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2. »Februar

sondern er bat vielmehr die etwas schwerfällige germanische Masse in Bewegung gesetzt, er bat anregend und beschleunigend auf die Entwickelung der materiellen und geistigen Kultur unserer Bevölkerung gewirkt, und der P'yckologe, der den Eigenkeiten des Dolkscharakters nackgeht, wird noch manches Erbteil der einstigen Fremdenkolonisation in der jetzt völlig deutschen Stadt finden.

Hanau hat im Laufe der Zeit manches gekrönte Haupt in seinen Mauern gesehen, allein drei schwedische Könige, Gustav Adolf im dreißiqjäbriqen Kriege auf der Höhe seines Ruhmes und Erfolges (1632), Karl XII. auf seinem berühmten Ritt von Bender in der Türkei nach Stralsund (1714) um seines Königreiches sich wieder anzunehmen, und Gustav Adolf IV., den entthronten König von Schweden, Großvater der Königin- Witwe Karola von Sachsen, eine der tragischsten Gestalten der neueren Geschichte. Bei seinem Aufenthalt in Hanau konnte er 1815 die Kosten seines Aufenthaltes imRusen" nickt bestreiten und mietete sich in einem Privathause der Frank- furterstraße ein. So hat Hanau und insbesondere das Gast­haus zum Riesen, wo auch Napoleon I. Aufenthalt genommen, binnen kurzer Zeit zwei Fürsten beherbergt, die von der Höhe ihrer Stellung herabaestoßen, dazu ausersehen waren, fern von der Heimat den Rest ihres Lebens unter widrigen Schicksalen zu verbringen. Auch als letzter Aufenthaltsort des 1866 entthronten Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Hessen vor seiner Ueber- siedelung nach Prag ist es ein Zeuge dafür, daß selbst den auf der Höbe der Macht Wandelnden härtestes Geschick nicht fern zu bleiben pflegt.

Aus kleinen Anfängen hat sich Hanau herausgearbeilet. Das erkennen wir, wenn wir dem noch heute erkennbaren Lauf der ältesten Stadtmauer folgen. Das sehen wir auch, wenn wir uns die Bmöikerungsziffer der früheren Jahrhunderte bis auf die Neuzeit vergegenwärtigen. Während man im 14. Jahrhundert die Seelenzrhl Alt-sianaus auf ungefähr 800 annchmen kann, findet? wir am Antang des 17. in der Alt­stadt (ohne Neu-Hanau) ungefähr 3000 Einwohner. Die ent­wickelungsfähigere und lebenskräftigere Neustadt überholte es bald, namentlich durch den bis tum Beginn des dreißigjährigen Krieges starken Zuzug von außen. Der große deutsche Krieg hemmte naturgemäß das Fortschreiten der beiden Städte; PJt und Hungersnot und schwere Belagerung unter Lamboy min­derten ihre Einwohnerzahl beträcktlich. Für das 18. Jahr­hundert kann man eine sich fast gleichbleibende Zahl von 11= bis 12000 annehmen, wovon gut zwei Drittel' auf die Neu­stadt entfallen. In der napoleonischen Zeit und nach derselben geht die Ziffer zurück; 1825 finden wir in den beiden Städten nur 10388 Einwohner. Die Zunabm: der Stadt Hanau naâ der Bereinigung von Alt- und Neu-Stadt, die im Jahre 1833 stattfand, wird durch folgende Zahlen veranschaulicht. 1834 hatte Hanau 13 983 Einwohner; 1837: 14834; 1840: 17 433; 1848: 14 923; 1846: 15 265; 1849: 15 648; 1852: 16690; 1855: 14544; 1858: 15361; 1861: 15 803; 1864: 16427. Von da an geht es rascher auswärts: 1871 wurden 20 292; .1895: 27 653 und 1900: 29 846 Seelen gezählt, worunter sich 1921 reichsangehörige aktive Militärpersonen befanden. Don der am letzteren Datum orlS- anwesenden Bevölkerung waren 15134 männlichen und 14715 weiblichen Geschlechts. Gezählt wurden gleichzeitig 2077 be­wohnte, 36 unbewohnte Wohnhäuser, 57 andere bewohnte Baulichkeuen u. f. w.; 6631 gewöhnliche und Einzelhaus- haltungen und 31 Anstalten.

Unter den 63 selbständigen Stadtkreisen Preußens steht Hanau an 58. Stelle, zählt mithin zu den kleinsten. Be­trachtet man aber die Anzahl der unter der Bevölkerung vor­handenen Einkommen-S teuerzahle r, so steht es an 13. Stelle und über viel größeren Städten wie z. B. Köln, Gaffel, Düsseldorf, Elberfeld, Bonn u. s. w. 3,06 Prozent der Bevölkerung tat ein Einkommen über 3000 Mk.; Hanaus Platz in dieser Hinsicht unter den preußischen Städten ist der 10.; zur Ergänzungssteuer sind veranlagt 5,29 Prozent der Bevölkerung (12. Platz); die Einkommensteuer auf den Kopf der gesamten Bevölkerung beträgt 8,74 Mk. (18. Platz); die Einkommensteuer auf jeden Steuerzahler 57,59 Mk. (39. Platz); die Ergänzungssteuer auf den Kopf der gesamten Be­völkerung 1,98 Mk. (14. Platz) und die Ergänzungssteuer auf jeden Steuerzahler 37,46 Mk. (23. Platz). Aus alle dem ist zu schließen, daß in Hanau verhältnismäßig mehr Steuerzahler sind, als in den meisten preußischen Städten, daß namentlich ein verhältnismäßig großer Teil der Bevölkerung ein Ein­kommen von mehr als 3000 Mark hat, daß dagegen große Einkommen und Vermögen fehlen, mit andern Worten, daß ein wohlhabender steuerkräftiger Mittelstand in Hanau seß­haft ist.

Hand in Hand mit der Zunahme der Bevölkerung und dem steigenden Wohlstand derselben geht daS Wachstum der Stadt. Im Innern und Aeußern verbessert und verschönt und weit über ihre früheren Grenzen hinaus ausgedehnt, bietet sie jetzt ein ganz anderes Gesamtbild dar, als es noch vor wenigen Jahrzehnten, etwa bei dem Uebergang von Kurhessen an Preußen, der Fall war. Aus der Enge in die Weite das ist die Parole der sich jetzt entwickelnden Stadt. Alles drängt nach der Peripherie, dort ist mehr Luft, mehr Licht, Freiheit und Bewegung. Ws noch vor einem Menschenalter der Landwirt seine Furchen zog, wo wenig ertragssâhiger Boden war, sind neue Straßen ja ganz neue Stadtteile entstanden, und überall zeigt sich das Bestreben, schön zu bauen, Häuser von ansprechendem Aeußern und praktischer Einrichtung zu er­stellen. Wo ist daS kleine, von Wällen umflossene Hanau von vor hundert Jahren hingekommen? Es gehört schon längst der Vergangenheit an und eine moderne Stadt mit um Teil reizvoller und abwechslungsreicher Straßenführung ist an seine Stelle getreten. Es würde uns zu weit führen, wenn wir näher darauf eingehen wollten. Aber soviel sieht man täglich vor Augen, daß das alte Hanau ständig an geschmack­vollen Bauten gewinnt, und wenn man früher in der Zeit der nüchternen Grodlinigkeit die Neustadt alsschön" ansah, so wird die Zeit nicht mehr ferne sein, wo man in dem Hanau mehr und mehr umfassenden Ringe neuer Baulen, in der Verbindung der natürlichen Schönheit seiner Umgebung mit

schmucken Straßen und D!llenvierteln das Ideal moderner Baukunst und eines gelâuterteren Geschmackes wird begrüßen können.

Das eben wird einst unserer Vaterstadt zum großen Vor­teil und zur Hauptzierde gereichen, daß man mit Verständnis die vorhand-neu Anlagen und natürlichen Schönheiten pflegt. Erwähnt sei die Anlage gegenüber dem Westbabnhof, die sich jetzt ganz anders dem Auge des Fremden bei seiner Ankunft darbietet, als vor dreißig Jabren, die Anlage in der Hain- gasie und in der Nußallee. Hier sind die beiden Friedhöfe, der französische und der deutsche, mit schonender pietät­voller Hand in reizende Anlagen umgeschaffen. Und kehren wir an den Platz zurück, von dem das alte Hanau ansgegangen ist, an den Ort, wo das älteste, schon 1829 abgebrochene Grasensckloß gestanden hat, und das neuere, jetzt noch siebende, in den Besitz der Stadt übergegangene, er­baut ist, so finden wir auch hier eine Anlage, einen Park, um den uns manche andere Stadt beneiden kann. Der Stadt­verwaltung dürfen wir unsere volle Anerkennung dafür aus­sprechen, daß sie es sich angelegen sein läßt, diese für Kranke und Erholungsbedürftige leicht erreichbare Stätte stets in gutem Zustande zu erhalten. Es ist aber auch eine Pflicht der Pietät gegen das längst erloschene Hanauer Grafenhaus, dem die Stadt ihr Dasein verdankt, mit sorgender Hand das Vorhandene und Ueberlieferte zu pflegen. Die alten edlen Herren und Grafen würden sicher selbst ihre Freude an dem jetzigen Zustande des Parkes haben, wenn buch ihr Stammes­haus daraus verschwunden ist, und jeden segnen, der hier etwas schönes schafft zu Nutz und Heil der späten Nachkommen ihrer einstigen Untertanen. Die alten Zeiten sind vorüber, ein Neues ist auf den Plan getreten. Sechshundert Jahre sind vergangen, seit mit der Erteilung der Stadtrechte an Hanau freie Bahn für seine Entwickelung geschaffen wurde. Schweres und Harles hat cs viel erlebt; möge ihm die Zukunft nur Gutes bringen! Möge es verschont bleiben vor Feuers- und Waffersgefahr, vor dem Drängen der Feinde von außen und der Uneinigkeit der Bürger im Innern; möge insbesondere der treue alle Gott es ferner beschirmen auf seinem weiteren Gang durch die Jahrhunderte! Mit dem Glückwunsch, mit dem wir heute die Vaterstadt bei ihrem sechshundertjährigen Jubiläum begrüßen, verbinden wir die Bitte an den Lenker aller Menschengeschicke um eine glückliche Zukunft der Stadt, und das G.löbnis, auch an unserem Teil zu helfen, daß sie weiter wachse, blühe und gedeihe. In innltos annos ! Rs.

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Feftgottesvlerifte.

Als Hanaus Bewohner teilweise noch in süß-m Schlummer ruhten, kündeten, weithin vernehmbar, die Glocken den An­bruch des Festes an, auf die rechte Stimmung vorbereitend. Die Festgotlesdienste wurden zu der für die Vormittagszoltes- drenste üblichen Zeit abgehalten. Wir greifen einige derselben heraus.

Festgottesdienst in der Johanneskirche.

Eine weihevolle religiöse Feier war derFestgoliesdienst der Johanneskirche. Herr Pfarrer Lambert hielt die Fest- predigt, der das Bibelwort Psalm 127,1:Wo der Herr nicht das Haus bauet", zu Grunde lag. Die vorzüglich aufgebauts gedankenreiche und das Herz lebhaft erfassenden Predigt war gegliedert in 1. Der Herr ist der Erbauer und Schirmer der Stadt gewesen und 2. Wird er es auch in Zukunft sein? Der Eindruck wurde erhöht durch die vorzüglichen Vorträge des gemischten Chors und des Kinderchors, unter der sachkundigen Leitung des Herrn Lehrers Breidenbach.

FestgotteSdienst in der Marienkirche.

Festliches Orgelspiel begrüßte die zahlreich erschienene Fest­gemeinde. Kanzel und Altar prangten im Frstschmuck. In die Begleitung der FestliederAllein Gott in der Höh sei Ehr",Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren", Nun danket alle Gott" teilten sich U anenkaprlle und Orgel. Erstere spendete als besondere Festgabe unter Hinzuziehung der Orgel noch die Meditation von Bach - Gounod und Händels ewig schönes Largo, während der Kirchenchor durch Vortrag der MotettenLobe den Herrn, meine Seele" (Lellermann) und BiS hierher hat der Herr geholfen" (Ste n) das festliche Ge­präge deS Tages weiter auSqestaltete. Die Festpredigt hielt Herr Superintendent Sopp über Psalm 50 23:Wer Dank opfert, der preiset mich; und das ist der Weg, daß ich ihm zeige das Heil Gottes. Es war in Wahrheit ein Fest­gottesdienst.

Auch in der niederländischen Kirche wurde des Tages entsprechend gedacht wie auch die katholische Kirche einen Festgoilesdienst angeietzt hatte. In den evangelischen Kirchen wurden Kollekten abzehalten zum Bestensdes Diakonissen­heims, in der kathol. Kirche zum Besten des Vincenz-Vereins. In der Synagoge wurde am Samstag ebenfalls eine Fest- predigt gehalten.

Allgemeines.

Altstadt wie Neustadt haben ein prächtiges Festgewand angezogen, manche Straßen sind mit Flaggen ganz bedeckt, ein farbenfrohes herzerfreuendes Bild. Schilder mit dem Wappen der Altstadt sind mit Guirlanden umwunden vielfach als Aus­schmückung verwendet, besonders die historischen Gebäude, wie das erste Altstâdter Rathaus u. A. haben sich in ein hervor­ragend festliches Gewand gekleidet. In seltener Einmütigkeit beteiligen sich alle Kreise der Bevölkerung an der Feier, die das für Hanau so bedeutungsvolle Ereignis der Erhebung zur Stadt verherrlicht. Daß der Himmel ein so griesgrämiges Gesicht dazu schneidet, hat bei der mehr unter Dach und Fach sich abspielenden Feier nicht viel zu sagen, wenn er nur dem Fackelzug heute Abend einen trockenen Verlauf vergönnt. Die gestrigen Festfeiern in den vier Sälen hatten daS Gemeinsame, daß der Andrang dazu so groß war, daß sie schon bald nach der Eröffnung wieder geschlossen werdrn mußten, da sie über­füllt waren. Wir geben nachstehend eine Besprechung der Aufführungen:

Die Feier in der Turnhalle.

Von dein gewaltigen Strom der Völkerwanderung, der sich Zestern abend in die Fessiäle ergoß, balle ein starker Neben fluß nach der Turnhalle seinen Lauf genommen. Die Szene, die sich abends 6 Uhr dort ab spiel le, mag wohl bei allen Sälen die gleiche gewesen sein. Vor dem Eingang hatte sich eine gewaltige Menge gestaut, die, als die Pforten sich öff­neten, einer Sturzwelle gleich den Saal im Nu überflutete und binnen weniger Sekunden alle Plâye überschwemmt hatte. Wir kommen auf dieses wässerige Bild, weil Jupiter Pluvius auf das sonntägliche Fest mit höchst ungnädigem Gesicht herab- gnckle und vom Mittag ab in immer kürzeren Paulen sanfte Gießregen herabschütlete. Es wäre sehr zu wünschen, daß seine Laune sich zum heutigen Festtag bedeutend bessert und wenigstens den Fackelzug mit seinen Ergüssen ungeschoren läßt. Die Kontrolleure walteten mit aroßler Strenge ihres Amtes iinb vergebens war alles Parlamentären, es gab keinen Pardon; wer keine Karte hatte, mußte umkehren und mochte seine Miene noch betrübter aussehen, wie draußen der Himmel, und die war gewiß faum zu übertreffen. Und drinnen im Saal,wèr zählt die Völker, nennt die Namen, die gastlich hier zusammenkamm?" Der hier präsidierende Festleiter, Herr Otto Schalt, führte mit fester, kundiger Hand die Zügel des Festwagens, der trotz der bunten, ungewohnten Zusammensetzung vorzüglich im Gang blieb und auch kein einziges Mal entgleiste. Es war keine kleine Aufgabe, die der Festleiter zu überwältigen hatte und daß sie" mit so großem Geschick vollbracht wurde, möge darum lobend kanstaüerl sein. Seine markige Begrüßungsansprache hatte folgenden Wortlaut:

Im Herbst vorigen Jahres wurde indem biestgenGeschichts- verein die Anregung gegeben, den Jahrestag der vor 600 Jahren erfolgten Erteilung der Stadlrechte an die Altstadt Hanau festlich zu begehen. Diese Anregung fiel auf frucht­baren Boden, es bildete sich sofort aus allen Kreisen unserer Einwohnerschaft ein Ausschuß, der sich den erforderlichen Ar­beiten unterzog und namentlich auch die finanzielle Grundlage des Unternehmens sicherte. Die Ansichten über Zweck und Ausdehnung der Feier gingen sehr auseinander, da einesteils die Winterszeit ungeeignet ist zurAbhaltung größerer Festlich­keiten, andernteils von v er siebenen Seiten behauptet wurde, die Erteilung der Siadtrechte sei nicht von so weittragender Bedeutung, daß man sie überhaupt feiern solle. Schließlich kam mit Recht die Ansicht zur Geltung, daß die Erteilung der Siadtrechte der Ausgangspunkt der Entwicklung unserer Vater­stadt sei und wurde eine einfache, der Bedeutung des Tages und der Jahreszeit angepaßte Feier veranstaltet, zu deren würdigen Durchführung wir heute hier vereinigt sind. Die Entwicklung von Hanau ist schon wiederholt in Wort und Schrisi von berufener Seite geschildert, namentlich verweise ich auf die mit außerordentlich großer Mühe und Sorgfalt aus- gearbeitete Chronik von Land und Smdt Hanau durch Herrn Ernst I. Zimmermann. Es würde zu weit führen, wollte ich mich heute eingehend damit beschäftigen, weshalb ich mich darauf beschränke, einige wichtige Momente hervorzuheben. Wir finden nach Zimmermann zum erstenmale Hanau im Jahre 1234 urkundlich erwähnt, als Reinhard von Hagenowe mit seinem Bruder Heinrich das Erbe teilte, wodurch dem Ersteren die Burg Hagenowe, dem Letzteren die Burg Dorenfelt mit Zubehör zusielen. Burg und Ort Hanau sind wohl zu An­fang des 12. Jahrhunderts entstanden, da die Herren von Buchen von 1140 an in Urkunden auch als Herren von Hanau oder Hagenauwe genannt werden. Hagenowe bedeutet einen umhegten Wald an oder in der Au; die letztere zog sich am Main entlang und gab den beiden Auheim ihren Namen. In der Au am Hagen entstand also die Burg der Hagenower; aus Hagenowe bildete sich zu Ende des 13. Jrhrhunderts Hainowe und Hainawe, im 14. Jahrhundert Hanawe. Als Hain gezeichnete man im 15. Jahrhundert das Wäldchen hinter dem Schloß, das sich bis an die Kinzig erstreckte und von welchem die heutige Haingasse ihren Namen erhielt. Dicht an der Burg entstanden einige Gehöfte, die sich allmählich aus­breiteten und den Anfang des Dorfes Hanau bildeten, doch war der Ort Hanau 1280 noch so unbekannt, daß ein Schreiben der Herrichaft Eppstein damals in das Lehenbuch seiner Herrschaft schrieb:Zu Auheim, wo gelegen ist die Burg Hagenowe, also wie man heute noch zuweilen schreibtHanau bei Frankfurt", schrieb man damalsHanau bei Auheim". Auf das Engste verwachsen mit der Entwicklung unserer Stadl ist das Geschlecht der Herren von Hanau, deren geschichiliche Stellung Reinhard L, gestorben am 20. September 1281, be­gründete. Durch seine Vermählung mit der Erbtochter Ulrichs I. von Münzenberg und bedeutende Reichssihen erhöhte er seinen Besitzstand, auch sein Sohn nahm unter den Edlen der da­maligen Zeit eine ganz hervorr'gmde Stellung ein, derselbe war vermählt mit der Erbiocht r des Grafen von Rieneck- Rothenfels, die gleichsfalls sehr vermögend war. Unter seine Herrschaft fällt die Erteilung der Stadlrechte an unsere Vater­stadt am 2. Februar 1303, zu deren Feier wir heute hier vereinigt sind. Von ganz hervorragender Bedeutung für die Geschichte des Landes und der Stadt Hanau ist ferner die 1429 erfolgte Erbebung Reinhards in den Grafenstand und die Verlegung seiner Residenz von Windecken nach Hanau im Jahre 1436. Und nun beschäftigen wir uns mit dem Grafen Philipp Ludwig II., der mit Recht der hervorragendste Regent Hanaus genannt wird, deffen weilschauendem Blick w r die Gründung der Neustadt Hanau verdanken. Wie bekannt, wurde den in Frankfurt aniâistzèn Wallonen und Nieder­ländern, die vor der blutigen Verfolgung des Herzogs Alba erst nach London, dann 1555 nach Deutsch and entwichen waren, durch den Rat der Stadt Frankfurt das Recht der freien ReligionsÜbung entzogen, worauf ihnen Graf Phitipp Ludwig das Anerbielen machte, südlich von der Altstadt Hanau eine neue Stadt zu erbauen, die er auf seine Kosten befestigte, mit Wâllm, Gräben und Zugbrücken versah. Trotz deS ein­gelegten Protestes durch den Kurfürsten von Mainz, trotz des Proiestes seiner eigenen Untertanen, die befürchteten, daß ihnen durch die Einwanderer der Erwerb entzogen werde, führte er das für die damalige Zeit bevemjame Werk, allen Schwierig-