Erstes Blatt
Bezugspreis:
vierteljährlich 1,80 Mk., monatlich 60 Pfg., für auswärtige Abonnenten mit dem betreffenden Popauffchlag. Di« einzelne Nummer kostet 10 Pfg.
®Äwât und verlegt in der Duchdruckerei des verein, ev. Waisenhauses in Hanau.
General-Anzeiger.
AMchcs Orga« für StaR- Md Landkreis Sana«
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage.
Eiurücknngsgebühr:
Für Stadt- und Landkreis Hanau 10 Pfg. die fünf« gespaltene Peiitzeile oder deren Raum, für Auswärts 15 Pfg., im Reklamentheil die Zeile 25 Pfg., für Auswärts 35 Pfg.
Verantwort!. Redakteur: G. Schrecker ?n Han«,
Nr. 280
Fernsprechanschluß Nr. 605
Amtliches.
Stadtkreis Sanau.
Bekanntmachungen des Oberbürgermeisiemmtes.
Bekanntmachung.
Auf Grund des § 8 des Statuts für Verwaltung und Verwendung des durch Ablösung an Stelle der der Altstadt Hanan zugestandenen Bauholzberechtigung getretenen Atfin- dungskapitals ergeht hierdurch an die Berechtigten die Aufforderung, ihre Ansprüche aus dem Jahre 1903 binnen 4 Wochen vom Tage dieser Bekanntmachung an gerechnet, aus dem Rathaule zur Anmeldung zu bringen.
Anzumelden sind nur die bereits vollendeten Neubauten und Reparaturen.
Bemerkt wird, daß nach § 8 des Statuts für jeden Antrag vom Antragsteller eine Vermessungsgebühr von 2 Mk. zu entrichten ist.
Hanau den 16. November 1903.
Für die Deputation der Alihanauer Berechtigten.
Der Oberbürgermeister.
Dr. Gebeschus.
20964
Kus Stadt und Cand.
Hanatt, 1. Dezbr.
* Nach Falb. Wenn der inzwischen verstorbene Falb mit der Prophezeiung für Dezember, der letzten, welche er überhaupt versagt hat, recht be' alt, dann Hehj für, Dezeiyber kein günstiges Wetter in Aussicht. Im ersten Dezemberdriitel soll es viel Regen, im zweiten viel Schnee, im dritten wieder mel Regen geben. Also gerade zu Weihnachten Regen. Größere Kälte wird nur für vereinzelte Tage um die Monals- mitte anrukündigt. Hoffentlich wird es anders und besser.
* Stadttheaker. Gastspiel Kirch „Egmont". Die Wiederaufführung dieser gewaltigen Tragödie unseres Dichterfürsten, mit der herrlichen Musik von Beethoven wird sicherlich freudig begrüßt werden, umiomehr, als für die Darstellung der Titelrolle der bekannte und beliebte erste He d des Frankmrler Schawpielhau'es Herr Richard Kirch gewonnen wurde. Die Partie zählt zu seinen besten Leistungen und schreiben die „Hamburger Nachrichten" über ihn und seinen „Egmont" folgendes: „Eine schlanke Erscheinung von ritterlicher Eleganz, iü es ihm in hohem Maße gelungen, den verhängnisvollen Optimismus der Denkart, an dem Egmont schließlich zu Grunde geht, als organische Eigenschaft Egmont's glaubhaft zu machen." Es genüge die Bemerkung, daß Herr Kirch seine Aufgabe geistvoll erfaßt, und in ihre schauspielerische
Feuilleton
Materialismus und Geschichte.
Originalaufsatz für den „Hanauer Anzeiger."
Die Lebensanschauung des Mat'rialismus stimmt mit der ihr verwandten des Pan heismus darin überein, daß beide den Menschen als ein bloßes Naturprodukt betrachten und demgemäß behaupten, das Menschengeschlecht habe sich aus einem ünentw ckelten, tierischen, jedenfalls noch nicht sittlichen und religiösen Zustande entwickelt und sei in einem beständigen Forijâ ritte zu immer höherer Entwickelung begriffen. Der Pantheismus erklärt die Religion für eine Entwicklungsstufe, uh nch- auch dazu herbei, die christliche Religion als die Hochsie etafiel dieser Stufe zu bezeichnen, tie aber in der Weiterentwicklung auch überstiegen werden müsse bis zu der z "inen Wissens; wer diese Stufe erreicht habe, dem ! Cwistenlum ein überwundener Standpunkt. Die ein« Entwicklungsstufen des Menschengeschlechtes gehen also von emem ganz rohen, tierischen Standpnnkl aus, in welchem raetne Sittlichkeit gab, über einen unvollkommenen w.l?SB i™ "^' "'Mischen Pantheismus, zum abstrakten ^iSiioiheismus, zum Christentum und cndlich zum Pantheismus.
■ nur aber nun die Geschichte der Religionen, so zeigt^uns viele von dem allen das Gegenteil.
Seit wir durch Jikob Grimm eine Wissenschaft der Mytho- ogic mn matter Methode haben, die der Meister selbst mit „ . ""g hakten Methode der Naturwissenschaften verglich, ist unablässig nicht bloß auf dem Gebiet der Myt ologie und der ^agea der germanischen Völker gcsorscht worden, sondern man < at eaé ganze Geb et der Rtligionen aller gebildeten Völker des Ulieriums in Angriff genommen und schon manchen sauren Spaten- s>ch der Bebauung diesesFeldes getan, aber es bleibt folgenden Generationen noch viel zu tun übrig, um auf diesem spröden Ge-
V^^V.
1. Dezember
Durchführung die gan-? Summe seiner Persönlichkeit und seiner Kunst hineingelegt h»t " — „Der Künstler riß mit seiner von Szene zu Szene böser emporwachsenden S Hopfung das Publikum förmlich bin, das den gebo.enen Kunstgenuß mit reichlichen Hervorrufen lohnte" rc. — Ein hochinteressanter Theaterabend ist sicher zu erwarten.
* Doppel-Konzert im „Deitlschen Hoits^. Auf das Hüne abend im Saale zum „Deu schen Haus" stat findende Doppl-Konzcrt, gegeben von der Damhoferschen Gesellschaft und der Kapelle des thüringischen Ulanen-Reg'ments Nr. 6 unter der Leimig ihres Dirigenten Herrn Kgl. Mussidirigenlen Urbach mcch n wir nochmals ga% sonder? anfm rksam.
* G^srrrrsvereii» Gc- nJn» Die diesjährige Abendun'c-rhawmg mit Ball wM »'7 1. Weibnachtsf-iertage im deutschen .Hause stattfinden. Eine Liste befindet sich im Umlaufe.
* Viehmarkt. Morgen früh findet dahier Zucht- und Fettvieh-Markt statt.
* Festgenommen wurde in Frankfurt a. M. ein von hier ans wegen Fahrraddiehstabls steckbrieflich verfolgter Lehrling.
SpreÄ^aal.
Für die unter dieser Rubrik eingesandten Notizen übernimmt die Redaktton bem Publikirm gegenüber keinerlei Aerantwortuna.
MarSsn-Konsttmversin und Saalba,»Verein.
Am vergangenen Donnerstag hielt der Marken - Konsumverein seine November-Versammlung ab, die als die wichtigste für den Verein anzuieben ist, da in dieser der Jahresbericht und der Gtand der Kasse entgegentzevommen wird. Der wich- "gste Punkt tzieier Noo-wber-Verlammlung war nun die Beschlußfassung über die Verwendung des Uârschussks vom abgelaufenen Jahre. Viele Mitgl eder sind schon seit Fahren der Ansicht, daß man den Uebersckuß an die Mitglieder verteilen soll, aber die Mitglieder denken, die Herren vom Saalbauverein lenken. Es er mb sich wieder, daß der Ssalbauoerein den Ueberschuß von 7000 Mk. nötig hatte. Als in der vorjährigen November-Versammlung an die Mitglieder die Frage gerichtet wurde, was mit dem Ueberschuß ayznfsngen wöre, da stellte Herr Craß den Antrag, den Ueber schuß dem Saalbauverein zu überweisen zwecks Bestreitung der Kosten für Neupflasterung, Abtragung u dgl. in. Der Antrag wurde, da man bestimmt versicherte, es sei das letztemal, daß der Saalbauverein dieses Verlangen an den Konsumverein stelle, angenommen.
Kaum ist nun ein Jahr verflossen und siehe da, man stellt das gleiche Verlangen an den Konsumverein mit der Begründung, daß die Stühle im Saalb zu nicht zweckentsprechend wären und anstatt der jetzigen nun Rohrstühle angeschafft werden sollten. Doch muß zugegeben werden, daß man dies- biete vorwärts za kommen und weitere Strecken urbar zu maiben; es ist nichts gefâhrlich-r a's hier mit stümperhafter Halbbildung vorschnell Rrsultgte pflück n zu wollen, die nur bescheidenem Fleiß und mannba'terAuèdauer zu T<i! wrrdcn können. Dadurch wird die Wiss-nlckafi d'rMyF)o'o«<e und Cagrnsorsckunz wieder in Mißkredit gebracht, sodaß andere Wff'senschafien unbekümmert um sie zur Tasesordnung übergeben werden. Dirs würde kute schon in ausgedehntem Maße steufiakn b i der rü«k^ chtslo en Sin« seitigkeil der materia stischen Lrbensan Lauung, wenn bei uns nicht Männer an der Arbeit gewesen wären wie Max Müller, Spiegel, 8-p>tus, Schrader, Duncker ü. a. Sie laben eine solche Menge sicheren Materiales zusammen gefördert, daß wir der materialistischen und pantdeinilchen An- schannnq von der Entwicklung des Wcn^ence^ -ch s folgende wiffmschafll'ch fesiqesielltcn Sätze eniz?zenha!trn können. W-r finden bei allen Völkern des Altertums, je Höber wir in die Vergangenheit hinaufsieigen, eine desto größere Annäherung an d>e Elkenntnis des einen Heil-gen Gottes ve bunden mit desto wacherem ethischem Bewußtsein von Gut und Böse und desto .lebendigerem Sehnen nach ein-m geäfften Ellöier; je tiefer wir ab-r in der Zeit herab'teigen, ein desto tieferes Sinken von dieser Urreligion herab durch stulichen Leichtsinn zur Trübung der Eottfèerkenntniè bis ru roinn Polytheismus, der dann bei einzelnen Völkern in Panih äsmus umichlägt und Hand in Hand damit eine zunehmende sittliche Verwilderung trotz aller äußeren Kunstfertigkeit, Zivili'ation und Kultur. — Auch bei den sogenannten wilden Völkern finden wir, soweit ihre Geschichte kontrollierbar ist, ein stetes Sinkm, aber fast überall Rückerinnerungen an frühere bessere Zustände. Von einem allmählichen Emporarbeiien findet sich nirgends eine Spur. Fände ein solches Gesetz des Fortschrittes statt, so müßte es sich an den Wilden, die wir schon eine Reihe von Jahrhunderten kennen, beobachten lösten.
Die ausgestellten Behauplunjen lassen sich durch einen Rundgang durch die Kultur- und Re iqionsgeichichte sämtlicher Vâlker- samilien der Erde beweisen. Dieser Rückgang iir mehrfach bm
Fernsprechanschluß Nr. 605. V 1903
»WMB«W.I«WO^nmM«MM^^
mal ehrlicher war und durâblicken ließ, daß man den Ueber« schuß nun jedes Fahr haben wolle. Einzelnen Mitgliedern des Konsumvereins, die unbefangen die Sache verfolgen und sehen, wie der Saalbauverein versucht, fih aller Angelegenheiten des Konsumvereins zu bemächtigen, ist dies schon lange klar. Mit diesen 7000 Mk. hat die Saalbaugesellschaft nun 45 000 Mk. unverzinslich von dem Konsumverein erhalten. Betrachtet man die Summe und die Verwendung derselben, so muß man sich unwillkürlich fragen, ob hier im Sinne des § 21, im Interesse der Mitglieder gehandelt wird, wenn man das Geld auf diese Art und Weite verwendet. Wie lange werden sich die 2200 Mitglieder, worunter sich einige hundert Witwen befinden, die das Geld auch sehr nötig gebrauchen, dieses Gebabren gefallen lassen, wo, nebenbei bemerkt, das Gerücht in der Stadt kursiert, daß der Saalbauverein bei einem hiesigen Institut Geld an« lege, natürlich verzinslich. Wenn der Saalbauverein mit seinem derzeitigen Umsätze sich nicht auf den Beinen halten kann, immer und immer wieder auf das Geld der Aermsten angewiesen ist, so drängt sich die Frage auf, warum man sich dem Antrag auf Verschmelzung beider Vereine nicht angeschlossen hat. Dann hätten die Mitglieder des Konsumvereins einen Vorteil davon, man könnte mitsprechen und sagen, hier wirb im Interesse der Mitglieder gehandelt. Hoffentlich tragen dies« Zeilen dazu bei, daß sich die Mitglieder des Konsumvereins ermannen und dem Saalbauverein die richtige Antwort geben.
Ein Mitglied der Marken-Konsumvereins.
Aus dem Grrichlslaal.
Sitzung per Strafkammer I vom 30. November.
Diebstahl.
Der Sä-kosterlehrling R. zu Fechmbe-m „sand" eines Tage^ den Schl'ssel zu der Kommode seines Mosiers und plündert? dies lbe nach und nach um den Betrag von 55 Mk. Ferner erleichterte er die Hole eines Gesellen, mit dem er im selben Zimmer war, um den Betrag von 15 Mk., entwendete ein Härtemittel und noch einmal Gech im Betrage von 1 Mk. Das Gericht billigte dem Angeklagten mit Rücksicht auf seine Dummheit, die von schlechter Gesellschaft ausgenutzt wurde, und seine Jugens, mildernde Umstände zu und erkennt aus zwei Monate Gefängnis.
F r e i g e s p r o ch e n.
Im Jahre 1901 batte die Firma Moll in Dortmund im hiesi en Forstbezirk Wolfgam eine größere Menge Gruber Holz angekaut, beff.n Bearbeitung einem Vor- arb-iter K. übertragen wurde. Dieser Vorarbeiter engagierte auch d-e Fuhrleute zur Abfuhr des Holzes aus dem Walde und er soll mit dem letzteren Abiu^rvenräge recht zweifelhafter
berufensten Gelehrten gesckeben, und nirgends hat sich nur eine Svur davon konstatieren lassen,' daß man zu einer allmählich aufdämmernden Erkenntnis Gottes gelange. ES läßt sich bestimmt nachweisen, daß bei allen Völkern der Heidenwelt ein Herabge^unkensein von früherer, relativ reinerer GotteSerkennt- nis stau finde. Selbst bei solchen, die ganz in den rohen Aberglauben des Fetischismus gesunken sind, stehen noch einzelne, dem Volke selbst zuweilen unverständlich gewordene Reminis- zeugen an die frühere Verehrung eines unsichtbaren Weltschövfers w e Ruinen da. Hand in Hand mit diesem religiösen Sinken geht ein Sinken in der Kultur. Die Inseln der Malaien nicht minder wie Asien und Afrika haben uns den Beweis der geschichtlichen Tatsachen geliefert, daß das höchste Altertum eine Zeit höchster und allgemeinster Kultur war, deren Reste sich cbkino bei den bis zum aasfressenden KanibaliSmus heruntergesunkenen Tibetanern, als bei den Bewohnern der Karolinen finden, bei lateren sogar in staunenerregender Großartigkeit. (Ponapö.) Man kann sogar geneigt sein, diese uralte Kultur bei der Einfachheit ihrer Mittel eine genialere zu nennen «18 die der Folgezeiten.
Die Kunst ist so alt wie die Menschheit, wurde doch schon, von Carius Söhnen die Poesie, Musik und Plastik gepflegt. In der Entwicklung der Architektonik und Plastik zeigt sich von den Asgypiern und Assyrern zu den Griechen ein hoher Fortschritt, ebenso in der Poesie, aber ein Fortschritt, auf e» Rückschritt und Verfall folgte. U-berall, wo Kultur m einem löheren Sinne sich bei einem Volke entwickelt, steig sie wie ein Monslicht empor, um zu veriö'ckm i»^"N ^"erleuchtendes Gewölb zieht sie über die Rerhe der Natwnen dahin, und hinter ihr wird es tiefcre Nacht. ^^r^all-n nt die ale Kultur der Aeavvier verfault die der Inder, verknöchert di« der Chin eien, auf christliche Nanonen vererbt die der Griechen und Römer und von den alten Kulturreichen der Malaien geben uns nur Ruinen Kunde. Während aber die Kultur wie ein Lichtschein über wenige Völker dahinzieht, zeigt unS die Geschichte bei der ungeheueren Mehrzahl der übrigen dm Pro«