten der Bevölkerung Veranlassung zu den verschiedenartigsten, für den Berichterstatter vorerst unkontrollierbaren Kombinationer.

Darmstadt, 1. März. Die Entwicklung der Darm­städter Möbelindustrie schreitet rüstig vorwärts. So sah sich

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